Nr. 117
Zweites Blatt
1S7. Jahrgang
Mittwoch 22. Mai 1907
Grfcheinl täglich mit Au-nahm« be8 SvTmlagL.
Di« „Gittznrrr LamlllevdlStter" werden dem ,Bnaetfler* otermal wöchentlich beigelegt, daS „Xrehblatl für den Ktds Sieben" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint irwnathd) einmal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderhesjen
Notatwnsdrnck and Verlag der VrühNchen Untncrfudlfl - v»zch- und BtetnbtudeteL 8L Lange. Lietzen.
Redaktion. LxvedMon und Druckereir Schul- strotze 7. Expebttlon und Verlag i fcn.« 6L Redaktion: 112. Tett-Abu: AnzeigerGletzen.
politische Lagesscha«.
Nationalliberale Redaerschule.
Die von der nationci(liberalen Partei im Wahlkreise Bochum geplante Rednerschule wird am 3. Juni inS Leben treten. Es hat sich bereits eine genügende Anzahl Schüler für den Kursus gemeldet und weitere Anmeldungen stehen bevor. Auch sind für sämtliche Lehrfächer der Schule Dozenten gewonnen worden, so daß auch in dieser Beziehung der Kursus gesichert ist. Wie eS bei einem politischen Untec- weisungSkursuS selbstverständlich ist, stehen in dem Lehrplan obenan Parteigeschlchte, Nationalökonomie, soziale Gesetzgebung. So wird ein Vortragszyklus die Grundzüge der Nationalökonomie behandeln, cm weiterer Geschichte und Programme der deutschen Parteien, unter besonderer Berück- sichtigung der nationalliberalen Parten Durch den ganzen Kursus hindurch soll sich eine VortragSfolge ziehen über Entwickelung und Wesen der liberalen Weltanschauung. Ferner werden besondere Unterrichtsstunden angesetzt für die Arbeiter- versicherungSgesetzgebung, Geschichte dcS Sozialismus und deS Kommunismus, preußische und deutsche Verfassung, Finanz- wirtschaft, Steuerfragen, die Industrien hes Weltmarktes, Gewerkschaftsbewegung, Kommunalpolitik und private Arbeiterfürsorge. Der Kursus wird drei Monate dauern, und zwar soll vormittags und nachmittags unterrichtet werden. Nebenher wird für Werks- und Zechenbeamte sowie für sonstige Herren, die zwar auch Unterweisung wünschen, sich aber nicht für die ganze Zeit frei machen können, ein Abendkursus laufen, in dem über die in dem HauptkursuS behandelten wichtigeren Fragen zusammensasiend referiert wird.
Aus StaOi uno »uns.
Gießen, 22. Mai 1907.
— Ein pharmazeutisches Institut in Gießen. Auf der kürzlich abgehaltenen Hauptversammlung deS Apo- theker-Vereins im Großherzogtum Heften streifte der Vor- sitzende, Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach, in seinem Jahresbericht auch die Frage der Errichtung eines pharmazeutischen Instituts an der Landesuniversität. Es heißt darüber in dem Jahresbericht: In der Frage ist eS gerade in Hinblick auf die bevorstehende Dreihundertjahrfeier besonders zu bedauern, daß das altehrwürdige Laboratorinm Liebigs in so ttostlosem, verwahrlostem und verkommenem Zustand sich befindet. Seine (Dr. Vogts) in dieser Beziehung bei dem Großh. Ministerium unternommenen Schritte hätten bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt.
** Eine Sitzung b e 5 Prooinzial-AuSschusses der Provinz Oberhesjen findet am 26. d. Alts., vormittags 9 Uhr statt mit 'olgender Tagesordnung: 1. Enteignung von Gelände zur Verbreiterung der Homburger Straße in Bad Nauheim. 2. Sitzung des Gemeinderats zu Büdingen am 3. August 1906. 8. Geinch des Heinrich Weil zu Langsdorf um Erlaubnis zur Errichtung eines leslstehenden TampikesselS. 4. Gesuch der Theodor Remartz Ehelrau zu Gießen um Erlaubnis zum Betrieb einer Schaukwirtschalt.
M Die Arbeiten für die Wiederherstellung des neuen Schlosses schreiten, wie man iin8 mitteilt, rüstig vorwärts und werden aller Voraussicht nach Ende Juni beendigt sein. Vorige Woche fand die erste Probeheizung der von der Firma Käuffer u. Co. zu Mainz ausgeführten Zentralheizungsanlage statt. Die Verlegung der Fußboden- platten für den großen Saal im Erdgeschoß wird Ende dieses Monats durch die Firma Jean Dern u. Co. hier erfolgen, während die Anfettigung der fünf großen Beleuchtungskörper für diesen Saal der Firma Wigand u. Gräfe in Gießen über* tragen worden ist.
** Heimat pflege- und Volkstrachtenfest zu Butzbach. Mr sind in der Lage, nachstehend das oifigielle Programm mitzuteilen: Sonntag, den 16. Juni: Eröffnung des Heimat- und Dolkstrachtenmuseums durch den Historiscyen Verein zu Butzbach. Feier in der Festhalle: Preisverteilung an die Verfasser der von dem Verein für ländliche Heimatpslege, Wohlfahrt- und Kunstpflege preisgekrönten^Gedichte und Erzählungen (PreiÄrusschreiben vom 18. April 1907); Vocrrag der täei preisgekrönten Gedichte; Spinnstubenliedec; Blumeirreigen; Harmonika- Preisspiel (Preisausschreiben des Vereins für ländliche Heurutt- pflege, Wohlfahrt- und Lunstpflege vom 3. Mai 1907); Vortrag voy Gedichten in WettMuer Mundart^ Mukstücke. — Lonzett
2734 Mark. Das Gebäude besitzt jetzt Telephon und eine gute Wasserleitung, bauliche Vergrößerungen und Verbesserungen sind geplant; die Mitgliederzahl des Vereins stieg auf 1650.
Nach der Rechnungsablage ergab sich für den Landeslehrerverein eine Gesamteinnahme von 13 426 Mark, Ausgabe von 10 465 Mark, das Vermögen beträgt 4961 Mark. Der Unterstützungsverem hatte eine Einnahme von 6782 Mark, Ausgabe 3434 Mark. Bei Beratung des Voranschlags für 1908 wurde auf Antrag, des Vorstandes beschlossen:
„Vom 1. Januar 1908 ab erscheint der Lchul - bote wöchentlich, vorläufig in Stärke von einem Bogen, der Ausbau soll allmählich erfolgen."
Tamtt ist eine Erhöhung des Jahresbeitrags von 3 auf 4 Mark erforderlich. Der Voran,ch.ag mit Einnahme und Ausgabe von 11975 Mark findet einstimmige Annahme.
Mtt Bezug auf den Beschluß der hessischen Land- wirtschaststammer vom 8. Mai, Antrag Hensel, betreffend Unterrichtszeit in der Fortbildungsschule, wurde von den 800 Lehrern folgende Resolution einstimmig und mit Beifall angenommen:
„Tie Vertreter-Derfammlung des Landes-Lehrervereins bebau ert den Beschluß der Lanow-irtschastskammer vom 8. Mai, weist den Vorwurf über den geringen Ersttg des J-ortbildungs- schulunterrichts entschieden zurück und hofft, daß die oberste Schulbehöroe auf eine Späterlegung der Unterrichtszeit von 5—7 auf 7—J Uhr abends nicht eingeht."
Dann erfolgte die ui der Presse bereits vielbesprochene Obmanns wähl. Da Obmann Backes-Darmstadt wegen seines hohen Alters zurücktreten will, muß vteuwahl erfolgen. Die Wahl verlief sehr ruhig. Der bisherige Schriftführer Huff-Darm stadt wurde mtt großer Atajorttat gewählt.
Zum zweiten Obmann wurden Kaßlick-Darm- ftabt wieder- und zum Schriftführer Krapp-Darmstadt neu Awählt. Da Backes in diesen Tagen fein 25 jahrigeS Jubiläum ais Leiter des Landeslehrervereinü feiert, so ernannte ihn die Versammlung zum Ehrenvorsitzenden und überwies ihm 500 Mark zu der Dackesstistung. Auf Wunsch des Vorstandes wird Backes die Obmannsgeschäfte noch bis 1. Januar 1908 führen.
Die Anträge, betreffend Beseitigung der öffentlichen Kirchenprüfungen, der Beaufsichtigung der Schulkinder beim Besuch des Gottesdienstes durch den Lehrer, die Leichen- beglettung durch Lehrer und Schüler, wurden einstimmig angenommen; ebenso ein Antrag des Vorstandes, der eine Gleichstellung der Volksschule mit den höheren Schulen in Bezug auf Ferien und achttägige Pfingstferien fordert.
Annahme fand ferner ein Antrag Hnngen, der fordert, daß die in die Schule au f z u n e h m e n d e n Kinder am L Jan. das 6. Lebensjahr zurückgelegt haben müssen. Es soll hierüber mit dem deutschen Lehrer verein verhandelt werden um eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland herbeizuführen.
Am Abend fand im Daalb au ein überaus stark besuchter Festkommers statt, an dem auch die Spitzen der Behörde und Vertreter der Stadt teilnahmen. Atusikdirektor Schmidt betonte, daß gerade Friedberg unter den hessischen Städten am innigsten mit der Lehrerschaft als erste Lehrerbildungsanstalt verbunden sei. Lichtbilder zeigten die Vergangenhett des Seminars, ihre früheren Letter und Lehrer, sowie die Vorkämpfer und Begründer des Landeslehrervereins unb zum Schlüsse Vater Backes. Bei dem Konzert des Kaiser Wilhelm-Regiments, hnmoristtschen Ansprachen und Vorträgen nahm der Kommers einen schönen Verlauf. Morgen tagt die Hauptversammlung.
in der Festhalle, Ansprachen, Lieder. — 2lns dem Fmplatzc ane 16. und 17. Juni nachmittags: Bolksunterhaltungen verschiedener Art. Tanzboden. Wirtschaften. — Mtt dem Trachtenfest verbunden ist die Hauplveriammlung des Hessischen Vereins für ländliche Heimatpslege, Wohlfahrt und Kunstpflege, die am Montag, den 17. Juni, staMinder. Dazu ist folgendes Programm! vorgesehen: Oeffentticye Vonräge: 1. Pflege des Gai Waues, Blumenschmucks uno Vogelschutzes in den Volksschulen, sowie in besonderen Vereinen, Hauptlchrcr Swrcb-ButzMiai; 2. (Sin* schränknng und Verhütung der bei der Feidbereinigung^ sowie her Bach-Unterhaltung und -Regulierung enistehenden Schaden für das landschaftliche Aussehen der Gemarkungen, Rechtsanwalt Dr. v. Helmolt-Friedberg; 3. Transport von Kranken und Verletzten auf Straßen und in Häusern, Kreisarzt Dr. Nebel-Friedberg; gleichzeitig werden Tragbahren, Tragvorrichtungen, JUan- ken-Transportwagen, Verbandkasten, sowie Santtätsschränke aus- aeftelit und erklärt; 4. Verbesierung der Dauweije ui Dörfern, Projelsor Watbc-Darmstadl; truiwäftticher Teil: 5. '^eschäfte-bericht der Vorstandes; 6. Rechnung für 1906/07; 7. Voranschug für 1908 ; 8. Aendcrung der Statuten; 9. Stalrtt für die Bezirk Kpen; 10. Bestimmung des Orts der nachnen Hauptvcrsauun-
Nach Schluß der Versammlung ! intet gemeinschaftliches Mittagessen im Hotel „Hessischer Hos" statt.
-v Friedberg, 21. Mai. Die gestern hier geschlofteue Tilberkul ose-AuSftellung war von 4124 Personen besucht. Gewiß eine über Erwarten hohe Ziffer, die ein weitgehendes allgemeines Interesse bekundet. Auch auf sonstige Weise hat dieses Interesse sich noch bekundet, sei es auch nur durch einige spöttische Bemerkungen bei den Stammtischunterhaltungen über — inne illae lacrimae — Bierherz und Trinkerlunge. Die Ausstellung hat die wünschenswerte Beachtung gefunden und damit ihren Zweck erfüllt.
R.-B. Darmstadt, 21. Mai. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin, sowie Prinzessin Dorothea von Solms-HohensolmS-Lich kehrten heute nachm. 6 Uhr mittelst Automobils auS Lich hierher zurück und wohnten am Abend der Schlußvorstellung im Hoftheater bei. Zur Aufführung kam die „Lustige Witwe" bei aufgehobenem Abonnement vor ausverkauftem Hause.
Matnz-Mombach. 20. Mai. Als gestern früh 5 Uhr ein Schutzmann die Budenheimer Straße abpatrouillierte, bot stch ihm ein trauriges Bild ehelichen Zwist es zwischen zwei .fahrenden Leuten*. Im Straßengraben |aöt nur mit einem zerrissenen Hemde bekleidet, einer ,sahrenben SangerS" holdes Lieb, bitterlich weinend über des Ehemanns Lieblosigkeit. Dieser hatte sein EhegesponS aus dem Wagen geworden und ihrem Schicksal tn kalter 'Morgenstunde überlasten. Der Schutzmann eilte dem Treulosen per Rad nach und holte ihn vor Budenheim em. Da aber alle Vorstellungen den fahrenden Sänger nicht zur Rückkehr bewegen konnten, so mußte er sich damtt begnügen, sich wenigstens dre Kleider für die verstoßene Frau zu erzwingen und diese der Ver- lastenen zu überbringen.
WormS, 21. Mai. Der Begrüßungsabend zu der Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft war außerordentlich gut besucht. Nach Ansprache deS VettreterS der Abteilung der Regierung, der Stadt und deS ReichStagSabg. Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim sprach Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Seine Rede, die mit einem Heil auf den deutschen Geist schloß, wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Die Verkürzung der südwestafrikanischen Entschädigung erfuhr Mißbilligung.
-k. Gleiberg, 21. Mai. Ein Unglücksfall, ber{ für eine ganze Reihe von Menschen hätte verhängnisvoll werden können, trug sich am ersten Feiertag am Fuße unserem Ruine zu. Ein Ziegelmeister auS Leihgestern fuhr mit zwei, Frauen und fünf Kindern in einem leichten Wagen vom PfingstauSflug nach Hause. Bei der bekannten Linde kam der Wagen den steilen Berg hinab ins Rollen und konnte nicht mehr gehalten werden. Die Frauen und Kinder retteten sich durch Abspringen, wobei eine der Frauen mit einem' etwa dreijährigen Kinde auf dem Arme vorn Kutschbock herunterspringen mußte. Sie alle sind unverletzt geblieben. Der Ziegelmeister, welcher ebenfalls absprang, erlitt dagegen einen schweren Beinbruch.
? Aßlar a. d. Dill, 22. Mai. Die Firma Berken- hoff u. DrebeS vergrößert gegenwärtig hier ihre Drahtzieherei bedeutend und die früher in Herborn beschäftigten. Arbeiter finden jetzt hier dauernden, lohnenden Verdienst., Im Ganzen sind z. Zt. an 200 Arbeitskräfte angestellt.. Im Laufe dieses Jahres soll noch eine Stahlhärterei erstehen.
p Wetzlar, 22. Mai. Unser Säuturm und die anschließenden Stadtmauerteile sollen wieder hergestellt, werden. Der Staat, die Rheinprovinz und die Stadt Wetzlar werden hierzu je 1500 2)1. leisten. Der Regierungspräsident hat erklärt, daß bei aller Anerkennung der bisherigen Bestrebungen und Aufwendungen unserer Stadt auf dem Gebiete der Denkmalspflege er doch der Unterlassung der Unterhaltung deS für das Stadtbild Wetzlar so bedeutungsvollen Sau- turmS nicht länger zusehen könne. — Die Firma Friedrich Krupp hat durch die Bergverwaltung Weilburg vergangene' Woche für das hier zu errichtende Volks bad eine freie Beihülfe von 5000 Mark gewährt. Außer den bedeutenden Beträgen der BuderuS'schen Eisenwerke, der. Firma Ernst Leitz, der Mitteldeutschen Kreditbank und be§' Generaldirektors Kaiser sind neuerdings auch von der Gewerk-, schäft Raab und dem Vorsitzenden des AufsichtsrateS der Buderusschen Eisenwerke Kommerzienrat Wittekind erhebliche Summen gezeichnet worden; zusammen sind eingegangen 20100 Mark.
)( Frankfurt a. M., 21. Matt Das englische Komitee zum Studium städtischer Einrichtungen, bestehend aus 47 Parlamentsmitgliedern, Bürgermeistern und städtischen Verwaltungsbeamren, traf heute Nachmittag im hiesigen Hauptbahnhof ein. Zum Empfange waren erschienen, der englische Generalkonsul Francis Oppenheimer, die Konsuln Schwarz und Gardener, sowie einige Vertreter der englischen Kolonie. In zwei von der Stadt gestellten elektrischen Sonderwagen wurden die Gäste naq dem Hotel Fürstenhof gebracht, wo sie Wohnung nehmen. Heute abend fand im festlich geschmückten Kaisersaale des Römer, auf dessen Tischen auch das Silber der Stadt Frankfurt prangte, ein Diner zu Mren der englischen Gaste statt.
Heer und Flotte.
— Von PriNwltz unb Gaffron, Vizeadmiral und Chef der Marmestation der Ostsee, wurde zum Admiral befördert. Von Ah le selb, Vizeadmiral, wurde zum Chef der Vlarmestatton in der Nordsee ernannt Von ® en bemann, Admiral und Chef der Marmestation der Nordsee, wurde zur TiSpositton gestellt
— Der bekannte, in die TippelSkirch-Affäre verwickelt gewesene Major Fischer, tommanbiert zum Oberkommando der Schutztruppe, ist unter Gewährung der gesetzlichen Pension verabschiedet
Vertreter- und Hauptversammlung deS hessischen Landes leh rcrvereiuö.
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k- Friedberg, 21. Mau
Heute begannen im Saalbau die Verhandlungen der diesjährigen Tagung des Landeslehrervereins unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung. Der Saal, der größte Friedbergs war überfüllt Zum letztenmal wurde die ordentliche Jahresversammlung von dem langjährigen Obmann „Vater" Backes aus Darmstadt geleitet, der mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde. Er gab seiner Freude über den starken Besuch Ausdruck und stellte fest, daß 105 Vereine mit 170 Delegierten vertreten waren. Aus seinen Vorschlag wurde an den Bruderverein in Württembergs der heute in Stuttgart tagt, ein Begrüßungs- telegramm gesandt. Seminarlehrer Müller aus Friedberg begrüßte die Versammlung namens des Bezirksvereins Friedberg und wies auf die gut beschickte L e h r - Mittelausstellung in der Turnhalle des Lehrerseminars hin.
Backes verlas hierauf ein Schreiben des Ministers Vr aun, der den Landeslehrerverein für 1908 aus Anlaß der in Darmstadt ftattfindenden hessischen Landesausstellung für freie uno angewandte Künste nach Darmstadt einlädt. Darauf beschloß die Versammlung ihre nächstjährige Delegiertenversammlung in Darmstadt abzuhalten.
Dem vom Vorsitzenden verlesenen Rechenschaftsbericht sei folgendes entnommen: Das Vereinsjahr war infolge der Gehaltsbewegung eines der bewegtesten der letzten Jahre. Wenn auch manches erreicht wurde, so müssen die Lehrer doch stets dahin streben, mit den ihnen gleichkommenden Beamtenklassen gleichgestellt und in das Beamtenbesoldungsgesetz eingereiht zu werden. Die Anrechnung des Militärdicnstjahres als Dienstjahr wurde er* reicht. Es gilt eine bessere Regelung der Witwen- und Maisenversorgung herbeizuführen. Weiter sind in Vorbereitung eine bessere Vergütung des Lektorendienstes und des Unterrichts in den Fortbildungsschulen. Tas Vereins- vrgan, der „Schulbote", erscheint im 48. Jahrgang in 3450 Exemplaren. Tas Veremsoermögen beläuft sich auf 4961 Mark, von der Providentia erhielt der Verein 541 Mark. Die außerordentliche Versammlung am 2. Januar 1907, die sich mit der Gehaltsregulierung befaßte, verlief ernst und würdig.
Backes kommt dann auf die äußerst günstige Entwicklung des Landeslehreroereins feit den 26 Jahren hin, die es ihm vergönnt war, den Verein zu leiten. Damals gehörten dem Landeslehrerverein 55 Bezirlsvereine mit 1100 Mitgliedern an, heute sind es 107 Bezirksvereine mit 3100 Mitgliedern. Auch im Hinblick auf das Volksschulwesen konstatiert er eine sehr befriedigende Entwicklung und zollt der Schulbehörde und ihren Vertretern Dank und Anerkennung. (Beifall.) Hessens Schulwesen könnte und sollte für andere deutsche Bundesstaaten vorbildlich sein. Der Landeslehrerverein ist ein Glied des allgemeinen deutschen Lehrerbunds, dessen Mitgliederzahl auf 112 768 Mitglieder an gewachsen ist. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen.
Dem Jahresbericht des Unterstützungs- Vereins provisorisch an gestellter Lehrer sei entnommen, daß dieser 787 ordentliche und 200 außerordentliche Mitglieder zählt; an 13 Lehrer und Lehrerinnen wurden 3434 Mark als Unterstützung in Krancheitsfällen ausbezahlt. Der Verein besitzt 14 507 Mark Vermögen.
Dern aus Ulfa berichtet über den Verein Lehrerheim Vogelsberg. Er betont, daß sich der Verein finanziell günstig entwickett hat, der Lassenvorrttt beträgt


