Zweites Blatt
। ftr. 206
157. Jahrgang
Redaktion, Expedition und Druckerei! Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e@61. Ä eb af tion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen«
1 Erscheint tLgffch mit Ausnahme deS Sonntags. -..........
• Die „Gtetzener §am!Uenb!Ltter" werden dem
Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das a * Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal * wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Dienstag 3. September 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Stelndruckerei- R. Lange, Gießen.
Ergebnis der SLeuerverattlagung in Hessen für 1907. ii.
> Auch die andere direkte Staatssteuer, d'.e Vermögens- 'ii -cuer, hat in ihrem Ertrage Angenommen und Ivcift bei einem - ^samtaufkommcn von 3 271389 M- 75 Pfg. ein Mehr von »iß 916 Mk- 25 Pfg. auf, was bei einem im Großherzogtum ver- I nfagteit Gcsamtvermögen von iusgesamt 4 361853 000 Mk- einem ^/cmögenszugang von 62 555 000 Mk- entspricht. Sowohl am
\ ^Mtaufkommen, wie am Steuerzugang hat auch hier den S Örtlichsten Anteil Starkenburg, die bei einem steuerbaren Ge- lUiüvcnnögen von 1 693 011000 Mk- an Vermögenssteuer den q ^trag Dvn 1 269 758 Mk- 25 Pfg. liefert und bei einem Ber- 1 Menszugang von 39 029 000 Mk- ein Mehr von 29 319 Mk. ,'33 Proz.) Steuer aufzuweisen hat. Demgegenüber bringt Rhein- * Os,en bei einem steuerbaren Gesamtvermögeu von 1 598 795 000 * 1Mj) einem Steuersoll voll 1 199096 Mk- 25 Pfg. gegen dasVor- | aw ein Mehr von 8471 Mk- 25 Psg. Vermögenssteuer (0,7 Proz.), l< sprechend einem Verinögenszugang von 11 295 OOO Mk-, während ■’ n Oberhessen bei einem Gesamwermögen von 1070 047 000 IijJaxI und bei einem Steueraufkvrnrneu von 802 535 Mk- 25 Pfg.
-ine Äernrögeuszuuahme voll 12168 000 Mk- mit einem Mehr M 9126 Mk- Vermögenssteuer (1,12 Proz.) eingetreten ist. ler reichste Steuerlomrnissariatsbezirk tzist nach wie vor Darrn- 1 I, der bei einem steuerbaren Vermögen voll 562 368 000 Mk- ’} in Vermögenssteuer den Betrag voll 421 776 Mk- aufbringt, '* Mrend im Steuerkommissariat Mainz I trotz dessen größerer 1 ^olkerungsziffcr nur ein steuerbares Verlnögen von 500 960 000 1 iTiarf veranlagt ist, das 375 720 Mk- Vermögenssteuer nbwirft. ü im geringsten ist das veranlagte Vermögell im Steuerkommissariat litten, das bei 25 894 M5 50 Psg. Vernlögenssteuer nur ein i ^euerbares Vermögen von 34 526 OOO .Mk- austveisen kann. Pro- 5 -Mal die größte Zunahme an Vermög ensstenm gegenüber dem 1 Aorjahr hat im Steuerkommissariat Nidda stattgefunden, in bent lief) eie veranlagte Vernlögenssteuer bei einem Zugang von i-388 Mk- 75 Psg. um 3,87 Proz. erhöht hat, wahrend die relativ
.jnngfte Zunahme im Steuerlonlmissariat Homberg mit 0,04 3wzeur eingetreten ist. Auch in absoluter Beziehung steht das Zieuerkommissariat Homoerg hinsichtlich der Zunahme der Ver- iuigenSsteuer an letzter Stelle, da sich das daselbst veranlagte Ver- t nogen bei einem Steuerzugang von 12 Mk- 75 Pfg. gegen das * Zorjahr nur um 17 OOO Mk- erhöht hat. Ten größten Zu- fing an Vermögenssteuer in ab io luter Beziehung hat oas Steuer- j fimmijsariat Offenbach auszulveisen, in dem sich das steuerbare jemwgen von 287 636 000 Mk- auf 298 331000 Mk. oder um I, 0 C95 OOO Mk- erhöht hat, was einem Steuerzugang von 8021 3 Jiai-f 25 Pfg- (3,58 Pwz.) entspricht. In sechs Steuerkorn- " llssariatsbezirken, nämlich Büdingen, Friedberg, Ober-Ingelheim, )ppenheim, Osthofen und Wörrstadt hat sich das steuerbare Ber- :| iygen gegen das Vorjahr vermindert- Tiefer Rückgang ist in \ ent zuerst genannten Steuerlörnmissariat bei einer Vernrögens- 7 bnahille um 26 000 Mk- (19 Ml. 50 Pfg. Steuer und um 1 ',03 Proz.) geringfügig, wesentlich beträchtlicher dagegen in den 4 Origen 5 Steuerkvmmissariaten, in denen die Verminderung des .euerbaren Vermögens zwischen 448 000 Alk- (Ober-Ingelheim) „ nd 2 203 OOO Mk- (Wörrstadt), solvie der Ausfall an Vermögens-
euer zwischen 336 Mk- und 1652 Mk. 25 Pfg. beträgt.
Unter den Städten des' Landes die reichste ist auch in diesem «)Uhre Taxmstadt mit einem steuerbaren Vermögen von fr 15 369 OOO Mk>, womit es das der Eilrwohnerzahl größere t lchinz, in dem 458 312 OOO Mk- Vermögen veranlagt ist, um . and 87 Millionen übertrifft- A?n geringsten ist das steuerbare knnögen dagegen in Alzey, das bei einem veranlagten j vermögen von 30 511 OOO Mk- auch das geringste absolute Mehr . egen das Vorjahr mit 478 000 Mk- Vermögens- oder mit 358 ?LLrk 50 Pfg- Steuerzugang (1,56 Proz.) liefert. In relativer 7 Beziehung^steht dagegen die Zunahme des Vermögens in Mainz j n letzter Stelle, in der die Vermögenssteuer eine Erhöhung von l mr 0,88 Prozent erfahren hat- Die ziffernmäßig größte Zu- j lahme hat demgegenüber in Darmstadt mit einem Vermögens- ! ugmg von 9 445 000 Mk. (1,73 Proz.) entsprechend einer Steuer- 1 rchhuug um 7083 Mk- 75 Pfg. stattgefunden, während pro- ■cmuai Bensheim mit einer Zunahme um 5,74 Proz- an erster 1 5teile unter den Städten des Landes steht- Abgnwnunen hat j 'üö steuerbare Vernwgen allein in Bad-Nauheim, in dem das- elde um'510 000 Mk- und dem entsprechend die Vermögeus- ■ icner^ um 382 Mk- 50 Pfg. (1,26 Proz.) herabgegangen ist. i , Tie Zahl der zur Vermögenssteuer veranlagten Personen - ä im Großherzogtum von 153 473 auf 154 984 gestiegen- Diese i Annahme um 1511 Pflichtige entfällt ausschließlich auf Star- j ’enburg und Oberhessen, wahrend Rheinhessen eine Abnahme ■ 'M 17 Pflichtige aufzuweisen hat- Diese Abnahme in der Zahl , xr vermögenssteuerpflichtigen Personen in der Provinz Rhein- -efstn ist aus das Ergebnis der Veranlagung in den Steuer- v’.mr.ii)ariaten Alzey, Ober-Ingelheim, Osthofen und Wörrstadt 'Urückzufühven, in denen insgesamt 249 Personen weniger als m Vorjahr, zur Vermögenssteuer veranlagt sind, ohne daß die junaljme in den übrigen Steuerkommissariaten der Provinz nhünhessen einen entsprechenden Ausgleich liefert- Im übrigen Mt auch im Steuerst-mmifsariat Beerfelden eine Abnahme in
Zahl der zur Vermögenssteuer veranlagten Personen stattge- uuden, während in allen übrigen Bezirken eine Znnahme ein- letreten ist, die am größten mit 201 Pflichtigen im Bezirk ^ligenstadt, am geringsten mit einem Pflichtigen im Bezirk Oppenheim ist- '[
_ Die größte Zahl Vermögensstenerpflichtiger besitzt das
-ieucr£omnti)|ariat Darmstadt 1 mit 8940, dem Mainz I mit H,0 Pflichtigen nm 470 nachsteht- 'Die geringste Zahl Vev- >wgenssieuerpslichtiger hat das Stenerkommissariat Homberg anf- -uweiseu, in dem^l847 Personen zur Vermögenssteuer veranlagt nid- Von den Städten weist ^Bensheim den größten Zugang veimögenssteuerpstichtigen Personen mit 118 aus, dem Gießen uu 57, Offenbach mit 56, Darmstadt mit 46 Pslichtigen nach- 1 ü'l/eu. In Mainz hat sich die Zahl der Vermögenssteuerpflichtigen ycoer erhöht noch vermindert, sondern ist mit 6849 Personen jLe gleiche wie ,im Vorjahr geblieben, während in Alzey eine Estnahme um zwei Pflichtige eingetreten ist. Darmstadt ist ^der nicht nur dein Vermögensbetrage nach die reichste Stadt )e5 Landes, sondern es har auch die größte Zahl vermögens-- teuerpslichtiger Personen aufzuweisen. Tenn während in Mainz wr 6849, in Offenbach 3260, in Worms 2842, in Gießen nur -aol und indem in dieser Beziehung an letzter Stelle stehen- )cu Bensheim sogar nur 928 Personen zur Vermögenssteuer J trau lagt sind, beträgt die Zahl der Vermögenssteuerpflichtigen. 11 ^LWabt 6139 und übersteigt somit die entsprechende Zahl ur Araiuz um rund 1300 Personen.
yu Kießkner Kanalgebühceuordnuttg.
Wie wir bereits gestern mitteilen konnten, hat das ^coßh. Ministerium der vor einigen Monaten von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Gebührenordnung für die Benützung der Gießener Kaualisationsanlage )le Genehmigung versagt. Im Anschluß daran teilen wir Ul Nachstehenden die Begründung der Ablehnung mit.
In dem Entwurf einer Gebührenordnung für die Be- lutzung der Kanäle einer hessischen Stadt war vorgesehen,
daß von jedem Inhaber einer Wohnung oder eines sonstigen Teils der angeschlossenen Liegenschaften eine jährliche Gebühr nach Verhältnis des Mietwerts des von dem Inhaber benutzten Teils der Liegenschaft zu erheben s ei. Weiter war vorgesehen, daß die Gebühr nach Flächengehalt der Liegenschaften und dem Brandversicherungswert der darauf befindlichen Gebäude zu berechnen sei.
Das Ministerium hat den Entwurf nicht genehmigt und dies, wie folgt, begründet:
Maßgebend für die Befugnis der Gemeinden zur Erhebung von Umlagen und Ausschlägen der hier in Frage stehenden Art sind nach Artikel 7, 9 und 98 der* Städteordnung die Vorschriften des Gesetzes vom 22. Nov. 1872, betreffend die Gemeind e-sAus gab en. Dieses Gesetz stellt in seinem Artikel 3 die Regel auf, daß der Ausschlag von Gemeindeumlagen zur Bestreitung der Gemeinde-fBe- dürfnisse auf das gesamte Kommunalsteuer-Mapital der in der Gemeinde Wohnenden nach dem in den Gemeinde-i steuergesetzen festgesetzten Steuerfuß erfolgt. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz läßt das bezeichnete Gesetz in Artikel 5 insoweit zu, als hier bestimmt ist, daß der Auf-^ wand, der zur Sicherung des Grundeigentums oder zur Abwendung besonderer Nachteile oder zur Erreichung besonderer Vorteile für einzelne Einwohner oder Besitzer oder einzelne Klassen von Einwohnern und Besitzern nötig ist, der Gemeindekasse durch nach einer den besonderen Verhältnissen des einzelnen Falles entsprechenden Norm zu erhebende Ausschläge zu ersetzen ist.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um Aufbringung der Kosten eines Gemeindeunternehmens, das in erster Linie die Sanierung der Stadt im Auge hat, demgemäß das Wohl der gesamten Einwohnerschaft, jedenfalls aber nicht die Erreichung besonderer Vorteile von einzelnen Einwohner-^Klassen erstrebt. Letzteres wird in §2 der vorgelegten Gebührenordnung insofern selbst anerkannt, als dieser Paragraph jeden Inhaber einer Wohnung oder eines sonstigen Teiles einer Liegenschaft für zahlungspflichtig erklärt. Denn die „Inhaber von Wohnungen", das sind im allgemeinen die in der Gemeinde wohnenden kommunalsteuerpflichtigen Personen, können nicht als eine einzelne Klasse von Einwohnern oder Besitzern im Sinne des Art. 5 des angeführten Gesetzes angesehen werden.
Demgemäß kann auch der in der vorgelegten Gebührenordnung vorgesehene besondere Ausschlag nicht auf Art. 5 des Gesetzes vom 22. Nov. 1872 gestützt werden.
Würde die Kanalisation der Stadt neben dem der Gesamtheit der Einwohnerschaft zu gut kommenden hygienischen Nutzen auch besondere Vorteile für einzelne Klassen von Einwohnern oder Besitzern zur Folge haben, so könnten als solche allein die Besitzer der an das Künal- netz angeschlossenen Grundstücke in Betracht kommen.
Aus Stadt und Laud.
Gießen, 3. Sept. 1907.
** L e h r a m t s p e r s 0 n a l i e n. S. K. H. der Großherzog haben den Lehrer am Lehrerseminar zu Bensheim Mich. D ö b e r t zum 1. Musiklehrer an diesem Seminar ernannt; den Oberlehrern Phil. Bitsch an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey, Karl Hensing an der Viktoriaschule zu Darmstadt, Eduard Pfaff am Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt und Reinh. Walz an der Augustinerschule (Gymnasium und Real-i schule) zu Friedberg den Eharakter als Professor erteilt und dem Oberlehrer an der Volksschule zu Mainz Adam Stenn er den Titel „Rektor" verliehen. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Herm. Bender aus Dornholzhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stumpertenrod. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Nieder-Jngelheim, §erm. Jos. Lehr auf sein Nachsuchen.
**Ein Achtzigjähriger. Der Großh. UnioersitätS- Sckretär Geh. Kanzleirat Schäffer begeht morgen in geistiger und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag.
** Eine historische Kommission für Hessen. Mit Entschließung vom 31. August l. I. haben S. K. H. der Großherzog die Bildung einer historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen gutgeheißen und als staatliche Mitglieder dieser Kommission ernannt: den Vorsitzenden des Verbands der Geschichts- und Altertumsvereine im Großherzogtum Hessen, Präsidenten des historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen, Archivdirektor Dr. Gustav Freiherrn Schenk zu Schweinsberg in Darmstadt; den Vorsitzenden des Oberhessischen Geschichtsvereins, Geh. Hofrat Professor Dr. Otto Behaghel in Gießen; den Haus- und Staatsarchivar Dr. Jul. Reinh. Dieterich in Darmstadt; den Diözesanarchivar des Bistums Mainz, Pfarrer, Professor D. Dr. Franz Falk in Klein-'Winternheim; den Universitütsprofessor Dr. Joh. Haller in Gießen; den Direktor der Großh. Universitätsbibliothek, Geheimen Hofrat Dr. Herm. Haupt in Gießen; den Direktor der Großh. Hofbibliothek Dr. Adolf Schmidt in Darmstadt; den Universitätsprofessor Geheimen .Justizrat Dr. Arth. Benno Schmidt in Gießen.
** Kranke nbeförderung. Für die Beförderung von Kranken auf der Eisenbahn kommen neuerdings besonders eingerichtete Krankentragbetten zur Verwendung, durch deren Einführung ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiete der Kitankenbeförderung geschaffen ist. Diese Krankentragbetten, von denen im Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. je eins auf den Bahnhöfen
Gießen, Limburg und Frankfurt a. M. Hptbhf. auf4 gestellt ist, sind derart eingerichtet, daß der Kranke darin von der Wohnung oder der Unsallstelle abgeholt, ohne Umbettung in einem Eisenbahnabteil, in das das Tragbett hineingestellt wird, weiterbefördert und auf der Bestim-s mungsstation vom Bahnhof wieder bis an die neue Lagerstätte (Krankenhaus, Klinik, Wohnung usw.) getragen werden kann. Die Tragbetten können von allen Stationen und Haltestellen — nötigenfalls telegraphisch — angefordert und nach sämtlichen Stationen und Haltestellen der Preußisch-Hessischen Staatsbahn verwendet werden. Die Beförderung erfolgt in den Abteilwagen 3. Klasse. Für die Benutzung sind zwei Fahrkarten dritter Klasse für den Kranken und je eine Fahrkarte 3. Klasse für jeden Begleiter zu lösen. Weitere Gebühren, auch für Rücksen-, düng und Desinfektion des Tragbettes, kommen nicht zur Erhebung. Nähere Auskunft erteilen bereitwilligst die Bahnhofsvorstände.
^^Versteigerung von aus der Schweiz ein- g e f ü h r t e r B u l l e n S i m m e n t h a l e r R a s s e. Gestern Dorrn, wurden hier in der Nebeschen §0 fr eite die von der Landwirtschaftskammer auf Bestellung der Gemeinde Maul-i bach, Heimbach, Wölfersheim, Arnshain und Klein-Karben in der Schweiz angekauften Bullen Simmentaler Rasse unter den Reflektanten versteigert. Den höchsten Preis erzielte ein 1 Jahr 8 Monat altes Tier, den die Gemeinde Mäulbach für 1505 Mk. kaufte. Ferner wurden 4 Sünmentaler Bullen, die ebenfalls die Landwirtschaftskammer für die Zucht-, stationen Windhausen, Oberhörgern, Wenigs und Rodheim v. d. Höhe in der Schweiz hatte ankaufen lassen, durch Los unter den Stationen verteilt. Der Tierzucht-Inspektor Schwarz, der zu den Mitgliedern der Ankaufskommission ge«i hörte, erklärte, es werde immer schwerer, in der Schweiz bestes Material zu angemessenen Preisen erwerben zu können. Die Kommissionen, die die 5 Gemeinden zu der Versteigerung hierher entsendet hatten, waren beim Mustern der Bullen wegen deren Beschaffenheit etwas enttäuscht. Man ist allerdings mit der Zeit dahin gekommen, in Ober^ Hessen, wo Simmentaler Vieh gezüchtet wird, sehr hohe Anforderungen auch in Beziehung auf ideale Beschaffenheit beim Ankauf von Gemeindebullen zu stellen und das ist im Interesse der Rindviehzucht und deren Hebung int Lande auch anzuerkennen.
** Eindrücke eines alten Äießeners bo.n( seiner Vater st ad t. Mr. Henry M. Burckhardt,, ein 71 jähriges Gießener Kind, das in den 50 er Jahren? vorigen Jahrhunderts nach Nordamerika ausgewandert und in New-Britain (Sonn, seinen Wohnsitz hat, weilt seit einigen Monaten in seiner Vaterstadt, um sich an dem außer-? ordentlichen Auffchwung, den sie seit jener Zeit genommen hat, zu erfreuen und feinen nahen Anverwandten unix ehemaligen Spielgenossen einen Besuch abzustatten. Das' Universitätsfest, die Einweihung des neuen Stadttheaters, sowie manche andere Veranlassungen haben dem immer? noch lebenslustigen Manne reichlich Gelegenheit geboten, den gewaltigen Unterschied zwischen damals und jetzt kennen zu lernen und seiner Anerkennung hierüber Ausdruck zu verleihen. Seinem Blick ist nichts entgangen; er zollt' namentlich dem Schwimmbad, dem Theater-Neubau, einigen Schul- und zahlreichen Privatbauten seinen ungeteilten Beifall, während er sich nicht genug verwundern kann, daß die Gießener Bürgerschaft sich mit einem Verkehrsmittel,! wie unsere elegante Pferdebahn, begnügt, die doch den Anforderungen einer so im Aufblühen begriffenen Stadt absolut nicht genüge. Unser Amerikaner rüstet zur Rückreise, hoffen und wünschen wir, daß wir, wenn er abermals den Ozean kreuzt und feiner Vaterstadt einen Besuch macht, ihm mit einer Elektrischen nach amerikanischem Muster auf- warten können. Bis dahin gute Reise und frohes Wieder^ sehen.
** Zimmerblumenpflege. Ein nachahmens-, wertes Vorbild für die Zimmerblumenpflege gibt das Dörf-^ chen Garbenteich. Wer feine Schritte durch diesen? freundlichen Ort lenkt, wird sicher erstaunt sein über die Pracht der blühenden Topfgewächse vor den Fenstern der Wohnhäuser. Man findet dort augenblicklich nicht ettva, vereinzelt die Fenster mit blühenden Fuchsien und Geranien in allen Farben bestellt, sondern es ist im Gegenteil eine Ausnahme, wenn ein Haus keinen Bluemnschmuck zeigt. Die Bowehner anderer Dörfer würden wohl daran tun, ihren Straßen ebenfalls durch Blumenpflege einen freundlichen Schmuck zu geben.
** Das Brautpaar in Begleitung des Po- lizeidieners. In Ilbeshausen im Vogelsberg wurde seither jedes Brautpaar, das an seinem Hochzeitstage zum Standesamt und bann zur Kirche ging, auf dem Wege durch vorgehaltene Seile am Weitergehen gehemmt. Durch dies fogenannte „Hemmen" verschafften sich Burschen und Kinder Geldgeschenke, die der Bräutigam zu verabfolgen hatte. Da aber bei Ausübung dieses alten Brauches ge-t radezu Unfug getrieben wurde, so soll fortan der Polizeidiener das Brautpaar auf seinen Gängen am Hochzeitstage begleiten. Wenn auch gegen den Unfug des „Hemmens" eingeschritten werden mußte, so ist diese Maßnahme, wie unser Gewährsmann meint, doch wohl nicht glücklich gewählt.
O Laubach, 2. Sept. Zum ersten male seit feinem Bestehen ist infolge des Feriemvechsels das hiesige Gy m n a s i u m iu der Lage, das Sedans fest feiern zu können. Eine Schulfeier, bei der heute Gymuasialdirektor Dr. Bauer die Ansprache hielt, leitete das Schulfest ein, dem ein Ausflug folgte.


