Ausgabe 
3.6.1907 Erstes Blatt
 
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Künstlerhaus. Gar bin er (Daily Sterns") dankte mit einem Hoch auf die Münchener Künstler.

Am Nachmittag empfing der -P r i n z r e g e n t im Resi- benzschlosse die englischen Journalisten und ließ sich im Beisein des engl. Ministerresidenten Cartwright mehrere vorstellen. Später wurde noch dem Prinzregenten vor- pestellt Chefredakteur Dr. Diez-Stuttgart als Führer der württembergischen Begrüßungsdeputation. Danach fand im Prinzregenten-Theater eine Festvorstellung statt. Ge­geben wurde Wagners Tannhäuser. Während der Pause wurden Erfrischungen gereicht, wobei Obersthofmarschall Graf Seinsheirn die Honneurs machte.

Prcßstimmeu.

Tribüne" schreibt: Die großartige Begrüßung der engl. Journalisten erreichte den .Höhepunkt, als der Kaiser seine Gäste willkommen hieß. Seine Ansprache und persönliche Unter­haltung, die er mit einzelnen Herren pflog, sind charakteristisch für einen derglänzendsten Monarchen der neuetdr Zeit, typisch in ihrer tatsächlichen und augenscheinlich auf­richtigen Art für den Geist, in dem die Ausnahme stattfand. Es ist gut für England, eine Negierung und eine Partei am Ruder zu haben, gegen deren friedliche Absicht eine verhetzende Politik nicht aufkommen kann. Freilich gibt cs Liberale, die, obwohl weit davon entfernt, Argwohn oder feindselige Gesinnung zu hegen, Reden, wie die v. Mühlbergs mit etwas Kühle und Zurückhaltung ausgenommen haben, in Erinnerung an den Gedanken Bismarckscher Politik, aber ohne zu bedenken, daß gerade durch den fetzt herrschenden Kaiser der Sturz Bismarcks herbev- geführt worden ist. Andere denken mit Unmut an den deut­schen Einfluß in Konstantinopel, und daß^eben erst Deutschland gegen eine internationale Lösung war. Das, was

v. Mühlberg fordert, bildet ein Unterpfand für Deutschlands künf­tige Politik, welche die Engländer nur mit Genugtuung begrüßen können. Des Kaisers Willkommen war auf einen leichteren Ton gestimmt, aber hinter diesen geinütlichen Aeußerungen steckte augen­scheinliche offene Freude, die viele offizielle Bankette und Veran­staltungen aufwiegt. Rur ein sehr beschränkter Leser wird tn diesen Vorgängen nicht das Aufschlagen eines neuen Blattes in unscrenBe zieh ungen zu Deutschland sehen. In dem Chor der Kameradschaft war keine einzige fauche Note. ...,

TerDaily Chronicle" schreibt: JSte englischen Jour­nalisten verleben eine königliche Zeit . . . Herr v. Mühlberg hat gegen die Annahme protestiert, daß die Vergröße­rung der deutschen Marine gegen England ge­richtet 'sei, es ist daher kein Grund vorhanden, weshalb die englischen Journalisten und Politiker von einer solchen Annahme ausgehen sollten. Wenn wir immer davon reden, daß Deutsch­land uns feindlich sei, so gibt ein solches Gerede Deutschland dasselbe Recht zu sagen, England ist Feind.

TerMorn in g Leader" sagt: Eine solche Entfaltung von Gastfteundschast und freundlicher Gesinnung beweist, wie grundlos die argwöhnische Erregung war, womit gewisse Kreise von dem Besuch sprachen. .

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der bisherige Verlaus ihrer Reise und die von den Vertretern der englischer Presse in Deutschland empfangenen Eüidrücke bestärken uns in der Hoffnung, daß der Aufenthalt so zahlreicher angesehener britischer Männer der Feder in Deutschland nach beiden Seiten dahin wirken wird, die Verständigung von Volk zu Volk zu fördern und in* Zukunft vorzubeugen, die während der letzten Jahre mehrfach diÄ Stimmung hüben wie drüben verbittcriid beeinflußt haben. Wir hoffen, daß die englischen Herren, nachdem sic gewissermaßen im Fluge Einblick in das" deutsche Leben gewonnen haben werden, mit dem Wunsche nach ihrer Heimat zurückkehren, je nach Zeit und Gelegenheit unser Land zu längerem Aufenthalt aufzusuchen und die deutschen Verhältnisse näher kennen zu lernen.

Die Gauturrrsahrt des Gaues Hessen.

Die Turner des Gaues Hessen, der sich über den größten Teil Oberhessens, über die Kreise Marburg, Wetzlar, Kirchhain, Fran­kenberg und den südlichen Kreis Biedenkopf erstreckt, waren gestern in R o d h e i tn a. Bieber zusammengeströmt, um hier nach sauren Wochen" harter turnerischer Arbeit ihr Können zu zeigen undftohc Feste" mit den Turngenossen zu feiern. Aufs eifrigste hatte sich der Männerturnverein Rodheim bemüht, die Turner würdig zu empfangen, und die gesamte Einwohnerschaft ist mit ihnen in diesem Streben einig gewesen, prangte doch das ganze Torf im schönsten Feftschmucke und mehrere Ehrenpforten waren vor dem Torfeiugang und am Festplatz errichtet. Doch der Simmel war dem Feste nicht hold, denn es regnete mir kurzen Unterbrechungen in Strömen, wodurch das Fest sehr gestört, das Wetturncn verzögert und die turnerischen Leistungen ungünstig beeinflußt wurden.

Ein Festkommers eröffnete am Samstag abend die Feier, bei dem der Vorsitzende des Männerturnvereins I. C. Teuckcr die Begrüßungsrede hielt; die Gesangvereine trugen mehrere Chöre vor. Am Sonntag vormittag trafen die Turner in dem Festorte ein und dasBieberlieschen" hatte viel Arbeit, um all die Gäste zu Berg zu bringen, die die Mittagszüge füllten. Waren doch allein 564 Turner erschienen, die an dem stattlichen Festzug teil­nahmen. Als dieser sich in Bewegung setzen wollte, brach wieder ein Regenwcttcr los und erst um 2 Uhr konnte der Umzug statt- sinden. Voraus gingen ca. 30 Festdamen in der schmucken Volks­tracht des Biebertals, ihnen folgten der Gau- und Turnausschuß, der Festausschuß, Kampfrichter, Wetturner und ca. 25 Turn- und Ortsvereine.

Lehrer Freitag hielt die Fest- und Begrüßungsrede namens des Männerlurnvereins. Er gedachte der Männer, die auf dem Gebiete der Turnsachc bahnbrechend gewirkt haben, Jahn, Friesen, Guthsmnths, Spieß u. a. und verglich mit der frühen Vergangenheit die Gegenwart. Unter lebhaftem Beifall schloß er mit einem Hoch auf die deutsche Turnerschaft. Der erste Gäuvertreter, Stadtv. Helm aus Gießen, wies auf das nationale Streben in der deutschen Turnerschaft hin und gedachte des Kaisers durch ein drei­fachesGut Heil". Hierauf traten 132 Turner zum Stabturncn an. Geleitet von Gaururnwart Will aus Gießen wurde ein Auf­marsch vorgesührt und bereits hatten die gut eingeübten Stab­übungen begonnen, als ein schwerer Gewitterregen niederging. Die Disziplin der Turner war bewunderungswürdig, sie hielten im Regen so lange auü, bis der Befehl zum Wiegtreten erfolgte. Auf dem allmählich nässer und nässer werdenden Festplatz begann nun das Welturnen, zu dem sich 191 Turner gemeldet halten. Es bestand in den volkstümlichen Hebungen Hangeln, Stabhoch­springen, ^teinstoßen und Freiweitsprung. Tas Turnen mußte wiederholt wegen des Regens abgebrochen und eingestellt werden; alles rennet, rettet, flüchtet" in Zelte und Häuser. Doch ein biederer Rodheimer, zu dem ein Fremder unwillig äußerte:Aber ihr habt scheußlich 2£etrer", verlor den Humor nicht und sagte: Es is besser, wäi goar kans, die Betzberger harre joa entöl 8 Toag goar ka Wearrer." Bereits um 7 Uhr drängte alles nach den Zügen, um heimwärts zu eilen, Kampfrichter und Berechnungs­ausschuß aber waren noch 'bis zum spölen Abend an der Arbeit, um das Ergebnis des Wetturnens festzuftcllen. Bemerkt sei noch, daß trotz des ungünstigen Wetters verhältnismäßig gute Lei­stungen erzielt wurden. Folgende Turner wurden durch Preise ausgezeichnet:

1. Preis mit 35 Punkten Hermann Stulz-Wetzlar, 2. Pr. m. 34 P. Gottl. Kujus-Marburg (T.-V.), 3. Pr. m. 31V. P. Jak. Otto- Wetzlar, 4. Pr. m. je 30 P. Ludw. Kaber-Gießen (At.-T.-P.) und Gg. Dickhaul - Alsfeld (T.-V,), 5. Pr. m. 29 P. Christ. Schmidt- Alsfeld (T.-V.), 6. Pr. m. 28 P. Hch. Schneider-Wetzlar, 7. Pr. in. 27 P. Hch. Hahn-Großen-Buseck, 8. Pr. m. 26*/, P. Hch. Rohr­bach-Lollar, 9. Pr. mit je 26 P. Karl Bcnder-Wctzlar und Hch. Wagner-W' >>-?.r, 10. Preis mit 25'/, P. Karl Möller-Lauterbacy, 11. Pr. i. -5 P. Hch. Hamel-Gießen (T.-V.), 12. Pr. m. 24'/, P. Herrn. '2h'.::! - Schotten, 13. Pr. mit je 24 P. Friedr. Schwarz- Lollar und W:!h. Volk-Großen-Linden, 14. Pr. mit 23'/, P. Emil Bürk-Gießc-.i und Lud. Lenz-Gießen (beide M.-T.-V.), 15. Pr. m. je 23 P. Jul. Trapp-Friedberg, Fritz Hille-Lich und Otto Hertel- Laubach, 16. Pr. m. je 22*/r P. Hch. Erhardt-Gießen (T.-V.), Joh.

Gries-Dad-Rauheim und Lud. Zecher-Stainenberg, 17. Pr. m. ie 22 P. Konr. Krausgrill-Nieder-Weisel, Wilhelm Svamer-Lchotten und Lud. Grölz-Daubringen, 18. Pr. m. je 211/, V. David Otto- Wetzlar und Friedr. Schmidt-Marburg (T.-V.), 19. Pr. m. ie -1 P. Will). Leib-Krofdorf und Herm. Ludoli-Naunheim, 20. Pr. m. je 20'/, P. Wilh. Heß-Gießen (T.-V.), Hch. Scharmann-Wetzlar und Karl Bormann-Wetzlar, 21. Pr. m. je 20 P. Hch- Becker-Bad-Nan- beim, Hch. Engelmann-Wetzlar, Karl Glaser-Bad-Nauhetm und Ferd. Kiinster-Nieder-Mörlen, 22. Pr. m. je 19'/, P. Karl Mnller- Rieder-Wöllstadt, Karl Schrnidt-Grünberg und Karl Spanier- Schotten, 23. Pr. in. je 19 P. Engelb. Bürk-Gießen (M.-T.-Vsi, Adam Spamer-Schotten, Hch. Zecher-Staufenberg und Rchd. Gries- Bad-Nauheim, 24. Pr. m. je 18'/, P. Wilh. Schmidt II.-Rodhenn, Eduard Ebeling-Alsfeld und Gg. Reinhardt-Gießen (T.-V.), 2o. Pr. m. je 18 P. Wilh. Bender-Marburg (T -V.), Herrn. Levi-Neustadt und Beruh. Wack-Bad-Nauheiin.

Aus Sta&t und (and.

** D i e Einweihung des S t a d t t h e a t e r s soll bekanntlich nm Dienstag den 2 3. Juli erfolgen. Das Programm dieser Feier ist jetzt folgendermaßen festgesetzt:

1. Prolog.

2.Vorspiel auf dem Theater" von Goethe.

3.Der zerbrochene Krug" von Kleist.

4.Wallensteins Lager" von Schiller. Für das Lager ist eine besonders prächtige Ausstattung vor­gesehen, die im Atelier des Professors Lütkemeyer in Coburg hcrgestetlt wird. Diese Vorstellung wird Mittwoch den 2 4. Juli unverändert wiederholt. Als dritte Eröffnungs­vorstellung wird am Freitag den 2 6. Juli ein Gesamt­gastspiel des Frankfurter Opernhauses stattfinden. Zur Aufführung gelangt, genau in der Frankfurter Besetzung und Ausstattung,Figaros Hochzeit" von Mozart. Da in der Oper allein 11 Solisten mitwirken, auch Chor und Orchester von Frankfurt mitkommen, und weiter noch zahl­reiche Dekorationen dazu von Professor Lütkemeyer gemalt werden, so ist diese Opernaufführung mit außergewöhnlichen Kosten verknüpft, zu deren Tragung sich der Theateroerein verpflichtet hat. ES ist das erste Mal, daß in Gießen eine Oper durch ein auswärtiges Ensemble aufgeführt wird.

** Der AthletenklubEinigkeit" veranstaltete gestern nachmittag auf der Puloermühle an der Lahn ein Preisstemmen und Preisringen. Dabei errangen folgende Herren Preise: 1. K. Martin, 2. O. Fourier, 3. K. Luch, 4. K. Weber, 5. PH. Gregorius, 6. Chr. Lanio, 7. L. Fischer, 8. W. Lippart, 9. E. Wittmann. Die Preisverteilung wurde von dem ersten Vorsitzenden, A. Weber, vorgenommen. Nächstes Jahr kann der Verein sein lOjähriges Bestehen eiern.

-i-. Aus der Wette rau, 2. Juni. Gestern vollzog ich die Inbetriebsetzung der Bahnstrecke Vilbel Helden berg enWind ecken. Die Erbauung dieser Strecke hat einen seit Jahrzehnten gehegten Wunsch der Be­völkerung von Wetterau und Vogelsberg zur endlichen Er- üllung gebracht. Die Bahn ist das letzte Bindeglied des chon in den 70er Jahren zwischen Vogelsberg, Wetterau und Frankfurt entlang dem Niddertal geplanten Schienengeleises, ras jetzt von Lauterbach über Herbstein, Grebenhain, Gedern, Stockheim, Heldenbergen-Windecken, Büdesheim, Vilbel nach Frankfurt führt. Seit 35 Jahren beschäftigt man , sich mit dem Projekt VilbelStockheim und vor fast zwei Jahren konnte der Teil StockheimHeldenbergen eröffnet werden, während der letzte Teil VilbelHeldenbergen unter mancher­lei Schwierigkeiten zu leiden hatte, sodaß fast 3l/2 Jahre an der nur 16,5 Kilometer langen Strecke gearbeitet werden mußte. Die Geländeschwierigkeiten waren durch die Höhen­züge des Vogelsbergs und die Windungen der Nidder nicht gering, mußten doch bei Windecken vier größere Brücken er­baut und bei Büdesheim ein Tunnel gegraben werden. Stationen erhalten Heldenbergen, Windecken, Büdesheim, Kiljanstädten, Dorfelden, Gronau und Vilbel. Bemerkens­wert ist, daß bei dem Bahnbau drei Baufirmen in Konkurs gerieten. Viel bemängelt wird von der Be­völkerung der Fahrplan, der nur je vier Züge vorsieht und schlechten Anschluß an die Strecke HanauFried­bergHeldenbergenGedern und MainWeserbahn vorsieht. Die Gemeinden wollen Beschwerde führen, um einen besseren Fahr­plan und je fünf Züge täglich zu erwirken. Die Bahn ist für die zahlreiche Arbeiterbcvölkerung und für die Landwirt­schaft von gleich hoher Bedeutung.

Darmstadt, 1. Juni. Staatsminister Ewald hat sich, wie dieDarmst. Ztg." meldet, zur Teilnahme an den im Neichsjustizamte stattfindenden Beratungen über die Straf­prozeßreform nach Berlin begeben. Das Großherzogl. Polizeiamt veröffentlicht eine Bekanntmachung, welche all­gemeinen Beifall finden dürfte. Diese richtet sich gegen die anonymen Anzeigen bei der Behörde und macht in dankenswerter Weise zugleich auf die Straffälligkeit falscher anonymer Anzeigen aufmerksam. Das Polizeiamt gibt weiter bekannt, daß es künftighin anonyme Anzeigen unbeachtet lassen werde.

(fb.) Darmstadt, 2. Juni. S. K. H. bei Großher - zog machte gestern einen Besuch in ber Maschinenfabrik von Opel in Rüsselsheim. I. K. H. die Groß Herzogin fuhr mit bem Erbprinzen Georg unb ber Prinzessin Franz Joseph von Battenberg nach Seeheim, wo bie Herr­schaften beit Tee entnahmen unb bann im Auto zurück­kehrten. Tie 1. Kammer toirb am nächsten Freitag zur Crlebigung einer Reihe durch bie Ausschüsse beratener Gegen- stänbe sich versammeln. Auch wirb ber Sonberausschuß für bie Beratung des Wahlgesetzes gewählt werben. Der zweite (Gesetz gebungs-)Ausschuß setzte am Sams­tag feine Beratung über bas Bachgesetz fort unb man hört, daß eine Reihe neuer Anregungen (jettenb gemacht würben, bie voraussichtlich eine ganze Umwälzung ber Vor­lage zur Folge haben werben. Ter Ausschuß beschloß bie Regierung zu ersuchen, baß sie in einer Reihe anberer Staaten Erhebungen machen unb diese bem Ausschuß mit­teilen möge. Der Ausschuß vertagte sich bann bis Freitag. Der Verein Hessisches Lehr er innen heim hielt am Samstag unter bem Vorsitz ber Frau Lili Wolfskehl seine Generalversammlung ab. Aus bem Kassenbericht ist zu ersehen, daß bie Einnahmen im vergangenen Jahre 7589 Mark unb bie Ausgaben 7568 Mark betragen. Die Ein­nahmen des Lehrerinnenheims betragen 1-1110 Mark unb bie Ausgaben 13 046 Mark. In den Vorstand wurde an Stelle des auf eine Wiederwahl verzichtenden Professors Volkmann-Osfenbach Frau Rotschild-Offenbach gewählt. Wegen bestialisch roher Behandlung seiner Frau, mit der er erst feit 190) verheiratet ist, wurde gestern der 25 Jahre alte Maurer Konrad N o d n a g e l in Griesheim durch die .Gendarmerie, verhaftet und in

das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Aus unbegrßn- )eter Eifersucht hat er das schon zweimal in einer Lungen. Heilanstalt gewesene unscheinbare Frauchen häufig so ge­schlagen, daß es bewußtlos zu Boden stürzte oder zwischen )ie Betten sank. Mit seinen herkulischen Fäusten hat er las Nasenbein entzwei- sowie einen Backenzahn abgeschlagen. Als sein Hausherr einnral ber armen Frau helfen wollte, verletzte er , biefen mit einem Knüppel schwer am Auge. Dann schlug er, als seine Frau entwischte, mit einem schweren Prügel sämtliche Fenster an der Straßenfront unb im Hofe ein, sobaß ein Menschenauflauf von mehreren hunbert Personen entstaub. Er ging bann durch und wurde jetzt erst verhaftet.

Frankfurt a. M., 1. Juni. Der Vorsitzende deL Neeb'schen Männerchors, Architekt Heinrich Bechtold, wirkt in diesen Tagen seit 25 Jahren als Vorsitzender dieses Ver­eins. Seit 32 Jahren ist er Mitglied, feit 29 Jahren sitzt er im Vorstand. Bechtold ist ein geborener Hesse. Die Aussperrung in den Adler-Fahrradwerken ist gestern erfolgt. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt 5000 bis 6000 Personen. In der Kleyer'schen Fabrik arbeiten vorläufig noch 1000 Mann. Doch steht noch nicht fest, ob ich der Betrieb aufrecht erhalten läßt. Die Offenbacher Ver- )andlungen stehen noch auf dem toten Punkt.

Nirrveriitäts-Nachriehteir.

Wie uns aus Marburg berichtet wird, ist der Privat­dozent flir deutsches und bürgerliches Recht, sowie Zivilprozeßrecht an der dortigen Universität, Proiessor Dr. jur. Paul Meyer zum außerordentlichen Professor daselbst in Aussicht genommen.

Tcr bekannte Leipziger Philosoph Geh. Rat Prof. Dr. Wilh. W u n d t (geb. zu Neckarau 1832), Leipziger Ehrenbürger, ist an­läßlich der Mannheimer Jubcltage zum Ehrenbürger der Stadt Mannheim ernannt worden.

Der Wingolf feierte, so wird uns geschrieben, vom 21. bis 23. Mai fein 28. Wartburgfest in Eisenach. Von den Universitäten Berlin, Bonn, Breslau, Erlangen, Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle, Heidelberg, Kiel, Königs­berg, Leipzig, Marburg, München, Münster, Rostock, Straßburg, Tübingen, sowie von den technischen Hochschulen Charlotten- burg, Darmstadt, Karlsruhe, München, Stuttgart waren gegen 300 Studenten, außerdem zahlreiche Vertreter der Philister­verbände erschienen. Den Höhepunkt des Festes bildete ber Fest­zug, der sich unter klingendem Spiel und wehenden Fahnen vom Kärlsplatz nach der Wartburg bewegte, in deren Hof der Vertreter der Argentina Straßburg, stud. Hirtzel, nach dem gemeinsamen Gesang des LutherliedesEin feste Burg" eine Rede auf den Wingolf hielt. Die festlichen Tage erzielten je länger je mehr eine große Einmütigkeit junger und alter Wingolsiten bei aller Verschiedenheit des individuellen Cha­rakters der einzelnen Verbindungen.

und Wifjenicbaft

Infolge von Differenzen in der Frankfurter Künstlerschaft, die durch Streitigkeiten der älteren Richtung mit dem jungen Nachwuchs hervorgerufen wurden, ist eine Spaltung eingetreten. Es steht die Gründung einer neuen Frankfurter Rünstler° Colonie bevor, die bereits am Jahresende mit einer Ausstellung vor die Oeffentlichkeit treten will, in der Architektur, Malerei, Plastik und die Innendekoration vertreten sein sollen.

Arbeiterbewegung.

Offenbach a. M., 1. Juni. Der Metallarbeiter-Ver bandskasse wurde zur Durchführung der Streikbewegung von unbekannter Seite eine Million Ma r k gespendet.

Die organisierten Putzer imd P u tz e r t r a g e r Groß- berlins beschlossen gestern in Versammlungen, die Arbeit ein- zustellen. Der Kampf im Berliner Baugewerbe erfährt dadurch eine neue Verschärümg.

Geriehtskant.

Hirschhorn am Neckar, 1. Juni. Ein weite Kreise inter- essierentcr Prozeß hat letzte Woche sein Ende gefunden. Der Lehrer B r e i tb a ii p t in Heddesbach stand vor der Strafkammer. Es war ihm zur Last gelegt, daß er während des Unterrichts den Schüler n Beisel und Weber mit einem '/, Pfund schweren Hammer vor­sätzlich auf den Kopf geschlagen habe. Der Angeklagte bestritt, den Hammer zu dem Zwek verwendet oder überhaupt sein Züchtigungsrecht überschritten zu haben. Als Zeugen war eine große Anzahl von Personen, meist Schüler und Schülerinnen vor- geladen, darunter auch Weber, während Beisel an Lungen- und Gehirnentzündung gestorben ist. Von den Kindern erklärten die einen auf das Bestimmteste, daß der Angeklagte in der ihm zur Last gelegten Weise mit bem Hammer verfahren sei, andere wollten jedoch hiervon nichts gesehen haben. Der Ortspfarrer schilderte den Angeklagten als einen eifrigen Lehrer, der allerdings dem T r u n k'e ergeben sei, er glaube jedoch nicht, daß dies sein dienst­liches Verhalten beeinflusse. Die Strafkammer kam aus Grund dec Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte fein Züchtigungsrecht erheblich überschritten habe. Mit Rücksicht auf seine Erregtheit wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt und er zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten ver­urteilt. (Mainzer Anz.)

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 3. Juni. 1.15 Uhr.

3%°/0 Reichsanleihe . , 93.95 3% do. . . 83.80 3^7O Konsols .... 93.95 6% do. .... 83.70 3x°/o Hessen . . . 93.10

3%°/0 Oberhessen . . . 94. 4% Oesterr. Goldrente. . 99.05 4'/b % Oesterr. Silbenente 99 20 4% Ungar. Goldrente . . 93.60 4% Italien. Rente . . . 103.20 356 Portugiesen Serie I . 67.60 3-6 Portugiesen III 68.10 44°/o russ.Staatsanl. 1905 90.75 4>a o Japan. Staatsanleihe 93.00 4?6 Conv. Türken von 1903 93.60 Türkenlose......

4-6 Griech. Monopol-Anl. 4-6 äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . 64.50 4>i°/0 Chinesen .... 96.60

Aktien:

Bochum Guss..... 228.

Buderus E. W ... 117.

Elektriz. Lahmeyer . . . 122.25, Elektriz. Schuckert . . . 109.25 Eschweiler Bergwerk . . 224.50

Gelsenkirchen Bergwerk . 195.50

Hamburg-Amerik. Paket!. 131.40

Harpener Bergwerk. . . 206.75

Lanrahütte...... 225.70

Nordd. Lloyd . . 118.60

Oberschles. Eisen-Industrie 107.40

Berliner Handelsges . . 151.25

Darmstädter Bank 129.80

Deutsche Bank . . . 223.50

Deutsch-Asiat Bank . , 155.00

Diskonto-Kommandit. . . 168.90

Dresdner Bank . . . 141.40

Kreditaktien..... 266.90

Baltimore- nnd Ohio-

Eisenlahn . . . 92.75

Gotthardbahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 2510

Oesterr. Staatsbahn . . . 144.50

Prince-Henri-Eiseubahu . 134.20

Tendenz; behauptet.

ISerliuer .Börse, 3. Juni. Anfangskurse.

Canada E. B......165.10

Darmstädter Bank . . . 129.50

Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . . 75.50 Dresdner Bank . . . 141.

Tendenz: unentschieden.

Harpener Bergwerk. Laurahtitte . . Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . .

Türkenlose .

. . 206.20 . . 225.90 . . 25.10 . . 118.70 . . 139.60

Säuglinge sollen nur schreien, wenn fte hungrig oder naß sind. Anhaltendes Schreien findet üch meistens bei Stuhlveritom- urtß, welche durch die Ernährung nutKufeke"-Kindermehl mit oder ohne Milch verhindert wird.Kufcte"-Klndermehl macht die Milch leichter verdaulich, erhöbt durch seinen Gehalt an Mineral- und Eiweisstoffen auch ihren Nährwert.