Ausgabe 
2.2.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 28

Zweites Blatt

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Samstag 2. Februar 1907

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieGfehcner Zamlllendlälter" werden dem ,9liutinere vrennal wöchentlich beigclegt, das Krtisblatt (Br den Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Terhessische Landwirt" erscheint monatlich emmaL

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gvcrheffen

Rotanonsdruck und Verlag der Br üblichen Universuül» - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange, Dießen.

gicbaftlon, ErpcdUion und Druckerei: Sckml-

ftraue 7. Croedilion und Verlag: Redaktion: e^sKUL. Tell-Adra ^InzeigerGießen,

Ter LilrcralirmriS und die Postdeaurtcn.

Man schreibt unfl:

Bon verschicdrncn Seiten hört man, daß unseren Post- beamten vocgciebd wird, die nalionalhbctak Partes hätte nichts für die Postbeamten getan, sondern sich Aujbcstetungen an Gehalt und Veibcsteinngeu in den diensllichen Verhalt. Nissen entgegengesleUt. Alan stellt die Sache so dar, als ob Herr Kühler und dar Zentrum die alleinigen Freunde der Postbeamten wären. Demgegenüber seien folgende Stellen aus den stenographischen Berichte» bed Reichstags milgeteilt.

Schmig uoni 23. Februar 1903:

Atzg. Patzig (natirnalliberal): .Meine Herren, über die Reso­lution, die die lionmuifio» vorgeschlagen hat, und die von bei freisinnigen Lciie vorgeichlagen ist, kann ich mich ebenfalls sehr kurz iahen, ihiir iveibcn dieser Refolnuon zustumnen: sie ergänzen sich aciiusjennatzeii. Ich kann ohne wciieied ann kirnen, wenn man ben llnicibcomicn in den nicht gehobenen Stellen biirchschmillich eine (iil)ol)itng ihres Gehcilies zinoenben will m Lil. 25. bah man dann and) a n b i e U n t e v b e a in t e n de» anderen Dienste« denken nnb ihnen ebenfalls wenigstenS im Lnb- gel) all eine gewisse Berbe sferuwg gewähren niufe. llnb wenn dies foruvirlt auf die Unterbeamten der preuiztschenEiienbahi'.verwaltungunbbieReichs. e 11 e n b a l) n D c r w a 11 u n g, wernglienS in bicjeni beidjeibenen Umfange, so glaube ich, haben wir e r st recht em gutes Werk getan und brauchen un» darüber nicht die gerulgsten Sorgen zu machen.'

Rede vom 17. Februar 1904:

Llbg. Pahig: »Denn ich habe meinerseits die Be- sorg» iS, bau besonder» bei den Unterbeamten eine lieber- bür bnug siattiludet, die mau nur durch Schaffung einer aroßeu Zahl von 11 n i e r b e a in t c n ft eiten be­seitigen rann, wodurch auch nur die Lcmviengkeucn zu loien finb, bie hier i n b e j n g auf bie Sonntagsruhe erwabnt weihen.

llnb es geht doch keluesfall» anders, als bau man bas Be- flmlcnpcifonal euiiprecheiid vermehrt, wenn m noch höherem 'JUlaye bie Sonntagsruhe geivaDit werden soll, als das ]cyt der üaü ist."

17. Februar 1904:

demgegenüber möchte ich aber doch auch aut Grund eigener Kenntnis der Bethälnusje und manchen ttinblidS in bie Zustände m ben Untcibeaniieiiticifeu konslaiieren, bah Ausnahmen tonnen

Gießen, 30. Januar 1907.

Vetr.: Reichs tagSwohleu 1907.

Str WahIksNinijstt dkS crjltn Ijtifitöcn WMkttisks

an die Herren Wahlvorsteher des Wahlkreises.

Hierdurch weise ich Sie nod nalÄ daraus hin, bah am Abend der Wah 1 sosort nachFeststellung deS Ergebnisses dieses in i r telegraphisch oder telephonisch mitjuteilen ist. Etwaige Mitteilungen an hiesige Zeitungen genügen nicht, daS Wahtergeb- ms ist in jedem Falle mit tunlichster Beschleunigung an mich bi reit zu übermitteln.

Dr. Dreidert.

Mittclstauv und tiaüonaölbcralc Partei.

ES wird uns ge schrieben:

Eine der Wahl lüg en, die von Anhängern de» Herrn Köhler verbreitet wird, ist die, daß die Ralionalliberalen Feinde des Mittelstandes seien. Selbst dem bisherigen ReichStagSabg. Pahig suclst man am Zeuge zu flicken, obwohl dieses hervorragendc SJZuglicb brr nalioiiallibcralcn Partei am 7. Oktober 1906 aus bem Parteitag zu Goslar eine mit langanhaltendem Beisall auj- gtiwmnicnc Rede über dieses Gebiet gehalten hat. Wir entnehmen dieser Rede einige Stellen. Sie werden zeigen, daß die AuS- fucuungcn der Gegner nichts sind als auf Stimmenfang bc- rechnete Wahllügen. ES heißt da:

Die seinerzeit viel verspottetenkleinen Mittel", die wir (die läationalliberalc Partei) in Frankfurt befürwortet hatten, bie bet StaalSrat nachher zu feine.» Programm machte, und bie von lanoivirtschaftSfrrundlia-en Ministern in Preußen, Bayern, Baden usw. Zug um Zug angewandt Würben fir Haden ein Wesentliches z u r Befeitigung der -Ictlage inderLandwirtschaftbeigelragen. Co- weit fie foiuvirkn, finb sie durchaus geeignet, auch zur Erhal - tu n g eines lebenskräftigen Bauernstandes ent­scheid', nd mit bcizutragen."

Tos Gesetz von 1880 setzte zunächst ban Geldwucher und den, Grundwucher die nötigen Schranken und zwar im Strafrecht.

Im Jahre 1808 wurde bann bie andere Form des tBu chers, der Sachwucher, und nawenttich der Vieh- Wucher, gleicherweise strafrechtlich unter Ver­folgung gestellt.

Wie gerade, die nationalllberale Partei, baben eS im Jahre 1894 laut programmatischer Kundgebung des Frankfurter De­legiertentages froh begrübt, als im Markens chutzgesetz zum ersten Male für daS deutsche Recht der Grundsatz aufge­richtet wurde, dah bie Verschleierung bet Herkunft einer Ware strafrechtlich zu verfolgen fei."

Tie Regierung hatidio uaiioualliberalc Partei hatte bieS an­geregt ihr versprechen, ein besottdereS Gesetz gegen ben .unlauteren Wettbewerb vorzulegen, rasch genug erfüllt. Seit 27. Mai 1896 ist bieses Gesetz in Geltung. Herr Patzig verlangte bann neue Bestimmungen gegen bie fchwin bei hafte Reklame zum Schutze her verschiedenarti­gen Gewerbe. .

Er will haben, daß bei Ausverkäufen nur wirk­liche Restbestände verkauft werden dürfen, daß keine neue Waren nachgeschoben werden (Antrag der nationalliberalen Partei).

Wir hatten 1894 auf bem Parteitag in Franksurt neben einem Gesetz gegen ben unlauteren Wettbewerb besonders Maßnah - ui e u zur Beschränkung bed Hausierhandels, des Detailreisens, b er Wanderlager und Warenver- fteigerungen verlangt"

Die Novelle zur Gewerbeordnung von 1897 hat ba8 Detailreisen b cm Hausierhandel gleichge­stellt Die Wanderlager sind in den meisten Bunde-- staaten einer viel höheren Besteuerung unterworfen. Der frühere Minister Möller (nationalliberal) hat in Preu gen ein Landesgewerbeamt ins Leben gerufen. Preußen gibt beinahe 10 Millionen für daS gewerbliche Unterrichts- wesen auö Dah unsere hessische Regierung ge- wattige Summen zur Förderung von Landwirt­schaft (Bichzucyt, Ackerbauschulen usw.) und Gewerbe ous- giht, dürste wohl bekannt Jein.

Herr Patzig verlangt Besserung der Verhältnisse (im Bauhandwerk. ES lagen dem verflossenen Reichstag schon zwei Gesetzesvorlagen vor. Die eine will, bafe

geprüfte Meister eine bevorzugte Stellung im Bau­gewerbe haben sollen, bie andere will bie Bauhandwerker i u ihren Forde rungen sichcrstellen.

Auch die lebhaften Wünsche der Tctaillistcn, dcö Kleinhandel-, haben uns immer wieder beschäftigt lin­ieren Freunden im Abgeordnetenhaus (Preußen) ist es zu danken, baß bie Konsumvereine zur Gcmeinbe­ste u e r herangezogen werden und daß die Regierung ver­anlaßt ist, eine Enquete über die Lage deS Klein­handels zu veranstalten.

Herr Patzig machte lernet Mitteilung davon, daß nicht nur daran gearbeitet wirb, ein Gesetz f ü r Witwen- und Waisenversorgung b er Arbeiter zu schassen benn eine solche ist von Herrn Heyligenstaedt freiwillig schon seit 18 9 4 in seiner Fabrik c i n g c f ü 6 r t sondern daß auch die Privatangestellten (Kausleutc, Bureaubeamte usw.) in den Kreis der Versicherten eingezogen werden sollen, um sie gegen Not zu sichern.DaS Reichs- amt des Innern läßt zurzeit die G r u n d z Ü g e für eine Versicherung dieser Privatangestellten aus- arbeite n."

(Erreichen wir daS Ziel, bann haben wir bem neuen Mittelstand eine Arunblage seine- Daseins ge­geben, auf ber er mit gesunden Gliedern sck-afsen nnb sorgen laini, für sich selbst unü jur sliebliche, ersprießliche Zustände im ganzen Vaterland."

Ties wirb wohl genügen, um bie falschen Behauptungen ber Gegner HeyligenstaedlS zu widerlegen.

WaS aber ist uon einer Partei zu halten, die zu solchen un­lauteren Mitteln geeist, um Stimmung jur ihren Äanoibaicn zu machen ? Ist das nicht unlauterer Wettbewerb, den der Mittelstans und ledcr anständige Mensch peruneill? Mittel­stand, sprech selbst das Urteil Über sie! Sei am Wahltage Volks­richter!

Jeder Angchörlgc des Mittelstandes wird also durch Herrn Hevligenstaedt tm Reichstage seine In- leicsjcn wirklich vertreten finden. v-

nur bie Regel oestäugeu die große Armee ber linier» beamten in beiden Verwaltungen, in b e r E 11 e n bahn« u n b R e i ch s p o ii v e i w a 11 u u g. vor allen Dingen bafl'JInfeben ihrer Ehrlichkeit bocNzudatteu wem ulro.

,'Dieme Herren, wir fönnen de'riebigt fein von der Verkehrs- entroidhma. ivte sie unter der Pstege unserer Renbs-, Poll- und lelea'npbenverionliunq ftnitacfunöcn bat, wir können mit Bellie» biguug fonftoiieven, baß unsere gesamte B e a m t e n I d) a t, die n ii i e v e , mittlere undhöhere, auch m sch wierigen 8 e i 1) 5 11 n i f f c n ihre Schuldigkeit ausgiebig getan bat, und wir wollen zu Beginn der gegenwärtigen Beratung weiter fonflnueien, boy wir u i| s bewußt sind, des je re B e r b a l t n i j j e i ü r d i e j e B e a m t e ii k a t e g o r i e f ch a i i e n zu müssen; ich hoffe, baß es ini Lame ber Fahre gelingt, ihren berechtigten Wünschen auch Rech­nung zu tragcn.e

Ob in ber nahononiberalcn Partei Verständnis für bie Enlwicklung bed PostwcsciiS und Qjrainlcntumfl zu flnben ist, kann inan oufl folgenben DluSsührungen PatziqS sehen.

.Wir haben gehört, bau ba eigentlich bie Beichä'tignng von Beamten cifctzi wirb bind) lliueibeamie; nun gut; bann scheint mir allo eine Klasse von Beamten zu fehlen, eine Kategorie zwischen bem U u t e r b e a m t e « und Beamten, und diese Kaiegoiie mag man allmählich hcransweijcii laden au« diesen, Stellen 1 *

Unsere- Wissens entspricht dieser von Patzig am 23. Februar 19o5 anSgespioche Gedanke einem Wuujche unserer Postasfiitcntcn und UnlcrbcQinkn.

D»e KinntniSnahine dieser Plitteilungen scheint unS wohl geeignet, irregeleitete Postbcainle ausziittären über bie wahren Verhältnisse, und bas um so mehr, als Herr Heyligcnstacbt m Fragen des PoslivcscnS mit Herrn Patzig zufammengcar- bcitd hat.

jfDBjBg US ttB ^lllttbltvfSkktziLktU dkk itüt C.ltf.kll. tlufgcbote.

Januar. Sft. Heinrich WilheUn Friedrich Johanne« Roll, Kaufmann in Fiankeiuhot. mit lHo|a Johanna Adolstn« Melanie Hdhicr babier. Hb. Richard Uogel,.iaiion»a||ilUnl m Zocketa, mit Uina Woljj dahier.

Eheschließungen.

Januar. 26. Karl Schalch, türloinoiivhet-er, mit Sophie Mau«, beide dahier.

Geborene.

Januar. 18. Dem ßobutaxbeiier Philipp Hahn eine Dochter, Käthe Wilhelmine. 19. Dem Kichcher Georg Gelchsheimer eine Lochter, 'Ilaria. 20. Dem Znglührei Wilhelm Schneider VUL em Solin, Mark 22. Dem Bädermeister Ifnbioifl Weder ein Lohn, Erwin Heinrich Vubwig Augn|t.. Dem Mehrer Heinrich Lchioötzel ein Sohn. 2d. Tein Fmanzafpiranlen Heinrich Irefct ein Sohu. 27. lern Hausburfchen Johaiin Konrad Hcdroih eme Tochler., 28. Dem Jlouimaim Wilhctm Baumanu em Sohn, Kurt. 30. Teilt Pnoaidozeuteu Lr. Kurt Braud cuie Tochter, Üllatgot Wichetuiuw Fricdeitte.

Gestorbene.

Januar. 26. Philipp Schneider, Gastwirt, 56 Jahre, Walltor^ straße 24. 25. Kathanne Temuth, geb. Qalobi, 82 Jahre, Vub- ivigstr. 18. 26. Eharlotie Ho'inann, geb. Lhletmaun, 53 Jahre, Maiktpl. 8. 26. Kart WaUeujet« 1L, Rcutner, 72 Jahre, Bahn- bofstr. 10. 26. Theodor Weitz, Lehrer L P., 7d Jahre, Bergstr. 2L| 27. Andrea« Mai tut Theodor Lenz, Rechnungsrat, 58 Jahre, Bleichstr. 27. 27. Gustav Adolf Haas, 67 Jahre, Kau'maun, Schistentzerger Weg 50. 28. Heinrich Weidcnhaiis,^ Möbcltrans-> poueur, 58 Jahre, Kathannengasje 14. BL Uune Semmler, ged. Gimdel, 52 Jahre, SlculiaDt 27. Februar. L '.Diane Rohrbach-! geb. Atuend, 72 Jahre, Wejeritr. 17.

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(Siebener stadttyeater.

Die Else vom Erleuhos.

Von S. C. Staack.

Ein Bau ernst ück hat am Frcttog in unserem Stadt- teffitcr einen starken Erfolg errungen. »Die Else vom Erlen- Hof führt uns ein farbiges, aber durchaus opernhaftrs Bild vor Augen, daS in einer reichen und höchst romanhaft spannenden, das Volk packenden Handlung da« Leben in einem Bergdorfc deS SchwarzwaldtS oorzutäuschen sich angelegen sein läßt.

In dem stolzen, starrköpsigen und eigenmächtigen Erlenhof- Lauer hat der Verfasser bie packendste Gestalt seines Stückes geschaffen. Nach berühmten oberbayrischen Mustern. Immer­hin steckt aber auch etwas Echtes in dieser Figur, und nicht nur ber Schwarzwälder, sondern auch der obcrhessische Bauer hat etwas vou dem Knorrigen und Nlarkigcn und dem Ehren­festen und der unerschütterlichen treuen Guthcrzigkell des Erlcnhosbaucrn.

Sonst läßt sich freilich kein Rühmens von dem Stiicke viochen. Den Verfasier, Herrn Siegfried Conrad Staack, habe ich vor annähernd einem Jahrzehnt als Stadllheatcr- Tircktor in Plauen t. V. kennen gelernt. Tie Biihncn- ersahruug bc8 alten ThcaterpraktikuS kommt natürlich feinem Werte zu Gute. Es jetzt nicht ohne Frnche und Vtunterkeit em, wird aber im späteren Verlaufe gar rührselig und tränen­reich. Bekanntlich veifianö im Schwarzwald noch vor dreißig Jahren der echte alte Bergbauer das Hochdeutsche so wenig wie dec Dlicderdeutsche das Lberdeutsche, nämlich gar nicht. So gibt cs beim den ganzen Abend über ein groß Dcschwädlc und Geschwätzle, Geschießte und Gehopste, und nyc ein ganz verstocktes litterarisches Gemüt konnte jo viel Schlechttgkcitcn und jo viel Gutheiten nut trockenem Aeugle anjehen. Alle

Figuren, Niotioe und Effekte altbewährter Theaterschmarren 00m Range der Birchpielferiaden, vom unehelich geborenen Bauernmädle und edlen Baron, der sie rettet, bt£ zum Torshallunken und dem üblichen Torsspaßvogel, diesmal einem .Laubfrosch^, einem , Forscht*.Gehülfen, sind mit großem Phrasenschwall und mügllch'icr Unnatur nach übelsten DJhiflcm ziclbewußt zl.sainmeiigefaßt. Dennoch bereitete daS Publikum, das leider wenig, aber herzlich zur Ltclle war, dem Stückle, besten erster Akt schon fast ben ganzen weiteren Hergang verrät, ein Lach- und Rühreifolgle von ansehnlichem Umfang.

Eifceulicherwelje läßt sich wenigstens konstatieren, daß bie Darstellung im Allgemeinen viel Fleiß und Hingabe auf- wies. Ein recht nettes ,Spätzle' war Frau Lattermann ans Tarmstadt in der Titelrolle. Die Dame Hal viel Routine und eine herzhafte Liunterkeit, die ihr sehr wohl ansteht. Heber daS Fach ber Slawen ist sie ja freilich eigent- lich schon hinaus. Vielleicht als Folge emc§ wohl Jahre langen Fernbleibens von der Bühne idjcmcn ihre Bcweguu- gen mitunter ein wenig soreicrt. Aber im ganzen «nachte fie doch einen recht sympathischen Eindruck unb die ungeteilte reiche Anerlennung, die ihr znlcil wurde, war wohl verdient.

Herr Lberregisteur Balos, der sich den Erlenhofbaner zu feinem Benefiz erkoren hatte, gab diesen alS biederen, aber herrischen Sch'vab von allem Schrot nnb float mit wirkungsvoller Kraft und Tüchtigkeit in derben Zügen ur- wüchsiger Kernhaftigkeit. Sein Eyrenobend brachte ihm den Tank unb die Anerlennung derer, die seine Kunst schätzen, wie eine Menge leckerer FreundeSgaben. In Frau Bonß halte er eine treffliche Partnerin, bie obenbrem von allen am besten mit dem fchwäbijchen Dialekt sich zurcchtfand. Den Bertel sollte Herr Kober porträtieren, eS blieb aber

beim bloßen Verbuch. Seme DJüimt ist noch von größter Unfertigkeit und Unbeholfenheit. Klüger, als ihre Schwächen offen zur Schau zu tragen, täte er jedenfalls, sie zu ver­bergen, bald durch Abwendung vom Publikum, bald durch Zuhülfcnahme unauffälliger Tinge wie eines TuchcS ober dergl. Mit bet etwas wilbblütigen Gertrud hatte Frl. Schuster einen ganz hübschen Erfolg, und recht Annehmbares boten auch die Herren Reimer, Goll, Groneri, RicS unb Kost.

Tie Freud' hält' noch wärmet sei' könne, wenn eS uni Theatcrle mt als gar so kalt gewese wär. P. W.

P.A. Hessische L a n de S. A u S st e l l u n g für fteid unb angewandte Kunst, Darmstadt 1908. Tie 2LuD stellungslettung erläßt an bie Hess. Maler und Bildhauer die Einladung zur Besänckung der Ausstellung. Tie Abteilung für! Malerei und Plasttt, jüc J)te auch Wette von nicht hessischeik Künstlern, die hcsinche lillwtiDe behandeln, willkommen sind, wutf ui bem von Proiefsor Olbrich entwor enen Ausstellungsbau ge­zeigt werben. Ter große zur Bersügung stehenbe Rauoi gibt bie Gewähr iüi eine wütoigc Aufstellung. Tie Leitung ber Lunsl- auSichusse« ruht in ber Hanb von Ptosesfot Scharvogel. Tie Jurv oesteht aus den Ma.ecn Pros. Dr. E. Banget, Pros. L Brachl, W. Bober, Aoolj Beyer, £). H. Engel, bl Hölscher, Pros. d. Ho § mann, E. Ku>uicr, ben Bildhauernvroj. L. Habich und H. Jobu unb dem Proienot an der technischen Hochicyuie Kautzsch. BeschickungSorbnung unb Anmellxllogen sind von der Geschäi^- [ntung ber LuSitellnng in LatmstaOt, Wuhelminenstraße 8, zu beziehen. _

Dem Direktor cüiesHebbel-ThLaterL" in Berlin Tr. Eugen Robert wurde vom Poiizeioräsidium zu Berlin b;e The^tetlon- zession verliehen. T« Bau sott ui den nächsten Tagen begonnen und das ,^)edbel-rhLater" Parkett unb zwei Ränge nut <6U Plätzen fctun un Herbst 1907 eräünzr totrhec.