Ausgabe 
22.5.1907 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Brüssel, 21. Mai. Das Bureau der interparlamen- tarischeu Vereinigung trat heute im Senatspalaste zu­sammen. Als Vertreter Deuschlands nahm der Abg. Eickhoff an der Sitzung teil. Auf Antrag des deutschen Delegierten be­schloß das Bureau, die nächste Konferenz int September 1908 in Berlin crbzuhalten.' In der Nachmittagssitzung wurde der Wortlaut eines an alle Regierungen der Welt zu richtenden Auf­rufs festgestellt. In diesem Aufruf werden die Beschlüsse und Wünsche der Londoner Konferenz vom Juli 1906 den verschiedenen Regierungen unterbreitet.

Wie aus guter Quelle berichtet wird, wird der Gesetzentwurf betreffend Angliederung des Kongo st aates an Bel­gien Ende Juli int Parlament eingebracht werden.

Paris, 21. Mai. Englische Universitätsdele- gierte wurden heute bi der Sorbonne empfangen. Minister Briand hielt eine Ansprache, in der er die englischeii Gäste will- koimnen hieß, hieraus begaben sich diese in dos Rathaus, wo zu ihren Ehren em Frühstück stattfänd. Während desselben hielt der Minister des Auswärtigen Pichon eine Rede.

Wien, 21. Mai. In dem Steirischen Wahlbezirke Lobnitz-Wildon kam es zu einem heftigen Konflikt zwichett Ehristlichiozialen und Deutschnationalen, wobei der frühere christ­lichsoziale Abg. Wohlmeyer durch einen geschleuderten Bierrcug am tzinlerkops schwer verwundet wurde. Die Christ- lichso z ia l en und die F r e i a l l d e u l s ch en schlossen einen Kompromiß zwecks gegenseitiger Unterstützung bei den Stich­wahlen.

. ~ Auf dem heute eröffnetest internationalen land­wirtschaftlichen Kongreß hielt der ehemalige französische Mtntsterprchtdent Meline einen Vortrag über das ThemaZ u- x ll e". Der Vortragende warf zunächst einen Rückblick aut die Erfolge der früheren Kongresse und erörterte sodann eingehend die Ursachen, aus denen die Arbeiter zur A" r-lK drän g t en. Er drückte die Ansicht aus, daß die ArbeUer wieder mehr Anschluß an Die Landwirtschaft suchen werden. Aehnlich sprach sich atuch Hofrat Schullern aus. Dieser erörterte ledoch iroch insbesondere die Schritte, um die soziale Lage der landwirtschastltchen Arbeiter zu verbessern und ste ^zu der Landwirtschaft heranzuziehen.

Don d ü l o w hat am Semmering für den

Sommer Wohnung bestellt und dürfte dort die Zusammenkunft mit Frhr. v. A e h r e n t h a l haben.

_ dapest, 21. Mai. Die Polizei beschlagnahmte tausende von Ausrusen an die .landwirtschaftlichen Arbeiter der sozialistischen Partei, m welchen dieselben wegen der neuen Gesindevorlage zum Streik aufgefordert werden

Konstantinopel 21. Mai. Tie Verbannung Fehtm Paschas von Brus,a nach Aleppo steht bevor. Man keniert, dem Sultan unterbreitet zu haben, daß Fehim an der ßprtze ernes Regiments nach Konstantinopel marschieren wolle

Hamburg, 21. Mai. Der Präsident de§ englischen Handelsamts, Lloyd George, der, begleitet von dem parlamentarischen Sekretär des Handelsamts, Kearley, und dem Sekretär der Abteilung für die Regulierung des Themse- flusieS, Philipson, gestern hier eintraf, wurde heute mittag vom Bürgermeister Mönckeberg empfangen.

Preußen uud derneue Kurs".

R. Berlin, 21. Mai.

Die parlamentarische Arbeit ist in Preußen dem Ab­schluß nahe. Damit erreicht eine Session ihr Ende, die durch die Reichstagslvahl unterbrochen, dem Anschein nach -ader wenig von ihr beeinflußt war. Die Blockbildung hat snoch nicht zurückgewirkt auf das preußische Abgeordneten­haus. Liberale und Konservative flehen dort nicht enger in Fühlung als vordem, von einer Entfremdung zwischen .Zentrum und Regierung in Preußen war wenig zu spüren. Der Ministerpräsident Fürst Bülow fühlte sich nicht be­wogen, im Landtag zu erscheinen und ettvaS verlauten zu lassen von Zugeständnissen an den Liberalismus auch in Preußen. Nahnt er Abstand vielleicht in Rücksicht auf die Konservativen, die von einer Kursänderung üt diesem Ginzelstaat so wenig wissen wollen, daß im Reichstag ihre Wortführer gekränkt protestierten, als von süddeutscher Seite eine volkstümlichere Politik auch für Preußen ge­fordert wurde? Den konservativen Standpunkt, daß der die preußischen Verhältnisse kritisierende Mchtpreuße sich in Unkenntnis über die Dinge befinde, dürfte indessen Fürst Bülow nicht teilen. Zwischen dem agrarischen Reichskanzler und den preußischen Agrariern ist wohl immer noch ein Un rer schied. Wir möchten bei näherer Betrachtung auch meinen, die zu Ende gehende Land tags session verschließe nicht jede Aussicht auf Ab­weichung von der reaktionären Regierungstendenz, viel­mehr eröffnet sie gerade auf dem für den modernen Geist bisher unzugänglichsten Gebiete der Schulpolitik die Mög­lichkeit baldiger Reform.

Herr v. Studt, dessen Ministertage gezählt sind, hat nicht nur die Umgestaltung der Mädchenschulbildung, son­dern, was wichtiger ist, und offenbar im Auftrag des Ministerpräsidenten geschah, die beschleunigte Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes angelündigt, sodaß der Landtag zweifellos schon im nächsten Winter sich mit der Angelegenheit befassen wird. Wenn Fürst Bülow als leitender «Äaatsmamt, wer immer Studt's Nachfolger sei, in dem Entwurf des betreffenden Gesetzes die Wünsche des Liberalismus, die zugleich die Wünsche der Lehrer sind, berücksichtigt, dann erwirbt er sich ein Verdienst, um dessentwülen mancher Winter des politischen Mißver- gnuaens in Preußen sich vergessen ließe.

Bekanntlich wird im nächsten Etatsjahr eine allgemeine Gehaltsaufbesserung der Beamten erfolgen. An sich können davon die preußischen Lehrer nicht ausgeschlossen sein, doch die Wohltat kommt ihnen erst in dem Maße wie den anderen Beamten zugute, wenn sie als Gesamtstand, also ohne Ausnahme, in die Besoldungsördnung der mittleren Staatsbeamten ein­gereiht sütd. Es ist ein Unding, daß Leute von gleicher Vor­bildung ganz verschieden entlohnt werden. Hier muß einheit­liche Grundlage wie tunlichst gleichmäßige Steigerung der Gehalt­sätze festgelegt werden. Niemand, der die neueren Lehrpläne der Seminare kennt, dürfte außerdent im Zweifel darüber sein, daß 'das Seminarabgangsz-eugnis die Gleichstellung der jungen Lehrer mit der Staatsbeamtenklasse rechtsertigen würde, für welche die Prinuireife Eintrittsbedingung ist. Wenn junge Lehrer, die ihr Militärjahr nebst Hebungen absolvierten, zu Reserveoffizieren gewählt worden sind, so erhellt daraus wohl auch ihre Zuge- l-örigteit zur mittleren Beamtenschaft auf Grund der sozialen Stellung und der wissenschaftlichen VorbilDung. Daraus jst die Konsequenz zu ziehen bei Einreihung der Lehrerschaft in die Besoldungsordnung der Staatsbeamten.

Das große Werk der Hebung dieses Standes wird nicht leicht durchführbar sein, aber es ist in Preußen dieForderung des Tages", der gegenüber wohl keine Partei die Mithülfe ver­sagen wird. So erscheint gerade diese Angelegenheit geeignet, zum Ausgangspunkt für einen neuen Kurs in der preußischen Politik genommen zu werben. In der nächsten Landtagsscssion ist die Sache schnittreif. Ter Liberalismus wird bei der Ernte­arbeit hervorragend beteiligt sein. Es bann nicht fehlen, daß aus feinem Zusammenwirken mit der Regierung Ausstrahlungen auch auf aridere Gebiete des innerpolitischen Lebens in Preußen, nicht zuletzt auf das der Wahlrechtsreform, sich ergeben. Nur Schritt vor Schritt freilich wird den Verfechtern reattwnärer Tendenzen Terrain abgeiwmmen werden können, aber die Mehr­heit des preußischen Volkes steht hinter den Kämpfern für zeit­gemäße Polttik.

Lahore (Britisch Indien), 21. Mai. Prndi DaeS, Re­dakteur und Eigentümer der ZettungJndicL" in Gujranwala, ift verhaftet, nach Lahore gebracht und dort sogleich vor das Be­zirksgericht unter der schweren Anklage gestellt worden, Unzu­friedenheit gegen die Regierung erregt und die eingeborenen Truppen zur Meuterei aufgefordert zu haben.

Washington, 21. Mai. Die Kommission für den Handel der Bundesstaaten untereinander begann mit der Untersuchung über die Frachtsätze auf Petroleum und andere Boden- produkte im Gebiete der Zentralfrachtvereinigung. Die National- Pettoleurn-Assoziation in Cleveland (Ohlio), von der die Beschwerde angegangen ist, behauptet, daß eine Vorzugsbehandlung z u g unsten der Standard Oil-Korn pa gute vorliege.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Mai.

"Auszeichnung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hat dem Ministerialrat und Vorsitzenden der M'nisterialabteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen, S ü f s e r t zu Darmstadt, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des Fürstl. Schwarz- burgischen Ehrenkreuzes 1. Klasse erteilt.

Evangelische La ndesfyn ode. Nachdem der seitherige weltliche Vertreter der Großh. Hessischen Division in der evangelischen Landessynode, Oberstleutnant von Böck- mann, zum Chef des Generalstabes des 14. Armeekorps er­nannt worden ist, wurde an seine Stelle für den Reit der laufenden Synodalperiode Oberstleutnant v. Eckartsberg im Leibgarde-Regiment Nr. 115 von der Division zum weltlichen Abgeordneten in der Landessynode bestimmt.

" DieHessische Rechtsprechung" hat als Beilage zu ihrer Nr. 4 in Form eines Festblattes zum 300jähr. Jubtläum unserer Universität eine kurz gefaßte Abhandlung über Die Geschichte der Gießener Juristensakultät erscheinen lassen.

* Im Kolosseum findet am Freitag eine große Wohl- tätigkeitsvorslellung zum Besten des Beteranen-und Kriegerverems

Gewässerte Milch/ Tie gestrige Notiz unter dieser Spitzmarke sei dahin ergänzt, daß der Händler von dem Pro­duzenten "die plombierten Kannen in Empsang genommen hat, er selber also an der Verwässerung keine Schuld tragt.

R. B. Darmstadt, 22. Mai. (Tel.) Dr. Italiener, ein Hannoveraner, wurde zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Religionsgemeinschaft gewählt.

sd. Darmstadt, 21. Mai. Eine vieles Aufsehen er­regende Ansprache hielt kürzlich bei der Feier anläßlich des Semesterschlusses des Akademischen Vereins der Rector magn. der Technischen Hochschule Geh. Baurat Prof. Dr. Guler- muth, der auch schon im vorigen Jahre durch seine Stellung­nahme zu den konfessionellen Verbindungen von sich reden machte. In einem Hinweis auf den erfreulichen Aufschwung, den die Technische Hochschule in den letzten Jahren genommen, wies er darauf hin, daß man diese besonders dem außer­ordentlich guten Besuch der Ausländer zu verdanken habe. Diese Ausführungen wurden von dem größten Teil der an­wesenden Akademiker mit Widerspruch aufgenommen, denn von den Ausländern könnten nur die Russen mit 419 Studieren­den in Betracht kommen, welche mit 57 Oesterreichern zu­sammen den vierten Teil der ganzen Studentenschaft aus­machen, während im letzten Wintersemester nur ca. 17 Nor­weger, 15 Schweizer, 13 Engländer rc. die Hochschule be­suchten. Der Rektor machte dann der deutschen Studenten­schaft den Vorwurf der Unduldsamkeit und Unver­träglichkeit gegenüber diesen Herren, die eine freundliche, liebenswürdige Aufnahme verdienten. Diese Rede wurde mehrfach von Zischen unterbrochen. Unerklärliche Gründe haben gestern die ca. 21 Jahre alte bildhübsche Elisabeth Dammel in Bischofsheim, die in bestem Rufe stehende Tochter eines sehr vermögenden Landwirtes, in den Tod getrieben. In einem kleinen Teich hinter dem elterlichen Anwesen fand man sie als Leiche. Ihr Arbeitsoerhältnis kündigten am Samstag eine größere Anzahl von Metall­arbeitern in der Maschinenfabrik von Gandenberger, weil die Fabrikleitung zwei renitente Arbeiter entlassen hatte und noch weitere Kündigungen in Aussicht stehen sollen. Nach der Sachlage glaubt man, daß sich eine Verständigung bald herbeiführen lassen wird.

Frankfurt a. M., 21. Mai. Bei Aufgrabungs­arbeiten auf dem Nömerberg fanden Arbeiter römische Ziegel, Tongefäße, Nägel, Hufeisen, Holzteile und andere Gegenstände. Die Fundstücke wurden dem städtischen Archiv übergeben. Eine 55 jährige Lehrerin aus Heddernheim wurde am San,stag in der Nähe von Heddernheim als Leiche aus der Nidda gelänget. Auf den Pfingst- verkehr im Hauptbahnhof hat das kühle Wetter während der Feiertage kaum einen Einfluß ausgeübt. Am Sonntag wurden 22 Sonder-Vor- und Nachzüge vom Hauptbahnhofe abgelassen und 14 Sonderzüge trafen hier ein. Von Samstag mittag 1 Uhr bis 6 Uhr nachmittag wurden schon 40000 Personen von hier befördert. Auch die ankommenden Schnell- und Personenzüge waren überaus stark besetzt. Die Pfingst- einnahmen zählen in Frankfurt allein nach Hunderttausenden. Im preußisch-hessischen Eisenbahngebiet werden es diverse Millionen sein, die aus Anlaß des Pfingstfestes in die fiska­lischen Kassen geflossen sind.

Eltville, 21. Mai. Zu dein Eisenbahnunglück auf der Kleinbahn Eltville-Schlangenbad ist noch zu berichten: Zwischen 5 und 6 Uhr abends fuhr ein voll­besetzter Zug von Schlangenbad nach Eltville ab. In der Nähe von Nendorf an Der Klingmühle befindet sich eine scharfe Kurve, die stets nur mit Vorsicht befahren wird. An dieser Stelle nun riß die Lokomotive sich los und die Wagen kamen ins Gleiten. Da sie mit drehbaren Achsen versehen sind, schlug, da sie feine Führung mehr hatten, einer der Wagen um. Von den ca. 50 Insassen wurden ungefähr 15 schwer, zum Teil auch sehr schwer verletzt, 32 haben leichtere Verletzungen erlitten. Die barmherzigen Schwestern aus der Nähe legten die ersten Verbände an. Ein Teil der leichter Verletzten Passagiere ist in einem Eltviller Hotel untergebracht, die Schwerverletzten liegen in Neudorf. Zu dem Eisenbahnunglück bei Schlangenbad wird noch gemeldet, daß der verunglückte Wagen von 50 Per­sonen besetzt war. Das Unglück isl leichter verlaufen, als es zuerst den Anschein hatte. Die meisten Passagiere kamen mit leichten Verletzungen davon. Schwer verletzt wurden nur zwei Wiesbadener. Lebensgefahr ist bei Niemandem vorhanden. Der Lokomotivführer, der das Unglück ver­schuldete, wurde vom Amte suspendiert. Ein Fahrgast, der im katholischen Schwesternheim Klostertiefenbach untergebracht ivordeu war, ist seinen Verlegungen erlegen.

* Kleine 5Jt i 11 e i 1 n n g e n a u s H e i i x n und den Nachbarstaaten. In W o r m s wurde aus dem Rheine die

Leiche der seit dem 1. Dezember v. I. verschwundenen 80jährigen' Frau des bayerischen Oberlandesgerichtsrats Weitzel aus Frankenthal q e ( ä n b e t.

Vermischtes.

Berlin, 22. Mai. Unter den Nachwehen des Prozesses gegen Den Redakteur Karl Schneidt, bei dem es sich um angefa lichc Ausschreitungen der Sittenpolizei handelte, hat der als Zeuge vernommene Kunsthändler Max Neumann schwer zu leiden. In Dem Prozeß war zur Sprache gekommen, daß Neumann durch einen Beamten der Kriminalpolizei erfahren haben sollte, daß Sittenbeantte in einer Wohnung nicht korrekt verfahren seien. In bem darauf vom Polizeipräsidenten ein* geleiteten Disziplinarverfahren gegen Unbekannt weigerte sich Neu­mann unter Berufung auf sein gegebenes1 Wärt, seinen Gewährs-. mann zu neunen. Er wurde deshalb zunächst in eine Geldstrafe von 20 Mk. genommen. Da dies' aber an seinem Standpunkt nichts änderte, so wurde die Z en g n is-Z w an g s ha ft über ihn verhängt. Der Haftbeschluß soll in Den nächsten Tagen vollstreckt werden und Die Haft nötigenfalls auf sechs Monate ausgedehnt merben. Gegen diesen Beschluß hat Neumann zunächst Beschwerde eingelegt.

* Furchtbares Unglück auf den Karolinen. Nach Sydney ist die Nachricht gelangt, daß ein Orkan und eine Flutwelle Die Karolineninseln am 30. April heimgesucht und großen Schaden angerichtet haben. Es sollen 200 Einge-, boten c nm gekommen sein.

* K l e i n e Tages chrouik Zu dem Grubenarbeiter und Hausbesitzer Okampfer in Gaibuika (Oberschlesien) kam ein galizischer Schmuggler und bot Frau Okampfer Spiritus zum Stauf an. Bei der Bezahlung kam eS zwischen beiden zum Streit. Ter Schmuggler tief zur Polizei und wollte Frau Okampfer wegen Spirituskaiifes zur Anzeige bringen. Voller Angst warf die Frau den Behälter mit dem Spiritus in den breimenben Küchenherd, worauf eine Explosion erfolgte, durch die bas Haus in Flammen aufging. Zwei Kiiiber der Okampserschen Eheleute verbrannten, Frau Okampfer erlitt lebensgefährliche Brand- wiinben. Jil grauen ft ein bei Freiberg i. S. versuchte die Frau bes Ausiehers Groß in einem Anfalle von Wahnsinn ihren beiden Kindern, Knabe und Mädchen sowie ihrem Mann mit eineni Messer die Kehle zu Durchschneiden. Der Mann wachte zum Glück auf und überwältigte die Wahn­sinnige. Diese sowie das Mädchen wurden schwer verletzt nach dem Krankenhause gebracht. Vater unb Sohn sind leicht verletzt. In dem lothringischen Orte K n e n t t i n g e n wurde ein ital. Arbeiter aus bem Hinterhalte erschossen. Ter eigene Bruder des Ermordeten wurde als Täter verhaftet. Als Beweggrund Der Tat wird Eifersucht angenommen. Der Hauptgewinn Der Freiburger Geldlotterie von 100 000 Mark fiel in eine Kollekte nach Rheydt. Ter Besitzer des Looses hat sich noch nicht gemeldet.

Universitäts-Nachrichten.

E i s e n a ch , 20. Mai. Der 26. o rdentl i ch e Burschen­tag ist in Den Pfingsttagen in der Wartburgstabt zusammengetreten. Sämtliche 62 bentsche Burschenschaften haben zu Dieser Tagung Ver­treter abgeorbnet, sodaß im ganzen 200 Burschenschafter hier anwesend jein mögen. Die Verhandlungen sind vertraulichrr Natur. Unter den Aur Beratung gelangenden Anträgen befindet sich ein solcher, welcher eine Reform bes Ai e n s il r w e s e n s anfirebt. Das Präsidium führt gegenwärtig bieBurschenschaftGerrnania"-Breslau. Neu aufgenommen würben zwei Burschenschaften, nämlich die Burschenschastliche Derblnbung ^Holzminba"-Göttingen unb die sreischlagenbe VeibinbungNorinanma"-Leipzig, sobaß ber Burschen- schastliche Verbanb nunmehr auf 64 Verbindungen angewachsen ist. 9 leb en den aktiven Burschenschaften hält auch Die Vereinigung alter Burschenschafter z. Zt. hier ihren Jahreskonvent ab. Zur Teilnahme an demselben sind etwa sechzig alte Herren erschienen.

Prag, 21. Mai. Der Altmeister Der österreichischen Veterinär^ Medizin, Hofrat Professor Dr. Roll, ist gestorben.

Gerictzts-aaL.

Das Schöffengericht in Mühlhausen i. S. ver­urteilte den Redakteur Jean Martin von der sozialdemokratischen Volkszeitung" wegen Beleidigung des katholischen Jünglingsvereins in Hueingen zil 2 Aionaten Gefan^nis^

Kandel.

Die neue 4 pvoz. Gießener Stadtanleihe von nom. Mk. 3 000 000 wird in Gießen bei der Mitteldeutschen Creditbjankfiliale ä 99V2 von heute biÄ zum 28. er. inkl. zur Zeichnultg aufgelegt. Tie Zinsscheine, sowie die ausgelostrn unb geEünbigten Schulbverschreibungen sind kostenfrei in Berlin, Frankfurt a. M., Gießen, Wetzlar und Marburg zahlbar. Die Schulbverschreibungen können im ganzen Deutschen Reich zuv Anlage von Mündelgeldern verwandt werden. Die Einführung Der Atlleihe an Den Börsen von Berlin und Frankfurt p. M. soll demnächst erfolgen. . ,

Märkte.

k. Schotten, 21. Mai. Am dritten Pfingsttag findet hier alljährlich ein Prämiierungsmarkt statt, welcher eine Art Volksfest bedeutet. Die Beschickung des Marktes war heute keine allzu große, es waren aufgetrieben 60 Bullen, 96 Külhs und Rinder, 511 Schweine und Ferkel. Mehrere Kühe und Bullen für Gemeinden wurden zu ansehnlichen Preisen verkauft, während das Geschäft in Kühen unb Rinbern gering war. Dagegen wurde der Schweinemartt fast geräumt zu mittleren bis niedrigen Preisen. Die Tendenz am Schweinemartt ging aus von einem .Händler aus Sterb fr itz, der feine aufgetriebenen 74 Stück von! Anfang zu guten Preisen aosetzte, später aber, um alles zw verkaufen, im Preise herunterging und Den Rest mit 35 Mk. bet' Paar abgab. Tie Prämiierung des Rindviehs hatte folgendes Resultat: Bullen: 1. W. Künkel, Eschenrod, 2. Hch. Wolf 111,1 Eschenrod, 3. Karl Müller, Betzenrod, Th. Fischer, Hof Zwiefalten^ 4. Adolf Becker, Wingershausen, Bürgermeister Weber, Eschenrod/ Anerkennungen: Joh. Wolf IV., Eschenrod, Hch. Öofmann V., Wohnfeld, Zimmer, Bingmühle, Bürgermeister Weber, Eschenroch Karl 5)ofmann, Besenrod, Hch. Bechtold, Uchenrod, Konrad Adolf, Herchenhaiu. Kühe und Rinder: 1. Karl Lenz, Betzenrod, 2. Heinrich Strauch, Busenborn, 3. Joh. Hch. Repp, Nudmgsham, Karl Merz II., Betzenrod. Anerkennung: Joh. Me^, Betzenrod. Die Sirnrnenthaler Rasse war vorherrschend. Während bis zum Mittag der größte Teil des kaufenden und verkaufenden Publikums den Markt verließ, traf am Nachmittag dre Äugend der Umgegend ein, um sich zu amüsieren, wozu reichlich Ge­legenheit vorhanden war. t ,

ic. Frankfurt a. M., 22. Mai. lOng.-Telegr. beS »Gieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkau'e ftanben 00 Kalber, 00 Schafe u. Hammel, 809 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 5500 Pf., Lebendgewicht 43.00-00 Pf., 2. Qual. 54-00 Pf., Lebendgewicht 42.50-00 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg. Kälber 1. Qual. 0000 Pf. Lebendgewicht 00-00 Pfg., 2. Qual. 00-00 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg. Schafe 1. Qualität 00 | 00 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg, Geschäft bei Schweinen: Markt lebhaft, Ueberftanb unbedeutend. Während bes Atarkles liefen nach 5 exira Waggons Schweine ein.

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