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22.1.1907 Erstes Blatt
 
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Erscheint täglich anker Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamllirn- bläller uicnnal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich da- Kieisblatt für den Kreis Sietzen. Fernsprech An- fchlußf.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen: Anzeiger Wiefecu.

Erstes Blatt

157. Jahrgang

Dienstag 2?S. Januar 1907

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Unw.-Ruch- und Lteindruckerei. B. Lange. Beöatiion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstratze 7.

Bezugspreis: monatlich 7öPi., viertel» jährlich Akk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich Go Pi.; durch diePosl Alk. 3. viertel» jährl. ansjchl. Besrellg. Annahme von Anzeigen hiv die Tagesnmnmer bis vormulägS 10 Uhr. 3eilaxprei-3: lokal IbPfl auswans 20 Pienmg. Verantwortlich für den polit. und allgein. Test: P. Will ko; iür »Stadt und t'and* mid ,Gerichtssaal''. Ern st Pcb; >ür den '21«- zeigetueU: pand Beck

Iie Heutige Dummer umfaßt <0 Zeiten

Aar Kunzlerr<de

ES ist daS Kennzeichen eines guten Buches, daß man eS mit Genuß zum zweiten Male lesen kann. Die Rede dek Fürsten Bülow zu den Wahlen werden nicht viele mehrmals lesen. Ter Kanzler hat keine begeisternde Kundgebung an das Reich gelangen lassen. Der .Silveslerbrief war 311 sehr ouSgctüslelt. Indem ec darin bestritt, daß dem Zentrum staatliche Hohcitsrechte preiSgegeben iinb irgendwie bedenk­liche Zugeständnisse geiuacht worden seien, gab er direkt dem Zentrum ein Zeugnis der Uneigennützigkeit in die Hand, da» die Partei mit bestem Erfolg alsbald verwertete. DaS Miß­trauen des Liberalismus rief Fürst Bülow wach, daß er auf die Mitarbeit der nationalgesinntcn Elemente im Zentrum nach wie vor zu rechnen erklärte. Und die Konservativen zeigten sich verletzt, weil sie eine Annäherung Büloivs an die Nationalliberalen vermuteten. Von euicv Anerkennung für die bisherige Hülfeleisiung des Zentruins ist in dec Rede deS Fürsten Büloiv nichts enthalten zweifellos mit Ab­sicht, Fürst Bülow bemerkt vielmehr üom Zentrum, eS scr auch zurzeit seiner ausschlaggebenden Stellung im Reichs­tag geblieben, was immer war: eine unberechenbare Partei. Tas ist kein Kompliment, weil mit dem Ausdruck eine Politik, die durch Launen, Stimmungen und andere außerhalb der Sache liegende Momente sich beeinflussen läßt, charatterisiert wird. Präziser als in dem »Silvestcrbricf*. erläuterte Fürst Büloiv diesmal die Wahlparole des Zusammengehens der Klcchten und der Linken. Sein Ziel ist ein Reichstag, dessen Mehrheit in nationalen Fragen nicht versagt, und zu diesem Zweck wünscht Fürst Bülow die »Paarung konservativen ttersleü mit liberalem (fteift*. Fürst Bülow hat wohl .'ingeiehen, daß Konservative und Liberale nicht dauernd unter einen Hut zu bringen sind, daß es aber möglich ist, daß die beiden m ihren Anschauungen so durchaus verschiedenen Parteigruppen auf dem Boden der Forderungen, die man als »patriotische Forderungen" bezeichnet, zusammenkonunen und Siefen Forderungen, die in der Hauptsache aus dem Gebiet dec Landesverteidigung liegen, zi>m Siege verhelfen. Die »Kceuzztg." hält die Möglichkeit der Paarung von konser- oativem mit liberalem Geiste nur zur Entwicklung der Ko­lonien für möglich, aber nicht zur politischen Betäti­gung un Innern.

Sehr bemerkenswert ist folgende, die Konservativen ein wenig umschmeichelnde'Notiz dec heutigen »Nordd.AUg. Ztg." : v" Pommern und der Provinz Brandenburg roerben von liber al- Seile Flugblatt.c verbreitet, in denen behauptet wird, der . eichStanzter wünsche eine liberale Mehrheit an .t 0 ft e 11 der Kon servcrliven. Der Reichskanzler hat niemals eine derartige Aeußerun g getan. Sowohl in seinem Silvesterbries als ui seiner Rede vom 19. Januar hat odloiu most ch.'. geringsten Zweifel darüber getanen, daß er eine a. Kanserv-tiven und Liberalen zusammengesetzte Mehrheit wünscht. T ic es Ziel ist nicht dadurch zu erreichen, daß die Konter- 1 naiven und Libera.en sich gegen,eitig ihre Mandat: a^un hmen suchen. Die in allen großen nationalen Fragen iUDcc.ufuge . Majorität aus .xlonieroatiDen und Liberalen, in der Bülow die | twrdecustg des Tages eronat, verlangt vielmehr, Daß die 'Minder- hrilsr.'rteien vom 13. Dezember gegen die Sozialdemokratie unb las Zentrum geschlossen zusammengeheit

Die Rede Bülows weckte in den e nglischen Blättern ' wenig Wieder hall. Tie meisten Blätter erwähnen sie ß ar nicht. TieLünes" sagt in Bezug aus die Aeußcrung Lütows über die ausländische Presse: Wenn wir wirklich Feinoe Deutschlands wären, dann dürften wir nicht mehr als einen voll händigen Erfolg des Reichskanzlers und des Systems wünschen, unter welchem Deutschland im 8t a t der Ration in den letzten Jahren so viel verloren hat.

P ariser er, wie Figaro, Aurore, Humanitä, weisen bie Behauptung '< 1! r5 zurück, daß das Ausland sich über innere wirren Deutsch l-a.ibs ircuen würde.

jioionialuOen.

München, 21. ^an. Zu dem Vortrag, den Kolonial- liirektor Tecnburg heute abcnd im Kindlkeller hielt, waren ttira 5000 Personen erschienen. U. a. waren erschienen: die (Ston.vn Rupprecht, Leopold Adalbert, der O-rbyrin; und die Grb- Viräzessin von Sachsen-Meiningen, die Minister Freiherr von dodewils, Graf Feilitzsch, v. Pfaff und Freiherr v. Horn, die bei dem hiesigen roose beglaubigten Vertreter der Bundesstaaten, die

; beiden Bürgermeister, zahlreiche Oitiziere, Beamte, Gelehrie, Künst- lkc. Industrielle und eine große Anzahl Damen. Tie Versamm- i hing erbssnete der Vorstand der Lwlonialgesellschaft, General-

- lrulnant v. Ko eil er. Er dankte dem Kolonialdireltor für fein

5 Kommen und begrüßte ihn als festen und aufrechten R a n n, der nickst Muhe sa-eue noch Kampf, wo es sich um hohe nationale Güter handle, unb als Verkünder der Morgenröte einer neuen Zeit des Gedeihens unserer Kolonien zum Wohle des ganzen deutschen Volles. Dernburg hielt dann, von den versammelten lebhaft begrüßt, seinen Vortrag. Er erklärte, seine Bemühungen, Kapitalisten iür die deutschen Kolonien zu iiuer- tjlieren, haben wesentliche Früchte getragen. Mindestens vier oder sünf große Unternehmungen sind in den letzten Wochen zu staube getommen, die sich die Entwickelung der Ratur- schätze unserer Kolonien vorgenommen haoen. Jeder große Lienst fordere große Opfer. Er wurde wiederholt

Don Beifallsbezeugungen m erorochen. Am Schluß nah..ien die Shmpathielundgevungen ir Ende. Ter Vorsitzende der L»an- dcls- und Gewerbetammer, .. Pfister, sp aa; dem Kolonial- birettoi dc.i wärmsten Dan! aus uns gab der Hoffnung 'Uus- diiich daß die heutige seltene Versammlung ein Markstein sein löge auf der aujftrebcnöen Bahn des Vaterlandes. Rach dem

Vortrage iand bei dem Verleger derM. N. N. Thomas Knorr zu Ehren des Kolonialdirektors eine Abendgesellschaft stall, zu der etwa 200 Personen, Mitglieder der KolonialgeseU- schäft und des Flottenvereins, euigelaben waren.

Hamburg, 21. wait Gouverneur v. Lindequist hielt heute abend auf Einladung der Handelskammer vor einer aus etwa 300U Zuhörern bestehenden Versammlung einen Vortrag über Teutsch-Sudwestasrika. Ter Versammlung wohmen bie Spitzen der staatlichen und hiesigen Retchsbehoroen, sowie bei Militärbehörden, ferner zahlreiche Vertreter der Bürgerschast, der Handelskammer und der hiesigen Kausrnannschafl bei. Tie Empore mar von etwa 300 Damen besetzt. Ter Präsident der Handels­kammer, Schinclel, etuunete bie Versammlung mit einem Hin­weis aus die außerordentlich».n Umstaiwe, die zu der außergewöhn­lichen Maßnahme der Handelskamnicc, die gegenwärtige Versamm­lung einzuberusen, geiühtt Hai. Lindequiü begrunoete alsdann zunächst die Rotwendigkeit deS Besitzes innerer wertvollen, aus­sichtsreichen Kolonien und ging dann zu einer Schilderung der Verhältnisse von Südwestasrika über. Er hob hervor, welchen Ausschwiing die fertige Bahnstrecke nach dem inneren Lande ge­bracht habe; der Anbau von Bodenpcooukten werde sich aber erst lohnen können, wenn die Ernteertragnisje, stau aus den Stopfen oer Reger, auf der Eisenbahn zur itultc transportiert werben könnten. Tie Versammlung spendete dem Redner im Verlause seiner Ausführungen, sowie zum Schluß derselben, reichen Wenau.

Das persönliche Eingreifen des Ka.oniacdircltors Ternburg und des Gouverneurs v. Linoequist in Die politische Agitation ist keineswegs nach Dem Gesa,..rack tret auf Wahrung betTra­dition" haitenoen rechtsstehenden Poliriker. Man tarnt zwar nicht Den Wen solcher Art von Propaganda für die gegenwärtige Wahl- cntscheioung aoteugnen, badt au er sauer drein. DieStreuzztg." iprnyt nut bucreilajagir Ironie bnaoit, daß es füraumoona>e" konservative Leuie eine ganz ungewohnte Erscheinung fei, hohe RrgterungSoeaiiite fo eifrig und mit iolujcr Ernietzung oer eigenen Person in bie politische Aguaaon eintreten zu icijen. Das Organ bes Bundes der Lanowicte, dieDtlch. Dagesztg.", bie sich nut Dernburg ganz uno gar niust bciteutiDen kann, weist mit gelinüer Entrüstung den Gedanken ao, daß Der preußische Landwirt'chasts- mMister v. Arnim Dem Wei)viel des noioniaidireccors soigen, d. h. in der Generalversammlung b& Wu.wes erscheinen uno Dort eine Rede halten werde. Trotzdem meinen wir, es würde Hellen Jubel im agrarischen Lager heroorrusen, wenn Der Mi­nis!'r unter Bruch mit bet Tradition im Zirkus Busch sicy einsünde. Einstweilen fehlt es sreilich an Anlaß hierzu. Er hat nicht nötig, die organisä-e Vertretung des Agrariertums für ein agrarpolittsches Unternehmen zu begeistern, währenb Dernburg durch gewichtige Gründe in die Lage versetzt ist, un Interesse der Kolcniatwirrschaft die BerusSkreise anzugeben, buten er früher nahestanb. Mit DemAltmodischen" in Der scolonialyoliti! wird gründlich ausgeräumt, und bei Derartiger Aroert daraus achten. Daß bas Weriayren streng mit derTraDition" in Einklang stehe, wave eben altmodisch. Aus ail diesen Ausstellungen an bem Verholten des Kolonialdirckors leua/lei aber wohl Die Tendenz hervor, ihn innerhoch der Regierung gern ui ermaßen zu isolieren, den Unterschied zwischen 1 einem ganz bejonDeren Avancement unb dem in einer bureaukrcttischen Verwaltung her- lommlichen nia-: in Vergefsenheu geraden zu Iahen. 'Jtoaj hegt feine ausgefproo-ene Gegnerscyast derTr^DuionSwachtec" gegen Dernburg vor, aber in der Stille nach dem Sturm der Wahl­bewegung konnten vielleicht Einflüsse Geltung zu erlangen suchen, diealtmodisch" anmuten.

Oct ZLlll-tbiwtsiuug.

Gießen, den 22. Januar 1907.

Mit einer Reihe durchweg sehr gut besuchter Versamm­lungen in der Gegend von * * * * sJliöba am SamSlag und Sonn- lag sand die VerjammlungSlätigkeit dec veremiglen liberalen Parteien unseres RelchStagswahlkreijes am Sonntag ihren Abschluß. Die Versamufliuigen am Samslag und Sonnlag nahmen fast ausnahmslos einen für die liberale Sache sehr günstigen Verlauf. In Orten berg sprachen am Samslag abend Kommerzienrat Heyligenflaedt und Oberamls- richter Fuhr von dort unter lebhastem Beifall in einet großen Versammlung, während am Sonntag nachmittag m Ridda selbst außer dem Sianbibaten, Rclchsiagsabg. Patzig und Geh. Justizrat Prof. Tr. Schmidt von Gießen An­sprachen hielten. Die in Rldda herrschende Stimmung läßt Daiauf schließen, daß sich am Wahltag die größte Zahl der dortigen Wähler auf Heyligenflaedt einigen wird. Weitere Verfammlungen fanden u. a. noch flau in mehreren zu unserem Wahlkreis gehörigen Orlen des Kreises Schollen, m Echzell, Dauernheuu, Bingenheim, Selters, Gelnhaar (wo Pfarrer Ködding sich warm für die Kandidatur ^)eyligcn- Ilacdt anSsprach), Llßberg, Bleichenbach rc. In Gießen selbst fandet am morgigen Dtiltwoch eine große Wählerver- lainmlung statt, in der Abgeordneiec Patzig den Haupt- vortrag hallen wird.

Aus Kreisen der Gießener jungen Kaufmannschaft crhiellen mir folgende beherzigenswetle Zuschrift:

In Ihrer letzten nkummer oraevten Sie einen macptenSwerten Artikel uoee'Angestellten.Ausichüise in der Privatmoustrce". Heute veranlagt mccy derselbe zu nachstehenDen zeitgemc-tzen Aus- mhrungen, beten Werb|ientließung ich Ihnen uoerlfliie. Wir )teyen unmittelbar vor Der pceicpStagswayl und noeg ist hier in Der Stadt verhältnismäßig wenig geschehen, um Die Säumigen und Lauen auizuruttein, unb doch i]i bieses 10 notwendig. Jck>e Partei luujt uu) gewuje Klas,en heraus. Denen 0ürzugswei)c ihr Lceöeswcroen gut, fast uitoeatytet uleivt dabei Die geope Zahl der u n g e 11 e 111 e n m iaufuianni» ) chen uno anderen privaten Werujen, weiche von ^ahc zu Jahr zunimnu unb einen neuen Sbcittelüono heu»n- DuDet pcicht hanoett es )ich e.wa um schijsoeaee.ge c. stenzen, die Unteriüjiupi uiuer Den tjiuigen des Kapitals mche.c, )onDern um einen iteiligeiuen, arbeuiamen staub. Dessen uoo^ergLhen

für unsere ganze Gnuviuiung von Der den tour größten Bedeutung ist. Sie stehen im Kampfe zwischen Kapital unb Arbeit mitien zwischen bcibcn und ihre Tuugkect ist säe beide Telle von einem Einfluß, der selbst bei den dirett Beteiligten paung nicht genug gewürdigt wird. Es kann und wird nicht ausblciben, daß die 'ungehörigen dieses Standes den MandiDaten ihres Wahureiies bie Frage vorlegen rocioen: Wie stellt Ihr üua) zu den berech­tigten 0ragen unseres Standes? Heute kann es )ich nun nicht mehr darum handeln, soiidern um die Frage, welchem der hier zur W..HI stehenden RanDidaten gcucn uic 'angeitcutui in privaten Bcrusen ihre Stimme. Meines cLrachtens kann die Wahl nicht schwer fallen, die einseitige JntLrcflenvertrctnng bestimmter Be- vöikeruiigsklasseil kann niemals im Sinne und un richtig verstan­denen filtere),e der Aiigejtetiten hegen. Ihr Wohl und Wehe hängt ab vun dem Wohargehen des Vaterlandes und von dem unauihaiUQinen Kultur,ortichnit. V» kann. ai,o un voraegcnden Falle feine Rede davon icin, feine Stimme zu geben einem Vertreter der internationalen Arbeiterpartei, möge er periöluich auch ein noch \o tüchtiger Kau,mann und l/vo-acht- barer Manu jein, oder einem Vertreter einer cdiicitigen reaktio­nären A g r a r p 0 t i t i k, btt ,ich zeitweise ein liberales Akän- telchen unißungt. Tie Angestcaten in kau,maiini)chen und anderen ynOuten Berufen tonneu uet der bevorstehenden Wahl nur dem Kandidaten der vereinigten liberalen Parteien ihre Stimme geben, uno es ist zu wünschen, daß sie ihrer Wahl­pflicht auch ausnahuiStOs nudjlommen werden.

Deutfchsoziales Wahlmanöver.

Tas Flugblatt der deutichiozialen Partei Nr. 4 muht seinen Lesern doch etwas viel Leichtgläubigkeit oder Ge» danfcnlofigfeit zu.

Tie unsinnige Behauptung deS Flugblattes über den Gieß. Anz.E und dieFleijchnof haben wir bereits ge­legentlich eines Berichtes aus Großelchen in unserer 91 r. 14 widerlegt; trotzdem wird immer noch derselbe Um um weiter vorgebracht l Die Fleischpreije fand bekanntlich zur Freude aller Konsumenten ui Stadt und Land wieder etwas ge­sunken. Tas ist der einzige und einzig mögliche Grund, roaruni wir von einer Fleischteuerung nicht mehr zu iprechen nötig haben. Von einer Fleischnot Haden mir nie gesprochen, dieses Wort ist vielmehr un Gieß. Anz. nur zu lesen gemesen m Reseralen von Reden oder in Eingaben von Städlen rc. an Behörden, die ihrerseits dieses Wort brauchten. Das reiften die Verfasser des Flugblattes sehr ivohl, haben reir doch wiederholt gegenüber falschen Behaup- lungen dieses feslgeslellt. Trotzdem aber wird wider besseres Wissen absichtlich dec viel gefürchtete Gieß. Anz. denn würde man ihn nicht fürchten, ließe man ihn reden, was er will angegriffen und fortwährend werden über ihn Un­wahrheiten verbreitet. Das ist nun einmal fo Deutsch- sozialer Brauch.

Und nun sei einer Zuschrift an uns zum genannten Flug­blatt Raum gegeben:

Da wird von einer lioeral-sozialbemocratif'Scn Mehrheit im Reichstag geredet. Und dabei wirb von der Sozialdemokratie, wie das ia schon unsere gelegentlichen Notizen über das jozial- Demotraasche Gießener Blatt bewiesen, niemand heftiger betämpft als die Liberalen. Wimmelr's doch in diesem täglich von hes». tigfien Ausfällen gegen Heyligenstaedts Anhänger.

Es ist auch eine grobe Entstellung der Wahrheit, zu behaupten, daß buru; die Rationallioeralcn das SeuLyenschus- gesetz und die Viehzölle bedroht werden. Die liberalen Par­teien vertreten die wahren Interessen deK eigentlichen Bauernstandes minoestens so gut, 1 a besser a l s die Herren Kohler usw., weil sie maß­voll sind und die Interessen der oer schiebenenStände zu v e r s ö h n e n s u ch e n, wähcenb überspannte Forderungen nicht durchzusetzen sind und daher zu keinem positiven Ergebnis führen können.

Tas Flugblatt redet von millchtanböerberbeiibem Liberalis­mus. Die Herren Verfasser hätten vor Rieberjchrist dieser groben Unwahrheit oie Rede des bisherigen Reicysiagsabg. Patzig (ge­halten aus dem natwnallib. Parteitag zu Goslar) lesen sollen, yerr Heyligenstaeot ist unseren Handwerkern als ein Mann betamu, der ihre Jniereften besser kennt und ver­tritt als Herr M. ö h 1 e r, der vor 3 Jahren den Bund der Landwirte bekämpfte und heute dessen Kandidat ist. Tas ist gewiß Festigkeit der Grundsätze! Ode? sollte auch das Stimmenfang sein?

Die Liberalen bekämpfen nicht den Stand der Bauern, dessen Interesse uns so sehr am Herzen liegt als Der deutsch sozialen Partei, sondern Herrn Kohler, den wir aus bekannten Gründen nicht für geeignet halten, unseren Wahlkreis voll und ganz zu vertreten, denn das rann er nicht, und alle Beispiele Des Flugblattes können dic Wahrheit Dieser Ueberzeugung nicht erschüttern.

Auih wir ruic.ii Hoa) bie Deutle Sache! sogen aber hinzu:

Wählt Htyligeustaedt, der bewiesen hat, daß er für seinen, Wahlkreis aiDeiien tann und will.

WahlmaaLver der Volksmacht.

Jrn Anschluß an cuien u.i.t.er lutatei uringt dieVolks- wacht", das Organ Des verrn stöber, einige Zeilen, die nicht unoeiprochen blewen mögen. Es war von uns neulich unter anderem ausgefuhrr rourocit, daß Die ku^h^gitahon aar Dem Lande für die Stuoter ia,roterigec iei als <ur b.e Landwirte, weck fie nicht so an die Ertragung der rauhen Witterung gewohnt leien wie die ubgeiMCieu.t laanncr 00111 ...di, oeren Stimmen frisch und kräjtig und darum auch eindruasooll bleiben." Tas ist Doch weiter Nia>ts als büß Eingeständnis eines Nachteils, den bie OebenSroeiie der Stadter, die wenig un Freien fein rennen, weil lie meist ui geichumeiien Räumen arbeiten müifen, mit sich oringt Tann iia,.t uuBous.iwa-l" mit eigenen Worten iort;T umme Bauern." z- bruat )ie noch beionberS irert__ Sowen bie Le,er etwa giauoen, das iei ein a^sdruck der Städter/ T^nn iuu,t ;;e bewußt zu laufen! Wir haoen, oas wisten ia auch cuie untere Le,er in ssta.br und Land, diejen Bebeifchcii iivU^druc natui.ich nie gebraucht

DieBolksrouchr' ia;;a iort: <yo;r, wo jinb die guten

Zeiten im Kreye ließen hiageschwunoen, ais noch derGie-