157. Jahrgang
Zweites Blatt
- 9>r. 222
G^ch^w! tSglich mit Ausnahme des Sonntag».
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: «-SA51. Redaktion: Tel.-AdruAnzeigerDießen,
Die „Slltzener Familienblätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daL 'xreirdlatt fflr den Krell, Sichen" zweimal wöchentlich. Der..heffiiche Landwirt" erfcheint monatlich einmal.
Samstag 21. September 1^07
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen hV Universitäts - Buch- und Stetndruckerei.
i ■ Ef H R. Lange, Gießen.
rer
notar des PäP^liKen Stuhles.
— Von der Ausgestaltung des Museumsplatzes in Darmstadt verlautet, daß der ganze Platz nach einem Entwürfe des Professors Messel hergerichtet werden wird. Den Hauptschmuck des Platzes toirb eine riesige Promotheus-Gruppe vor dem Portal bilden, mit der ein Wasserbassin von beinahe 10 Meter Durchmesser verbunden ist. Nach den vorläufigen Modellen und Plänen, die nach einer Idee Sr. K. H. des Großherzogs entworfen wurden, ist die vier Meter große Figur des smenschensch aff enden Prometheus liegend auf einem niedrigen Sockel dargestellt, in der ausgestreckten Linken ein eben vollendetes Werk betrachtend, mit dem rechten Armi den gewaltigen Körper stützend. Eurige Figuren vollendeter Menschen vervollständigen die Gruppe. Das ganze wird in Muschelkalkstein, dem gleichen Gestein wie die Fassade des Museums, gearbeitet. Die künstlerische Durchführung der Gruppe liegt in Händen des Bildhauers! H. Jobst von der Mnstlerkolonie.
Man nahm den Zwischenfall von der heiteren Seite, tauschte Mainzer Erinnerungen und als Schneider sich verabschiedete, erhielt er freies Geleit. 1875 trat mit Schneider ein kleiner Kreis Sachverständiger zum Schutz der durch bureaukratischen Unverstand gefährdeten Reste der Saalburg bei Homburg v. d. H. zusammen. Es folgten Reisen nach Frankreich, den Pyrenäen, Italien, eine reiche Tätigkeit bei Gründung des „Paulus-Museums" in Worms.
Auf dem Gebiet der Altertumsforschung hat Schneider zuerst den römischen Ursprung der Brückenanlage im Rhein bei Mainz auf der Generalversammlung zu Frankfurt a. M. 1881 eingehend nachgewiesen und mit Entschiedenheit gegen die bis dahin landläufige Annahme Stellung genommen.
Hohes Verdienst erwarb sich Schneider um die Wiederherstellung der „Stiftskirche" in Wimpfen; von seiner Seite erging (1894) der erste Hinweis auf den Ottoschen Zentralbau in dep Fundamenten dieser Kirche. Damals nahm auch seine Teilnahme an dem umfassenden Werk der Wiederherstellung des Domes zu Worms, die bis in die
neueste Zeit dauerte, ihren Anfang.
1897 verfaßte Schneider eine umfangreiche Denkschrift zur Wiederherstellung des kurfürstlichen Schlosses zu Mainz, die zur Bewilligung erheblicher Mittel seitens, des Reiches, Hessens und. hex StM Mainz führten,
Die Lage iit Persien.
Teheran, 20. Sept. (Reuter-Bureau.) Ein bedeutsames Zeichen für die gegenwärtme Lage ist, daß die Uleuws, welche vis zur jüngsten Zeit für eine engere Verständigung mit den Sunniten wirkten und den Namen des Sultans in das Freitagsgebet in den Moscheen emgeschlossen hatten, jetzt am meisten den Sultan wegen der vorgekommenen Grenzvorfälle angreifen. Der britische Generalkonsul in TacbriS ist im Begriff, sich nach Urniia zu begeben, um die dortige Lage zu prüfen. — Das persische Auswärtige Amt übermittelte dein geheimen Komitee des Parlaments ein Memorandum, das daS englisch-russische Abkomnlen erläutert, das dec britische und dec russische Gesandte geineinsam der persischen Negierung mitgeteilt haben. Dies wird sehr dazu beitragen, der Bevölkerung den Verdacht zu nehmen, daß eine Teilung Persiens unter die beiden Mächte beabsichtigt sei.
Ausland.
A m st er d a m, 20. Sept. „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Batavia, daß das Expeditionskorps aus der Insel Fleres ernsthaften Widerstand sand; der Feind hatte 114 Tote.
Cittsührurig eines Parlaments in China!
Peking, 20. Sept. Durch kaiserliches Edikt sind Prinz Pu-Lun und S un-CH ia-Nai zu Präsidenten des neuen Gouvernenientsrates ernannt ivorden, der zunächst als Vorläufer für die Einführung eines wirklichen Parlaments ins Leben gerufen wird. Die Präsidenten sind mit der Ausarbeitung von Bestimmungen für den neuen Gouvernementsrat gemeinjain mit dein großen Rat beauftragt worden. ___
Warschau, 20. Sept. Tie Arbeiter sämtlicher Lodzer Spinnereien forderten 30 v. H. Lohnzulage; ein Streik ist im Ausbruch begriffen.
— Die „Voss. Ztg." meldet aus Warschau: Die Polizei entdeckte eine vollständig eingerichtete Druckerei der polnischen Sozialist en Partei. Vorgesunden wurden zwei Druckmaschinen, Manuslripte, Korrespondenz und Waffen.
Petersburg, 20. Sept. Das Marineministerium beginnt mit dem Bau vpn zwei Panzerschiffen zu je 25 00 Tonnen Wasserverdrängung.
London, 20. Sept. Aus Petersburg wird ße* meldet: Die Polizei entdeckte in Sanunenihof ungeheure Vorräte von Sprengstoffen, Schreßwafjen und starken Giften, sowie fertige Bomben, deren Zahl genügte, eine Stadt zu vernichten, und die im Boden verborgen waren. — Sechs politische Gefangene in Ufa entwichen, mit Revolvern bewaffnet. Sie wurdet: von Gefängniswärtern und Soldaten verfolgt. Vier wurden getötet, einer wurde verwundet, einer enttarn. Auch ein Soldat ist verwundet. Wie die Verbrecher in den Besitz der Schieß- Waffen gelangten, ist ein Rätsel.
Norfolk, 20. Sept. (Auf deutsch-atlantischem Kabel.) In seiner Ansprache aus dem Jahreskonvent des Verbandes der amerikanischen Stadtverwaltungen auf der Jamestowner" Ausstellung verglich Kontreadmiral Chadwick die amerikanischen mit den europäischen Stadtverwaltungen und bezeichnete die d e u t s ch e n V e r w a l t u:: g e n als die b e st e n der Welt.
Washington, 20. ScPt. Der Staatssekretär Bonaparte erklärte in einer Versammlung, die Todes- strafe müsse gegen alle Mörder v.on Berus ungeordnet werden. Ferner müsse jeder Mordversuch dem jetzigen Gesetz entsprechend bestraft werden, als ob der Mord erfolgt wäre, näullich mit hoher Kerkerhaft. Alle Verbrecher, ine viermal wegen Mordversuchs verurteilt worden seien, müßte:: bei einem weiteren Versuch zum Tode verurteilt weroen.
N e w y o r k, 20. Sept. (Auf deulsch-atlantt,chem Kabel.) Wie das „Journal de Commeree" aus Washington meldet, wird dem Bundessenat sofort nach seinem Zusammentritt eine Vorlage für den Gegenseitigkeitsvertrag mit Deutschland unterbreitet werden.
unterwegs waren, abgefangen haben. — Fünfzehn berittene Krieger, die angeblich zum Stamme der Beni Arrus gehören, überfielen, vier Wegstunden von hier entfernt, in der Nähe von Djebel Hamar englische und deutsche Postkuriere, die diesen Ort eine halbe Stunde vor den französischen Kurieren verlassen hatten, mißhandelten sie, ließen sie dann aber ihre Reise sortsetzen, ohne ihr Gepäck berührt zu haben. Einem hier eingetrosfenen französischen Kurier war der Mantel, sowie sein Reisegeld geraubt und der Depeschenöeutel zerfetzt worden; die für Rabat bestimmten Postsachen sind verschwunden. Sämtliche Zeitungen wurden aus ihren Hüllen gerisstn.
London, 20. Sept. Raisuli hat, wie der „Times" aus Tanger gemeldet wird, folgende Bedingungen für die Freilassung Mae Leans gestellt: das Gouverne- ment über ganz Nordmarokko von Larache an der atlantischen Küste bis an einen Punkt einige 40 englische Meilen südlich von Tetuan am Mittelmeer, im ganzen über 3000 englische Quadratmeilen; eine Entschädigung von ij,der 3000 englische Quadratmeilen; eine Entschädigung von über 110 000 Pfund Sterling für seine Verluste seit seiner Entsetzung als Gouverneur des Fah-Stammes; die Entlassung des Kriegsministers und des -wetten Vertreters des Sultans in Tanger; die Einkerkerung, der Befehlshaber der Expedition, die gegen den Khmas-Stamm focht; die Freilassung sämtlicher Gefangenen von den Bergstümmen, gleichviel wo sie gefangen genommen wurden, und endlich eine große Lieferung von Waffen und Munition. Diese Bedingungen gelten natürlich als unerfüllbar.
Paris, 20. Septt Wie die „Agenee Havas" unter dem 16. Sepie...oer aus Rabat meldet, meldete der dortige Gouverneur dem französischen Konsul, sowie dem Kommandanten des Pairzerkreuzers „Admiral Aube" am 15. Sept, die offizielle Mitteilung von der bevor- st e h e n d e n A n k u n f t d e s S u l t a n s. Der Sultan wird in Rabat den Palast bewohnen, der den Namen Sidi Mohammed ben Abdallah trägt und der an dem nach den Bergwerken von Chellah führenden Wege liegt.
— Da die Unterwerfung der Stämme sich verzögert, bereitet Drude einen neuen Vorstoß in die weitere Umgebung Cafablaneas vor, wozu neue Hllfstruppen aus Algerier: at)gingen. Die französisch en Kaufleute von Casablanca kamen, auf das deutsche Beispiel sich stützend, bei ihrem Konsul um v o r l ä u f i g e Entschädigungsgelder ein.
— Ministerpräsident Clemenceau erklärte heute abend, die Lage in Marokko sei nach den eingegangenen Depeschen unverändert. Er fügte hinzu, Admiral Philibert bringe in einer Depesche zur Sprache, daß die Eingeborenen sich über die von der Presse verbreiteten Gerüchte, es wäre von der Landung von Truppen in den Häfen die Rede, beunruhigten. Aomiral Philibert beklagt sich, daßa us diese Weise die öffentliche Stimmung zu Unrecht a u ] geregt wer de.
Sozialdemokratischer Parteitag.
(Unberechtigtem Nachdruck verboten.!
.V.
S. u. ,H. (Assen, 20. Sept.
Heute beschäftigte man sich mit dem sozialistischenNach- richtenbureau. Den Bericht der fiinfzchngliedrigen Kommst- fion halle bereits gestern Partei,elrelär Müller erstattet. In der Besprechung erklärte Thiele-Halle, daß alle Partemngcnellun, insbesondere die Parteiredakteure überlajtet feien Das Nachcichten- bureau loerde in dieser Beziehung kaum eine Aenderung bringen. Der Redner bat dann die „Leipz. Vollsztg.", doch etwas sach-> licher in der Polemik zu sein, wenn ihr das möglia) sei. ^.Heiterkeit.) Wer d'e Schule hat, habe die Zukunft, wer die Presse habe, habe dre Gegenwart. Darum müsse die sozialdenu)? kratische Presse weiter ausgebaut lverden. (Beifall.)
Darauf wird en bloe folgender Entwurf der Kömmst]wvt cm genommen: § 1. Die Partei errichtet ein Preßbureau in Berlrn, § 1. Aufgabe des Bureaus ist: 1. die Uebermittlung wichtiger Nach-i ridjfrngen sand Mitteilungen politischer, sozialer und wirtschaft licher Natur für die Parteipresse; 2. die Beschaffung, gesetzgeberischen und statistischen Materials für die Parteipresse; 3. die Herausgabe der Parteikorrespondenz. § 3. Zur Erfüllung dieser Aufgabe wird ein Berichterstatter- tust) Milarbeiterdienst eingt> richtet. Ausgeschlossen von der Tätigkeit des Preßbureaus ijq die Lieferung politischer Leitartikel, sowie die Behaiidlung Partei-' taktischer und parteithevretischer Fragen. § 4. Der Nachrichtens dienst erfolgt telephonisch, telegraphisch und brieflich. § o. DlÄ Einrichtung des Bureaus, die Anstellung der Redatteure,, der Berichterstatter und des Hilfspersonals obliegt dem Parteivorftanch welchem zu diesem Zweck 5 Redakteure der Parteipreste als Bevt rat zur Seite stehen. Der Beirat hat in allen das Preßbureau bej treffenden Angelegenheiten beschließende Stimme. Ein vJcitgliei>1 des Beirats kann nicht Aiigestelltcr des Bureaus fern. § 6. So. oft Angelegenheiten des Bureaus zur Beratung Kommen loUen, hat der Parteivorstand 'die Mitglieder des Beirats rechtzerttg mit Angabe der Tagesordnung zu jeder Sitzung echzuladen. der Regel sollen diese Sitzungen alle drei Mconate stattfmden., § 8. Die Mitglieder des Beirats werden alljährlich durch Md Parteileitung gewählt. § 9. Die Einrichtungen des Preßbureaus werden von der Parteikasse getragen. Die taufenden Unterhast tungstdsten des Rachrichten- und Mitteilmigsdienstes ftno nut Ausnahme der auf die „Parteikorrespondenz" eillfallenden Wen dermaßen laufzubringen, daß die Parteipresse nach Maßgabe chcer Leistungsfähigkeit herangezogen wird. Parteiblätter, die telegraphischen und telephonischen Dienst beanspruchen, haben Me Gebühren »zu erstatten. . ,. ,
Ter nüchjye Punkt der Tagesordnung betraf die .Al ko ho l- ^^Zur Bekämpfung der Alkoholgefahr fordert der^ Partettag: Herabsetzung der Arbeitszeit auf mindestens 8^ttmden.
te Seit 1888 war Schneider Ehrenkanonitus des Mainzer
Domes, 1891 wurde er Domkapitular, später Prälat, Proto-
Tas Besittdeu des Großherzogs von Baden.
Köln, 20. Sept. Ein Telegramm der „Köln. Ztg." be- (tätigt die heute früh verbreiteten ernsten Meldungen über das Befillden des Großherzogs von Baden. Der Erb- aroßherzog und die Erbgroßherzogin sind, wie das Blatt werter meldet, gestern auf Mainau angekommen. VtiNisterpräsrdent von Dusch trifft aus seinem Urlaub heute dort ein.
Karlsruhe, 20. Sept. Ueber den Gesundheitszustand des Großherzogs macht ein heute vormittag aus gegebenes Bulletin folgendes bekannt: Nach Mitternacht hat sich bei Sr. Konrgl. Hoheit dem Großherzog ein erquickender Schlaf eingestellt, der bis morgens 7 Uhr dauerte. Temperatur 37.6, Puls ruhiger und kräftiger als am vorhergehenden Abend. Der Großherzog tüblt sich etwas wohlcr. Dr. Fleiner. Dr. Dreßler.
— Der neue Krankheitsbericht über das Beftnden des Großherzogs von nachmittags 5Vs Uhr lautet: „Die heute vormittag mitgeteilte Besserung im subjektiven Befinden des Groß- Herzogs hält an. Die Temperatur betrug um 1 Uhr 37.2 Grad, die Herztätigkell ist jedock) noch nicht befriebigenb. — Auf ein vom Oberbürgermeister von Konstanz Dr. Weber dem Groß- lrerzogspaar anläßlich dessen heutigen 51. Hochzeitstages gesandtes Glückwunschtelegramm ging heute nqchniittag ein Antworttelegramm der Großherzogin von der Mainau cm, ;n dem die Großherzogin der Stadt Konstanz ihren Dankausspricht und gleichzeitig mitteilt, daß im Beftnden des Grotz- herzogs seit heute bormittag eine Wendung zum Besseren ern- getreten fei. t m „
— Der Erbgroßherzog, der gestern zu den Manävern abreisen wollte, verbleibt auf der Mainau. Die Tochter des großherzogs die Kronprinzessin von Schweden, wurde heute rächt telegraphisch an das Krankenbett gerufen. Heute nacht trafen von der Mainau Depeschen an das Staatsministerium cm. £>ie Ursachen der Erkrankung sind auf die Teilnahme per am letzten Sonntag in Litzelstallen stattgefundenen Kirchen- einweihung bei unfreundlichem Wetter zurückzuführen.
Berlin, 20. Sept. Zur Erkrankung des Großherzogs von Baden schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": In ben weitesten Kreisen pes deutschen Volkes wird man ine Kunde über die Erkrankung des ehrwürdigen Herrschers mit Betrübnis, aufnehnien und von dem Wunsche und der Hoffnung beseelt sein, daß Großherzog Friedrich seinem Lande unb dem Reiche noch lange erhallen bleiben möge. ___________
Deutsches Reich»
Posen, 20. Sept. Der Kaiser begab sich heute Abend im Automobil von Gluwne durch die Stadt zum Offizierskassiuo des Regiments Königsjäger zu Pferde Nr. 1, wo er das Diner einnimmt. Auf den Straßen hatte sich eine tausendköpfige Menschenmenge eingefunden, die den Kaiser stürmisch begrüßte. Die Stadt hat reich 'geflaggt. Nach dem Dmer kehrt der Kaiser nach Gluwne zurück, wo er im Hofsonderzuge übernachten wird.
Breslau, 20. Sept. Graf Kurt v. Strachwitz veröffentlicht eine Erklärung: Ohne Zustimmung der fideikommissarisch substituierten Brüder könne die Herrschaft Kami- nietz nicht veräußert werden, und er werde den etwaigen Verkauf an polnische Hand durch Grafen Karl Strachwitz niemals genehmigen.
Berlin, 20. Sept. Ein schlesisches Blatt hatte vor llnigen Tagen gemeldet, die Regierung beabsichtige, überall Geistliche als Kreisschulinspektoren im Hauptamt unter Aufgabe ihres geistlichen Amtes einzusetzen. Nunmehr erfahren die „Berl. s)\. Nachr/ hierzu von unterrichteter Seite, daß an der maßgebenden Stelle der Unterrichtsverwaltung über die Angelegenheit nicht das geringste bekannt ist. Es handelt sich daher unter keinen Uinslanden um eine von der Regierung geplante Maßregel.
— Wie die ,B. N. 9L* bestimmt hören, ist e§ ausgeschlossen, daß der Gesetzentwurf zur Regelung des Apothekenwesens noch in diesem Winter den Reichstag be- schäftigt.
— Der „Neichsanzeiger" veröffentlicht bie^ Ernennung bes vortragenden Rates im Reichsamt des Innern, Geh. Oberregierungsrates Dr. Georg Kautz, zum Präsidenten des Kaiserl. Kolonialamtes.
— Kontreadmiral Truppet, Gouverneur des Kiautschou- gebietes, ist ziim Vizeadmiral befördert worden.
— Der ^Neichsanzeiger" veröffentlicht die mit dem 1. Oktober in Kraft tretenden Aenderungen der P ostördnung vom 20. März 1900.
Blankenburg, 20. Sept. Gestern nachmittag ist Großfürst Kyrill von Rußland zum Besuch des Herzogs-Regenten auf Schloß Blankenburg eingetroffen.
Kre «Lage in Marokko.
Tanger, 20. Sept. (Meldung der Agence Havas.) Nachrichten aus Larrasch betätigen, daß Rarsulis Leute am 17. September Postkuriere, die von hier nach Larrasch
*£ialat Sr. Snednch Hchrieider f.
Mainz, 21. Sept. (Tel.) Heute nacht , ist der Domkapitular Dr. Schneider einem Schlaganfall erlegen.
Dr. Friedrich Schneider, der noch am 7. August v. I. seinen 70. Geburtstag in erfreulicher geistiger und körperlicher Frische hatte begehen können, war ein hervorragender Kunstschriftsteller, der berufenste Kenner des Domes seiner Vaterstadt. Er hat auch die Geschichte des Mainzer Domes und seiner Denkmäler geschrieben.
Das Kriegsjahr 1866 beanspruchte seine Tätigkeit in der Krankenpflege und hierbei ereignete sich eine kleine tragikomische Episode. Es war Mitte Juli. Auf einem Leiterwagen, von einem Fuhrmann aus Dieburg gelenkt, fuhr Schneider durch die Mainebene. Plötzlich ertönte der Kommandoruf „Halt!" und ein preußischer Vizefeldwebel stand auf der Bildfläche. Doch Schnerder besaß zu seiner Legitimation nichts als eine an Bi,chof Mtteler gerichtete Depesche des Grasen Görtz, Vorsitzenden vom roten Kreuz, der um sanitäre Hilfe bat. Das Telegramm genügte dem Vize nicht und Schneider mußte mit ins feindliche Lager. Hier nahm die kurze Kriegsgefangenschaft bald ein Ende. Die Offiziere Graf Stollberg und von Bonin, Sohn des Meeren Wainzer Knuten den Geistlichen.


