Ausgabe 
21.8.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

In der vierten Sektion beschäftigte man sich mit der Ein- und Auswanderung der Arbeiter.

, Tie bei dieser Frage am meisten interessierte sozialdemokrat. Partei der Vereinigten Staaten legte dazu eine längere Resolution vor, in welcher sie erklärt, den bona fide ein­gewanderten Arbeitern in ihren ersten Kämpfen auf dem neuen Boden mit Rat und Tat beistehen zu wollen, sie über die Grund­sätze des Sozialismus und der Gewerkschaftsbewegung auszuklären und sie in ihre Organisation aufzunehmen. Dagegen werde sie mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln den kapital ist. Jmportbilliger ausländischer Arbeitskrästebe- kämpfen, da solche unerwünschte Einwanderer dazu bestimmt seien, die Arbeiterorganisation zu vernichten, die Löhne zu redu­zieren, damit die Lage der arbeitenden Klasse zu verschlechtern und den Vormarsch des Sozialismus zu hemmen.

I n S a ch e n d e r F a r b i ge n besagt die Resolution: Der Kongress beschließt, daß es Pflicht aller Parteigenossen und Freunde der Partei in ihrer Eigenschaft als Sozialisten, als Mitglieder von Organisationen wie als Bürger ist: für alle Bewohner der Vereinigteil Staaten ohne Rücksicht auf Rasse und Herkunft gleiche bürgerliche und polit. Rechte zu fordern und zu sichern einschließlich des Rechtes der Naturalisation für jedermann und der Nutznießung von Schulen und anderen öffentlichen Institutionen unter gleichen Bedingungen. . ,r, . ,

Morgen vormittag 10 Uhr werden die Ergebmge der Sek- tionssitzungen in der Plenarversammlung unter dem Präsidium Singers besprochen werden. An erster Stelle stehen der Militaris- mus und die internationalen Konflikte. .

Verhandlungen aus dem Deutschen Tage.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. B r o m b e r g , den 19. August.

Bei dem offiziellen Festmahl, das mittags 1 Uhr im Zivil­kasino ftattfc.nd, nahm Oberpräsident v. Waldow das Wort zu einem längeren Toast, indem er die Kulturarbeit erwähnt, die unter dem Zepter des Hohenzollernhauses in der Ostmark geleistet wurde. Er schloß mit einem Hoch aus den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Erst gegen 3y2 Uhr srtzte sich der endlose F e ft z u g, an dem 12 Musikkorps, 120 Fahnen und Standarten sowie ca. 78000 Personen aller Berufsstände teilnahmen, in Bewegung, und erreichte erst gegen y2u Uhr den Festplatz, den hiesigen idyllisch gelegenen Schützengarten. Aus dem Festplatze entwickelte sich bald ein bnntbewegtes Treib-n. Gegen 6 Uhr nahm der Oberbürgermeister der Stadt Broulberg Knobloch den Platz am Rednerpult des Musikorchefters ein und hieß die zahlreiche Festversammlung namens der Stadt Bromberg willkommen. Das auf den Landesherrn ausgebrachte Hoch wurde von den.Festteilnehmern brausend aufgenommen.

'Mit lebhaften Bravorufen begrüßt, dankte sodann der Vor­sitzende des Ostmarkenvereins Major a. T. D._ Tiedemann-Seeheim für den gastlichen Empfang. Redner schloß:Unsere Heimat, die schöne Provinz Posen lebe hoch, hoch, hoch!" Die Musik intonierte die erste StropheDeutschland, Deutschland über alles", das von den Festteilnehmern stehend gesungen wurde. Es wurden dann Huldigungstelegramme an den Kaiser und den Reichskanzler geschlossen.

Nach dem Abspielen der Weber'schen Jubel-Ouvertüre ergriff .Universitätsprofessor Dr. H öning er-Berlin das Wort zur eigentlichen Festrede. Er ermahnte zunächst die Anwesenden, die Wacht ander Wart he und der Weichsel, die in heutigen Zeiten viel wichtiger sei, als pste Wacht an: Rhein, zu üben. Keinewegs seien die Forderungen der Polen auf den ost märkischen Boden berechtigt, da abgesehen von der Tatsache, daß in den vorhistorischen Zeiten dieses Land zunächst von den Germanen bewohnt und erst dann den slavischen Nachzüglern überlassen wurde und die Deutschen durch ihre Kultur unleugbare Rechte an dieses Land haben. Auf die hiesigen Verhältnisse paßt so recht das Dichterwort:Durch deutsches Wesen solle die Welt genesen." Es sei falsch, wenn behauptet wird, die Deutschen wollen die Polen «germanisieren; kein Mensch denke daran; Man verlange äber, daß die Polen loyale zuverlässige Bürger werden und nicht Preußen auf Kündigung, die sich jnit phantastischen Zukunftsgebilden beschäftigen, an den Unter­gang Deutschlands denken und die Hoffnung hegen, daß der weiße Adler einstmals seine Fittiche über Marienburg und Posen aus- hreiten werde. .In der bisherigen Polenpolitik sind zwar in den früheren Jahren mehrere Mißgriffe und Fehler begangen worden. Man zauderte, von sentimentalen Rücksichten geleitet, energische Maßregeln gegen die Polen in Anwendung zu bringen bis jetzt Endlich eine stetige Politik zur Anwendung kommt.

, Der Redner nahm sodann die Katholiken gegen unbe< rechtigte Angriffe von protestantischer Seite in Schutz und meinte, daß man mit solcher Methode der katholischen Kirche bitter Unrecht tue. Man müsse bedenken, daß im Mittel- alter, noch vor der Reformation die katholische Kirche als ein Germanisierungsfaktor par excellence gewesen sei und baß es die katholischen Mönchsorden waren, die deutsche Kultur in der Welt verbreiteten. Man dürfe natürlicy die katholische Kirche nicht mit dem Ultramontanismus identifizieren. Natür­lich müßten zur Pastorisierung der deutschen Katholiken in der Ostmark deutsche und nicht polnische Priester herangezogen werden. Denn es sei unbedingt notwendig, daß der depravierenden Arbeit der polnisch-katholischen Geistlichen ein Ende bereitet werde und daß selbstverständlich nur e i n d e u t s ch e r Priester den Posener Erzbischofsstuhl besteige, aber kein Pole ä la Florian v. Stablewski. Tann würden nicht nur die Polen, sondern auch die deutschen Katholiken mit den geistlichen Behörden zufrieden sein. Man dürfe übrigens die hiesigen Verhältnisse nicht mit denen der siebenbürgischen Deutschen und Schwaben vergleichen, weil diese ihre Pflichten gegen die Ungarn getreu erfüllen.

Es folgten dann verschiedene Vorträge des Posener Provinzial­sängerbundes; zahlreiche Frendenfeuer flammten bei Eintritt der Dunkelheit von den anliegenden Anhöhen auf, ein reichhaltiges Feuerwerk bildete den Beschluß der glänzenden Veranstaltung. Am Montag fand für die Festteilnehmer eine Dampferfahrt an die Weichselbrücke bei Fordon, der größten Eisenbahnbrücke Deutsch­lands, sowie ein Ausflug nach verschiedenen Ansiedlungsgütern statt, wobei Oberreg.-Rat Grashoff-Posen die Führung übernahm.

Aus Ktaöt und Land.

Gießn, 21. August.

** P e r s o u a l i e n. S. K. 5). der Gr o ß h e r z o g haben den ordentl. Professor der Baukunst an der Technischen Hochschule Frieor. Putzer zu Darmstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner ersprießlichen Dienste von der Stelle als Tenkmalpsleger für die Baudenkmäler der Pro­vinz Rheinhessen enthoben und die Stelle eines Tenkmal- vflegers für die Baudenkmäler der Provinz Rheinhessen dem Architekten Prof. Paul Meißner z-u Darmstadt, bis auf weiteres übertragen.

** Aufgeregte Kranke. Die Direktion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten sieht sich veranlaßt, nutzuteilcn, daß die Klinik bei der Uebersüllung der Landes-Irrenanstalten und dadurch erschwerter Evakuation der Klinik aufgeregte Kranke vorläufig nicht mehr auf­nehmen kann.

Stadtbriefe für drei Pfennige. Wie dieBerl. Börsenzlg." erfährt, erscheinen demnächst in Berlin Kartenbriele mit eingedruckter 5-Piennigmarke zum Preise von 3 Psg. das Stück. Diese neuen ftartenbriefc, deren Format durch D. R. P. 9tr. 151 005 geschützt ist, bestehen aus einem Briefbogen beliebigen Formals, der mit einer gummierten und durchlochten Verschlußklappe veriehen ist, die beim Oeffnen abgetrennt wird, ohne den Briefbogen im geringsten zu verletzen. Dieser Brief ist so zusammengefaltet, wie die Briefe früher vor der Benutzung besonderer Umschläge zu­sammengelegt wurden. Auf der Außenseite befindet sich em Vor­druck für die Adresse und eine von der Reichsdruckerei eingestempelte 6 Pfg.'Freimarke. Für die Einführung dieses neuen Briestormulars

in Berlin und Umgegend, hat sich eine Karienbriefgesellschaft m. b. H. gebildet. Tie neuen Formulare sollen in Kurzem in ver­schiedenen Größen auch ohne Freimarke zur Ausgabe gelangen. Tie oben erwähnten mit einer 5 Pfg.-Marke versehenen Exemplare sind soeben dem Verkehr übergeben. Ter Verkauf dieser neuen Kartenbriese unter Markenwert wird dadurch ermöglicht, daß ein Teil der Außenseite des Briefbogens zu Reklamezwecken Venvendung findet. Jeder Kartenbries enthält zur Bequemlichkeit ein kleines Löschblatt, so daß er überall sofort mit Time beschrieben werden rann. Selbstverständlich können Briefe nicht nur für den Stadt­verkehr, sondern unter Zusatz einer weiteren 5 Pfg.-Marke für den Fernverkehr und unter Zusatz von 15 Pfg. in Freimarken auch für das Ausland benutzt werden. Das ist gewiß eine originelle Neuerung und ihre Eillführung wäre ihrer Billigkeit wegen auch für Gießen wünschenswert. Dabei können findige Köpfe noch em besonderes Geschäft machen. Tie Reichspost tauscht bekanntlich unbrauchbar gewordene gestempelte Formulare nach Abzug eines Piennigs für jedes Stück um gegen andere Postwertzeichen. Es würde also an jedeni Kartenbrief auf diese Weise noch 1 Pfennig profitiert. Ob die ReichSpostverivaltung, aber dem nicht bald einen Riegel vorschieben wurde?

** Die Beitreibung der direkten Steuern (Einkommen- und Vermögenssteuer) und allg. Kirchensteuer in Hessen gestaltete sich im Rechnungsjahr 1905 wie folgt: Tie Steuerschuldigkeit betrug 13 912 266 Mk. in 2169 333 Posten. Nach den Mahnlisten blieben hiervon 449 235 Posten mit 2 592 483 Mk. rückständig, wodurch 36 364 Mi. Mahn­gebühren entstanden. Vor Ausstellung der Pfandbefeyle wurden noch bezahlt 244119 Posten mit 1678 588 Mark, jo daß noch 205 116 Posten mit 913 895 Mk. rückständig vlieben. In den Pfauboefehlen gestrichen wurden 26 73d Posten mit 109181 Mr., zur Pfändung gekommen sind 178 381 Posten mit 804 714 Mk. Wirklich vorgenommen wurden 89 865 Pfändungen mit 521 3 ZI Mk. Steuerrückstand, Be­schlagnahmungen infolge von Hindernissen wurden vollzogen 22 768 mit 52 991 Akk. Geldbetrag, bei 43 839 Posten mit 143 454 M. Geldbetrag wurden Hinoernisse zur sonstigen Er­ledigung konstatiert, während 21909 Posten mit 8 Z198 Mk. als uneinbringlich konstatiert wurden. Von den Rückstän­den des ganzen Jahres touroeit ohne Verkauf der Pfänder bezahlt 9b505 Posten mit 542 611 Mk. (Pfändungsgebühren 34 961 Mk.), durch Beschlagnahme eingeoracht 24 2:90 Posten mit 53 845 Mk. (Beschlagnuhmegebühren 11465 Mk.), durch Verkauf der Pfänder 14o4 Posten mit 4335 Akk. (Psändungs- gebühren 490 Mk.). Definitiv ulieinbringlich wurden 18 785 Posten mit 140 64o Mk. wegen Wegzug oder Todesfall und 8121 Posten mit 52OH Mk. wegen Mangel an Pfändern (Armut), zusammen 26 909 Posten mit 192 /16 Mk. Es ver­blieb ein zu liquidierender Rückstand von 729 Posten mit 15 306 Mk. Von den definitiv uneinbringlich gewordenen Steuerrückständen kamen auf die Einkommensteuer 182 943 Mark, aus die Vermögenssteuer 2354 Mk. und auf die all­gemeine Kirchensteuer 7419 Mark.

HI R o d h e i m a. d. Bieber, 21. Aug. Die uralte Schmitter-Mühle ist Henle nacht bis auf den Grund niedergebrannt. Das Feuer entstand in den Speicher- väumen und fand in dem alten Gebälk und der inneren Einrichtung der Mühle reichliche Nahrung. Trotz rascher Hülfe der hiesigen freiwilligen Feuerwehr konnten nur wenige Frnchl- und Mehloorräte gerettet werden. Es kostete gewaltige Anstrengung, um das Wohnhaus der Mühle sowie das angrenzende Herrenhaus des Gutes zu retten, zumal alle Gebäude eng zusammenhängen. Der gewaltige Feuerschein hat bald die Wehren, selbst der weiteren Umgegend, herbeigelockt. Wie bei früheren Fällen, so trat auch diesmal wieder die Feuerwehr von Vetzberg zuerst in Tätigkeit. Selbst von Frankenbach, Crumbach und Waldgirmes traf nach und nach Hülfe ein. Neben dein Liederbach, dessen Wasser benutzt ivurde, kam so recht die Wasserleitung zur Geltung. Es mußte alle Zuschauer eingentümlieh berühren, daß das Mühlrad immer noch ging, obgleich schon die Mühle in Trümmer lag. Der Brandschaden dürfte ziemlich bedeutend fein,

x Nidda, 19. Aug. Gestern wurde der Tag von Gravelotte hier besonders gefeiert. Um 10 Uhr traten der Kriegerverein und der Vereranenverband von Nidda, die Kriegervereine von Kohden und Michelnau an zur Kir­chen Parade. Pfarrer Werner predigte auf Grund von Psalm 103, B. 1 u. 2. Tie Feier solle sein: den Gefallenen zum Gedächtnis, den Uebertebenden zur Anerkennung, dem nachkommenden Geschlecht zur Nacheiferung und Gott zur Ehre. Nach dem Gottesdienst begab sich die Versammlung zum Kriegerdenkmal, wo Oberst Weimer und Gerichts­vollzieher Vetzberg er, ersterer namens des Krieger- vereins, letzterer namens des Veteranenverbandes des denk­würdigen Tages gedachten und Kränze niederlegten. Nach- mittags um 2 Uhr versammelte sich der Veteranenverband Nidda und Umgegend im Garnbrinus- wie alljährlich. 72 Veteranen waren anwesend. Ter Verband zählt 104 aktive und 41 passive Mitglieder. 3 Mitglieder sind seit Jahres­frist verstorben. Tie Einnahmen des Verbanos betragen 556 Mark, die Ausgaben 440 Mark. An Sterbegelder wurden seit Bestehen des Verbands 880 Mark bezahlt. Unterstütz­ungen Lebender wurden aus den Zinsen des Kapitals bezahlt. Einem an S. K. Hoheit den Großh-erzog abge­sandten Huldigungstelegramm folgte schon am Abend der Allerhöchste Tank. Hierauf blieben die alten Kameraden im regen Gedankenaustausch noch versammelt und schieden auf ein Wiedersehen im nächsten Jahre.

X Lauterbach, 19. Aug. Tas in der Bürger-Ver­sammlung am 21. März 1903 beschlossene Kriegerdenk- m a l wurde gestern feierlichst enthüllt. In vollem Pracht- gewande prangte schon Samstagabend unsere Stadt, fast jedes Haus war geschmückt und alle Straßen mit Fichten besetzt. Ter Feier ging am Vorabend ein Kommers voraus. Am Festtage begann nach vorausgegangenem Festgottes­dienste und Empfang der auswärtigen Gäste gegen 1 Uhr die Ausstellung des Festzuges, an dem sich jung und alt beteiligte. Voran die Schuljugend, Blumensträuße und Gir­landen tragend, hieran anschließend der Stadtvorstand und ein Heer von Festdamen, rote es unsere Stadt seit Jahr­zehnten nicht aufzuweisen hatte, in Begleitung der hierfür bestimmten Feftherren. Ter Zug führte von der Linden­straße zum Denkmal. Nach einem Choral durch die Musik trug ein Massenchor unter der Leitung des Dirigenten Rinner das Lied:Tie Himmel rühmen des ewigen Werke" vor. Schulrat Andres hielt in sehr begeisternden Wor­ten die Weiherede, übergab das Denkmal in das Eigentum und den Schutz der Stadt und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Bürgermeister Stvpler über­nahm das Tenkmal und dantte namens des Stadtvor­standes. Hauptmann Hoos legte im Namen des Offiziers­korps des 116. Regiments einen Kranz nieder. Tas Lied der vereinigten GesangvereineSind wir vereint zur guten Stunde" bildete den Schluß der Feierlichkeit. Hierauf be­wegte sich der Zug durch verschiedene Straßen der Stadt nach dem Festpiatze. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Rechtsanwalt Sch,e e r, hielt die Begrußungsanjprache und

toastete auf das Vaterland. Eine unerwartete Menschen­menge füllte den Festplatz und bis zum frühen Morgen vergnügte sich die tanzlustige Jugend. Auch der zwecke Festtag erfreute sich eines guten Besuches. An dem er­folgten Umzüge beteiligte sich wiederum eine stattliche Zahl Teilnehmer. Hauptlehrer Tr. Köhler richtete einige Worte an die Jugend. Rechtsanwalt Scheer dankre in kurzen Zügen der Bevölkerung Lauterbachs für das ge­zeigte Interesse, ferner allen Mitwirkenden. Reges Leben entspann sich auch diesmal wieder auf dem Festplatze und eine zu Ehren der Festjungfrauen veranstaltete Kaffeevisite bot einen hübschen Anblick. In zündenden Worten gedachte Herr Finger hierbei der deutschen Frauen und Jungfrauen und schloß mit einem Hoch auf sie, was mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurde. Auch für das Arnüsement der Jugend war bestens gesorgt und so konnte jeder Tei« nehmer das herrliche Fest mit Befriedigung beschließen,

§ Vom höheren Vogelsberge, 19. Aug. Di^ Heuernte ist jetzt allenthalben beendigt und brachte wider Erwarten volle Scheuern. Viele Landwirte müssen wegen Ramnmangel von ihren Erträgen absetzen. Da das Wetter m den letzten Wochenivirkliches Heuwetter^ war, so laßt auch die Qualität des Heues nichts zu wünschen übrig. Die Getreideernte hat ohne Zwischenpause begonnen und sind die Erträge, mit Ausnahme des vielfach ansgewinterten Kornes, bei allen Fruchtgattungen sehr zusriedenslellend. Fällt aiich die Kartoffelernte noch gut aus (was allem An­scheine nach der Fall ist, fo kann der Vogelsberger Landwirt mit dem Erntejahr 1907 wohl zufrieden fein.

----------. ... -ü ...--

Vermischter.

* Einbruch in ein mu|cum. In der Nacht von Montag aus Tienstag ist in das D r e s d e n e r kgl. minera­logisch-geologische Atuseum ein schwerer Einbruch verübt worden. Ter Täter wurde von Museumswächtern über­rascht und verließ sluchtartig barfüßig das Museum. Er hat einen Strohhut zurückgelassen, in dem sich als Einlage derWeltspiegel", eine Beilage desBerl. Tagebl." vom 8. August o. I. befand. Man nimmt an, daß der Verbrecher aus Berlin srammt. Obwohl der Mufeumsdieb mitten in seiner Arbeit überrascht wurde, hat er doch eine reiche Beute gemacht. Es sind in seine Hände gefallen: 33 große Diamanten bis zur Größe einer starten Erbse, 8 mittel­große Stücke gediegenen Goldes, viele werrvolle Edel­steine, besonders Saphire und Smaragden, Platin, Jri-s dium und Jridosmium. Die Glaskasten waren sämtlich! zerschlagen worden. Tie Kriminalpolizei zu Dresden hat aus die Ermittelung des Täters eine hohe Belohnung aus­gesetzt. Sämtliche Dresdener Juwelierläden werden von Kriminalbeamten überwacht.

* Ein Professor des Automobilismus. Aus Amerika kommt eine seltsame Kunde: In St. Louis ist in aller Form ein Lehrstuhl für Automobilismus errichtet worden; Professor Calvin M. Woodward hat ihn über­nommen. Seine Lehrtätigkeit wird sich nicht auf die Theorie beschränken; auch praktische Uebungen sind vorgesehen. Be­reits im September werden die Vorlesungen ihren Anfang nehmen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller i.mcr Dicicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktio t ru.: Ravlckum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Den Schreiber dieses hat es sehr erfreut, vor einiger Zeit iw dem Wieseuwege von der Dftanlage z u m Philosophen­walde sührend, in der Rahe der Wieseckbrücke eine Ruhe­bank auigeftellt zu sehen.

Daß die Ausstellung einer Bank an dieser Stelle einem all­gemein geiühlten Bedürfnisse zu entsprechen scheint, dürste daraus hervorgehen, daß diese Gelegenheit zum Ausruhen von einer ganzen Anzahl von Passanten des Weges fleißig benutzt wurde.

Bedauerlicher Weise dauerte die Freude jedoch nicht lange, denn nach wenigen Tagen war die Bank wieder verschwunden.

Es ivürde gewiß von den verschiedensten Seiten lebhaft be­grüßt werden, wenn die Bank an dem alten Platze wieder aus- gestellt würde.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter 3J^°/O Reichsanleihe . . 3% do. . . °/0 Konsols .... 3% do. .... B^°/o Hessen .... 3 % °/0 0berhessen . . . 4% Üesterr. tioldrente

Börse, 21. Ang., 1.15 Uhr.

92.00 I Elektriz. Lahmeyer . . .

81.55 Elektriz. Schuckert . . .

92.10

81.50

90.00

97.10

Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurahütte

113.00

94.40

193.00

186.3t

124.40

186.2V

216.70

41/, % üesterr. Silberrente 96.30 4% Ungar. Goldrente . .--

4% Italien. Reute . . . 103.00 3-» Portugiesen Serie I . 66.00 3% Portugiesen III 66.40 4^°/0 russ.Staatsanl. 1905 90.95 4Jiü/0 japan. Staatsanleihe 87.80 4% üouv.Türken von 1903 93.30 Türkenlose 138,40

Nordd. Lloyd 109.25

Obcischles. Eisen-Industrie 94.5t Berliner Handelsges. . . 148.1t Darmstädter Bank . . . 124.2t Deutsche Bank .... 219.8t Deutsch-Asiat. Bank . , 139.0t Diskonto-Kommandit. . . 165.30 Dresdner Bank . . . 134.50 Kreditaktien 196.75

4-6 Griech. Monopol-Anl. . 46.00 4-6 äussere Argentinier . 80.00 3°/0 Mexikaner . « . 60.70

4 >6% Chinesen .... 99.90

Aktien:

Bochum Guss 203.50

Buderus E. W 109.20

Tendenz: etwas besser.

Baltimore- und Ohio-

Eisen Iah u 89.00 Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . 29.5t1 üesterr. Staats bahn . . . 136.5t* Prince-Henri-Eiseubahn . 123.10

Berliner Börse, 21. Aug. Anfangskurse

Canada E. B 160.25

Darmstädter Bank . . . 124.00 Deutsche Bank .... 219.70 Dortmunder-Union C. . . 60.30 Dresdner Bank .... 134.40

Tendenz: unentschieden.

Harpener Bergwerk. . < 186.9t

Laurahütte .... 216.7t

Lombarden E. B. ... 29.5i

Nordd. Lloyd 109.21

Türkenlose . ....

Kann es einen bessern Beweis

geben, als das nachstehende, unterschriftlich beglaubigte

Zeugnis!

Dölau, b. Halle a. S., den 7. Mai 1907.

Meine Tochter war durch lange, schwere Krarckheit abgemagert uni heruntergekommen,- die Schute konnte sie monatelang nicht besuche» das Gehen hatte sie verlernt und tvir hatten wenig Hoffnung, dieiei schwachen Körper zu erhalten. Wir versuchten viel, auch Biojoi und obwohl ich bei dem ersten Paket nichts merkte, so wurde id gewahr, daß bet dem zweiten und dritten Paket Gewichtszunahim Appetit und Kräfte sich einsteüten. Jetzt besucht meine Tochter d> Schute und wer die Kleine vorher sah, wundert sich über ihr gute Aussehen und ihre Munterkeit. Sie trinkt früh und abends ein Tasse stall Kakao und ich kann versichern, daß Bioson nut Vorlieb genommen wird und der Preis ein geringer ist. Da ich bei meine: Kinde die Ueberzeugung gewonnen habe, daß das Bioson ein ieidi verdauliches Kräftigungsmittel ist, so will ich jetzt Bioson trinke: denn ich leide an Ütervenletden und Blutarmm und hoffe, den gleiche Ersolg zu sehen wie bei der Kleinen. Achtungsvoll! Frau Bali: schaffner A. Hirsch. Unterschrift beglaubigt: Dölau 30. Mai 190 Der Gemeinde-Vorsteher Henke. Bioson ist m Apotheken, Drogerie usw. das Paket zu drei Atark erhallltch, welches für circa 14 Tac ausreicht. VK