Erstes Blatt
157, Jahrgang
Mittwoch 21. August 1907
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13 Nationali-
warcn dafüc.
Die verehrlichen Pfarrämter
Vermittlung von Spenden.
Stationen lautenden, bis
zum 1. September allgemein durch-
gesührt sein.
Die Verhandliingcn lassen aber erkennen, daß
eine Regelung er>
auch bezüglich der letzteren bald folgen ivird.
Frankfurt a. M., 20, Aug. au§ Berlin berichtet wird, hat der
Wie der „Frkf. Ztg." Kultus Minister die
Mit Beziig auf nachstehenden Ausruf lade ich Alle, welche sich an einem Hüifskomitee für Herbstein beteiligen wollen, zil einer Besprechung auf
Donnerstag den 22. TLugust, nachmittags 4 Uhr, in den Sitzungssaal des Regierungsgebäudes in Gießen, Landgraf Philipp.Platz 3, ein.
Gießen, den 18. August 1907.
Der Großh. Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen. Dr. Breidert.
Wirte!
Das altehrwürdige Städtchen Herbstein im hohen Vogelsberg ist von einem schweren Brandunglück heimgesucht worden. 34 Anwesen sind in wenigen Stimden ein Raub der flammen und an 5 0 Familien obdachlos geworden. Der Schaden berechnet sich wohl auf eine Million Mark. Die Betroffenen, meist unbemittelte Landleute, Handwerker, Taglöhner und kleine Beamte, sind zum Teil gering, zum Teil gar nicht versichert. Schleunige Hülfe tut not!
Edle Menschenfreunde bitten wir um freundliche Gaben an unsere Adresse.
Deutsche- Äeich.
Berlin, 20. Aug. Die Regelung der Tarife für einfache Fahrkarten nach dem Aiislande wird, wie die „Voss. Ztg." erführt, mit Ausnahme dec auf russische
Nr. 195
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werdeii im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Krtisblah für den Kreis Gießen. Fernsprech-An- schluß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.
Eine „Marokkokonfereuz" in Norderney.
Die Einladung des französischen Botschafters in Berlin, Cambon, seitens des Fürsten Büloiv zu einer Besprechung m Norderney macht in Paris einen guten Eindruck. Sie dürfte auch Herrn Cambon selbst angenehm berühren, der sich bekanntlich gekränkt fühlte, als während der Kieler Woche der frühere französische Kriegsminister Etienne über den Kopf des Botschafters hinweg mit den maßgebenden deutschen Persönlichkeiten verhandelte. In Paris ist man der Meinung, die Oefsentlichkeit werde nunmehr mit Befriedigung erfahren, mit welchem Ernst und Eifer der Botschafter Cambon und Fürst Bülow diirchaiis nützliche Politik zu machen bemüht seien. Nichts wäre in der Tat erfreulicher, als solches Wicken in Eintracht zum Nutzen beider Länder, doch bei dec Konferenz in Norderliey ivird wohl etivas Wasser in den Wein geschüttet werden. Das Auftceten Frankreichs in Marokko ist nicht danach angetan, die Verständigung zwischen der Repiiblik iind Deutschland zu erleichtern. Es fommen • von deutscher Seite an§ Casablanca lebhafte Klagen über das „jeder Beschreibung spottende" Vorgehen dec französischen Truppen. Selten habe die Welt eine so leichtfertige Aktion gesehen. Ruhe und Ordniing sei den Konsulaten vom französischen Kommandaiiten schriftlich zilgesichert, und dabei iverde von fernen Soldaten ganz ungeniert geplündert, selbst im Anwesen eines Deutschen. Die deutsche Kolonie in Casablanca sieht mit Empörung, mit welchen Unwahrheiten die französische Presse arbeitet, um ganz Europa hinters Licht zu führen. Die „Voss. Ztg." schreibt: „Es ist nackter, mir durch die Agcnturdepeschen verblümter Massenmord, ivas da vor den Augen der ganzen zivilisiecten Welt vor sich geht." Herr Cambon wird also wohl in Norderney keinen ganz leichten Stand haben. Immerhin ermöglicht die persönliche Aussprache prompte Entschließungen in der sich ernster und ernster anlassenden Nlarokkosrage.
und Bürgermeistereien ersuchen wir um gütige Weitergabe dieser Bitte und eventuelle
auch von den Regierungen anerkannt. In Preußen müssen dre Regierungspräsidenten jetzt regelmäßig Nachweise über die Zahl der ausländischen Wanderarbeiter einsenden, und rn Essen a. d. Ruhr hat im vorigen Herbst die Polizeiverwaltung den Unternehmern mitgeteilt, daß für den Bezirk eine weitere Einstellung von russisch-polnischen Arbeitern nicht zugelassen werden kann. Am meisten mutz verhütet werden, daß sich die ausländischen Arbeiter einer bestimmten Nationalität in größeren Ansammlungen niedcrlassen.
russische Revolution die äußerste Bedrängnis des Zarismus und der benachbarten Kaiserreiche zeige, sei es dvppcuc Pflicht der Genossen, gegen den Militarismus und die internationalen Konflikte durch parlamentarische I nt erv entionen und öffentliche Agitation biß zum Massenstreik und zum Aufstand Stellung zu nehmen."
Regierungspräsidenten um Gutachten und Vorschläge zur Einstellung von Weinkontrolleu.ren im Hauptamte ersucht. Damit ist diese vielbesprochene und viel umstrittene Frage ihrer Lösung näher gerückt.
Köln, 20. Aug. Wie dec Berliner Korrespondent der „Köln. Ztg." hört, wird Kriegs mini st er v. Einem den Kaiser wahrscheinlich auf der Reife nach England begleiten. v. Einem würde dabei einem englischen Wunsche folgen, dec wohl auf die persönlichen Beziehungen zurückzuführen ist, die bei den vorjährigen deutschen Manövern zwischen ihm und dem englischen Kciegsminister Hal da ne entstanden sind.
— Dec „Berl. Lokalanz." meldet aus Trier: Unter Verwerfung eines früheren Gemeinderatsbeschlusfes entschied sich die Gemeinde Rehden a. d. Saac für die Errichtung einer Simultan schule anstatt zweier konfessioneller Schulen.
Witzen hausen, 20. Aug. Entgegen dem Studt- schen Brems-Erlaß hat jetzt die Kasseler Regierung dec von den städtischen Körperschaften zu Witzenhausen beschlossenen Erhöhung der Le hrergehältec ihre Zustimmung erteilt.
Internationaler Sozialisicn-Kongreß.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
II.
S. u. H. Stuttgart, 19. Aug.
Die Verhandlungen des Internationalen Sozialisten-Kon- gresses wurden am heutigen Tage in der Liederhalle fortgesetzt. Um 11 Uhr traten die Sektionen zur Vorberatung der Tagesordnung zusammen. In der ersten Sektion stand „Der Militarismus und die internationalen Konflikte" zur Debatte. Die deutsche Delegation ließ hier durch Bebel die von uns bereits erwähnte Resolution vorlegen. Die französischen Sozialisten legten ebenfalls eine längere Resolution vor, die gegen Militarismus und Imperialismus Stellung nimmt. Die antimilitaristische Politik sei einzig und allein eine Verteidig nngspolitikdersoziali st isch en Partei, und die Arbeiterschaft wird daher ermahnt, zu diesem Zwecke, „die militärische Entwaffnung der Bourgeoisie und die Ausrüstung der Arbeiterklasse durch Einführung der allgem. Wehrpflicht des Volkes zu fordern."
Schließlich erinnerte die Resolution an die Maifeier, die als eine Kundgebung veranstaltet werde, um diese Solidarität und die unbedingte Folge daraus, die Beibehaltung des internationalen Friedens, zu fördern. „Im Augenblicke, da die
Die belgische Arbeiterpartei hatte Leon Troclct-Brüsscl zum Berichterstatter über diese Frage bestellt, der in seinem Referat bie wechselnde Stellungnahme des internationalen Sozialismu-' zu dem Schema des Antimilitarismus eingehend erörterte. Auf dem internationalen Kongreß in Brüssel 1891 sei der Vorschlag ausgetaucht, eine Kriegsankündigung mit einem Bolksauf- ruf zum General streik zu beantworten.
taten sttmmttn gegen diesen Vorschlag, nur 3 v«|Uu
Zwei Jahre spater, auf dem Kongreß in Zürich, sei wohl allerdings auch noch vom Generalstreik gesprochen lvorden, doch erschien dieses Mittel nur mehr als nebensächlich. Die Hauptlache war der „Militärstreik". Dieser Vorschlag hatte aber dasselbe Schicksal wie der erste. Der Kongreß nahm vielmehr mit großer Maiorttät einen verbesserten Vorschlag der deutschen Sozialdemokratie an, welcher dahin ging, daß die Sozialisten alle Militärkreditever weigern,gegen d i e st e h e n- d e n H,e e r e pr o t e ft i e r e n , d i e A b r ü ft u n g verlangen und dieienigen Vereine unterstützen sollen, welche sich den allgemeinen Frieden zur Ausgabe stellen, und daß sie endlich in der Armee Propaganda machen sollten.
Der Referent erwähnte dann die Behandlung der General- streikvidee unb der Frage der antimilitaristischen Propaganda durch Herve, der die Fahnenflucht der konskribierten Genossen und den Streik der Reservisten als das beste Mittel bezeichnet Hal. Man mufle staunen über die großartige Naivität, die Hervö mit diesem Vorschläge bekundet habe. Selbst der Anarchist Domela Nreuwenhuis habe mit Heftigkeit gegen die Hervefche Theorie Einspruch erhoben. , Es gehe nicht an, zu sagen: „Was nützt es mir, daß ich Fraiizose, Engländer, Deutscher, Oesterreicher, Italiener oder Belgier usw. bin? Als Proletarier habe ich lucber SU gewinnen noch zu verlieren?" Das widerspreche der Idee des Internationalismus. In Wahrheit bedeute der „Jnternatio- nalismus" durchaus nicht das völlige Verschwinden der Nativ- nalitaten, wie dieselben durch die politischen und geschichtlichen Verhältnisse gegründet worden seien. Sondern der Jnter- n a t i o n a 1 ismus fei gleichbedeutend mit Verständigung, unmittelbarer Verbrüderung der unabhängigen Völker. ,So wie dem einzellien ein gewisses Maß von Unabhängigkeit nötig sei, um seine Eigenart frei jur Entwicklung zu bringen, so bedürften auch die Völlrerschaften einer gewissen Selbständigkeit, um die ganze Kraft ihrer Ursprünglichkeit und ihren individuellen Geist in den Dienst der Verwirklichung des s o z i a l i st i s che n R e g i m e s stellen zu können. Widersetze man sich dieser Idee, so huldige man derst Rückschritt. Die belgische Arbeiterpartei habe demnach einstimmig die durch die französische ergänzte Resolution der deutschen Sozialdemokratischen Partei angenommen.
In der z w e i t e n S e k t i o n des Kongresses beschäftigte man sich mit den Beziehungen zwischen den politischen Parteien und den Gewerkschaften. Von deutscher Seite lag hierzu die Antwort des Parteivorstandes vor, in welcher die Beziehungen der deutschen Sozialdemokratie zu den Gewerkschaften als die allerbesten bezeichnet und die Gewerkschaftsführer fast ausnahmslos als „patente Genossen" bezeichnet werden. Die Antwort der „Sozialdekratic Federation" Englands nimmt Bezug auf die Stellungnahme der englischen Partei gegen die intime Allianz mancher leitender Mitglieder mit der. kapitalistischen liberalen Partei, was die Uebernahine von hohen Staatsämtern und sogar den Eintritt in das Kabinett zur Folge gehabt habe. Diesen Verrätern der Interessen ihrer Genossen habe man stets deutlich die Meinung gesagt. Die Beziehungen der Partei zu den Gewerkschaften seien demnach als freundschaftliche zu bezeichnen, soweit die werkschaften gegen den Kapitalismus vorgehen. Und die englische Partei lege viel Wert auf deren wachsende Tendenz, sich dem Sozialismus zu nähern. — Die Trade-Unions machten offiziell keine sozialistische Propaganda, aber 75 Proz. der Mitglieder der Federation seien gleichzeitig Gewerkschastsmitglieder, und durch ihre Vermittlung dringe der Sozialismus fortwährend in die' Trade-Unionistischen Reihen ein. Wenn die alten, ganz im dem Geiste und der Aktion zur Schule der- Bourgeoisie gehörenden Leader verschwinden oder in Ruhestand versetzt würden, so sei es außer Zweifel, daß sie Sozialisten als Nachfolger haben; würden und tatsächlich geschehe gegenwärtig der Beamtenwechsel in dieser Weise. Die Antwort der b e l g i s ch e n Arbeiterpartei konstatiert, daß neun Zehntel der Gewerkschaften zur Partei gehörten. — Die polnische sozialistische Partei teilt mit, daß die Gewerkschaftsbewegung in Polen erst in letzter Zeit er* standen fei. Die Gewerkschaften hätten eine PrinzipienerkläruuL angenommen, welche auf die Notwendigkeit einer gleichlautenden Aktion der Arbeiter und der politischen Parteien Hinweise und als Endziel beider Aktionen die vollständige Befreiung der Arbeiterklasse bezeichne. Die sozialistische Partei Italiens bemerkt in ihrem Bericht: Es gebe sozusagen keine Gewerkschaft, keine Arbeitskammer, oder Fachorganisation, die nicht von Mitgliedern der svzialisttschen Partei angeführt und gestützt werde. Jedoch gebe es keine offizielle Verbindung der Partei mit den Gewerkschaften.
In der dri 11 en S e kt io n des Kongresses stand die kolonial frage zur Debatte. Von deutscher Seite war hierzu kein Antrag eingebracht. Das Referat hatte die sozialdenwkratische Arbeiterpartei Hollands übernommen. Dort hieß es u. a.: Insbesondere seien für Deutschland, das so groß fei und sich o rapid entwickelt habe, Kolonien nochnichtno t w endig und würden es wohl auch nicht werden. Die deutsche Regierung habe keineswegs die industrielle Entwicklung des Landes im Auge, sondern, wenn sie ungeheure Territorien an ich reiße, so leiteten sie ganz andere Beweggründe: militaristische, i m p e r i a l i ft i s ch e und k a p i t a l i ft i s ch e. Und es fei für die Sache noch bezeichnender, daß zway Englands Kolonialreich e i n F ü n f t e l der ganzen Erde einnebme, daß aber trotzdem sein Nationaleinkommen zu 95 Proz. nicht von den Kolonien, sondern von der Arbeit feiner Proletarier in den Fabriken, feinen Häsen und feinen Berg! werken herrühre.
Der Bericht der englischen Genossen zur Kolonialfrag? protestiert gegen eine Expansion auf kolonial. Gebiete. Der Referent der französischen Delegation: Paul Louis-Paris, konstatiert, daß der Sozialismus dem Kolonialismus, welcher auf der Zwangseroberung beruhe, und die Unterwerfung asiatischer und afrikanischer Völker organifierc, notgedrungen feindlich gesinnt sein müsse.
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--------- -------- ।, „ U1_ _ a ___ Anzeigenteil: H. Bech
Herbstein (Oberhessen), am 15. August 1907.
v. Bechtold, Kreisrat (Lauterbach), Cramer, Gcoßh. Amtsrichter, Daus, katholischer Pfarrer, Ruhl, Großh. Beigeordneter, Schneider, Gcoßh. Bücgecmeistec, Zinn, evangelischer Pfarrer.
politifc^c 6agcsfd?au.
Die ausländischen Wanderarbeiter.
. Tie Zuwanderung ausländischer Arbeiter nach dem deut- jchen Reiche bestand schon von jeher; ebenso wie deutsche Arbetter nach Oesterreich, nach Frankreich, nach den skandi- >ravischen Ländern, nach Holland und der Schweiz gegangen 'wb, ebenso wanderten auch von diesen Landern Arbeiter nach Deutschland ein. Diese Wanderungen nahmen jedoch lur einen verhältnismäßig geringen Umfang an, höchstens ^ohmtsche Bauarbeiter zogen in jedem Jahre in oemerkens- r.>crrer Zahl nach Deutschland und waren besonders in den preuzbezirken zu finden. Mit der Erweiterung der deutschen 3nbu)men, mit dem enormen Anwachsen des Bergbaues nrt der Vermehrung der öffentlichen Arbeiten imb mit der Zunahme der „Leutenot" in der Landwirtschaft, wurde edoch em solcher Mangel an Arbeitskräften bemerkbar, daß -re ausländischen Arbeiter in großen Massen herein- tromen tonnten. Zwei Umstände kamen noch hinzu, die ruf dre Wanderbewegung der ausländischen Arbeiter cin- virkten, auf der einen Seite die wirtschaftliche Stagna-- ron der Länder, aus denen hauptsächlich die Wandcr- irbciter zu uns kommen, das sind Rußland, Oesterreich rnd Italien und auf der anderen Seite das Uebergehen der >eutsck>en Arbeiter zu körperlich leichteren und qualifizieren Beschäftigungen, so daß den Ausländern meistens die Arbeitsstellen bleiben, bei denen es in der Hauptsache nur uif körperliche Kraft ankommt.
Am . gewaltigsten ist der Zuzug der ausländischen Wanderarbeiter in der Landwirtschaft. Wie die „Sachsen- länger" von Ost nach West abwandern, so macht sich als Z-olgc dieser Bewegung eine andere Bewegung bemerkbar, >ie gleichfalls, wenn auch in vorgeschobener Position, von Dst nach West geht: die Bewegung der russisch-polmschen ind galizischen Arbeiter nach den östlichen Provinzen von Creußen zur Auffüllung des durch die Sachsengängerei utstandenen Mangels an Arbeitskräften. Tie Zahl der nthenischen Bauern, die im vergangenen Jahre nach Deutschland gewandert sind, soll allein hunderttausend er- mcht haben; im ganzen werden in der östlichen Landwirt- chast mehrere hunderttausend ausländische Wanderarbeiter 'eslhastigt. Im Ruhrbergbau wurden im Jahre 1905 über 9 000 Ausländer gezahlt; die meisten dieser Ausländer »aren Galizier, weiter waren aber auch Russen, Holländer 'nid Italiener in größerem Umfange vertreten, dagegen mirden nur verhältnismäßig wenig belgische Arbeiter ge- ählt. Im lothringischen Bergwerksgebiet setzt sich die Beleg- chast der Bergleute zu 38 Prozent aus Italienern zusammen md in einzelnen Gruben sind sogar mehr Italiener be- chästigt als Deutsche und sonstige Ausländer zusammen, die Galizier sind noch stark vertreten in den Jutefabriken mb in der Ziegeleiindustrie, die Italiener hauptsächlich im Baugewerbe, bei Eisenbahnbauten, in Zementsabriken usw. die Zahl der 1905 in Deutschland beschäftigt gewesenen Italiener wurde mit annähernd 72 000 berechnet und da ich die Zuwanderung noch immer steigert, wird man die jahl dec liach Deutschland kommenderi Italiener für dies lahr wohl auf 100000 einschätzen können.
Eine so nützliche Tätigkeit diese ausländischen Arbeiter uch meistenteils verrichten mögen, so ist doch dieser fort- lährende Zuzug von fremden Arbeitern mit einiger Be- orgnis anzusehen. Tenn diese Ausländer bringen häufig icht nur schlechte Sitten mit, sie zeigen sich sür den deut- chen Arbeiter als Lohndrücker und schleppen auch allerlei rankbeiten ein. Tie Italiener bringen vielfach den Typhus üt. die Belgier und Holländer die Wurmkrankheit, die küssen und Oesterreicher eine ganze Reihe von ansteckenden wankheiten. Daß diese starke Zuwanderung von fremden, uf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Arbeitern und Arbeiterinnen Gefahren mit sich bringen kann, wird ietzt


