Ausgabe 
21.1.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Uhr

Vermischtes.

Eisenbahnunglück in Amerika. Unweit Fowler in Indiana kollidierte ein Passagierzug der St. Louis- und Cincinnati-Bahn mit einem Frachtzuge. Ersterer entgleiste und wurde zertrümmert. Die Trümmer verbrannten vollständig. Dian zählt dreißig Leichen, vierzig Verletzte. Zehn unter den Trümmern emgeklemmte Menschen sind lebend verbrannt.

'Der französische Konsul in Lissabon, Despessailles, ist nach Veruntreuung von 70000 Franks verschwunden. Er war soeben nach San Paolo in Bra­silien versetzt worden und verließ seinen Posten in L., angeb­lich um seinen neuen Posten anzutreten. Da sein Nach­folger noch nicht angekommen war, mußte er die Kasse dem Gesandten in Lissabon, Taillandier, abliescrn. Ec übergab diesem einen von ihm selbst ausgestellten Scheck auf ein Pariser Bankhaus, der jedoch nicht eingelöst wurde. Der Konsul ist nicht nach Brasilien gegangen und wird jetzt polizeilich gesucht. Ec ist seines Amtes enthoben worden.

Ans StaSt nnd Land.

Gießen, den 21. Januar 1907.

"Vom Großherzgl. Hofe. Das Groß Herzog S- paar folgte am Samstag einer Einladung des Offizier-Corps des Garde-Dragoner-Negiments Nr. 23 in dessen Kasino zu einer Tanz-Gesellschaft, zu der auch die Schwester der Großherzogin, Prinzeß. Dorothea zu Solms-Lich sowie eine weitere Anzahl Gäste geladen waren, darunter der russischen Minister-Resident Staatsrat von Doubensky. Die Feier begann um 8 Uhr mit einem Souper, worauf gegen 9 Uhr der Tanz begann, zu dem die Regimentsmupk unter Leitung deS Musikdirigenden Schulz spielte. Die Tanz- ordnung war: Walzer: Lustige Witwe Gold und Silber. Lancier und Walzer v. Faust. Polo Bis früh um fünfe rc. Frangaise Fledermaus. Menuettwalzec und La Zarinna. Lancier Compliment au cour. Polo Berliner Lust und Cake-Walk. Monte-Christ Mondnacht

durchaus nicht so freundlich gegenüberfteiyen, tote dreS feiten! der deutschen Börse der Fall ist. Im Gegenteil, dre Ziffern werden einer sehr strengen Kritik unterzogen und das Urteil geht nach der russischen ZeitungRussy" bafyin, daß selbst eine konser­vative Duma dieses Budget nicht bestätigen könne.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 21. Jan. (Telegr. Orig.-Vericht de? »Gieß. Anz/). AnUl. 9b)ticrungen der heutigen Viehmarktpreise. Zmn Verkäme standen: 358 Ochsen, 98 ans Oestreich, 48 Butten, 4 ans Oesterreich, 0 ans Dänemark, 801 Kübe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Dänemark, 276 Kälber, 303 Schafe und Hännnel, 00 Schaie ans Oesterreich, 0 Ziegen, 1548 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsenl. Onalität 8085 Mk., 2. Qual 7274 Mk., 3. Oiial. 6265Tit.; Bullen l.Qnal. 71 bis 73 Mk., 2. Qual. 6870 Mk.; Kühe 1. Qual. 72-75 Mk., 2. Qual. 6870 B!k., 3. Qual. 58- 60 Mk, 4. Ougl. 0000 Mk., 5. Qual. 0000Mk. Kälber: 1.Qual. 102104Pfg., Lebendgewicht 60-62 Ps., 2. Oiial. 8896 Pfg., Lebendgewicht 5357 Psg., 3. Qual. 68 - 70 Pfg., Schlachtge>vieht 68-70Pfg., Schafe: l.Qnal. 80-82, 2. Qnal. 0000 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6667 Pfg., Lebdgew. 53.0000.00 Pfg., 2. Qu.65- 00Pig., Lebend- gew. 52.0000 Psg., 3. Qnal. 5658 Psg. Lebendgew. 00 P>g. Markt bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutelid; bei Kleinvieh gut, fern Ueberstand.

fc. Frankfurt a. M., 21. Jan. (Qrig.-Telegr. desGießern Anz/) Amtliche Notiernngen der beuligen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 18.75-00.00, 'Knrhessiscber Mk. 18.7500.00, La Plata Pik. 19.7520.25, Kansas Mk. 16.5016.75, Roggen (hiesiger) Mk. 16.5016.75, Gerste (Wetteraner) Mk. 17.0017.75, Franken- felder Mk. 18.5019.25, Hafer 17.5018.50, AiaisMk. 13.5013.75 Weizenmehl 27.0028.25, M. 0000, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Alk. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.2523.75, Rogaenmehl 0 "Pik. 25.0025.50,1. Qualität Mk. 24.0024.50, Weizenkleie Pik. 10.00 bis Aik. 10.50, Roggeillleie Pik. 11.0011.25, Maiskeime Mk. 11.00 bis Pik. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Pik. 18.0018.50. Alles per 100 Kg. ab hier.

Original-Drahtmeldnngen.

Berlin, 21. Jan. Im Wahlkreise Nieoer-Varnim, brt seit 1890 im Reichstage durch den Sozialdemokraten Stadt-. Hagen vertreten ist, kam es noch zu einer gemeinsamen Kan- dida tur der liberalen Parteien. In einer liberalen Wählerversammlung in Tegel erklärte Professor Dr., Gurlitt, daß er von seiner liberalen Kandidatur zurücktrete und für den nun-, mehr alleinigen nationalen Kandidaten Bürgernlelster Ziethen aus Lichtenberg eintreten werde. *

Posen, 21. Jan. Für tue Er.zbifchofswahl macht man sich auf nicht unerhebliche Schwierigkeiten gefaßt. Man hält es nicht für unmöglich, daß keiner der von beni Domkapitel vor­geschlagenen Kandidaten Stabiewskis Nachfolger wird. Domherr Klinke hat große Aussicht, hat aber erst das 37. Lebensjahr vor kurzem überschritte^ Vorher hat Klinke als Geistlicher an einer deutsch-katholischbn Kirche und als Religionslehrer gewirkt. Er ist ein ausgesvrochener Gegner des National-Polentums und hat als energischer Vertreter des Deutschtums innerhalb der Geist- iichkeit von sich reden gemacht.

Münch du, 21. Jan. Kolonialdirektor Dornburg ist hier eingelroffen. Er machte im prinzlichen Palais seine Aufwartung bei den Ministern. Am Nachmittag fand zu seinen Ehren beiui preußischen Gesandten Grafen Pourtales ein Essen statt. Heute vormittag empfing Prinz Ludwig den Kolonialdirektor in Audienz und zum Vorträge, worauf der Ministerpräsident Freiherr von Podcwils ein Frühstück zu Ehren Dcrnburgs gab.

Lille, 21. Jan. Bei Fourmier stießen zwei mit Koks beladene Güterz üg« zusammen, wobei zahlreiche Wage» zertrümmert wurden. Die beiden Maschinisten erlitten teliensgefährlicheVerletz ungen. Tas übrige Personal konnte sich durch rechtzeitiges Abspringen retten. Der Material­schaden ist bedeutend, der Verkehr auf dieser Linie sür längere gelt gesperrt.

Newyork, 21. Jcm. Aus Kingston wird gemeldet: Gestern ereignete sich ein Zwischenfall, der möglicherweise zu diplomat. Schwierigkeiten zwischen England und den Vereinigten Staaten Anlaß geben könnte. Der Gouverneur von Kingston hat iu einem Briefe an den amerikanischen Admiral Evans bie Unterstützung abgelehnt, welche von den Vereinig- tenStaaten angeboten worden war. Infolge dieses Schreibens wurden die amerikanischen Marinetruppen zurückgezogen und auch die gelandeten Vorräte, Dieöuanxentc und Gelder an Bord zurück­gebracht. In einem Briese an den Gouverneur erklärte der amerikanische ftommmibant, daß ihm unter diesen Umständen nichts anderes übrig bleibe, als Jamaika zu verlassen. Das amerifan. Kriegsschiss, sowie zwei andere Dampfer, welche Proviantvorrätr nach Jamaika bringen wollten, haben daraufhin sofort die Ankci gelichtet. Der Zwischenfall ruft unter der Bevölkerung grob« Erregung hervor, umsomehr, als in verschiedenen Gegenden bet Insel Vorräte und Geld dringend gebraucht werden. Wie au5 Kingston weiter berichtet wird, Belauft sich die Zahl der ver­schwundenen Personen auf 1745. 25 bei dem Erdbeben Verwun­dete find gestern geftorbeiu 20 000 Menschen sind ohne Mittel und Obdach. 30 hervorragende Kaufleute werden noch vermißt und sind vermutlich tot Der Dampser Prinz Waldemar ist ein voll­ständiges Wrack. Bei den Ausgrabungen in der Myrttc Bank und im Hotel wurden zahlreiche Leute tot aufgefimden. Man sand, unter den Trümmern auch viele Juwelen.

der Hofgesellschaft erscheinen werden.

Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den von Sämtlichen Ricdcsel Freiherren zu Essenbach aus die eogng.Psarrstelle zu Udenhausen, präsentierten Katecheten Christoph Möbus zu Nürnberg für diese Stelle bestätigt.

* * Der ob er hessische Geschichtsverein hat den ür den 24. Januar vorgesehenen Vortragsabend auf den 7. Februar verlegt.

** Der Lokomotivbeamtenvercin Gießen feierte am Samstagabend im Saale des (Safe Leib sein 11. Stif­tungsfest, verbunden mit der Feier des Geburtstages S. M. res Kaisers. Der Vorsitzende des Vereins, Lokomotivführer Möller, legte in einer kurzen Ansprache die Ziele des Vereins )ar und forderte auch zum ferneren Zusammenhalt und zur Einig­keit auf. Seine Rede klang in einem Hoch auf Se. Majestät, den Leiter der Staatsmaschine, aus. Ein sehr reichhaltiges Programm, Theater (Trudchens Schatz), Vorträge und Musikpiöecn, hielt die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste in fröhlicher Stimm­ung. Der darauffolgende.Tanz, der Alt und Jung bis zum Paten Morgen vereinigte, bildete den Schluß der würdig ver­laufenen Feier. Der eigentliche Schluß fand allerdings erst am Sonntag nachmittag statt, wo sich sämtliche Teilnehmer zu einer feuchtfröhlichen Zusammenkunft im Vereinslokal Felsenkeller vereinigten, wo auch die, die beim Tanz zu kurz gekommen waren, das Versäumte ngchholen konnten.

** Von den Hilfsschulen. Das Großh. Ministerium des Innern hat n. d. Frkf. Ztg. bie sehr wichtige Anordnung getroffen, daß alljährlich bei der Schulentlassung der Zög­linge der Hilfsschulen eine genaue Qualifikation der- elben in physischer, intellektueller und moralischer Hinsicht statt­findet. Die so entstehenden Verzeichnisse iuerben später der Militär­behörde übermittelt, damit bei Ableistung ber Militärpflicht die ehemaligen Hülfsschüler in körperlicher unb geistiger Hinsicht die o nötige individuelle Beurteilung unb Behandlung erfahren L nnen.

Hie Auslösung des Reichstags, Fleischteuerung, Vrausteuer, Fahr- i tartenfreuer, Auw mobil-, Tcmllämen- urtd Zcgar^tensteuer.iowre : über seine Stellung zmn Toleranzcmtrag und zur Vergütung für . Manöverschöben sprach, machte auf die Zuhörer einen autierit künftigen Eindruck. Es msuß anerkannt werden, batz! Dr. W. mit keiner» Worte einen 1 einer Gegner berührte. W.e anbcr^ dagegen der gestrige Abend, - wieder vollbesetzter Saal, wenn auch nicbt alle Frew.be des Redners, Bind ew ald. Nach einigen Ausführungen betteffs ^iidwestafrika ^ug der Redner einen anderen Ton an imb brachte nun eine abfällige Kritik Über Dr. Wollan vor. Man kann sagen, er, ließ kein gutes Haar an ihm. Mangel an Fleitz bei dem Beiuche der Rei^- tagsv er Handlungen, Versprechungen für eins eine Orte, welche von vornherein als nicht ausführbar betrachtet werden muhen, das Eintreten für bie Fahrkartensteuer, Wallaubrucken, kurz alles mußte herhalten, um dem Gegner etwas am Zeuge flicken zu können. Jnbezug auf die Fahrkartensteuer bezichtigte der RÄmer Dr Wallau der Doppelzüngigkeit: vor der «nen Wahlversammlung rühme er sich, für diese Steuer gestimmt zv haben, in der aubern .heimse er wieder den Dank dafür ein, gegen biefc Steuer gestimmt zu haben. Daun zog Herr B. gegen denGieß Stnj. los.

der Nummer vom 18. August soll er eine Notiz gebracht haben, wonach Wallau für die Zigarettensteuer gestimmt habe. Ihre Zeitung habe, trotzdem vielfache gegenteilige Zufchriften an Sie ergangen seien, nicht für nötig erachtet, diese Mitteilung zu wider­rufen. Hoffentlich geben Sie Herrn Binbewald nun gerounwic Antwort, wir werben sie ihm bei der Wahl geben.

Die Antwort kann der Berliner Maler und Bauernfänger haben. Weder in unserer Nummer vom 18. August noch einer anderen aus jenen Tagen ist, wie wir uns sofort überzengt haben, auch nur ein Wort von der Zigarettensteuer enthalten, geschweige denn von Dr. WallauS Stimmabgabe darüber. Also Herr Bindewald hat da in Schlitz einen üblen Wahlschwindel verübt, der um so belastender für ihn ist, als uns von keiner Seite unb niemals eine Zuschrift darüber zugegangen iftll Wir haben un§ über­haupt nicht für die Stellung Dr. WallauS zu dieser Frage interessiert, wissen auch gar nichts davon. Die Mehrheit der nat.-lib. Partei und unser Abg. Heyligenstaedt ist allerdings für die Zigarettensteuer eingetreten. Und ist denn das so schlimm? Rauchen etwa die Vogelsberger Bauern Zigaretten, die nun durch die Steuer teurer geworden find? Oder sind nicht Zigaretten besonders beliebt in den Großstadtcasös, in denen beschäftigungS- und brotlose Maler, sowie andere Kunstbeflissene und vornehmlich überflüssige Müßiggänger herumzulungern pflegen?

, In Grebenhain fand, wie unS drahtlich gemeldet wird, am gestrigen Sonntag eine antise m it is che h l er- Versammlung statt, in der der antisemitische Kandidat Bindewald heftige persönliche Angriffe gegen Dr. Wallau richtet« ES kam darüber zu lebhaften Lärmszenen und die Versammlung nahm einen so stürmischen Verlauf, daß sie schließlich polizeilich aufgelöst wurde.

FriedbergBüdingen.

AuS dem Friedberger Wahlkreise, 21.Jan., wird

>unS geschrieben:

Gestern abend sprach vor überfülltem Saal imHessischen Hoi" zu Butzbach dec Kandidat derVereinigten Linksliberalen" Dr. Strecker in fast zweistündiger Rede. Zunächst wies er die Angriffe von sich, die auf ihn von gegnerischer Seile gemacht wurden. Sodann verbreitete er sich über die einzelnen Punkle seines Programms, dem er das Frankfurter Mmdestprogramm ber freisinnigen Parteien zugrunde legte. Er geißelte die von gegnerischer Seile bewilligten indirekten Steuern als unliberal. In längeren Ausführungen sprach er über die Zollpolitik seiner Partei. Ferner wies ec aus alle die Punkte hin, für die seine Partei zum Wohle der wirtschaftlichen, moralischen und iutellekluellen Lage der Land­bevölkerung und der arbeitenden Klassen einzutreten bereit sei. Mit der Aufforderung gedrn den auf reaklionärem Boden stehenden Agrarier Grafen Dnola für den wirtlichen Lide- ralismus einzutreten, schloß der Redner seine mit großem Beifall ausgenommene Rede. Zur Diskussion meldete sich der Landwirt iH ä u s e r von Nieder-Wcisel, der mit der Zollpolitik seines Por- iredners nicht einverstaiiden schien und and) seltsamerweise sür das Bestehen bleiben der F i d e i k o m m i s g ü t c r als Segen iür die Landwirtschaft eintrat (der Vorredner trat nämlich füv deren Abschaffung ein). Rechlsaiiwalt Tr. Brücher aus Bad-Nau- heim, der den Vorsitz führte, schloß die Versammlung mit einem Hoch aus das Vaterland.

In G a m b a ck) sprach am 19. Jan. Dr. Strecker vor zahlreich erschienenen Wählern. Seine Ausführungen wurden hier in der früheren Hochburg des Freisinns sehr beifällig aiügenommen.

In Steins urt sprach am Sonntag vor zahlreichen Zuhörern der Vertrauensmalm der Vereinigten Linksliberalen Tr. Brück) er aus Bad-Nauheiin. Seine Rede ergänzte der Kaiididat der Partei, Dr. Strecker, und beide Herren sanden mit ihren klaren Aus­führungen reichen Beifall.

Man schreibt unS aus Friedberg, 20. Jan.:

Auch in unserem Wahlkreise hat bie Wahlagitation, die seither sehr ruhig verlies, schärfere Formen angenommen. Heute fand eine sehr gut besetzte Versammlung des Bundes ber «Landwirte unter dem Vorsitz des Juftizrats' Windecker in dem -Saale der drei Schwerter statt. Es sprach Grfaf £) r io I a, .unser seitheriger Reichstagsabgeottmeter. Mit seinen liberalen Forderungen unb Versprechungen mußte man jich einverstanden erklären, sprach er doch vor säst nur städtischen Wählern.

[ Sein Adlatus Hirsche! hat sich, um nicht aus ber Rolle 'zu fallen, auf bas ländliche Gebiet begeben, wo er sich erher widersprechen kann. .Wenn man die Wahltaktik dieses Herrn Herrn betrachtet, fo glaubt man sich nach Wildwest versetzt, aber nicht in der goldenen Wetterau zu sein. So bekämpft er im hiesigen Wahlkreise seinen Gesinnungsgenossen Bähr, 'während er im Wahlkreis Gießen den Gesinnungsgeirossen Bährs durch Wahlreden in Echzell, Berstadt usw. unterstützt! Wir fragen, was für ein politisches Bekenntnis hat Herr Hirschel 'jetzt? Unb was für eins wirb er nach ber Wahl haben?

Die sozialbemokratifchen Radauverfammlungen aus­genommen, findet sich wohl keine Parallele im ganzen deutschen Reiche zu ber Wahltakttt unb Schreibweise bes Herrn Hirfchel. ^Jn "feinerVolkstracht" vom Samstag macht er einen rohen "W t tz über bie R amen der drei Gießener Kandidaten (Köhler nennt er dabei seinenbewahrten Parteigenossen". Gehört denn Köhler loie Oriola zur nat.-lib. Partei?), indem er ein körperliches Gebrechen des einen ins Lächerliche zieht. Unb ein solcher Mann verlangt von seinen Gegnern einen sachlichen Wahl­kampf! Ich habe 30 Jahre lang Wahlkämpfe an vielen Orten mitgemacht, aber einen solchen Schreier, von bern man nicht einmal weiß, was er roill, ist mir noch nicht vorgekommen. In ber Stadt nationalliberal, auf dem Lanbe Agrarier unb im Wahlkreis Gießen deutfch-fozial. Einen Charalier aber bringt Herr H. nirgends mit Manche Wähler chaben zwar bas bunte Vielerlei gern. Inwieweit aber dieser Mann dem Grafen Oriola von Nutzen ist, bas wirb die Reichstagswahl Seigen.

In Berlin werden fast sehen Tag anarchistische Volks- ^versammlungcn stattfinden, in denen gegen das Parlament lunb das Wählen Stimmung gemacht werden soll. Das anarchistische Hauptocgan freie Arbeiter* wurde in zahlreichen JabriketabliffeinentS mit einem das Wähen ver­spottendem Titelblatt verbreitet: Auf einem Berg steht eine große Wahlurne zu der sich ungezählte Ochsen drängen. In 2einem Leitartikel ,Stimmvieh oder bewußte Klassenkämvfer"

werden die Anarchisten dringend ersucht, den Wahlen fern- zubleibcn.

Zwei Hohcnzollcrn erkrankt.

Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers und Schwager unseres Großherzogs, ist am Samstag, wie dec .Franks. Ztg.« gemeldet wird, im West-Sanatoriurn zu Berlin von Professor Sonnenburg an Blinddarm-Entzündung operiert worden.

Nach anderen Meldungen hat sich der älteste Sohn bc§ verstorbenen Prinzen Albrecht, Prinz Friedrich Heinrich, wegen einer Halskrankheit in ärztliche Behandlung begeben muss en.

Fasnilie «-Nachrichten.

Gestorben: Frau Atarie Atmuitopfs, geb. Fischer in Mcu> burq a. Lahn.

Giessener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Dienstag, c *

22. Januar: Vietsach neblig. Keine erheblichen Niederschlage.

51 äHer. Später Frosi. Veränderlicbe Winde.

2c. S. K. H. der Großherzog sowie die Prinzessin Dorothea beteiligten sich sehr lebhaft an den einzelnen Tänzen. Tie Großherzogin tanzte einen Lancier sowie Walzer mit den Regiments-Adjutant Leutn. von Schröder, Oberleutnant Graf von Büdingen und Rittmeister von Harnier. Um 1 Uc- nahm das sehr animiert verlaufene Fest sein Ende. Im Neuen Palais findet am Donnerstag den 23. d. M. ein Thöe dansant statt, zu dem ca. 50 Damen und Herren

Nrrrrst nnd LVisjen-chaft.

Berner alsDuellgegner. Der verstorbene Berliner Altineister des Strafrechts mar nicht nur ein Vorkämpfer gegen die Todesstrafe, sondern auch ein schatter Gegner des Duells. Er erklärte es nidit nur unverträglich mit der öffent­lichen Ordnung, sondern auch mit der Gerechtigkeit. ,Tenn erfilid)', so Sagte er, »erleidet der Beleidiger im Zweikampfe ost ein Hebel, melckies mcit über das Maß der Beleidigung hinausgeht Sodann aber ist es ja ganz zufällig, ob der Beleidigte auch der Sieger sein wird. Wenn er nun im Zweikampf unterliegt so bekommt er zu dem unvergoltenen ©dumpf noch die Körperverletzung oder büßt gar das Leben ein. Schon der dem Duell zugrunde liegende Ge­danke, durch feinen Mut die Ebrenhastigkeit zu beroeifen, ist un­richtig, denn bloßer Mut ist ost auch bei den ehrlofesten Böfewichtern vorhanden. Im Widerspruch ist das Duell endlid; auch nut der Religion. Wer die Stiinine achtet, weld;e rief:Liebet eure Feinde, segnet, die end) fluchen", kann iiidgt dem Grundsätze folgen, daß Beleidigungen mit Blut getilgt werden müsSen."

gpidplat der «rrinigte« Frankfurter Ztadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 22. Januar, abends 7 Uhr:Die Jüdin.* SchausPielhanS.

Dienstag den 22. Januar, abends 7 Uhr:Die HennannS- fdjtnfbt."

Lttrchliche Nachrichten« Evangelische Gemcinvc.

Montag, den 21. Januar, abends 8 Uhr: Bibelstunde int LukasSaal. Text: Pbil. 1, 12.Pfarrer Euler.

GerichLssaaL.

Professor Dr. Pannwitz aus Berlin wurde vom Landgecid)t in Hamburg zu einem Tag Festungshaft verurteilt, weil ec dem Hamburgec Rechtsanwalt Dr. Suse wegen Beleidig­ung eine Tuelttorderung hatte überbringen lasfen. ProiesSor Pannmitz erklärte, er habe zu in Duell fordern müssen, da ihm anderensalls das Uniform tragen verboten worden wäre. Tas Gerid)t erklärte, daß der sd)wer beleidigte Angeklagte iüd)t anders habe handeln können, unb daß deshalb das StraSmindestmaß angebracht erfd)eine.

Hamburg, 19. Jan. Oberstabsarzt a. D. Professor Dr. Pannwitz, ber anläßlich ber Prozesse, bie sick) ferner Tätigkeit unb den Austritt aus ber Madeira-Gesellschaft anschlossen, den Rechtsanwalt Suse wegen einer beleidigenden^Bemerkung zum Duell geforbert hatte, wurde gestern von ber Strafkammer zu einem Tag Festungshaft verurteilt Festgestellt würbe, daß die Herausforderung durch eine anonyme Anzeige, ber Suse jernslanb, den Behörden bekannt würbe.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Aus ber Kaliindustrie. Das' Provisorium zwischen den Deutschen Kaliwerken und dem Kalisyndikat ist abgelausen, ohne verlängert zu werden. Tie erstgenannte Gesellschaft erklärt jedoch, nicht in einen Kampf mit dem Syndikat treten zu wollen. Tas Syndikat wird bie Salze der nunmehr außensteheiiden Ge- sellschail unöeränbert abnehmen, bis man zu einer Einigung wegen bes definitiven Beitritts gekommen ist. Die Evtscheibung wiro " >. Ende des lausenden Alonats erwartet.

r u | f i | d) c © t a a t s b u b g e t. Es verlautet, baß bie ruj Finanz-, und Banttreise dem Bubgec oes Finan^imisters