Ausgabe 
20.8.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 194

Zweites Blatt

157. S

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonnys.

nfl.nl Nach mittag um 5 Uhr, ist, "ach dem Tagebuche des umfaßt, durch den plötzlichen Schluß des Theaters m eine recht nlfpn (SSiPtaonPvci. Vxata an hnitntfl »mavSoi» __"tu. < r> - \ . . .

um die

mißliche Lage versetzt worden. Die neue Spielzeit des Theaters sollte bereits am 1. August beginnen; da aber polizeilich ein U m b a u gefordert wurde, mußte der Wiederbeginn der Vor­stellungen verschoben werden.

DieGleßcne. §amillenblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Verhandlungen aus dem Deutschen Tage.

(Nachdruck verboten.)

alten Gießeners, Heß enthauptet ivordeu. Demnach also müßte die hübsche Anekdote von denvttte Atädercher, die mit dene kurze Rock un de tuntige Strumbennel," die aus Butzbach gekommen waren, umde Heß köppe 31t sehe- und denen er denSpaß gründlich verderwe" wollte, wenn sie überhaupt wahr ist, be­reits kurz nach dem Widerruf seines Geständnisses sich abgespielt haben.

Die Dramatisierung des Falles Hau hat dem Direktor des K ö p e n i ck e r S t a d t t h e a t e r s nicht den erwar­teten Erfolg gebracht. Trotz aller Reklame blieb der geräumige Saal des Stadttheaters ungefüllt. Einem Bericht über die ver­unglückte Aufführung entnehmen wir folgendes: TerDichter- des Stückes nennt sich M. Kühne, mit)mehr als kühn" war c5, einem Großstadtvorort ein solches Machwerk zu bieten. Jeder Akt zeitigte unfreiwilligen Humor, der laute Heiterkeitsausbrüche zur natür­lichen Folge hatte.Rührend" war besonders der dritte Akt, die Schlußszene in Baden-Baden. Zwei vermummte Manner als Repräsentanten der Männer mit dem schwarzen und grauen Bart, zwei betrunfene Arbeiter, von denen der eine prophetisch kündet: Es liegt was in der Luft, es schlägt heute noch ein I" Es folgen Olga Molitor und ihre Mutter, sich ängstlich umschauend, worauf der Schuß fällt. Tie beiden nächsten Akte werden durch die Gerichtsverhandlung gefüllt, das Todesurteil wird verkündet, der Vorhang fällt. Verblüfft sahen die Theaterbesucher einander an, man war im Zweifel, ob noch ein Akt kommen werde. Endlich entschloß man sich zum Gehen, aber noch rechtzeitig trat der Direktor vor den Vorhang und verkündete herzhaft, daß der Schlußakt von der Polizei gestrichen worden sei. Es wollte uns cheinen, als hätte das Publikum darüber eine herzliche Freude empfunden/

Der Wiener Korrespondent der Münchener ,Allg. Ztg." erfährt zuverlässig, daß Weingartner zum Direktor der Wiener H 0 f 0 p e r ernannt ist.

Boston, 19- Aug. Ter 7. internationale Zoologen-, kongreß ist eröffnet worden- Professor Hertwig von der Münchener Universität, einer der dcittschen .Delegierten, sprach stbe.r Protozoon- l

Dienstag 2v. August 1907 r Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitats - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.: Anz-igerGießen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. August.

** Das Wasser der städtischen Wasserleitung wurde, wie wir dem Bericht des hiesigen chemischen Untersuchungs­amtes entnehmen, auch im letzten Jahre wieder einer chemischen und bakteriologischen Untersuchung unterzogen. DieUntersuchung ergab, daß die chemische Zusammensetzung und die physikalische Beschaffenheit des Wassers aus den Quellen zu Qneckborn säst die gleiche geblieben ist wie im Vorjahr. Die qualitative Untersuchung ergab wie im Vorjahr wenig Kalk und Spuren von Eisen, während Die un ver­gangenen Jahr beobachteten Spuren uon Salpetersäure im letzten Jahr verschwunden waren. Das Wasser roch nicht uiid hatte keinen Bodensatz, der Geschmack ivar normal und es luar klar und farblos, Das Wasser entspricht in Bezug auf die chemische und physikalische Beschaffenheit den an gutes Genuß- und Hausgebrauchswasser von der Hygiene zu stellenden Anforderungen vollkommen und kann

lUcinc» Feuilleton.

Die Trauerseier für den verstorbenen Pr 0 - essor Joses Joachim hat am Montag nachmittag in der önigl. Hochschule für Musik zu Charlotten bürg stctttge- inden. Als Vertreter des Kaisers erschien der Flügelaojutant vei'tteutnant von Chelius- Ferner stellten sich ein der Fürst ,n Rcuß-Köstritz, der,Komponist, Abgesandte des Berliner und harlottenburger Magistrats, studentische Abordnungen rc-, selbst is Ausland hatte Delegierte entsandt- Die HonnemÄ machte w Sohn des Verstorbenen, der Hauptmann Joachim- Geheim- lt Open, Präsident der Akademie der Künste, hielt die Go- ichtniSrede- Prediger Nithack-Stahn segnete die Leiche ein. en Zug eröffneten Studenten in vierspännigen Wagen. Ui> ittelbar dahinter kam der sechsspännige Leichenwagen- Eine «me und ein Herr trugen den von der Hochschule gespendeten oßen Krunz- Militärische Abordnungen schlossen sich au. Pro- isor Joachim wurde auf dem Friedhof am Fürstenbrunner Weg l der Seite seiner ihm vor neun Jahren in den Tod voraus- gangenen Gattin beigesetzt- Während der Trauerfeier wurde rinz Friedrich Heinrich von Preußen von einer leichten Ohnmacht fallen und mußte aus dem Saale geleitet werden-

Ueber Gießener Originale plauderte kürzlich an eser Stelle aus Anlaß des Universitätsjubiläums einer unserer itarbeiter, u. a. auch vom Kirchenrätchen Enge l. Am klassischsten »enialls war seine bekannte Tröstung beim Begleiten eines R a u b- brders namens Heß zur Hinrichtung. Nachdem er bei dem mischen Sünder die ganze Kunst seiner Beredsamkeit vergebens fgeboleii hatte, redete er endlich eindringlich mit dem Zuspruch f den Verbrecher ein:No, Heß, jetzt lut mir de einzige Ge­len, laßt Euch köppel" Heute erhalten wir nun durch Zufall "sicht in das Tagebuch eines alten Gießeners aus dem Jahre 17 und sülden da die Eintragung, daß man am 28. Mai jenes hreS den Heß ansSchaffoot" und wieder in die Stadt bringen )/weil er", wie neulich eine Weilburger Dame ganz richtig ühlt hat (vergl. unsere Nr. 184),sein früheres Geständnis wider- r. Doch nicht wenige Tage später erst, sondern an demselben

Oekonomierat Kennemann-Klenka: Früher gabs überhaupt keinen polnischen Bürger st and, derselbe sei erst durch dre Fürforge der deutschen Regierung geschaffen worden. Und der polnische M i t t e l st a n d sei d e r ü r g st e F e i n d d e r Deutschen, dieser innere Feind sei recht ernst zu nehmen. Mit Rücksicht auf die polnische Gefahr müsse das ostmärkische Deutschtum sich energisch zur Wehr setzen. Redner bittet um einmütige Annahme der Resolution. (Lang anhaltende Bravo-- rufe.)

Diese Resolution gelangte einstimmig zur Annahme.

Generalsekretär Voßberg-Posen sprach sodann über die Erleichterung des Real- und Personalkredits in den 0 st märkischen Städten.

Der Referent hebt hervor, daß die Provinzial-Hilfskasse einen sehr schwerfälligen, langsamen Betrieb habe und infolgedessen die Vorteile dieser Kasse für den deutschen Mittelstand fast illu­sorisch seien. Auch der Betrieb der Kreis- und der flädtischen Sparkassen sei sehr schwerfällig; die ersten Hypotheken seien ebenfalls sehr teuer. Redner legte sodann im einzelnen die bestehenden Verhältnisse dar; es sei geradezu unmöglich für die Hausbesitzer mehrerer kleineren Städte einen billigen, unkünd­baren amortisablen Hypothekenkredit zu erlangen. In diesen Ver- Ixiltnissen sei unbedingt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das Deutschtum vorhanden, indem dadurch die Seßhaftigkeit des deutschen Mittelstandes erschwert werde und somit ein Hinder­nis in der Verdeutschung der kleineren Städte sei. Die Deutschen sind eben leider gezwungen, sich an polnische Banken und Dar- lehnsinstitute zu wenden und somit tragen dieselben indirekt zur materiellen Hebung des Polentmns bei.

Aber auch die Deutschen sind gezwungen, ihre Grundstücke an die Polen zu veräußern. Unbedingt sei daher die S ch a f f u n g eines Hypothekeninstituts, wie wir es wünschen, nötig, und zwar muß dasselbe auf deutscher Grundlage beruhen. Die Gründung einer solchen Kreditanstalt ist bereits am 19. Dezbr. 1906 erfolgt. Dieselbe soll zur Beschaffung billigen Kredits für Beleihung städtischer Haus- und Grundstücke in den Provinzen Posen und Westpreußen dienen. Der Staat gibt zu dem Grund­kapital einen , Zuschuß von V/j Millionen Mark. Der Referent meint, daß die Bank dazu beitragen würde, in den unleidlichen Kreditverhältnissen eine Sanierung herbeizuführen und anderseits der Polonisierung der kleinen und mittleren Städte in der Ost­mark einen Riegel vorzuschieben. Es gelangte sodann eine in diesem Sinne gehaltene Resolution einstimmig zur An­nahme.

Heber den Punkt 7 der Tagesordnung: Vereins- und preßgesetzliche Maßnahmen im Interesse des Deutschtums und Schreibweise weiblicher pol­nischer Familiennamen berichtet Justizrat Siebert-Lyck Ostpr., der die Annahme mehrerer Resolutionen zu dieser Materie empfiehlt. Eine Resolution wurde einstimmig angenommen. Es heißt dort u. a.:

Das deutsche Reich ist kein nationales gemischtes, sondern ein einheitlicher deutscher Nationalstaat, die deutsche Sprache ist die ausschließliche Staatssprache; sie muß daher als Wahrzeichen der Staatseinheit im gesamten öffentlichen Leben zur Anwendung gebracht w erd en.

Durch testamentarische Verfüg u n g' von Dr. Paul Wolfs kehl in S) a v in ft ab t ist der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen ein Kapital von 100000 Mark zugefallen, das die Gesellschaft bemjentgen znerkennen soll, der den Beweis des Fermatschen Satzes, daß die Gleichung x +yn =zn (u> 2) niemals in ganzen Zählen auflösbar sei, durchführt. Bis zur Lösung beS Problems sollen die Zinsen bes Kapitals zu Zwecken ber mathematischen Wissenschaft verwendet werben.

Die neueste Nummer ber Frankfurter Musik- u n d Theater-Zeitung bringt it. a. einen größeren Aufsatz über die Darstellung von Wagnergestalten durch Ejnar F 0 r ch h a m nie r, ber . einen fesselnden Einblick in die Rollen-Auffassung dieses genialen Künstlers gewährt, und eine Vorbesprechung von Rubinsteins Dämon", ber vor 14 Tagen zum ersten Riale in Frankfurt zur Aufführung gelangen sollte nnb nun für ben 24. d. M. in Aussicht steht. Tie Franks. Musik- und Theater-Ztg." erscheint im Verlage von Veldkamps-Manu in Frankfurt a. M.

Das Reinhardsche Deutsche Theater in Berlin verliert einen seiner glänzendsten Stars, die Sorma, die zum Kleinen Theater übergeht, und gewinnt dafür eine neue, vielversprechende Kratt in Wilhelm D i e g e l in a n n, ben Frank­furt sehr ungern ziehen ließ. Der Künstler dürfte in ber kommenden Saison den König Lear spielen, ben das Deutsche Theater seinen bisherigen Shakespeare-Erfolgen anzugliedern hofft.

Die Gesellschast L 0 r tz i u g - T h e a l e r m, b. H. in B e r l i n hat den K 0 n k u r s angemeldcl. Wenn auch der bis­herige Direktor Liebau bemüht sein will, die Oper in der bisherigen Weife weilerzusüyren, so ist doch der allergrößte Teil des Personals, bas mit Chor und Orchestermitgliedern ungefähr hundert Köpfe

schlage vor. In der sich entspinncnden lebhaften Dis- tufsion äußerte ber Delegierte Schmaus-Leipzig Be­denken dahin, daß das Enteignungsgesetz allein mit dem Ein­spruchsrecht nicht genügen würde, die wirklichen Werte für den enteigneten Boden zu bezahlen; die Grundstücke würden also naturgemäß in den Preisen bedeutend heruntergehen. Redner ist der Ansicht, daß das Enteignungsgcsetz gar keinen Nutzen bringen würde. Pfarrer Paarmann-Jankeudorf äußert Bedenken gegen verschiedene Absätze der Resolution; er meint, das Enteignungsrecht würde auch zur Folge haben, daß man sich dafür bedanken müßte, in der Osttnark Gutsbesitzer zu sein. Er halte es für angebracht, daß man lieber die heutigen unzulänglichen Verhältnisse bestehen lassen solle, als dieselben durch ein unzureichendes Gesetz zu ändern. ~ Oberregierungsrat a. T. Bey er-Zoppot sprach sich für das Enteignungsgesetz aus; das Deutschtum müsie unbedingt ge­schützt werden.

daher mederüm als vortrefflich geeignet zue Speisung einer ösfent- cben Wasierlettungsanlage bezeichnet werben. Tie bakteriologische Untersuchung ber an ben verschiedenen zugänglichen Stellen ber Leitungsanlage von ben Quellen bis zu bem Eintritte in ben Hochbruckbehalter bezw. ben Ortöbehäller von Queckborn ent­nommenen Wasserproben hat ben im vorigen Jahre erhaltenen ganz ähnliche Resultate ergeben, wäljrenb das Wasser des Hoch- druckbehätters in Queckborn in biesem Jahre höhere Keimaehatte aufgeiviesen hat, als im Vorjahre. Die gefundenen Keimzahlen stlbst in den Inhalten des Hochbruck- bezw. OnsbehälterS von Queckborn können als hygienisch unbebenkliche bezeichnet werden Tas Wasser aus bem Saugbrunnen 1 unb III, das ja bereits eine sehr niebrige Keimzahl ergeben hat, wirb vermutlich noch günstigere Zahlen anhueijen, wenn die in ber Nähe ber beiden Saugbrunnen z- Zt. ber Probeentnahme noch im Gange befindlichen Er'darbeilen zur Errichtung eines weiteren Saugbrunnen» 2c. abgeschlossen jein werben.

Die chemische Untersuchung einer in gleicher Weise wie in früheren Jahren gewonnenen Wasserprobe aus der älteren Wasserversorgungsanlage der Stadt Gießen (Quellen bei Großen- Buseck und im Licher Walde) ergab Spuren von Salpetersäure, Schwefelsäure und Eisen, sowie wenig Kalk. Das Wasser war klar und farblos und ,sein Geschmack normal. Es kann daher auch das Wasser aus ber älteren Wasserversorgungsanlage ber Stadt Gießen auf Grund ber bei der chemisch-physikalischen Untersuchung desselben im verflossenen Jahre erhallenen lliesultate wiederum als von großer Reinheit im hugienischen Sinne unb wohl geeignet zur epeifung einer öffentlichen Wasserleitungsanlage bezeichnet werben. Die bakteriologische Untersuchung des Wassers an den verschiedenen ziigänglicheil Stellen ergab ebenfalls einen günstigen Befund. Das Wasser des Huberliisbrimnens, sowie die Wasserproben aus dem Nieberdruckbehälter weisen wesentlich höhere Keimzahlen auf, die sich vermutlich durch eine starke Vermehrung der ursprünglich vor­handenen Keime in ben mehr ober weniger stagnierenden Wässern erklären lassen. Zu sanitären Bedenken bieten dieselben keine Veranlassung.

** Gravelotte-Feiev- Zur diesjährigen Feier des 18- August hatten sich die Mitglwd-er der sämtlichen hiesigen Militärvereine mit ihren Fahiwn, die am Mare Aufstellung; fanden, recht zahlreich in b-er Stadtkirche eingefunden, wo ber Gottesdienst in Awvesenheit des gesamten Offizier-Korpsl und zahlreicher Gemeinde-Mitglieder ftattfanb- Pfarrer D. Schlosser wies mit ergreifenden Worten auf die Bedeutung des Tages hin. Nach Beendigung des Gottesdienft^Zl erfolgte der Abmars'ch nach dem alten Friedhof. Tas Regiment hatte in ^liebenswürdiger Weise Tags vorher das Schmücken der Denkmäler und Grab­stätten vorgenommen. Oberst 0. Lindenau, begleitet vom ganzen Ofsizier-Kvrps und einer Abordnung von Unteroffizieren und Mannschasten,^ gebäre,mit kernigen Worten der Gefallenen des 18- August, ^eine Ansprache gipfelte in dem bekannten Tächter- worte:

,^Wohl wieget Eines viele Taten auf, Sie achten drauf.

Das ist um Deines Vaterlandes Not, Ter Heldenwd."

C. u. H. Bromberg, 17. Aug. östlich geschmückten Stadt begannen heute vormittag 10 Uhr im Saale des Zivilkasinos in der Danziger Straße Verhaildlungen des Deutschen O st m a r k e n v e r e i n s. Dre Verhandlungen eröffnete Herr v. Tiedemann mit etwa folgenden Worten:

Infolge des aggressiven Vorgehens der Polen befinden wir uns leider noch in_ einem akuten Kriegszustände, wir müßten also alle auf die Schanzen. Ein Ausdruck des Kriegszustandes war auch der Schulstreik, der seitens der Polen mit geradezu ver­werflichen Mitteln geführt wurde, leider unter aktiver Anteil­nahme des verstorbenen Erzbischofs, sowie der polnischen Geist­lichkeit; man ^önne jedoch die Zuversicht haben, daß der Vatikan die politische Stimmung respektieren, und daß nur ein Deutscher uw)euer Erzbischof werde. Vielleicht hätte die Regierung in dem Schulstreik schneller und energischer eingreifen müssen, aber sie kann sagen, daß sie den armen betörten Untertanen poln. Zunge Zeit liefe, zur Vernunft zu kommen. Verwerflich sei auch der infolge des Schulstreiks gegen die deutschen Lehrer ver­hängte Boykott, die unter den schwierigen hiesigen Verhältnissen einen, schweren Stand haben. Redner beleuchtete sodann in drastischer Weise die nationalen Forderungen der Polen. (Wieder- holte stürmische HeiterkeitserfolgeO Am besten wäre es, meint Nebner, wenn man mit berKreuzztg." lakonisch sage: Am besten wäre es, man baue bas Polenreich vom Schwarzen Meere bis zur Ostsee wieder auf. Die wichtigste Frage, die ledoch uns hier beschäftigen wird, ist die Frage der Boden­politik. Es sei beschämend, wenn sich noch jetzt gewisse deutsche Biedermänner finden, die sich nicht schämen, ihre heimat­liche Scholle an einen Polen zu verkaufen. Leider ist es den Polen gelungen, in der letzten Zeit von den Deutschen 50 000 Hektar zu erwerben. Wenn mau bedenke, daß es deutsche Nlänner sind, die durch solche Handlungsweise das Deutsch­tum direkt schädigen, bann höre die Weltgeschichte wirklich auf. Unter solchen Verhältnissen müsse mau eben auf Wanblung finnen, der Staat müsse und werbe auch neue Mittel und Wege finden, um diesen unerhörten Zuständen Einhalt zu gebieten. Man dürfe sich nicht von sentimentalen Rücksichten leiten lassen, wenn es gilt, eine solch prinzipielle Frage in der Oftmarken- politif zur endgültigen Entscheidung zu bringen. Wenn die Verfassung zur Annahme der Enteignungsvor­lage nicht ausreicht, dann müsse die Verfas- lung eben entsprechend erweitert werden. Die Polen achten auch, nicht die Gesetze. Wo es gilt, 2as Staatsinteresse zu schützen und Wo es sich um allgemeine nationale Fragen bandelt, da müsse das Interesse des einzelnen lveichen. Wenn die Polen wirklich doch die Absicht haben, loyale jtreue Preußen zu werden, dann ^rauchten sie auch bas neue Gesetz nicht zu be­fürchten. Man darf den Friedensschalmeien der Polen nicht glauben, man müsse ben Kampf auf gut deutsch offen unb ehrlich bis zum Aeußersten ausfechten. (Bravo.)

Gesandter a. D. Exzellenz v. Radschau -Berlin behandelte iunmel)r in recht ausführlichen Darlegungen die Kampfesweise >er Polen, insbesondere die Mittel, mit denen sie in der noßgebenden ausländischen Presse die Deutschen zu diskreditieren versuchen. In der letzten Zeit ist sogar in Wien ein be- onderes PreßorganDie polnische Post" zur Propaganda der polnischen Ideen gegründet worben. Freundlich zu begrüßen ei dagegen, daß die deutsche Presse im Westen unb im Süden >es Reiches nunmehr mit einem besseren Verständnis die poln. Frage zu beurteilen wisse.

HeberGesetzliche Maßnahmen in der Boden­politik" wurde sodann von Bieler eine Resolution ben An- uefenben unterbreitet, die sich für ein Enteignungsgesetz aus- pricht. Der Referent schloß feine sachlichen Ausführungen, in jenen er speziell auch vom rechtlichen Standpunkt das Ent- ignungsproiekt behandelte, mit bem Satze: We r den Boden iat, der hat die Macht. Ohne das Enteignungsgesetz ässe sich eine deutsche Ostmarkenpolitik überhaupt nicht durch- Ühren.

Justizrat Wagner-Berlin, der Verfasser der Broschüre »Enteignung und Einspruchsrecht", trat ebenfalls für die An- -ahme der vorgeschlagenen Resolution ein. Redner erläuterte uch vom juristischen Standpunkt die Voraussetzungen des neuen ''Eignungsgesetzes und kam zu bem Schlüsse, baß man gar eine Bedenken haben könne, die Annahme dieses Gesetzes zu efärworten. Den Polen steht ja nach dem Inkrafttreten des Gesetzes das Recht zu, in ben anderen deutschen Provinzen sich nzusiedeln, sie können ja auch schließlich nach dem Paradiese er politischen Freiheit, nach Galizien oder Rußland, gehen, ort Würden sie sich vielleicht Wohler fühlen, als unterpreuß. nechtschast". Die Polen behaupten doch, daß für sie die Grenz- fähle nicht bestehen. Nun wohl, die Deutscyen wären roh, die ungemütlichen polnischen Nachbarn los u werden. In Marienburg haben wir das Verlangen aus- efprochen nach gesetzlichen Maßnahmen in dieser Hinsicht, heute gen wir der Staatsregierung entfPrechende detaillierte Vor-

und legte im Namen des Offizier-Kvbps einen Kpanz nieder, während die RcgimentK-Mufik diesen feierlichen Akt mit dem LiedeIch butt/ einen Kameraden" begleitete- Ihm folgte Herr Bausch, Vorsitzender des Artillerie-Vereins. Sein Gedenken galt Freund und Feind, die für des Vaterlandes Ehre Gut und Blut geopfert, gemeinfam im ewigen Frieden ruhen. Seine beiben Kränze legte er an dem deutschen und französischen DenkmaL nieder- Tie Musik spielte,Wie sie so sanft ruhn". Hieraus begab sich die Festversamtnlung an die Gräber der an den Felt> Lägen 1870/71 beteiligten Offiziere des Regiments 116, um auch deren Andenken durch Niederlegung von Kränzen zu ehren- Die in dem Ringen um des Vaterlandes Ehre Gefallenen, Lt- d. Nu Gail und Oberl- Kißner wurden durch eine^kurze Ansprache feitenS des Regiments-Kommandeurs 'besonders geehrt- Wahrend dieses F-estaktes war eine Abordnung von Offizieren und A^annschaften nach dem neuen Friedhof entsandt worden, um auch an dem Grabe des Obersten Haupt einen Kranz niederzulegen. Aber nicht nur der Offiziere des hiesigen Regiments War gedacht worden, auch die Kameraden anderer Truppenteile wurden durch Kranz- sperrden geehrt- Nach Beerdigung der Fwiedhossfeier erfolgte der Abmarsch nach dem Kriegerdenkmal, wo Herr Bausch im Auf­trag der Militär-Vereine einen Kranz niederlegte- Tas übtick-a Promenaden-Konzert fand zur Feier des Tages am Kriegerdenkmal statt- Alsdann besuchten die Veteranen und bie Vorsitzenden der Militärvereine infolge einer Einladung des Offizier-Zlvrps das Offizier-Kasino, wo Major Mo hr einen Vorttag üoer die Schlacht am 18- August hielt, bie der Vortragende in vortrefflicher Weise schilderte. Nie Anwescuden folgten im Anschluß daran einer liebenswürdigen Einladung des Ofsizier-Kvrps zu einem Frühstück, welcher Einladung gern Folge geleistet wurde- In kernigen Worten begrüßte Oberst v- Lindenau die Anwesenden unb brachte ein Hoch auf den Kaiser unb den Gvoßherzog aus- Ein von Kommerzienrat Emmelius eingetroffenes Telegramm würbe freudig begrüßt- Kam. Bruchhäuser dankte im Namen der Mckitärvereu.ie ür die überaus herzliche Aufnahme und brachte ein Hoch auf daö Ofsizier-Kvrps aus- Die ganze Feier legte em beredtes