Ausgabe 
20.6.1907 Zweites Blatt
 
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Hervorhebung eines gleichfalls aus Gerechtigkeitsgründen nicht feu duldenden Uebelstandes. Die Eisenbahnverwaltungen haben sich dem von mir vor Jahren vorgcschlagenen Zonentarif, zu dem sic sicher früher oder später kommen werden, vorläufig wenigstens für das Gepäck- und den Schncllzugszuschlag an- geschlossen. Sic haben aber meinen Zonentarif dadurch in eine Ungerechtigkeit verwandelt, daß sie die Gewährung seiner Vor­teile von ihrer Willkür in der Auslegung direkter Fahrkarten abhängen lassen. Jüngst hat sich Graf von Mirbach mit vollem Recht darüber beklagt, daß er nicht nur die doppelte Fahrkartcn- fteuer, für die fa die Eisenbahnverwaltung nichts kann, sondern auch die doppelte Gepäcktaxe und den doppelten Schnellzugszu­schlag bezahlen muß, weil auf seiner Eisenbahnstation, Sorguitten in Ostpreußen, keine direkten Fahrkarten für weite Entfernungen, zumal für Reisen nach dem Westen, aufliegen. Dieser Zu­stand ist, soweit es sich um daraus folgende Benachteiligungen handelt, rechtswidrig, ja selbst verfassungswidrig, denn alle sind vor dem Gesetze, also auch vor dem Tarifgesetze, gleich. Es wäre eine Kleinigkeit für die Eisenbahnverwaltung, jeder Station die Ausschreibung von Fahrkarten nach beliebigen Stationen im Deutschen Reiche zu ermöglichen und dadurch jedem Reisenden den Genuß der Vorteils der Fernzone für Schnellzüge und Gepäck zu verschaffen.

Wie gesagt, ick bin mit meiner Beleuchtung der Mängel des neuen Tarifwesens noch lange nicht zu Ende: hier sollte nur das herousgeholt werden, was aus zwingenden Gründen des öffentlichen Rechtes und der Gerechtigkeit, oder wie im Falle der Rückfahrkarten aus Gründen erheblichen Nutzens für Reisende und Verwaltungen der schleunigen Acndcrung bedarf. Tie Eisen­bahnverwaltungen scheinen des Glaubens zu leben, daß das Er­gebnis ihrer etwa zehnjährigen Beratungen die Reisendenwelt mit hoher Befriedigung erfüllt. Ick bin zehntauscndfackcr Zu­stimmung sicher, wenn ich hier aussvrechc: ganz abgesehen von der Aufhebung der Gepäckfreiheit und der Einführung des Schnell­zugzuschlages, an denen für die erste Zeit schwerlich zu rütteln ist, enthält das neue Tarifwesen Lücken und Ungerechtigkeiten, so un­erträglicher Art, daß die Eisenbahnverwaltungen, zumal als Staats­verwaltungen, allen Anlaß haben, die Beschwerden der Rei­senden ernstlich zu prüfen und die berechtigten zu befriedigen. Ich glaube, in meinen Ausführungen keine einzige unberechtigte vorgärracht zu haben. z

Professor ^Eduard Engel- Berlin.

Im Anschluß hieran sei folgendes mitgeteilt:

Die Personentarif-Reform mit^ dem Aus­lande, welche ursprünglich erst mit dem 1. Oktober in Kraft treten sollte, ist "burd) das Entgegenkommen einzelner ausländ. Eisenbahnverwaltungen derart beschleunigt worden, daß sic zum Teil schon am 1. Juli oder 1. August zur Einführung kommen kann. \so wird man einfache (direkte) Fahrkarten nach allen Stationen der schweizerischen Eisenbahn, und zwar über alle möglichen Wege, bereits am 1. Juli haben können; die Diffe­renz zwischen früherem und jetzigem Preise auf den deutschen Strecken, über welche bisher mit Recht Klage geführt wurde, kommt dann in Fortfall. Am 1. August wird dann voraus­sichtlich der überwiegende Teil der «übrigen außerdeutschen Länder folgen, d. h. auch nach dorten werden dann direkte Fahrkarten zu den durch die Personcntarisreform festgesetzten Preisen Lei uns aufliegen. Die Rückfahrkarten nach dem Auslande dagegen bereiten erhebliche Schwierigkeiten und langweilige Verhandlungen mit den beteiligten fremden Verwaltungen, sodaß cs fraglich erscheint, ob diese iwch vor dem 1. Oktober aufgelegt werden können.

Der Deutsche Müllerbund

hielt am 15. und 16. Juni seine Tagung in Halle a. S. ab. Als Ehrengäste waren u. a. anwesend: Regierungsrat Dr. Thiel, Frei­herr Dr. von Stockhausen, Vertreter der Landwirtschasts-Kammer, imb Prof. Dr. Suchsland. An den Kaiser wurde ein Huldigungs» Telegrchnm gesandt.

Betreffs der Umsatz - Steue r wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Versammlung hält die Forderung einer staffelsörmigen Umsatz-Steuer für alle Mahlmühlen-Betriebe ausrecht, weil sie hierin den einfachsten und gerechtesten Weg zur Einschränkung der ungesunden Auswüchse int Mühlen-Gewerbe erkennt.

Betreffs der Schiffahrts-Abgaben: Die Versainnt- lmtg erachtet die Einführung von Schiffahrts-Abgaben auf den deutschen Flüssen und Kanälen für n o t w e n bj g, baniit die erheblichen Kosten der Instandhaltung der Wasserlätlfe und Häfen, die heute von der Gesaintheit der Steuerzahler getragen ivcrden müssen, gerechter Weise auf diejenigen Schullern abgeivälzt iverden, die den Nutzen des billigen Wasser-Verkehrs vorwiegend genießen, die Großbetriebe. Die Schiffahrtsabgabeit bedeuten sonach keine neue Belastung der Gesamtheit, sondern vielmehr eine Entlastimg derselben.

Betreffs der G e t r e i d e-A u s f ll h r: Die neuerdings geschaffenen Zoll- und und Tariioerhältniffe (Ausfuhr-Vergütung für Körner und Ausnahme-Tarife für Export-Güter) begünstigeii den Abfluß des deutschen Getreides nach dein Auslanbe, wodurch bei uns Mangel und Teuerung entsteht. Das Inland ist zur Zeit von Getreide stark etttblößt. Die Versammlung beantragt daher, die Zoll- und Tarif-Verhältnisse baldigst einer Nenorbnung zu unterziehen, damit nicht eine schwere Schädigung und Gefährdung der Volksernährung eintritt.

Weiter wurden folgende Beschlüsse gefaßt:

Der Vorstatid des Deutschen Müllerbuitdes wird beauftragt:

1. Ein Gesuch wegen A u s s ti h r - V e r b o t von Reini - g un gs-A bf äl l eti an maßgebender Stelle einznreichen, unter Zugrundelegung der durch die Lieferllng verschniiitzlcn Getreides vertlrsachten Uebelstände. 2. Ten vereinigten Dl üllern und Innungen dringend zu eittpfchlen, beim Abschließen eines Ein­kaufs den Lieferanten gleich daraus aufmerksain zu machelt, daß die Ware rein zu liefern ist, auf den bctr. Endstationen aber unreine Ware sofort zu beanstanden und denjenigen Getreide-Im­porteur, der in wiederholten Fällen unreiite Ware liefert, ganz auszuschalten.

Die Versammliing beauftragt beit Vorstand des Deutschen Müllerdiindes, beim Bundesrat und den Ministerien des Innern der Einzel-Staaten vorstellig zu iverden, den zollfreien Grenz - Verkehr dahin zu beschränken, daß nur von jeder Familie einmal in der Woche 3 kg Mehl und Brot frei eingesührl werden können und die Grenz-Behörden Anweisung erhalten, solche Karten aiiszugeben, die in 52 Wochen eingeteilt sind. Diese Karten verlieren nach Ausnutzung ihre Gültigkeit und dürfen auf das gleiche Jahr nicht ergänzt werden.

Vermischte».

"Der Fiat wagen. DieHamb. Nachrichten" er­zählen folgendes Geschichtchen: Man sagt, daß der Kaiser für die italienischen Fiatwagen eine stille Vorliebe habe, und man kolportiert ein darauf bezügliches Anekdötchen. Der Kaiser, der sich um die technischen Details seiner Maschinen weniger kümmert, als Prmz Heinrich, der Ingenieur, soll einmal vor kurzem, als die Fahrt recht flott dahin ging, zu seinem Adjutanten gesagt haben:Sehen Sie, mein Fiat­wagen ist doch der beste, das sieht man daran, wie er diese Steigung wieder zieht", worauf der Adjutant an seine Mütze griff und bescheiden erwiderte:Majestät halten zu Gnaden, aber wir sitzen jetzt in dem Mercedes."

* Kleine Tageschronik. Ein schwerer Unglückssall er­eignete sich bei S a l e s ch im Kreise Groß-Slrelitz (Schlesien). Zwei Schulknaben badeten im dortigen Tominialtciche und versanken an einer liefen Stelle. Zwei andere Knaben, die zur Rettung der Ertrinkendeit herbeieilten, fanden gleichfalls den Tod. Im Montblane-Gebiet ist der englische Ingenieur Steppl'lal aus Shefield mit seiner Fran über ein großes Schneefeld a b g e - stürz t. Dem Mann wurde der Brustkasten eingedrückt, sodaß sein Leben in Gefahr ist. Tic Frau erlitt leichtere Verletzungen. In München wurde im Laden des HosgoldschmiedeS Heide cm Ein bruch verübt und Juwelen im Werte von 3000 Mk. gestohlen.

Da der Dieb anscheinend gestört wurde, ließ er iveitere Pretiosen im Werte von 20 000 Mk. liegen. Vorher hatte er in einem nebenan liegenden Laden den Geldschrank zu erbrechen versucht, und als ihm dies nicht gelang, stahl er aus der Ladenkasse einen Heinen Geldbetrag. Am 19. Juni ist ein Güterzug mit Personenbe- förderuilg bei der Einfahrt in der Station Mindelheim (Bayern) entgleist. Der Gepäckwagen, ein Personenwagen und sechs Güter­wagen sind ziemlich erheblich beschädigt. Ein Reisender Fränkel aus Frankfurt a. M. wurde verletzt. Gegen das Zollhaus zu R o manshof, Kreis Rylmik (Schlesien), wurden mehrere D y n a in i t a t t e ii t a t e verübt, ohne daß es gelang, die Täter zu ermitteln. Schließlich lenkte sich der Verdacht anf den Haus­besitzer Spandel in Romanshof, der mit dem Zollhauspächter Jordan verfeindet war. Als Jordaii am letzten Sonntag abend spazieren ging, wiirde er von Spandel durch einen Schuß in den Hinterkopf schwer verletzt. Spandel begab sich dann nach Hause und verhinderte mit der Waffe in der Hand das Betreten seines Griiiidstücks. Montag früh wurde mit der Belagerung des Hauses begonnen. Nach und nach wurden 17 Gendarrneii aus bei» Kreise Rybnik zusammengezogen, die an ber Belagerung teilnalunen. Ain 18. Juni gelang es enblich, des gefährlichen Verbrechers habhaft zu werden. ,

DLuttst «nd ws Herrschaft.

Der jetzt erschienene Geschäftsbericht des Dcutscheii Zentral- Komitees zur Bekämpfung der Tuberkulose richtet diese Worte aii die studierende Jugend:Vor allen Dingen ist es zu beklagen, daß die T r i n k g e b r Ö n ob e in den gebildetsten und geistig hochstehenden Kreisen der deutschen Jugend fast überall aus einen Trinkzwang hinanslausen, daß der Fluch der Lächerlich­keit und Verachtung denjenigen trifft, der sich diesem Zwange zu entziehen versucht. Störungen der Gesundheit oft schwerer Art, Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit und Einbuße ber sittlichen Fähigkeiten finb bic Folgen bc§ Alkoholismus, bie in dem passenden Worteverbummelt" ihren Ausdruck findet."

Ein eigenartiges Ergrauen der Haare ist von Dr. W. Jpsen in Frankfurt bei einem Patienten festgestellt worden, der wegen einer Erkrankuiig in das dortige städtische Krankenhaus aufgenommen worden war. Da ein ähnlicher Fall in der medizinischen Literatur noch nicht beschrieben zu sein scheint, macht Dr. Jpsen darüber einige genauere Mitteilungen in der Münchener Mebizinischen Wochenschrift. Die Farbe des Haupt­haares wird im ganzen durch vier verschiedene Umstände beftimmt. Erstens von dem in den Haarzellen gelösten Farbstoff, zweitens von ber in ben Haaren enthaltenen Luft, britienS von ber Menge be§ m körnigem Zustanb vorhanbenen Farbstoffs und endlich noch von dem Mark ber Haare, das bei völligem Verlust des Farbstoffes die blendend weiße Farbe hervorbrmgt. Ter fragliche Kranke, ein 23jähriger Mann, wies an der Behaarung nicht nur des Schädels, sondern auch ber Augenbrauncu, ber Oberlippe unb anderer Körper­teile eine ganz eigenartige Färbung auf, die den Eindruck erweckte, als ob eine zarte silbergraue Schicht von Staub oder Asche darüber gestreut wäre. Diese Haarfarbe soll von Jugend auf vorhanden gewesen sein. Auch scheint sie der Vererbung unterlegen zu sein, weil die Mutter des jungen Mannes, außerdem eine seiner Schwestern, die gleiche Eigentümlichkeit besitzt. Tie nähere Untersuchung zeigte, daß Luftblasen in den Haaren gänzlich fehlten. Danach konnte nur die Eigenschaft des Farbstoffes selbst zur Erklärung der sonderbaren Färbung herangezogcn werden. Es stellte sich auch heraus, daß der Farbstoff in den Haarzetten ganz merkwürdig verteilt war, nämlich teils in feinen Strichen, teils in kleinen Körnchen, teils in größeren Klnmpen und Schotten. Der Farbstoff wechselte zwischen braungelblich und tiesschwarz. Erst nach der Haarspitze hin trat das Mark der Haare deutlich hervor. Es ist anzunehmen, daß diese Erscheinung die doch ziemlich auffällig sein muß, nicht ganz so selten ist, sondern mir der genaueren Untersuchung bisher ent- gangen ist.

Universitäts-Nachrichten.

Ein Gefreiter als k ü n f t i g e r P r o f e s s o r. In ber Aula ber Berliner Universität empfing biefer Tage ein Gefreiter vom Erfurter Artillerie-Regiment das D o k t o r d i p l o m aus der Hand des Dekans Prof. Pischel, der dabei öffentlich erklärte, der junge Doktor sei aus dem Holze geschnitzt, aus dem Professoren gemacht werden. Da verlohnt es schon, diesem Gefreiten natürlich ist. es ein Einjähriger ein paar Worte zu widmen. Es war Arnold (Süden, der Sohn des bekannten Jenenser Philosophen Professors Dr. Rudolf Eucken. Er erhielt das Prädikat summa cum laude. Der junge Eucken ist physikalischer Chemiker.

Gerichtssaai.

Dresden, 19. Juni. Tas Oberkriegsgericht verurteilte den Hauptmann Schmidt vom Infanterie-Regiment 103 zu Bautzen Tuegcn Erstattung falscher Meldungen und ungenügender Beaufsichtigung beim Schießen zu 2 Monaten einer Woche Festung. (V. T.)

Kandel.

Zur Geldlage und russische Werke. So schwarz, wie die Gcldlage wieder bis ganz vor kurzem angesehen wurde, ist sie nicht. Eine kleine Erleichterung am Geldmarkt ist erst gestern emgetretcn unb der Privatdiskont bis 43/4 Prozent zurückgegangen. Alan kann mit Sicherheit darauf rechnen, daß bie naturgemäßen Zuflüsse aus bem Juli-Eingang weitere unb zwar erhebliche Er­leichterungen bringen roeroen. U. a. werben große Zinsschein- beträge fällig, burd) bie ber Geldstanb verbilligt werben wirb, so baß wenigstens für einige Zeit auf eine Herabsetzung des offiziellen Zinssatzes dis 5 Prozent gerechnet werden kann. Auch in Amerika erwartet man von den Juli-Eingängen eine bedeutende Besserung des Geldstandes. Uebrigens kann bei dieser Gelegenheit gesagt werden, daß der Besitzstand in russischen Staatspapieren in Süd­deutschland wenigstens bedeutend nachgelassen hat. Alan hat dafür Anhaltspunkte. Nur russische Prioritäten sind nach wie vor reich­lich in süddeutschem Besitz.

Von ber Berliner Börse. Das Geschäft eröffnete mit ber üblichen Stille aber bei ausgesprochener Festigkeit, die vorn Monlcmmarkt ausging, wo die Mitteilung über die voraus­sichtliche Tonnen-Dividende des Stahloerbandes, die Nähe der Konpoiistrennung, die Spekulation zu neuem Vorgehen ermutigten. Auch die Saatenstandsberichte lauten andauernd besser. Teutsch- Lnxeinburger fliegen zeitweise um 4 Proz., Phönix gingen bis 260, Rheinische Stahlwerke bis 190.75, Hohenlohe dis 182.50. Eine kleine Baissefirma mußte liquibieren. Auch Kaliwerke waren im freien Verkehr belebter auf eine Einigung im Snndikat mit ber Deutschen Kaliwerke-Akt.-Ges. Auch im weiteren Verlaus blieb bie Haltung fest, da Lonbon behauptete Kurse für Minen fanbte unb Paris Erholung für russische Werte. Prioatbiskont 3s/4 Proz.

Märkte.

th Gießen, 19. Juni. Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Auftrieb von etwa 2000 Stück Großvieh und 150 Jungvieh und Kälbern. Ter Vormarkt hatte die vorhandene große Kauflust in Milchvieh und Fettvieh größtenteils bereits befriedigt, so daß der Handel in diesen Viehgattnngeii auf dem Hauptmarkt sich nicht so gestaltete wie der starke Auftrieb es erwünscht hätte. Für den großen Auftrieb an Milchkühen fehlten bie Einkäufer, bie große Transporte für ben Rhein kaufen, die fozufagen unsere Märkte erst für die Verkäufer gut machen, weil sie gute Preise anlegen. Nur für erstklassige Ätilchware war starke Nachfrage für die Badeorte am Markte, und dafür auch wurden hohe Preise erzielt. Tas Geschäft in jungen Zuchtvieh war nicht erheblich und ging, trotzdem der Vorrat gering war, nur sehr langsam. Tagegen war eine starke Nachfrage nach Fettvieh, die aber unbefriedigt blieb, da der Auftrieb durch den Vormarkt angegeben war, die gezahlten Fettviehpreise waren sehr teuer. Der Kälber markt ivar recht flau weil es an Kundschaft aus den Großstädten fehlte. Bei den zurückgewid)enen Preisen tauften die Gießener Metzger uni) die aus den Provinzstadten flott ein und machten den größten Teck bes Marktes. Gehanbelt würben: Milchkühe pro Stück J. Qual. 450520 M. (einzelne besonbers schwere Tiere bis 560 M.) 2. Qua«. 360-400 Al., 3. Qual. 290-330 9)L Junge Rin- der pio Stück u/41'/4 jährig 130160 'M., bis 2 jährig 170250 Ai. Fellvieh ging ab pro Ztr. Schlachtgew. Rinder 1. Qual. 7779 M., 2. Qual. 73-75 M. Kühe 1. Qual. 7376 Ai., 2. Quasi

6871 M. Kalber 1. Qual. 7073 M., 2. Qual. 6468

3. Qual. 5560 M. Der heutige Schm e i n e nt a r f t hatte einen Auftrieb an etwa 600 St., überwiegend Ferkel. Tie Nach­frage war überaus gut, doch waren die Preise der letzten Märkte nicht mehr zu halten. z

Gingcsanöt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Dem verehrlichen, leider ungenannten Verfasser des Eingesandts in Nr. 139 Ihres geschätzten Blattes bitte ich kurz folgendes er­widern zu dürfen:

1. Die dort so stark angegriffeneWartburg-Buchhandlung" ist tm eigentlichen Sinne gar keine Neugründnng, sondern eine Ver­selbständigung des hessischen Zweiges desHessen-Nassauischen Kol- vortage-Vereins", der schon seit 40 Jahren mit bedeutendem Umsatz in Hessen gearbeitet hat.

2. Was uns von anderen genosienschaftlichen Unternchmungeii unterscheidet, ist, daß wir keineswegs darauf ausgehen,bessere Ware billiger zu bieten. Einerseits gibt es in derTat viele Buch­handlungen, die ivir an Güte nicht übertreffen können. Anderer­seits werden auch wir an den Einheitspreis der Bücher gebunden fein. Daher zieht die Parallele zu Genosfenschaftsbäckereien re. durchaus nicht. Nebenbei muß ich mich gegen die offenbar an­genommene Gleichunggeistlich (in amtlichem Sinn) politisch konservativ" entschieden verwahren.

3. Wenn wir nun der Ueberzeugung sind, baß trotz guter Buch- hanblnngen in ben Stabten bas flache Laub keineswegs ausreichend mit guten Schriften versorgt wird, unb wir rechnen dazu ebensosehr gebiegene Volkslitteratur, wie bie Wiesbabener Volks­bücher, als bie sog. erbauliche Lilteratur so ist es unser Recht, wie unsere Pflicht, Abhülfe zu schaffen. TerPrivatbuchhanbel kann das gar nicht leisten, weil der Volksschriftenvertrieb außerhalb ber Städte finanziell überhaupt nur durch die unentgeltliche Mitarbeit freiwilliger Vvlksfreunde möglich wird, die sich um des Volkes willen gerne zu solchem Dienste bercitfinbcn lassen, bie aber bem Privatbuchhandel nicht zur Verfügung stehen.

4. Im Bewußtsein, damit wirklichhöheren Interessen zu I dienen", nämlich der Förderung deutsch-christlichen Sinnes in unserem Volke, will auch ich persönlich gerne denGenick eines Beltelmonchs" ertragen und weiterhin solche Leute, die Geld und Verständnis genug für solche Aufgabe haben, bitten, unsere Arbeit zn fördern, nicht durch Geschenke das wäre ja erst eigent­lich ber Bettel fonbern durch gut verzinsliche Darlehen. Der verehrliche, unbekannte Herr Einsender aber kann überzeugt fein: ohne dieses Bewußtsein von ber ibeeflen Notwenbigkeit unserer Sache wären wir gar nicht imftaiibc sie zu wagen. Denn Nutzen haben wir Geistlichen persönlich wahrlich nicht bauen, aber viel Arbeit. Rudolf Schlosser-Darmstadt.

In dem Anhaltischen Staats-Anzeiger finde ich unter dem 19. Juni nachstehende Notiz:

Laut Bekanntmachung ist aus Anlaß der Enthüttungs'eier ein B u ch über die Haupt- und Residenzstadt Dessau heransgegeben, dessen Widmung Seine Hoheit Herzog Friedrich II. gnäbigft entgegen genommen hat. Dem Titelblatt vorgehestet ist ein prächtig gelungenes Abbild des Denkmals. Im Vorwort ist darauf hingewieseu, das; zur Herausgabe des Buches den Magistrat die Pflicht der Dankbarkeit veranlaßt Habe, ba bie Stabt unter ber fast 33 jährigen glücklichen Regierung Seiner Hoheit des Herzogs Friedrich I. von Anhalt einen großen Aufschwung genommen habe. Es sei eine Vermehrung ber Bevölkerung von 16 900 auf 54 000 Einwohner erfolgt, und Hand in Hand damit gegangen sei der Aufschwung der Industrie, die Gründung von Wohlfahrtseinrich- tungen und Stätten der Kunst und des Gewerbefleißes, die Anlage neuer Straßen und mit gärtnerischem Schmuck versehener Plätze, die Errichtung zahlreicher stolzer Bauten und künstlerischer Denk­mäler, die Pflege sozialpolitischer Verhältniffe und die Ausgestaltung der Stadtverwaltung und gesellschaftlichen Lebens. Das Buch ist mit 16 Vollbildern und 72 Halbbildern geschmückt unb hat ein gefälliges, handliches Format, so daß eS bequem in die Rocktasche gesteckt werden kann. Der Zweck des Buches sott nicht nur sein, der Bürgerschaft ein Bild über die Stadt in der Gegenwart zu geben und einen Blick in die Verwaltung tun zu lassen, sondern auch bei hier tagenden Kongressen als Fcstbüchlein zu bienen, unb Leuten, welche bie Absicht haben, hierherzu ziehen, über die hiesigen Verhält- nisse Auskunft zu geben.

Das Buch zerfällt in fünf Monographien unb zwar: 1. Geogra­phie von Dessau von Professor Dr. Emil Weyhe, 2. Ueberblick über bie Geschickte ber Stabt von Archivrat Professor Dr. Her­mann Wäschke, 3. ber Gartensckmuck der Stabt imb ihrer Um­gebung von Professor Karl Ströse, 4. bie Wohlfahrtspflege unb das Armenwesen in Deffau von Stadtrat Kurt Mütter, 5. die Stadt­verwaltung von Oberbürgermeister Dr. Ernst Ebeling.

Um der Bürgerschaft Gelegenheit zu geben, sich das Buch zu erwerben, ist ber Preis nur auf 2 Mark, unb zwar unter bem Selbstkostenpreis, angesetzt."

Man sieht ans obigen Zeilen, was die Residenzstadt Dessau, trotzdem sie schon als Residenz und durch ihre schöne Lage bevorzugt ist, tut, um den Zuzug zu fördern. Wieviel mehr hätte nicht Gießen Veranlassung in gleicher Weise etwas zu unternehmen/ Vielleicht regt obiges Beispiel auch hier zn gleichen Taten an.

Schiffsnachrichten.

Dl e ö Star Linie.

Ter PostdampserZeeland" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. Juni wohlbehalten in New-Pork angekommen.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitg< und Indnsti

Frankfurter Bürs 3^°/o Reichsanleihe . . 93.30 3% do. . . 83.40 3\4ol0 Konsols .... 93.55 3% do 83.40 3^°/o Hessen . . 92.85 3J^°/O Oberhessen . . . 94.00 4% Oesterr. Goldreute. . 98.70 4','z?o Oesterr. Silberrente 99 40 4y0 Ungar. Goldrente . . 93.15 4?6 Italien. Rente . . .. 3?6 Portugiesen Serie I . 66.30 3% Portugiesen III 66 30 4>5 °/0 russ.Staatsanl. 1905 90.70 4/^u o japan. Staatsanleihe 91.90 4% Conv. Türken von l'JU3 94.30 Türkenlose 139.00 4% Griech. LIonopol-A.nl. .. 4 % äussere Argentinier . 86.20 3°/0 Mexikaner . . ..

4>i°/0 Chinesen .... 96.20

A I r 4 x n

Bochum Guss . . . . 223.40

Buderus E. W . . - . 110.50 Tendenz: fest.

Berliner Börse, 2

Canada E. B 166.30 Darmstädter Bank . . - 128.20 Deutsche Bank .... 220.25 Dortmunder-Union C. . 72.20

Dresdner Bank . . - 137.00

Tendenz t schwächer

teilt von der Bank für Bandel ie, Giessen.

e 20. Juni, 1.15 Uhr.

I Eiektriz. Lahmeyer . . . 116.75 Elektriz. Schuckert . . . 103.50 Eschweiler Bergwerk . . 219.10 Gelsenkirchen Bergwerk . 191.40 Hamburg - Amerik. Paket?. 130.70 Harpener Bergwerk. . . 201.50 Laurahütte 223.00 Nordd. Lloyd 116.00 Obeischles. Eisen-Industrie 101.80 Berliner Handelsges . . 150.50 Darmstädter Bank 128.20

Deutsche Bank . . . 220.50

Deutsch-Asiat Bank . . 148.00 Diskonto-Kommandit . . 167.80 Dresdner Bank . . . 137.70 Kreditaktien 203.60 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 92.80

Gotthardbahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 27.70 Oesterr. Staats bahn . . . 142.70 Prinee-Henri-Eisenbahu . 131.00

). Juni. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 201.25

Laurahütte 228.50

Lombarden E. B. ... 27.70

Nordd. Lloyd 115.50

Türkenlose . ... 139.25

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