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20.6.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 142 Zweites Blatt

157. Jahrgang

Donnerstag 20. Juni 1907

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGietzener FamillenblStler- werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Derffeffikche Landwirt'4 erscheint monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhegen

Rotationsdruck tmb vertag der Brühllchea UnwersuätS - Buch- und Sttindructerrt.

R. Bange, Liehen.

Redaktion. ExvedMon und Druckerei: Gchul- strahr 7. E^pebiNon und Verlag i fceS 6L Redaktion: e=ö 112. teL-Slbu. Ln-eigerLtetzen.

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politische Lagerscha«.

Zur inneren Lage.

Während die Blicke der polit. Welt gegenwärtig fast allerorts auf die Vorgänge der äußeren Politik gerichtet sind, hat sie für innere Vorgänge wenig übrig. Aber es geht doch mancherlei Dor, was Aufmerksamkeit erheischt, zumal sich verschiedenes hinter den Kulissen abzuspielen scheint. Fürst Bülow ist am Mittwoch abend nach Kiel zum Vortrag beim Kaiser gereift, der sich auf dem Wege nach Kopenhagen befindet. Ar; und für sich ist es be- grerflich, daß der Kaiser nach längerer Zeit wieder einmal persönlich mit seinem ersten Ratgeoer über die schwebenden Tagcsfragen sich aussprechen will, vor allem die Haager Konferenz und die neuesten Vertragsabschlüsse. Immerhin aber scheint der Reise des Reichskanzlers doch eine beson­dere Bedeutung beizuwohnen, denn es ist auffällig, sie wurde offiziös 24 Stunden vorher ausdrücklich angezeigt, was sonst nicht der Fall zu sein pflegte. Man geht viel- leicht nicht fehl, hierin eine Mahnung an gewisse Stellen zu sehen, die besagen soll: Ich bin noch da! Jntriguen gegen den Reichskanzler scheinen doch gesponnen zu werden. Auffallend war die Meldung eines Berliner Lokalblattes, wonach Besprechungen zwischen denmaß­gebenden" Parteien und den Regierungsstellen ftattgefun- den hätten in Sachen der Neubesetzung des Kultus- Ministeriums und daß man übereingekommen fei, nur eine Persönlichkeit zu wählen, welche das bisherige System unbedingt fortsetzen würde. Damit war augenscheinlich'be­zweckt, dem Kanzler ein Bein zu stellen und weiter Miß­trauen gegen ihn zu säen. Ein scharfes offiziöses Dementi der Nachricht erfolgte sofort und überdies ließ Fürst Bülow durch ein süddeutsches Blatt vertünden, daß, wenn dem wirklich so wäre, die einzige Antwort nur der Rücktritt des Reichskanzlers sein könne. Gewisse Elemente, denen der Umschwung der Reichspolitik nicht gefällt, scheinen eifrig an der Arbeit zu sein, den Kanzler zu stürzen, in­dem sie auf jede Weife seine Stellung zu unterminieren und ihn durch fortwährende Nadelstiche verärgert und mürbe zu machen suchen. Jedenfalls erheischt bie innere Situation dringend baldige Klärung.

Der Halbmond.

Die Meldung, daß König Eduard im Herbst dem Sultan in Konstantinopel einen Besuch abstatten werde, begegnet in der Presse starkem Zweifel. Vielleicht mit Recht. Unzweifelhaft aber sieht sich England in Kon­sequenz seiner internationalenGarantiepolrtik" hingewie- sen auf Bestrebungen zu möglichst freundschaftlicher Ge­staltung seines Verhältnisses zur Türkei. AlsSchritt­macher" Englands auf diesem Wege hat sich bereits vor mehreren Wochen König Viktor Emanuel betätigt durch sein auf einen hohen Ton der Gewogenheit gestimmtes Tele­gramm an Abdul Hamid, das für diesen dieangenehmste Ueberraschung" gewesen sein soll. Das Goldene Horn be­deutet für England nicht mehr und nicht weniger als die diplomatischeAchillesferse". Dort ist John Bull verwund­bar, eine dort von der Gegenseite ansetzende geschickte Bündnispolilik kann die Stoßkraft der an England an- gegliederten Mächtekoalition wesentlich schwächen. Deutsch­land braucht nur fein auf der tatsächlichen Solidarität deutscher und türkischer Interessen beruhendes Einverneh­men mit dem Sultan durch Vertrag feftzulegen, und ge­gebenenfalls flammt die panislamitische Bewegung in ganz Südwestasien, nicht zuletzt natürlich in Indien, elementar auf. Ter Unmut der dortigen Völker gegen England, das sich als Protektor des Mohamedanismus ausspielt, wird nur mühsam zurückgehallen, und er klang drohend heraus aus den Verhandlungen des indischen Nationalkongrefses Ende Dezember v. I. Ein Eingreifen Rußlands zu Gunsten Englands in Westasien . wäre kaum wahrscheinlich, denn der Vizetonig von Indien, Lord Curzon, hat, wie gegen die Türkei und Teutschtand, so auch gegen Rußland unermüdlich intrigiert in dem Bestreben, England die Beherrschung des ganzen Orienthandels und feiner Verkehrsstraßen zu sichern. "Eine Auflehnung der mohamedanischen Welt, die imBeherrscher aller Gläubigen" am Goldenen Horn ihr geistiges und polllisches Oberhaupt sieht, würde also für England eine furchtbare Gefahr bedeuten. Des groben Fehlers, hier nicht vorzubeugen, werden die Staatsmänner an der Themse sich schwerlich schuldig machen, mag nun die persönliche Vermittelung König Eduards in Konstanti­nopel in Frage kommen oder nicht. Für Deutschland gibt es jedenfalls keinen wirksameren Gegenzug gegen das Kar­tell derGarantiemächte", als einen Vertrag mit der Türkei. Terkranke Mann" am Bosvorus ist zähe und zuverlässig. ,

Ter Gedanke der Gründung einerProfefforen-Gewerkschast" bereitet den reaktionären Elementen beider christlicher Kon­fessionen einiges Albdrücken. Sie fürchten, daß der Aufruf infolge der wachsenden Mißstimmung der preuß. Hochscyul- kreise über die Einmischung des Staates in die Interessen- sphäre der Unioerfitäten Erfolg haben und der Einfluß der Orthodoxie innerhalb des Verbandes alsdann zu kurz kommen werde. Man scheint daher die anfangs geplante Zurück­haltung aufgeben und sich aktiv an der Gründung einer der­artigen Organisation beteiligen zu wollen, um denkatholi­schen und konseroativ gesinnten Elementen in der sicher zu­stande kommenden Organisation Sitz und Stimme zu sichern V DieKöln. Volksztg."' hat für die Zaudernden noch ein be­sonderes Anreizmittel in petto:Die Gefahr einer einfluß­reichen liberalen Ringbildung dürfte in diesem Augenblicke größer fein, denn je. Videant cousules!4 Der Popanz einer liberalen Ringbildung muß eben überall herhalten!

Aus Stabt und Land.

Gießen, 20. Juni.

* Eine Warnung vor dem unlauteren Gebaren von Serienlos-Gesellschaften ist im heutigen Amtsblatt enthalten, worauf wir nachdrücklich aufmerksam machen.

** Die. allgemeine Pfarrerkonserenz der ebang. Geistlichen Der Provinz Ob erhef seu fand am Alitt-

woch Dorrn, unter dem Vorsitz des Superintendenten der Superintendentur Gießen D. Petersen im neuen Saal- :>au hier statt. Der Hauptgegenstand der Verhandlungen war der Vortrag des Dekans Schmidt-Schlitz:Wie können wir unsere Katechismuslehre für Gemeinde und Jugend nutzbringender gestalten?" Die geistvollen, tief* mrchdachten und praktischen Ausführungen deS Referen­ten sanden den allgemeinen Beifall der zahlreichen Vor- arnrnlung, den Superintendent D. Petersen in anerkennen- )en Worten zum Ausdruck brachte. In der daraus folgenden ehr eingehenden Diskussion, an der sich viele Herren be­teiligten,' wurde allgemein gefordert, in der Katechismus­lehre das ewig Gegenwärtige des Christentums vor Augen zu führen, um die betr. Schüler zu lebendigen Christen zu erziehen. Mit dem Gesang eines Chorals wurden die Ver­handlungen geschlossen.

Erholungsurlaub. Se. Exz. der Minister des Innern, Braun, hat am gestrigen Mittwoch einen längeren Erholungsurlaub angetreten.

* In Amerika verstorbene Hessen. Hotel- lesiher Adam Epp le auS Flonheim, 54 Jahre alt, zu Rew- $)orf. Artist für Porträts Adolf Geh aus Offenbach, 55 Jahre alt, zu Brooklin. JohS. Weihrauch aus Gadernheim, 62 Jahre alt, zu Findlay, O. Andreas Doeng eS auS Rodheim, 60 Jahre alt, zu PittSburg. Frau Christine Becker, geb. Zipp, auS Herborn, zu Columbus, O. Georg Schneider ans Gundersheim, 73 Jahre alt, zu Clcveland, O. Frau Elisabeth Höhle, geb. Maurer, aus Darmstadt, 72 Jahre alt, zu Sheboy- gan, Wis.

O Laubach, 19. Juni. Am letzten Samstage tagte im Schützenhofe unter Vorsitz des Hofapothekers Roßbach die Generalversammlung des hiesiaen Verschö­ner ungs- und Verkehrsvereins, Der 42 Mitglie­der zählt, die einen Jahresbeitrag von ca. 120 Mark aus­bringen. Beschlossen wurde die Heranziehung der Stadt­verwaltung zur Deckung der Unterhaltungskosten der Atr- lagen am Eingänge der Stadt. Ferner sollen an die betr. Behörden Eingaben gerichtet werden, wegen der Jnstand- haltuna der Weae auf den Ramsberg, dem Schmelzpfade usw. Ein Gemernderatsmitglled soll zur Vertretung der Interessen der Stadt dem Vorstände kooptiert werden. Oberamtsrichter Zimmermann dankte beim Schluffe der Sitzung dem Vorstände, der wiedergewählt wurde, für seine Mühewaltung.

+ Hochwaldhavsen, 19. Juni. Auch in diesem Jahre haben wir viele Besucher. Heute verließ uns Oberbürgermeister Morneweg-Tarmstadt, der eine vierzehn­tägige Ruhepause hier verbrachte. Das von Prof. Dr. Feisch-Frankfurt erbaute Landhaus naht sich seiner Voll­endung und bildet in feiner einfachen gefälligen Aus­führung einen Schmuck für seine Umgebung. Der Traum des Großstädters, im eigenen Heim in der Sommerfrische zu wohnen, läßt sich hier mit Aufwendung geringer Mittel verwirklichen.

§ Ulrich st ein, 19. Juni. Wenn auch der wetter­wendische Charatter des Juni an unserem Sängerfeste des Vogelsberger Sängerbundes keine Aus­nahme machte, dem Gelingen des Festes vermochte er keinen Abtrag zu tun. In regem Wetteifer hatte der hiesige Ge­sangverein, der mit Dem Bundesfest seine Fahnen­weihe und sein zehnjähriges Stiftungsfest feierte, mit unserer Bürgerschaft alle Kräfte aufgeboten, das Fest in würdiger und schönster Weise zu feiern. Ul­richstein versteht seine Feste zu feiern, und die Lage des Städtchens auf aussichtsreicher Bergeshöhe gibt feinen Festen immer einen eigenartigen Zauber, einen anziehen­den Reiz. Ihnen folgten am Sonntage eine große Zahl von Festgästen, selbst aus weiter Ferne. Vom Festplatze grüßte ein mächtiger Flaggenmast die aus den Tälern heraufkom­menden Vereine und Festteilnehmer. Das Städtchen selbst hatte ein schmuckes Festgewand angelegt. Im großen Fest­zug schritten 30 Vereine. Auf Dem schön gelegenen Fest­platze begrüßte der Bundespräsident Schmalbach die Bundesvereine und Gesangesbrüder. Gesangvereinspräsi- dent Schmidt dankte der Bürgerschaft für ihre Opfer, die sie dem Feste gebracht und schloß mit einem Hoch auf den Ehrengast, Geheimerat Schönfeld-Schotten. Pfarrer Hartmo.nn weihte die neue Fahne, die Fräulein Meiski mit einem zündenden Prolog überreichte. Nun erschallten die Masfenchöre des Sängerbundes, geschickt von dem Bun­desdirigenten Appel dirigiert. Daran reihten sich die Ein­zelvorträge der Bundes- und anderer Gesangvereine. Wenn auch alle Gesänge Zeugnis von der Pflege des Männer- gesanges ablegten, so können wir uns nicht versagen doch besonders die Vorträge der Vereine von Blitzenrod, Grün­berg und Betzenrod hervorzuheben. Am Abend ergötzte ein Feuerwerk und bengalische Beleuchtung des Schloß­berges die Festgäste. Auch der zweite Fasttag nahm einen recht schönen Verlauf, so daß Ulrichstein mit Stolz au fein so schön gefeiertes Sängerfest zurückolicken kann.

Frankfurt a. M., 18. Juni. Zur Förderung des Scheckverkehrs hat die Handelskammer eine Versamm­lung von Banken und Bankiers einberufen, die von Frank­furter und auswärtigen Interessenten zahlreich besucht war. ES wurde beschlossen, eine Scheckkommission für das mittel- rheinische Gebiet zu bilden, in der außer der Handelskammer Frankfurt auch die Handelskammern, Darmstadt, Hanau, Mainz, Mannheim, Offenbach, Wiesbaden und Worms ver­treten sein sollen. .Die Kommission wurde beauftragt, Vor­schläge zur Ausdehnung deS Scheckverkehrs auszuarbeiten, insbesondere auf Errichtung von Scheckabteilungen bei den Banken usw. und auf möglichst einheitliche Bedingungen für Den Scheckverkehr mit der Kundschaft hinzuwirken. Wenn möglich, soll die Organisation eines AbrechnungS- unb lieber* weisungsverkehrS für den ganzen Bezirk in die Wege ge­leitet werden. Die Kommission soll ferner die Ausdehnung des Scheckverkehrs durch Verhandlungen mit den verschiedenen kaufmännischen unb gewerblichen Vereinen sowie den Be­hörden bewirken und endlich Vorschläge für den Erlaß eines Gesetzes über den Scheckverkehr ausarbeiten.

Tic Mangel Dee neuen PcrfoueirtartsS.

Nachdruck verboten.

Al§ es fefifianb, baß am 1. Mai 1907 bet von den deutschen Eisenbahnvernultunaen sc''» gesetzte neue Tarik in Kraft treten würde, hielt ich mich an dellen einfache Bestimmungen: So und soviel Pfennig für den Kilometer, Wegfall der Rückfahr­karten, Schnellzugszuschlag für die dem großen Weltverkehr dienenden Haup.zugc mit größter Geschwindigkeit und Einführung eines Gepäcktarifs von so und soviel Zonen. Ich nahm an, daß die deutschen Eiscnbahnverwallungen alles tun würden, um den Reisenden den Uebergang zu einem völlig neuen Tarifwesen umso­mehr mit weitherziger Voraussicht zu erleichtern, als unzweifel­haft der neue Personentzarif Verteuerungen herbcisühren würde. Ta unsere fänttlicbcn großen Eisenbahnverwattungen Staatsanstalten sind imb unter bei obersten Leitung von Staats­ministern stehen, so hatte ich wohl einiges Recht, zu erwarten/ daß wenigstens die fe 15ftperftänblidjen Hulssmittel zur Erlcichtc- terung des zukünftigen Verkehrs rechtzeitig getroffen werben würden.

Doch nur allzusehr habe ich mich ii! dieser Annahme getäuscht gesehen. Am schwersten wirb das neue Tarif wesen durch den Wegfall der Rückfahrkarten empfunden. An keinem zweiten Beispiel kann rnian bte für einen Nichteisenbahnbeamten: unfaßbare Kurzsichtigkeit gerade der Verwaltungsstellen erweisen, die für das neue Tarn wesen verantwortlich sind. Deren Gedankengang hinsichtlich der Rückfahrkarten war dieser: Sie sind überflüssig, da ja mit ihnen Feine Preisermäßigung mehr ver­bunden i|t also weg damit! Zwar hat man sie für einige Verkehrsbeziehmigen noch belassen, aber die erschwerende Bestim­mung daran geknüpft, daß sie zur Rückfahrt nur am zweiten: Tage^berechkigen. Tie Verwaltungen haben also die zweite wich­tige Seite des Rücksahrkarleuwesens ganz übersehen: die Erleichte­rung für die Reiscnd.n und bie CilUastung der Eisenbahnschalter. Und doch gibt es em kindlich einfaches Mittel, um den großen Vorteil der Riicksahryarte, die Erleichterung für Reisende und Bahn,Halter, auch nach beni Aufhören der Preisermäßigung ruhig beizubehalten. Tfts Mittel ist so überaus einfach, daß jeder Reisende sofott Darauf kommt, die EisenbahnverwaltungenI es aber bis jetzt noch nicht entdeckt haben. Die Fahrkarten: brauchen in Zulunst nur statt des AufdruckesVon nach" den Ausdruck tragen:Zwischen unb", unb alles ist in schönster Ordnung. Ich bilde mir nicht ein, hiermit etwas ganz Neues entdeckt zu haben, es ist eben nur das Ei des Llvlumbus. Im Vorortverkehr Berlins besteht ja diese Einrichtung seit einem halben Menschenalter. Man wende sie einfach auf den Fertig verkehr an, und die liebe, alte Rückfahrkarte mit ihrer föequenti liebfeit, lvenn auch nicht mehr mit ihrer Ermäßigung, ist wieder anfgclebt. Wer von ü-qanffurt nacb München reifen unb sich den zweiten Gang zum Schalter in München ersparen will, der kaust bei der Abfahrt in Frankfurt gleich zwei Karten, die ziir Fahrt zwischenFiUiilsurt und Müncheii" berechtigen, ed&ffa verständlich gilt die zweite Karte, bie nicht abgestempelt unb gelocht wirb, zur Rückfahrt an jedem beliebigen Tage dieses Jahn Hunderts, tarnt auch an jeden anderen Reisenden übertragen werden, unb bie Verwaltung täte sehr gut, unbenutzte Rückfahr-, karten bieser Art ohne jeden Ad^ug zurückzunehmen. Tie Vorteile! einer Rückfahrvarte dieser Art wwohl für den Reisendeir wie füp die Verlvaltung liegen a uf offener Hand. Der Reisende braucht sich bei der Rückfahrt nicht am Schalter zu drängen; er fetzt nicht Gelb aufs Spiel, das zum Teil verloren gehen kann, wie nngerLchterweife bei der alten Rücksirhrkarte; und auch bie Annehmlichkeit ist nicht zu unterschätzen, daß man Rückfahrkarten solcher Art benutzen Eann, nur e mein Verwandten oder Freunds eine Reise zu schenken. Man denke an die gewiß nicht seltenen Fälle, in denen Eltern einem Kinde gern eine Fahrkarte nach der Heimat schicken wollen. Dieser so nahe liegende Gedanke ist bei unserem jetzigen Kartenwesen unausführbar. Für die Ver-i waltuugcat würde sich aus dem Verkauf solcher Rückfahrkarten ein nicht zu unter schätzender Zinsgewinn ergeben. Sie erhallen für Fahrten, bie ost erst nach Machen, ja nach Dtonalen gemacht werden, das Geld dar vvrausbezcchlt, können es also zütsbap anlegen. Sollten die Eisettbahnverwaltungen den ungestümen Drang empfinden, dem Entdecker dieser von ihnen überseheicen; Einnahmequelle burajauS eine Staatsbelohnung zu gemähten,, so bitte ich nur um ioen zehnten Teil ber Zinsen, bie ihnen durch die Vesolgung meines Vorschlages mühelos erwachsen würden. Ich fürchte aber, sie werdet: meuten Vorschlag natürlich 'erst,' nachdem sie ihn fürtechnisch" undurchführbar erklärt haben, ge-, mütlich befolgen und des Entdeckers vergessen.

Unentbehrlich sind Rückfahrkarten der von mir vorgeschlagenen, Art im internationalen Verkehr der deutschen Reisenden. Wiederum' erläutere ein einfaches Berspiel ihre Nolloendigkeit. Ein Deutscher^ reist über den Brenner nach Italien. Bis zur Grenze bei Üüfftcin nimmt er die einfache Fahrkarce, sagen ivir über München nach Kuf­stein. Um der Ermäßigungen des Auslandes teilhaftig zu werden^ nimmt er ein Rmwrecfeheft, etwa KüfsteinVeronaVenedig- Verona-Küfftein. Was fängt nun dieser Reifende an, wenn er auf dem Rückwege nachts durch Kufstein nach München fährt Et hat für die Strecke MünchenKüfstein keine Karte, tonnte also in Verona sein Gepäck nicht direkt nach München aufgeben, und bei dem kurzen Aufenthalt in Shifftein mit seiner Zoll- fchererei ist es schwer oder garnicht möglich, eine üarte am Schalter zu kaufen. Auch Denke man sich das Gedränge ait den Grenzfchaltern, da fast alle Reisenden eines solchen inter­nationalen Zuges in der gleichen btoHage der Kartenlosigleit sind. Wie es nun gar mit der neuen Abfertigung des Gepäcks einiger Dutzende von Reisetüren in Den wenigen Minuten werden soll, das ist Dunkel!

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Von Den Übrigen Mängeln Des neuen Tarifs hebe ich eine schreiende Ungerechtigkeit hervor, die der § 14 der neuen Eifenbahnverkehrsordnung verursacht. Ich meine die Be­stimmung :Seim Uebergang in die ch st höhere Klasse haben die Reisenoen eine Halle Fahrkarte dec Klasse, in Die sie übergehen, als Zusatzlarte zu lösen." 2a* Rechtsgefühl forDert Doch nur. Daß Reifende, die z. B. aus der dritten in Die zweite Klaffe übergehen wollen. Den UntefchieD zwischen den Preisen Der beiden Klassen nachzahlen. Der Killmeterpreis Der Dritten Klasse ist 3 Pfg., Der Der zweiten Klasse 41/2 Psg.; die einfachste Gereckstigkeit besteht also darin, daß V/> Pfg. beim Uebergang in die z.veite Klasse nachgezahlt werden. Statt bei) en muß bie Hälfte bes Fahrpreises der zweiten Klasse, 21/* Pfg., nachgezahll werden! In allen Ländern der Welt wird im Falle bes Uebergangs in eine höhere Klasse einfach der wirkliche Preis­unterschied nachgezahlt; einzig die deutschen Eisenbahnverwal- timgen haben sich eine phantastische Nachzahlung, die der halben Fahrkarte der höheren Klasse, erfunden. Anstatt den für fie nützlichen Uebergang in die höheren Klaffen zu begünstigen, schrecken sie davon ab. Wie ungerecht, aber auch wie unklug die Bestimmung des ß 14 ist, zeigt sich befonbetS beim Uebergang aus der vierten in die brüte Klasse. Der Reisende, der sich sogleich für die brüte Klasse entschlossen hat, zahlt 3 Psg., ein anderer, der es zuerst mit der vierten versuchen wollte und dann in die örüte übergeh., muß 3ya Pfg. bezahlen.

Endlich d. h. eigentlich bin ich noch nicht zu Ende aber endlich aus Rücksicht auf die Geduld per Seiet noch bie