Ausgabe 
19.1.1907 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Saline, Badea n st alt und Tiefbauamt 23 ab = 92au»

^Anaestellten.Ausschüne in der Prrvat-Jndustrie.

entgegen vielfachen falschen Angaben in der Presse inBadSalz- hausen die Bohrungen nach der neuen Quelle erst vor

h e i nl und Badeanstalt Bad-Salzhausen. Bon In­teresse war hierbei die Erklärung des Herrn Finanzministers, daß

- Dir Ziele bet deutschen Vtegierung m dem gegenwärtigen nuiec uno eine ^nzayt. ^xiiunetiülueubue zugegen. ;t)w vom Aog. LSahUeldzug sind in England gri'mdlich entsteltr worden. Die 5ieichs- Molthan bearbeiteten Kapitel: Weinbaudomänen, Kameral- und »egierung verteidigt der Hauptsache nach ganz einfach die Sache Forstdomänen, Staats ei senbahn en 2 c. wurden sämtlich genehmigt, des Nationalismus. Ein Triumph der s o z i a 11 st i s ch» u l^t r a - ebenfo die Kapitel des Abg. Ulrich, darunter besonders Kap. 8, montanen -Verbrüderung wäre vom britischen elanb- Dunkte aus ganz besonders zu bedauern, denn er würde einem «englisch-deutschen Einvernehmen entgegen ar« beite ru_________________

- Wir lesen in einem Mannheimer Blatte:

Infolge des bedeutenden Aufschwunges der deutschen In­dustrie sind in letzter Zeit Bewegungen und Kämpfe wirtschaft- licher Natur hervorgerufen worden, bei denen die beteiligten Par­teien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, nicht immer günstig abge­schnitten haben. Ganz nach den vorliegenden Verhältnissen war ber Erfolg abwechselnd auf der einen oder anderen Seite, niemals laber stand derselbe in einem richtigen Verhältnis zu dem Ver­luste, der durch Aufwendung von Kapital, Arbeitskraft und In­telligenz entstanden war. Je enger nun der Zusammenschluß der von diesen Interessen berührten Parteien wird, je heftiger müssen die Kämpfe werden und die Verhältnisse können sich einmal derartig zuspitzen, daß unser ganzes kulturelles Leben davon berührt wird.

! Während es bisher nur Arbeiter, also in keinem festen Ar- ibeitsverhältnisse stehende Angestellten, und Fabrikanten, Arbeit­geber, waren, die sich in diesen Kämpfen gegenüberstandcn, der Privatbeamte jedoch unbeteiligt war, so wird doch wohl oder übel dieser letztere, von beiden Seiten eingeengt und gedrückt, zu der vorhandenen Sachlage Stellung nehmen müssen, wenn er nicht .Gefahr laufen will, ganz von dem Schauplatz der wirtschaftlichen ^und sozialen Bewegung zu verschwinden oder waffenlos gemacht zu werden. Aber schon machen sich Zeichen bemerkbar, daß sick) auch der Privatangestellte zu rühren beginnt. Durch die Zen­tralisierung der großen Betriebe und durch die eigenartige Kon­stituierung des unpersönlichen Kapitals wird der Angestellte un­willkürlich gezwungen, von seinem Außenposten herabzugehen, um sich, so weit wie nur irgend möglich, eine entsprechende Position zu sichern. Es muß nun allerdings zugegeben werden, daß auch schon bisher einige Arbeitgeber bemüht waren, ihren Angestellten günstigere Verhältnisse zu schaffen, dies gilt jedoch fast aus­nahmslos für die kleinen und mittleren Betriebe, während die großen, bedingt durch ihre einseitige Organisation, teilnahmslos an den vitalsten Lebensbedingungen ihrer Arbeitnehmer vorüber­schreiten, und man kann es dem Privatbeamten daher wirklich tzicht Übel nehmen, wenn er sich zu wehren beginnt.

Angestelltenorganisationen verschiedener Art beginnen in letzter Leit die Interessen ihrer Mitglieder in kräftiger Weise wahrzu­nehmen : alle gehen von dem Standpunkte aus, daß es nur durch jSelbsthülfe gelingen kann, den neuen Mittelstand lebensfähig zu erhalten und es wäre nur zu begrüs^n, wenn diesen Bestrebungen Don feiten des Unternehmertums größtmöglichste Unterstütztzung zu­teil würde, denn nicht zum allerwenigsten zieht speziell der Arbeit­geber Nutzen daraus, wenn er darauf sieht, einen gesunden und kräftigen Stand von Mitarbeitern zu erhalten und zu fördern, denn es gilt hier nicht nur die Erziehung zum Klassenbewußtsein, wie bei dem sogenannten Proletariat, sondern um die Hochh.rltnng -und die Pflege des Standesbewußtseins und der dazu gehörigen Hülfsmittel. Es ist doch unleugbar, daß dem Angestellten und .ganz besonders dem technischen die großen Erfolge unserer deut- !scheu Industrie auf dem Weltmärkte zum allergrößten Teile mll- »zuverdanken sind, daß es die unversiegbare Kraft der Intelligenz chnd Energie war, die unsere heutige Industrie zu einem derartigen g>tanb der Vollkommenheit gebracht hat.

' Die allgemeinen Klagen der Angestellten wachsen mit der Größe des Unternehmens. Die Heinen und mittleren Betriebe, in denen der Arbeitnehmer mit seinem Chef fast immer in Berührung bleibt, geben am wenigsten Anlaß zu Aus­stellungen. Tritt jedoch anstelle des persönlichen Inhabers ein Dder mehrere Vertreter, was bei größeren Etablissements wohl /immer der Fall sein wird, so finden die Wünsche der Angestellten l dementsprechend auch immer weniger Anklang und hier wäre ein sUnlaß gegeben, der Unlust und Unzufriedenheit zu steuern, sofern es sich der eigentliche Inhaber oder der Repräsentant der Firma ungelegen sein ließe, von Zeit zu Zeit den berechtigten Wünschen seiner Angestellten ein williges Ohr zu leihen. Viel Mißbehagen und Unlust könnte vermieden werden, wenn man in dieser Be­ziehung Abhülfe schaffen würde und dies konnte am besten da­durch geschehen, daß man Angestellten-Ausschüsse gründen würde, analog den Arbeiterausschüssen, wie sie in einigen Betrieben auch schon bestehen, unb die Erfahrung hat gelehrt, daß sich diese Einrichtung glänzend bewährt hat und viel zur Prosperität der betreffenden Betriebe beigetragen hat. Nur einige Stunden, im Monat in dieser Beziehung verwandt, beseitigen Verstimmungen |unb Unbehagen und schaffen auf allen Seiten Zufriedenheit und Arbeitslust. Es sollle sich jeder Arbeitgeber angelegen sein lassen, Lieser Frage einmal näher zu treten und man kann überzeugt sein, Laß schon nach den ersten Versuchen die Einrichtung zu einer Lauernden erhoben wird. Angestellten-Ausschüsse als erster Punkt des sozialen Programms sollte die Bedingung sein, die die Mit- glieder an ihre Organisationen zu stellen hätten. Und die Arbeit­nehmer sollten diesen vornehmsten Punkt der Angestelltenforder­ungen mit allen Kräften aus ureigenstem Interesse mit allen Mitteln unterstützen.

S.aoi uno tano.

^«Sprechstunden der Dvcbattion li1 Uhr vorm., 1/27Vc8 Uhr abdS. Gießen, den 19. Januar 1907.

AuS dem Militärwochenblatt. Der Abschied mit der gesetzl. Pension bewilligt: Frhr. v. Rotsmann, Major u. Vats.-Regt. Kommandeur im Inf.-Prinz Carl (4. Gr. Hest.) Nr. 118, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform deS Leibg. Inf. NgtS. (1. Gr. Hess.) Nr. 115, unter Verleihung deS Charakters als Oberstleutnant, Frhr. v. Un gern-Sternberg, Major im Leibgarde- iJnf. Rgt. (1. Gr. Hess.) Nr. 115, mit Beendigung seines am 31. Januar 1907 ablaufenden Kommandos zur Dienst­leistung bei deS Großherzogs von Hcsien Königs. Hoheit, beiden mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Leib­garde-Inf. Negts. (1. Gr. Hest.) Nr. 115, He öden, Obcrstl. z. D. u. Kommandeur be§; Landw.-Bez. Rietz, mit Erlaub­nis zum Tragen der Uniform des Inf. Leib-Ngts. Groß­herzogin (3. Gr. Hest.) Nr. 117. Im beurlaubten- stände: Der Abschied mit der Erlaubnis zum Tragen seiner 'bisherigen Uniform bewilligt: dem Hauptm. der Nes. Gise- |diu6 (Gießen) des 4. Niederschles. Inf. NgtS. 9lr. 51. 'Der Abschied bewilligt mit d. Erlaubnis zum Tragen der Landwehr-Armee-Uniform: dem Oberlt. der Res.: Ka m m e r (Erbach) deS Inf. Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hest.) 9lr. 116. Der Abschied bewilligt den Lts. der Res.: v. Wel- stzien (II. Berlin) des Leibgarde-Inf. Rgts. (1. Gr. Hess.) >Nr. 115, Kettn er (Magdeburg) des 5. Großh. Hess. Jnf.- ,Rgts. Nr. 168, dem Stabsarzt der Landw. 2. Aufgebots: Dr. Bast (Erbach).

** Bei ber Dom Finanzausschuß der 2. Karniner am greüan fortgesetztes Etatsberatung waren wiederum die drei Mi-

drei Wochen begonnen hätten. Man sei jetzt bis auf 50 Meter Tiefe gekommen und habe bereits jetzt Resultate erzielt, die zu den besten Hoffnungen berechtigten. Eine lange Debatte rief auch die V. Hauptabteilung: Direkte Steuern, Regalien, indirekte Steuern re. hervor. Darin wird die Bildung von vier neuen Steuerkommissariaten angefordert (anstatt 33 jetzt 37) und zwar je ein neues für Darmstadt I, Mainz I, Offenbach und Worms durch Abtrennung der Landgemeinden. Man verlangte im Ausschuß Nachweise über die finanzielle Wirkung dieser Maß­nahme, die wieder neue Diensträume erforderlich machen werde, auch müsse festgelegt werden, ob die neuen Steuerkommissariate direkt auf dem Lande ober ebenfalls, wie bie schon vorhandenen, in der Stadt errichtet werden sollten. Die Debatte hier über wird auch am nächsten Dienstag noch fortgesetzt werden. In ber heutigen Sitzung war übrigens der Ausschuß vollzählig mit allen Mitgliedern.und Referenten vertreten, ein Umständ, der in der gegenwärtigen, vc . der Reichstagswahl bewegten Zeit besonders verzeichnet zu werden verdient, und hoffentlich noch recht häufig zu verzeichnen ist.

Das Lied von der Glocke. Eine selten vor­kommende freudige Aufnahme hat das für morgen vorgesehene Bolkskonzert des Sängerkranzes gefunden. Seit Mittwoch ist die geräumige Turnhalle vollständig auSverkaufl und viele Wünsche um Eintrittskarten mußten unberücksichtigt bleiben. Ein großes, ehrendes Vertrauen für den Sänger­kranz und seinem Dirigenten Franz Bauer.

** Ein hiesiger Schreibgehülfe benutzte die Ab­wesenheit seines Chefs dazu, die offen gelastenen Schubfächer zu revidieren. Hierbei entwendete er aus ihnen ein Jagdmesser und ein Ring, welche Gegenstände er auch bereits veräußert hatte, als Anzeige erstattet wurde.

* Verhaftung mit Hindernissen. Als heute morgen eine Frau in der Sandgaste zum Zweck dec Straf, verbüßung verhaftet werden sollte, sprang sie durch ein Fenster ihrer Wohnung in einen zwischen den Häusern be­findlichen Winkel. Hier befand sie sich so eingekeilt, daß sie mit Stricken herausgeschafft werden mußte. Die Person ist dem Trunk ergeben und befand sich in einem gar sonder­baren Zustand, als sie ans Tageslicht kam.

** Was ein Häkchen werden will.. Die Brüder Heinrich unb Paul Jung hier, 10 unb 13 Jahre alt, bettelten vor einigen Tagen in einem Geschäftshause in ber eNuftadt unb nahmen hierbei ein int Hofe zum Versanbt bereit liegendes Paket Wollewaren mit, fuhren es auf einem mitgebrachten Wägelchen nach Haus unb versteckten es im Kleiderschrank ihrer Mutter. Zwei Tage später begaben sich die Burschen mit ihrem Wägelchen wieder nach dem betreffenden Hofe, um ein Warenpaket zu stehlen. Es gelang dies auch, allein es wurde bald bemerkt, die iSurfajen ließen das Paket fallen unb ergriffen die Flucht. Der 14jährige HausburscheGelzenleuchter halle am verflossenen Sonn­tag den Schlüssel zum Geschäft erhalten, um das Licht im Erker anznzünden. Hierbei nahm er sich feine beiden Freunde Junge­mann und Krug mit. Zunächst wurden am Telephon Waren bei Kaufleuten auf fingirte Namen bestellt unb hierbei auch bie Be­amten am Telephon beleidigt. Dann entnahmen sie aus dem offenen Pult eine Anzahl quittierter Rechnungen unb versuchten diese Beträge gleich zu kassieren. In einem Falle gelang es ihnen, 2.75 Mk. zu erhalten, welchen Betrag sie brüberlid) teilten, in ben anberen Fällen würbe beit Burschen bas Geld verweigert und es blieb beim Versuch.

** Haftpflichtversicherung für Landwirte. Es sei nochmals darauf hingewicseu, daß die Sammellisten für Ein­zeichnung zum Beitritt zu ber von der land- unb forstwirtschaftlichen Berufsge itossertschast in Darmstadt zu errichtenden Haftpstichtver- sicherungsanftalt für die Lanbwirte des Großherzogtums zurzeit auf ben Bürgermeistereien offen liegen, unb daß bie Meldefrist mit Ende bes Monats abläuft. Tie Einrichtung erfolgt int ausschließlichen Interesse der Landwirte, da aus dem Unter­nehmen keinerlei Gcwiim gezogen wird. Die Hauptvorzüge werben sein: 1. Billige Verwaltung und niedrige Prämiensätze. 2. Eine alle Haftpstichtgefahren aus einem landwirtschaftlichen Haupt- ober gewerblichen Nebenbetrieb oder dem gewöhnlichen Leben um­fassende Versicherung für Unternehmer, Familienangehörige unb Bedienstete. 3. Erhebung ber Prämie mit den Beiträgen zur Berufsgenossenschaft. Die Beiträge werden voraussichtlich für kleinere Betriebe 50 Pfg. bis 1 Mk., für mittlere aufsteigend 12 Mk., für größere 35 Mk. betragen. Beispielsweise hat bei der Hannoverschen Haftpflichtverficherungsanstalt innerhalb eines Zeitraumes von acht Jahren die Durchschnittsprämie für einen Grundbesitz von 50 Hektaren nicht ganz 5 Mk. betragen. Der Bellritt sei daher hiermit angelegentlichst empfohlen, zumal daS ^uftanbetornnien der Versicherung in erster Linie von dem Beitritt einer hinlänglich großen Zahl von Mitgliedern ab­hängig ist.

= Aliendorf a. b.L., 18. Jan. Am letzten Sonntag fand unter Anwesenheit fast sämtlicher Mitglieder die 1. Gene­ralversammlung des Kaninchenzuchtvereins stall. Die Versammlung erledigte unter dem Vorsitz von Friedrich Kraft die Tagesorbnung. Nachdem zunächst bie Kasse geregelt war, würben bie Wahlen vorgenommen. Als ber geschäftliche Teil erledigt war, gaben sich die Mitglieder in fröhlicher Stimmung einem gemütlichen Beisammensein hin. Der Ver- ein, der im Juli vor. Js. nut 16 Mitgliedern gegründet wurde, zählt jetzt die doppelte Mitgliederzahl.

ÜL Darmstadt, 18. Jan. Selbstmord durch Vergiftung beging gestern der hier wohnhafte Gendarmerie­wachtmeister z. D. Rahn, der im 55. Lebensjahre stand, lieber den Beweggrund zu der Tat ist nichts bekannt ge­worden.

W. Marburg, 19. Jan. (Telegramm.) In einem der Krankenhäuser der hiesigen Landes-Irrenanstalt kam heute nachr gegen % 2 Uhr ein größerer Brand aus. Es gelang alle Geisteskranken, etwa 50 an ber Zahl, zu retten. Der-Feue wehr gelang es, die naheliegenben Ge­bäude zu schützen, ui d sie ist jetzt noch auf bet Brandstelle tätig. Niemand ist r rletzt worden.

Tie Ernähr nug in Stadt und Land.

In einer Schrift von Dr. Otto Ammon lieft man:Ter Baue r ist zu vevglei ,:i mit einer Dampfmaschine, bie mit nor­maler Heizung arbeitet und gerade imstande ist, die von ihr ver­langten Leistungen zu . ollbrmgen. Tie Ernährung und die Ar- beitsverrieluung des j /.gen Bauern eiusprecven sich so genau, nüolge vielhuuderljälui c Anpassung, daß kein Ueberschuß oder doch nur em sehr heuter auf der aktiven S->ite der Gleichung bleibt. Darum entwickelt sich d. Landknabe so spät und ist mit 16 bis 17 Ja» . .1 nicht weiter voran, als die Stadljugend mit 14 bis 15. srUto baue ich an einem viele Laulende von Wehrpflichtigen unb

luuiuijeHuc.l j-iütuiiiU vu.Hld iulUicll. lvuui|L

langsam, aber er wirb habet fest und stark, und die Geschlechts-' reise tritt bei ihm erst ein, wenn er wirklich ein junger Mann ge­worben ist. Seine körperlichen unb seelischen Eigenschasten befinden sich in vollem Gleichgewichte. Tie B e r s e tz u n g in bieStabt bringt eine Verbesserung der Ernährung mit sich. Dies wurde von mir an der Hand der amtlichen Erhebungen! von Buchenberger und Wörishoffer nachgewiesen. Ter st ä d t i s ch e, Fabrikarbeiter, der immer so laut über seine Lage zu klagen hat, lebt mit einem jährlichen Verzehr von 43,2 Kilogramm Fleisch und 12,5 Kilogramm Fett besser als ein mittlerer Baue r von 8,2 Hektar durchschnittlichem Besitz, der nur 35 Kilo­gramm Fleisch und 9 Kilogramm Fett verbrauchen darf. Ter auf dem Lande wohnende Mannheimer Fabrikarbeiter ernährt sich mit 30,8 Kilogramm Fleisch und 11,8 Kilogramm Fell fast so gut, wiel ein mittlerer Bauer in Baden, und selbst bet der unter st e n,' gedrücktesten Klasse der Fabrikarbeiter, ben, Z i g a r r e n m a ch e r n aus dem Lande, übertrifft der Verzehr den der ländlichen Tagelöhner mit! eigenem Gütchen um etwa 20 Prozent, sowohl bei' Fleisch als bei Fett. Bei der Versetzung ber Einwanderer vom Lande in die Städte entsteht ein Ueberschuß von Krall über die tägliche Arbeit, ein Aktivsaldo der .physiologischen Bilanz*. Tie bessere und reichlichere Ernährung wirkt auf den Ai en scheu wie eine stärkere Heizung auf die Tautpimaschine. Ter Tampidruck steigt, die Bewegung der Maschine wird schneller unb die Arbeits­leistung wird größer. Beim Menschen heißt dies, daß er körperlich stärker, leistungsfähiger, nicht daß er gesünder wird. Tie Sladt- rekrnten von 2u Jahren sind etwa 1 */, Zentimeter größer als die Laubrekmten, aber sie haben trotzdem 1'/, Zentimeter weniger Brilstiuniang. Die Eittwicklnng eilt um etroa 17,-2 Jahre voraus. Sie seelischen Anlagen werden ebeuialls gesteigert, sodaß liier bie bessere Ernährung im nämlichen Sinne tätig ist, wie die an­regendere Umgebung, die die Stadt bietet. Aber es wäre zu schön, wenn diese Steigerung nur die guten und nützlichen Anlagen be­rühren würde. Leider ist dem nicht so. Sie betrifft alle Anlagen ohne Ausnahme, wenn and) die einzelnen in verschiedener Stärke. Dieben dem rascheren Verstaube unb ber bedeutenbereu Willenskraft bemerkt man auch eine Zunahme der roilben Triebe, des Uebcr- mtttes, ber Gewalttätigkeit und der Sinnlichkeit. So munter unb so unternehmend, wie die jungen städtischen Proletarier int nüchternen Zustande sind, wird der Bauernbursche erst bann, wenn er em Glas über Den Durst getrunken hat, unb ich habe mich da­her an anderen: Orte so ausgebrückt: Das städtische Leben wirkt wie leichter Alkohol."

TLuirst uns LMsseuschast.

Der Einfluß des Stu deuten lebens a u f _ b a 5 H e r z. Für die meisten jungeit Leute bedeutet der Genuß bet Schulzeit und das Beziehen der Hochschule einen völligen Um* schwinig in ihren Lebensgewohnheiten. Während sie früher unter ber Aussicht des Elternhauses einen regelmäßigen Lebenswandel führten unb wenig körperlichen Anstrengungen ausgesetzt waren, ührt das Stubeiitenleben zu einem ausgiebigen Atkoliolgenuß, zu starker körperlicher Bewegmig, besonders in den Fechtstunden, unb zu gemütlichen Aufregungen, bie das Perbindungsleben unb bie Meiiiur mit sich bringen. Daß es unter diesen Umständen zu Schädigungen bet Gesundheit kommen kann, ist nicht zii leugnen unb perbienen daher bie Untersuchungen Beachtung, bie Dr. Bingel in Tübingen angestellt unb in berMünchener Mediz. Wochcnschr.* veröffentlicht hat. Die Gegenstäiibe seiner Untersuchungen waren bie Herzen einet großen Anzahl von Stubenten der ersten Semester, bie sich einem übermäßigen Biergennß Hingaben unb zugleich körperlichen Anstrengungen und pshchischen (Srregungen ausgesetzt waren. Bei vielen Siefev jungen Leuie ftellteu sich bereits in den ersten Wochen des neuen Lebens Beschwerden ein, die sich in unangenehmen Empfindungen am Herzen, in Druck, Engigkeit auf ber Brust, Herzklopfen, leichter Ermübbarkeit bei geringen körper­lichen Anstrengungen unb Ausregungszuständen äußerten. Immer­hin glaubt Bingel feststellen zu können, daß sich bei nicht allzu großer Uebertreibung namentlich des Bierkonsums eine Schädigung des vorher geiimben Herzens mit Hülfe der üblichen Unlersuchnngeii nicht nachweisen läßt. Allerdings ist nicht beiviesen, daß solche in der Jugend allzu stark in Anspruch genommene Herzen im spätere» Leben nicht häufiger unb früher insiiifiziert werden als andere, c.t einer Ueberbürbung nicht ausgesetzt waren. Anders liegen die Verhältnisse bei Herzen, bie früher burch Infektionskrankheiten, sportliche Ucbcixmftrcngungen usw. geschädigt worden sind. Ans sie hat das Ctudeiitenleben einen sehr nachteiligen Einfluß, besonder- gilt das für das Herz der Fettleibigen.

Arbeiterbewegnng.

Krefeld, 18. Jan. Sämtliche Färberei en Kreseld) t)aben in einer heute nachmittag abgeiMltencii Versammlung beschlossen, vom nächsten Aioittag ab die sämtlichen in ihren Betrieben beschäftigten Färber auszusperrcn. Der Arbeit­geberverband der Rheinischen Seidenindi'.striellen hielt hciute abend eine Generalversammlung ab, um zu der Aussperrung bet Färber Stellung zu nehmen. Die Generalversammliing erklärte sich im Prinzip bereit, der AuSsperr ngsmaßregel beizutreten, setztr aber den endgültigen Beschluß auf nächsten Dienstag fest.

Gerrchtssaa!.

Butzbach, 18. Jan. Das K r i e g s g er i ch t d^r 25. Divi^ fron tagte gestern hier, um gegen den Musketier Robert Albrecht aus Leipzig von der 2. Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 168 wegen Fahnenflucht zu verhandeln. A. wurde am 2. Novcmbcr vorigeri Jahres als unsicherer Heerespftichtiger hier eingestellt, nachdem er schon einmal in Straßburg gezogen, sich dort nicht gestellt und diescrhalb vcrurteill worben war. Am 31. Nov. verschwand A. wieder, angeblich, weil er von zwei Vorgesetzten mißhandelt worden war. Tie e ngelcitete Untersuchung ergab aber nur unbedeutende Ueberschrellnngen, wegen deren Bestrasung erfolgte. Jedenfalls lag aber für A. kein Grund vor, die Truppe zu verlassen. Er ging über Ossenbach, Seligenstadt nach Hof in Bayern, wo er ixam. festgenommcn wrrrde. Er wurde wegen Fahnenflucht zu 9 Atonaten. 1 Woche Gefängnis verurteilt und Weller in die zwclle Klasse des Sotdatenstandes versetzt.

9t. B. Darmstadt, 18. Jan. Ter fahrlässig en Ge­fährdung eines Eisenbahntransportes und der fahrlässigen Körperverletzung angellagt waren l>entc vor der hie­sigen Strafkammer der uojäljttgc-assner Heinrich B u ch vo» Laubach und der 28 jährige Hütssschaffner Heinrich Beckerle ll. von Biblis. Die betben Angeklagten führten vertretungsweise im Juli v. I. einen Zug von Mannheim nach Franksurt. Loko- motivsührer war ein Heizer. Auf Station Langen mußte d.'L Zug hallen, um von einem Schnellzug überholt zu werden. Bei der Rückleitung des Zuges vom lleberhvlungsgeletse auf* das Hauptgeleise gelangte aber infolge nicht beachteter Weichen-- stellung der Zug über das richtige Geleife hinaus und kollidwrtei im anderen Geleise mit den letzten Wagen eines gerade vorübcv- fahrenden Gütcrzuges. Der Materialschaden betrug zirka 6U0 Mark. Das Gericht ließ bet der Geringfügigkeit des Schadens Viilde wallen und verurteilte Buch zu 30 Mk., Beckerle zu 20 Mk. Geldstrafe.

Düsseldorf, 18. Jan. Das Schwurgericht vertirteilte den hiesigen st ä d l i s ch e n V e r w a l t ti n g s b e a nt t e n Kurl B ö 3 wegen Diebstahls und Unterschlagung von 76U0 Mk. städtischer Stenergelder ferner wegen ainllicher sZätschtlngen zu 1 l/t Jahren Gefängnis.

Brau»schweig, 18. Jan. Tie' Strafkammer verurteilt« Rechtsanwalt Popp enbiccE anS Wolscnbüttel wegen 17 Fäll« von Untreue zu 3 I a h r e n G e i ä n g n i s und drei Jahren Ehrverlust. Poppendieck war nach Paris geflüchtet, wmtc adel cuisgcUcfcrt.

Liel, 18. Jan. Ter Marinesoldat Jäkel von der 4. Kompagnie des 2. Seebatattlons wurde vom Kriegsgericht wegen einer Reih« von Tiebstählen, u. a. weil er bie Orden bc-s Staatssekretär- Abmirals v. Tirpitz gestohlen hatte, zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis- verurteilt. . - - -- -