Ausgabe 
18.7.1907 Erstes Blatt
 
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Die Miuisterbegegrruug iu Desto.

inländisch-

Kolonial­ist zurzeit bezweifelt,.

Ircunde undIrcunde" des Mittelstandes.

Aus nationalliberalen Kreisen geht uns nachstehendes zu: ie Nationalzeitung bringt in Nr. 324 einen Artikel, über-

Dr. Arendt und General v. Siebert.

Die Aeußerungen, die im Münchener Peters-Prozeß die PeterS-Verehrer General v. Liebert und Dr. Arendt als Zeugen über die Disziplinarurteile rotber PeterS getan haben, werden, nach demSokalanz/, nur für den ersteren ein Verfahren^ zur Folge haben. Herr Dr. Arendt soll besrie- digende Erklärungen abgegeben haben, wodurch die Angelegen­heit für ihn als erledigt betrachtet wird. General v. Siebert hat sich allerdings weit schärfer ausgesprochen; sein Wort vomSchandfleck" war entschieden zu mißbilligen. ES ist jedoch von Herrn v. Siebert daS in einer temperamentvollen Aufwallung Gesprochene ebenfalls in einer öffentlichen Er­klärung bedauert und zurückgenommen worden. Darum könnte wohl auch in diesem Falle die gewährte Genugtuung als genügend angesehen werden.

Eine deutsche Anleihe in Amerika?

Von einer neuen deutschen Anleihe, die in den Vereinigten Staaten ausgenommen werden soll, wollen Pariser Blätter wissen. Die Nachrichtzgelangte am Mittwoch an die Berliner Börse und gab zu Erörterungen Anlaß. Wie so oft, wissen die Pariser Zeitungen mehr, als unsere amtlichen Stellen. Dort ist von dem Plane einer Anleihe mit Hülfe amerikanischen Geldes nicht das Geringste bekannt. In den Ver. Staaten kann man eher deutsches Geld brauchen, als eigenes Geld auSleihen. In Newyork werden eben jetzt die höchsten Sätze für Seihgeld verlangt und bewilligt. Begibt das Reich eine neue Anleihe, so ist der Mfirtt noch kapitalkräftig genug dazu.

Kaufmännische Kolonialattach^s.

Die Frage der Abordnung kaufmännischer attachßs zii den Gouvernements der Schutzgebiete umstritten. In hanseatischen Kreisen selbst wird . .

ob es zweckmäßig sei, junge Hamburger ober Bremer Kauf­leute mit dieser Mission zu betrauen. Man ist dort der Meinung, daß gereifte Männer mehr berufen seien. GewifZ mit Recht. Es erscheint aber wohl auch der_ Vorschlag erwägenswert, von bcu Absolventen der Han dels- bochschulen die tüchtigsten Persönlichkeiten anSzuwahlen, sie mit Reichsunterstützung ein praktisches Dienstfahr bet Großfirmen deS Kolonialhandels ableisten zu laßen und |te bann zur Unterstützung dec Gouverneure in die Schutzgebiete ,u senden. Abgeschlossene wissenschnstliche Durchbildung muh sich mit Kenntnis der kolonialen Handelspraxis verbinden, und die körperliche Widerstandsfähigkeit sowie d,e geistige Svannkrast der jüngeren Männer sind gewiß em nicht zu unterschätzender Vorteil für den Dienst in den Tropen. Warum solllen auch nicht unter der Leitung gereister Kans, leute je zwei oder drei solcher jüngeren Kräfte fich dauernd in den Kolonieen bei dec Verwaltung betätigen können?

Zur Diskussion über den Nationalvereiu.

Das Generalsetretariat des Nationalvereins für das liberal« Deutschland schreibt uns: ,, . ,

Anschluß an die Heidelberger Tagung hat sich in der deutschen Presse eine lebhafte Debatte erhoben, zu der wir mit Absiäch geschwiegen haben. Daß die Gegner des Liberalismus unseren Bestrebungen nicht gerecht werden wurden, daß wußten wir im voraus. Was aber das zum Teil noch immer vor­handene Uebelwollen im Lager der Liberalen anlangt, so woUen wir es lieber mitTaten als mit Worten entkräften. Aus einen Punlt nur sei uns ein Hiwveis gestattet: In einem Teil der ultramontanen Presse ist regelrecht Alarm gt.fchlageu und das Warnungszeichen vor dem neuen Nattonawereui auf- gesie-tt wordem Sh« kommt das?, Das Zentrum we.h von

Tie Zusammenkunft zwischen dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen Freiherrn von Aehrenthal und feinem italienischen Kollegen Tittoni hat nunmehr auf dem lombardischen Landsitze des letzteren stattgefunden, nachdem sie bereits vor längerer Zeit angekündigt worden war. Diese Begegnung ergab sich von selbst aus dem Besuche Aehvenchals in Berlin und der späteren Begegnung dieses Staatsmannes mit dem Fürsten Bülow _jn Rapallo, weil man an maßgebender österreichischer u

den normalen Bahnen gebracht werden. Anderseits aber ist es nicht angängig, baß deutsches Sand ständig in polnischen Besitz ober durch Verkauf in polnische Hände übergeht.

*

Zur Charakteristik PosadowSkys.

Einen kleinen, aber interessanten Beitrag zur Charak­teristik PosadowSkys liefert Wilhelm Schwaner, der Verfasser derGermanenbibel", vom 14. Juli 1907. Er teilt dort einige Stellen aus einem Briefe mit, den ihm PofadowSky Weihnachten 1905 zugleich mit [einem Bilde übersandte als Dank für die ihm von Schwaner geschickteGermanenbibe/. ( Da heißt eS:Es wird mir stets eine Stärkung (ein, die Anerkennung von Männern zu finden, deren GeifteSrichtung in dem idealen Grunde deutscher Klassiker wurzelt. Auch zum Schutze unserer klassischen Siterotur sollte der Suthersche Kampfruf gelten: ,DaS Wort sie sollen lassen stahn!" Sie haben eine gute Resonanz durch denVolkserzieher". Und Sie machen sich verdient ums Vaterland, wenn Sie durch Ihr Blatt auch dazu beitragen, daß die Arbeiter und unteren Klassen mehr Achtung bekommen und bezeugen vor­der Intelligenz und dem alten Besitz, der Gentry, wie der Engländer sagt, indem wir die (Ventry daran erinnern, daß sie das, waö sie ist, nur werden konnte durch den Fleiß und Schweiß derer da unten/Mein Arbeitsgebiet ist nahezu unbegrenzt. Und dennoch glaube ich es zii übersehen. Allerdings dauert mein Tag in der Regel bis nach Mitternacht. Und ich habe schon in meiner Jugend so gearbeitet. Freilich würde meine Kraft nicht fo unverwüstlich fein, wenn ich mir nicht alles Schädliche fernhielte: ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich gehe nicht zu Hofe und bin bei keinem Diner. Meine Ferien dienen der Erholung durch regelmäßige Studienreisen nach England, Schottland und Tirols

<Kcflc§ Blatt 187.Jahrgang Donnerstag 18. In« 1807

jochk bei gelegt und HT W H K jährl. ausfchl. Bestellg.

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General-Anzeiger für Gberhchen WM

iS »omUtagTioto) Hotationsbm! und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vllch- und Steindruckerei. R. ränge. RedaAisn, Lxpeditian und Druckerei- Schulstrasie 7. ^eig-ut°?t°?

)rieben: Freunde undFreunde" des Mittelstandes, der, enn er auch in erster Sinie auf preußische Verhältnisse Bezug tnmt, doch für unS nichtpreußische ReichSglieder von so oßem Jntereffe sein dürfte, daß wir eS für angebracht! Rapallo, weil man an maßgebender österreichischer und italienischer Uten, ihn im Interesse der liberalen Sache im Gießener Stelle Wert daraus legt, vor aller Oesfentlichkeit zu zeigen, daß nzeiger abdriicken zu lasten. ES heißt da: das Verhältnis der österreichisch-ungarischen Monarchie zu dem

^ubeii im Ton, aber in der gleichen Absicht, beharrlich das Ansatz dazu allerdings bemüht, das Deutfche Reich

ied vom bösen Siberalismus, der sich der Herrfchaft m ^ gunsten Oesterreichs in den Hintergrund zu drängen. Man bemächtigen und^den Staat an den Rand des Ab- t>ic Frage auf, ob es denn nötig sei, daß der Weg zwischen

cun^ö bringen wolle, Preußen so behaupten sie und Wien für alle Zeiten über Berlin laufe. Aber diese

.upe hubfch alles beim Alten bleiben, anders als im kon- kirchlichen Versuche, Oesterreich-Ungarn gänzlich für Italien mit rvickiven Geiste könne daS Land nicht regiert werden. Beschlag zu belegen, suchen kaum ernstliche Beachtung. Ihnen

Stimmt das wirklich? Das bis zur Erstarrung konservative )Wn mid bi offiziellen Kreise vollständig fern und aus dem ^renßen des ausklingenden 18 Jahrhunderts brach 1806 p offiziellen Gommunique, das über die gestrige Zusammenkunft in Emen. Erst der, im besten Smne demokratyche Wind, der veröffentlicht wird, geht ttcrr und deutlich hervor, daß vifchen. 1807 und 1813 wehte, trug frisches Seben in beit bie Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien nichts cdemutigten Hohenzollernstaat.^ Nach den Freiheitskriegen sank wünschen übrig lassen. In zweistündiger Besprechung haben

lau m wieder m reatttouäre Starrheit zurück Was die Befteu beiden Minister die europäische Sage sowie alle Fragen,

nseres Volkes unter dieser ungehemmten Verrfchastkonser- b^ Oesterreich-Ungarn und Italien ein besonderes Interesse ariden Geiftes" gelitten haben der Bauernjohu Fntz Reuter geprüft und mit Genugtuung, so wird in der halbamt- at es in knappen, aber erschütternden Worten dauernd fest- ^chen 9a)te oerficherr, ihr gegenseitiges vollkommenes Einver- ehalten. Auf d en stürmifchen Völkersrühling des Jahres 1848 nehmen festgestellt. Es wird hinzugesügt, daß dieses Einver- Jlgte in Preußen abermals die Dürre der Reaktion, und erst nehmen, dessen Grundlage immer das Prinzip des Gleichgewichts ie liberale Acra Wilhelms I. brach endgültig den Bann dieser ^nd der Aufrechterhaltung des Status quo bleibt, sich nicht nur olitischen Totenstarre. Man kann wohl sagen: eS ist dem preuß. ^uf die Gegenwart bezieht, sondern auch auf alle Eventualitäten Staate nie gut bekommen, wenn konservativer Geist unbestritten bec Zukunft. Uns Deutschen lann es nur recht sein, wenn die ie Alleinherrschaft führte. Ein frischer Auffchwung dagegen hat beiden Minister sich tatsächlich über alle wichtigen Punkte der Kemal dann eingesetzt, wenn ungefähr das eintrat, was Fürst internationalen Diplomatie verständigt haben, denn dann kann Zülowdie Paarung konservativen und liberalen Geistes" genanirt uian auch voraussetzen, daß der Dreibund in der bisherigen at; wenn der Bann der Reaktion gebrochen wurde, und mit Weise gute Früchte zur Erhaltung des Friedens tragen wird, er sie überdauernden altpreußischen Tüchtigkeit und Schneidig- (£d ist besonders bemerkenswert, daß gerade in diesen Tagen eit sich freiere Kräfte verbanden, die aus der Masse des ge- per Begegnung von Tesio der Dreibund stillschweigend eine Ver­ödeten Bürgertums nach Betätigung drängten. langerung erfahren hat. Am 28. Juni 1902 waren in Berlin

Dies geistig und wirtschaftlich regsame Bürgertum, das den von den Vertretern der drei verbündeten Staaten die Verträge Scharnhorst, Stein und Hardenberg sowohl wie dem Fürsten Bis-1 erneuert worden. Eine Mndigung hatte mit einjähriger Frist narcf die treibenden Kräfte für ihre Reformen zur Verfügung im Juni d. I. stattfinden können. Ta eine solche aber von keiner teilte, umfaßt in Preußen etwa die Schicht, die in der dritten her drei Mächte ausgesprochen worden ist, so lausen die Verträge Dählerklasse zur Urne geht. Oder vielmehr nicht zur Urne unverändert bis 1914 weiter. Wenn auch diese Entwicklung nach eht. Denn 5ie 20 Proz., die fich an der Sandtagswahl noch Aeußerringen namentlich von italienischer Seite schon seit einiger ] ) et eiligen, enthalten einen beträchtlichen Bruchteil Sozialdemo- Zeit so gut wie völlig sicher war, so ist doch die vollendete Tat- raten und Staatsbeamte. Die 80 Proz., die nicht wählen, ,ache nicht ganz ohne aktuelle Bedeutung, die ihren Höhepunkt >iiden in der Hauptsache das, was man mit einem viel miß- in der Begegnung von Tesio erreicht hat. Denn es kann gar -rauchten Ausdruck den Mittelstand zu nennen pflegt. Dieser keinem Zweifel unterliegen, daß die bewen Minister fehr em- Nittelstand Handwerker, Kleinbürger, Privatbeamte, Akade- gehend auch die Treibundsrage oehandelt haben. Die Bezieh- uiker' nürb durch das preußische Wahlrecht von jederivirksamen ungen zwischen Deutschland unb 3talien waren zett- Leilnahme an den Staatsgesck)äften ausgeschlossen. Und dieser weise allerdings nicht gerade die herzlichften, feitdem der frühere Nittelstand soll, wenn es nach dem Willen seiner begeistertsten italienisck)e Minyter des Auswärtigen, Bisco,nti-Venosta m Al- ,Freunde", derKreuzzeitung", des 'Reichsboten" und der geciras uns im Gegen,atz zu Oefttrreich bei der Durchführung ' ,Deutschen Tageszeitung", geht, von jeder Teilnahme dauernd der deutschen Mrrolkopolittk im ^tich gelassen hat. Auch> die . iusgeschlossen bleiben ^So^ und nicht anders sieht das wahre vielbesprochene Wiener Kauerdepesche hat seinerzeit in Italien WtderkonsnvMvenReformfeindlichkeit aus. böses Blut gemachr und das per, önlick)e Verhältnis zwifchen unfmn

Nicht daß es den Radikalismus der Sozialdemokratie dem Kap er und König Vikwr Emanuel '

Parlamente fernhält, ist das schlimmste Uebel des Dreittassen- Allerbeste lern. Nachdem aber Fürst Bulow ssesjÄÄeesse ® »sbä?« es »S ÄSSÄS cs-WZ Slsö «Li

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losen, staatsfeindlichen Radikalismus auf Preußen loszulassen; Rom, 17. Juli. Die ,Lorrljpondenza Romana bringt dem staatstreuen, bürgerlichen Mittelstände endlich eine (Aon wieder Schell-Enthüllungen, die Aufsehen er­messene Vertretung zu sichern, das muß die Hauptsorge sein bQ sie nichts geringeres als den angeblichen Widerru

Dabei wird sich eine ausreichende Vertretung des Arbeiterstandes In kalholischen Kreisen Deutschlands, heißt

Die Wahlreform' ist für Preußen die Mittelstandsfrage. In es da, fei man immer überzeugt gewesen. Schell habe ge- diese Beleuchtung wird sie namentlich auch da zu rücken sein, I glaubt, daß keiner seiner Sätze von der Kirche verurteilt wo Konservative und Antisemiten sich anschicken, alten liberalen rc; Dies habe erst noch Professor Kiejl imHoch-

Befitz zu erobern. Verhalten die Konservativen sich ^dauernd vom } August 1906 sestgestellt, indem er das kirch- c°sorm^ganz von si'lbst dtt^Parol^°für den^Wahlkamps 1908. siche Vorgehen gegen Schell einfach auf die sogen. ,,au6ecc Darauf haben die Liberalen sich schon jetzt cinzurichten. Rem«11 ßEt)rpoliäei* zurückführte. Nun sagt die .Corrispondenza , der Mittelstandspolitiker, die den Liberalismus alsden Femd -^ in den Stand gesetzt, nachzuweifen, daß Schell von hinstellcn und den Mittelstand nut schonen WoUen abspelsen, Behörde eine amlliche Mitteilung über seine

Me ^ken°Isi"bkr dL A-reform??^ ' "^"^ heterodoxen Propositwnen erh.eit, und daß er daraufhin

In. Anschluß hieran sei der Beschluß mitgeteilt, den der -,n,ge von btefen er[ai*tette' ° ' ""

Darmstädter Jungliberale Verein kürzlich gefaßt hat:Der m emem von .hm unte e.chne en Pro okoll.

geplante Erweiterung der Ersten Karniner durch die Einführung - ~CaawfcbatU

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k^nte. l hineintragen inüssen, da alle LebenZverhältnisse dadurch auZ