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20.9.1907 Erstes Blatt
 
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Orscherut «ügltch außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sietzener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigeleqt und zweimal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis Sietzen. Fernfprech-An- schlußs.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition öl Adresse sür Depeschen:

Anzetger Gieße».

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Erstes Blatt

General-Anzeiger für GberheW

Hotattonsbrud und Verlag der vrShl'schen Unw.-Vuch- und Zteindruckeret. H. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerrk: Schulstrstzr L^6Ved*.

157. Jahrgang

Freitag 30. September 1007 BezngSyretKr monatlich viertel-

y* £bt. A jährlich Mk. 2.20; durch

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Ife-V ZeilenprerS: lokal 15Pf., v auswärts 20 Mennig.

Verantwortlich

sür den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton und ,Vermischtes^ P. Wittko; für .Stadt u. Land" und.Gerichts-

Partei, mit der die Regierung in den uiciften Fr- Hand ging. Die ausschlaggebende Stellung desi >

iigai Hand in

Zentnrms war

der Pflegebefohlenen des Schuldners in Ansehung ihres

nun

natürlich vielen höchst unangenehm, insbesondere ixn National­liberalen, denen es oft blutsauer nr.trbe, für Zentrumsanträge zu stimmen. Dazic kam die Abneigung ortodoxer Kreise gegen: die Zentrumss-olitik. Fürst Bülow wäre gestürzt worden, wenn er nicht mit dem Zentrum gebrochen hätte. Das war die Wirk­lichkeit. Das Mast des Zentrums war voll. Was man über^ das schwarz-rote Kartell gesagt hat, ist einfach Unwahrheit. (Zu­stimmung.) Wir waren stets frei und unabhängig vom Zentrum. Dagegen haben sich die Freisinnige n lange Jahre in. einer Ar t Hörigkeitsverhältnis' zum Zentrum b o.1 funden (sehr richtig); sie waren Vasallen des Zen-i trums. (Beifall.) Es war klar, daß die bürgerlichen Parteien den Wahlkampf gemeinschaftlich führen mußten. Agitiert wurde vom Reichskanzler bis zum letzten Nachtwächter. (Heiterkeit.) Der Neichslügenverband h^t den bürgerlichen Parteien dE Organisation gelehrt. Der Schleppcrdienst war ausgezeichnet organisiert. Wenn man aber die Hauptschuld an dem ungünstigen Ausfall der Wahl dem ReichslÜgenwerband zuschiebt, so stimme ich dem nicht, zu. (Sehr richtig.) Ich bin der letzte, der bestreitet, daß eines derartige Kampfesweise leider einen Einfluß auQQeübt hat; mach darf ihn aber nicht überschätzen. Die meisten Beruuglimpfungeip' kamen aber aus der Wahlburg des Zentrums, aus der Müncheu-s Gladbacher Werkstätte des Volksvereins. (Beifall.) Verschiedene Bevölkerungsklassen haben sich kopfscheu machen lassen, in dem, Maße, wie die Klassengegensätze sich verschärfen. Lernburg soll es gewesen sein, der gesagt hat:Wenn wir bis- 1908 mit den Wahlen warten, besteht die Gefahr, daß dann eine ökonomische Krise existiert, die die Unzufriedenheit aufs höchste getrieben hat. (Hört, hört und sehr richtig.) Der Dresdener Parteitag hat uns nicht geschadet, höchstens haben wir die Sim^ plizissismusleute verloren, die in Scharen Herrn Dernburg nach-s laufen, heute aber schon sehr ernüchtert sind.

Voll der alten Wählerschaft der Partei sind uns 250 bis 300 000 weggegangen, gegenüber einem Zuwachs von 500 bis 760 000 neuen Wähleriw Trotz der gewaltigen Anstrengungen der Gegner haben wir dennoch einen festen Stamm von 3^4 Mill., Wählern und diesen moralischen Erfolg lassen wir uns nicht ver-^ kleinern. (Lebhafter Beifall.) So leicht wie früher wer-i den wir es ja nicht mehr haben. Mit dieser Situation? müssen wir ied)nen; unsere Gegner haben von unÄ gelernt; sie wenden sich an alle Klassen und Lebensalter;i sie wenden sich an die Jugend. Der deutsche Kaiser, der dies Eigenschaft hat, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen,- hat wiederholl betont, daß die Jugend im Geiste des modernen- Staates, des Hohenzollernstaates, zu erziehen sei. Heute wird- Politik in Schule und Kirche getrieben. Die bürgerliche Presse aller! Parteien bekämpft uns systematisch. Vorläufig ist das Zentrum; aus dem Block heraus. Es arbeitet aber mit allem Eifer darauf in den Block hineinzukommen. Wenn die Auflösung des Reichs-- tags nicht gekommen wäre, dann hätten im nächsten Jahre nicht;

die Maifeier betrifft.

Der Referent zu diesem immer wiederkehrenden Thema auf allen Parteitagen ist wie stets bisher Richard Fischer-Berlin. Zu dieser Frage liegen eine Reihe von Anträgen vor. Einige! Anträge verlangen, daß die Maifeier in der bisherigen Formt auch künftig abgehalten werde.

Richard Fischer empfahl folgende Resolution: Unter Auf­rechterhaltung der früheren Beschlüsse beschließt der Parteitag, den Vorstand aufzufvrdern, die Verhandlungen mit der General-/ kommission der Gewerkschaften nach den Vorschlägen des Stickt--' garter Delegiertentagcs weiterzuführen.

In der Nachmittc.gssitzung wurde noch folgender Antrag cingebracht: Der Parteitag erkennt als die moralische Pflicht aller Partei- und Gewerkschaftsführer an, für die größtmöglichste Durchführung der Arbeitsruhe am nächsten 1. Mai auch dann einzutreten, wenn die Verhandlungen zwischen Parieivors-and uni> Ge nera l ko mm is s io n wegen der Unterste tzungssrage noch nicht ab­geschlossen sein sollten.

Bei der Abstimmung über die Resolution Fischer ergab sich! deren Annahme.

Nunmehr kam das Hauptthema desl Parteitages zur Be­sprechung:

Die letzten Neichstagswahlen und die politische Sage.

Zu diesem Thema lagen zahlreiche Anträge vor.

Das Referat hatte Bebel übernommen. Er führte aus? Wir wollten in diesem Jahre die Frage der Taktik bei den nächsten Reichstagswahlen erörtern. Diese Absicht wurde zerstört durch' die unerwartete Auflösung des Reichstages. Das Zentrum, Vb- gleich Minoritätspartei, war zehn Jahw2 lang die ausschlaggebende

Sozialdemokratischer Parteitag.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.),

IV.

S. u. H. Essen, 17. Septbr.

Die heutigen Verhandlungen wurden vom Reichtstagsabg. Paul Singer geleitet. Zunächst wurde der Beschluß^gutge- heißen, der den lotälorgainsierten Metallarbeitern die Spalten, desVorwärts" verschließt. Dann . wurde die

Debatte über den internationalen Krongreß in Stuttgart fortgesetzt. Als erster Redner erscheint Reichstagsabg. Ledebour auf die Tribüne. Er polemisierte scharf gegen Bebel, der gestern die Auseinandersetzungen über die Koloninlpolitik als ein unnützes Gezänk bezeichnet habe. Er habe Bebel nur einett Papst genannt deswegen, weil Dr. David beständig mit der Au­torität Bebels krebsen gehe. (Zurufe.) Wenn Bebel die An­sichten Davids hätte, dann tvürde er, ßcbebour, gegen ihn ebenso energisch vorgehen wie gegen Davio. (Lärm.) (Ledebour erregt): Ach lassen Sie doch die faulen Witze sein, seit Jahren heißt es in der bürgerlichen Presse, Bebel ist in der Partei Diktator, Imperator usw." (Große Unruhe.) Fürst Bülow läßt keine Ge­legenheit vorübergehen, auf dieser albernen Behauptung herzu­reiten. Wir müssen gegen die Autoritätsduselei einmal ganz energisch Front machen.^ (Große Unruhe.)

Kautsky-Berlin: Es ist nicht richtig, daß wir in Stutt­gart nur einen großen Wovtstsreit zu einer prinzipiellen Frage herbeigeführt haben. Man hat mir Disziplinlosigkeit vorge- worfen, weil ich mich gegen den Mehrheitsbeschuß der Stuttgarter Kolonialkommission gewendet habe. Wenn es Disziplinlosigkeit ist, das Parteiprogramm zu verteidigen, so nehme ich diesen Vorwurf gern auf mich Dr. Karl Lieb kne d)t:_ Den Aus­druckKvlonialpolitit" kann man nicht anwenden auf die Zivili­sationspolitik des Zukunftsstaates, deshalb ist es erfteulich, daß die Minorität der zwlonialkommission im Plenum vbgesiegt hat. (Beifall.) In Preußen findet fortgesetzt eine ungeheure Ausnutzung der hilflosen Lage der einwandernden Arbeiter im Interesse der Agrarier statt. Dieses 'Ausbeutungsgesetz muß beseitigt werden. Reichstagsabg. Dr. Dav id-Mainz bestreitet, daß er für den Teil der van Kvllschen Resolution, die vom Mutzen der Kolonien spricht, ohne weiteres ein getreten sei. Erst nach Ab­lehnung seines Antrags habe er sich sür diese Fassung entschieden. (Zurufe: Na also.) Im übrigen dürfe in der Kolonialpolitik nicht bevormundet werden, sondern man müsse erziehen. Beb el: Die Frage des Ausweisungsrechts ist ungeheuer wichtig.. Eine Äenderung der bisher bestehenden Grundsätze in dieser Beziehung ist notweuoig, das hat selbst der deutsche Juristentag anerkannt. Die heutigen Auseinandersetzungen über die Kolonialpolitik haben die Sache nicht klarer gestallet. (Sehr richtig.) Ich glaube wir werden einmal Kolonialpolitik treiben müssen. Wie wir es tun, ist Zukunftsmusik. Bebel geht dann auf die Haltung der französischen Genossen in der Maroiko- fragc ein und erklärt: Der Herväismusl hat bei der ersten Ge­legenheit glänzend Fiasko gemacht. Er ist nichts ckils eine hohle Seifenblase. Im übrigen solle man das gegenseitige Festnageln auf gefallene Worte unterlassen. (Lebhafter Beifall.)

Der Parteitag erllärt darauf einstimmig sein Einverständnis mit den auf dem internationalen Sozialistenkongresse gefaßten Beschlüssen. (Lebhafter Beifall.)

Dann geht man zum nächiten Punkt der Tagesordnung über, der __________________________________<

gesetzlich zur Verwaltung des Schuldners unterworfenen Vermögens. Die Ehefrau besitzt kein Vorrecht im Konkurse. Der Irrtum, daß die Ehefrau besondere Rechte im Konkurse ihres Mannes hat, ist allerdings sehr weit verbreitet.

Massegläubiger endlich sind alle diejenigen, die mit dem Konkursverwalter als Vertreter des Schuldners nach Eröffnung des Konkurses Geschäfte abschliehen, bezw. denen die Kvnkursmasse gesetzlich zu Leistungen verpflichtet ist. So ist der Hauswirt vom Tage der Konkurseröffnung an bis zur gesetzlichen Kündigungsfrist stets Masscgläubi- ger und ebenso das Geschäfts- und Dienstpersonal des Schuldners von der Konkurseröffnung an bis zur gesetz­lichen Beendigung des Dienstverhältnisses. Die Masse­gläubiger sind naturgemäß im Konkurse am günstigsten gestellt, sie werden in erster Reihe berücksichtigt und erst nach ihnen kommen die bevorrechtigten und die gewöhn­lichen Gläubiger.

Die Heutige Wimmer umfaßt 10 Seiten.

Aorrechtsforderungen in Konkucstn.

Es ist eine a lte Erfahrung, daß über die Rechte und Pflichten der Gläubiger sowohl unter den Geschäftsleuten, wie auch bei Privaten eine sehr große Unklarheit herrscht, was oft für die Beteiligten von großem Nachteil ist. Vor allem wissen sehr viele Gläubiger nicht, ob und in welchen Fällen ihre Forderung im Konkurse irgend ein Vorrecht genießt, und der Fall ist nicht selten, wo die Gläubiger irgendwelche Abmachungen mit ihrem Schuldner getroffen haben in der Annahme, daß ihre Forderung in einem eventuellen Konkurse vorbercchtigt sei, während sich nachher herausstellt, daß es sich nur um eine ganz gewöhnliche Konkursforderung handelt. Im Konkurse kom­men fünf Kategorien von Gläubigern in Betracht: aus­sonderungsberechtigte, absonderungsberechtigte, bevorrech­tigte, gewöhnliche und Masse-Gläubiger.

Die Gläubiger, die Aussonderungsrechte haben, sind im Grunde genommen gar keine Konkursgläubiger. Es handelt sich hier stets um Gegenstände, die wohl zur Zeit der Konkurseröffnung im Besitz des Konkursschuldners sind, ihm aber gar nicht gehören. Solche Gegenstände, bei Geschäftsleuten kommen besonders Kommissionswaren in Betracht, können beim Ausbruch eines Konkurses ohne weiteres zurückgefordert werden. Selbstverständlich muß der Gläubiger fein unstreitiges Recht an der Ware zu be­weisen in der Lage sein. Solche Forderungen brauchen auch gar nicht erst zur Konkursmasse angemeldet zu werden.

Absonderungsberechtigt sind diejenigen Gläu­biger, die ein gesetzlich zulässiges Pfandrecht gegen den Schuldner erworben haben. Hierzu gehören also in erster Linie die Hypotheken- und Grundschuld-Gläubiger, dann diejenigen Gläubiger, die auf Grund von Darlehens-, Lom­bard- oder anderen Geschäften ein Pfandrecht am Eigen­tum des Schtckdners erworben haben, und ferner die Gläu­biger, die auf Grund gerichtlicher Erkenntnisse in das Ver­mögen des Schuldners haben pfänden lassen, soweit diese Pfändung unanfechtbar ist und auch vom Verwalter nicht angefochten wird. Der Hauswirt hat auch im Kvnkurse sür einen Teil seiner Forderung, und zwar für die Miete aus dem letzten Jahre vor der Konkurseröffnung bis zum Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist, das ihm gesetz­lich zustehende Pfandrecht an den Sachen des Mieters.

Bevorrechtigt ist eine große Zahl von Forde­rungen, die in der Konkursordnung genau aufgezählt sind und die genau nach der gesetzlich vorgeschriebenen Rangordnung berücksichtigt werden. Es sei ausdrücklich bemerkt, das; durch keine irgendwie geartete Vereinbarung eine Vorrechtssorderung, die gesetzlich nicht vorgesehen ist, geschossen werden kann. Bevorrechtigt sind demnach: 1. Die Forderungen aller von dem Schuldner fest angestellten, in seinem Privatdienste oder in seinem Geschäfte beschäftigten Personen (Handlungsgehilfen, Arbeiter aller Art, Dienst­personal) für Gehalt, Lohn, Kostgeld oder andere Dienst­bezüge, soweit diese für das letzte Jahr vor Eröffnung des Konkursverfahrens rückständig sind; 2. Forderungen für Steuern und öffentliche Abgaben; 3. Forderungen der Kirchen und Schulen, der öffentlichen Verbände und der Feuerversicherungsanstalten, soweit eine Zwangsversiche­rung existiert; 4. Forderungen der Aerzte, Wundärzte, Tierärzte, Apotheker, Hebammen und Krankenpfleger für ihre taxmiäßigen Gebühren, alle diese Forderungen zu 2 bis 4 für das letzte Jahr vor Eröffnung des Konkurs­verfahrens; 5. Forderungen der Kinder, der Mündel und

likincs Feuilleton.

Ein Fähnrich alsSalome"-Ko mp onist. Die merkwürdige Entstehungsgefchichte einer französischen OperSalome", zu der der Plan bereits lange vor dem Er­scheinen des Richard Straußschen Werkes gefaßt war, erzählt Emil Berr imUgaro". Der Komponist ist ein junger See­mann, namens Mariotte, der int Jahre 1895 als Fähnrich auf dem KreuzerForfail" eine Reise nach China mit­machte. Unterwegs kam ihtn zufällig ein Exemplar der damals erschienenen DichtungSalome" von Oskar Wilde in die Hände. Der Stoff ergriff ihn; die Worte der Dichtung klangen in der Seele des musitbegabten Seemannes wider und formten sich zu Melodien. So entstand der erste Ge­danke an eine Oper nach Oskar Wildes Dichtung vor zwölf Jahren, lange bevor Strauß das Werk fennen lernte, in Dem Kopf eines Fähnrichs auf den Meeren von China. Frei­lich dem ersten Geoanken folgte die Ausführung nicht auf dem Fuße. Mariotte besaß nicht die nötigen technischen Kenntnisse, um seine Oper sogleich zu komponieren. Aber er faßte den heroischen Entschluß, vorerst Musik zu studieren. Nach der Rückkehr nahm er seine Entlassung aus dem See- bienft, trat ins Pariser Konservatorium ein und machte solche Fortschritte, daß er 1902 zum Professor vom Konser­vatorium in Lyon ernannt wurde. Jetzt erst begann er die Ausarbeitung feiner OperSalome", die in seinem Kopfe völlig vollenoet, aber erst zur Hälfte nieder geschrieben war, ais er von dem Erfolg des Straußschen Werkes bei der Premiere in Dresden erfuhr. Er ließ sich durch diese Nach­richt nicht entmutigen, sondern führte den so lange gehegten Plan aus und schrieb seine Oper fertig. Auch nach den Erfolgen der StraußschenSalonre" ist er nicht entmutigt, sondern er hofft, daß neben der deutschenSalome" auch noch eine franz.ösisch<eSalome" bestehen könnr, und er

wird bei der demnächst stattfindenden Erstaufführung seiner Oper am Lyoner Theater den Wettkampf mit dem deutschen Kollegen ausnehmen.

In Heft 3 des 3. Bandes derM aske n", einer außerhalb Düsseldorfs wenig beachteten, trotzdem aber recht beachtenswerten, von der Leitung des neuen Düsseldorfer Schauspielhauses her aus gegeben en dramaturgischen Wochen­schrift, finden wir einen hübschen Aufsatz über die Fahrt eines Deutsch-Engländers nach Shakespeares Vater­stadt. Er trägt die UeberschriftEine 5)immelfahrt nach Stratford." Herr Ernst Leopold Stahl aus Nottinghmn erzählt darin u. a.:

Die Stadt ist gedrängt voll in diesen Feiertagen, aber trotzdem spürt man nichts von all den vielen Menschen. Die Engländer sind ein ideales Festpubliknm: man hört sie nicht und sieht sie nicht, und für die Amerikaner, die lauter sind, (wenigstens die Sorte, die reift) ist es noch zu früh im Jahre. Ueberall Backfische, an denen in Old-Englcuw ja überhaupt kein Mangel ist, und alle nett. Ein paar vereinzelte deutsche Laute: zwei studiosi juris aus Gießen, die sich mchelauscht glauben, von den Schmissen ihres Verbindungsbruders Müller reden und über das verfluchte englische Bier schimpfen."

Wir dürfen annehmen, daß diese beiden jungen Gießener Musensöhne nicht zu solchem Zwecke nach England gereift waren und daß sie am Grabe des größten Meisters der dra­matischen Dichtung von gleichen Schauern der Ehrfurcht ge­packt wurden, wie Herr Stahl aus Nottingham.

Für ba£ neue Lübecker Stadttheater, für das bereits rund 1900 000 Mk. beloilligt sind, mußten wieder große Summen hergegeben werden. ES handelte sich um die Bewilligung des Futidus. Der Senat fordert hierfür 320 000 Mk. Wohl oder übel mußte die Bürgerschaft, nach­dem sie einmal den kostspieligen Doppelbau von Theater und Festsälen beschlossen hat, auch diese Summe hergeben. Wahrscheinlich wird, wie derVoss. Ztg." geschrieben wird,

der ganze Bau Lübeck unter Einrechnung des Wertes deL Grund und Bodens rund 3 Millionen Maä kosten. Mit dem Stadttheater eng Zusammen hing auch rwch eine weitere!' Vorlage, nämlich Die, die die Pachtung des Stadthallen-i theaters als Nebenbuhne für das Stadttheater bezweckte. Die Pachtsumme für das neue Etablissement beträgt für die Zeit von September bis Mai 21000 Mk. Diese Summe er-- hält der Staat allerdings von dem Theaterdirektor unbj dem Verein der Musikfreunde zurück. Der Theaterdirekior^ zahlt unter Verzicht auf 45 Tage 19 000 Mk. und der Musik­verein für diese 45 Tage 2000 Mk. Der Staat muß aber: außerdem in die Stadthalle eine Hypothek von 100 000 Mki zu 4 v. H. Zinsen geben. Auch diese Vorlagen wurdenk angenommen.

Kleine Kunstchronik. ShakespearesKönig! Lear", von Pierre Loti für die französische Bühne be­arbeitet, war die erste Aufführung dieser Spielzeit im? Pariser Odeon-Theater. Der Erfolg blieb nicht aus. Jedes der 28 Szenenbilder wurde beklatscht, nur nach der mit greulichem Verismus vor geführten Blendung Glosters regte sich leiser Widerstand einiger empfindsamer Gemüter. Viel­leicht wäre auch hier der Widerspruch unterblieben, wenn nicht diese Schauerszene als die einzige des ganzen Werkes so hell beleuck)tet worden wäre, daß keine Einzelheit un­bemerkt bleiben konnte. Sonst ist nämlich der Grundcharakter von Antoüles Einrichtung eine tiefe Dunkelheit, in der die Gestalten schemenhaft auftauchen und verschwinden. WildenbruchsRabensteineri n" wurde am Wies­badener Hoftheater gut auf genommen. Fräulein Eichels­heim (bisher in Darmstadt) gab die Rabensteinerin einfach und mit tiefem Gefühl. (Wie wir hören, sollen auch in unserm Gießener neuen Theater dieses neueste Bühnenw^rk Wilden­bruchs sowie Shakespeares Lear zur Aufiührnng kommen. D. Red.)