Zweigs Blatt
Ur» 193
157.
Erscheint tLgllch mit Ausnahme des SonnKrgS.
Expedition und Druckerei: Schul-
Redaktion, straße 7.
Die „Gießener ZamiUenblatter" werden dem ^Anzei^er^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. A
Expedition und Verlag: 51.
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Montag 19. August 1907
AA Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen ^uiversitäts - Buch- und Steindruckerei.
b R. Lange, Gießen.
5>u ^lage in Marokko.
Die letzten Tage haben, soweit bis jetzt Meldungen vor- egen, an der allgemeinen Lage wenig geändert. In Casa- lanca, wo der Kommandeur des französischen Kreuzers Äloire", Fregattenkapitän Lesguivit, inzwischen zum Kommandanten der Stadt ernannt worden ist, herrschte am Z. August Ruhe, so daß die eingeborenen Behörden das tineret und die Moschee, die bei den letzten Kämpfen zer- ört wurden, wieder ausrichten. In M o g a d o r und F e z ingegen soll die Lage infolge der gegen die Fremden beiebenen Agitation ziemlich beunruhigend sein imb der marokkanische Minister des Auswärtigen hat den sranzösi- hen Konsul in Tanger ersucht, den Franzosen nicht zu e statt en, sich auf den Straßen der Stadt zu eigen angesichtsderErregung, welche die Ereig- isse in Casablanca unter der Bevölkerung hervorgerufen abeu.
Wie sehr die Eingeborenen sich auch jetzt noch als erren der Situation fühlen, geht aus der Meldung des euterschen Bureaus aus Casablanca hervor, daß in der acht vom 15./16. General Drude eine Botschaft von ab y len erhalten haben soll, worin seine sofor- ige Ergebung gefordert wird, w i d ri g e n f a l l s roßeScharen von Arabern die französischen ruppen von: Erdboden vertilgen unt> die tadt zerstören würden.
Unter solchen Umständen müssen die Europäer natürlich ündlich auf neue Angriffe gefaßt sein. Wie der „Temps" us Casablanca meldet, herrschte dort am 17. ds. roße Aufregung, da man glaubte, daß ein A n g r i s f er Stämme erfolgen werde. Tie spanischen Truppen iib die französischen Scharfschützen machten eine Rekognos- eruug • allein der Angriff erfolgte nicht. General Drude »11 diesen Angriff gewünscht haben, um die Eingeborenen c Ueberlegenyeit der französischen 'Streitkräfte fühlen zu mssen.
Wie von anderer Seite gemeldet wird- soll neuerdings e Uneinigkeit der Stämme zunehmen. Der tedjunastamm soll beabsichtigen, sich zu unterwerfen. — em „Matin" wird aus San Sebastian berichtet: Der Minister des Aeußeren sei sehr optimistisch gestimmt. Er .aube an eine glatte Lösung der marokkanischen Frage, ie Nachrichten von Agitationen in maroktani- chen Häfen seien übertrieben. Dem „Matin" rfolge äußerte der französische Konsul in Casablanca i einem Interview, er glaube, wenn die Stämme den An- ciff erneuern sollten, so würde dies die letzte Anstrengung in; sie begännen an Munition und Lebensmit- elnMangel zuleiden.
Bedrohliche Lage in Lüdwestafrika.
Berlin, 17. Aug. Bon wohl informierter Seite er- ilt das Berliner Tageblatt folgende Mitteilung: Nach den t Laufe der letzten stunden bei dem Oberkommando er Schutztruppe eingelaufenen telegraphischen Mel- rngen ist die Situation im Schutzgebiet außer- rdentlich ernst, nicht minder ernst, als sie im Januar M bei dem Ausbruch' des Herero-Aufstandes war. Man bt sich darüber keinem Zweifel hin, daß Morenga, der, ie bereits gemeldet, mit 400 Anhängern, von denen 150
mit Martinygewehren bewaffnet sind, deutsches Gebiet betreten hat, alsbald zur Offensive übergehen wird. Oberstleutnant v. Estorfs wird sich mit seinem Stabe, den Hauptleuten Heye und Banszus, zurzeit in Windhuk, nach Ketmanshop begeben. Ein tzeranziehen der Truppen aus dem Norden nach dem bedrohten Süden ist seitens des Oberstleutnants Estorfs in die Wege geleitet.
— An amtlicher Stelle lag bis gestern mittag keine weitere Nachricht über Morenga vor. Auch steht noch nicht fest, ob dem Ablösungstranspvrte, der am 11. Aug. nach dem Schutzgebiet abging, weitere Truppenergänzungstransporte folgen werden. Cs wird dies von der Gestaltung der Tinge in nächster Zeit abhängen.
— Ter „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht zahlreiche Verleihungen von Kriegs-Dekorationen an die Angehörigen und bisherige Angehörige der Schutz truppe in Südwestafrika.
Kapstadt, 17. Aug. (Reuter.) Tie Kappolizei der inländischen Bezirke und die berittenen Jäger sind an die deutsche Grenze gesandt worden. _________
Der Weltfrieden auf 25 Jahre gesichert
Paris, 17. Aug. Liberte veröffentlicht auf Grund einer angeblichen Unterredung mit einem italienischen Diplomaten einen Artikel, wonach König Eduard bei seinen Begegnungen mit dem deutschen Kaiser und Kaiser Franz Joseph diesen einen Plan unterbreitet haben soll, welcher dem europäischen Coneern eine neue Grundlage geben soll durch Abschluß eines Vertrages zwischen allen europäischen Mächten. In diesem Vertrage soll die Unantastbarkeit des Gebietes der betreffenden Mächte garantiert werden. Die. Mächte sollen sich verpflichten, keinen Angriff vorzunehmen und alle Meinungsverschiedenheiten in friedlicher Weise erledigen. . Auch sollen sie auf jede koloniale Ausdehnung verzichtendes sei denn, daß alle Mächte mit einer eventl. kolonialen Erwerbung seitens eines Staates einverstanden wären. Das Abkommen soll auf 25 Jahre abgeschlossen werden. Es gestatte, die militärischen Budgets zu verringern. Bis jetzt sollen Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Rußland und die Türkei dem englischen Vorschläge zugestimmt haben. Nur Deutschland und Oesterreich sollen noch dafür zu gewinnen sein.
— Der „Figaro" stellt fest, daß die Besuche König Eduards bei dem deutschen Kaiser und dem Kaiser von Oesterreich beruhigende und zuversichtliche Eindrücke hervorgerufen haben. „Gaulois" bedauert, daß Frankreich bei den edlen Bestrebungen, die .soeben zu den Begegnungen in Swinemünde, Wilhelmshöhe und Ischl Veranlassung gegeben haben, nicht auch Sitz und Stimme gehabt habe. Die „Humanste" beklagt die Ermutigung, die dem Vorgehen Frankreichs in Marokko bei diesen Zusammenkünften geworden sei. Es verlange nur eins, sagt das Blatt, nämlich den Frieden.
Berlin, 17. Aug. Die Zusammenkünfte in W il- helmshöhe und Ischl haben, wie der „Voss. Ztg." mitgeteilt wird, u. a. zu dem Ergebnis geführt, daß zwischen. England, .den drei Kaiser Mächten und Italien.^ ine völlige Uebereinstimmung in den Balkan fragen speziell bezüglich des mazedonischen Reformwcrkes erzielt wurde. Rußland und Oesterreich-Ungarn werden weiter die Reformen ausbauen, deren Ausdehnung auf die albanesischen Vilajets nicht beabsichtigt ist.
Wien, 17. Aug. Das „Neue Wiener Tageblatt" veröffentlicht einen aus Rom ihm von besonderer ^eite zu-, gegangenen Artikel, worin konstatiert wird, daß Italien die |
bei der Jschler Entrevue getroffenen Vereinbarungenüber Mazedonien als mit dem Ergebnis der Besprechungen Aehrenthals und Tittoms in Desto völlig identisch anerkennt,
Deutsches Reich.
— Ter Für st von Schaumburg-Lippeund der Fürst zur Lippe, die sich in dem Prozeß um die Thronfolge in Lippe so lange feindlich gegenüberstanden, sind am Sonntage gleichzeitig Gäste des" Kaisern Paares auf Wilhelmshöhe gewesen.
Berlin, 17. Aug. Generalleutnant Frhr. v. Wieting- hoff wurde unter Beförderung zum General der Kavallerie definitiv zum kommandierenden General des 9. Armeekorps ernannt. Ferner wurde der Inspekteur der Feldartillerie Generalleutnant Schubert zum General der Artillerie befördert.
Bromberg, 17. Aug. Unter gewaltigem Fremdenandrang aus allen Teilen des Reiches begannen heute in der festlich geschmückten Stadt Bromberg die Verhandlungen des „deutschen Tages". Ueberall sind Ehrenpforten errichtet, überall wehen Fahnen. Tie Tenk- mäler Friedrichs des Großen und Kaiser Wilhelms I. zeigen Blumen-Arrangements und Girlandenschmuck. Zu Ehren des „deutschen Tages" sollen heute abend auf den Anhöhen von Bromberg Freudenfeuer abgebrannt werden. Um 10 Uhr vormittags trat der Vorstand des Ostmarken-Vereins im Zivil-Kasino zu einer vertraulichen Verhandlung zusammen, wo der Vorsitzende Freiherr v. Tiedemann-Seeheim die große Anzahl der Teilnehmer willkommen hieß. Es wurde zunächst der Geschäftsbericht erstattet.
Posen, 17. Aug. Am polnischen Schul st reit in der Provinz Posen sind jetzt nur mehr 250 Schulkinder beteiligt. Nach halbamtlicher Mitteilung erreichte der Schuld streik am 14. November v. I. seinen Höhepunkt mit 46 886 Streikenden allein in der Provinz Posen.
Oppeln, 19. Aug. Das Zentrumsblatt „Oppelner Nachrichten" meldet, von hochgeschätzter Seite sei ihm die Mitteilung zugegangen, daß der Erzbischofs st uhl von Posen dem geistlichen Rat Schirmeisen ausOppeln angeboten worden sei. Der Rat habe sich jedoch Bedenkzeit erbeten.
Ausiamd.
Haag, 17. Aug. Die Friedenskonserenz nahm heute in einer Plenarsitzung mit einigen Abänderungen und Reserven den Antrag über den im Jahre 1899 getroffenen Beschluß bezüglich des Kriegsgebrauches zu Lande und zu Wasser, sowie die Erneuerung der Erklärung von 1899 bezüglich der Untersagung des Gebrauches von Ge-^ schossen und Explosivstoffen durch Luftbad l o n s an. Die Konferenz nahm hierauf mit 27 gegen 7 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen das Abkommen cm, betreffend das Bombardement von Hafenstädten und Dörfern durch Kriegsschiffe. Hierauf verlas der englische Delegierte Fry einen längeren Bericht über die Einschränkungen der Rüstungen zu Lande und zu Wasser. Schließlich wurde per Akklamation der Wunsch des englischen Delegierten angenommen, der auch von Rußland unterstützt wird und der die Notwen-! digkeit und NützlichkeitderEinschränkungew derRüstungenanerkennt.
Kleine» Feuilleton.
— Die historische Kommission für Hessen und Waldeck bt in ihrem 10. Jahresbericht Aufschluß über den der- itigen Stand ihrer wissenschaftlichen Unternehmungen, eber das „Urkundenbuch der Wetterauer eichsstüdte" wird berichtet: Tr. Wiese-Marburg hat e Archivalien der Stadt Wetzlar bis zur Mitte des 16. Jahr- rnderts aufgearbeitet und hiernach die Archive von armstadt, Koblenz und Marburg sowie die Sammlungen 's Germanischen Museums in Nürnberg teils vollständig, ils größtenteils erledigt. Eine unerwartet reiche Aus- ute ergab das fürstlich Solms'sche Archiv in Braun- -1 ls (Kloster Altenburg) und das des Stiftes Wetz- i r. Hiernach bleibt nur noch das Archiv in Frankfurt ; berücksichtigen, so daß die Trucklegung des ersten Bandes ohl noch im Lause des nächsten Berichtsjahres beginnen ird. Tie Fortsetzung des Friedberger Urkundenbuches ird demnächst in Angriff genommen werden, nachdem e Stadtverordneten Friedbergs in dankenswerter Weise e erforderlichen Mittel der Kommission bewilligt haben, ie historische Kommission begrüßte diesen Beschluß mit inz besonderer Freude als einen vorbildlichen, denn ihre cht beschränkten Mittel haben sie bisher wiederholt ge- oungen, von gar manchen Arbeitsplänen Abstand zu neh- en. Tie Bearbeitung des zweiten Bandes hat Oberlehrer reher in Friedberg übernommen; er gedenkt damit als- ild zu beginnen. — Von den „L an d g r a fen g e ste n" it Herr Tr. Grotesend-Marburg den Druck der ersten Ab- ilung begonnen. Sie wird bis zum Tode des Landgrafen ünrichs 1. (21. Dez. 1308) hinabreichen und im Laufe s nächsten Berichtsjahres ausgegeben werden, lieber die ublikation „Quellen zur Geschichte des geisti- en und kirchlichen Lebens in Hessen und aldeck" wird berichtet: Professor Dr. Köhler-Gießen ar während eines Teiles des verflossenen Jahres durch
Jubiläum der Universität Gießen in Anspruch ge- immen, doch hat er die Wiedertäuferakten und die aus ls Interim bezüglichen Archivalien ausarbeiten können rd ebenso die Akten zum Schmalkaldener Tage von 1535/36, weit sie die Stellung der hessischen Theologen zur Kon- ^ssrage betreffen, ausgebeutet. — Von der „Hessischen ehö rd en - Organisation" hat Stadrarchivar Dr. nndlach-Kiel den urkundlichen Teil und die Bearbeitung s „Tienerbuches" soweit gefördert, daß er dicht vor ren Vollendung steht. — lieber die Publikation „Quel- ii zur Geschichte der Landschaft an der e r r a" wird berichtet, daß Tr. Huyskens-Marburg die mrbeitung des Archivs der Augustiner zu Eschwege voll- indig und das der Prämonstratenserinnen zu Germerode s zum Ausgange des 14. Jahrhunderts erledigt hat. Der ruck des die vier Klöster der Landschaft an der Werra nsassenden Regestenwerkes wird voraussichtlich im Laufe s Herbstes begannen werden. — In Arbeit befinden sich »ch weiter die Publikatch.n.en „Beiträge. Mr Mrgeschichte
der Reformation in Hessen", „Sturios Jahrbücher der Grafschaft Hanau von 1600—1620", „Münzwerk", „Chroniken von Hessen und Waldeck", „Fuldaer Urkund en buch", „Landtagsakten". Ueber eine neue Publikation „Lehenstaat" wird berichtet: „Auf den Antrag des Archwrats Dr. Küch- Marburg beschloß der Vorstand der historischen Kommission, Archivassistenten Dr. Knetsch-Marburg mit der Bearbeitung und Herausgabe eines Werkes zu betrauen, welches die hessischen, fuldischen, hanauischen und wal- deckischep Lehen und ihre Inhaber von. der ältesten Zeit, in der es schriftlich fixierte Belehnungen gibt, bis zum Ende des Lel)nswesens in übersichtlicher Weise verzeichnen und zusammenstellen soll. Tie Arbeit wird nicht nur in hervorragendem Maße der Geschichte der hessischen Adelsgeschlechter zu dienen berufen sein, sondern auch ein lange ersehntes Hilfsmittel für eine große Reihe von allgemein- und lotalgeschichtlichen Studien schaffen. Sie bildet in gewisser Beziehung ein Gegenstück zu der von Dr. Gundlach-Kiel herauszugebenden „hessischen Behördenorganisation" und ist ferner dazu geeignet, ein künftiges bessisches Siegelwerk vorzubereiten. Tas letztere liegt freilich wegen seiner Kostspieligkeit noch in weiter Ferne. In den Ausschuß für diese neue Publikation wurden Baron von und zu Gilsa auf Gilsa, Prof. Dr. Küch-Marburg und Geh. Reg.-Rat Professor Dr. G. Frhr. von der Ropp-Mar- burg delegiert.
— Aus alten Gießener Stammbüchern, wie sie in früheren Zeiten „die Studenten auf Universitäten und Reisen den ProKssoriölls und anderen vorneynren und gelehrten Leuten, allch guten Freunden, offerierten, damit selbige ihre Wappen, Symbolen und Namen zum Andenken hineinschrieben", teilen sowohl R. A. Fritzsche in der ersten Nummer der „Ludoviciana", dieser würdigen, in sechs Nummern erscheinenden, reich illustrierten Jubi-- läums-Festschrift, wie Erwin Preuschen im neuesten Bande deö „Archivs für hessische Geschichte und Altertumskunde" eine Anzahl vo»i Eliitragungen mit, aus den verschiedensten Stimmungen und Gesiiinungell heraus entstalideu. Beide zitieren folgendes jokose Verslein eines gewissen I. L. Mayer ars dem Jahre 1752:
In Gießeri geht es liederlich, So heißt es überall, Allein, mein Freuiid, erkundge dich, Wie geht es anderswo und sonst in diesem Fall? So wirst dii bald erfahren müssen, Es gehet dorten ivie in Gießen.
Eckstein schreibt die zivei^Tugendlvege ins Stainmbuch:
Zwei silid der Pfade, aus welchen der Alensch zur Tugend emporstrebt;
Schließt sich der eine dir zu, tut sich der andre dir auf. Handelnd erzwingt der Glückliche sie, der Leidende duldend, Wohl dem, den sein Geschick liebend auf beiden geführt. Ein vieleriahrener weiser Frauenkenner schreibt:
Ei»i Alädgen voller Weisheits-Gründe Hält jeden Kuß siir eine Sünde, Bis ihr ein Freund gefällt;
Hat dieser dann sie überwunden, So sagt sie selbst in frohen Stunden: ^Das ist der Lauf der Welt l*
— Tie „Coul eur" an den Handelshochschulen ist kürzlich, sowohl wie in kaufmännischen als in akademischen Kretsen, aus 2lnlaß eines Berliner Vorfalles erörtert ivorden. Es dürste daher von Interesse sein, einiges darüber zu erfahren, wie sich die verschiedenen deutschen Handelshochschulen zu der Frage farbentragender Verbindungen gestellt haben. In 5k ö l n, wo der erste Studiendirektor, Pros. Schumacher, em ausgesprochener Anhänger von „Eouleur"-Verbindungen tvar, haben sich drei solche Verbüid- ungeit gegründet: „Hansea", „Salia" und „Ubia"; auch die akademische Turnerschaft „Arminia" trägt Farben. Der amtliche Bericht über die Handelshochschule berichtet jedesmal auch über das Verbindungsleben und schätzt die Zahl der Studierenden, die zu diesen Korporationen gehören, auf etwa 15 Proz. der immatrikulierten Studierenden, (das ift mehr als an mancher Universität), In Franks u r t a. M. besteht eine Verbindung „Franeonia", die aber Alütze und Band nur aus ihrer Verblndungskneipe trägt und nach außen nicht in „Couleur" auftritt. Der Versuch einiger Studierender der Berliner Handelshochschule, eine Verbindung unter dem Namen „Sugambria" zu begründen, wurde sofort wieder aufgegeben, als 2iettor und Kollegium die Frage, ob ihnen das Schwarze Brett zu Anschlägen emgeräumt werden würde, verneinten. Aus Leipzig und Aachen liegen feine Nachrichten vor, weil die dortigen Handelshochschulen nicht selbständige Anstalten, sondern lediglich an die Universität bezw. die technische Hochschule finge« gliedert sind. Im Ganzen zeigt dieser Ueberblick, und namentlich die Abweichungen zwischen Köln und Berlin, die Verschiedenheit des Temperaments in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. In dem lebenslustigen Rheinland kommt die bunte Farbe mehr zu ihrem Rechte. In Berlin, wo auch an der Universität die farben- tragenden Verbindungen sehr zurücktreten, ist hierfür kein Boden. Ter schärfste Widerstand gegen Couleurverbindungen geht in Berlin von der Studentenschaft selbst aus.
— H einrich Hansjakob, der bekannte schwäbische Schriftsteller und kath- Stadtpfarrer von Freiburg t. B., begeht heute, am 19. August, seinen 70. Geburtstag. Hansjastb nennt sich selbst mit Vorliebe einen Bauern schriftsteller, und er liebt das Bauerntum, das naturstische Volk und die Scholle, auf der es haust mit der gleichen Inbrunst, mit der er alle großstädtische Hhperkultur, alle Lehensverfeinerung haßt- Ta-« bei ist er selber, feiner Empfinden und Bedürfnis nach, unbewußt ein Kulturmensch, aber er leidet unter der Llulturlast unserer Zeit, und da er einst in einer poesieoollen Jugend das große Glück eines von Külturplagen unbeschwerten Lebens selber gerwsseu und damals wie auch später bei anderen beobachtet und mitempfunden hat, deshalb flüchtet er aus der Kültur zurück in die einfachen, gesünderen Zustände der mit der Scholle verwachsenen natürlichen Menschen und wird bewußt und geistig ein Bauer und Kulturträger, der er Physich zu fein weder die Gesundheit iwch die Kraft der ^Nerven hätte- Diesen Gesichtspunkt, diese Stimmung muß man festl-alten, wenn man an viele von Hansjakobs Schriften mit rechtem Lerständniss und feinerem Genuß herantreten will, und luo diese Stimmung fehlt, da wird ein großer Teil von seinen Werken gerade nach ihrer interessantesten eeite hin nicht gewürdigt werden können-.
, — Der Kaiser und die Kaiserin ließen durch den Direktor der Akademie der Künste zu Berlin der Akademie le 15ft ebenso wie der Familie des verstorbenen Professors Joachim ihr Beileid aussprechen. Bei den Beerdigungsfeierlichkeiten lvird sich der Kaiser durch einen feiner Flügel-Adjutcutten vertreten lassen-


