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Nr. 141
Zweites Blatt
Mittwoch 19. Juni 1907
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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von Bez. und von
157. Jahrgang
wurde, wie jetzt in Höchst, würde die Sicherheit auf Straßen in Zukunft nicht in der Art gefährdet werden, es bisher oft der Fall war.
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bringt das amtliche »Dresdener Journal" einen Epilog,
Rotationsdruck und vertag der BrühNchen UnwerfttätS • Buch- und 8vIndruckcrei. 9L Laag«. Eießen.
Redaktion. Expedition and Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag i 6L Redaktionen II2. teL-8lbuAnHeigaEtetzen.
Heff.) dir. 116. Ter Abschied nut Pension bewilligt: Boni», Rittm. z. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Gießen, mit Aussicht auf Anstcllllng im Zivildienst Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Trag. Rgt^. Arnim (2. Brandenburg.) Nr. 12.
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Die „Siebener §ami!ienb!ätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblatt fflr den Kreis Eketzen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
norden ist und dem Verein eS widerstrebt, die allocrehrie Person des Verstorbenen noch jetzt in einen politischen Prozeß hineinzuziehen. Der Verein hat aber weiter beschloffen, das dem Prozeß zu Grunde liegende Material auf dem Bureau der Herren Rechtsanwälte Justizrat Dr. Gutfleisch, Engisch und Arnold hier, die mit der Verfolgung der Lache beauftragt waren, zu jedermanns Einsicht offen zu legen.
* AiiS dem Militär-Wochenblatt: Major LoerbrokS, oggreg. dem Inf. Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Heff.) Nr. 116 unter Versetzung in das Inf. Rgt. von Horn (3. Rhcin.) Nr. 29 zum BatS. Kommandeur ernannt. Frhr. Truchseß v. u. zu Wetzhausen, Rittm. u. Esladr. Chef im SchlcSmig-Holslein. Ulan. Rgt. Nr. 15, als Komp. Ehef in das Gr. Hess. Tram-Bat. Nr. 18 versetzt. Franken berg, Oberlt. im 5. Gr. Heff. Inf. Rgt. 168 in das 3. Bad. Trag. Rgt. Prinz Karl Nr. 22 versetzt. Tie Rittmeister: von Eickstedt beim Stabe deS Gr. Hess. Train-Bats. Nr. 18, dieser unter Versetzung zum Stabe deS Elsäff. Train-Bats. dir. 15; Frhr. von Stetten im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, zu überzähligen Majoren befördert. — 9)1 an cf, 2t. im Inf. Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Heff.) dir. 116 von Beendigung seines Kommandos zur Kriegsakademie zur Dienstleistung beim Eisenbahn-Rgt. Nr. 2 kommandiert. — AuS der Schutztruppe für Südwestafrika scheidet aus und wird im Heere angestellt: Sie berg, Major, als aggregiert beim Inf. Rgt. Prinz Carl (4. Gr. Hess.) dir. 118. Haniel, fit., im 2. Gr. Hess. Feldart. Rgt. dir. 61. Ein Patent vorn 14. Juni 1907 verliehen : fit. Jsmcr im Inf. Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Gr.
'-iie beule uciiammclicii IkitfllicDcr ue= uenuin.gen LereuiS erklären sich in Uebeicinftimmumi mit den AuSsi-brungen des Reiereuten gegen die von der Regierung roigeschlagene A c n d e r u n g der Art. 67 und 75 der Heff. Verfassung; ft: erwarten, daß die Abgeordneten der Zweiten Kammer icber Minderung der Rechte der Zweiten Kammer und jeder Erweiterung derjenigen der Ersten Kammer em entschiedenes Nein entgegensetzen.
Schließlich wurden als Delegierte für den freisinnigen Parteitag in Berlin die Herren Karl Waldeck und Karl Berck gewählt.
k-cl Groß-Gerau, 17. Juni. Auf gräßliche Weise verstümmelt wurde heilte nacht der 22 Jahre alte Sohn der Witwe Diehl aus Nauheim, der sich anscheinend auS Lebensüberdruß dicht bei der Station Nauheim nach (Sc.» Gerau zu von bem aus Darmstadt kommenden Schnellzug überfahren ließ. Die diäber schnitten die obere Brust mitten entzwei und die übrigen Körperteile wurden vollständig zerrnalint, sodaß sie kaum kenntlich waren unb nur mit Mühe unter den Rädern zusammengefnnden werden konnten. Als Ursache werden einerseits Familienzwistigkeiten angegeben, da er in die Fremde wollte, während ihn die 9)lultec lieber als Helfer tn der Landwirtschaft zu Hause behalten hätte, anbecerseits soll unglückliche Liebe die Hauptrolle spielen.
[] Marburg, 17. Juni. Bei bem Umbau eines Hauses in der Barfüßerstroße förderten die Arbeiter heute einen Topf mit vielen Münzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zutage.
-ing. Alaun heim, 17. Juni. Vom 11.—15. Juni wurde hier die 47. Jahresversaiumlung des Deutschen Vereins von Gas- unb Wasserfachmäunern abgehalten. Sie war von über 1000 Personen besucht unb bot viel Interessantes, insbesondere brachte der wissenschaftliche Teil Berichte und Erfahrungen über die neuesten Ofentypen, das sind die sog. Vertikalöfen (mit stehenden Retorten) und die Kammeröfen (mit großem Entgasungsraum). Tie Ergebnisse der Versuche, die in großen Städten angestellt sind, schienen durchaus günstig und die Zukunft wird entscheiden, welcher von den beiden Oefen der wirtschaftlichere »st. In anderer Beziehung hat die Versammlung für Gießen insofern Interesse, als dem Gas- und WafferwerkLdirektor Bergen von seinen früheren Assistenten, die aus seiner bewährten Schule als tüchtige Fachmänner hervorgegangen sind, noch nachträglich zu feinem 50jährigen Fachjubiläum ein sinniges Andenken mit einer ehrenden Ansprache eines früheren Mitarbeiters im dlamen feiner Kollegen überreicht wurde. Direktor Bergen dankte in bewegten Worten und sprach feine Genugtuung darüber auS, daß seine früheren Mitarbeiter so treu zu ihm und unter sich zusammenhielten.
** Kleine M i t t e i n n e n aus Dessen und den N a eh b a r ft a a t e n. Am 18. Juni entgleiste der vorletzte Wagen des Eilzuges 81 bei der Aussahrl desselben aus dem Bahnhos Bebra und stürzte um. Sieben Reisende wurden leicht verletzt. Ter Betrieb ist nicht gestört.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 19. Juni.
•* Nationalliberaler Verein. Man schreibt uns: Am Montag abend hielt der nationalliberale Verein eine zahlreich besuchte, außerordentliche Generalversammlung ab, in der besonders die Frage erörtert wurde, ob, nachdem die Großh. Staatsanwaltschaft davon abgesehen hat, wegen der anläßlich der letzten RetchstagLwahl seitens der sozialdemokratischen Parteileitung unb des Vorsitzenden des deutsch sozialen Wahlausschusses m der Presse und in Versammlungen ausgesprochenen Beleidigungen und Verdächtigungen die öffentliche Klage zu erheben und auf den Weg der Privatklage verwiesen hatte, nunmehr jetzt noch diese Klage erhoben werden solle.obwohl kein Zweifel darüber bestand, daß sämtliche Klagen vollberechtigt seien, hat die Versammlung in ihrer Mehrheit sich doch dahin ausgesprochen, daß von einer Weiter- versolgung der Sache abgesehen werden solle. Bestimmend war für diese Entscheidung in erster Linie der Umstand, daß der seitherige Vorsitzende des Vereins, Herr Stadtverordneter Kirch, der in der Sache seinerzeit vorzugsweise tätig war und gehandelt hat, inzwischen ver-
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Automobil.
Dem „Berliner Lokalanzeiger" zufolge dürste bei Plan einer deutschen Automobilrennbahn als gesichert zu betrachten sein. Ter Gch. Kommerzienrat Fritz von Friedländer, der mit dem Kaiser die Angelegenheit mehrfach besprochen hat, teilt mit, daß er in den nächsten Tagen mit dem Minister des Innern eine Konferenz in der Angelegenheit haben werde. Es dürfte dann eine Kommission geblidet kerben. Außer der Lüneburger Heide sind noch die Eifelgeaend und die Umgegend von Fürstenwalde in Vorschlag gebracht. Man erwartet, daß die Städte, in deren Nähe die Rennstrecke erbaut wird, an der Deckung der Kosten sich beteiligen werocn. Tie Finanzierung des Unternehmens bleibt späteren Erwägungen überlassen.
lieber zwei neue Automobil-Unfälle wird berichtet : Bei Fischbach im Taunus stürzte ein mit zwei Herren und dem Chauffeur besetzter Ablerwagen eine steile Böschung hinab. Der Chauffeur blieb unverletzt, während die beiden Insassen ziemlich schwere Verletzungen davontrugen. DaL Automobil wurde zertrümmert. — In Wil- helmSbad bei Hanau wurde der 15jährige Sohn eines Arbeiters von einem Automobil überfahren. Die Verletzungen sind nicht gefährlich. Das Auto fuhr unerkannt davon.
Ungefähr 30 Anzeigen gegen Automobile, die, wie fest- gestellt worben ist, innerhalb der Stadt Höchst zu schnell gefahren sind, gingen am Montag bei der Höchster Bürgermeisterei ein. Die Anzeigen sind der Anitsanwaltschaft zur gerichtlichen Verfolgung übergeben worden. Wenn in allen Städten, meint das dortige Kreisblatt, so energisch vorgegangen
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Gießener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für ©berufen
Gießener Strafkammer.
Gießen, 18. Juni.
Rette Kollegen.
Im letzten Winter stellte der Aroeiter H. W. ans Son traf einen Arbeitskollegen megen eines an bet Lübeitsstellc vorgekoinu menen Wortwechsels auf dem Heimwege zur Rede unb schlug ihm dabei sofort mit seinem geschlossenen Taschenmesser mehrmals auf den tbopf, sodaß Muienbe Wunden entstanden. Tie,er setzte sich mit seinem Begleiter zur Wehr, worauf die den W. begleitenden Arbeiter G. <y. aus Sontra und F. F. ans Groß- Zimmern ebenfalls tätlich wurden. G. F. schlug einen seiner Gegner mit einem Gummischlauch, während F. F. dem andern einen Schlag mit einem Stock auf das linlc Auge versetzte, sodaß dieser rampsunsähig wurde. Schließlich schlugen alle drei gemeinschaftlich (auf ihre zwei Gegner em, sodaß diese blutüberströmt Weilerziehen mußten. Wegen Korperorrletzung unter Anklage gestellr, erhielt W., der die Triebfeder der ganzen Sache war, eine Gefängnisstrafe von 6 'JJtonaten, F. F. erhielt 3 Monate unb G. F. 4 Wochen Gefängnis. Letzterer unb W. erhoben Berufung mit der Bitte um Herabsetzung der Strafen.. Wenn auch die Strackanimec mit bem Schöffengericht einig war, daß W. den ganzen Vorfall vom Zaune gebrockten hat, so schien ihr angesichts der Jagend desselben und die Tatsache, daß er das Messer geschlossen gebrauchte, unb damit keine allzu gefährliche Verletzungen Hervorrufen konnte, die Strafe für zu hoch unb setzte sie auf 4 Monate herab, während das Urteil im übrigen bestätigt wurde.
Ein lieber Sohn.
Gegen den wegen Truntfucht entmündigten Taglöhner W. S. aus Eichelsachsen war wegen eines an seiner 72 jähr. Mutter nach § 173, 1 begangenen Sittlichkeilsver- brechens unb wegen einer ihr zugefügten schweren Körperverletzung Anklage erhoben. Nach bem öffentlich verkündeten Urteil hat die unter Ausschluß der Oeffcntlichleit ftattgeiunbene Verhandlung ergeben, daß er außer dem von ihm zugestandenrn Sittlichkeirsoerbrechen feine alte gebrechliche Mutter durch Stockhiebe dazu nötigen wollte, ihm Geld zu geben, um weüer dem Laster des Branutweingenusses frögnen zu können. Tas Gericht erkannte zwar die offensichtliche Beschränktheit des Angeklagten, und seinen infolge des Altoholgenuffes vorhandenen moralischen Tiefstand an. Es hielt aber doch die Maximalstrafe für ange-- zeigt, indem es aussührre, daß sich hier eine Lücke im Gesetz befinde, da die höchfiL zulässige Strafe für eine solche Bestialität zwei Jahre Gefängnis beträgt. Es wurde auf eine Gesamtstrafe voie 2 Jahren und 4 Monaten Gefängnis erkannt unb dem AngeÜagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab» gesprochen.
Gewerbebetrieb im Umherziehen.
Tie Kaufleute M. S. ano M. hier hatten em in der Nähe von B r a u e r s ch w e n o liegendes Gur mit Inventar getauft, unb dieses wieder im Kleinen veräußert, ohne beim SteuerGmmissaruiö die vvrgeschriebene Anmeldung zu machen. Es erhielt deshalb jeder einen Strafbescheid der Verwaltungsbehörde über 20 Mk, auch sollten sie die vorcnthaltene Abgabe von 40 ML nachträglich entrechten. Nacy Ansicht dcs S^ueriommissariats hätten sie, da sie das Inventar außerhalb ihres GemeuioebezirkS und nicht in der Absicht, es dauernd in Besitz zu nehmen, erroorbtn haben, ein Datent für bas Gewerbe im Umherziehen lösen müssen. Sie trugen gerichtliche Entscheidung an und bestritten, einen Gewerbebetrieb im Umherziehtn ausgeubt zu haben, 1 e hatten nur das ihnen gehörige Jnnntar auf ih.e.a G.u. - . tz veräußert. Jnsbe-ändere brachten sie vor, das, l.L .Nobüiac nicht als Stiarc oetrachter werden tonne. Auch ritten füt, daß sie gewerbsmäßig Güter zum Zwecke der WeiterverLußerung
dem hervorzugehen scheint, daß wenigstens im Königreich Sachsen ähnliche A ut o m o bi l r en n en auf den Landstraßen nicht mehr geduldet werden dürften. DaS Blatt weist zunächst auf die bündigen Zusicherungen hinsichtlich der Fahrgeschwindigkeit und sonstigen Vorsichtsmaßregeln hm und fährt dann fort:
„Wenn nun aber die Veranstalter der Fahrt nicht dafür gesorgt haben, daß ihren der Negierung gegenüber abgegebenen Zusicherungen nachgekommen wurde unb insbesondere der Führer des an der Spitze fahrenden Oberleitungswagens seine Ausgabe, zunächst selbst die erteilten Vorschriften einzuhatten und damit den übrigen Teilnehmern das richtige Maß der Fahrgeschwindigkeit anzugeben, in keiner Weise erfüllt, vielmehr — wie auö feinem Eintreffen in Leipzig bereits gegen Vs 10 Uhr vormittags anstatt etwa um 12 Uhr mittags, hervorgeht — in ganz unver antwort li cher Weise gehandelt hat, so kann dies nicht bloß im Interesse der guten Ordnung des Gemeinwesens und der Sicherheit der gesamten Bevölkerung, sondern auch im Interesse deS Automvbilwefens selbst nur auf das lebhafteste beklagt werden, unb es wird dieser bedauerliche Vorgang notwendigerweise dazu führen, daß in Zukunft — und gewiß nicht nur seitens der sächsischen Regierung — derartigen Veranstaltungen mit großem Mißtrauen begegnet wird und solche wesentlich eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr zugelassen werden. Daß unter den vorliegenden Umständen die leider auch in Sachsen eingetretenen Unglücksfälle nid): einen größeren Umfang angenommen haben, ist nach dem Gesagten jedenfalls nicht dem Verhalten der Veranstalter der Fahrt und ihrer Organe, sondern lediglid) der Umsicht und der umfassenden Vorsorge der Behörden und dem musterhaften Verhalten der sächsischen Bevölkerung zu verdanken. Wenn aber seitens der Veranstalter der FaM dem AmtShauptmann von Leipzig und der dortigen Polizeibehörde daraus, daß diese eine Fortfeouna der Fahrt vor der im voraus hierfür bestimmten Zeit verhindert haben, der Vorwurf gemacht wird, daß dadurch die Fahrer für die weitere Strecke zu einem schnelleren Tempo veranlaßt worden unb somit die an diesem Nachmittag erfolgten weiteren Unglücksfälle mit auf diese Anordnung' zurückzuführen seien, so ist diese Behauptung bereits in zutreffender Weise von der Königlichen Amtshaupt- inannschaft Leipzig öfsentlick) zurückgewiesen worden. Aber auch aus ihr gebt hervor, dsaß die Leiter der Fahrt sich ihrer Pflichten gegenüber der Regierung unb der übrigen Bevölkerung durchaus nicht bewußt waren. Jedenfalls ift mit allen den bi er ermähnten Vorgängen dem Zwecke der Her-» komer-Fahrt selbst unb einer ferneren ersprießlichen Entwicklung deS Automobilverkehrs weit mehr geschadet als genützt worden."
Die Besteuerung der Automobile wurde im niederösterreichtschen Landtage angeregt. Die Grund- züge für die Besteuerung der Kraftfahrzeuge wurden den Landesausschußmitgliedern bereits zugcslellt. Es wird eine ziemlich hohe Steuer vorgeschlagen. Aus dem Erträgnisse dieser Steuer sollen die Gemeinden subventioniert werden, damit sie den Staub hintanhalten können, und damit sie auch eine Entschädigung dafür bekommen, daß die Ortschaften teilweise unbewohnbar gemacht werden.
— Lebensretter. Ter Küferlehrling Joh. El sing er in WormS hat am 21. März einen Knaben vom Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von Sr. Kgl. Hoh. dem Groß Herzog ein- Geldprämie ver- liehen rporben.
•* Ein eigentümliches Tariftu riosum besteht im Bezirk des EisenbahndirektiouSbezirkS Mainz. Eine in Bensheim nach Unter-Wald-Micheldach gelöste Fahrkarte 4. Klaffe kostet 80 Pfg., will man aber zurücksahren, so kostet die Fahrkarte für die gleiche Strecke und Klasse in Unter- Wald-Michelbach 50 Psg. mehr, also dJlf. 1.30. Wie dies möglich ist, weiß sich der gewöhnliche Sterbliche nicht zu erklären. Auf eine Reklamation an die Eisenbahiidirektiou kam der kurze Bescheid, daß an bem amtlichen Tarif, der die Fahrt von Wald-Michelbach nach Bensheim auf Mk. 1.30 fesksetze, nichts zu ändern sei.
g Bad-Nauheim, 18. Juni. Gestern wurde vom Muslkverein Friedberg Haydu's Oratorium ,2)ie Schöpfung" in der Tankesklrche aufgeführt. Von Solisten waren zur dJlibüirfung erschienen Frau Kämpfert-Frankfurt (Sopran), Herr Möllcr-Vlarburg (Tenor), Herr Schmidt- Hannover (Baß) und Herr Reinhart-Tarmsladt (Bariton). Alle brachten den Beweis, daß sie den an sie gestellten Anforderungen im vollsten Mäße gewachsen waren. Ganz besondere Anerkennung gebührt den Damen und Herren der Chöre, die unter der trefflichen Leitung dcs Lehrers Usinger ganz Wiinderbares geleistet haben. Auch unsere Kurkapelle, welche die Begleitung übernommen, zeigte wiederum, daß sie auf dem Gebiete der klaffischen Musik zu Hause ist. Sonntag, 23. Juni, an welchem Tage ein Jahr verflossen, daß unsere Dankeskirche eingeweiht munde, findet in ihr eine Erinnerungsfeier statt. Zu diesem Zwecke haben sich auch in diesem Jahre die Männergesangvcteine sowie auch ein Damenchor bereit erklärt, durch ihre Mitwirkung die Feier zu verschönern. Auch ein Bläserchor der Kurkapelle hat in liebenswürdiger Weise zugesagt.
Ober-Seemen, 17. Juni. DaS 2. Bundesfest der Vogelsberger Sänger-Vereinigung fand hier gestern unter starker Beteiligung statt. Verbunden damit war die Fahnenweihe des Gesangvereins Ober- Seemen. Es hatten sich 11 auswärtige Gesangvereine aus Merkenfritz, Volkartshain, Schwickartshausen, Gedern, Steinberg, Mennigs, Usenborn, Ober-Seemen, Hirzenhain und Ober-Lais eingefunden. Nach kurzer Begrüßung durch Maurermeister Lapp-Ober-Seemen hielt Bundespräsident Lehrer Schaad-Gedern die Festrede, die Festdamen übergaben die neue Fahne, Fahnenträger Pappel und Präsident Sittel sprachen Worte des Tankes; dann folgten die Einzelchöre, wobei recht gute Leistungen erziett wurden. Um 5 Uhr erfuhr das lebhafte Treiben auf dem Festplatz eine jähe Unterbrechung. Em gewaltiger Sturm verbunden nut heftigem Regen erhob sich, mehrere Buden und Stände wurden umgeriffen und viel Waren verdorben.
< Alsfeld, 17. Juni. Am 14. Juni fand der 5. Diskussionsabend dc§ freisinnigen Vereins statt, zu dem die Mitglieder zahlreich erschienen waren. , Zu- nächst berichtete Herr H. Lornmann über das Krcisfest in Königstädten und übermittelte die Grüße der dortigen Parteigenossen. LandtagSabg. Reh verbreitete sich alsdann eingehend über die Wahlrechtsvorlage; er besprach insbesondere die geplante Aenderung der Art. 67 und 75 der Hessischen Verfassung, wobei er die bestehenden Vorschriften erläuterte und den Initiativantrag der Ersten Kammer einer scharfen Kritik unterzog. Ten Regierungsentwu rf betr. die Abänderung der Art. 67 und 75 der Verfassung be- zeichnete er für die Liberalen als unannehmbar; erhoffe, daß ein einstimmiges ablehnendes Votum dcr Zweiten Kammer der Regierung den rechten Weg zeige, dioch Beendigung des mu lebhaftem Beifall aufgcnommcnen Vortrags wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:
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