Ausgabe 
18.5.1907 Zweites Blatt
 
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'der ungarischen Staatsbahnen hielten heute nacht eine Protestversammlung gegen die neue Dicnftprag- m a t i k. Alle Redner bezeichneten die Vorlage als ein Sklaven- gesetz, das den Eisenbahnern alle Menschenrechte raube. Die Versammlung beschloß, gegen die Vorlage ein Memorandum an den Reichstag zu richten, und die Ge^etzwerdung der Vorlage mit allen Mitteln, sei es passive Resistenz oder Streik, unbedingt zu verhindern. Einzelne Redner richteten gegen den Handels­minister Kossuth die größten Insulte. Auch der Landes-Eisen- bahnerverband hat die Vorlage in schärfster Weise abgelehnt. ^Angesichts der unter den Eisenbahnern herrschenden Aufregung .wird eine baldige Entscheidung der Regierung erwartet.

1 Newyork. 17. Mai. Nach einer Meldung des Newyork Heralb hat Präsident Diaz die Bereitwilligkeit Mexi­kos erklärt, zusammen mit den Vereinigten Staaten ein ge­meinsames Protektorat über die mittclamerikanischen Staaten zu übernehmen.

31 iis Stadt und Land.

Gießen, 18. Mai.

DaS Großherzogspaar in Lich. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin treffen mit dem Erbgroßherzog heute nachmittag %3 Uhr mit der Bahn m Lich ein, um die Pfingstfeiertage im Kreise ihrer fürstlichen Verwandten zu verleben. Auch die Prinzessin Chlodwig von Hessen-PhilippStal-Barchfeld, eine Schwester der Großherzogin und des Fürsten Karl ist hier zu einem Besuch eingetroffen.

** Akademischer Vortrag. Am gestrigen 5.Vor­tragsabend sprach Universitäts-Musikdirektor Pros. Traut­mann über das ThemaUnsere Musi kp siege in Haus,SchuleundKirche,sowieimösfentlichen Leben". Der Redner stellte gleich im Eingang als Zweck fest, auf die herrschenden Mißstände hinzuweisen und den Wea der Besserung und Beseitigung der Mißstände zu zeichnen. Dem Volke allein Kunst zu bringen, sei falsch, das Verhältnis zur Kunst müsse begründet werden. Das müsse schon in der Schule geschehen. Der Vortragende schilderte die Vernachlässigung des Gesangsunterrichts in der Schule und beschäftigte sich mit den Vorschlägen Pro­fessor Hollaenders. Er forderte Bildung des musikalischen Gehörs, Notenschreiben nach Diktat, musikalische Theorie, während er die gemischten Schulchöre nicht als Ziel hin­stellte, weil durch sie viele Stimmen ruiniert würden. Auch Pflege der Orchestralmusik in der Schule forderte er und ging damit schon zur Hausmusik über. Namentlich den Saiteninstrumenten wünsche er mehr Freunde. Für die; Hausmusik hielt er es für wichtig- daß unsere lebenden bedeutenden Komponisten und wir haben deren auch einmal von ihrerHöhenmusik" herabsteigen, um nebenher auch Meister der Kleinkunst werden zu wollen. Die Kirche hielt der Vortragende für einen geeigneten Ort zur Pflege der Musikkunst. Er geißelte die Gescymactsverirrungen der Kirchenchöre. An ben Dirigenten läge es, hier die Musik gesunden zu lassen. Was die Pflege der Musik im öffent­lichen Leben anbetrifft, so griff der Redner vor allem die Männerchöre und die Straßen- And Gartenmusik heraus. Er verurteilte scharf die Gesangswettstreite (auch um den Kaiserpreis!), weil sie aus der Kunst einen Sport machten, und lobte in Lieser Hinsicht die hessischen Verhältnisse. Auch die Kompositionen zu solchen S-ängerfesten seien doch nur bestellte'Arbeit. Daß die Gesangvereine sich beruflich scheiden, schien ihm nicht vorteilhaft. Dem auf Veranlassung oes Kaisers kürzlich erschienenenVolksliederbuch" widmete dann der Vortragende einige Ausführungen. Dem durch Musikautomaten und Damenkapellen geschwundenen Musik­sinn könne rechte Platz- und Gartenmusik abhelfen:Sie brauche nicht tragisch zu sein, im Gegenteil, ein Marsch oder Tanz aber ein guter! erreiche sehr viel." Hunger nach Musik sei jedenfalls vorhanden. Die Musik dürfe aber nicht da sein, um sich dabei zu unterhalten, sondern um uns zu erhalten. Mit einer allgemeinen Zusammen­fassung schloß der leider nicht stark besuchte Vortrag, der mit Beifall ausgenommen wurde.

** Einer unserer ältesten Mitbürger, Land­richter i. P. Karl Bott hier, ist gestern im 88. Lebens­jahr gestorben. Der Verstorbene, der früher am Stadtgericht Gießen tätig war, trat mit der Einführung der jetzigen Gerichtsorganisation in den Ruhestand und lebte feildem in stiller Zurückgezogenheit. Sein juristisches Studium be­gann er gerade vor 70 Jahren, nämlich mit dem Sommer- jemester 1837. Er sollte als einer der ältesten ehemaligen Studierenden unserer Landesuniversität als Ehrengast an deren Jubelfeier teilnehmen. Möge er in Frieden ruhen!

Unsere Neginientsmusikkonzertiert am 1. Pfingst­feiertage im Schützengarten in Wetzlar, am 2. Feiertage in Gießen im Neuen Saal bau und am 3. Feiertage im Philosophenwald.

C. Lollar, 18. Mai. Einem sich längst fühlbar gemachten Bedürfnis, der Errichtung eines Wochen- marktes, ist die Gemeindevertretung in dankenswerter Weise nachgekommen. Ter seit einigen Wochen Samstags stattfindende Markt erfreut sich großen Zuspruchs und dürfte, wenn er besser eingelebt ist, eine große Annehmlichkeit für Käufer wie Verkäufer sein. Die Regulierung des unteren Teils der Lumda von der sog. Lumdabrücke abwärts bis zur Mündung in die Lahn wird von den Unternehmern Gebrüder Ruhl mit Eifer betrieben. Das neue Bett mit seinen sehr breiten Böschungen dürfte die größten Wassermengen aufnehmen, sodaß Ueherschwem- mungen, wie sie seither vorkamen, in Zukunft nicht mehr eintreten werden. Zu den Kosten wird vom Staat ein namhafter Betrag beigesteuert, ein Zeichen, daß die Regie­rung Knlturverbesserunaen freudig unterstützt.

<t> Hungen, 17. Mai. Mit der Erbauung eines Neu­baus für die höhere Bürgerschule und Volksschule wird in Kürze begonnen. Tas Gebäude soll 6-«-8 Säle ent­halten, ca. 90 000 Mk. kosten und im Herbst 1908 vollendet st in.

H Alsfeld, 17. Mai. Verflossene Woche fanden in den Orten des Schlitzerlandes Vermessung s arbeiten zur Er­bauung der seit Jahren projektierten Bahn Alsfeld-^- Schlitz Niederaula statt. Tie Strecke soll von Alsfeld über Eifa, Lingelbach, Herzberg, Breidenbach, Nieder-Jossa nach Niederaula führen und von hier soll eine Zweigstrecke das Fuldatal auswärts über Wegfurth, Rimbach, Glied", Sandlofs nach Schlitz gehen und hier an die Strecke SalzschlirfSchlitz anschließen.

Offenbach, 17. April. Dr. Dullo wurde am Don­nerstag in öffentlicher Sitzung der Stadtverordneten-Ver- sammlung vom Kreisrat v. H o m b e r g k als Bürgermeister in Eid und Pflicht genommen. Der Kreisrat wies den neuen Bürgermeister auf das Schwierige seiner Stellung hin und ermahnte ihn, sein Amt mit Gewissenhaftigkeit, Treue und Eifer zum Wohle von Stadt und Staat zu führen. Dann überreichte er ihm das Dienstabzeichen der Bürgermeister. Dr. Dullo antwortete, er werde bestrebt sein, Gegensätze auszugleichen und die Freiheit der Ver­waltung innerhalb der Gesetze zu wahren. Freiheit könne nur aus Ordnung heroorgehen. Er schloß mit dem Wunsche, die Stadt möge unter seiner Verwaltung weiter, wachsen und gedeihen. (Kl. Pr.)

Wetzlar, 17. Mai. Gestern mittag' ereignete sich bei den Dillregulierungsarbeiten hinter der Buderus­chen Arbeiterkolonie ein tief bedauerlicher Unglücks- a ll. Durch irgend einen Umstand entgleiste Die zum Betriebe der Feldbahn dienende Lokomotive und der auf ihr befindliche Führer, der 18jährige Sohn des Gast­wirts Weimer von Waldgirmes, kam so unglücklich unter die Maschine zu liegen, day er schwer verletzt wurde. Wie der Wetzl. Anz. hört, soll der bedauernswerte junge Mann seinen Verletzungen bereits erlegen sein.

" Kleine M i t t e i l" n q c n aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Krieger verein Hai n ch e n feiert eint zweiten Pfingsttage seine Fahnenweihe. Bürgermeister Schäfer zu Himbach wurde als solcher wiedergewä'hlt und dieser Wahl die Bestätigung erteilt. In der Lehmgrube der Ziegelei H. Zipp in Aßlar wurden in einer beträchtlichen Tiefe eine große Anzahl von schweren Knochen gefunden, deren Massigkeit aus vorsintflutliche Tierformen hinweist. In Schwalheim geriet ein sechsjähriger Knabe in die hochgehende Wetter. Ter bei den Wafserleitungsarbeiten beschäf­tigte Arbeiter Roth von Rieder-Florstadt rettete das Kind mit eigener Lebensgefahr. In Rieder-Wöllstadt feiert am 25. Mai Ad. Bechtold sein odjähriges Tienstjubiläum als Polizei­diener. Verschwunden ist seit 10 Tagen Schuhmacher Gottlieb Löffler von Rieder-Wöllstadt., Er wollte in Friedberg Leder cinfaufen und ist nicht wieder zurückgekehrt. Es ivird an­genommen, daß ihm em Unglück zugestoßen ist. Ter Mechaniker 3 elf mann aus Düsseldorf, der bei dem A u t o m o b i l u n g l ü ck bei Weilburg schiver verletzt wurde, ist nunmehr in Weilburg seinen Verletzungen erlegen. Johs. Fuchs II. von vöckersdori ist ziim Beigeordneten für Die Gemeinde Höckers­dorf gewählt und bestätigt ivorden.

ArbeiterbeivegUNA.

Berlin, 17. Mai. Heute mittag wurden vor dem Vorsitzenden des Berliner Gewerbegerichls, Magistralsrat v. Schulz die Verträge zivijchen den Arbeitgebern und Arbeit­nehmern in der Deutschen Holzindustrie untersiegelt und ein Protokoll darüber ausgenommen. Zunächst wurden die Verträge über 12 Städte signiert, während die Verträge über die drei anderen Städte in den nächsten Tagen unterzeichnet werden sollen. Damü ist der Friede in der deutschen Holz­industrie endgültig hergestellt.

Newyork, 17. 'JJkii. In dem Augenblick, als der fran­zösische transatlantische Dampfer T u r e n n _e " Newyork verlassen wollte, weigerten sich 26 Heizer und Matrosen an Bord zu gehen, wenn ihnen nicht für Tagearbeit 1,80 und für Nachtarbeit 2,50 Frcs. bewilligt würden. Nach zweistündigen Ver- handlmigen erklärte sich die'SchifsahrlSgesellschasl bereit, Lohn­erhöhungen zu bewilligen. Erst dann konnte der Dampfer seine Nerse nach Europa antreien.

GcrichtssKaL.

Darmstadt, 17. Mai. Heute wurde, wie schon mitgetcilt, in der Privatllag.fache des Pfarrers Kor eil von Königstädtcn gegen den Redaiteur desDarmstädter Täglichen Anzeiger" Gras wurm wegen Beleidigung das Urteil verkündigt. So­wohl der Privatbctlagte Graswurm, als auch der Widerbeklagte Korell wurden freigesprochen, Graswurm hat die auf seiner Seite erwachsenen Auslagen, Korell die sämtlichen übrigen Kosten zu zahlen. Das Gericht ging dabei von der Erwägung aus, daß so­wohl erwiesen sei, daß Korell im Jahre 1898 vor der Stichwahl für den sozialdemokratischen Kandidaten agi­tierte, als auch, daß er die Aeußerung tat:Wer sein Vater­land lieb hat, wählt Cramer." Es wurde jedoch auch weiter sestgestellt, daß dies nicht geschah, weil der Privatkläger Sozial­demokrat war, sondern weil er aus sozialpolitischen Gründen den Sozialdemokraten für das kleinere U e b e l hielt. Bei dieser Sachlage erscheine der Ausdruck feige und unwahr in dem angefochtenen Urteil als objektiv beleidigend, dem Privat­kläger könne nieyt vorgeworfen werden, daß er in unmännlicher Weise es ablehnte, die Konsequenzen dessen, was er 1898 tat, zu tragen; dem Privatbellagten wurde jedoch, da weder aus der Form nod) den Umständen die Absicht, zu beleidigen, hervor­geht, die Wohltat des § 193 des Str.-G.-B. zugesprochen, da er zweifellos in seiner Eigenschaft als Redakteur befugt war, berechtigte Interessen wahrzunehmen. Was die Wider­klage angeht, soll eine Beleidigung des Graswurm darin gefunden werden, daß Korell nach einer scharfen Charakterisierung des Rechtsanwalts Kalbhenn beifügte, dieser und Graswurm hätten sich gefunden, sie paßten zueinander. Die erwähnte Bemerkung lasse keineswegs dm Schluß zu, als sollten alle beleidigenden Be­merkungen auch auf Graswurm Anwendung finden; daher mußte n. d.Darmst .Ztg." auch in dieser Beziehung Freisprechung erfolgen.

M ünchen, 17. Mai. Im Hoftheaterprozeß kam zwischen den Parteien ein Vergleich zustande, der jedock) noch der Genehmigung des Prinzregenten bedarf.

Nürnberg, 17. Mai. Wie dieFränk. Tagesp." mitteilt, hat das Amtsgericht Kulmbach beschlossen, die Zeugniszwangshaft gegen den sozialdemokratischen Redakteur Schlegel bis zur gesetzlichen Maximalsrist von sechs Monatm, d. h. bis zum 17. Ot- tober d. I. auszudehnen.

vermischte».

'Wittgensdorf b. Chemnitz, 17. Mai. Ein entsetz­liches Liebesdrama spielte sich Tonnerstag hier ab. Tie Chemn. Allg. Ztg." erfährt hierüber folgendes: Ein O e st e ir­re i d) e r drang in die Wohnung seiner ehemaligen Geliebten Dal he, die ans Abneigung gegen ihn das Verhältnis gelöst hatte, ein und brachte ihr neid) einem heftigen Wortwechsel mehrere Stiche in den Hals bei. Aus die Hülieruse des Mädchens eilte em junger Mann herbei, worauf der Verbred)er das Mädchen nochmals be- drohte und sich dann, von den Hausbewohnern bedrängt, die Kehle durchsdmitl, so daß der Tod augenblicklid) eintrat. Tas schwer­verletzte Mädchen wurde nach dem Krankenhause in Chemnitz gebrndit.

* Mannheim, 17. Mai. Gelegentlich der am Pfingst­sonntag von Mannheim aus stattsindenden großen Ballon­wettfahrt werden von den Luftschiffern während des Fluges auch Ballondepeschen ausgeworfen werden, die sich in wasser­dichten Briefumschlägen befinden. Die Finder derselben werden gebeten, im Interesse der Sache die Kouverts zu öffnen und die darin befindlichen Telegramme dem nächsten Telegraphenamt zur Beförderung zu übergeben. Ferner wird gebeten, bie in verschie­denen Sprachen ausgestellten Fragebogen auszufüllen und dem darauf angegebenen Adressaten als Brief zu übersenden. Die Kosten der Telegrammgebühren und sonstigen Auslagen werden umgehend zurüderstattet. Außerdem erhält der Finder einer Ballondepesche noch eine Belohnung.

* Ein Automobilunfall. Als der Sohn des Auto- mo^ilfabrikanlen Clement auf der- Strecke der demnächst statt­sindenden Rundfahrt durch das Departement Seine-Jn- f e r i e u r e eine Ucbungsfahrt machte, schleuderte der Wagen bei einer Krümmung. Clement wurde getötet, der Chauffeur verletzt.

* Archäologische Entdeckungen in Rom. Wie aus Rom berichtet wird, erregen die hervorragenden Entdeckungen, die auf dem Palatinischen Hügel gemacht werden, in archäologischen Kreisen das lebhafteste Interesse. Obgleich die Ausgrabungen an der Stätte der kürzlich abgetragenen Villa Mills erst begonnen haben, sind sie bereits durd) die Auffindung der Kirche des St. Caesarius belohnt worden. Es war dies die Privatkapelle der ersten christlichen Kaiser, die seit dem 14. Jahrhundert völlig in Ver­gessenheit geraten und seitdem nie wieder erwähnt ivorden war. Man ertoanet von Diesen Funden noch die wertvollsten Ausschlüsse für die Kirchengeschichte. Die Regierung hat ferner die aus­gezeichnete Statue einer Priesterin, die in der Villa Nero zu Porto d'Anzio, die dem Fürsten Lancelotti gehört und "die als eins der hervorragendsten Werke griechischer Kunst in Rom gilt, erworben. Sie wurde nach einem Sturm entdeckt, als die See große Teile dieses Besitztums weggerissen hatte. 2> Werk soll im Diolletiau-Museum aufgestellt werden.

Ein Vorkommnis, das eines heiteren Anstrich? nicht entbehrt, kam vor kurzem in dem Orte E. in der Pfalz vor. Die Ziege einer Familie wurde stets von der Mutter des Hauses pünktlich gefüttert und gemolken. Eines Tages erkrankte die Mutter und war ans Bett gefesselt. Unser gutes Milchtier wurde nun von andern Händen gefüttert, aber mit dem Melken hatte e5 seine Hindernisse. Die Ziege ließ sich von keinem der übrigen Haus­bewohner zur Hergabe der Milch bewegen. Was nun tun? End­lich brachte man, als alles nichts half, das Tier ans Bett der Kranken, stellte es aus 2 Stühle und auf diesem Wege gab das Tier wieder die sür die Familie nötige Nahrung her zum Gaudium des ganzen Hauses.

* Kleine Tages ckironik. Tatjana Leontjeff, die Mörderin des Rentners Müller aus Paris, wurde wegen auS- gebrochener G e i st e s st ö r u n g der b e r n i s ch e n I r r e n a n st a 11 überwiesen. Im o st galizischen Bezirke Radworna steht ein über hundert Hektar umfassender Kiefernwald in hellen Flammen. Man vermutet verbrecherische Braiidstistung, zumal da der Wald an vier Seiten zugleich zu brennen anfing. Die Fabrikräume der Belföl-Quelle im luxemburgischen Orte Belfal mit den Lagern, Maschinen- und Privaträumen mürben durch Feuer gänzlich zerstört. Ter Schaden beträgt 100000Frs. Bei Montagearbeiten für die neue Kohlenwäsche auf der Emmagrube, welche die Königshütte ausführen läßt, sind der Schlesischen Zeitimg" zufolge gestern 6 Arbeiter verunglückt, zwei davon schwer. Jii der Mosel bei Palzem wurde eine weibliche gutgekleidete Leiche gefunden; der Kops steckte in einem Sack. In der Maschinenfabrik von Tengg in Wien explodierte der Riederdruckzilmder einer Maschine. Ter Maschuienrauin wurde arg demoliert und zwei Arbeiter todtlich verletzt. Bei einer Militärübung in Boos (Ungarn) wurde ein Infanterist, welcher als Feind gefangen genommen worden war, bei dem Versuch zu flüchten, von seinem Kameraden mit dem Bajonett erstochen. Zwei den mittleren Ständen angehörende 19 jährige Mädchen mürben bei Lübeck tot in ^ber Trave auf- gefunden. Tie Polizei nimmt gemeinschaftlichen Selbstmord an. Die Synagoge von O st - L o u d o n wurde heute morgen durch eine Feuersbrunst ernst beschädigt. Ter Brand brach un unteren Teile des Gebäudes aus. Rack) angestrengter Arbeit wurde die Feuerwehr des Feuers Herr und rettete die Synagoge vor vollständiger Zerstörung.

Grsgsiral-Drahtineldungen.

Hannover, 18. Atai. Hier herrscht feit heute morgen bei drei Grad Wärme andauernder Schneefall.

Wien, 18. Mai. Unter den gewählten Sozialdemo­krat e n befinden sick; zwei, die wegen sozialistischer Umtriebe aus Wien ausgewiesen worden sind, aber, wie dieArbeiter­zeitung" jetzt mitteilt, feit Jahren unter falschem Namen in Wien leben.

Paris, 18. Mai. TerEclair" berichtet: Ein römischer Diplomat habe in einem Interview über die AbrüstungS- frage erklärt, daß zurzeit bestimmt versichert werden könne, baß E n g l a n b nicht darauf bestehen werde, seinen AbrüstungS- vorschlag auf der Haager Friedenskonferenz zur Diskussion zu bringen. England fei amtlich informiert worden, daß Oester­reich und Deiitsd)land nicht bereit seien, an der Beratung teil- zunehmen, während Fraukreid; und Rußland sick) geweigert hätten, den Initiativantrag zu unterzeichnen. Unter diesen Umständen wolle fid) England einer sicheren Niederlage nicht ausfetzen.

T onger, 18. Mai. In Fez herrscht zur Zeit Ruhe. Die einzige Besorgnis des Sultans besteht augenblicklich darin, die Steuern einzntreibeii. Zu diesem Zweck hat er neue Kaids ernannt, welche nad) ihrem Amtsantritt mit größerer Energie als die bis­herigen die Steuereintreibluig vornehmen sollen. Man befürchtet jedock; als eine Folge davon den Ausbruch großer Unzufriedenheit bei verschiedenen Stämmen, welche mit Steuern überlastet sind.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag den 19. Mai: Aufheiterung. Meist trocken. Nachts kalt, am Zage langiame Erwärmung.

Für die Feiertage ist Aufheiterung und langsame Erwärmung in Aussicht.

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