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16/02/1907 Viertes Blatt
 
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Viertes Blatt

157. Jahrgang

Str. 40

Samstag 16. Februar 100?

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntag«.

Diefleßflttt $amillenbllrter" werben bem .tinAftqtr* viermal wöchentlich beigelegt, da» Krelsblati fUr de» Krell Stetzen" zweunal wöchentlich. Terhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Giierhejftn

RotanonSdruck unb Verlag der vrüblicher» Untocrfuäi« Buch- und Lieinbruckerei.

9L Lange. Lieven.

Redaktion, (Frpebuioii unb $ rüdem: SAul* strave 7. Expedition unb Verlag: Redaktion: 112. XeL-Wbcu AiizetgerEieß«.

g>cuiu für lu öiidje Zöo^LjuyUv- unk ^cimalpflrgf.

Heimatpflege durch Kriegetveretue.

Dor bem Deutschen Verein für ländliche Wohlfahrt-- und Lttmatpslege sprach am Donnerstag abend in Berlin Major a. T. £inDjkDl»biubolftaDl übet ,,Heimatpslege dura- Die Kriege iDer eine.

Lhuringen cjifüert ein Ziveigvercin De» Vereins für länd­liche ^obiiüyndn'iege, uiti> in diesem sei über die X)eimatüilegc durch Die MiiegetDereine gesprochen worden. Deshalb der Vor­trag. Es scheine paradox zu klingen: Soldat uns heimatpflege. Der Soldat haue lein bleibend Quartier. Das sei zur Zeit des biciüigtuijugcn Krieges schon wahr gewesen. Heule tonne man jagen: Der Reservist bat lern bleibend Quartier; er lach jiey aniüctben, wo er gerade ist, trotzdem er in der Heimat sehn­süchtig enuauet wird. Redner habe alS Hauptrnatin (Selegenocü gebaut, ins Reservistenherz zu ju/ducn und haoe daraus manuje teyie g»ezogen. Manchem Reservisten werde doch der Abschied siyver. gelier seien Leute zu ihm gekommen, die ihn geocleu hatten, ihnen eine Stelle in der Staat äu besorgen. Aus die krage:ALeshalb wollt Ihr nicht ins Dorf juiud?" ertlang Die 'antwort:Unsere Stelle ist besetzt." Das wat vieiiciu^ Düt 2U Zähren jo in Gegenoen, in Denen es lerne grochn urnki gab. Trotz Der Anhaiignu-keit Des biedners lur das Landleben tt damals seinen -umten m der ^.aoi Arbeit besorgen müßen. Qjt habe das ewig Weibliche auch schuld, bau uic

Bkicioiileii in oer Stadt blieben. Qjt halten Die Leute Dai spater bereut u nd Dies auch dem Redner geklagt. Allein u gebe noch andere Gründe, welche die Leute zuruclhtelt. So lang, ein junget Mann aus deut Lande lLinzelatbeiiet sei, der Uu frei mit Psetden und Geschirr hantieren löiine^ sei er stolz Wenn er aber sehe, daß in den Fabriken in der Stadl bet Ver­dienst grübet sei, schwinde Der Stolz. Worte eines aiten Bauern unb Soldaten wüiue Die landlia-e Bevölkerung verstehen: abet auch die itriegetDcreine mutzten das Lana, das Fun bament und den Uruqcll unserer Kraft stützen und Düfui sorgen, daß die jungen Leute, welche zum Militär komme», wieder aus« Land z u t ü a k o m m e n. Tie Arbeit der stiicgeroereine uiüsje schon vor Dem Eintritt ins Meer beginnen. Die Soldaten, welche eine Liebste hätten, kehrten schon zurück, duuiük anderen aber sehnten sich nach Geselligkeit, Deren Wert fU in Den Kasernen hätten kennen lernen. Die Pflege dci Geselligkeit, wie sie Den jungen Leuten bekömmlich sei, mune des ha.b von den Kriegervereiiien gesördert werden. Zn den monai« lichcn Sitzungen mutzten patriotische, belehrende uno huniotisllsch. Lvilrage gehalten werden. Geistliche und Lehrer toütden iiu, sehr ojl zur Betsügung stellen. In nah gelegenen Dörfern konnten sich die ftiiegcruetcinc zusaminentun uno Redner gewinnen. Bcssn aiä das Vorlesen sei aber das Erzählen, und da tun ule» die Veteranen aus ihren Erlebnissen etwas zum besten geben. T>c Jüngeren konnten übut die militärischen Fortschritte, übet Die neueie Taktik, Fultkentelegraphie ufw. berichten. Auch der £)umoi möge zu seinem Rechte kommen. Wie es in jeder Kompagnie Spaßmacher gebe, so doch auch wohl in jedem Dorfe. Tie S>aupt- fadx sei, dass Die jungen Leute, bevor sie eingezogen würd.n, auch schon an den Versamnilungen teilnehmen. ES mutzten auch würdige Rekrutenabschiedsscste veranstaltet werden. Dadurch würden Du böDen Dun der Garnison nach der Heimat gezogen. Die Leute mußten durch Die von Den Kriegervereinen veranstalteten Festlich- ketten Die Uebcrjeugung gewinnen, datz eS aus bem Dorse die- selben Veranstaltungen gebe, welche die Stadt biete. Tie Fest- Meilen dürsten allerdings nicht nur Tanzabende sein. Trotzdem mußten die jungen Leute ihre Bräute mitbringen dürfen. Tie Kriegervereinsvorstände müßten mit den Spitzen der Behörden Föhlu-ig nehmen. Wenn sie e5 nicht tun, machen es andere Vereine, die sich auch Bildunpsvereine nennen,die aber mit bau, was wir Bilbung nennen, md/td zu tun hauen". Das Gute sei, bay in ben SiriegetDereinen alle Stände vertreten seien; dicie Stände müßten aber auch an den Festlichkeiten tcilneh.nen: da- durch werbe auf bem Lande wahre fiannonie und Heimatsliebe et- jeugt. Tie Slricgcrnereine müßten der Sauerteig sein, welcher das ländliche Leben durchdringe, und für Heimatssinn und Heitnats- stolz sorgen; daraus werbe die Heimatsliebe erwachsen. Wenn die Kriegervereine in diesem Sinne wirken, seien sie die beste Stütze, der beste Hort des deutschen Vaterlandes.

*

Landrat Dr. Hagen-Schmalkalden referierte über das ao.iba).

Wenn Redner die Forderung stelle: Für jedes Dorf ein Bad! so wisse er wohl, baß iia> diese Forderung auch in zehn Jahren nicht burchführe.i laue. Redner habe sich die Ausgabe gestellt, in seinem Streife Volksbadce ei, Anrichten; Die Grundlage bilde das Schulbrausebad. Es entspricht allen Anforderungen.

ES ist kein besonderes Gebäude erforderlich; Die Aussicht ist leicht und cs läßt sich zu einem Volksbade entwickeln, ^abei ist Die Uniage billig. Das Baden werde meistens saiuitaliv (ein; wo eS Die Verhältnisse gestatten, müsse es aber obiigatoriid) werben. Alle Hygienischen Einrichtungen müssen voroanDen sein unD Diu Aiiibcr ftcunoaaj behandelt und zur Reinlichleit und Wohianstun- oiglcu erzogen werben. Tas So/ulbad lann auch ein Bad m Fiuß, Bach, Kunstgraben, See unb Teicp sein. Tunllchst ist Schivimmgeitgenheil zu schassen. Mit dem ländlichen Schulbad lann ohne Sujwierigkil ein keines Bolksbad verbunden werden. Ciniadje Badeeinria-tungcn lassen sich im Anschluß an das Ge- meu.dehaus, Spritzenhaus, Backhaus usw. Herstellen. Fabrik­besitzer werden selbst ein Bad anlegen.

Zweiter stleserent in der Frage ist Pfarrer Loeber-NeiDharlS- Hausen in der Rhon. Ur wies aus die Sauvierigkeilen hin, welche der ZDce des Volksbadcs von weiten Schichten Der Bevölkerung bereitet würden. Aber diese lassen sich überwinden. Redner hat im Anschluß an eine ncuciäauic Koujschulküchc einen B^de- raum sur sein Tors geschassen. Tas erste Bad sollte sür die Bc- ivohncr gratis Derabiulni werden; aber es kam niemand. Rach drei Woa-cn kamen ^Mittags zwei halberwachsene zu baden. Als Redner nach 1U Stunden nach diesen sah, waren sie wohl frisiert, im Badewasser faßen aber Drei andere. Unb nun stritt die Sache allmählich sort. Mil einem SHulbob komme man nicht überall durch, der Bauer sei ost mißtrauisch, weil seine Gutmuitgkiii ost ausgebeutet worben sei. Jetzt besarustc er, daß er bei Neuschaffungen zahlen und immer wieder zahlen müsse. Trotzdem lassen sich Bolksbäder schassen.

Ezzellenj Thiel weist daraus hin, daß England uns in der 3tage der Volksbader weit voraus sei, und macht auf den folgenden musikalischen Vortrag aufmerksam.

To if musik.

Zn dem Arbeitspläne deS Vereins heißt eS: Es muß wieder eine Tinnige Fröhlichkeit m unsere verödeten, in geselliger Hinsicht geradezu verarmten Dörfer einkehren. Ern wesentliches Mittel Dazu ist ihm Die Pflege der Musik. Musik ins Tors! hecht darum Die Carole des Vereins. Ta er aber alle seine Ausgaben an praktischen Beispielen zu veranschaulichen pflegt, so hatte er zwei Musikanten au-J Dem Erzgebirge, Die beide Die Dörfliche Musik und Tichtung in geradezu einzigartiger Weise vertreten, herangeholt: Den Heimat- uiagct unb VvikSsänger Anton Günther aus GotteSgab unb Den vanDDarnionilaivtcier Hans ßiener ans Platten. Wenn es bem Berern inßbefonbere Darauf auf am, zu zeigen, wie man mit Der HanDharmonika schöne musikalische Wirkungen erzielen lann, und wenn er so gewissermaßen für Die auf Dem Lanbe auch schon ein wenig in Mißkrebit gelummene Hanvharmonika eüureten wollte, so ist dieser Zweck vollkommen erreicht. Ziener kann mit Fug unb Recht als ein Meister im Handharmonikaspiel bezeichnet werden, wie er Denn auch Die finnigen Lieber-Vorträge von Anton Günther in geradezu meisterhafter Weise begleitete.

Heinrich Sohnrey auierte sich in drastischer Wecke dahin, daß man diesen Handharmonikaspieler in Die großen StäDle schicken sollte, Damit er Die Tausende von bekümmerten Leute, Die in un- bedachter Weise vom Lande fortgezogen sind, ohne in den Städten das Gluck zu finden, wieder heimgeleite in Die Torfheimat. In der Tat charakterisierte er Damit ebenso drastisch wie richtig Die Wirkung dieses HanDharuivuikasp'.els.

So berichtet dieDeutsche TageSztg.".

Der RufMusik inS Dors" ist jedenfalls sehr verständig Jeder kennt Die anregende, erfrischende Wirkung Der Musik auch auf Nichtmusilalische. Was waren unsere Soldaten auf langen, beschwerlichen Rtärschon ohne Die Belebung durch ein Lied! Aber man muß auch wirkliche Musik ins Don bringen. Ein einiger­maßen auZLebtldBes Quartett von Geiangsstli.uncn, cm aefälliger ier- oder Harmoniumvortrag ist wohl überall, auch in den kleinsten Dörfern, zu ernwgiiüjea unD jeoeiiialld den schließ.ich widerwärtig Ireischcnden, das Gehör verderbenden mechanischen Jnjiruincnten vorzuziehen. Ten ^anb-jarmonitaimelcr aus uem Erzgedtrac sollte nun in die großen Städte schicken, damit er bie Tausende von Leuten, die in unbedachter Weise vom Lande 'ortgezogen sind, ohne in Den Städten Glua zu unDcn, wieder Ijcimgeleite in die Dor,Heimat. ... Es braucht nicht getobt eine Harmonika zu fein, um Die Leute ans Dors zu feil ein. Tie Hauptsache ist, Duß überhaupt für die Psiege der Musik, ein» jacher, aber guter Musik, au, bem Lande etwas getan wird.

Börscu« Wochcubcrtcht.

Frankfurta. M., 15. Febr.

Während Die Haltung der Newoorket Börse in der letzten Zeit ungünstig aus die Lntinentalen Mänte einwirfte, wehte diese Woche gerade von drüben ein etwas beiierer Wind Der Schatz- ietrtiär kam dort dem Geldmarkt etwas zu Hulse, indem er sich bereit erklärte, 25 Millionen Dollars Bund.'sbonos sofort

em-uldsen. -^) die bu:<urm ocs Rmendanlweckns Lomuit Drüben cnblio in Flug und Dioutw etv nen sich er.r.s ircunDi.dcre Aussichten ftr den i.merikanisu!en Eeldmarlt. Unter diciem ll.n- fluij Lunte sich die Tendenz m Wa.l Street roeuigiKn» vor..i<r> gehend ctwos bessern. Hier haben aber nur amerdam|üK Eu.n- oahnaktiin davon profitieren lönuen, un übrigen war Der Markt lusi.^s uie juivr Die Lage umetee Geldmarktes laut immer iwa# ntu;t zu, * u.c opduiutwn aus sich h.rausge. t Die SleichSbank, Deren Position noch recht schtvach in. i^rdt btetc Sotbe zur b.cdiSkontierang von Sc^atzivecoscln, eincSteU» um Hd) erleichtern und g.eiujjcit.g einen o übler auisuiucucn, lue weit Der u11ine Äiarit oumabi.tciuuig i|i, ounn aauj, um n.u^ eine weitere Virjlljieoung der Weiuseitarie zu Ungunitcnxeultuj- lands auiLmmin zu ia,scn. jowr. ^og aber der Vrivatd.Swnt an nnd schlieg.ich vrrh.i.t.lich Der Markt dem Angebot gegenüber sogar ablcmicnd. Line gemtiic Beritiminuiig er.eugte auch Der uiuagang Dir wr inen werte an den Weirvöricn, Der nut den etwas iMwacperen Januarausbeut^n begründet würbe, loohl aber auu) mu den Wahtag.t-tioncn zusammiiihangen Durite, end.ich Die Schwäche des tzi u s s e n m a r kt e S, d. i einer ganzen Sie ihr von ungünstigen Einflüssen ausgesetzt war odwn die lujswi.en im iranzöiiichcti Varlanieitt über Die Finanzlage mutz- lands veranlagten Abgaben des jranzösiiä-en PublilumS, dazu lamcn die jetzt stör.er beroortretenben oa)uDen Der Hiigeritte nn Jluroen des biciüjca und der Ausfall Der Wahlen zur Duma, an welcher Du ubwiuonc.kn Ulcmei.te lur^et veitreten sein werben, als man bisher angenommen hatte. Wenn man die- altes verücksichtigt, Dann mug der Kursrüitgang von ettva 1 'dio;., dcn D.e ruiiim,tn FonDs er.Uten haben, a»s ein >ehr mäßiger bezeick n.'t werden, iatiadjlidj war der verönentBchte nasienausweis^ sehr guniiig, and) Die Tatsache, Daß die innere Anleihe von den epav- Lajfch btd Landes schlank auigcnummen wurde, machte guten Um* druck. Von auSländifchen Fonds waren oau ^auto neuere d.iigs über 1 Vrui- niedriger, weil Die Durchiührung des Jtanee- volurisationsgesetzcs auf Situier.gkeiten schtzt; auch Deulidje Funds waren niedriger. Der Banken markt war wenig angeregt, irotzdem Die mrösser.t.ichten Bilanzen befrieb.gtcn xie Rauuiial- üant |.r Deutschland erpoht Die Dividende von 7 Pro- aui 7»/, Brozent, die Öiiierr. Stieodanftalt voi» b * Vroz. aui ü-,» oruj. Bahnen im ganzen fest. Von Montanpapieren fliegen itonlorDia 20 Proz. Ter Abschluß soll Die Verteilung einer wesentlich bvijeren Divid^iide genatten. Dann tarnen auch Fuiions- gcrüchte in Umlauf, sür die aber keine Bestätigung |U erlangen war. Deutsch-Luxemburger uno Eschweiler je 3 Proz. Von sonni­gen I n d u st r i e p a p i ere n fielen Kunstseide 20 Proz.; vov. aussichtlich kommt eine nicDngerc Dividende als im Vorjahr rur Verteilung, weil ein Teil des Gewinnes zu RelervestellungeA ocnutzt werden soll. Privatdiskdnt 4*,* Proz.

(Scrid?t»faaL

Ciegnih, 15. Febr. Gegen Die früheren flroangBcr- ziehunaszoglinge Adolf Großer und Paul Hoboy wurde vor dein edjwurgeridjt wegen TI o r b e verhandelt. Cie hauen am 27. November auf Dein FelDe ihren Tienstherrn, Den Gutsbesitzer kupptld) in Herzogswaldau, ermordet, angeblich, weil sie von ihm schlecht behandelt worden waren. Ter Ibjahnge Großer wurde zum Tode, der 17 jdljrige Hodvy zu 15 Jahren Ge'ängmS verurteilt.

Fainilien-Nachrichtcn.

Verlobte: Fräulein Helene Bangert in Butzbach mtt Herrn Wilhem Hanstein in Holzheim Fräulem Marie Ruhl in MeicheS nut Herrn Giistav Boizuig tn Groß-Üelda.

Geltorbene: perr Lehrer Paul Becker in Wetzlar. Herr Philipp HoU in Wetzlar. Frau Elisabeth Roth, geb. Hügelheuns m 'Harburg. Frali Johanna Sattler Ww., geb. Heller in Wetzlar.

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Louys Blerkcllcr

OM8:lifatioi5=örrfammlnn5tu durch Herrn Pred. Weis» vou der deutschen Zelllniisiou statt, wozu jedermann freundlichst emgeladen wird.