Ausgabe 
18.5.1907 Erstes Blatt
 
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werben. Die Umlegung erfolgt auf dem Wege der Feld- bereinigung. Es werben Parzellen von 500 qm bebaut werben bürfen, baS übrige muß Garten bleiben. Die bereits bestehendeGartenstadtvereinigung" hat bie Eigenschaft einer juristischen Person erworben, und wirb mit bet Stabt bie ersorberlichen Verträge abschließen. Die Art bet Bebauung regelt ein besonberes Ärtsbaustatut. Die Häuser sollen ent­weder nur mit Erbgeschoß und einem Obergeschoß ohne bewohnbarem Dachstock, ober einstöckig', mit bewohnbarem Dachgeschoß gebaut werben. Bewohnbare Hintergebäube sind nicht gestattet. Um den Bau- bezw. Mietpreis mög­lichst niebrig zu halten, würbe von Kanalisation für Fäkalien Abstand genommen; baffir sinb Gruben gestattet und für Regenwasser ist Tonleitung vorgesehen. Arn Walb entlang sind Parzellen von 1000 qm geplant. An ber Einmünbnng des Hohlenwegs zur Fasanerie, wo bereits jetzt ein kleines Eingangstor steht, soll ein großer portalartiger Toreingang errichtet werben. Ein Teil des Geländes wird bereits für den Herbst zur Bebauung freigegeben. Professor Olbrich hat bie Errichtung einer Anzahl Häuschen für bie nächstjährige Landesausstellung projektiert.

RB D at m sta d t, 17. Mai. Die Firma Konrad Appel hier wurde auf der Internationalen Ausstellung in Christchurch (New-Zealand), die vom 1. November 1906 bis Ende April 07 währte und woselbst die Firma mit Ausstellung ihrer Samenspezialitäten hervorragend beteiligt war, mit einer ersten Auszeichnungder großen silbernen Medaille" bedacht.

O R o d h e i m a. b. Bieber, 16. Mai. Der Tag ber Gauturnfahrt bes GauesHessen rückt immer näher. Der hiesige Männerturnverein hat dieselbe 14 Tage nach Pfingsten, Sonntag, 2. Juni, vorgesehen. Nach dem Pro­gramm wirb bas Fest am Vorabenb burch einen Kommers ein geleitet Am Sonntag von morgens 10 Uhr ab findet Empfang ber auswärtigen Turner und um 11 Uhr die Sitzung ber Kampfrichter imGasthof Stork" statt. Nach­mittags 1 Uhr wirb ber Festzug an ber Straße nach Fellings­hausen aufgestellt. Der Festpmtz ist unmittelbar hinter dem Dorf an bem Wegettfid) Bieber gelegen. In seinem Hinter- grunbe erhebt sich ^'.r Dünsberg, auf dessen Gipfel bie Turner bes Gaues ^chon wiederholt zu Wettkämpfen ver­sammelt waren. MS Turnübungen sinb Stabübungen unb volkstümliches Wetturnen bestimmt. Um ben Tag auch zu einem echten Volksfest zu gestalten, ist für Konzert, Tanz unb Belustigungen bestens gesorgt. Zum Schlüsse sei dar- auf hingewiesen, baß alle Züge ber Biebertalbahn birekt am Festplatz halten werben.

p. Rechtenbach (Kreis Wetzlar), 18. Mai. Sämt­liche Jünglingsvereine bes Kreises Wetzlar feiern am zweiten Pfingsttage in Rechtenbach ein Kreis-Jünglingsfest. Als Festprediger haben u. a zugesagt: Pfarrer Engel­bert - Duisburg und Pfarrer Tanz zu Elberfcld-Sonn- born.

-a- Dillenburg, 16. Mai. Königin Wilhelmine der Niederlande hat zum 300 jährigen Todestag ihres ylhnen, des Grafen Johann VI. von Nassau-Dillenburg (8. Oktober 1906) die Mittel zu einer Gedenkplatte an die Fürstengruft in der hiesigen evang. Kirche gestiftet. Am nun Anregung zur Renovierung der Gruft zu geben, wandte ssch der hiesige historische Verein an den Kaiser, da in den Eltern Wilhelms des Verschwiegenen auch Ahnen des Kaiserhauses ruhten. Nach ber Besichtigung burch eine Kommission ber Wiesbabener Regierung ist bem hiesigen Lanbvatsamt aus bem Ministerium ber Bescheib zu- gegangen, baß bie Fürstengruft auf höhere Weisung hin renoviert werben soll. Es ist somit begründete Aussicht vor­handen, daß die Gruft der Ahnen zweier Königshäuser in einen würdigen Zustand versetzt wird.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 17. Mai. Diebstahl im Rückfall.

Ein Mensch, ber es auf das Eigentum seiner Kameraden abge­sehen hat, ist der 26jährige Dicnstknecht PH. R. aus Rod - heim v. d. Höhe. Er ist bereits in den letzten zwei Jahren durch kriegsgerichtliche Erkenntnisse wegen Diebstahls zum Nach­teil von Kameraden verurteilt und in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt worden. In der letzten Zeit befand er sich bei einem Müller in Okarben. Nachdem er in Erfahrung gebracht hatte, daß einer seiner Zjmmergenossen seine Ersparnisse in einem Schließkorbe ausbewahrt, benutzte er dessen Abwesen­heit, um ihm einen Betrag troit 212 Mk. zu entwenden, indem er den Deckel des Korbes in die Höhe bog und durch Hinein- greifeu das Geld herausholte. Er machte sich sofort auf den Weg zur Bahn, um nach Frankfurt zu fahren und begegnete unterwegs dem Bestohlenen, der sich seine Eile nicht erklären konnte. Als er auf das Zimmer kam und den Diebstahl entdeckte, veranlaßte er die Festnahme des Diebes durch telephonisches Ersuchen der Eisenbahnbehörde. R. wurde noch vor seiner Ankunft in Frank­furt verhaftet und es fand sich noch der gaiue gestohlene Betrag bet ihm, der dem Bestohlenen wieder behändigt werden konnte. Der Angeklagte wurde wegen Diebstahls im Rückfall zu 1 Jahr Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust verurteilt, auf welche -strafe öter Wochen der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet werden.

Irr der Lhlvesterstimmung.

Ein von der Staatsanwaltschaft angefochtenes Urteil des Schösfengertchts Nidda sand seine Bestätigung. Wie aus dem vorgelefenen Urteil der ersten Instanz zu entnehmen war, befand sich in der Silvesternacht der Hausbursche R. O. von Nidda in einer dortigen Wirtschaft. Es wurde auf einen dort anwesenden Gendarmen gestichelt und es fielen nach und nach Bemerkungen, sodaß sich dieser veranlaßt sah, Anlaß zum Feierabendbieten zu geben. Das Lokal wurde daraufhin verlassen, aber die Gäste blieben auf dem Marktplätze stehen und verübten durch Schreien, Brummen, Nachahmen von Tierstimmen u. dgl. einen solchen Lärm, daß alsbald Gendarmerie, Polizeidiener und Nachtwächter zur Stelle kamen. Die Beamten wurden umringt und burch Hänseln und Werfen mit Schneeballen weiter belästigt. Der Gendarmeriewachtmeister forderte die Leute auf, den Platz zu ver­lassen und als keine Folge geleistet wurde, griff er alsbald nach £J., der zufällig fn seiner Nähe stand, und drängte ihn zurück. Dieser verbat sich das Anfassen und stieß den Wachtmeister zurück, indem er bemerkte, er habe sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht. Der Wachtmeister gab hierauf dem Polizeidiener Be­fehl, O. festzunehmen und in das Rathaus einzuschließen. Er fetzte aber seiner Festnahme Widerstand entgegen, indem er den Poltzeidtener umllammerte und ihm den Mantel zerriß, aber schließlich llev er sich doch in das Rathaus verbringen, wo er emgeschlosfen wurde. Nachdem sich die Leute zerstreut hatten, wurde er wieder freigelassen. Das Schöffengericht erblickte hierin keinen ftrafbaren Widerstand: wenn die Beamten sich auch in rechtsmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden, so war die Fest­nahme doch lerne rechtmäßige, denn die Freiheitsentziehung war weder zum eigenen Schutz des Angeklagten, noch zur Verhin­derung der Fortsetzung strafbarer Handlungen erforderlich, da der Angeklagte keinerlei strafbare Handlungen begangen hatte, sondern sich lediglich als ruhiger Zuschauer auf der Straße be­fand. Selbst wenn sein Verhalten als Widerstand auszufassen gewesen wäre, war trotzdem Freispruch geboten, da ihm zweifel­los der zur Strafbarkeit erforderliche Vorsatz gefehlt hat. Da er sich keiner strafbaren Handlung bewußt war, mußte er zu ber

Ansicht gelangen, das Vorgehen der Beamten sei ungerechtfertigt. Wenn er passiven Widerstand leistete, konnte er sich dazu vollauf berechtigt fühlen. In der Berufungsinstanz wurde zwar fest- gestellt, daß in Nidda viele Exzesse vorkommen und dieserhalb von dem Kreisamt verschärfte Verfügungen an die Polizeiorgane ergangen sind. Aus diesem Grunde hatte die Staatsanwaltschaft ein besonderes Interesse an der Verurteilung des Angeklagten. Das Berufungsgericht war aber mit der ersten Instanz einig, daß nur ein Exzedent festgenommen werden kann; dem Angeklagten konnte aber eine zuvor begangene strafbare Handlung nichts nachgewiesen werden, weshalb seine Festnahme als ungerechtfertigt angesehen werden mußte. Unter diesen Umstünden müßte das Urteil b e it (f t i g t werden.

Vier Monate für ein Paar Schuhe.

Beim Besuch eines Kameraden stahl der Dienstknecht A. S. aus Diugken einem Landwirt zu Steinfurth ein Paar Schuhe. Er hat bereits mehrere Vorstrafen, doch hätte er bemahe die den Rückfall ausschließende zehnjährige Frist des Wohlverhaltens ein­gehalten. Dieser Umstand und der minimale Wert des Gestohlenen gaben Anlaß, von der verwirkten Zuchthausstrafe abzusehen. Es wurde auf 4 Monate Gefängnis, unter Aufrechnung von 2 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft, erkannt.

Gevichtssaal.

Butzbach, 17. Mat Vor dem hiesigen Schöffen­gericht hatte sich gestern der Gastwirt Z. wegen Duldung des gewerbsmäßigen Glücksspiels zu verantworten. Der Hauptbelastungszeuge mußte nach feiner Vereidigung zugeben, daß sein Protokoll vor dem die Untersuchung seinerzeit führen­den Richter in vielen Punkten unrichtig sei. Es konnte durch Vernehmung einer Reihe anderer Zeugen auch festgestellt werden, daß der Wirt feine Gäste vor dem Spiel in seinem Lokal ver­warnt hatte. Trotzdem der Amtsanwalt eine wesentlich höhere Strafe beantragt hatte, kam der Wirt mit einer Geldstrafe von 10 Mark unb Tragung der Kosten des Verfahrens, die allerdings nicht unerheblich sein dürsten, davon.

0 Marburg, 17. Mai. Daß man im Kuhstalt keine Gedichte verfassen soll, mußte auch ein junger Bursche aus dem Ebsdorfer Grund erfahren. Dieser sandte einem jungen Mädchen, dem er einmal eins anhängen wollte, einen ano­nym e n B r i e f, der in halsbrecherischen Neimen, die er wie er heute vor Gericht angab, im K u h st a l l geschmiedet hatte, Beleidigungen für die Adressatin enthielt. Tas Gericht gab ihm Gelegenheit, im Gefängnis acht Tage über sein Kuh­stallsgedicht nachzudenksn.

I. S. Leipzig, 16. Mai. Zwei Todesurteile hat oas Reichsgericht wieder bestätigt. In ber Grunauer Gist- morbaffäre hatte das Schwurgericht Hirschberg i. S ch l e s. am 16. März nach mehrtägiger Verhandlung bie Chausseewärterfrau Feige aus Grunau wegen Mordes in zwei Fällen, an dem Arbeiter Janitschek und der Frau Brückner, für schuldig er­kannt und zum Tode verurteilt. Der Angellagten war noch zur Last gelegt, außerdem ihre Schwägerin und ihre Stief­mutter durch Arsenik getötet zu haben: doch haben die Ge­schworenen diese Schuldfragen verneint. Die Angeklagte hat aus Habsucht gehandelt, um die Getöteten, die bei ihr wohnten, zu beerben. Gegen das Urteil hatte die Angeklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt, welche die Fragestellung an die Geschworenen bemängelte. Der höchste Gerichtshof hat aber keinen Fehler oder Rechtsirrtum in dem Urteil finden können und die Revision wurde verworfen. Vom Schwurgericht Posen war ber Schmied Franz Kramer aus Chojno (Kreis Wronke) zum Tode verurteilt, weil er am 1. November v. Js. am Nadzischewoer.See den Förster Kian erschossen hat. Der mit- angellagte Fischer Johann Kramer wurde wegen Beihilfe zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Tie beiden Angellagten, welche Wilderer sind, hatten schon zu verschiedenen malen Andeutungen gemacht, daß sie dem Förster Sian, der stets hinter ihnen her war, einmal eins auswischen würden. Am Morgen des 1. No­vember radelte der Förster auf einem Holzzufuhrwege der Försterei Pfaffenberg und wurde von Franz Kramer gesehen, der auch gestanden hat, auf feinen Feind Schüsse abgegeben zu haben. Johann Kramer leugnet jede Teilnahme. Gegen das Urteil hatten beide Angellagte Revision eingelegt. Das Reichs­gericht hat die Revision des Franz Kramer verworfen und da­mit das Todesurteil bestätigt. Das gegen Johann Kramer er­gangene Urteil wurde aber, in Uebereinstimmnng mit dem An­träge des Reichsanwalts aufgehoben und die Sache insoweit an das Schwurgericht zur nochmaligen Verhandlung zurücwer- wiesen.

ICitieft und Wissenschaft.

Für die Gründung einesniederdeutschen Archivs* ergeht der Ausruf eines Komitees, dem u. a. Wilhelm Raabe, Friedrich Spielhagen, Ernst von Wildenbruch, Hermann Sudermann, Freiherr Rochus von 2 i l i e n c r o n, Thomas M a n n, Max D r e y e r und Georg Engel als Mit­glieder angehören. Der Ausruf lautet: Tie Statistik hat vor kurzem eine herbe Gewißheit verbreitet. Tie plattdeutsche Sprache, das gemütvolle Idiom Fritz Reuters, das frische, kräftige, bilder­reiche Niederdeutsch liegt iin Verscheiden. Schon hat sich der Dialekt in immer engere Kreise zurückgezogen, bald wird er gänzlich ver° schwanden und vergessen sein. In dieser Not der Stunde hat die königliche Universitätsbibliothek zu Greifswald einnteber- deutsches Archiv" gegründet, in dem alle Denkmäler der platt- deutschen Mundart, die ältere Literatur sowohl wie die neueste, kurz alles, was je von niederdeutscher Kunst, von niederdeutschem Sein und Wesen Zeugnis ablegte, zusammengesaßt werden soll, damit auf diese Art das Gedächtnis des einstmals so blühenden Sprachstammes für die Forschung und die Späteren erhalten bleibe. Tas Komitee hat sich zusammengesunden, um alle, denen dasbehagliche Urdeutsch", rote es Goethe nannte, jemals an Herz und Gemüt gerührt hat, aufzusordern, das niederdeutsche Archiv zu Greifswald für seine umfangreichen Erwerbungen durch eine Geldspende auszurüsten und soinit ein geistiges Denkmal türmen zu hellen, rote es das Vaterland in dieser Besonderheit noch nicht besitzt. Möge dieser Ruf tticht tmgehört verhallett. Die Beträge sind unter der AdresseNiederdeutsches Archiv" an die Dresdener Bank Depositenkasse E, Berlin W 50, Kurfürstettdanun 238 zu richten.

Börsenwochenbericht.

Frankfurt a. M., 17. Mai.

Der festere Zug, ber vorige Woche burch die Börse ging, hat sich rasch wieder verflüchtigt; an dessen Stelle ist Mattig­keit und Verstimmung getreten. Die Steigerung der Ge­treidepreise, hinter der man anfänglich eine gute Dosis spekulativer Mache witterte, hat angebauert und damit wurde dokumentiert, daß der Bewegung ein ernster Hintergrund nicht fehlt. Wenn der Eintritt guter Witterung auch noch manche Scharte auswetzen kann, so rechnet man doch bereits mit einer wesentlich schwächeren Welternte und befürchtet davon eine un­günstige Rückwirkung auf das gesamte wirtschaftliche Leben. Dies mußte natürlich die Effektenmärkte verstimmen. Dazu kam dann noch, daß auch n-uf dem Geldmarkt bie Verhältnisse sich toieber ungünstiger gestaltet haben, was eine Herabsetzung der Diskontoraten wieder mehr in die Ferne rückte. In London ist Privatdiskonto zwar nur auf 33/is Proz. gestiegen, bei uns aber bis tarnf 4»/t Proz. Zum Teil mag bte Auflösung des Konsortiums für die 3Vs Proz. Reichsanleihe und Preußischen Konfols schuld daran fein, denn für die Abnahme ber zur Ver­teilung kommenden Stücke müssen Mittel mobilisiert werden, was bei der gegenwärtigen Verfassung des Geldntarktes nicht ohne Einfluß auf den Zinsfuß bleiben kann. Ein Teil der Mit­glieder des Konsortiums schritt aber auch zum Verkauf der ihnen zugefallenen Titres, um aus diesem verlustbringenden Geschäft herauszukommen und dadurch wurde ein empfindlicher Truck auf 3VsProz. Reichsanleihe und Konfols ausgeübt. Von un­günstigem Einfluß auf die Effektenmärkte waren auch die Aus­sperrung der Bauhandwerker in Berlin, der drohende Streik der englischen Eisenbahnarbeiter, die Streiksunruhen in Tran->- vaal _unb ber Ausfall der österreichischen Reichsratswahlen mit bem starken Anwachsen ber .Sozialdemokratie. Der einzige Licht­

punkt war bie große Güterwagenbestellung der preußisch-hess. Eisenbahngemeinschaft, die der deutschen Industrie für längere Zeit Beschäftigung sichert. Aber dies reichte nicht aus, um die vielen ungünstigen Faktoren zu paralysieren. Die Kurse be­wegten sich bei schleppendem Geschäft vorwiegend abwärts. Neben deutschen Fonds waren auch fremde schwächer, besonders Russen und Ungarn. Banken meist 23 Proz. niedriger, ebenso Schiffahrtsaktien und Bahnen matter, nur Westsiziliancr zogen 2 Proz. an, weil der Staat den Betrieb der Bahn jetzt übernimmt. Bei Monranpapicren bewegen sich die Kursrückgänge zwischen 3 und 6 Proz. Andere In- d u st r i e p a p i e r e waren gleichfalls vorwiegend schwächer. Kunstseide verloren 10 Pro;., Wittener Stahlrohren 8 Proz., Mannesmann 5 Proz., neue deutsche Gold- und Silberscheide- anstalt stiegen auf den über Erwarten günstigen Jahresabschluß 25 Proz. Derselbe gestattete die Erhöhung der Dividende von 22 Proz. auf 30 Proz., dabei wurden für Mehrdotierung ber Reserven und Erhöhung des Vortrages 13 Proz. des Aktien­kapitals aufgewendet und daneben für Tantiemen noch mehr als 9 Proz. des Aktienkapitals. Helios-Obligationen stiegen 3 Proz., weil jetzt eine Verständigung wegen Reorgani­sation der Petersburger Gesellschaft für elektrische Anlagen unter den Interessenten erzielt worden sein soll.

Märkte.

Gieße«, 19. Mai. Marktbericht. Aill heutigem Wocbemnarkte kosteten: Butter pr. Pkd. 1.201.30 Mk., Hühnereier 1 St. 60 Psg., 2 Stck. 1100 Psg., Gänfceier 1000 Big., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p. Pid. 18-24Pfg, Linsen p. Psd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,80l,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Alk., Enten pr. Stuck 1,802,20 Mk., Gänse or. Pid. 0000 Pfg., Ochseufleisch pr. Pfb. 8288 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6476 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 8090 Psg., Hammelfleisch pr. Psturd 6484 Psg. Welsche per Psund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,009, Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 10,0012,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel per Zentner 20 bis 25 Alk., in Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stück 5000Big., Birnen per Psd. Mk.0.200.25, ver Ztr. 915 Mk., Weißkraut per Stück 1530 Psg., per Zentner Akk. 0.00-0.00. - Marktzeit von 71 Uhr.

ÄllSjllg KUS Den HtsudksaiulsrkMru der ätsdt Gießen.

Aufgebote.

Mai. 11. Wilhelm Erb, Kanalarbeiter, mit Margarete Hettrich, beide dahier. 11. Christian Warlich, Schlosser, mit Elisabethe Heidt, beide dahier. 13. Johannes Ott IV., Bremser in Leihgestern, mit Wilhelmine Hermann, geb. Schade, dahier. 13. Adolf Levy, Kaufmann in Triburg, mit Klara Rosenthal dahier. 13. Wilhelm Müller, Schneider, mit Katharine Kloos, beide dahier. 13. August Juncker, Bahnarbeiter in Wieseck, mit Margarete Borck in Fron- Hausen. 14. Ludwig Thomas, Expedient, mit Elisabethe Pfaff, beide dahier. 14. Heinrich Müller, Kellner dahier, mit Lldia Krause in Charlottenburg. 15. Johann Stammel, Schneidermeister, mit Luise Alt, beide dahier. 16. Ludwig Wahl, Heizer, mit Emma Distel, beide dahier.

Eheschließungen.

Mai. 11. Herbert Plehn, Rittergutsbesitzer in Josephsdorl, mit Magdalene Vossius dahier. 11. Ludwig Braun, Buchbinder dahier, mit Marie Stock in Treysa. 16. Ludwig Kröll, Kaufmann, mit Auguste Väth, beide dahier.

Geborene.

Mai. 4. Dein Gärtner Johannes Heß ein Sohn. 5. Deut Oberingenieur Heinrich Müller ein Sohu, Haus Heinrich Georg. 5. Tenl Studenten der Theologie Ernst Karl ziir Rieden ein Sohn, Theophil Heinrich. 6. Dem Diplom-Ingenieur und Architekten Patil Muller ein Sohn, Karl Philipp Ferdinand Werner. 7. Dem Lokomotivheizer Karl Schalch ein Sohn, Karl Heinrich Ludwig. 7. Dem Erdarbeiter Heinrich Völpel ein Sohn. 9. Dem städtischen Taglöhner Christian Balßer ein Sohn, Heinrich Ludwig Emil. 11. Dem Dienstmann Johannes Ruth ein Sohu. 12. Dem Straßen­kehrer Johann Theodor Löber ein Sohn. 13. Tein Fuhrmann Heinrich Ortmüller ein Sohn, Paul Karl. 16. Dem Taglöhner Heinrich Repp ein Sohn, Heinrich. 16. Dem Anstreicher und Lackierer Hugo Hisgen eine Tochter.

Gestorbene.

Mai. 11. Elisabeth Velten, geb. Hofmann, 65 Jahre alt, Licher Straße 74. 12. Peter Grebe, 59 Jahre alt, Taglöhner, Rodheimer Straße 6. 14. Emilie Alder, geb. Salzbrunn, 67 Jahre alt, Lud- ivigstraße 4. 14. Bruno Scheppelmann, 4 Jahre alt, Roonstr. 22. 16. Bruno Gustav Holtberg, 38 Jahre alt, Brauer, Rodheimer Straße 23. 17. Margarete Gabriel, 8 Monate alt, Mittelweg 14, 17. Karl Bott, 88 Jahre alt, Landrichter i. P., Seltersweg 81.

Spictplan des Großherzogl. Kurhaus-Theaters Bad-Nauheim.

Direktion Hermann Stein goetter.

Dienstag den 21. Mai:Der Raub der Sabinerinnen." Schwank in 4 Auszügen von F. und P. v. Schönthan. Mittwoch den 22. Mai:Ter Schwur der Treue." Lustspiel in 3 Akten von O. Bllunenthal. Freitag den 24. Mai:Inspektor Bräsig". Lebens­bild in 5 Auszügen von Fritz Reuter. Samstag den 25. Mai:Wann wir altern." Dramatische Plauderei von O. Blumenthal. Hierauf: Der eingebildete Kranke." Lustspiel von Möllere.

TeBefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 18. Mai. 1.15 Uhr.

3^°/o Reichsanleihe . . 94.30

3% do. . . 83.80

3ya0/0 Konsols .... 94.30 3% do.....83.80

3%% Hessen . . ..

3^% Oberhessen . . . 94.00 4% Oesterr. Goldrente. . 99.20 4l/8 % Oesterr. Silberrente 99 50 4% Ungar. Goldrente . . 93.75 4% Italien. Reute . . ..

3-6 Portugiesen Serie I . 67.60 3% Portugiesen III 68.60 4^°/0 russ. Staatsaul. 1905 91.25 4^°.o japan. Staatsanleihe 93.25 4-6 Conv. Türken von 1903 93.80 Türkenlose.....140.20

4-6 Griech. Monopol-Anl. 50.10 4-6 äussere Argentinier 85.60 3°/0 Mexikaner . . 65. 4>»°/0 Chinesen ....

Aktien:

Bochum Guss..... 225.50

Buderus E. W ....

Teudenz: fest.

Elektriz. Lahmeyer . . . 127.00 Elektriz. Schuckert . . . 111.60 Eschweiler Bergwerk . 228.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 197.50 Hamburg-Amerik. PaketL 132.00 Harpener Bergwerk. . . 207.50 Laurahütte...... 226.25

Nordd. Lloyd.....118.70

Obeischles. Eisen-Industrie 110.00 Berliner Haudelsges . . 154.50 Darmstädter Bank 131.30

Deutsche Bauk . , . . 225.00 Deutsch-Asiat Bank . . 170.00 Diskonto-Kommaudit. . . 170.40 Dresdner Bauk . . . 143.50 Kreditaktieu..... 266.80

Baltimore- und Ohio-

Eiseulahn . . . 95.50

Gotthard bahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 22 75 Oesterr. Staats Bahn . . . 145.30 Pnuce-Heun-Eisenbahu . 137.00

Berliner

Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Börse, 18. Mai. Autangskurse.

, 172.40 . 131.50 . 227.00 . 76.50

Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . fürkenlose .

206.70

22.70

118.40

140.50

Tendenz: behauptet.

Für die gesamte Redaktion verantwortlich in Vertr. Ernst Heß.