Nr. 115
Srl-etnt täglich außer BomUagi.
Dem Dretzener Anzeiger werden im Wechsel mtl dem hesstschen Landwirt die Sirhener Zamllten- blätttr viermal tn der Woche betgelegl un zweimal wöchentlich da Krelsblatl für den Krell Sikhen FernIvrech'An- schluß i.d. Redaktion US Verlag u. Expedition M Qlbrefle tflt Depel^enr
Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt
157. Jahrgang
Samstag 18. Mai 1907
GietzeimAiMiger
General-Anzeiger für Oberheffen
NolatkonrdruS vnd Verlag der vrühfschen Univ.-Vuch- und Stelndruckerei. R. Lange. Redafttn. Expedition und vruckerel: Zchulstratze 7.
vezn gdp reiSr moL Ltlich7d PI, oiettet» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. ^weigstellem nwnailtcb 66 Pi., durch die Post Mt.L.— Diertd» fäbrL auSichl. vestellg. Annahme von Anzelg« für die £agrfnummtt bil vormittag» 10 llyr. ßedenpreil; lokal Id Vlw aufliDÖrtl 80 ermiß, Verantwortlich tftx den poltt und aUgteu Seil. P. Witlko tß« ,Stahl und L'anO* u3Ö .GerichtSfaal'. Orast Heß. lut den Anzeigenteil. Hanl Bech
Die heurige Dummer umfaßt 14 Seiten.
Pfingsten.
Voltaire, der sich den Scherz geleistet haben soll, den Giebel seines Hauses mit der Inschrift zu versehen: Voltaire est Treu!, erklärte seinen Zeitgenossen:
„Ich habe es |att, immer wieder z-n hören, daß zwölf Mäntier hingereicht haben, das Christentum zu begründen. Ich habe Lust zu beweisen, daß einer genug ist, um es zu zerstören!"
(Lin Beweis, den er— schuldig blieb. Dem ehern. Je- fuiteuzögling gönnen wir neidlos den Ruhm des Historikers und Philosophen, des Kritikers und Gelehrten, des geistvollen SatiriterS und Dramaturgen. Nur als Prophet hätte der Vielgewandte sich nicht versuchen sollen, denn mit seinen Weissagungen hatte er Malheur. Wer hieß ihn auch orakeln, nach hundert Jahren werde die Bibel ein unbelanntes Buch sein, sie werde nur noch in Atuseen sich finden als Zeuge Der Borniertheit früherer Geschlechter! Ausgerechnet 150 Jstdre (i ’iter sah man in demselben Hause, in dem d.ese. kühne P phezeiung geschrieben wurde, eine Niederlage der britischer Bibelgesell,chast etabliert, die in den hundert Jahren hres Bestehens die Kleinigkeit von 180 Millionen heiliger Sdjriften mit einem Kostenaufwande von 270 Mstl. Mart v- etrieoen und die liebersetzung der Bibel in 300 Sprachen besorgt hat!
Vol'aire hielt 1*2 Männer — also die Apostel Chrtfti — für oie Begrümdev des Christclntuins. Damit hat er diesen eine Ehre angctran, die sie selber zurückweisen wurden. Wer waren denn diese> zwölf Männer, die diese Geistesumwälzung hervorgecufen^ haben sollten, die gewaltigste und folgenreichste ohne Frage, die je die Welt erlebt hat? Ein paar Handwerke' aus dem weltfernen Galiläa, Fischer- knechte vom Gestade des kleinen Genezareth, Dorfbewohner, die nicht einmal Ire elementarsten Kenntnisse einer einfachen Volksschule ir. sich ausgenommen hatten. Provinziale, die auf den Straßen Jerusalems am Kauderwelsch ihres Dialektes, an ihrer unmodischen Kleidung und an ihrem linkischen, unbeholfenen Auftreten als Leute vom Lande erkannt und belächelt wurden, verschüchterte Gemüter, die nach dem Scheiden ihres Führers und WieiftcrS hinter verschlossenen Türen sich verbargen. Sie waren aufgewachsen und erzogen in den strengen Anschauungen und Gedankenkreisen einer Nationalreligion, Der nichts ferner lag, als die Idee einer Weltmission. Das letzte Moment fällt bei Paulus — das zu erwähnen Voltaire für überflüssig hält — der durch die pharisäisch-rabbinische Schule gegangen war, am stärksten ins Gewicht, und es bleibt ein pschotogisches Wunder, daß aus einem Saulus ein Paulus wurde. Jene zwölf Männer haben aber durch ihre Verhalten selbst unwiderleglich bewiesen, daß sie von Haus aus das Zeug nicht hatten und den Berus in sich nicht fühlten zu einem solchen Werke,
Nun aber geschieht das zunächst wirklich Unbegreifliche, daß diese zwölf IDtänner plötzlich Eigenschaften und Fähigkeiten beweisen, die niemand bei ihnen gesucht hätte. Die furchtsamen Flüchtlinge werden todesmutige Bekenner, denen keine Straße, kein Markt groß und öffentlich genug ist für ihr überzeugendes Zeugnis, die galiläischen Dörfler werden Weltreisende, die ihren heimatlichen Fluren und Penaten Valet sagen, um in vorgerückten Jahren ihren Wanderstab über Länder und Meere zu tragen. Mit der Elite hellenischer Geistes ar istokratie kreuzt der Schüler Ga- maliels die Klinge und im Herzen der römischen Weltherrschaft, auf dem heißen Boden der etoiaen Stadt proklamiert der Apostel des Nazareners mit Dem Siege des Kreuzes die Aufrichtung eines alle Völker umfassenden Himmelreiches. Und das menschlich Unbegreiflichste: das Wort vom Kreuze bleibt Sieger, erweist sich Dem ganzen Heerbanne feindseliger Weltmächte überlegen, pflanzt sich fort durch die Jahrhunderte und triumphiert noch heute über dem vielstimmigen Widerstreite menschlicher Weisheit und Torheit. Woher mit einem Male bie)e sieghafte, jeden Widerstand niederwerfende, die altersschwache Welt mit neuen Ideen und Idealen erfüllende und verjüngende Kraft in Leuten, die bis dahin ein Bild der Ohnmacht boten? Eine Erklärung nur gibt es, aber sie erklärt alles: die zwölf Männer haben im Feuer des Pfingstgeistes gestanden. In diesem Feuer wurden die Jünger zu Aposteln gestählt. Was sie fortan wirkten und leisteten, war "das Werk des Gottesgeistes, der sie erfüllte.
Der bereits erwähnte Gamaliel, zu jener Zeit Mitglied des jüdischen Synedriums, gibt seinen Ratskollegen, die mit die Gewalt die Apiftelpredigt unterdrücken möchten, ernstlich zu bedenken: „I,: der Rat oder das Werk aus den Menschen, so wirds untergehen, ists aber aus Gott, so könnet ihrs nicht dämpfen!" Sehr wahrscheinlich kannte Voltaire mit der Bibel auch die Apostelgeschichte zu wenig, um durch dieses Wort eines ebenso entschiedenen Christus- hassers seinen prophetischen Anwandlungen zu widerstehen. Aber Voltaires Prophetenschicksal sollte denen zu denken geben. Die heute das Christentum als Kulturmacht verwerfen, um andere Mächte und Kräfte dafür einzusetzen. Deren Wert oder Unwert erst sich erweisen soll. Voltaires Geist geht um unter uns mit seiner beißenden Satire, seiner frioolen Unduldsamkeit, mit seiner Unfähigkeit, das innerste Wesen des Christentums zu erkennen. Unfähigkeit aus Widerwillen, Uebelwollen, Willenlosigkeit. Wie viele von denen, die das Christentum als eine quantitö nsgligeable behandeln, nehmen sich wohl die Mühe, der Christenlehre Segenskraft auf ihr Herz wirken zu lassen! Wer das einmal mit einer der Sache würdigen Gewisfenhaftigkeit getan hat, wird unfehlbar zu der Ueberzeugung gelangen: Das Christentum wird noch da fein, wenn von allen Voltaires Der Gegenwart ni^t ein Atom mehr zu finden fein wird. Dafür wird
ii 2vO Gramm
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schleim
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Südwestafrika.
•* Liebesgaben für
Ein vollständiger Wechsel der Gemälde
11 bis 1 Uhr.
Gegenwärtig sind 62
wird am 27. d. 2)1. Dorgenommen.
Pfg.
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Psg. 48 40 32 24
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Die
Gemälde des Leslerceichischen Künstlerduudes, 19 Gemälde von P. Bayer-Carlsruhe und 5 Gemälde von W. Barthel- Gießen ausgestellt.
** D as Kolosseum hat am Donnerstag mit dem zwecken Maiprogramm begonnen. Auch diesmal wieder bietet die Direktion ein durchweg sehr sehenswertes und dabei dezentes Pro-
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Pfg.
Nr. 0 Vollmilch —
1 Fläschchen 6 Fläschchen zu löO Gramm
1 ’/. Milch b
2 1/t Milch 4
3 % Milch
4 pafer-
gramm. Einzelne Nummern sind sogar hervorragend zu nennci und mich unter den übrigen Darbietungen ist nichts, waS nidjl in den Rahmen eines guten Varieröprogramms paßt. Zur Eröffnung zeigt Miß A rr i t a, welche Kraft hübschem Frauenhaar innewohnt, indem sie sich schwere Gewichte daran bangt Dann turnen Les Lationos ganz hervorragend an den römischen Ringen und hieran reihen sich ansprechende Gesänge und Tänze der Geschwister Lind. Kurt Speyer verfügt über alle Gaben, die ein Humorist besitzen muß, wenn er Erfolg haben soll: gute Komik und Mimik, Beweglichleck, Humor und Gesang. Er würde jedenfalls noch besser loiclen, wenn er sein mächtiges Organ mehr den Größenverhältnissen des Saales anpassen wurde. Allerliebst und dabei recht schwierig ist der akrobatische Elite-Akt von „The t r e c Waringto n", bei dem u. a. eine Dame nicht bloß auf dem Drahtseil balanziert, sondern auch dazu musiziert, Flaggenschwenlen aufführt usw. Anstelle der plötzlich erkrankten französisch-deutschen Soubrette de Lux sang gestern Fräulein Schweizer (Name und Nation scheinen übereinzustimmen) einige recht hübiche Lieder. Eine Tänzerin von nicht gewöhnlicher Kunstfertigleck ist Fräulein N o s e l del I a u o, die namentlich schwierige Tanztouren elegant und sicher, sowie durchaus dezent tanzt. Eine tolle Burleske-Pantomime zeigen dann noch Les Jägers (zwei Herren und eine Dame), die ganz vorzüg^chc Parterre-Akrobaten sind. Fräulein Bella Schäfer erregt,^ls Wiener Soubrette wahre, Beifallsstürme und zeigt auch ily charakteristischen Nationaltänzen viel Geschick. Düster Jordi i i macht seinem nome de gnerre „Ausbrecher-König" alle Ehre. Er läßt sich auf die unmöglichste und schwierigste Art fesseln und bejreit sich bann ohne jedes mechanische Hilfsmittel vor den Augen des Publikums rasch und leicht. Den Schluß des reichhaltigen Programms bilden sehr effektvolle M a rm v rs k ulp t ur en , die von zwei Damen und einem Herrn plastisch und in rascher Verwandlungsfolge gezeigt werden. — Samstag und Sonntag wird nicht gespielt, dagegen finden am Pjingstmontag und Dienstag je 2 Vorstellungen statt, außerdem von 11 bis 1 Uhr bei freiem Eintritt Künstler-Soireen. Der Besuch des grotz- städtisch inszenierten Unternehmens kann jedermann durchaus empfohlen werden.
** Die Milchküche für Säuglinge, Wetzsteingasse 43, erfreut sich bereits eines guten Zuspruchs. Um irrigen Ansichten, die hier und da geäußert werden, vorzu- bengen, sei darauf hingewiesen, daß die in der Anstalt täglich unter ärztlicher Aufsicht bereitete Säuglingsnahrung allen, nicht nur den nünderbeinitteltenKlassen geboten wird.
Als Preise sind vorerst folgende festgesetzt:
1 Fläschchen 6 Fläschchen
Sammlung dec Kriegerkameradschaft Hassia für die deutschen Krieger in Südwcstafrika hat nunmehr den Betrag von 5 324,14 M. erreicht.
x Arnsb ur g bei Lich, 17. Mai. Wie alljährlich feiert das Rettungsh aus zu Arnsburg auch diesmal am Pfingstdienstag, Den 21. Mai, nachmittags 2 Uhr sein Iahresfest. Cs sind dieses Jahr 60 Jahre verflossen, seitdem die Anstalt besteht. Bei günstigem Wetter findet die Feier tn einem herrlichen Buchenwald statt. Als Festredner sind gewonnen Die Pfarrer Dr. Busch aus Frank- iurt a. M. und Löhr aus Elberfeld. Jedermann ist freundlichst zur Feier eingeladen.
A Grünberg, 16. Mai. Heute nachmittag weilte Kreisamtmann Dr. Merck hier und besprach in gemeinsamer Sitzung mit dem Stadtvor stände, ob für unsere Gemarkung auch die Feldbereinigung beschlossen werden )otle. Er hob dabei hervor, daß, wenn in gewöhnlichem Falle heute die Stadt Grünberg einen derartigen Antrag stellen würde, er in den ersten drei Jahren kaum berücksichtigt werden könnte wegen Mangel an den nötigen Beamten, daß aber jetzt, wo der Bahnbau Grünberg-Lia) bevorstehe, ein derartiger Antrag ausnahmsweise möglichst sickwr sofortige Berücksichtigung finden würde. Der Stadtvorstand hat zu Dem an ihn gestellten Ansinnen, einen Beschluß zu fassen, vorerst noch keine Stellung genommen, will vielmehr Die Sache erst zur Kenntnis der Bürgerschaft bringen, um Deren Stimmung zu der Frage kennen zu lernen, ehe ein Beschluß Dafür oDer Dagegen gefaßt toirD.
OGonterskirchenbei Laubach, 17. Mai. Vor etwa Drei Wochen sand hier eine Hochzeit statt. Der zahlreiche Ortsgäste sowie auch viele auswärtige Eingeladene beiwohnten. Fast sämtliche hiesige Teilnehmer ertränkten nach einigen Tagen unter Zeichen von Vergiftungserschei- nun gen, zum Teil liegen sie jetzt noch darnieder, auch das junge Ehepaar befindet sich darunter. Erbrechen, Durchfall und Lähmungserscheinungen traten ein. Tie Ursache Der Erkrankung ist bis jetzt noch nicht festgestellt; ob Der kupferne Kessel, in Dem Der Kaffee in großen Mengen gekocht wurde, vielleicht Teile von Grünspan enthalten hat oder ob Der Wein schädliche Substanzen enthalten, kann bis jetzt nicht enträtselt werden. Hoffentlich gelingt es der ftunft der Laubacher Aerzte, die fortdauernd hier tätig sind, das Leben der Gefährdeten zu erhalten.
— Bad-Nauheim, 17. Mai. Bis zum 16. Mai sind 4443 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3334 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 16. Mai 34 676 abgegeben.
dDarmstadl, 18. Mai. DaS Gartenstadt- projekt wird demnächst an die Stadtverordnetenversammlung zur Beschlußfassung kommen. Das etwa 1000 Morgen umfassende Terrain von den Breitwiesen bis zur Fasanerie zwischen der Dieburgersiraße und der neuen Odenwaldbahn- I Urne soll zum Teck in eine Gartenvorstadt umgewandelt
die Kraft Sorge tragen, die wir am Pfingstfeste uns erbitten in unsere Herzen und Häuser hinein:
„O heilger Gfeift, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein!"
politische Tagesschau.
Unter der Eisenbahntarisreform.
Die Eisenbahntarisreform ist lange genug ir Kraft, um über die Wirkung im Klaren zu fein. Tie Wirkung auf daL Publikum, parlamentarisch gesprochen: von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, ist nur mit dem einen Wort „unerfreulich* zu kennzeichnen. Wo bleiben all' die Versicherungen, die man vor der Reform aus ministeriellem Munde im preußischen Landtag gehört hat, daß keinerlei FiSkalismus, sondern nur daS Bestreben nach Vereinfachung und Einheitlichkeit Des Verkehrs das Ziel sei — wenn die Fahrkosten sonst und jetzt verglichen werden? An einer ganzen 'Reihe von Beispielen ist Die Verteuerung Der Fahrpreise, un Vergleich mit Der beseitigten Rückfahrkarte, nachgcwiescii 'vordem Ter Preisunterschied ist ziun Teck erheblich und •mb das fällt ins Gewicht bei einer Familie von vier oder liinf Personen. Fahrlartensteucr und Schnellzugszuschlag bilden eine Kombination, wie sie fiskalischer, die Liist am 'Reisen störender gar nicht erdacht werden konnte! In den Vlättem wird zur Ersparung an Steuer und Zuschlägen der Rat erteilt, Rundrcisehcfte statt Einzelfahrkarten zu nehmen. Ter Rat ist brauchbar nur für weite Reisen; und besteht darin chna die gepriesene Einfachheit der Reform, daß das imisiäiidliche RiickDreisehest Die Eiuzelfahrkarten ersetzen soll? Für Den ei ifachen Manu, Der eine weite Reise zu unternehmen hat, ist Das Rnndreiseheft eine zu komplizierte Ein- nchtiing, a's Daß sie für ibn in Betracht kommt.
Aus SraSL und Land.
Gießen, Den 18. Mai.
♦* Zu Pfingsten. Viele haben schon heute Die StaDt verlassen, um für ein paar Tage in Den frischen Bcrg- wälDern Des Vogelsberges, Des Taunus, Des ODenwalDes usw. ihre Lungen zu säubern. Für HunDerte aber, Die sich keine Reise leisten können, sind Die oeiben Pfingstseiertage Die einzige Gelegenheit im Jahre, sich an Der Natur unD ihren Wundern zu erfreuen. Locken Doch Die beiDen Feiertage zu weiteren Wanderungen, als tzin ein 'ger Ruhelag gestattet. Freilich, wenn es so Jein soll, wie sich alle Die Pfingsttage wünschen. Dann muß vor alle' i Die Sonne ihren Segen Dazu geben. Eine Psingitpanie oh e blauen Himmel ist eine mißliche Sache. Zu Dem frischen Grün Der Maibäume, zu Dem bunten SonntagskleiDchen Der KinDer unD Dem Unjchuldslveiß Der jungen Mädchen Passen nun einmal nicht Die grauen Wollen. Im Eisenbahnwagen bei der Hinaussahrt freilich sitzt und steht man so eng, wie die Sardinen in der Schackstel. Das geniert aber nicht. Man ist froh, wenn man nur mitkommt. Bei der Rückfahrt ist es noch schlimmer, und Der geplagte Familienvater muß, um Die Seinigcn zusammenzuhalten, viel Energie ausbieten. Draußen sind alte Wirtschaften überfüllt, und man muß in drangvoll fürchterlicher Enge eingekeilt recht lange auf d>eu bestellten Kaffe toarien. Doch wenn nicht gerade irgend ein besonderes Malheur passiert, so ist alles trotz Staub und Hitze von dem Ausflugs entzückt. Am zweiten Feiertag wird vielfach der Göttin Terpsichore gehuldigt. Wo ein altes Klavier zu finden ist, dem noch einige Töne entlockt werden können, drehen die Paare sich vom frühen Nachmittag an bis in die späte Nacht. Walzer, Polka, Rheinländer, Kreuzpolka, Dann sängt die Reihe wieder von vorn an. Sind zu wenig Herren da ober sind sie zu blasiert, um zu tanzen, so walzen die Mädchen unter sich zu zweien. Und wenn bann ber Abenb hereinbricht, bann geht es wieder in langen Zügen in die Stadt hinein und es wird einsam im Walde. Der Nachtwind streicht über Papierfetzen, Eierschalen usw., was Die Ausflügler zurückgelassen haben.....
" Pfarrpersonalien. S. K. H. der Grobherzog haben dein Psarrassistenten Wilh. Schulz zu Mainz Die evang. Pfarrstelle zu Eschenrod übertragen.
•• Neuer Konsul. Der Konsul Der Republik Uruguay, Scb. Cahn in Frankfurt a. 2)1, ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen im Großherzogtum Hessen zugelasscn worben.
** Paketeinsammlung Durch Die Post. Es ist noch nicht genügend bekannt. Daß Die Post abzusen- DenDe Pakete auf Bestellung aus Den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte ober einen Zettel mit Den Worten: „Palet abzuholen bei ... . (Name unD Wohnung)" unfrankiert in Den nächsten Briefkasten zu werfen ober einem Briefträger mitzugeben, unD Die SenDung toirD bei Der nächsten Paketbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause Des AbsenDers abgeholt. Das Verfahren ist einfach unD bequem unh Deshalb besonDers solchen Personen zu empfehlen. Denen ein Tienstbote nicht zur Verfügung steht.
•• Kunstverein. Die Gemälde-AuSstellung bleibt am 1. Feiertag geschlossen, am 2. Feiertag ist geöffnet von 11 bis 3 Uhr nachmittags, an Den übrigen Tagen von


