r
1
AöonnemenLs-Kinladung.
»I
II
** Aus
St
ß<
Pi
ft f 5 r r
V J'
wird im musikalischen Teil der Feier mitwirken.
= Beuern, 18. Sept. Bei der gestern hier vorgenommenen Gemeinderatswahlswahl herrschte früheren Jahren gegenüber rege Beteiligung. Es wurden neugewählt Geschirrhändler Hrch. Emil Walther mit 108, Musiker und Schneidermstr. Dan. Ldw. Sommerlab mit 84
Neue Judenverfolgungen.
Odessa, 19. Sept. Am Dienstag abend während des Gottesdienstes anläßlich des Bersöh- nungstages drang Militär und Polizei in die SYn a- goge ein und veranstalteten eine mehrstündige Durchsuchung.
fr lg at
A
Aus Stabt uttO Land.
Gießen, 19. September 1907.
-n. Rödgen (Kr. Gießen), 19. Sept. Durch den unbedachten Streich eines Kindes ist ein elfjähriges Mädchen namens Schmidt von hier um das eine Auge gekommen. Die Kinder hatten beim Heimweg von der
ttitO Flotte.
— Das »Militärwochenblatt" berichtet kurz über die Versuche mit dem lenkbaren Luftschiffe, die unter An- Wesenheit bezw. Teilnahme des Chefs des Generalstabcs und des Kriegsministers am 14. September auf dem Schießplätze Tegel bei Berlin stattfanden. Ter Bericht betont die vollständige Lenkbarkeit des Luftschiffes und die bewundernswerte Genauigkeit und Ruhe bei der jedesmaligen Landung und sagt schließlich, über die Brauchbarkeit und Verwendbarkeit des Pasevalschen unstarren Systems können Zweifel nicht mehr bestehen.
r i
gcbung gehört hatten, daß der Mörder yeure inrwgen nach dem Tatort verbracht werden sollte, hatten sich viele Hunderte cus allen Standen, besonders auch aus Arbeitcrkreisen, mit Stöcken 2c bewaffnet an den Bahnhof begeben, in der ausgesprochenen Ab- sicht, den Täter zu lynchen. Auch das weibliche Element war stark vertreten. Die Leute gaben offen zu erkennen, daß sie auch auf die begleitende Gendarmerie keine Rücksicht nehmen würden. Die Drohungen wurden immer heftiger und enttäuscht zog alles von dannen, als der Zug um halb acht Uhr einlicf ohne den Mörder zu bringen.
Gleiche Zusammenrottungen hatten später in und um bei Schnakenmühle stattgefunden, wo die Sektion des 12jährigen Töchterchens der Familie Neuroth stattfand. Zu Fuß, zu Wagen und mit dem Rade waren die Bewohner der benachbarten Orte herbeiqeeilt, um den Mörder zu sehen. Benachbarte Steinbrucharbeiter hatten ihr Werkzeug mitgcbracht, um ihn durch einen wohlgezielten Wurf oder Schlag uiederzustrecken. Auch hier konnte man hören, daß die Leute in ihrer Wut erklärten, daß sie die Polizei beseitigen und mit Gewalt zurückhalten wolle, bis sie mit ihm abgerechnet habe. Sicher wäre es heute zu ernsten Auseinandersetzungen gekommen, wobei die Polizei sicher bei der großen Zahl der aufgeregten Menschen (ca. 300) den Kürzeren gezogen hätte.
Die Recherchen nach dem Hannes, der den Mörder nach dessen gestriger Angabe, angestiftet haben sollte, ergaben, daß Vieler, eilt gewisser Joh. Kuhn aus Eberstadt bei Darmstadt m der Nachbarschaft bedienstet und früher auch bei Neuroth war. Am vormittag und am nachmittag saß er mit dem Täter und mit Neuroth auf der Kirchweih in Asbach zusammen, wobei er den Neuroth im Gespräch lobte. Dies wies Neuroth zurück, worauf ein unbedeutender Wortwechsel entstand, in dem Martin noch seinen Herrn in Schutz nahm. Schon vorher hatte der Mörder erklärt, es gefalle ihm so gut bei Neuroth, daß er wohl lange dort bleiben werde. Er hatte auch hier seine tätowierten Arme gezeigt und mit seiner^ Kraft renommiert. Es ergibt sich aus diesen Feststellungen, daß M. bei seinen gestrigen Aussagen hier die Unwahrheit gesagt hat. Wegen des Renommierens des M. war Neuroth von dem Lehrer B., der dabei war, gewarnt worden, so daß er, seinen Wein stehen lassend, am abend nach Hause eilte. Seine Befürchtungen waren aber schon eingetreten. Die Beisetzung der beiden Kinder findet am Donnerstag statt.
Gießener Anzeiger
erscheint sechsmal wöchentlich und unterrichtet seine Leser in zuverlässiger und erschöpfender Weise über die neuesten Tagesereignisse, diewichtigstenHandelsnachrichten und Marktberichte. Ein reichhaltiger und in. teressanter Unterhaltungsstoff, eine regelmäßige la ndwi risch östliche Beilage und ein umfangreicher Anzeigenteil tragen ferner wesentlich dazu bei, den Gießener Anzeiger zu einer der am weitesten verbreiteten und meistgelesenen Zeitungen der Provinz und der Nachbargebicte zu machen.
;■ Som Korps Manöver. Der „Feldzug" im südlichen oogcl3berg hat ein Ende, der Soldat kehrt in die Garnison uirnci und der Refervemann zwU Tage spater zu Vater und Mutter. Heiße und anstrengede Tage liegen hinter den Truppen, recch an Strapazen waren die Manöver in dem bergigen Gelände, und nicht selten gab es Entbehrungen. Dies! galt besonders von dem Korpsmairöver. Am Mittwoch fand es sein Ende auf beit Höhen um Wolferborn, 'Kefenrod, Rinderüügerr und Leisewald. Das Gefecht, in dem in erster Linie die Artillerie zur Geltung kam, war am ^Dienstag nachmittag zum Stillstand gekommen, die ermüdeten Soldaten kochten ab und pflegten einige Stunden öer Ruhe, die bereits au",geschlagenen Zelte wurden abgebrochen, die Regimenter blieben in Kriegsbereitschaft, da jeden Augenblick ein Angriff zu erwarten war. Mit Einbruch der Dunkelheit begann der Kampf aufs neue und damit für die Infanterie der 25. Division große Umgehnngsrnärsche, die fast die ganze Nacht dauerten. Die 21. Division war im Besitz mehrerer Scheinwerfer, die den Anmarsch des Feindes beleuchteten. Märsche bis zu 25 Kilometer führten die 115 er und 116 er zum Umgehung des linken feindlichen Flügels aus. Das Gelände zeigt hier Gebirgs- I charalter. Liebliche Täler sind zwischen Höhenzügen eingebettet. Die Höhen sind mit Nadelhochwald bestanden und an den Abhängen geben Hecken und Gebüsche für die Trup^n vorzügliche Deckungen ab. Zugleich ist das Gelände dadurch wenig übersichtlich, so daß die Patrouillen und Meldereiter nicht - selten in feindliche Stellungen gerieten. So wurde auch ein Dragoner vom Feind abgo saßt und zu einem Offizier ge,ührt, der ihm die'Meldung ab- ftrderte. Der Dragoner besaß die Geistesgegenwart, soforc den Zettel mit der Meldung vor dm Augen des höheren Offiziers >ii kleine Fetzen zu zerreißen. Der „Feind" erkannte diese Tat I lobend an. Mit Tages'"cwuch waren die Täler noch in dicken Rebel gehüllt, die Höhen blicken frei heraus. Drüben auf dem stark verschanzten Höhenzug von Herzberg bis Rinderbügen lag die 21. Division in starke. Stellung verschanzt. Um tU/2 Uhr I hatte sich die Umgehung vollzogen, und nun begann der Sturm.
Es entstand zuerst ein heftiges Artilleriefeuer auf die eiw gegrabene Artillerie der 21. Division. Die hessische Artillerie stand aus den Höhen bei Michelnau, Bmdsachsen und Kcsenrod. Dann brachen mit einem Mal die Jufanteriemasseu aus den. Tale J)c3 Seemenbachst :g>egen die Höhen nach Leisenlvalde zu vor. Sie wurden von der in den Schützengräben liegenden Infanterie mit heftigem Gelvehrfeuer begrüßt. Doch vorwärts wälzten sich die Schützenlinien den Berg hinan. Um 8 Uhr waren bk Höhen von den Hessen genommen. Das ganze Armeekorps nahm eine Parade-Ausstellung auf dem Hochplateau zwischen Leisenwalde und Wolferborn auf. Es folgte dann ein Parademarsch sämtlicher Regimenter des 18. Kvrps vor dem Korpskammandenr von Eichhorn. Je mehr das Manöver dem Ende zu neigte, desto ^höher stieg das Interesse, und so kam es denn, daß sich zu I dem Schlußgefecht und dem anschließenden Parademarsch eine unzählige Menschenmenge eingefunden hatte. Um 10 Uhr rückten die Regimenter vom Paradeplatz ab, die Infanterie nach den Verladeitationen, die Kavallerie- und Artillerie-Regimenter, die den Weg in die Garnison zu Fuß zurücklegen müsset:, in ihre nächsten Quartiere. An den Verladestationen herrschte ein bunt- bewegtes Treiben. Zunächst wurden die Truppen gespeist, bann huldigten sie eifrig dem militärischen Brauch des „Löffelbegrabens", da wurden Mschiedsreden und humoristische Grabreden ^gehalten, Offiziere markiert und Vorgesetzten nachgeahurt, alles unter ben Augen der Vorgesetzten, die den Soldatei. nach sauren Wochen beim Mschied gerne noch ein frohes Fest gönnen. Auf der großen Kriegs ko ch küche zu Wächtersbach ging es bereits früh sehr lebhaft zu. Acht große Kessel sorgten jeder für 640 Portionen Mittagessen, hier wurden die Regimenter 117, 118, 168 und die Unterosfizierschule Biebrich beköstigt. Die 25. Division erhielt ihre Verpflegung aus Ranstadt, die 21. Division aus Virstein. Verladen wurden die 87 er unb_ 88 er in Steinau, die 80 er, 61er und 166 er in Saimünster-Soden, die 115 er und die beiden Abteilungen der schweren Artillerie Nr. 3 in Stockheim, die 116 er und 1. Bat. ,168 in Büdingen, die 117 er, 118 er, die 21er Pioniere und die Telegraphenabteilung in Wächtersbach. Die Reserve der Infanterie iuirb am 20. Sept., die der Kavallerie und Artillerie am 24. Sept, entlassen.
Petersburg, 19. Sept. Es werden immer neue 'Einzelheiten über die Gewalttaten bekannt, die am Dienstag von Mitgliedern des Verbandes echt russischer Leute in verschiedenen Teilen Odessas beaanaen wurden i ™ t c £ . - , -
Mitglieder des Verbandes überfielen in entlegenen Stadt-1 das eine Mädchen fehle
bezirken die Juden mit Revolvern und Messern. Gn der kleinen Schmidt rn da- Ge-
Säugling wurde auf dem Arm der Mutter ln bte 9^e beS ®U0e§- . ®ag Auge wurde davon 'durch eine Kugel getötet. Ein Jude wurde durch ß"izimdet, so daß das Mädchen in die Klinik nach Gießen 'Schlagen mit einer Drahtpeitsche umgebracht. Insgesamt I mußte. sich, um schlimmeres
wurden fünf Juden getötet und 25 verwundet. Die Wer- verhüten, die Entfernung des Auges notwendig. Ent- bändler tauchten aller Orten in Gruppen von 50 Mann auf 9«tUö °.bcrs e5,
und verrichteten trotz des Eingreifens der Polizei ihr furcht- in da- Auge, wodurch leicht -tuberkulöse
bares Werk, bis die Polizei von der Waffe Gebrauch machte entstehen kann.
20 tnnrbo,. , J t.- c ■</■ 7, + Annerod, 18. «epi. Nochicn Sonntag findet hier
M Werbandler wurden verhütet und hierauf die Ruhe Gustav Adolf-Fest statt. Als Festmcdiger ist Pfarrer Al- imeoer yerge,teilt. bohn-9rockenberg gewonnen. Der Posaunenchor von Klein-Linden
dem Militärwochenblatt. Jochim, Hauptm. und Komp.-Chef im 5. Gr. Hess. Jns.-Regt. Nr. 168,' zu den dem Großen Generalstabe zuaeteilten Offizieren । . c .
Madlung, Hauptm. im Großen Generalstabe, als Komp - kfs" und das seitherige Ge-neinderatsmttglied Spar- Chef m das 5. Gr. Hess. Jnf.-Regt. Rr. 168 versetzt Llndenstruth Mit 84 Stimmen.
Unser Regiment ist gestern abend nack8Ubr Ausgeschieden ist PH. Lepper, der nur 55 Stimmen erhielt, in drei Sonderzügen aus dem Manöver zurückgekehrt. Zahl- ®aneBen kamen zwei neue Kandidaten mit 69 bezw. 55 reiche Neugierige begleiteten es auf seinem Marsch zur - r. 1Q u, k A
Kaserne. 9 7E Grunberg, 18. Sept. Bei der heute vorgenom-
' menen Gemeinderatswahl wurden gewählt: Georg
--------- Möller II., Küfermeister, mit 250 Stimmen, Hch. Schmidt II.,
3^ < wetteren von Eötvös erwähnten Falle folgerten die Schlossermeister, mit 181 Stimmen, Karl Schäfer I., Land- emfach daraus, daß die Kopfschlag oder bei einer wirt, mit 111 Stimmen, Christoph Lauber III., Schuhmacherfaulen Lerche leer gefunden wurde, aus das Blutabzapfen. Auch meister, mit 98 Stimmen.
,-E^Iäa-Eszlar ließen sich die sachverständigen FrankfurtaM 19 S"pt Großes Aufseben erreat Aerzre durch Lerchenerschemungen rrreftihren. Der Verteidia.>r - r- V' r 1 ’ i Dropes ^usseyen erreg:
Eötvös hat mit bewunderungsw-rtcm Scharfsinn di- o“ b« »er Ij o f tun g etort hort ansässigen,
Fehler der Sachverständigenbeweise entdeckt und die Revisionbe3 besten Rufes erfreuenden 40fahrrgen Schuh- rhrer Tätigkeit erwirkt. Wir sehen in seinem Werke, wie sich machermeisters. Er steht im Verdacht, sich an seiner der große Prozeß durch Mitwirken verschiedener Faktoren auf- 12jährigen Tochter vergangen zu haben. Das Kind tvar schon baut und dann im Lichte der Wahrheit doch zusammenstürzt, früher verdorben und verkehrte mit einen: 5^errn, der es Ern sehr lehrreiches Buch für die Praxis der Strafrechtspflege öfter an der Wohnung abholte. Die Mutter erfuh-r von können nur kaum flnden. , dem Verhältnis und nahm die Tochter vor, die gestand, daß
,PT «nn f lrt des Main- sie mit dem Vater in unerlaubter Beziehung stand. Das
Esel und FuhrleuU aeweibt war^ Mädchen sollte Anzeige gegen den unbekannten Herrn er-
d-- allen, aut rümychen Grundmauern ruhenden Dtadlmam^ hatten Auf dem Wege zum Revier redete ihr eine Cousine rrn Kästrrch. Der Altar zeigt auf der linken Seite einen Baurn bu' ite foI(e bcm Kommis,ar auch von dem Verkehr mit dem auf der rechten eine Kanne und ein Schöpfgefäß. Er flammt s^atcc sagen, damit das endlich aufhöre. Das Mädchen tat, anscheinend aus dem Jahre 200 n. Ehr. wie es die Cousine wollte. Der Vater wurde daraufhin
Kleine Kunftch r o n i k. Der Schwank „H u s a r en - verhaftet.
fi e be r" von ^kowronnek, einem früheren Redakteur der „Franks. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Jlg. , ging im Lu'it,pielhaus zu Berlin kürzlich zum 250. Male N a ch b ar sl a.a l e n. Erschofsen wurde zwischen Ottersheim und ui Lzene. Eine Bühnenbearbeitung des Oskar Wildeschen Ziuettelheim auf dem Heimwege der 24jährige Buchhalter Eduard Romans „Don a n G r a y" bot dem Publikum des Josefstädter Hatzenbühler und durch einen Schuß s ch w e r v e r l e tz t der Etzeanrs zu Wien eine unerträgliche Mischung von distinguierter Lorenz Lichtenberger, beide von Ottersheim. Fünf Schüsse VuigciuCile uiio Pöoclhafter ^chauerromanlik. Der Beifall galt waren auf sie aus dem Walde abgefeuert worden, wovon 2 trafen, der lorgsaltigen Ausführung. — Die Frankfurter Erben des Fünf der Untat verdächtige Burschen wurden verhaftet.— Der ä^ss tt^abu Part,er Kuiipmazens Kann beabsichtigen ein wert- Zuhrmann Georg Ho tu aus Vilbel stürzte von seinem be- volles Uemaloe aus dem Kaunschen Nachlaß bem Städels chen ladenen Heuwagen, geriet unter diesen und erlitt schwere innerliche Institut zu schenken und betreffs der Auswahl desselben sind schon Verletzungen.
seit einiger Zeit Verhandlungen eingeleitet. — Lähar und — - — --
Ziehrer, die beiden populären Wiener Operettenlömponisten, Der Raubmord im Odenwald.
werden im Früchahr an der Spitze des Wiener Tonlünstler- sd, Darmstadt, 18. Sept
Orchesters eine Tournee durch Deutschland und Oesterreich ab-. Die Empörung der Bevölkerung gegen den Mörder ist solvieres» außerordentlich, Da die Bewohner, poü Beinheini und 11m-
Auslerno.
Haag, 18. Sept. Nach einer Depesche ans Batavia ist eine Patrouille unter Leutnant de Braeouier am 9. Sept, bei einem Angriff auf eine feindliche Stellung am Bu- donbndouflnß in Mandy au mit schwere u Verlusten z u r ü ck g e s ch l a g e u worden.
Loudon, 18. Sept. Zwei Mitglieder der Boulog- ueser Haudelswelt sind gestern in Hastings ein getroffen, wo sie vom Bürgermeister und den "Gemeiuderats- mitgliederu festlich empfangen ivnrden. In einem Toast ans König Eduard erklärte einer der französischen Herren: Wenn Frankreich keine Republik wäre, so wünschte es sich einen König, w ie König! Eduard.
Paris, 18. Sept. Ans Blois wird berichtet, daß heute morgen 80 Ursulinerinnen in Anwendung des Bereiusgesetzes aus gewiesen worden sind. Die Ausweisung erfolgte ohne jeglichen Zwischenfall. Mehrere hundert Personen geleiteten sie zum Bahnhöfe.
Petersburg, 18. Sept. Auf der Station Kvdyma zwischen Kiew und Odessa versuchten nachts zwei Unbekannte, wahrscheinlich um zu stehlen, in einen Salond wagen desGroßfürsten Konstantin einzudrin - gen. Der eine wurde verhaftet, der andere entfloh.
Helsiugfors, 18. Sept. Das Anspnmpen des Wassers aus dem „S t a n d a r d" geht so erfolgreich vor sich, daß die Wohnräume der Kaiserjacht bereits wasserfrei sind und die elektrische Beleuchtung wieder funktioniert. Neben der Unsallstelle ist jetzt eine 15 Fuß tiefe Sandbank bemerkbar. Ein in vergangener Nacht wütender Sturm ver- änderte die Lage der Kaiserjacht nicht.
Unruhe» in Apulien.
Rom, 18. Sept. Die in einigen auswärtigen Blättern verbreiteten Nachrichten über ernste Unruhen der Landarbeiter in Apulien sind, wie die „Agenzia Stesaui" meidet, übertrieben. In mehreren Gemeinden der Provinzen Bari und Foggia haben sich in den letzten Tagen Streiks von Landarbeitern mit einigen Zwischenfällen, die aber nicht von nennenswerter Bedeutung lvaren, ereignet. Nur in Canossa wurde, bei Z".sammeustößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen eine Person getötet und mehrere verwundet. Die Regierung hat die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung notweu- digen Maßnahmen getroffen.
Eöseubahn-Zeitung.
Berlin, 18. Sept. Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen zeigen im August einen Mehreingang gegenüber dem Vorjahr von zusammen 12,9 Millionen Mark, wovon 4,2 Millionen auf den Personenverkehr, 7,3 Millionen auf den Güterverkehr, 1,4 Millionen auf die sonstigen Einnahmequellen entfallen. Dem Fernersiehenden überraschend könnte angesichts der Mindereinnahmen im Juni und Juli die hohe Mehreinnahme des August aus dem Personenverkehr sein, zumal darin der Ausfall von 0,7 Millionen Mark enthalten ist, der sich rechnungsmäßig aus der Per- oueutarifreform ergibt. Es ist indessen früher auf die Verschiebungen hingewiesen worden, die zwischen ben einzelnen Monaten durch Fortfall der Rückfahrkarten sich ergeben. Der Augu^ bildet für einen großen Teil des Landes den Schluß der Ferienreisen, die früher fast ausschließlich auf Gruud vou Rückfahrkarten, Rundreiseheften und bergt zurückgelegt würben. Der Betrag für bie Rückreise floß im Vorjahre noch ben Monaten ber Lösung ber Fahrkarten ür bie Hinfahrt zu, also Juni und Juli. In diesem Jahr dagegen gelangt er erst im August in bie Staatskasse. Diesem entgehen bafür bie Einnahmen für bie Rückfahrt aus Rückfahrkarten, bie im Vorjahr im August gelöst würben. Man würbe für einen gewöhnlichen Monat wohl annehmen können, baß Zuwachs unb Abgang sich annähernd ausgleichen werben. Für ben August aber trifft bies aus ben angegebenen Grünben offensichtlich nicht zu. Die Wirkung bieser Verhältnisse wirb anscheinenb baburch verschärft, baß im Vorjahr am 1. August bie Fahrkartensteuer zur Einführung gelangte, so baß manche Fahrkarten noch int Juli gekauft würben, währenb in biejem Jubre umgekehrt viele burch bas schlechte Wetter im Juni uno Juli veranlaßt würben, bie Erholungsreisen so weit als möglich hinauszuschieben. Aber auch nach Abzug dieser Einflüsse zeigen die Einnahmen aus dem Personenverkehr eine Steigerung, welche von einer anhaltenden Lebhaftigkeit des gesamten Wirtschaftslebens Kunde gibt. Den gleichen Eindruck erweckt die Mehreinnahme von rund 7 Prozent aus dem Güterverkehr, woraus man nach den Wagengestel- lungszisfern im Kohlenverkehr nicht rechnen konnte und die auf eine große Lebhaftigkeit des allgemeinen Wagen- ladungsverkehrs schließen läßt. Die angegebenen Mehreinnahmen beziehen sich auf das Vorjahr. Die preußische Etatsveranschlagung rechnet mit einer Mehreinnahme von rund 70 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr. Selbst wenn die Betriebseinnahmen dem bisherigen Verhältnisse entsprechend weiterwachsen und demgemäß ben Anschlag, wenn nicht im Personenverkehr, so im Güterverkehr, überschreiten sollten, erscheint es angesichts ber ungemein an* wachsenbeu Ausgaben zweifelhaft, ob ber veranschlagte Be- triebsüberschuß erreicht werben kann.
* Der Kronprinz. Aus Berlin wirb berichtet: Seit mehr als Jahressrfft ist der deutsche Kronprinz Abonnent eines größeren Berliner Z e i t n n g s n a ch r i ch t e n b u r e a u 8,
das ihm sämtliche in der Presse auftauchenden Notizen über seine eigene Persönlichkeit, die Kronprinzessin, den jüngsten Erben des Hohenzollern-Thrones und (last not least) seine Schwiegermutter, die verwitwete Großherzogin Anastasia von Mecklenburg, liefert, außerdem die gesamten 9tachrichten über die Regimenter, deren Ches, und die zahlreichen Vereine, deren Protektor er ist. Daß der Kronprinz bestrebt ist, die Stimmung des Volkes kennen zu lernen, insofern sie sich in


