Ausgabe 
18.6.1907 Zweites Blatt
 
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Mch't die Teilnehmer zu recht lebhafter Teilnahme an der nächsten Versammlung ein. . ,

An die Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Mittag­essen, in dessen Verlauf Kreisrat Fen ein Loch auf die .Fürsten der Länder ausbrachte, die auf der Tagung vertreten waren: die Könige von Preußen und von Württemberg, sowie die Großherzöge von Sachsen-Weimar und Lessen. Bürgermeister Küchel dankte für die Wahl Butzbachs als Gründung^- und Festort des Verbandes, sowie dem um die Vereinssache hoch­verdienten Kreisrat Fey, indem er letzterem ein Loch ausbrachte. Kveisrat Feh übertrug den Tank auf seine sehr tätigen Butzbacher .Helfer: Professor Wämser, Bürgermeister Küchel, Medizinalrat Tr. Vogt, Hauptlehrcr Storch, Oberlehrer Weide usw. und schloß mit einem Hoch auf die Stadt Butzbach. Im weiteren Verlauf des trefflichen Mahles trug Hauptlehrer Storch noch eine Anzahl selbftverfaßter Gedichte vor und erntete damit rcidjen Beifall.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Juni.

Fabers Beerdigung. Gestern Nachmittag wurde der beim Automobilrennen um den Kaiserpreis ver­unglückte Mechaniker Ludwig Faber, ein geborenes Gießener Kind, in seiner Heimat zur ewigen Ruhe bestattet. In der geräumigen Leichenhalle des neuen Friedhofs war der, reich mit Kränzen und Blumen dekorierte Sarg, der die irdische Hülle des Verstorbenen umschloß, aufgebahrt. Eine zahl­reiche Trauerversammlui'g hatte sieh mit den Verwandten des Verstorbenen eingefunden, dnrunterProvinzialdirektorGeheimerat Dr. Brci dert, sowie als Vertreter des Kaisers Oberst von Lindenan, nebst eine Abordnung des Offizierkorps des Rcgi- ments Kaiser Wilhelm. Pfarrer Euler hielt die Gedächtnisrede, der er dieKlagelieder Jeremias, 3. Kapitel, 4. Vers zu Grunde legte. Er wies darauf hin, daß der Tote gerade an seinem Geburtstage, 20 Jahre alt, dahin gerafft worden sei gleich einer jungen Eiche, die plötzlich jäh uoin Sturm zersplittert wird. Es zieme sich nicht, an dieser Stelle, an­gesichts des Sarges sich darüber zu äußern, weshalb und warum der junge Mann sein Leben habe hingeben müssen. Man könne nur Trost darin finden, daß der Tod ein Men­schenleben bei Ausübung seines Berufs gefordert und hinweg gerafft habe, ähnlich wie es dein Bergmann ergeht, der hinabsteigt in die Tiefe der Erde, oder wie der Eisenbahn­beamte, der im brausenden Zuge seines Amtes waltet, durch ein Unglück plötzlich abberufen werden kann. Der Verstor­bene hat in seinem Falle tüchtiges geleistet, er hatte Freude an seinem gewählten Beruf, und ist in dessen Ausübung gestorben. Der Redner führte ans, wie viel die Eltern und die 6 Geschwister verloren haben durch seinen plötzlichen Heimgang und wie das allgemeine Mitgefühl bei ihrem schweren Verlust sie trösten müsse. Auch die Teilnahme des Kaisers an dem herben Verlust sei ihnen geworden, der echt menschlich und fürstlich sein Beileid habe aussprechen lassen. Pfarrer Euler erinnerte zum Schluß an das Dichterwort: Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben", und knüpfte daran die Tröstungen aus dem Klagelied Jeremias. Das Trauergefolge begleitete darauf den Sarg zur letzten Ruhestätte, wo Oberst von Lindenau am offenen Grabe auf Befehl und im Namen S. M. des Kaisers einen Eichenkranz mit weiß seidener Schleife nieder­legte, deren Enden in Gold den Namenszug des Kaisers zeigten. Im Auftrage S. K. H. des Großherzogs legte Geheimerat Dr. Breidert eine Kranzspende nieder. Der deutsche Automobilklub ehrte den Toten durch ein prächtiges Blumengewinde, ebenso das Offizierkorps des Regiments Kaiser Wilhelm, die Firma Kleyer in Frankfurt und deren Arbeiter. Der bei dem Unfall ebenfalls verletzte Ehanffeur Otto Göbel, auch ein Gießener Kind, hatte seinem toten Freunde als letzten Abschiedsgruß ein wundervolles Blumen­gewinde gesendet.

** Die neue Aula der Universität geht ihrer Vollendung entgegen. Bis zum Universitätsjubelfeste, diesem Marksteine in der Geschichte Gießens, soll und wird sie ebenso fertig sein, wie das Theater, mit dessen Eröffnung der zweite, wohl wesentlich wichtigere Band der Theater­geschichte Gießens eingeleitet werden wird, wie mit der Eröffnung der neuen Aula der zweite, wohl erheblich be­deutendere Band der Universitätsgeschichte. Der Neubau hinter dem alten Universitätsgebäude zeigt sich schou heute dem Beschauer als ein Architekturwerk von guten Propor­tionen. Ohne sonderlich originell sein zu wollen, hat es innen die Form eines Tonnengewölbes erhalten durch die Einfügung einer Rabitzdecke, die in dem mächtigen eisernen Dachstuhle aufgehängt ist. Weit und hoch in seinen Maßen legt sich der einzige Rang leicht und wohlgcmessen hinein, in gefälliger Rundung und selber von ansehnlicher und bequemer Ausdehnung. Der Eingang soll sich vollziehen durch das alte Laus. Zwischen diesem und dem neuen Cuale bildet die geschickte Verbindung eine Art Atrium, Vestibül genannt. Man könnte den anheimelnden Raum auch wohl als Jnnenhalle bezeichnen, obwohl ihm das eigentlich Hallenartige nicht zu eigen ist. Wie das Atrium der alten Wmer erhält diese Innen- oder Mittelhalle ihr Licht von oben. Die unmittelbar über ihr liegenden Fenster der alten Aula bedingten mit Notwendigkeiten die beschei­dene Höhe dieses Zwischenbaues, doch gerade sie gestaltet den Raum behaglich. Das Uebrige dazu tun die ganzen Matzverhaltnisse, die hübschen Nischen und die behäbig alt­väterische Form der würdigen imb zugleich trutzigen Säulen aus Quadergestein, die Steinbänke an den Wänden und jedenfalls auch der noch nicht vorhandene Kamin. Die Nieschen werden die Garderobe.! in sich aufnehmen. Im übrigen soll der Raum als Wandelhalle und -Frühstücks­zimmer den Studenten dienen. Vom großen Saale führt eine breite Tur in einen kleinen Vorraum, der die Treppen zur Galerie enthält, sowie den Hauptausgang. Dieser be­findet sich auf der Seite nach der Goetyestraße zu. Die ihm gegenüberliegende Schmalseitenwand hat heute noch -drei leere Felder, die von den großen Porträts des Groß­herzogs Ernst Ludwig, des Stifters der Universität Landgrafen Ludwig V. und des Miederherstellers, des Landgrafen Georg II. eingenommen werden sollen Dar­über zieht sich reicher plastischer Schmuck hin, der noch gekrönt wird von dem bao Johanniterkreuz zeigenden Wap­pen der Universität. Sonst ist, wenigstens vorerst, das ganze Gebäude von äußerster Schlichtheit und alles Dekora­tive vermieden. Tie Beleuchtungskörper und das von der hiesigen Firma Theodor Brück zu liefernde Gestühl ver­sprechen dem Raume die rechte Feierlichkeit und Würde zu verleihen. In seinem Aeußeren hat der Neubau etwas Kirchenartiges, infolge seiner kapellenartigen Affixe. Auch die den alten Butzenscheiben ähnlichen ovalen Fenster­scheiben aus mattem geiblicheni Glase verstärkten di-.sen ^Eindruck, nehmen sich aber ganz schmuck aus. Der Stil Pird. als leicht ürodernmerter SBarnrf bezeichnet; doch ist

es nicht das üppige Barock einer verschwenderischen, bem Pompösen holden Zeit. Man^sieht keine gekröpften Gesimse und derbe plastische Dekorationen, und selbst die rund ge­schwungenen Linien sind nicht durchweg zur Anwendung gekommen, die doch das Hauptcharakteristikon des eigent­lichen Barock sind. Der, echt barock, gebrochene Dachstuhl ist spitzwinklig (dieser spitze Dachwinkel kommt auch bei den schönen Nauheimer Barockneubauten vielfach vor), das Rund­fenster drunter von Voluten und Kranzwerk verziert. Auch die Krönung des Portals scheint ganz das charakteristische geschweifte Arabeskenornament des Hochbarock zu erhalten. Im Ganzen sieht man gutes Proportionsgefühl betätigt, und das ist die Hauptsache. So ist denn anzunehmen, daß dieser Saal wohltuende Behaglichkeit in sich ausbreiten und einen schönen und zweckmäßigen Rahmen für akade­mische Feierlichkeiten und für vornehme Konzerte abgeben wird.

** Der Personalbestand unserer Landcsuniversi- tät ist in der gewohnten Uebersichtlichkeit und Genauig­keit erschienen.

X L i ch, 16.Juni. Ter E i s e n b a h n - B e a m t e n-Verein von Marburg und Umgegend unternahm heme einen Sommer- Ansflng hierher. Um 1.30 Uhr traf ein Extrazug mit zirka 700 Personen hier ein. Während die Hallte der Teilnehmer einen Spaziergang nach K-l o st er Arns du rg unternahm, blieb die andere Hallte bei Gastwirt Hailand hier, ivo sich die Teilnehmer mit Tanz und Kinderspielen amüsierten, bis der Zug um 7.30 Uhr sie wieder nach ihrer Heimat zurück be'örderte.

-s-Lang-Göns, 17. Juni. Ter GesangvereinGer- mania" feierte gestern sein 17jähriges Stiftungsfest. Der Vorstand wurde einstimmig wieder- und Herr Will). Wagner neugewählt. Der Präsident, Anton Müller 32 ter, unter dessen Leitung der Verein einen größeren Aufschwung ge­nommen hat, wozu der rührige und kenntnisreiche Dirigent Samss einen großen Teil beigetragen hat, erhielt als An­erkennung ein prachtvolles Ehrendiplom.

= Ehringshans en, 16. Juni. Das Posaunen­fest des Kreises Wetzlar ging heute hier von statten. Es mochten an 250 Bläser erschienen sein: die Zahl der Hörer zählte nach Hunderten. Pfarrer Spehr hielt die" Be­grüßungsrede und Stadtmissionar Weber aus Köln sprach über den Weg zu wahrem Glück. Als letzter Redner trat Lehrer Klein aus Weidenau auf, der auch das ganze Fest leitete. Er hatte sich das Thema:Die Nachfolge Jesu und das herrliche Ziel" gewählt. In seinen Ausführungen wurde er durch einen Regenschauer unterbrochen. Die Chöre, welche die Ansprachen umrahmten, wurden durchweg gut vorgetragen. Besonderen Eindruck machte der von allen Bläsern vereint zu Gehör gebrachte Chor:Preis und An­betung sei unferm Gott!"

Orten berg, 16. Juni. In unserem Städtchen beging man heute das Fest des 25 jährigen Bestehens der freiwilligen Feuerwehr. Im Mauergartensaale tagten die Delegierten des Feuerwehrverbandes; nach der Erledigung der Geschäfte fand im Gasthaus zur Post Fest­tafel statt unter großer Beteiligung. Am Rathaus nahm die Ortenberger Wehr unter Leitung ihres Kommandanten Söhnge eine Hebung vor. Dann gab es einen großen Fest-8 zug mit drei Kapellen zum Festplatz, wo den Herren Ge­richtsvollzieher Vetzberger aus Nidda und M. Söhnge von Kreisrat Böckmann aus Büdingen Orden über­reicht wurden. Eine große Menschenmenge wogte auf dem Festplatz, der auch von der Gräfl. Stolberg'schen Familie besucht wurde.

(X) Hanau, 16. Juni. Eine interessante Scha­densersatzklage wird demnächst vor dem hiesigen Landgerichte verhandelt. Der preußische Minister der geistlichen usw. Angelegenheiten hatte vor einigen Monaten von den Mitgliedern des Tekorationskomitees für das Bonifatiusjubiläum in Fulda eine Erklärung gefordert, ob sie zunächst 4000 Mark abschlägigen Schadenersatz für den Brand der beiden Türnte des Fuldaer Domes leisten wollten. Hierzu scheinen sich diese nicht verstanden zu haben, sodaß die Sache nunmehr ihren gericht­lichen Lauf nimmt und der Fiskus vollen Schadensersatz beansprucht. Den Mitgliedern des Dekorationskomitees, Rentner August Müller, Stadtrat Karl Kramer, Stadtbau­rat Schirmeyer, Architekt Fritz Adam und Pyrotechniker Karl Pauly, sämtlich in Fulda, ist jetzt die Klage auf Scha­densersatz eingehändigt worden. Termin ist auf den 29. d. M. angesetzt.

Hessische Bereinigung für Volkskunde.

(Schluß.)

Büdingen, 16. Juni.

Bei einer Besprechung über die Steigerung der Sammeltätigkeit teilt Dr. H e p d i n g mit, daß durch die ersten Sammelbogen vor etwa 10 Jahren bedeutendes Material zusammengekommen sei, jetzt würden neue Sammelbogen aus­geteilt. Er regt die Gründung von weiteren Ortsgruppen, be­sonders auch eine solch: für Büdingen an, von Gießen wird für Redner gesorgt werden. Kreisrat Böckmann und Schulrat Scherer schlagen die Vereinigung mit dem Altertumsverein und dem jetzt in Entstehung begriffenen Heimatspflege-Verein, Ortsgruppe Büdingen vor, was von der Versammlung gut ge­heißen wird. Um 145 Uhr begann die öffentliche Versammlung, eröffnet von Prof. Dr. Helm-Gießen. Pfarrer Sch ult e- Großen-Linden hielt einen hochinteressanten Vortrag überTauf­bräuche in einem Orte Oberhessens im Laufe von 2 Jahr­hunderten". Besondere Heiterkeit erregte es, daß in jener Zeit den Taufen eine sogenannte Patenpcüfung vorausging, die das Amt eines Paten gerade nicht sehr verlockend machten, wurden doch nicht selten unwissende Gevatterleute beimgeschickt, um die Prüfung in den vier Hauptstücken nach einigen Tagen nochmals abzulegen. Tiefe Patenprüsungen waren aus Grund eines Er­lasses Philipps der Großmütigen eingesührt worden. Paten, die von auswärts kamen, mußten Gevatterzeugnisse vorzeigcn, die vom Pfarrer ausgestellt waren und 5 Albus gleich 40 Pfg. kosteten. Anhaltender Beifall folgte dem Vortrage.

Oberlehrer Fah z-Büdingen referierte in spannender Weise überBüdingcr Kinderlicder und Kinderreim c". 6r streifte in seiner Blütenlese von Kinderverschen fast alle Gebiete des kindlichen Gesichtskreises, seines Denkens und Tuns, vom Neck- und Spottverschen bis zum Reigengesang, die Schlaf- und Koselieder der Mütter und Ammen, die Heilverschen, die noch an die alten Zaubersprüchc erinnern. In bunter Reihe und ost von lebhaftem Beifall und Heiterkeit unterbrochen folgten Reiter- licdchcn. Grüße und Wünsche an den Klapperstorch, Pfeifenkopf- und Beercnpflückverschen und Spottverse aus Namen z. B. Anderes, freß die Käs und Berufsarten. An den Vortrag schlossen sich, gleichsam den volkskundlichen Glanzpunkt der Hauptversammlung bildend, die Vorführungen mehrere Kinderspiele und -Reigen, gespielt von den Kindern der Volksschule und höheren Mädchen­schule. Unter den Spielen waren auch mehrere, deren Aufführung bisher gänzlich unbekannt geblieben ist. Die frei und ungezwun­genen Spiele der fröhlichen Kinderschar ernteten allgemeines Lob, dergleichen ein von einem Mädchen vorgetragenes Wcrbegedichtchcn in Büdingcr Mundart. Der letzte Reierent des Tages, Dr. Hep- ding- Gießen gab eine Erläuterung über die jetzt zur Ausgabe kommenden Tragebogen. Redner führte aus, da", durch die modern' Kultur und, den gesteigerten Verkehr d.e Vollslsider mehr und mehr verschwinden. Das lindliche Spiet und die Freude an der Jugend soll durch die Sammlung der Kinderlieder wieder wachgerusen werden; sic find ein reicher Quell der. Freude

für die Kindesfeele, das Spiel begleitet ihr Leben und Treiben, es umgaukelt ihre Träume. Alle Spiele sind mit Gesang begleitet und gehen in 2/< Takt. In dem Kinderlied begegnen wir nicht selten oltgermanisch-heidnischen Bräuchen, in den Kinderreihen leben die alten längstvergessenen religiösen Reigen und Tänze weiter, in den Melodien sind alte Volksweisen enthalten. Redner gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich recht viele an der Samm­lung beteiligen möchten und schließt mit den Worten:Aus der Jugendzeit klingt ein Lied mehr wunderbar, 0 wie liegt so weit, was mein nicht war". Pfarrer Schulte dankte allen, die heute zu dem schönen Verlauf der Hauptversammlung bc'getragcn haben, insbciende.c auch den Kindern für ihre prächtigen Darbietungen, und schloß um 61/1 llhr die Versammlung. Eine Anzahl der Herren beckckt gt? unter Leitung der Büdingcr den Schloßgarten, das alte Schloß der Fürsten zu Isenburg Büdingen und den an­grenzenden großen Park. ImSt^rn" fand um 7 Uhr ein ge­meinsames Essen statt. Kreisrat Böckmann gab dabei seiner Freude Ausdruck darüber, daß der Verein Büdingen zu seiner dies­jährigen Tagung ausersehen hatte und Pfarrer Schulte dankte den Büdingern für die freundliche Aufnahme.

Citerarhebes.

Wiegand, M., Dr. jur., Das Hessische Staats­beamte n r e ch t, Verlag von I. Tiemer tu Mainz, 1907; Die 136 Seiten umfassende Abhandlung bcbentct den ersten Versuch einer zusantmenigssenden, systematischen Darstelltutg des tu zahl­reiche Einzelgeletze zerstreuten hessischen Staatsbeamlenrechts. Der Verfasser gibt in einem 1. Teil einen kurzen geschichtlichen Ueber- blick über die Entivickelung des Beamtenrechts im allgemeinen, insbesondere aber im Großherzogtum Hessen. Der 2. Teil behandelt das geltende Recht. Die beiden ersten Paragraphen bringen die Grundsätze mehr allgemeiner Rattir über Begriff und Arten sowie Begründung des Beamleiwerhältnisses unter Berücksichtigung der einschlägigen hessischen Bestiininnngen zur Darstellung. Sodann werden bie einzelnen Dienst- und Amtspflichten der Staatsdiener und die im Interesse voller Pflicktersüllung den Beamten anserlegten Nechtsbeschränkungen erörtert. Ter § 5 behandelt die Rechtsfolgen der Pflichtverletzungen in strafrechtlicher, privatrechtlicher, dis­ziplinarischer und politischer Hinsicht. Im weiteren wird ans die Rechte der Beamten, insbesondere die Gehalts- und' Pensionsver- hältniffe soivie die Witwen- rtnd Waisenversorgung cingegangen. § 7 berührt die Befreiung der Beamten von öffentlichen Pflichten. Während in § 8 die möglichen Arten der Veränderungen des Staatsdienstverhältnisses, als Versetzung, Suspension und Pensio­nierung zur Besprechung fommeii, läßt sich der folgende Paragraph über das Wesen mid die Gründe der Beeudigulig des Beamten- verlmltnisses aus. Den Schliiß bildet eine Schildernng der Rechts­verhältnisse einiger besonderen Beamtenklassen, so nanientlich der Richter, der Notare uiid der mt hessisch-preußischen Eisenbahnge- meu'fchgitsdienst angestellten hessischen Beamten. Ein kleuier Nacb- trag enthält m Kürze die hatiptsächlichsteii Bestimmimgen des Hess. Woh'.rimgsgeldziischilßgesetzes vom 28. März 1907. Ein kurzes Sachregister ist beigefügt.

Universitäts-Nachrichten.

Halle a. d. S., 17. Juni. Tie Mehrzahl der st n d e n t i s ch e u V e r b i n d n it g e n lehnte für den 21. Juni die Beteiligung am Fackelzug zur Weihe des B t s m a r ck d e n k m a l s im Saaletat ob, weil die katholischen Verbindungen nicht zurücktralen. Tie freie Stildentenschast und die konfessionellen Verbiitdungen machen ihren Fackelztig allein.

IColonialpoft-

Berlin, 17. Juni. Simon - Köpper - Leute a»ls Gochas töteten am 5. Juni bei Taberas den F a r m e r D n n c n >t, ivahrscheinlich ans Rache für seine den deutschen Truppen während des Krieges getesteten Dienste. Tie Mörder trieben die Ochsen in die Kalahari uiid fonnten nicht mehr eingeholt werden.

Sandel.

Berlin, 17. Juni. Die dritte diesjährige W 0 l l a u f t i 0 n, welche sich dem offenen W 0 l l ni a r k t anschließt, findet am 18. Ium nachmittags statt. Tie ans beit verschiedenen Provinzen zur Ver- fteigcrung gelangenden Wollen umfassen etwa 7500 Zentner teils Rückenwäschen, teils ungewaschene Wollen. Die Besichtigung sci- tens der ziemlich zahlreich erschienenen Interessenten nahm einen regen Verlauf. Der Ausfall der Rückeniväschen ist im allgemeinen befriedigend, während die Schmutzwollen vereinzelt weniger den Wünschen der Käufer entsprachen. Tie Anmeldungeit und Ein­lieferungen zum offenen Markt haben einen guten Verlauf genommen. Bis jetzt sind gegen 200 Zentner eingelagert. An den Stadl- lagereieu geht es recht lebhaft zu, um bie ankornmenben Wollen diesjähriger Schur zu lagern. Tuch- und Stoffabrikanten ans den Provinzstäbten besichtigen vielfach bie Lager.

Märkte.

Gießen, 18. Juni.Marktb ericht. Aus heutigem Wochenmmkte kosteteii: Butter pr. Pfb. 0.901. Alk., Hühnereier 1 St. 60 Pfg., 2 Stck. 11-00 Pfg., Gäiiseeier 1000 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Pib. 18-24Pig, Linsen p. Pfb.25-40Pfg.,' Tauben pr.Pr.0,801,00Mk., Hühner pr.St, 1,001,60 Mk., Hahne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr. Psb. 00-00 Pfg., Ochsensteisch pr. Pfb. 8288 Pfg., Kuh- tmb Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6476 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8090 Pfg., Hammelfleisch pr. Psund 6484 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,009, Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 10,0012,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Kirchen das Pfund 4050 Pfg., Aepsel per Zentner 20 bis 25 Mk., in Korben 00 Pfb., Nüsse 100 Stück 5000 Pfg., per Ztr. 915 Mk., Weißkraut per Stück 1530 Pfg., per Zentner Mk. 0.00-0.00. - Marktzeit von 71 Uhr.

TeBefmiisciie

des Giessener Anzeigers, mitge und Industi

Frankfurter Bürs

3)j% Beichsanleihe . . 93.30 3% do. . . 83.40 3 )$ % Konsols .... 93.35 3% do.....83.40

3/4% Hessen . . . 93.00

334% Ober liessen . . . 94.00 4So Uesterr. Goldrente. . 98.50 4% ?0' Ocsterr. Silberrente 99 30 4;>ö Ungar. Goldrente . . 93.95 4% Italien. Reute . . . 103.30 3% Portugiesen Serie I . 66.40 3% Portugiesen 111 66 50 4)4% russ. Staatsaul. 1905 90.50 4)5 % japan. Staatsanleihe 92.05 1 % Gonv. Türken von 1913 13.70 Türkenlose......135.80

Griech. Monopol-AnI. .. 4% äussere Argentinier . 84.20 3% Mexikaner! .... 64.00 4>ü% Chinesen .... 96.30

A lr 4i an

Bochum Guss 219.20

Buderus E. W ....

Teudeuz: fest.

BSerliner Börse, 1

Cauada E. B. . .f$. . .. Darmstädter Bank . . . 127.10 Deutsche Bank .... 218.75 Dortmunder-Union C. . . 70.75 Dresdner Bank .... 166.50 Tendenz.: lustlos.

Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie. Giessen.

v 18. Juni, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 115.20 Elektriz. Sehuckert . . . 102.10 Esch weil er Bergwerk . .. Gelsenkirchen Bergwerk . 186.20 Hamburg-Amerik. Paket'. 128.10 Harpcner Bergwerk. . . 198.70 Laurahätte.......

Nordd. Lloyd . ... 115.30

Obeischles. Eisen-Industrie 100.60 Berliner Haudelsges . . 148.90 Darmstädter Bank 127.10 Deutsche Bank . . . 219.00

Deutsch-Asiat Bank . . 146 50 Diskouto-Kommaudit. . . 166.20 Dresdner Bank . . . 136.10 Kreditaktieu..... 202.30

Baltimore- und Ohio-

Eisenlaim . . . 91.50

Gotthardhahn . . . ,,

Lombard. Eisenbaku . . 27.60 Oesterr. Staats bahn . . . 144.25 Pnuce-Heuri-Eiseubahn . 130.00

>. Juni. Anlaugsknrse.

Harpener Bergwerk. . , 198.40 Laurahütte ..... Lombarden E. B. ... 27.80 Nordd. Lloyd......

1ürL dnlose . ... 135.60

Scbi 5 j s a d? r i d? t c n.

Red S 1 ar 2 i n 1 c.

Ter PostdampscrKroouland" derRed Star Linie' in Antwerpen ist laut Telegramm am 28. Mat wohlbehalten in Rew-Pork angekommem