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18.6.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 140

an den Stpaßen anpflanzen.

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nicht lediglich Slutzbäume fordern sei eine Acndcrung

des ß 26 des LeldbereinigungSgesetzes^ auf das Entfernen von Wildbäumon

denken. In fremden Ländern zeigt sich dasselbe Wer ohne Vor- emqenominenheit die Programme prüft, muß finden, daß die bürgerlichen Parteien sich immer wieder znsammensinden nnd wenn die eine Partei eS ist wahrlich nicht immer dieselbe den anderen um Jahrzehnte nachhmkt. Der hätte vor 20 Jahren geglaubt, daß die stoclkonservatioe Krenzzeitnng im Jahre 19u7 den nichtsozialdemokratischen Arbeitervereinen aiiraten würde, nicht ans das Etreikrccht zu verzichten? Welche Parte, hot sich denn den sozialpolitischen Bestrebungen de- Fürsten BiSinarck am längsten widersetzt I Steht eS ebenso mit der sozialdemokratischen Partei, wenn man von einigen weißen Naben, die in der Partei ohne Einfluß sind, absieht? Olein, ihr Ziel ist ausgebaut aus einer ganz anderen Staatsidee. Ter Liberalismus mußte feine monar­chische Gesinnung, seine Auffassung von Eigentum, von Wahrung der Freiheit des Individuums ausgeben, also sich selbst, wenn er mit ihr an einem Strang ziehen wollte. ,Tie Sozialdemokratie ist freiheitlich", sagt man,darum fönnen wir mit ihr gehen." Nein, sie ist keine Partei der Freiheit, sondern der Tyrannei, der Knechtung der inneren Menschen und beS äußeren. Tas zeigt die Praxis jedem, der es sehen will. Tab sie gegenüber den jetzigen Inhabern der Gewalt nach Freiheit ruft, beweist noch lange nichts. Man fäme bei ihr auS dem Regen in die Traute.

Was würde Eugen Richter zu den von uns kritisierten Worten des Herrn Korell sagen,daß es sich bei der Stellung zur Sozial- demokratie um eine Frage der Taktik handele" ? Dian lese doch einmal die einstige Riesendebatte über die Sozialdemokratie im Reichstage. Sieben bie letzten ReichLtagswahlen nicht auch eine be­redte Sprache? Oder ist das alles schon wieder vergessen?

Der Liberalismus muß in seiner Stellung zur Sozialdemo­kratie auch heute Farbe bekennen. Eine Znfammeniasiuug der liberalen Schattierinigen darf diesem Punkt nicht au§ dein Wege gehen. Liegt denn ein wesentlicher Unterschied in den Programmen der liberalen Parteien bezw. ihrer Stellung zum Programm der Sozialdemokratie? Unseres Erachtens nicht. Auch in Bezug aus die SJlittel zur Vekämpsung bet Sozialdemokratie liegt nichts wesentlich Trennendes vor. Was sollte beim da ein lieberem- kommen aller liberalen Parteien über diesen Punkt erschweren? Auf nationalliberaler Seite will man bie Stellung sestlegen. Warum scheuen sich linksliberale Herren bavor? Oder finb es nur Herren, bie sich ehemals nationalsozial nannten, wie Herr Tr.Ohr uiid unseres Wissens Herr Pfarrer Korell? Die Blockmehrheit im Reichstag, die ja ans noch verschiebencren Elementen zusammen- gesetzt ist, scheint in diesem Punkt anders daznstehen. Gewisse Herren, die aubcrhalb beS Parlamentes stehen, scheinen bie durch die Slot der Zeit ober in richtiger Erkenntnis geschaffene Einigung miedet zerstören zu wollen. Es dünkt uns, als ob die Gefahr, bie die Sozialdemokratie in sieh schließt, von manchen nicht erkannt würde. Vielleicht glaubt man, ihr zu jeder Zeit ivieder verbeugen zti können. Vor der großen französischen Revo­lution spielte man in Frankreich aud) mit dem Feuer, und viele haben sich daran die Finger oerbraunt. Die Geschichte scheint manchmal da zu sein, um nichts zu lehren.

Ter Nationalverein mag sieh bewähren, wie auch Außen- steheudo es tun, die liberalen Parteien zu einigen und zwar so, daß et das Gemeinsame ihrer Programme betont, sowohl in posi­tiver als in negativer Beziehung. Es nützt nichts, in einem Punkte, der den größten unserer liberalen Parteien wesentlich ist, den Vogel Strauß nachzuahmen.

National" sein ist allerdings nicht gleichbedeutend mitkämpfen*. Es stellt vielmehr die Liebe zum Volkstum in den Vordergrund; es verlangt aber, daß man die bekämpft, die ins Land hinaus- ziehen und bie Vaterlandsliebe bekämpfen, die Existenz eines Vater­landes leugnen siehe Dr. DtichelS hier. Freilich wollen wir einen Kampf mit geistigen Waffen. Seine Quelle ist nicht der Haß, sondern die Liebe, Liebe zu dem, was wir verteidigen, Liebe auch zu denen, die wir von einem nach unserer festen Ueberzengung irrigen Weg abbringen wollen. Wir kämpfen gegen die falsche Lehre, nicht gegen Personen, die ihr anhängen. Darum brauchen wir auch unsere Gegnersedast gegen die Sozialdemokratie nicht zu verbergen. Unser Kampf ist fein Angreisen, er ist ein Verteidigen unserer Weltauffassung, unserer Staats- und Gesellschastsidee, der in den liberalen Lagern seit langer Zeit leider vereinzelt und erst 1907 leiblich geschlossen geführt worben ist. Und weil diese bei allen Liberalen grundverschieden ist von der der Sozial­demokratie, müssen wir auch, wenn wir uns zu einem Bunde zu­sammenschließen, diese Gegnerschast freimütig bekennen und zwar ohne Rücksicht auf taktische Gründe.

9! a ch f ch r i s t. Stach Niederschrift des Vorstehenden finden wir in Str. 275 derNationalzeitung" einen Artikel:Unlauterer Wettbewerb", der sich mit dem in mancher Hinsicht eigenartigen Vorgehen des Herrn Dr. Ohr, der jetzt in Diünchen wohnt, besaßt. Zu unserer Befriedigung findet sich dort dieselbe Auffassung. Herr Dr. Ohr wirb darin mit scharfen Worten abgewiesen. ES heißt dort zum Schluß:

Man wirb in beit Kreisen ber nationalliberalen Partei wissen, wie man zu diesem unlauteren Wettbewerb sich zu stellen hat, und wir können den Herren Ohr und Genossen nur emp­fehlen, die alte Fahnenationalsozial" ivieder offen aufzu- pflanzeu. Tie politische Ehrlichkeit spricht für diesen Rat. Dian wird oit d) in b en Greifen ber freisinnigen Volks- partet und ber süddeutschen Demokratie in diesem Urteil mit uns ü b e t e t n ft i m m e n: Andeutungen, bie von feinem geringeren als Payer (Demokrat) durch die Presse liefen, gingen in derselben Richtung."

Männern, bie sich für bie Sache interessieren, dürfte ber er­wähnte Artikel berNationalzeitung" zu empfehlen sein.

Garten- und Blumenpflege.

Lehrer Will-Rendel wies auf bie Schädlichkeit ber Katzen' für die Bogelwelt hin unb forderte die Vertilgung herrenloser Katzen und eveml. (Einführung einer Katzensteuer (lebt Heiter­keit). Ferner empfahl er die zweckmäßige Anbringung von Nist­kästen, die nicht zu nahe bei den Orten angelegt werden dürsten, da man hierdurch nur Brutstätten für Spatzen schasse. Auch die richtige Anlage der Klebgürtel fei sehr zu empfehlen, insbesondere das öftere Streichen derselben. Namentlich die Lehrer in Laud- orten tonnten für die Erhaltung der Vogelwelt viel tun. (Lebh. Zustimmung.)

Kreisarzt Tr. Nebel von Friedberg gab zweckentsprechends Anleitungen zum Transport von 5t ranken und Ver­letzten auf Straßen und in Häusern Mindestens in den größeren Gemeinden müßten zweckentsprechende Tragbahren und Material zu Notoerbänden vorhanden sein, damit verunglückte und Erkrankte von der Unsallstelle nach .Hous oder ins Kranken­haus gebracht werden könnten. Ein Verbandkasten koste nur wenige Mark und eine Tragbahre nur 30 bis 40 Mark, an den Kosten brauche die Sache also nicht zu scheitern. Weiter sei zu fordern die Anschaffung von Sanitätskästen ober bie Anlage von Kranken­pflegestationen, die zur Krantenheilstäue erforderliche Gegenstände enthalten sollten, deren Anschaffung dem Einzelnen schioer falle. Ter Redener zeigte bann eine Anzahl solcher von ber JJriebberger Firma Fuendding ausgestellten Gegenstände, einfache Tragbahren, Verbandkästen, Sanitatsschränke usw. unb schloß mit ber Mittei­lung, daß er gerne bereit sei, den Gemeinden mit Rat und' Tat bei der Anschaffung zur Seite zu stehen. (Lebh. Beifalls

Pfarrer Zaubitz - Bensheim, ber Vertreter des hessischen Diawnieoereins, erörterte die so wichtige Frage der Kranken­pflege auf dem Lande, die sich ber von ihm vertretene Verein zur Aufgabe gemacht hat. Bis jetzt schon seien 30 Schwestern aus- gebildet.

Landrat Tr. Beckmann-Usingen verbreitete sich über diq tetr. Einrichtungen nt Nassau, bie durchaus günstig finb.

Sodann wurde ber geschäftliche Teil ber Hauptver­sammlung erledigt. Ter Voranschlag verzeichnet 5780 Mk. Ein­nahme (darunter Ö2S0 Mk. Ueberschnß vom ersten Trachtenfest- und 2055 Mk. Ausgabe. Ter Ueberschnß 3835 Mk. soll verzinslich angelegt werden. Einige geringfügige Statutenänderungen sanden Zustimmung, ebenso das Statut für die Bezirlsgruppen. _ An­stelle des verstorbnen Pfarrers Maue.'-Fehlheim wurde Psar r Schulte in Großen-Linden als Vorstandsimtglied gewäistk u.s Ott der nächsten Hauptversammtung wurde B a o - .. a u h e i ut gewählt. Bürgermeister Tr. Kayser lud ün Anschluß an; die

tretens des Vereins die Aufgabe, der Entvölkerung des flachen Landes und dem Zuzug nach Den großen Staaten entgegen;,utreicn. Dies soll geschehen Durch Einwirkung aus fecligeni Gebiet, indem der Verein die veimatlicbe pflegen und fördern wolle. Er wünsche herzlichst, daß sich aud) ber hessische Verein so Fräfiig entwickeln möge wie seine älteren Brudervereine in Württemberg, Baben und Thüringen, und baß ihm auch die tatkräftige Förderung der Landesregierung nickt fehlen möge. Er schloß mit dem Wunsch, daß sich das Verhältnis zwischen Landesverein und deut­schen Verein getreu der Devise gestalten möge:In Treue fcfL'/ (Äbh-ster Beifall.)

Pastor Franke überbrachte Gruße der thiiringifchen Ver­einigung für Wohlsahrstpflege, indem er dem hessischen Verein bestes Gedeihen wünschte. In einer Hinsicht sei c? in Hessen viel besser, es gebe hier noch Trachten, alte VollSsitten und Häuser, während in feiner Heimat d von nichts mehr vorhanden fei Sodann dankte er für das Entgegenkommen, das er hier und in verschiedenen Dörfern gefunden habe und erwähnte mit besonderer Freude bie hessische Bauerhochzttt in Pohl-GonS, bei ber er am Vormittag habe verweilen können.

lieber bie Pflege des

Gartenbaues, Blumenschmuckes und Vogelschutzes in ben Volksschulen, sowie in Vereinen sprach Haupt- kl)rer Storch in Butzbach. Er führte etwa aus, daß Bosheit, Unverstand und Gleichgültigkeit bie Feinde seien, bie der Natur am meisten schaden, unb emsiger Arbeit von HauS und Schule, bedürfe es, dem gedankenlosen ober böswilligen Vernichten von Pflanzen und Tieren zu steuern., Die Liebe zur Natur in ben Herzen der Kinder einzupflanzen sei deshalb eine der wichtigsten Aufgaben. Um dies zu erreichen, bedürfe es keinen neuen Unter' rickttgegenständes, fonb.rn nur einer entsprechenden Gestaltung deS naturkundlichen Unterrichts und einer zweckmäßigen Einrichtung der Schulgärten, in denen nicht blos eine Herberge fremder Pflanzen geschaffen, sondern die eine Pslegestätte der wichtigsten einheimischen Gewächse sein sollen. Manche Pause könne in einem richtigen Schulgarten nutzbringend verbracht werben, indem man die Kinder selbst zum Pflanzen und Pflegen von Blumen anleiten solle. Daraus werde sich leicht die häusliche Blnmenpflege ent­wickeln und damit wecke die Schule den Sinn für die Biumen über-

AoH einmal die Einigung des Liöeralismus.

Der Herr Verfasser beS am SamStag von uns als Leit­artikel veröffentlichten kritischen Zuschrift über die Darmstädter Propaganda-Versammlung des neuen deutschen National- veremS sendet uns unter Bezugnahme auf unsere Fußnoten dazu diese zweite Zuschrift, die wir wiedergeben ohne weitere prinzipielle Erörterungen und ohne von unserem Standpunkte abzuweichen, der darin gipfelt, baß wir glauben, der neue deutsche Nationaloerein sehe seine Ausgabe nicht sowohl im Kampfe gegen andere Parteien, als vielmehr in ber Zusammen­fassung der bestehenden liberalen Fraktionen.

Indem ich Ihnen für den Abdruck meiner Zuschrift verbinb- lichsr danke, möchie ich wenigstens auf einen Druckfehler in Spalte zwei aufmerksam machen. Es muß dort heißen »absolut feindlich". Ihre Bemerkungen, die in manchen Punkten meinen Ausführungen zustimmten, in einem wesentlichen aber abweisend sind, nötigen mich, noch einmal zur Feder zu greifen, und ich bitte, meinen Ausführungen in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben.

Tie sozialistische Presse ist m. E. nicht so ungefährlich, als Sie meinen*). Wer bei den letzten Wahlen hinauvgekommen ist, hat den unheilvollen Einfluß dieser Presse gesehen. Die steten Be- hauptiiiigen dieser Presse wirken mit der Zett um so mehr nach, ba sozialistische Führer das Lesen anderer Blätter oit mit Erfolg zu hindern suchen. Steter Tropfen höhlt Den Stern. Freilich kann man nicht alles widerlegen, aber das wesentliche müssen wir von Zeit zu Zeit richtigstellen. _ .. r...

Tie Behauptung, Liberalismus unb Sozialdemokratie hatten In grundsätzlichen Anschauungen Berührungspunkte, kann meines Erachtens irre führen. NurEinzelforberungen sind bisweilen gemein­sam, und das gilt doch in viel höherem Maße von den übrigen bürgerlichen Parteien. Tie Ziele des Liberalismus und Der Sozialdemokratie aber sind grundverschieden, ja einander bi rett entgegen gefegt.

Sie fragen: Muß Denn der Nationalverein em Kampfverem fein? Heißt Dennnational" fein unter allen Umstandenkämpfen"? Beide Fragen treffen den Kern unserer Ausführungen im ersten Artikel nicht."') Tie Frage: »Was geht i()n (b. National-Berem) dabei die Sozialdemokratie an? bedeutet eine Umgehung des springenden Punktes. ,

Richtig ist, daß der Nationalverein als Ziel die Versöhnung der verschiedenen liberalen Richtungen proklamiert. Er i*emt es aber auf eine einseitige etwa Naumannsche Art tim zu wollen. ) Der Nationalverein muß au sich nicht Kampfoerein sein, ebenso­wenig wie der Liberalismus. Letzterer erstrebt bie Ausgestaltung unseres Staates nach liberalen Grundsätzen. Tas ist sein positives Fiel. Da er aber an der Verwirklichung dieses Zieles durch bie Parteien links und rechts gehindert wirb, ja feit längerer Zeit leiber einen geringen Einfluß auf das Ltaatsleben hat, muß er kämpfen unb zwar nach beiden Seiten. Wer ist Denn gegen­wärtig ber erbittertste Gegner des Liberalismus? Das wem jeher Zeitungsleser. Bei uns in Hessen gibt es fernen Konservatismus wie in' Preußen und unser Zentrum ist anders geartet als etwa bas bairische. Wer etwa 3u Jahre znruckblickt und überschaut, was die verschiedenen Parteien früher gefordert und bekämpft, und sieht, was sie inzwischen geleistet haben, wird finden, dap alte Parteien starke Wandlungen dnrchgemacht haben, dap sie teil­weise heute verteidigen, was andere gegen ihren^ Willen irmher geschaffen haben. Man braucht nur an unsere --ozialpottttt zu denken. In fremden Ländern zeigt sich dasselbe. Wer ohne Vor- eiugenommenlieit die Programme prüft, mutz finden, dag sie teil­weise heute verteidigen, ivaS andere gegen ihren^Wiuen iriiyer geschaffen haben. Man braucht nur an unsere Soztalpolittl zu

*) Wir haben bie Frage berGefährlichkeit" der sozialdemokr. Presse nicht erörtert, sondern nur auf die vielfach nerbreitete Ueberschätzung ihrer Wichtigkeit huigewiefen. . Tr.,,-

**) Wollten das auch garnicht, sondern nur die Zurückhaltung des Nationalvereins inbezug auf bie Sozialdemokratie rechtiertigen.

'**) Seine Münchener Gründer sind zumeist, wenn wir nicht irren, Mitglieder der nationalliberalen Partei JbarjernS.

bas geradezu eine Prämie ..... _ . . ..

barilcUe. Aehnlich fei bei Dachregulterungen verfahren worden, auch hier sollte man die Bäume und Sträucher nach Dtäglich- feit stehen lassen ober wieder pflanzen. Diese Erkenntnis m weiteren Streifen zu verbreiten, fei eine der wichtigsten Aufgabe, aller Streife. (Lebhafte Zustimmung.)

Mit dem Vortragenden stimmte Krcisrat Feh darin übereilt, baß vor allem eine Aenberung des § 26 des Felbbereinigungs- gefetzes anztlstreben sei, biamit auch die Wildbänme bei deff Feldbereinigung entschädigt werden tonnten. Er empfahl weiter bie Gründung und Unterstützung von ländlichen Vereinen für

Hauptversammlung des Hess. Vereins für ländliche Heimatpftegc, Wohlfahrt und Kunstpflege.

Butzbach, 17. Juni.

Die erste Hauptversammlung- des Vercins fand gestern vor­mittag bei sehr zahlreichem Besuch imHessischen Hof" hier statt. Erschienen waren u. a. der Geschäftsführer des deutschen Vereins für ländl. Wohlfahrtspflege Schriftsteller Sohnrey in Berlin, der Vorsitzende des gleichartigen tharrng. Vereins Pastor Francke aus Vogelsberg bei Weimar, em Vertreter des württemb. Heimatpflegevereins, Kreisrar Tr. Hölzrnger aus Alsfeld, Landrat Dr. Beckmann in Usingen, Denkmalpfleger Prof Tr Walde aus Tarmstadt, Vertreter des Vereins Der Oberhessen in Darmstadt, des Vereins zur Förderung des Blumen­schmucks im Kreis Friedberg, des Franenoereins für Erhaltung ber Volksgebräuche und hes,. Trachten, der Hess. Vgg. für Volks­kunde, des Hess. Diakonievereins,, des Butzbacher Geschrchtsvererns, zahlreiche Gemeinbevorstande usw. . ,, _

Ter Vorsitzende, Kreisrat Fey, begrünte zunächst alle Er­schienen, gedachte des im 1. Vereinsjah-: verstorbenen Vorstands­mitgliedes Pfarrer Mauer-Fehlheim und ging bann in längeren Ausführungen auf bie Bestrebungen des Vereins em. Insbe­sondere besprach er auch die Aufgaben und Ziele des neuge­gründeten hessischen Frauenvereins zur Förderung und Er­haltung ländlicher Gebräuche und Einrichtungen und Volks­trachten. Hieraus erstatte er den Jahresbericht. Wir werden auf einiges dieser Ausführungen nock) naher eingehen.

Schrifisteller Sohnrey überbrachte Grütze und Glück­wünsche des d.utschen Vereins für ländliche Heimats- uno Wohl- fahrräpslege, der-seinem jüngsten Zweig, dem bestischen, warme gefügte enigegenbringe. Er bezeichnete als Ursache des Jnsteben-

lstiupt. Der Schulgarten wecke außerdem bie Beobachtungsgabe der Kinder. Vor allem aber sei der Vogelschutz p empfehlen, ber neben seinen praktischen Erfolgen, der Vernichtung schäd­licher Insekten, wichtig sei für die Gemütsbildung. Namentlich solle man im Winter Futterplätze anlegen und ihre Versorgung den Kindern auftragen, die schon im Sommer Samen dafür sammeln fönnten. Ferner seien Nistplätze an^ubringen usw. Die Haltung von Stubenvögeln solle möglichst eingeschränkt werden. Immer aber solle man die Kinder zu Schützern der Bogelwelt erziehen. Für Vereine und Gemeindevorstände komme bann noch die Erhaltung und S^eupflanzung von Hecken und Gcsträuchern in Betracht, die bas Haus und die Burg unserer gefieberten Sänger feien. Auch auf diesem Gebiete gelte bas Wort: Wer bie Schule hat, hat die Zukunft" nt>nb deshalb solle alles dazu beitragen, durch Einwirkung auf die Jugend Blumenschmuck unb Vogel­sang, bie beiden lyrischen Gedielste aus dem großen Schöpfiings- buche ber Natur, uns zu erhalten. (Lebhafter Beifall.)

Rechtsanwatt Tr. v. H e l m o l t - Friedberg verbreitete sich sodanii über bie großen Vorteile ber Felbbereinig u n g « forderte aber Einschränkung und Verhütung ber bei ihr, sowie bei der Dach-Unterhalt>mg und -Regulierung entstehenden Schädcst für das landschaftliche Aussehen ber Gemarkungen. Vor allem toanote er sich gegen das jetzt gebräuchliche rcmiEale Entfernen aller Sträucher und Bäume, soweit sie nicht Stutzbäume sind. Tie' durch die Fcldbereinigung bedingte Beseitiaung der direkten Ver­bindungswege zwischen den Dörfern unb Der Hohlwege sei vont landschaftlichen Standpunkt aus zwar zu bedauern, aber es müsse im wirtschaftlichen Interesse ertragen werben. Dagegen) werde es wohl feiner ©äireinbe ein Opfer fein, trenn si.a einige Hundert Quadratmeter mit Sttäuchern unb Wildbäumen bepflanze, zumal dadurch der übermäßigen Insektenplage cy.t-i gegengewirkt werde. Auch die Kceisstraßenvern-altungen solltenj

politifdyc Tagesschau.

Maximilian Harden

sandte einer Berliner Mittagszeitung eine Zuschrift zu der Angelegenhert Fürst Philipp Eulenburg und Graf Kuno Moltke. Aber auch durch die neue Erklärung wird die Sache nicht klarer. Harden verwahrt sich gegen den Vor- wurs, der m der Preise vielfach erhoben wird, er habe feine Srtti( der Gruppe Eulenburg einzujchränken, abzuschwächen zu mildern gesucht. Er werde diese Kritik, deren Wirkung er für nützlich halte, in ihrem ganzen Umfang vor dem zn- standiaen Gerichtshof vertreten. Das heißt also, der Her- ausgeber derZukunft" gedenkt in dem privaten Bcleidi- aungsprozeß, den Graf Kuno Moltke gegen ihn angestrenat hat, eingehend bie Beweggründe zu seinem Vorstoß gegen die,^iebenbergcr Tafelrunde" darzulegen. Was aber Har­den schuldig bleibt, auch in feiner neuesten Erklärung, das ist em Beweis für die wider den Fürsten Philipp Eulenburg und den Grafen Kuno Moltke vorgebrachte Behauptung krankhafter Neigungen. Beide Herren haben, wie sich ja wohl denken läßt, nicht so sehr an der scharfen politischen Rtitif derZukunft" Anstoß genommen, sondern in erster Reihe an jenen ihre Persönlichkeit, ihre sittlichen Anschau­ungen treffenden Bemerkungen. Als Zeuge vernommen, hat Harden weder eine Tatsache noch ein Beweismittel in Bezug auf den Fürsten Eulenburg angeben können. Welchen Zweck soll es nun für den Fürsten Eulenburg noch haben, Harden auf dem Wege der Privatklage zur Rechenschaft zu ziehen? Jedenfalls ist der Aufwand von Tinte, um die ganze Sache recht in die Breite zu treiben, namentlich nach den letzten Erklärungen Hardens, unergiebig. SJuan braute lange Brühen. Bald sollte es sich um eine umfassende Staatsaktion der ,Liebenberger" gegen Bülow gehandelt haben, die bann ben Kanzler, um seine Stellung zu retten, gezwungen habe, eine große Reichstagsauflösungskomödie zu inszenieren; nach andern, besser Unterrichteten hat lediglich die Frage, ob in gewissen Kreisen Vergehen in der Richtung auf 8 175 eine Rolle spielen, zur Katastrophe geführt. Harden hat gezeigt, daß er nichts beweisen kann und auch nicht beweisen will, was man aus seinenEnt­hüllungen" herausgelefen hat. Bisher stehen die Aussichten für eine gerichtliche Klarstellung also nicht günstig. ES fragt sich, ob nicht Verjährung vorliegt. Auch der Straf­antrag, den Fürst Eulenburg selber gegen sich gestellt hat, dürfte nach den Erklärungen Hardens kaum zu etwas führen.

Zweites Blatt LS7. Jahrgang Dienstag 18. Juni 1907

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