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17/05/1907 Zweites Blatt
 
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I

Tanger, 16. Mai. Hie Mitglieder der englischen Kolonie, Ne am 9. Mai Mtarrnkcsch verlassen haben, sind nm 112. Mai in Safi eingctroffen. Ihre Reise ist ohne Zwischenfall itierlaufen. Die Franzosen, sechs an der Zahl, haben am fol­genden Tage Marrakesch verlassen. Ihre,Ankunft wird stündlich erwartet. Nach Mitteilung der cingetroffenen Engländer wären auch die Deutschen unterwegÄ Die Meldung, das; R a i s u l i sich chei dem Prätendenten befinde, ist unrichtig. Er ist zu dem Marabu Abdel Salem bei dem Stamme der Beni Arrona zurück­gekehrt.

New York, 17. Mai. Die behördliche Untersuchung wegen des Abfeuern--' zweier Schüsse, durch den Konstabler auf den Legations-Sekretär von Rodowitz ergab, daß Radowitz in einer gemieteten Automobil-Droschke saß, welche ein ihm unbekannter Chauffeur fuhr. Dieser war für sein gesetzwidriges Tempo verantwortlich und biefem allein galten die Schüsse, sodaß Derr von Ra do Witz mit der Sache überhaupt nichts zu tun hat.

Bombast, 16. Mai. Ter Herausgeber und Eigentümer der ZeitungIndian Homeruler" in Bo mb an wurde wegen aufrührerischer- Artikel zu einem Jahr Gefängnis ver­urteilt. Eswar schon im vorigen Oktober wegen einer gleichen Beschuldigung Anklage gegen ihn erhoben worden und er mußte sechs Monate eine Bürgschaft leisten. Im Februar veröffentlichte er die nämlichen Artikel zum zweitenmal und wurde deshalb zu der erwähnten Strafe verurteilt.

Aus SeaSt uno lano«

Gießen, 17. Mai 1907.

I n der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde die erledigte Stelle eines Schutzmanns beni ehemaligen Hoboisten 21. Thormann aus Bornstedt überwiesen.

""Die Verbreitung guter Schriften durch Kolportage wurde seit bald vierzig Jahren in unserem Lande durch den Hessisch-nassauischen Kolportageverein von dessen Geschäftsstelle in Herborn aus betrieben. So dank­bar wir auch für diesen Dienst sein konnten, so genügte das doch auf die Dauer dem Bedürfnis nicht. Sowohl der Kreis derer, die durch die Kolporteure aufgesucht wurden, als auch der der vertriebenen Schriften war nur sehr beschränkt. .Ganz besonders war Rheinhessen schlecht versorgt. Deshalb hat der Landesverein für innere Mission beschlossen, vom 1. Oktober d. I. an die Kolportage in eigenen Betrieb zu nehmen. Er hat zu diesem Zweck eine tüchtige buch- händlerische Kraft gewonnen und wird in Darmstadt eine Geschäftsstelle errichten. Ec hofft, dadurch auch, ebenso wie in Herborn und in Baden, einen nicht unerheblichen Gewinn unseren eigenen 2lnstalten der christlichen Liebe zuwenden zu können. Allerdings ist dazu ein Betriebskapital von 25- bis 80000 M. erforderlich, das durch eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung aufgebracht werdeu soll. Der Landes­verein hofft, daß sich für diese ungemein wichtige Arbeit Freunde genug ini Lande finden werden, die das nötige Kapital, das mit 4 % verzinst werden soll, dafür hcrgeben. .Sein neuer Vereinsgeistlicher, N. Schlosser, ist beauftragt, in den nächsten Wochen im Lande dafür zu werben. Schon jetzt werden alle Interessenten und Mitglieder, besonders auch die Geistlichen und Lehrer, die 2lgcnturen für Herborn hatten und ihren Bedarf von dort bezogen, gebeten, 311111 Herbst ihre Beziehungen zu Herborn zu lösen und sich dem hessischen Verein anzuschließen.

** D i e XI. Sitzung der Handwerkskammer findet Montag, 27. Mai 1907, vorm. 11 Uhr, zu Darm- stabt in dem Sitzungssaal der Stadtvcrordneten-Versamm- lung im Rathaus statt. Die Tagesordnung lautet: Mitteilungen, Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes, Prüfung und Abnahme der Rechnung des Etatsjahres 1906, Feststellung des Haushaltsplans für das Etatsjahc 1908, Anlage von Kapitalien, Errichtung neuer Gesellenprüfungs­ausschüsse und Bestätigung der Neuwahl der Mitglieber aller Prüfungs-Ausschüsse für 1907/09, Anträge, betreffend Lehrlingswesen, Gesetzentwurf: Abänderung der Gewerbe- ordnung (Kleiner Befähigungsnachweis), die Tätigkeit der Handwerker-Zentralgenossenschaft und Verschiedenes.

Zigeunerkonzert. Eine ungarische Geigertruppe wird auf ihrer Weltreise auch hier am Donnerstag den 23. Mai im 91cite» Saalbau gastieren. Große Abwechselung in Musik, Solo- und Chorgesang, außerdem choreographische Genüsse werden geboten. Reich an Llchtcffeklen und Ver­wandlungen ist die Aufführung, ein Traum von Licht und

EinDeutscher Schiller b und zur Gründung und Erhaltung jährlicher 9t a l i 0 n a l I e st s p 1 e l e für die deutsche Jugend im W e i m ar i s ch en Ho f t h e a l e r" ist vor kurzem ins Leben getreten. Es unterliegt u. E. keinem Zweifel, daß die edle Größe und erhabene Schönheit unserer klassischen Dichtung wie die Wucht und überragende Hoheit der Persönlichkeit unserer beiden Dichterheroeu au der Stätte ihrer Wirksamkeit in den Herzen unserer Heranwachsenden Jugend unverhältnismäßig eindringlicher, zu unvergänglichen Gemälden sich gestalten würde, als es der im immer noch allzu nüchternen Scvulsaate erteilte Unterricht im Deutschen vermag. Stünden doch unsere Söhne dort ganz im Bann der unverlöjchlichen Eindrücke, die die pietätvoll erhaltenen Wohnräume Goethes mtd Schillers, die die Grüfte der Verblichenen auf sie ausüben würden. Es ist-zu hoffen, daß dieses vortreffliche Unternehmen recht viele fördernde Freunds binnen kurzem finden ivird zum Besten unserer Jiigend, zur Erweckung des Sinnes für höchste deutsche Kultur in ihnen, zur Erhaltung der vornehmsten Ideale unseres Volkes. Zu den initer- zeichnern des Aufrufes gehören unter anderen: E. v. Wilden­bruch, Will). Raabe, Hans Hofmann, Ferdinand LlvenariuS, (der verdienstvolle Herausgeber deS vortrefflichenKunstivart') Karl Frenzel, Max Halbe, Detlev von Liliencron, der ausgezeichnete Leipziger Historiker Karl Lamprecht; aus Hessen Realschuldirekior Block in Wimpfen. Die erste G e n e r a l v e r s a m m t u n g ist auf Freitag den 24. Mai festgesetzt. Sie findet in derErholung" zu Weimar statt und beginnt mit einem Vortrage deS Frhrn. Alex, von G l e i ch e n - R u ß w u r rn, des Urenkels Schillers uno fein* geistigen Aefthetlkers. Rach Erledigung geschäftlicher Angelegen- heileu (Beratungen der Satzungen, Arbeitsplan re.) sott gemeuqam gegessen und dann ein Spaziergang nach Erfurt gemacht iverdeu, in dessen entzückendem, auf englische fülamer gestaltetem kleinem Parke einst Goethe bekanntlich zur Sommerszeit theatralische Auf­führungen, gewissermaßen die ersten deutschenKammerspiele", veranstaltete. Uebrigens geht diese Versammlung der General- v e r s a m m l u n g der Deutschen Goethe-Gesellschaft voratls, sodaß sich also den Teilnehmern an dieser Verjanmilung Gelegenheit bietet, auch jener beizuwohnen. Prof. Al i n 0 r aus Wien, der bekannte Literatur-Historiker, wird vor der Goethe- Gesellschaft überGoethes Mohamed" sprechen.

Breslau, 16. Akai. Die Polizei v e r b 0 t beim Gastspiel des Berliner Deutschen Theaters im Lobetheater die beabsichtigte Aufführung von Wedekimds DramaFrühlings E r iv a ch e n."

BreScia, 16. Mai. Der einstmals gefeierte greife Tenor Luigi Filippi beging hier Selbstmord, mbem er sich die Kehle durchschiiitt.

Kopenhagen, 16. Mai. Der Vizepräsident der inter­nationalen permanenten Gradmessungskominissiou,- Geiieralleutnant a ch a r i a e, ist gestern gestorben.

Schönheit. Die Landestrachten, besonders die der Damen sind schmnckvoll und volkstümlich. Die Truppe hielt einen ivahren Triumphzug durch die Schweiz, die Niederlande Frankreich :c.

----- Wi eseck, 17. Mai. Der hiesige Kaninchen- Zuchtverein hält an den Pfingsttagen (19.21. Mai) seine 2. Lokal-Ausstellung int neuerbautcn Saalbau ab. Die Ausstellung umfaßt im ganzen 60 Nummern. Zur Unterhaltung der Besucher sollen verschiedene Volksbelustigungen und auch Tanz stattfinden.

R.-B. Darmstadt, 16. Mai. Das Hoftheater schließt am 21. d§. Mts. seine Pforten. Der heutige 2lbend war von besonderer Bedeutung. Mit der Aufführung von SchillersJungfrau von Orleans", die zum Besten des Hoftheater- und Hofmusikfonds stattfand, hatte unsere Heroine Fräulein Eichelshcim, nochmals Gelegenheit, sich in ihrer vollendeten Künstlerschaft zu zeigen. Die Künstlerin gehört nahezu 13 Jahre lang unserer Hofbühne an und tritt mit nächster Saison in den Verband des Wiesbadener Hoftheaters. Wie sehr man ihre Leistungen zu würdigen weiß, bewiesen die unzähligen Blumen- und Lorbeerspcndcn, mit welchen man die Künstlerin überschüttete. Tas Großherzogspaar wohnte ebenfalls der 2lufführung bei. Der Künstlerin wurde der Titel Großh. Hessische Hosschauspielerin verliehen.

Frankfurt a. M., 16. Mai. Erst jetzt wird bekannt, daß auf ein von Wiesbaden nach Frankfurt a. M. fahrendes 2lutomobil zwischen Ehrcnheim und Hattersheim ein Attentat verübt worden ist und zwar ist auf da? Auto- mobil geschossen worden. Der Schuß ging durch ein Fenster hindurch an den Köpfen der Insassen vorbei und die Kugel drang durch das andere Fenster durch. Die Insassen wurden nicht verletzt. Diese Affäre könnte man gleichgültig hinnehmen, wenn nicht 10 Minuten später das Automobil des Kaisers die Strecke passiert hätte. Der Frankfurter Automobilklub hat 100 Mark auf die Namhaftmachung des Täters ausgesetzt.

Limburg, 17. Mai. Von einem Güterz^uge wurden zwischen Niederse lterS und Ob er brech en auf einer Strecke von 500 m sämtliche Telegraphen- und Tele­phonleitungen zerstört. Bei einer Kurve hatte ein auf einem Güterwagen befindlicher Krahn sich gewendet und der eine Arm hat die Telephonstangen umgeworfen und Telegraphenleitungen zerrissen. Die Frau eines Bahnwärters kam knapp mit dem Leben davon. Ein Bahnwärterhäuschen wurde glatt vom Erdboden weggefegt.

vermischtes.

Eisenbahn-Unfälle. Der Nachtschnellzug Kopenhagen Lübeck H a m bürg stieß auf der Station Schönberg (Mecklenburg-Schwerin) mit einem Güter- zuge 5 usamm e n. Durch die Geistesgegenwart des Lokomotiv- personales des Schnellzuges wurde die Wirkung des Zusammen­stoßes abgeschwächt, sodaß nur ein Materialschaden entstanden ist. Die Fahrgäste wurden mit einem Sonderzuge weiter befördert. Die Strecke ist wieder frei. Jin Hauptbahnhof Ingolstadt stieß eine Lokomotive mit dem von München kommenden Personenzug zusammen. Ein Heizer aus Ingolstadt und zwei Münchener Damen wurden schwer, zehn Personen leicht verletzt. Wie derVogtländische Anzeiger" aus Reichenbach meldet, fuhr gestern abend gegen 8 Uhr bei der Ausfahrt des Schnellzuges 107, der um 11 Uhr 11 Min. iu Dresden ankommt, eine Rangiermaschine in den Zug. Ein Personenwagen wurde zertrümmert, mehrere andere Wagen beschädigt. Einige Personen erlitten Haut­abschürfungen. Der Materialschaden ist erheblich.

* Kleine Tages chronik. In P 0 t t c n st e i n (Ober­franken) erschlug der Blitz fünf Personen, die sich unter einen Baurn geflüchtet hatten. Der Bergmann Schwartz in Heßler bei Gelsenkirchen durchschnitt im Jähzorn seiner Frau den Hals und verletzte sie tödlich. Schwartz wurde verhaftet. Auf der Land st raße zwischen Wollmesheim und Mörz­heim (Pfalz) wurde ein Bauer aus Heuchelesheim von einem Handwerksburschen ermordet und seiner Barschaft be­raubt. - Durch herabfallendes Gestein wurden am .Hellberg- Tunnel bei Kirn 3 Arbeiter verschüttet. Einer war sofort tot, die zwei anderen sind schwer verletzt. Im Stuttgarter Schlachthof wurde bei einem Rindviehtransport aus Memmingen die M a u l - und Klauenseuche festgestellt. Der Stadt- direktionsbezirk Stuttgart wurde deshalb als verseucht erklärt. Sehr schwere Gewitter gingen im Kreise Saga n nieder. In Prodosche wurde die evangelische Kirche, ein altes historisches Gebäude, vom Blitz getroffen und vollständig eingeüschert. In Kothan wurde ein Mann vom Blitz erschlagen. Dem Vierver­leger Jenke wurden zwei Pferde, die in einer Scheune eingestellt waren, vom Blitzschlag getötet, sein Kutscher wurde gelähmt. Auch sonst wurden durch Gewitter vielfache Schäden ungerichtet. In R 0 man 0 we n (Ostpreußen) hat der Lehrer A e l l s ch seine Frau und dann sich selbst aus unbekannten Gründen er­schossen. Der DampferM öv e" stieß bei Fr 0 eien an der norwegischen Küste auf einen Felsen und sank innerhalb drei Minuten. Eine Stevardesse sowie drei Passagiere find er­trunken. Aus Chilpancingo (Mexiko) wird telegraphiert, daß dort gestern der heftigste Erdstoß seit dem jüngfeen Erd­beben stattfand. Mehrere .Häuser stürzten ein. llnglücksfälle wer­den nicht berichtet. Infolge Explosion einer Spiritus­kanne, aus der ein brennender Kochapparat nachgesüllt wurde, sind in Basel zwei Kinder verbrannt. Ein elfjähriges Mädchen sprang lichterloh brennend vom ersten Stock in den Hof, wo es als Leiche aufgefunden wurde. Ein vierjähriger Knabe starb eine Stunde darauf. In Philippovel wütet feit einigen Tagen eine Thphusepidemie. Bereits tausend Erkran­kungen und viele Sterbefälle wurden gemeldet.

GcrichtssaaL.

B.B. Darmstadt, 17. Mai. (Tel.) In dem Beleidigungs- prozeß des Pkarrers K 0 r e l t gegen den Chefredakteur des Tarmst. Tägl. Anzeigers Gras wurm wurde heute vormittag das Urteil des Schöffengerichts gesprochen. Beide Teile wurden ir e i ges p r 0 ch en. Die Kosten des Verfahrens wurden Pfarrer Korell auferlegt.

fc.^ Frankfurt a. M., 16. Mpi. (Ober krieg s- 3 er i dj 1 ; Der Musketier Rud. Dürr von der 4. Ko in - panie des 168 Regiments in Butzbach wurde am 3. De­zember v. Js. vom Kriegsgericht der 25. Division wegen FaLncnflucht im Rückfälle, Widersetzung, Einbruchs- diebstahls in vier Fällen und eines weiteren versuchten Ein­bruchsdiebstahls und schwerer Körperverletzung zu einer Zucht- haus strafe von acht Jahren und Entfernung aus dem Heere verurteilt. Er hatte früher im 81. Regiment gedient und war, nachdem er mehrere mal . kriegsgerichtlich bestraft worden war, darunter einmal wegen Fahnenflucht mit sieben Monaten Gefängnis, dem 168. Regiment zugewiesen worden. Nach kurzer Zeit lief er wieder fort, beging in Butzbach zwei Ein- bruchöoiebstähle und bann hier in Frankfurt zwei. Als er den dritten Einbruch hier in der Ludwigstraße versuchte, wurde er von einem Kaufmann dabei überrascht. Tavec miß­handelte er diesen in bestialischer Weise,, indem er ihn eine

Treppe hinunterwarf und zwei Treppen schleifte. Aus bet Flucht wurde er bann von zwei Schutzleuten nach heftiger Gegenwehr festgenommen. In Tarmstadt im Arresthause und auch in der Sitzung des Kriegsgerichts spielte Dürr den wilden Mann, und als am 31. Januar hier vor dem Oberkrkegsgericht über seine Berufung verhandelt werden sollte, bekam er einen solchen Tobsuchtsanfall, das; das Gericht beschloß, ihn in der Irrenanstalt auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Heute wurde die Verhandlung wieder aufgenommen. Das ärzt­liche Gutachten lautete dahin, das; Dürr zwar erblich belastet und geistig minderwertig, aber zurechnungsfähig sei. Seine Berufung wurde darauf verworfen. Nach Verkündung des Urteils fiel Dürr wieder in Tobsucht. Drei Soldaten, die man sorglich neben ihn auf die Bank gesetzt hatte, und vier weitere Leute hatten ihre lieb. Slot, ihn zu bändigen. An Händen und Füßen gefesselt wurde er in eine Droschke getragen, die ihn in die Kaserne beförderte.

P 0 s e n ,^16. Mai. Wegen Vergeben gegen die §§ 180 a, 110 und 73 des Strafgesetzbuches hatte sich der 75 jährige Probst Ed in und Bpezynski ans Gomaden vor der Strafkammer in Schneidemühl zu verantworten. Er hat im Oktober v. Js. von der Kanzel herab, nachdem er den Hirtenbrief des verstorbenen Erzbischofs von Stablewski verlesen hatte, die Eltern aufgeforbert, int Schulstretk zu verharren. Ferner hat er geäußert, daß der Staat kein Recht hatte, die Kinder die GlaubenswahrheUen in einer ihnen unverständlichen Sprache lehren zu lassen. Ein Staat der dies tut treibe Psendoknltur. Der Angeklagte wurde zu zwei Monaten F e st u n g verurteilt.

Krotoschin, 16. Mai. Die Strafkammer verurteilktz den polnischen Arzt Dr. Bolewski zu drei Monaten Gefängnis, weil er an streckende Schüler je einen Band polnischer Geschichte mit einer anerkennenden Widmung für ihr tapferes Verhalten verteilt hatte.

M ü n ch e n , 16. Mai. Vor dem Amtsgericht München I begann die Verhandlung gegen den Ehefredakteur desBayrischen Kurier", Sieb er tz, wegen Beleidigung des Generalintendanten Frhr. v. Speidel, des Musikdirektors Mottl und des Hof­theaterregisseurs Heine. Frhr. v. Speidel und Heine sind per­sönlich anwesend, für den Musikdirektor Mottl dessen Rechtsanwalt. Einige der 63 geladenen Zeugen sind entschuldigt, mehrere iverden kommissarisch vernommen. Ter Angeklagte erklärte, er habe nicht die Künstler, sondern die Beamten kritisieren wollen. Zur Be­sprechung habe ihn nur das Interesse des Hoftheaters und des Personals veranlaßt. Von letzterer Seite habe er ein derartiges Material erhalten, daß er sich für verpflichtet glaubte, die leitende Stellen auf die Mißstände aufmerksam zu machen.

ArbesLerbewegus-s.

Berlin, 16. Mai. Um eine friedliche Bei­legung der Differenzen im Berliner Baugewerbe herbeizuführen, sand auf Veranlassung des Zentralausschusses der Berliner kaufmännischen, gewerblichen und industriellen Vereine am 16. Mai nachmittags im Sitzungssaale des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller eine Konferenz zwischen Vertretern des Verbandes der Baugeschäfte und der Arbeiter­organisationen statt. Die fünfstündigen Verhandlungen führten zu keinem Erfolge. Von Arbeitgeberseite erfährt das Bcrl. Tgbl.", der Einigungsversuch muß nach Lage der Dinge als gescheitert angesehen werden.

Aach eit, 16. Mai. Auf ben der Rombacher Hütte geljörenben Erzgruben Orne, Sanktpaul, Kirchenberg und Röstlingen, hat die 800 Mann stsarke Belegschaft heute morgen, als Protest gegen das neue Küappschaftsstatut, die Arbeit nicbcrgclcgt. Es ist zu befürchten, daß der Streik größere Dimensionen annimml.

Rouen, 15. Mai. 1500 Hafenarbeiter find in! den A u s st a n d getreten. Sie sordern Lohnerhöhung.

Mailand, 15. Mai. Ter Metallarbeiter-Au s'- stand nimmt hier und inBolognagrosteDimenstonen an. In Brisenza ist ein Ausstand der Landarbeiter ausgebrochen.

Johannesburg, 16. Mai. Ernste Ruhestörungen seitens der ausständigen Minenar beiter ereigneten sich heute aus Anlatz der Einkunft von Arbeitern aus Pratoria, die nicht dem Verbände der Minenarbeiter anaehören. Die Aus- ftänbigen verfolgten mit Steinwürfen einen Trupp von Arbeits­willigen, der im Begriff war, nach einer Mine zu gehen; sie griffen die Quartiere der Minenarbeiter an, die bei der Arbeit verblieben waren. Auf einer anderen Mine nahmen die Mincnarbciter den Kampf auf und verfolgten die Angreifer: ein Schutz wurde abgegeben. d!och auf einer anderen Mine be­warfen die Arbeiter die Ausständigen mit Steinen. Die Minen- Gesellschaft erklärt, daß ein allgemeiner Ansstand drohe.

TeSefsmsscBw Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitge und Inihistr

Frankfurter SUirs

3>£°/o Reichsanleihe . 94.40

3% do. . . 83.60 3Ji°/6 Konsols .... 94.30 3?o do. .... 83.75 3>$°/0 Hessen . . . 93.70

VA °/n 0verliessen . . . 94.00 4?ä Oestcrr. Goldreate. . 99.00 41,8o Opstcrr. Silberrente 99 45 i 4?6 U'-gar. Goldrente . » 93.90 4fo Italien. Heute . . . 102.60 3?o Portugiesen Serie 1 . 67.6a 3% Portugiesen n III 68.45

inss.Staatsani. 190.3 91.35

4/5 o japan. Staatsanleihe 93.25 4 11 Conv. Türken von 1903 93.70 Türkenlose ... . . 140.00

i ?: Griech. JIono[cl-Aui. 50.10 4% äussere Argentinier 85.60 3°/0 Mexikaner . . 65 4aui0 Chinesen .... 97.00

Aktien:

Bochum Guss..... 224.20

Buderus E. W . ..

Tendenz: schwach.

Berliner Börse, 1

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

s. 17. Mai. 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 127.25 Elektriz. Schlickert . . . 111.50 Eschweiler Bergwerk . 227.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 196.80 Hamburg-Amerik. Paket!. 131.00 Harpener Bergwerk. . . 206.50 Laurahütte...... 225.00

N'ordd. Lloyd . ... 118.00

Obeischics. Eisen-Industrie 110.00 Berliner Handelsges . . 153.10 Darmstädter Bank 131.90 Deutsche Bank . . . 226.30

Deutsch-Asiat Bank . . 171.00 Diskonto-Kommandit . . 170.50 Dresdner Bank . . . 143.00 Kreditaktien..... 265.20

Baltimore- und Ohio-

Eisenlabn . . . 95.30

Gotthard bahn . . « ..

Lombard. Eisenbahn . . 22 70 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.40 Pnnce-Heuri-Eisenbahu . 137.00

'. Mai. Anfangskurse.

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: matt

169.25

131.50

226.10

75.20

142.70

Harpener Bergwerk. Laurahütte . . Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . .

Türkenlose . .

205.50 . 225.00 . 22.70 . 118.00 . 140.50

Kandel.

31/2 Pr 0 z. deutschcAnleihen. Das umfangreiche er­neute Angebot in den heimischen Anleihen an der Mittwochs­börse hat die Börsenkreise sehr erregt. Wenn die DeutschePank und die Seehandlung nicht eingegriffen hätten, wären die deut­schen Staatsfonds im tiefsten frieden so gesunken wie noch nie. Die Kursbewegung bei der 31 feproy. deutschen Rcichsanlcihc hat einen Rückgang genommen, wie er bei Staatsfonds erster Klasse in verhältnismäßig kurzer Zeit selten zu konstatieren ist. Die Anleihe notierte am 30. Dezember 1905: noch 100.90, Mitte Juli 1906: 99.40, Anfang Januar 1907: 98.30; während der kritischen Periode des März: 96.20, am Mittwoch 94.30 und gestern etwas gebessert: 94.50. Hauptverkäufer waren unzweifel­haft bei der voriährigcn Anleihe Unterbeteiligte Provinzbanken des Konsortiums, denen ca. 22 Proz. ihrer Beteiligungsziffer zugewiesen worden war und die nun das Material nicht aufzu- nehmen vermögen. Jedenfalls ist man in ersten Bankkreisen selbst beunruhigt: es fanden gestern Besprechungen betr. des Rück­gangs der Reichsanleihen unb Konsols statt. Bestimmte Be­schlüsse wurden zwar nicht gefaßt, aber man war darin einig, daß man soweit als. tunlich dem Rückgang entgegenwirken unb zur Beruhigung beitragen wolle.

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