rr. 164
Drittes Blatt
Jahrgang
D
Erscheint tS-Nch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gietzener Familienblatter" werden dem /Anzeiger- viermal wöchentlich beigefegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
General-Anzerger für Gberheften
renstag 16. Juli 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitäts - Buch- und Sreindruckerei.
R. Lange, Gießen,
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag ; 6L Redaktion:^^H2. TeU-AdruAn^erGteßen.
pcliiifd?e Tages?ch<rn.
Eine absonderliche Steuerquelle
t ein mitteldeutscher Kreisverband entdeckt. Ter Kreis erbst beabsichtigt in den nächsten Jahren größere Chaussee- uten auszuführen und das Kreisstraßennetz innerhalb n 15 Jahren durch Anlegung von Durchgangs- und Neben- lusjeen so zu erweitern, daß jene Ortschaft wenigstens einen festigten Weg zur nächsten Kreisstraße oder zum nächsten iuptverkehrsort erhält. Zu diesem höchst löblichen Unter» hmen fehlt es aber bem Kreise an dem erforderlichen Klein- ld. Man will den beteiligten Gcnieuiden ein Viertel der mfoflcn auferlegen. Zur teilweisen Deckung der übrigen isten hat der Kreistag m Zerbst beschlossen, eine Zugvieh- iier einzuführen, und zwar sollen die Pferde und Zug- hsen mit einer Steuer von 2 bis 4 Mk. bei Pferden und bis 2 Mk. bei Ochsen belegt werden. Der Ertrag dieser teuer wird auf 14 000 Mk. jährlich geschätzt. Diese ojeftierte Steuer findet aber keineswegs allgemeinen Beifall, e Handelskanuner für das Herzogtum Anhalt hat in ;em geschüstssührenden Ausschuß denn auch bereits be- toffen, gegen den Plan entschiedenen Einspruch zu erben von dem Standpunkt aus, daß eine Zugviehsteuer die iederemsührung der aufgehobenen Chausee- und Wegegelder deute. Tatsächlich würde die Einführung solcher Zugvieh- ucr gleich der geplanten Einführung von Schiffahrtsab- ben ein Rückfall in längst überwundene Zeiten kleinlicher . rkehrszölle bedeuten. Ter Nutzen, der mit neuen Chaussee- iitcn in Bezug aus Verkehrserleichterung gestiftet werden l, würde ja durch die Einführung einer besonderen Ver- )rssteuer geradezu illusorisch gemacht. So besteht denn ch die Hoffnung, daß den Zerbster Ochsen die Steuerfreiheit cht genommen wird.
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Gouverneur von Schuckmann,
c am 23. d. 2)L von Hamburg aus die Ausreise nach nein neuen Wirkungskreis als Leiter des südwestafrikanischen chutzgebiets antreten wird, hat einen Mitarbeiter des Verl. ', Anz. empfaiigen und bei dieser Gelegenheit seinem leb- ften Bedauern Allsdruck gegeben, daß an seine Ernennnng kn Gouverneklr in einem Teile der Presse Bemerkungen knüpft wurden, die nur geeignet wären, ihm sein Amt sierordentlich zu erschweren und auch in einzelnen eng» chen Blättern tatsächlich unliebsames Aufsehen erregt. Bei n guten Beziehungen, die er mit den englischen Behörden 3 Generalkonsul in Kapstadt gepflogen habe, hoffe er jedoch, ß es gelingen werde, mit unfern Nachbarn in denkbar stem Einvernehmen zu leben. Die Engländer haben eine oa 200 jährige Kultur in Südafrika, und wir könnten und ißten von ihnen draußen lernen. Sehr verkehrt wäre es, mn wir verlangen wollten, daß dieses alte Kolonialvolk n uns lernen sollte. Er hoffe, daß die Bevölkerung in feuer Kolonie nun in Frieden sich den Arbeiten der Kultur dmen werde. Was die in den Lagern noch etwa vor- nbenen 16 000 Kriegsgefangenen betrifft, so gab Herr von chuckmann seiner Hoffnung Ausdruck, daß es angängig n möge, diese Horden in möglichst kurzer Zeit zu entlassen d als tüchtige Arbeiter in den verschiedenen Betrieben zu cwerten. Im übrigen hoffe er, daß es schnell gelingen iije, der Kolonie den so notwendigen Frieden wiederzugeben d vor allem bouernb zu erhalten.
Lie Verteidiger von Port Arthur unter Anklage.
Peters bürg, 13. Juli. Die Anklageschrift gegen tössel, Fock, Reuß und Smirnow wurde heute ver- entlicht. — Die Anklage gegen Stössel enthält unter beiem folgende Punkte: Er hat dem Befehle des Ober- nmandierenden der Mandschkireiarmee, das Korumando von >rt Arthur Smirnow zu übergeben und die Armee zu Versen, nicht Folge geleistet, und ist in der Festung geblieben, össel verletzte den Befehl des kaiserlichen Statthalters, schte sich in die Funktionen Smirnows ein und erteilte beglich der Ausführung der Verteidigungsarbeiten in der eiten und dritten Befestigungslinie Gegenbefehle. Stössel if keine Vorkehrungen für eine Beschaffung von Lebens- tteln und erstattete über das Gefecht von Kincheon einen richt, ui dem er behauptet, selbst mit großer Energie die tion geleitet zu haben, während er in Wahrheit in Port thur geblieben war und an den Kämpfen nichtteilgenommen tte. Stössel stellte in dem Berichte die Flucht Focks als ordneten Rückzug dar. Er berichtete am 14. Juni 1904, si er an allen Gefechten teilgenommen habe, während vom Februar bis 14. Juni überhaupt nur das Gefecht von ncheon stattgesunden habe, wobei Stössel nicht zugegen tr. Um die beabsichtigte Uebergabe von Port Arthur zu htfertigen, berichtete Stössel am 29. Dezember 1904 an n Kaiser, die Japaner seien Herren der Situation, Port -thur könne er nur noch einige Tage halten, es fehle an unition. Die große Mehrheit des Kriegsrates hatte sich gegen für die Verteidigung Port Arthurs bis zum äußersten ^gesprochen und erklärt, es sei genügend Munition vor- nden. Stössel hat ferner bewußt und mit Unrecht Fock für 5 Gefecht von Kincheon, das Fock verloren und in dem er ic vollständige Unfähigkeit bewiesen hatte, den Georgsorden erreicht und denselben auch Neuß überreicht, der selbst ein- standen habe, daß er nichts getan habe, um eine solche lszeichnung zu verdienen. Stössel hat, ohne alle Verteidi- ngSmittel zu erschöpfen, mehrere Forts ohne Kampf ge- ,unt und Reuß ermächtigt, für Rußland schmähliche Kapitu- lonsbedinguugen zu unterzeichnen. Stössel hat selbst das hicksal der Garnison nicht geteilt und sie nicht in die Geigenschaft begleitet. Für alle diese Verbrechen sieht das ilitärstrafgesetzbuch die Todesstrafe vor. Fock ist Mit-
fchiildiger an allen Verbrechen Stössels, hat sich unfähig gezeigt und den Befehlen Stössels nicht Widerstand geleistet. Uebcr das Gefecht von Kincheon hat Foek falsche Berichte erstattet; unter dem Vorwande, daß es an Munition fehle, hat er bei Hellem Tage den Rückzug angetreten, und die Truppen großen Verlusten ausgesetzt. Reuß ist gleichfalls angeklagt, Mitschuldiger Stössels zu sein. Smirnow ist angeklagt, nicht Energie genug gezeigt zu haben, um die verbrecherischen Akte Stössels, Focks und. Reuß zu verhindern.
Hoc? tmd Flotte.
* Die Rangliste des 18. Armeekorps ^Hof- und Militär-Adreßbuch für Hessen und Hessen-Nassau) mit dem Stand vom 1. Mai d. Js. ist soeben im Verlage von Löber u. Co. zu Frankfurt a. M. erschienen. Vom Königlichen General-Kommando des 18. Armeekorps ausgearbeitet, enthält die Rangliste sämtliche Offiziere, einschließlich Reserve und Landwehr, sowie Beamte, Behörden und Geschäftsräume im Bereiche des 18. Armeekorps und den Großherzoglich Hessischen Hof, sowie die Landgräflicye Linie von Hessen. Die Rangliste ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen und kostet broschiert Mk. 1.50, gebunden Mk. 2.
A^s LtaLt ttird Lctsrd.
Schmückt Eure Fenster und Ballone mit blühenden Blumen.
Gießen, 16. Juli.
** Kurhessische Erinnerungen. Am 16. Juli d. I. werden es vierzig Jahre, daß Kurfürst Friedrich Wilhelm 1. von Hessen mit seinem Hofstaat das Schloß zu Hanau, das er seit dem 29. September 1866 bezogen hatte, und somit sein Land für immer verließ, um nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalt in Bad Kissingen in Horzowitz in Böhmen bezw. in Prag ständigen Aufenthalt zu nehmen. Am 16. August traf der Kurfürst in Horzowitz ein.
+ Wieseck, 15. Juli. In Verbindung mit dem 45. Stiftungsfest des jetzt über 200 Mitglieder zählenden Turnvereins Wieseck wurde hier das 2. Bundesfest des Lahn-Dünsberg- Turnerbundes gefeiert. Am Samstag abend fand auf dem dicht beim Orte an der Philosophenstraße gelegenen geräumigen Festplatz ein Festkommers statt, bei dem 8 Turmer uno 8 Damen einen hübschen Stabreigen aufführten und die Turner Leiterpyramiden stellten. Am Sonntag vormittag begann nach vorausgegangener Kampfrichtersitzung das Einzelwetturnen am Reck, Barren und Pferd, sowie den volkstümlichen Uebungen Freihochsprung, Freiweitsprung und Stemmen einarmig. An dem Turnen, das bis 12 Uhr dauerte, beteiligten sich 58 Turner, die teilweise recht Gutes leisteten. Um 3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug, an dem außer den zehn Bundesvereinen die hiesigen Vereine teilnahmen, durch die geschmückten Ortsstraßen nach bent Festplatz, wo Bundespräsident D a u b e r t von Wieseck die Festrede hielt. Hieran schlossen sich die von 60 Turnern ausgeführten allgemeinen Stabübungen und das Musterriegenturnen, Konzert usw. Am Abend nahm dann Bundesturnwart Schmidt von Launsbach die Preisverteilung vor. Es erhielt den 1. Preis August Üo tz-Wieseck mit 71 Punkten; 2. Max Günther-Mainzlar, 691/3 P.; 3. Max Greiner-Wieseck 67y8; 4. Hch. Hofmann und Karl Weller-Wieseck 662/3; 5. Gg. Becker-Wieseck 662/3; 6. Wilh. Lehr-Daubringen 651/2; 7. Phil. Hörr-Launsbach 65i/«; 8. Gust. Weller-Wieseck 65; 9. Karl Winter-Launsbach 645/6; 10. Wilh. Willershäuser-Rodheim 60V6; 11. Wilh. Schreiner-Wieseck 56%; 12. Karl Reeh-Bieber 661/2; 13. Ludw. Lotz-Wieseck 552/3; 14. Ernst Will-Launsbach 55%; 15. Karl Seip-Rodheim 54%: 16. Adolf Hassetbach-Rodheim 53%; 17. Ludw. Hoffmann-Rodheim 53%; 18. Will). Daubertshäuser-Rodheim 53%; 19. Herm. Schmidt- Launsbach 53; 20. Wilh. Platt-Rodheim 62%; 21. Hch. Michel- Daubringen 51%; 22. Hch. Schmidt-Rodheim 60%; 23. Hch. Leicht-Rodheim 49%; 24. Friedr. Kühnholz-Fellingshausen 49; 25. Hch. Pfaff-Launsbach 482/3; 26. Wilh. Lang-Rodheim 48; 27. Jul. Milsbach-Launsbach 47%; 28. Rich. Rollshausen-Launs- bach; 29. Ludw. Feldmann und Hch. Wagner-Wißmar. — Im Musterriegenturnen errangen 1. Tv. Launsbach 372^ P.; 2. Tv. Wieseck (Zöglinge) 34%; 3. Tv. Wieseck (Turner) 34%; 4. Tv. Wißmar 34%; 5. Tv. Rod heim 2 61/2.
= Annerod, 13. Juli. In dem festlich geschmückten Saale des Gastwirtes Heinz hier feierten heute nachmittag die Lehrer des B e z i r k s v e r e i n s G r 0 ß e n - B u s e ck eine in jeder Hinsicht gelungene Familienkonferenz. Auf besondere Einladung waren qus den benachbarten Bezirksvereinen zahlreiche Gäste erschienen. Zu großer Freude aller Anwesenden hatte sich auch der Obmann des Landeslehrervereins, Hauptlehrer Huss- Darmstadt, eingefunden. Nachdem die Feier durch Musik eiu- geleitet, Lehrer W a g n er - Großen-Buseck die Versammlung eröffnet und die Erschienenen herzlich begrüßt hatte, referierte Herr Neumann über das geschickt gewählte Thema: „Die Frau des Lehrers". In seinem formvollendeten Vortrage erledigte er sich seiner Ausgabe so glänzend, daß er den reichen Beifall der Versammlung erntete. Im weiteren Verlaufe wechselten Solovorträge, gemeinschaftliche Gesänge, Humoristisches und Tänze miteinander ab. Das reichhaltige Programm enthielt unter anderem auch schöne, von Herrn Kahle verfaßte Gedichte. In beredten Worten brachte später Herr Hufs seine Freude über den schonen Verlauf einer Familienkonferenz, in der er heute als Gast weilen dürfe, zum Ausdruck. Vortrefflich verstand er es in kurzen Worten eine ideale Lehrersftau zu zeichfien. Er verabschiedete sich schließlich mit dem Wunsche, einer Familienkonferenz, wie sie der Bezirksverein Großen-Buseck zu arrangieren verstehe, recht bald wieder beiwohnen zu können.
= Berstadt, 14. Juli. Die Güterabfertigung Berstadt-Wohnbach ist seit dem 10. ds. Mts. an das Ortsfernsprechnetz Hungen angeschlossen. S'.e hat die Teilnehmernummer" 35 erhalten. . . ,
X Kaichei% 14. Juli. Bei der gestrigen Gemeinderatswahl wurden Julius Dauth, Wilhelm Sauffig und Wilhelm Ruhle gewählt^ eIbenbergen# 14. IM, Der Weichensteller M ü n sch erhielt anläßlich seiner Pensionierung das allgemeine Verdienst- ElCUlb. Darmstadt, 14. Juli. Ein schwerer Unglücksfall, der den Tod des Schlossers S ch m i d t aus Treisa zur Folge hatte, ereignete sich gestern bei dem Umbau des Hotels Britannia. Swinidt wollte eine Laterne über dem bisherigen Eingang beseitigen und machte sich mit dem Werkzeug an dem Zuleitungsrohr zu schaffen, als das Rohr ubbrach. Schmidt glitt aus und fiel so unglücklich auf den Hinterkopf und Rücken, daß er bewußtlos weggetragen werden mußte. Er kam in das Krankenhaus und i|t heute einem Schädelbruch sowie inneren Verletzungen erlegen. Sch. ist 22 Jahre alt und verheiratet gewesen.
? Königsberg, 14. Juli. Das uralte Amtsstädtchen Königsberg konnte durch die Gunst der Witterung heute ein schönes Fest in seinen Mauern feiern. Der vor drei Jahren gegründete Kriegerverein hielt unter Beteiligung von 15 Brudervereinen sein Fahne nweihfe st ab. Die ehemalige Bergfeste war aufs beste geschmückt. Um die Mittagszeit zogen ans, allen Himmelsrichtungen die zal)lreich.en Festbesucher nach
unserer Bergeshöhe. Gegen 3 Uhr setzte sich der Feslzug in Bewegung, ^an dessen Spitze 35 Ehrenjungfrauen schritten. In der ' langen Reihe der Kriegervereine schritt noch mancher reich dekorierte Veteran in gleichem Schritt und Tritt an der Seite jüngerer Kameraden. Lehrer Haibach begrüßte vorerst den erschienenen Landratsamtsverweser Daniels aus Biedenkopf als Vorfitzenden des Kreis-Kriegerverbandes und hieß dann die Kameraden und Gäste willkommen. Herr Daniels wies in kurzen Worten auf die hohe Aufgabe der Kriegervereine hin und entrollte die neue Fahne, worauf ein kräftig dreifach Hurra auf den obersten Kriegsherrn folgte. Besonderen Anklang fand der von Fräulein Haibach Oorgetragene Weiheprolog. Die neue Fahne, von der! Firma Hischen in Lich angefertigt, kostet bei schöner Ausführung nur 200 Mark.
h. Marburg, 14. Juli. In einer im Hotel Freidhof hier abgehaltenen von über 100 Handelsangestellten und einer Anzahl selbständiger Kaufleute besuchten Versammlung wurde nach einem Vortrag eines Herrn Hachenberg aus Frankfurt mit allen gegen die Stimmen der Geschästsbesitzer eine Resolution des Inhalts angenommen, den Magistrat zu ersuchen, der Einführung^ des völligen Sonntags-Ladenschlusses näher treten zu wollen. Die Geschäftsführer waren zwar ebenfalls für die j völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, hielten jedoch deren! Einführung durch das Reich für die richtige Lösung.
Frankfurt a. M. Gerüchtweise verlautet, daß König Eduard bei seiner Durchreise nach Marienbad auch Homburg und Schloß Friedrichshof einen Besuch abstatten wird. In Homburg findet die Enthüllung eines Denkmals für die Landgräfin Elisabeth statt, zu der König Eduard wie auch Kaiser Wilhelm namhafte Beiträge gespendet haben. Da die Enthüllung einem ( Wunsche der Kaiserin Friedrich entspricht, so nimmt man laut, Frkf. Gen.-A. an, daß die Monarchen der Enthüllung beiwohnen^ werden. An amtlicher Stelle ist weder über einen Besuch des Kaisers noch des Königs bisher etwas bekannt geworden. — I Die hiesige Volksstimme bringt unter der Spitzmarke „Sklaven-/ markt im Grand-Basar" einen Artikel, worin angegeben ist, die Geschäftsleitung der genannten Firma habe, durch einen । anonymen Brief auf eine Diebin unter ihrem Personal aufmerk-1 fam gemacht, sämtliche 300 weiblichen Angestellten auf das Bureau bestellt und dort gegen Gesetz und Anstand im Beisein des Portiers einer Leibesvisitation unterzogen. In einer Zuschrift an die Blätter teilt die Direktion mit, eine Untersuchung habe ftattgefunden, sie habe sich jedoch auf eine Visitation der Taschen beschränkt und fei überhaupt unter vollkommener Wahrung der Sittlichkeit vor sich gegangen. Tas Ergebnis der Durchsuchung habe den Verdacht, daß Diebstähle verübt worden seien, für mehrere Fälle bestätigt. In einem neuen Bericht der Volksstimme hält 1 das Blatt seine ersten Angaben aufrecht und bemerkt, daß ein Ladenfräulein, das man im Verdacht hatte, der Volksstimme die Unter» suchung zuerst berichtet zu haben, von der Direktion, entlassen^ wurde. . ,
x Mannheim, 14. Juli. Die Internationale Kunst- und Große Gartenbau-Ausstellung, bre; sich fortdauernd eines starken Besuches,erfreut, verzeichnet fett, Beginn der Reisezeit eine bedeutend gesteigerte Besuchsziffer. Bis jetzt ist die Ausstellung von über 2 Millionen M eni chen besucht.
** Kleine Mitteilungen auS Hessen und den. Nachbarstaaten. In Heppenheim a. d. B. wurde em dreijähriges Kind von einem Automobil überfahren! und sofort getötet. Die Namen der Automobilisten konnten fest-! gestellt werden. — Der flüchtige 27 Jahre alte Lehrer S e i m: aus Grüsselfeld, Kreis Hünfeld, wird laut Blättermeldungen von der Staatsanwaltschast wegen Sittlichkeitsverbrechen an Schul-, kindern steckbrieflich verfolgt. — In Offenbach stürzte an einem | Neubau der Strahlenbergstraße das Gerüst ein, wobei teri Maurer Wilhelm Neis aus Eppertshausen schwer verletzt wurde. 2 Arbeiter erlitten bei dem Sturz leichtere Verletzungen. — Während einer Felddienstübung des Kasseler Husarenregiments entlud sich der Karabiner des Husaren Thier. Der Schuß drang Thier in den Hals und verletzte ihn tödlich. — Em in Mainzi aufgestiegener Militär-Fesselballon, der sich losgerisien hakte, ick bei Seckenheim gelandet und geborgen worden. — Der Ballon Ziegler des Physikalischen Vereins, der am Donnerstag abend von Offenbach aus mit drei Insassen anfgeftiegen war wurde nach 131/2 stündiger Fahrt in Memmenhausen südwestlich von^ Augsburg gelandet. Die Landung ging glatt von statten. — Gutem Vernehmen nach soll das in Schöneberg bei Berlin garni»: sanierende dritte Eisenbahnregiment nach Hanau verlegt werden. Die Stadt Hanau baut die Kaserne, die der Staat mietet und die bis zum Jahre 1910 fertig sein soll. — <pn Ostrich soll am 21. ds. Mts. unter freiem Himmel eine Massenversammlung von Winzern des Rhemgaues ad- gehalten werden. Zur Beratung stehen Vorschläge, die zur Beseitigung der gegenwärtigen Notlage der Wein-Produzenten dienen sollen. ___________
Vermischtes.
• Die Aufsindung der Leiche des Kanton- rates Braunschweig. Durch die aus Bozen gemeldete Auffindung der Leiche des seit dem 8. August v. I. vermißten Schweizer Kantonrates und Industriellen Braim- schwefg, der am genannten Tage aus der Billa seines Schwagers, Herrn Schwarz, des Erbauers der Mendelbahn, spurlos verschwunden ioar, ist endlich der namentlich von der, Familie des Vermißten gehegte Verdacht, Braunschweig sei bei einem Ausflug auf der Mendel das Opfer eines Raubmordes geworden, widerlegt. Seine Leiche nut allen Wertsachen ist unterhalb des Penegal gegen ^die Mendelstraße gefunden ivorden, und er dürste durch Absturz vorn Penegal, vielleicht infolge eines plötzlichen ^Umvohlfeins, den Tod gefunden haben. Dies ist von den tiroler Behörden, von den touristischen Vereinen und von den Besitzern und Bewohnern der Hotels und Villen auf der Mendel gleich anfangs vermutet worden, da keine Spuren auf ein Verbrechen hinwiesen und die Annahme eines Selbstmordes durch die Persönlichkeit und die Lebensverhältnisse des Vermißten von vornherein ausgeschlossen erschien, da 51antonsrat Braunschweig sich in den günstigsten Verhältnissen dejand. Nur die Familie selbst hielt an dem Verdachte fest, daß Braunschweig bei dem Ausfluge, den er am 8. August unternommen hatte, überfallen, ermordet und beraub^ worden fei. Die Nachforschungen durch Bergführer, Jäger, Touristen und auch durch einheimische Polizeiorgane ergaben abfolut feine Spiir des Vermißlen, aber auch keinen Anhaltspuiikr für bie Annahme eines Verbrechens. Die ^nmilie, ließ bc^balj Agenten eines Pariser Detektivbureaus requirieren, die aber, da ihnen die Kenntnis der Gegend, der Bevölkerung, der Sprache fehlte und sie sich dabei von einem vorgefaßten Ver-


