Rüsselsheim, 17. Juni. AuS Anlaß der Ernennung deS Herr Karl Opel, Mitinhaber der Firma Lldam Cpcl, Nähmaschinen-, Fahrräder- u. Motorwagen-Fabrik in Rüsselsheim a. M., zum Kommerzienrat erfolgte eine weitere Zuweisung von 30 000 Mk. zum Arbeiter-Unterstü tz- nngSfondS und eine Stiftung von 20 000 Mk. zu einem B e a m t e n - P e n s i o n S - und U n t e r st ü tz u n g S f o n d S.
4. Sitzung Großherz oglichcr Handelskammer Gienen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protoroll-Auszug
Gießen, den 13. Juni 1907.
Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Dürbcck, Grünewald, Jtzring, Münk^r, Nowack, Ramspeck, Rinn, Röhr, Rühl, Kommerzienrat Schirmer und der Syndikus Dr. Zeidler.
1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzu- leilen:
a) Im Großherzogtum Hessen schreiben die staatlichen Behörden die Vergebung aller Gebrauchsgegenstände für die Zeit von April zu April aus: die Lieferanten müssen sich verpflichten, das ganze Jahr hindurch di.' betreffenden Ar likel in den jeweilig geforderten Quantitäten zu einem im voraus offerierten Preise regelmäßig zu liefern. Bei einer erheblichen Anzahl von Gcbrauchsgcgenständen, wie Hülsen- früchte, Gerste, Mehl, Gries, Bohnen, Gurken, kurz, bei allen Artikeln, deren Preise von der Ernte abhängig sind, kann der Lieferant leicht Gefahr lausen, sobald die Ernte schlecht aussällt, für das zweite Halbjahr mit mehr oder weniger Verlust zu arbeiten; naturgemäß kann auch bas Gegenteil eintretcn; in diesem Falle ist dann die Behörde durch ihren Kontrakt verpflichtet, für die zweite Hälfte des Jahres die Artikel zu höheren Preisen abzugeben als es die Marktlage bedingt. Hm den hieraus sich ergebenden Unzuträglichkeiten nach Möglichkeit in Zukunft zu begegnen, hat die Handelskammer einem Vorschläge des hiesigen De- laillistenvcreins entsprechend beim Großh. Ministerium des Innern in Anregung gebracht, die Zeit eines Licserungs- jahres vom 1. November bis 1. November fcstzusctzen, den Submissionstermin spätestens aus den 1. Oktober an zuberaumcn und ferner vorzuschreibcn, daß dem Submittenten, welchem der Zuschlag erteilt worden ist, mindestens 3 Wochen vor dem ersten Lieferungstermin darüber Mitteilung gemacht wird.
b. Ter deutsch-nationale Handlungsgehilfenvcrband mit dem Sitze in Hamburg hat bei der Großh. Regierung den E.laß einer Aussührungsanweisung zu § 139 d Ziffer 3 der Gewerbeordnung in Anregung gebracht, wonach bei Zulassung der erweiterten BcschäftigungsKeit regelmäßig eine Mindestruhezeit von 9 Stunden zu sichern ist und weitcrgchcndc Ausnahmen nur unter ganz besonderen Umständen fü. zulässig zu erachten sind. Da Klagen über ungebührlich lange Beschäftigung von Angestellten an den Ausnahmelagen, von denen in ihrem vollen Umfange die Gesam.heit der Geschäftswelt nicht einmal Gebrauch macht, aus dem Handelskammerbezirk nicht laut geworden sind, hat sich die Handelskammer in ihrem Bericht an das Großh. Ministerium gegen den Erlaß einer derartigen Ausführungsanweisung ausgesprochen.
c. Die lüngste Debatte in der Sitzung des preuß. Abgeordnetenhauses vom 2. Mai d. Js. über die Lage des Kohlcnmarktes hat der Handelskammer Veranlassung gegeben, an den deutschen Handelstag die Anfrage zu richten, ob er seinerseits geneigt sei und es für zweckmäßig erachte, auf die Ergreifung von Maßnahmen hinzuwirken, welche geeignet seien, die zurzeit außerordentlich yvhen Preise für Kohlen, unter denen nicht nur Handel und Industrie, sondern die Gesamtheit der Bevölkerung schwer leiden, auf einen niedrigen Stand zurück zuführcn. Es müsse als höchst bcdcnllich bezeichnet werden und fordere zur schärfsten Kritik heraus, wenn durch Fort- gewährung der Ausnahmctarise für Kohlen nach dem Auslände ein Zustand ausrechterhalten wird, der es ermöglicht, daß das Ausland die deutschen Kohlen zu einem billigeren Preise als das Inland selbst erhalte und dadurch der deutschen Industrie der Wettbewerb auf dem Weltmärkte noch mehr erschwert würde.
d. Bon den auf der Strecke Frankfurt-Gießen und umgekehrt täglich verkehrenden 16 Schnellzügen wird ausnahmslos der seit Anfang Mai cingesührle Schnellzugszuschlag erhoben. Da nun seit einer langen Reihe von Jahren die Züge S 76 und S 78 (ab Gießen 8.02 bezw. 12.05 mittags) und * die Gegenzüge S 75 und S 77 (ob Frankfurt a. M. 4.35 und 8.45 nachm.) dem lokalen Verkehr zwischen beiden genannten Städten dienen, durch den Schncllzugszuschlag dieser Verkehr aber nicht unerheblich verteuert werde, worunter nicht nur die Geschäftswelt, sondern die Gesamtbcvölkcrung leiden, hat die Handelskammer den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gebeten, die genannten Schnellzüge von dem Zuschläge wieder zu befreien.
e) Den Eisenbahndircktionen Frankfurt und Mainz sind eine Reihe von Eisenbahnwunschen vorgetragen bezw. Gutachten erstattet worden; sie betrafen: Bcschleunigmrg des Zuges 5.52 nachm. ab Gießen zur Erreichung des Anschlusses an D-Zug 8.41 in Fulda, Anhalten des D-Zuges 6 in Fulda, Uebcrdachung des Bahnsteiges in Lauterbach alt, Anbringung eines eisernen Abschlusses auf,dem Bahnsteig Lauterbach alt, Zulassung von Schülerbeförderung mit, dem um 1 Uhr nachmittags von Gießen in der Richtung Gießen-Fntda abgehenden Güterzugc (Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt', Versetzung von Putzsteinen aus dem Spezialtarif JI und dem Spezialtarif V, Aufnahme von Hefe in den Spezial- tarif für bestimmte Eilgüter (Kgl. Preuß. und Großh. Hess. Eisenbahndirektion Mainz).
f) Aus den Kreisen der Fabrikanten von Textilwaren und Ironischen Waren ist der Wunsch laut geworden, daß ihre Betriebe von dem allgemeinen Eichzwange namentlich insoweit befreit werden möchten, als es fich um die im § 6 Abs. 2 des Entwurfes einer neuen Maß- und Gewichtsord- nung für die Ermittelung des Arbeitslohnes vorgeschriebene Anwendung und Bereithaltung geeichter Maße ufw. handelt. Um das Bedürfnis nach Erlaß solcher Ausnahmebestimmungen sestzustellen, hat die Kaiser!. Normal-Eichungs- kommissiou diejenigen Handelskammern, in deren Bezirr nch Textilfabriken befinden, um Auskunft ersucht, in welcher Weise in diesen Fabriken die Ermittelung des Arbeitslohnes vorgenommen wird. Wir haben das unter Zugrundelegung eines Fragebogens in unserem Bezirk gesammelte Material der genannten Kommission übermittelt.
g. Die Handelskammer hatte die Einrichtung einer ^chaffner- post im Zuge 524 bezw. 526 aus der Strecke Fulda-Gietzen beantragt, damit die früh morgens in Alsfeld bei Eröffnung des Postamts aufgegebenen Pakete und Wertbriefe noch am Nachmittage desselben Tages in Gießen zur Ausgabe gelangen können, was bisher nicht der Fall ilt. Xie Kayerl. Poftdirektion sah sich jedoch außer stände, dem Ersuchen zu entsprechen, da nach den angestellten eingehenden Ermittelungen die für eine derartige Einrichtung anfzuwendenden laufenden Kosten in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden geringen Vorteilen stehen würden.
2. Die Errichtung von Handlungsgehilfenkammern.
Von Großh. Ministerium des Innern ist die Handelskammer um Aeußerung über einen vom Rheinisch-W estsälischen Handlungsgehilfentag beim Bundesrat gestellten Antrag ersucht worden, welcher die Einrichtung von paritätischen Handlungsgehilfenkammern auf Kosten des Reiches bezweckt. — Die Handelskammer kann die Bestrebungen auf, Errichtung besonderer Handlungsgehilfenkammern nicht unterstützen, da sie ein Bedürfnis hierfür nicht anerkennen kann. Den Handlungsgehilfen sei fdunt jetzt genügend Gelegenheit gegeben, ihre Wünsche und Beschwerden
an maßgebender Stelle zum Ausdruck zu bringen; es geschehe dies in erster Linie durch die .Handlungsgehilfen Verbände selbst in so ausreichender Weise, daß die.Staats-, und die Verwaltungsbehörden über die soziale Lage des Handlungsgebitfenstandes genau unterrichte! seien. Außerdem würden wirklich bcrcditigie Tyorbcrungeit d r kaufmännischen Angestellten von den bestehenden Handelskammern in jeder Weise anerkannt und unterstützt werden. Schließlich sei in oen Kaufmannsgerichtcn eine Einrichtung vor- Händen, welche einen gro'jcn Teil der von den Handlungsgehilfenkammern gestellten Aufgaben schon Ijcutc zur vollständigen Zufriedenheit beider Teile erfüllt.
3. Ter Eigentumsvorbehalt an Maschinen.
Um eine zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Frage zu gewinnen, ob die geltenden Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches in Bezug auf den Eigentumsvorbehalt in Verbindung mit der Auslegung, die ihnen durch das Reichsgericht zuteil geworden ist, wirklich zu so erheblichen Mißständen geführt bai, daß den auf eine Aendenma des bestehenden Rechtes gerichteten Begrebungen eine sachliche Berechtigung zuzugestehen i|t, hat es das Reichs Justizamt für zweckdienlich gefunden, durch Vermittelung der Bundesregierungen die zur Vertretung der verschiedenen beteiligten Interessen berufenen Organe zu einer Aeuß-nung zu veranlassen. Nach Anhörung der beteiligten Kreise hat die Handelskammer unter ausführlicher Beantwortung des anfgestellten Fragebogens die Schlußfrage, ob sich bei Abwägung der verschiedenen in Betracht kommenden Interessen die Aufrechterhaltung des Rechtszustandes, wie er sich durch die Rechtsprechung des Reichs- gerichts gestaltet hat, empsichlt ober eine Aendcrnng des bestehenden Rechtes geboten crfdicint, dahin beantwortet, daß die unter loyalen Bedingungen abgeschlossenen Lieferungsverträge mit Eigentumsvorbehalten durchaus zu billigen sind. Als Ausnahmen int Sinne der neuzeitlichen Rechtsprechungen sollten allenfalls nur solche Lieferungen gelten, welche fich auf Einrichtungen und Maschinen beziehen, die für Betriebe bestimmt sind, deren Gebäude der Eigenart deS Betriebes angepaßt und innig mit den vorhandenen Apparaten und Maschinen verbunden und sür andere Zwecke ohne weiteres nicht benutzbar und (Brauereien, Mühlen, Ziegeleien, Holzschneidereien'. Sollte für den Eigentumsvorbehalt eine andere Form der Sicherheit für den Verkäuier ge'chanen werden müssen, so würde zu erwägen sein, ob nicht ein,Mietsvertrag gegen eine entsprechende Entschädigung für Zinsen uno Amortisation Ersatz dafür bieten könnte, wobei es natürlich Voraussetzung wäre, daß bei Nichteinhaltung der Bedingungen die vermietete Sache an den Verkäufer wieder 51 äckfallen könnte.
4. Weltausstellung in Berlin. .
Die bändige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie veranstaltet eine Umfrage darüber, ob die Gesamtheit von ^.eulsch- lands Handel und Industrie geneigt fei, sich an einer Weltausstellung in Berlin zu beteiligen, deren Veranstaltung Tür das Jayr 1913 oder für ein anderes Jahr des nächsten Dezennieums angeregt worden ist. v m
Die Handelskammer ist der Ansicht, daß eine betätige Bci> anflaltung nicht int Interesse von Deutschlands Industrie und Handel gelegen sei und daß aus den durch die Kammer vertretenen Kreisen eine aktive und opferwillige Beteiligung nicht zu er» macten <ftu ^Errichteter Seite liegen der Kammer noch Mitteilungen vor über _, r . 1QnQ
0. Internationale Industrieausstellung in Schanghai lyoo. b. Markenschutz in China.
c. Handelsbeziehungen mit Vulgär.en.
d Eröffnung der Neubaustrecke Heldenbergen-Windecken-Vilbel. c. Ufbcriicht der Ende 1906 bestehenden, in das Handelsregister deS Kaiserlichen Gerichts in Kiautschvu eingetragenen nicht chinesischen Firmen nebst Veränderungslifte für 1906.
Näheres hierüber können Jntereffenten auf dem Bureau der Handelslammcr erfahreii. -
Vermischte».
* Zabrze (Ober.chlesien), 17. Juni. Aus den Bergrat Ficbia wurde heute nachmittag im Zentralbureau der Königin Luisegrube ein Mordanschlag verübt. Ter frühere Obersteiger Philipp, Herausgeber der Broschüre „Der ooerschlesische Zola", feuerte zwei Revolverschusse auf Fievig ab und verletzte ihn an Oberarm und Schulter. Es handelt sich anscheinend um die Tat eines Jrrsin ügen. Philipp ist verhaftet worden. — Hier starb vor kurzem die Tochter des Werkmeisters Piechotta. Der Vater erkrantte aus Gram hierüber und folgte am vergangenen Alontag seiner Tochter ins Grab. Am Dienstag wurde die Mutter wahnsiunig und mußte ins Krankenhaus gebraut werden, wo sie in vergangener Nacht ebenfalls gestorben ist.
* Kleine Tageschronik. Bei RigiKänzeli stürzte am Sonntag ein junger Londoner Kaufmann von einer über 200 Pieter hohen Felswand ab. Tic gerichtliche Untersuchung der Leiche hat ergeben, daß wahrscheinlich Selbstmord vorliegt. — zer Steitincr Dampfer „Arnold" ist an der Westseite von Sansterbai (Dänemark) gestrandet, konnte aber wieder flott gemacht werden. Der Rapitan verstarb infolge der Aufregung unmittelbar nach der Strandung an einem Schlaganfall. — Aus dem Truppenübungsplatz E l s e n b 0 r u (Rhl.) verunglückten zwei S 01 d a t e n vom 30. Infanterieregiment, die zur Bedienung der Artilleriezicle beim Scharfschießen kommandiert waren. Einem Musketier wurden amtliche Finger an beiden Händen lueggeriffcn und außerdem trug et schwere Unterleibsverletznngen davon. Der andere Musketier wurde leichter verletzt. — Auf dem Hvchturm (Steiermark) sind zivei Touristen namens Kaunitz und Sternberg nebst zwei Damen a b g e ft ü r z t. Tie beiden Herren sind schwer verwundet, ivährclid die 'beiden Damen mit leichteren Verletzungen davon tarnen. — Ji, Neufledel (Ungarn) hat der Oberleutnant Guary einen Wachtmeister infolge unvorsichtigen Hantierens mit einem Revolver e r i cl) 0 j f e n. — Eine heftige Dynamit-Explosion hat einen großen Teil der portugiesischen Stadt Eoviba zerstört. 30 Menschen kamen ums Leben. Eine große Anzahl Personen erlitt schwere Verletzungen. 16 der größten Gebäude der Stadt mürben vollständig vernichtet. Nach einer Version sollen Anarchisten das Verbrechen begangen haben, nach einer anderen sei die Explosion ein Racheakt eines entlassenen Arbeiters. — In Gera sprengten zwei Ehemänner nachts die Tür zur Schlaskannner eines Tieiistmädchens. Nachdem sie das Mädchen überwältigt unb ge- fcffelt hatten, würbe es von ihnen vergewaltigt. Tie Unholde ivurben verhaftet. — Ein großer Exzeß spielte sich in Berlin ab. Der 62jährige Tischler Seppens wurde von einem angeblichen Maler, dessen Wohnung imangemelbetcn Burschen und Frauenspersonen als Absteige-Quartier biente, mit einem Ofenhaken niedergeschlagen und schwer verletzt. Tie Hausverwalterin Frau Sommer wurde ebenfalls verfolgt, weshalb diese zum Fenster hinausfprang, von der Feuerwehr aber gerettet wurde. Bis nach 10 Uhr fanden auf der Straße unter lautem Gejohle förmliche Mädchenjagden statt.
<0crid?tsfaal.
Berlin, 18. Juni. Ter Preßprozeß Leuß gegen Maximilian HardcnHal vor dem Kcnnmergcricht eine überraschende Wendung genommen. Harden hatte die von Lcuß heraus- gcgcbenen Hammersteinbriefe einer Kritik unterzogen, die Leuß zum Gegenstände einer Privalklage machte. Während zwei Instanzen die Klage abwiesen, hat das Kammergericht sich auf den Standpunkt gestellt, daß Harden die Grenzen des § 193 überschritten habe und die Sache an die Strafkammer zurückverwicsen.
G n e j e n, 17. Juni. Tie Strafkammer verurteilte einen 13jährigen Schulknaben zu vier Wochen Gefängnis, iveil er ein junges Mädchen beim Taubenschießen e r - schossen hatte.
Hamburg, 17. Juni. Das Landgericht hat als zweite Instanz in dem Prozeß Wörmann gegen den ©impltjif- j 1 m u s auf Antrag der Verteidigung beschloßen, den Kolomal- dircktor Wernburg, wie auch besten Vorgänger zur Senge n° vernetz m u n g zu laben
Landau (Pfalz), 18. Juni. Tie Strafkammer verurteilte die Roschbacher Winzer Danner, Hasselwander und Brutscher wegen W e i n f ä l s ch u n g e n zu je einem, Monat Gefängnis und zu
Geldstrafen von 500, 600 und 350 Mk. 2800, 3600 und 4000
Liter Dein wurden eingczogen.
Kandct.
Deutsche R e i ch 8 a u l e i b e. Namentlich in Dörfenkreisen ist das Dementi, das die Nordd. Allg. Zlg. am die Mitteilung der U. V. 3. erließ, die Reichsregwrung würbe bald wieder eine neue Anleihe auSgcbcn, als ziemlich lahm bczeichiict ivorben. Nun fchreibt die St V. Z. abermals ziir Sackie: ES iverdc von der N.21.Z. nicht bestritten, daß noch ein Kreditbedürfnis von 137 Mill.Mk. uorhegt unb daß außerdem crfocblidtc Etalsulerfchrcilimgen für Südweüafrika zu decken sind. Daran', bafe bic GtatStiberfdiycitungen für Südwestern ika erst noch durch eine besondere Kreditvorlage bewilligt werben müste, haben wir ebenfalls schon Jüngeroiefen. ES versteht sich also von selbst, daß die Anleihen hierfür erst nad) Wiederzusammentritt des Reichstags begeben werben könnte.
D 1 e Berliner Börse bat bic D u rn a - A u f l ö f un g ganz falt ausgenommen. Tie Kurse der rufsifcheii Weile (teilten neb sogar etwas bester als am Samstag, weil die Petersburger Börse wicbcv feste Kurse meldete und die Ruhe m Rußland bisher nirgends gestört wurde. Daß beiden Käufen von Rnffwerleii Interventionen von inlerefsierlestcr Seile beobachtet würben, kamt man sich denken. Auch der auigetretene stärkere Geldbcacyr fand nur geringe Beachtung. Banken lagen fest; besonders für Dresdener Bankbestano lebhafterer«: Nachfrage. And) Russcit-Bank waren bei großen Umsätzen feit. Am BergwerkSaklienmarkt gab es starke Schwankungen mit Neigung nach oben, doch konnten Rheinische Slablwerke, bie 189,25 anfangs notierten und Phönix mit 197,10 dcu höchsten Kurs nicht behaupten. Sdilteßlid) noiicrlen Phönix aber doch wieder 196", unb Rheinische Stahlwerke 187' , Teutsckf- Vurcnibiirgcr schlossen 169‘ ,, Hohenlohe 182. Sdusjahrlakueu waren am bic '.'luSlafiungcn Baluns über den Geschä'isgang wesentlick) besser. Lombarden wurden weiter fitr Wiener Rechnung gekauü. Piwaldiskont 4s/.°/0. — 9'iad) all öieiem hätte nicht viel gefehlt, fo hätte bic Tiinia-Anflösimg eine ueriiablc Hausse hcrbeiqcführt.
Die Viarttprcisc für Bich und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcife am 17. Juni 1907.
Hoch»« Echlachloiehprcike 5(ci|djptci|e iu ®ie6eu m Frankfurt a. M. u 1 w
Ochsen
Halber Schweine
50 Kg. Echlachtgewichi 78-81 Mk.
1, Kg.Schlachtgew. 95—98 Pf. , 58-00 ,
V, Kg. 82-88 Pfg.
V, , 80—84 ,
Getreidepreise in Ri a n n h e i m
Brotpreife in Gießen
Aieizeu 100 Kg. 21.40-Uü.UU Alt. Roggen 100 Kg. 20.40-00.00 Alk.
Weißbrot 2 Kg. 58 Plg.
Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pfg.
1 'i==>
Gießener Wetterdienst.
■" Voraussichtliche Wttternug für Hesie» am Mittwoch den 19. Juni: Trübung und Regenfälle, teilweise mit Gewitter. Etwas wärmer. Südliche Winde.
gpidploK der «reinigten Frankfurter Staüttheiüer.
Opernhaus.
Von Sonntag den 16. Juni bis inff. Samstag den 18. Juli, bleibt bas Opernhaus geschlosten.
Schauspielhaus.
Mittwoch ben 19. Juni'): „Das Blitzmäbel." Donnerstag den 20. Juni: Zum crsten Dlale: ^Die Raben st eine ri n.N Freitag den 21. Juni: „Die Rabensteinerin/ Samstag den 22. Juni: ,Maria Stuart." Sonntag deu 23. Juni: w3)ie iHabcn- fleincrm." Montag den 24. Juni: „Salome." Hieraus: ,Eist Ersolg.'
') Ansang, wenn nicht ander? bemerkt, abends um 7 Uhr.
Monatliche Werßcht drr Todesfälle in Eikftn.
Monat Mai 1907.
Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 (mH. 1600 Mann Militär)^ Sterblichkeitszister: 25,6 %0, nach Abzug von 37 Ortsfremden: 10,8 u/o*.
Kinder
Es ft arbeit au: Zusammen: Erwachsene:
im
vom
1. Lebensiahr: 2.-
-15. Jahr
Lcbensschwäche
4(1)
—
4(1)
—
im Wochenbett
2(2;
2(2)
—
——
Diphtherie
1
—
—
1
Tuberkulose
7(5)
7(5)
•T-
Lungenentzündung
13 (7)
11 (6)
1(1)
Herzleiden
4(2)
3(1)
1(1)
Echlagfluß
4
4
—
—
anderen Nerven-
krankheitcn
3(1)
3(1)
—
—
Tarmkraiikheiten
6(5)
1 (1)
1(1)
4(3)
Niereneiitzündung
3(1)
3(1)
——
—
Bösartigen
1(1)
Neubildungen
7(5)
6(4)
—
Selbstmord
Kl)
1 (1)
—
——
Verunglückung
3(2)
2 (2)
—
1
anderen Krankheiten
6 (5)
4(4)
2(1)
—
Summa:
64 (371
47 (28)
9(4)
8(5)
Sinnt.: Tie m
Klammern gesetzten Ziffe
m geben an, wie viel
btt Tobcssälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach
Gießen gebrachte Kranke kommen.
Griginal-Drahtmeldnngen.
Kopenhagen, 18. Juni. Ein Unbekannter, der in einem Schnellzuge fuhr, warf in einen Abteil, in welchem sich 6 Schweden befanden, eine Bombe. Sämtliche 6 wurden schwer verwundet, während der Täter s e l b st u m s L e b e n k a m. Das Motiv zur Tat ist völlig dunkel.
Petersburg, 18. Juni. Das amtliche Informations-Bureau hat das Manifest des Zaren merkwürdigerweise ohne Dalum und mit dem Vermerk: Zarskoje Sselo ausgegeben. Ta der Zar jetzt nicht mehr in Zarskoje Sselo, sonocrn in Peterhos lebt, so ergibt sich hieraus, daß das Manifest schon minbeftens seit einer Woche fertig war. Tie Stelle, worin die Verweigerung der Ausschließung und der Genehmigung zur Verhaftung der sozialistischen Abgeordneten bic Rede war, fehlt in dem von dem Informations-Bureau mitgeteilten Text vollständig.
San Francisco, 17. Juni. Sofort nach Verurtei- lung des Bürgermeisters wegen Betrügereien ist gegen 92 Polizisten unb 96 stäblische Beamte bie gerichtliche Verfolgung eingelcitet worben wegen Anfertigung falscher Schriftstücke.
Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die
BrühPsche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 1


