Ausgabe 
17.5.1907 Erstes Blatt
 
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Wasserfieber, dem Die erste Gemahlin des Herrn Diehl zum Opfer siel, übt zurzeit wieder seine Herrschaft ans, so sind beztv. waren erkrankt Missionar Hanke mit Bonau er stieat in dem Regierungshospital Bella Helmich, Schulz uno Weber. Auch Missionar Schamann-Hunsamannberg ist staum von diesem entsetzlichen Fieber genesen.

Marburg, 16. Mai. Bürgermeister Troje aus «Einbeck hat die Wahl als Oberbürgermeister !hier angenommen. Seit heute hat die hiesige ä ck e r i n n u n g den Preis für 2 Kilo Weißbrot auf 56 und für Schwarzbrot auf 52 Pfg. erhöht.

Frankfurt a. M., 16. Mai. Gestern fand, wie all­jährlich, der Kongreß der deutschen Standes- herren mit Festmahl und Ball im Englischen Hof statt. Den Vorsitz führte Fürst zu Stolberg-Wernigerode. Ver­treten waren folgende fürstliche und rcichsgräsliche Häuser: von Stolberg-Wernigerode, Hoheulohe-Bartenstein, Castell- Eastell, Leiningen-Amorbach, Solms-Hohensolms-Lich, Isen­burgs-Büdingen, Isenburg-Wächtersbach, von der Leyen- Hohengeroldseck; Oettingen, Löwenstein - Wertheim - Rosen­berg, Solms-Braunfels, Wittgenstein-Hohenstein und Salm- tHorstmar; Görtz-Schlitz, Solms-Laubach, Solms-Wildenfels, Erbach-Fürstenau, Castell-Rüdenhausen, Pückler-Limpurg) ^Stolberg-Roßla, Neipperg-Schwaigern, Scl>önburg-Clauchau, Solms-Assen heim und Bentinck-Waldeck-Limpurg.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 16. Mai.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten «Curschmann, Georgi und Heyligenstaedt; die Stadtverord­neten : Dr. Ebel, Eichenauer, Eminelius, Euler, Faber, /Dr. Gutfleisch, Dr. Haberkorn, Hallbach, Heichelheim, Helfrich, sHelm, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schaffstaedt, Wallen­fels und Dr. Wimmenauer.

Fehlende Briefkästen.

Vor Eiillritt in die Tagesordnung macht Stadtv. Eiche- Mauer darauf aufmerksam, daß an mehreren sehr frequenten Stellen der Stadt, wie Goethestr. und Selterstor, die Brief- kästen behufs Reparatur abgenommen seien. Hoffentlich bedürfe es nur dieser Anregung, um die Postbehörde dazu zu veranlassen, in solchen Fällen Reservekasten anzubringen.

Vergebung der 'Anleihe.

Der Vorsitzende teilt mit, daß die Genehmigung der Drei-Millionen-Anleihe zu 4 Proz. vor 8 Tagen eingetroffen sei und daraufhin habe der Finanzausschuß beschlossen, das Anlehen sofort auszuschreiben. Heute sei der Termin abgelaufen und es seien folgende Offerten eingegangen:

Kurs 98, 91 Delbrück Leo u. Co.-Berlin, Mitteldeutsche Kreditbank Berlin, Frankfurt a. M. und Gießen, L. u. C. Wert- Heimber-Frankfurt a. M. Zinsen 1 Proz. unter Reichsbankdis- kont, höchstens 4 Proz. mindestens 3 Proz. Vor 31. 12. 07 weitere .Anleihen nur mit Genehmigung der Banken zulässig.

Kurs 98, 81 Deutsche Bank-Berlin und Frankfurt a. M., Rheinische Kreditbank-Mannheim, Deutsche Vereinsbank-Frankfurt am Main, Süddeutsche Bank-Mannheim, Baruch Strauß-Mar­burg.

Kurs 98, 78 Königlich Preußische Seehandlung-Berlin. Zinsen wie Delbrück Leo u. Konsorten. Vor 1. 4. 08 keine weiteren An­leihen zulässig.

Kurs 98, 28 Bank für Handel und Industrie Darmstadt, Kommers- und Diskontobank-Berlin, I. Dreyfus u. Co.-Frank- furt a. M. und Veit L. Homburger-Karlsruhe.

Kurs 98, 25 Deutsche Effekten- und Wechselbank-Frankfurt am Main, Nationalbank für Deutschland-Berlin, Jacob Grüne­wald-Gießen und Straus u. Co.-Karlsruhe.

Kurs 97, 81 Diskonto-Gesellschaft-Franksurt a. M., Süd­deutsche Diskonto-Gesellschaft-Mannheim, Norddeutsche Bank-Ham­burg, Ephraim Meyer u. Sohn-Hannover, M. M. Warburg u. Co.-Hamburg, L. Pfeiffer-Kassel und Mauer u. Plaut-Kassel.

Es wird ohne Debatte und einstimmig beschlossen, das erste Angebot (Delbrück Mitteldeutsche Kreditbank Wert- heimber) a n z u n e h m c n.

, Wegen des Druckes der Schuldverschreibungen und Z i n s - bogen waren die hiesigen Firmen, die die Arbeit machen können, aufgefordert worden, Angebote einzureichen. Beide in Frage kommenden Firinen haben der Aufforderung entsprochen. Die Brühl'fche Druckerei hatte unter Beigabe von Papierproben 4 Offerten zu 968, 1050, 1097 und 1180 Mk. eingereicht, und die Münchow'sche Druckerei eine solche, ebenfalls mit Papierprobcn, zu 1050 Mk. Die Arbeit wird der'Brühl'schen Druckerei, über­tragen und zwar wird die Offerte mit Papiermuster A 18 zu 1097 Mk. zur Ausführung bestimmt.

Ausschmückung der Ballone und Vorgärten.

Die hiesigen Handelsgärtner beabsichtigen, ähnlich wie in anderen Städten, Prämien für Balkone und Vorgärten zu geben und haben von sich aus hierfür Pflanzen im Werte von 100 Mk. als Preise ausgesetzt. Sic ersuchen um Gewährung eines Zu­schusses durch die Stadt. Es wird beschlossen, einen einmaligen Betrag von 50 Mk. hierfür zu bewilligen.

Zuschuß zu den Kosten des Tuberkttlose-Wandermuseums.

Der Vorsitzende hat, vorbehaltlich der Zustimmung der Versammlung, für die Ausstellung des Museums, die am 26. Mai eröffnet erben soll, bereits die Turnhalle der Stadtknabenschule zur Verfügung gestellt. Die Landesversicherungsanstalt bittet aber außerdem um Uebernahme der örtlichen Kostet: der Ausstellung, da die Versicherungsanstalt durch die hohen Transportkosten be­reits erhebliche Ausgaben hat.

Der Fuianzausschuß hält die Stellung des Ausstellungslolals für genügend und beantragt, eine weitere Unterstützung abzulehnen. Der Vorsitzende dagegen bittet, ebenso wie die Städte Bingen, Alzey und Offenbach einen weiteren Beitrag zu leisten. Die hier durch die Ausstellung entstehenden Kosten belaufen sich auf 350 Mk.

Stadtv. Heichelheim legt die Beweggründe des Finanz­ausschusses für seine Stellungnahme dar. Wenn der Ausschuß ge­wußt hätte, daß es sich um 350 Alk. Kosten handle, hätte er wohl einen anderen Antrag gestellt.

Stadtv. Dr. Gutfleisch ist der Ansicht, daß die Stadt bei einer so wichtigen Sache unbedingt mehr geben solle als nur den Ausstellungsraum, zumal in der jetzigen Jahreszeit keine Kosten für Heizung und Beleuchtung entständen. Er beantrage Bewilligung eines Barbeitrages von 300 Alk.

Stadtv. H a u b a ch ist prinzipiell gegen eine Bewilligung, da es zu weit führe, wenn man alle derartigen Unternehmungen durch Geldmittel unterstützen wolle.

Stadtv. K r u m m ist für Bewilligung eines Beitrags und weist oarauf hm, daß in Offenbach z. B. die Schulen die Ausstellung besucht hätten, das spreche für die Wichtigkeit der Sache.

. Der Vorsitzende bemerkt, daß in Friedberg die Ausstellung :n drei -Lagen von 4000 Personen besucht worden sei und tritt nochmals für die Bewilligung eutes Geldznschnsses ein.

iEU° " er schließt sich den Ausführungen des

Stadtv. Gutstelsch an. Er halte es für eine Hauptaufgabe der u unkr|Y'ye ul gesamte Volkswohl wichtigen Unternehmungen Stadtv. Dr. Guts l e i sch weist nochmals aus die sozialpolitische und hygieniiche Wichtigkeit der Ausstellung hin und tritt lebhaft sur Bewilligung des Znschunes ein.

Stadtv. Petri hat die Ausstellung seinerzeit in Darmstadt gesehen und tritt aus dieser Kenntnis heraus den Ülusnibrunacn Dr. Gutflelschs bei. ' J H

Stadtv. Löber hält dafür, es wäre schon so viel zur Ans- klärung über das Wesen der Tuberkulose geschehen, daß .vettere Aufklärung nicht notig sei und nichts weiteres hierfür zu ae- schehen habe. 0 ä

Stadtv. Haubach wußte nicht, daß die Ausstellung kein Eintrittsgeld kosten solle, dies andere seine Auffassung von vermache , .,Stadtv. Wallenfels äußert sich in ähnlicher Weise und spncht sich für Bewilligung von 200 M. aus.

Stadtv. Kirch betont, daß es nicht in erster Linie finanzielle Gründe waren, die die ablehnende Haltung des Finanzausschusses begründet hätten. Man habe geglaubt, daß man mit der Hergabe des Saales genug tue, zumal auch die anderen Städte nicht mehr getan hätten.

Stadtv. Heichelheim weist darauf hin, daß in erster Linie die Invalidenversicherung Interesse und Vorteil von der Ausstellung habe. Er beantragt die Bewilligung von 100 At.

Ter Antrag auf Bewilligung von 300 M. Zuschuß wird gegen eine beträchtliche Minderheit abgelehnt und ein Zuschuß von 200 M. mit Mehrheit bewilligt.

Der Voranschlag für 1907 findet, von ganz geringfügigen Aenderungen abgesehen, Genehmigung. Wir haben'die wichtigsten Zahlen daraus bereits mitgeteilt imö können uns daher auf die bei einzelnen Titeln gemachten Aus­führungen beschränken.

Beim Titel 2, Gebäude, macht Stadtv. Krumm daraus auf­merksam, daß man, nachdem man das Stehenlassen des

Torhäuöchenö

am Theater beschlossen habe, auch dafür sorgen müsse, die darin befindliche Wohnung in einem den gesiindheitlichen Ansprüchen ge­nügenden Zustand zu erhalten.

Ter Vorsitzende erwidert, es fei aus der Wohnung bereits gemacht ivorden, was daraus zu machen fei. Eine Kelleranlage komme zu teuer, ober man habe den Fußboden erhöht.

Stadtv. Krumm meint, ohne Unterkellerung könne niemand in dem Häuschen wohnen.

Oberbürgermeister sJ)l ecu m bemerkt demgegenüber, es habe bei den früheren Debatten über das Torhäuschen niemand an­zugeben gewußt, wohin man die Oktroi - Erhebestelle unter­bringen solle.

Stadtv. Huhn bemerkt, in dem Titel ständen Einnahmen und Ausgaben nicht im richtigen Verhältnis. Wenn man von der neuen Kaserne absehe, seien die Einnahnien 16 000 Alk. und die Ausgaben 10 000 Alk. Deshalb fei in Erwägung zu ziehen, ob man die schlechtrentierendsten Häuser nicht abbrechen solle; z. B. betrage beim Haus Sonnenstraße 26 die Einnahme 252 und die Ausgabe 130 Alk., beim Haus Gr. Mühlgasse 17 die Einnahme 192 und die Ausgabe 100 Mk. u. s. w.

Der Vorsitzende bemerkt, die Abbrüche erfolgten stets, in­soweit es erforderlich sei. Die für die bauliche Unterhaltung der Gebäude angeforderten Summen solle man ruhig stehen lassen, denn ohne Not werde nichts ausgegeben. Wenn es ilicht notwendig sei, solle man übrigens mit dem Abbruch nicht so schnell bei der Hand sein, denn damit fördere man den Notstand der aller- unbemittelftei: Schichten, die aus die ganz billigen Wohnungen an­gewiesen seien.

Stadtv. Haubach hält ebenfalls die Unterhaltungsarbeiten der städtischen Gebäude für sehr hoch angesetzt und führt hier­für Beispiele aus dem Voranschlag an.

Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß in den hierfür angesetzten Beträgen auch die Aufwendungen für Wasser, Heizung usw. stecken.

Stadtv. Wallenfels weist darauf hin, daß ein der Stadt gehöriges Haus in der Zozelsgasse keinen Ertrag abwerfe. Wenn dies Haus nicht verwertet werde, solle man es abbrechen.

Stadtv. Huhn ist damit einverstanden, daß man mit dem Ab­brechen nicht so rasch vor sich gehe.

Stadtv. Petri hält es für notwendig, daß man für das äußere Aussehen des Torhäuschens etwas tue.

Stadtv. Löber meint, daß das Haus in der Zozelsgasse ja sehr billig erworben sei, aber es schwebe ein geheimnisvoller Schleier um das Haus. Er habe übrigens schon eine Anregung gegeben, was man damit anfangen solle.

Der Vorsitzende, der vorher schon ausgeführt hatte, daß das Leerstehen des Hauses auf einem früheren Beschluß der Ver­sammlung beruhe, bemerkt, der Anregung des Stadtv. Löber sei schon entsprochen worden, wenn die Anlieger des Hauses nicht so übertrieben hohe Forderungen für ihre Häuser stellten.

Beim Titel 7,

Schlachthaus, fragt Stadtv. Krumm, wie es mit der Schlachthoferweiterung stehe.

Der Vorsitzende erwidert, die Vorarbeiten seien so weit gediehen, daß die Arbeiten zur Erweiterung der Schweineschlacht­halle, die fast einem Neubau entsprächen, bis zum 1. Juli aus­geschrieben werden könnten. Die Kühlanlage werde im Herbst begonnen werden können, sodaß ihre Betriebseröffnung bis Früh­jahr 1909 zu erwarten sei. Die Metzger wünschten allerdings jetzt ein neues Schlachthaus, nach Art des Fuldaer, das etwa 600 000 Mk. koste. Das sei aber nur für 25 000 Einwohner berechnet, während man hier für 50000 Seelen bauen müsse. Ein neues Schlachthaus werde ohne Grunderwerb auf rund 1200 000 Mk. kommen, dagegen koste die Erweiterung des jetzigen nur etwas über 500 000 Mk.

Beig. Georgi stellt die Frage, ob man sich inzwischen verlässigt habe, daß der Viehmarkt beim Schlachthaus bleiben könne.

Der Vorsitzende entgegnet, daß der jetzige Kreisveterinär­arzt fein Bedenken gegen die Lage des Viehmarktplatzes habe und daß man keine Verträge wegen des Baues abschließen werde, bevor vom Ministerium hierüber entschieden worden sei.

Stadtv. Helfrich hält die Lage des Viehmarktplatzes, na­mentlich nach seiner Neuanlage, für unbedenklich.

Beim Titel Eichwesen bemerkt Stadtv. Krumm, daß er gemäß seiner früheren Stellungnahme nichts für die Unterhal­tung des Torhäuschens am Theater bewilligen werde.

Stadtv. K i r ch pflichtet dem bei.

Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden, daß das Tor­häuschen am Theater dem Oktroi diene, also zurzeit nicht zur Beratung stehe, erklärt Beig. Georgi, daß auch das zweite Häuschen entfernt werden müsse, wenn das auf der Theaterseite falle.

Beim Titel

Volks- und Fortbildungsschule ersucht Stadtv. Haubach um nähere Ausschlüsse über mehrere Positionen, die Unterhaltung, Umbau ufnx. an Schulhausbauten betreffen.

Der Vorsitzende gibt die gewünschten Aufschlüsse.

Beig. Georgi ist der Ansicht, daß man von diesen Aus­gaben manches hätte in die Vermögensrechnung nehmen können, da durch größere Umbauten und Neueinrichtungen, wie Brause­bäder, doch der Gebäudewert erhöht werde. Durch das jetzige Verfahre:: belaste man die Gegenwart zugunsten der Zukunft zu sehr.

Der Vorsitzende meint, durch Ausgaben, wie sie der Voranschlag vorsehe, werde der Wert der Gebäude fast gar nicht erhöht. Wenn man diese Kosten zu Lasten des Vermögens ver­ausgabe, sei es fraglich, ob das Ministerium seine Genehm migung gebe.

Stadtv. Löber halt die Einrichtung eines Brausebades in dem Schulhause an der Schillerstraße für überflüssig. Die Reinigung der Kinder fei Familiensache und es sei für manchen Familienvater recht nützlich, wenn er, statt ins Wirtshaus zu gehen, zu Hause zusehe, wie feine Kinder gewaschen würden. (Heiterkeit.) Auch habe man das Bad in der Lahn. Man solle in der sozialen Fürsorge auch nicht zu weit gehen.

Beig. Georgi spricht sich schon aus dem Grunde für die Einrichtung des Brausebades aus, weil auch die anderen Volks sch ul Häuser solche haben.

Stadtv. Krumm will feststellen, daß heute gesagt worden sei, durch Umbauten usw. werde ein Wertzuwachs erzielt. Bei der Frage der Kanalisationsgebühren habe man ganz anders ge­sprochen. Uebrigens sei er der Ansicht, daß man etwa die Halste der Umbaukosten in die Vermögensrechnung nehmen könne.

Beig. Georgi will heute auf feine Wertzuwachsdebatte eingehen, da dies zu weit führen werde.

Stadtv. Haubach "ersucht den Vorsitzenden, die Voranschläge für die Unterhaltungsarbeiten in Zukunft genau zu prüfen, damit nicht unnötige» gemacht weroe. Gegenüber dem Stadt­verordnete:: Krumm wolle er nur bemerken, daß bei Umbauten und auch bei den Kanalisationsarbeiten im Haus ein Wert­zuwachs allerdings eintrete, nicht «aber durch die a Ugemeine Kanaliiation»

Der Vorsitzende erklärt', setzt schon sei die Festsetzung der Beträge für die Unterhaltungsarbeiten regelmäßig Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Hochbauamt und ihm.

Stadtv. Dr. Ebel meint, angesichts des Umstandes, daß von den 1906 mit 3650 Mk. und 1907 mit 3450 Mk. anglesetzten Vergütungen an die Lehrer für den Fortbildungsschuluuterricht etwa 600 Mk. nicht verbraucht worden seien, könne die vor kurzem abgelehnte Erhöhung dieser Vergütung recht gut er­folgen. Gießen stehe in dieser Hinsicht hinter den anderen hessischen Städten zurück.

Der Vorsitzende hält eine abermalige Erörterung dieser Frage setzt nicht für angängig, nachdem erst vor kurzem ein Gesuch der Lehrer abgelehnt worden sei. Der Mehransatz er­folge, weil man nie in^ Voraus wissen könne, inwieweit durch das Größerwerden der Schülerzahl eine Vermehrung der Klassen­zahl notwendig werde. Wenn inan die Gebühr erhöhe, müsse auch der ausgeworfene Betrag entsprechend erhöht werden.

Die höhere und erweiterte Mädchenschule

gibt dem Stadtv. Iann Veranlassung, um Ucbcrlaffung des nördlichen Teils von Oswalds Garten als Spielplatz für die Klassen zu ersuchen, die in der Turnvereins-Turnhalle turnen, damit anstelle des Turnens zeitweilig Spiele im Freien treten, könnten.

Ter Vorsitzende stellt anheim, einen dahingehenden An­trag zu stellen, damit sich das Kuratorium mit der Sache be­fassen könne.

Stadtv. Krumm hält die von früheren Schülerinnen dev höheren und erweiterten Mädchenschule eingeleiteten Samnv- lungen für Ausstattung der Anstalt für unangebracht. Was für die Ausstattung der Schule erforderlich sei, habe die Stadt aufzubringen. Ferner wolle er die Anlegung eines Tennis-, Platzes für die Schule anregen.

Ter Vorsitzende erwidert, daß die Schülerinnen der höheren Mädchenschule ruhig den seitherigen Tennisplatz in der Schillerstraße meitcr benutzen könnten, auch stehe ihnen der städtische Platz an der schönen Aussicht zur Verfügung. Tie Sammlungen für die Ausschmückung der neuen Schule halte auch er für unangebracht, da cs unnötig sei, irgend etwas zu stiften.

Stadtv. Krumm bemerkt, seine Kritik richte sich nur gegen die Ausschmückung der Schule, wenn jemand etwas für Un­terrichtszwecke geben wolle, solle man cs nicht zurückweisen. Ein Tennisplatz dicht bei der Schule empfehle sich sehr, damit; in den Pausen gespielt werden könne.

Stadtv.^Emmelius macht darauf aufmerksam, daß "bei der neuen Schule ein Tennisplatz vorgesehen gewesen sei. Es habe sich aber herausgestellt, daß der dafür in Betracht kommende Platz zu klein sei.

Stadtv. Dr. Wimmenauer kann nichts dabei finden, wenn die früheren Schülerinnen der Anstalt ihre Anhänglichkeit an die Schule dadurch betätigen, daß 'sie bei der Einweilmng irgend etwas stiften, z. B. Bilder.

Stadtv. Schaffstftedt tritt ebenfalls' für die Anlage eines Tennisplatzes ein.

Stadtv. Kirch stimmt bezüglich des' Geschenks für die Schule dem Stadtv. Krumm bei und wendet sich namentlich gegen die Behauptung des geöruccien Aufrufs der Sammlerinnen, daß die finanzielle Sage der Stadt eine würdige Ausstattung der Schule nicht zulasse.

Der Vorfitzende meint, wenn die hinter dem Aufruf stehenden Damen dies behaupteten, so seien sie schlecht unter-, richtet. Es gebe sogar Ansichten, daß für die Schule zu viel geschehen sei, z. B. werde die Ausstattung der Turnhalle zp reich befunden. (Schluß folgt)

Lttrchttche Nachrichten

CvangcLische Gemeinde.

Am 1. f i n g ft feier tag, den 19. Mai: Kollekte für die hessische Lutherstiftung.

Gottesdienst.

In der Städtische.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthmts- und Markusgememde gemeinsam. Pfarrer Schwabe.

In der JohanncSkirchc.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Enter.

Beichte und heil. Abendinahl für die Lukas- und JohanneS- gemcüibe. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeind-» erbeten.

Vormittags ll1/« Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.

Pfarrer Euler.

Am 2. Pfingstfeiertag, bei: 20. Mai: Kollekte für die kirchliche Versorgung der Evangelischen im Ausland.

Hottesdieust.

In der StadMrchc.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Steiner.

Vormittags 9V3 Uhr: Pfarrer D. Schlosse r.

Beichte und heil. Abendmahl für Matthaus- und MarkuS- gemeinde gemeinsam. Anmeldung dazu vorher bet dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johauucskirche.

Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche.

Vormittags 9*/, Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Ausfeld.

Katholische Gemciudc.

Samstag den 18. M a i 1 907:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag d e n 19. M a i, P f i n g st s o n n t a g: Vormittags von 6/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Aiesfe, vor lind in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

, um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.

um 91/; Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2 Uhr: Feierliche Vesper mit Segen. Nachmittags um 3V4 Uhr: Polnische Predigt.

38/t Italienische Predigt.

von 4-9 Uhr Gelegenheit, polnisch und italienisch

zu beichten.

Montag den 20. Mai, Pfingstmontag: Vormittags von 6*/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

um 7 Uhr: Tie erste hell. Messe, vor und in der­

selben Austeilung der fzeil. Kommuniom

um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe.

um 9*/, Uhr: Hochamt.

Nachmittags um 2 Uhr: Fest-Andacht mit Segen.

Dienstag und Freitag abend um 61,. Uhr ist Maiandacht.

Israelitische Netigiousgesettschast.

Gottesdienst.

Sabbatfeier am 18. 3)1 ai 1907:

Freitag abend 7.45 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4.00 Uhr.

Sonntag den 19. und Montag den 20. Mai 1907:

Wochensest.

1. Tag: Vorabend 9.00. Morgens 8.00. Predigt. Nachmittags 4.00.

2. Tag: Vorabend 9.00. Morgens 8.00. Nachmitags 4.00. Festesansgang 9.05.

Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 8.00 Uhr.

Israelitische Religiousgemeinde.

Hottesd:eiiil in öer Synagoge (pudanlage).

Sonntag den 19. und Montag den 20. Mai 1907 r

W o ch e n s e st.

1. Tag: Vorabend 9 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Predigt.

Nachmittags 4 Uhr.

2. Tag: Vorabend 9 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nach­mittags 4 Uhr.

Feftesansgang 0 Uhr.