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16.10.1907 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 16. Oktober 1007

157. Jahrgang

Erstes Blatt

343

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» Vrinrm-aitzrigrr ,m vwuipnui <S£ä& öTtü^inmnmre Hotflfl9n$brnd * *«6 vrrlag der vrShl'schen Univ.-Such, und Steindnickerei. EL ränge. Nedaktion, Expedition und vruckere«! Schnlstratz» r. Hustn-ni-ü'k v°' sornnttagv 10 Uhr. _____.__________

t Siebener Anzeiger >cn mi Wechsel mit hessische« candwitt Sletzener Kaminen, er vtcrtitrtl in der *c deigelegk und mal wöchentlich das sblatt ftir den Krell tn. Fernjprech-An- ijjs.d. Redaktion 112 aa u. Expedition 51

GietzenerAMW

General-Anzeiger für Gberheffen

?;e Heutige Dummer nmfaßt IS SeiLen.

Das Befinden des Kaisers Franz Josef.

Nach einigen Wiener Blättennelduirgen von gestern >cr Ziistand des Kaisers noch immer ziemlich ernst, »oll ein Lungenspitzenlatarrh konstatiert wor- jein, dessen Krisis in drei bis vier Tagen 511 erwarten Momentan sei zu schweren Befürchtungen kein Anlaß. Nach einer Meldimg des Wiener Korr.-Bur. vorn 15. Okt. das Befinden des Misers gestern nach einer fieberfreien )t nicht ungünstig, wiewohl bte Nacht wiederholt h Hustenanfälle gestört wurde; die katarrhalischen Er­rungen seien unverändert. Der Kaiser Hube das Bett 5 Uhr früh verlassen und daun gearbeitet. Eine um yr ein getretene unwcselitliche Erhöhung der Körper- jeratur sei im Laufe des Tages wieder auf die normale nken. Der Zlräftezustand sei gut. Die Stimmung des ers habe vormittags nichts zu wünschen übrig gelassen.

die KvrrespoudenH von einer Persönlichkeit aus der lebung des Kaisers erfährt, kann die Erhöhung der lertemperatur, die gestern und heute ?i den Bormittags- dch bei dem Kaiser beobachtet wurde, nicht als ein 1 ruhigendes Zeichen gelten; solange die Influenza nicht ; behoben ist, werden derartige leichte Fiebererscycttnm- vermutlich öfter auftreten, ohne als beunruhigendes iptom gelten zu können. Als erfreuliches Anzeichen Krankheitsverlaufe wirb der gute Krästezustand und normale Herztätigkeit betrachtet. Auch der Katarrh hat seit gestern nicht weiter auSgedreiret. Die Expekto- on ist' locker und reichlich. Bezeichnend für die un-- ugte Arbeitskraft des Monarchen ist der Umstand, daß gestrige Vortrag des Kabinettsdirektors Schießt von Pemstorss, der die Ausgleichsvorlage be- , nahezu zwei Stunden gedauert haben soll.

Wien, 16. Okt. Der Kaiser war gestern abend fie- frei, die Temperatur normal, Krästezustand defrie- nd. Die Aerzte hoffen auf eine Besserung von an- ander Dauer, lieber den Krankheitszustand nach der ttgen Abendvisite der Aerzte wird der Neuen Freien je berichtet. Tas Befinden des Nkonarctzen ist sehr rstig. Das Fieber und die katarrhalischen (£1:^1= gen staben sich stark vermindert.

Der ReichshauShaltSetat.

Berlin, 15. Okt. Mit der Drucklegung des ichsh aushalt setats für 1908 ist nun begonnen Din, und es sind dein Bundesrat bereits einige Spezial- -j zugegangen. Die Beratungen über den Etat it im Bundesrat in der nächsten Woche beginnen so gefördert werden, daß es möglich fein wird, den niicn Etat dem Reichstage gleich bei seinem Wieder- iN.mentritt vorzulegen. Wie dieKreuzztg." hört, ist Entwurf eines Vereinsgesetzes dem BundeSrat heute egangen und dürste auf die Tagesordnung der nächsten, 17. d. M. stattfindenden Plenarsitzung gesetzt werden.

> Scheckgesetz und Weingesetz dagegen werden : Bundesrat voraussichtlich erst in der nächsten Woche Beschlußfassung vorgelegt werden.___________________

: GehaltSvorlttge der reichcländische» Negierung. Metz, 15. Olt. DieLothr. Bürgerzkg." meldet, der idesrat habe die Gehaltsvorlage der reichs- 1 dijchen Regierung als unzureichend zu­gesandt und eine neue Vorlage verlangt. Der Nachricht u in beteiligten Kreisen eine gewisse Wahrscheinlichkeit ;emessen, weil die Vorlage der reichsländischen Regierung a den gegenwärtigen preußischen Gehaltsstand brachte, )rend Preußen bereits an eine Erhöhung geht. Unter en Umständen werde die Regierung, da eine neue Vor- c für dieses Jahr nicht fertig werden kann, wie in dem .'jährigen, so auch im nächsten Etat eine halbe Million für Gehaltszulagen bringen und die organische Rege-

g sich Vorbehalten._________________________________

AuS der bayrischen Kammer.

München, 15. Okt. Im bayerischen K a m rner­st s i d i u m ist wegen des Eintritts Dr. Casselmamis ' Krisis ausgebrochen. Dr. Casselmann warf dem ifibenten Dr. v. Orterer vor, daß er während des hlkarnpses in einer Münchener Rede gesagt habe, alle oralen, Jnnglideralen, Atheisten und Monisten feien

und dasselbe. Der Wahlkampf der Zentrumspartei mit den schamlosesten Mitteln geführt worden. Auf Gegenerrlärung des Abg. Lenw verlangten die Libe­rn Erllärnngen von der Zeutrumssraktion. Wenn diese )t befriedigend ausfallen, tritt der Vizepräsident Dr. nmerschmidt aus dem Präsidium aus.

In der Generalde7)atte zum Budget bespricht Speck r.) das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum che und betont, die Matri kularbeiträge hätten ceits das Maß des Erträglich en überschritt t. Die Hoffnung des Finanzministers, die gestundeten ärikularbeiträge nicht zahlen zu müssen, sei trügerisch, j Reichsbudget für 1907 sei erheblich vorausbelastet. Da­il men neue Forderungen für Flotte unb Kolonien. Das itrum sei im Reiche b-creit zu bewilligen, was die Er- tung der Wehrkraft fordere, aber manche Forderung nte zurückgestellt werden. Das Fullen der Reichs- und latsanleihen müßte die Reichsfinanzverwaltung vorsich- machen. Der Geldmarkt tverde durch die fortwährende anspruchnahme durch das Reich und die Einzelstaaten nruhigt. Redner verlangt weiter Berücksichtigung iddeutschlands bei der Vergebung von Lic- c u n g e n für die Flotte. Nach iveiterer Debatte wird

Sitzung vertagt.

Nußland.

Newyork, 15. Okt. In San Franzisko warf ein Be­trunkener ein Fenster eines japanischen Restaurants ein. Die Japaner zerrten ihn in das Lokal und verprügelten ihn. Auf die Hilferufe des Betrunkenen eilten Weiße herbei und es entspann sich eine regelrechte Schlacht zwischen der von Minute zu Minute wachsenden Menge. 12 Japaner, von betten möglicherweise sterben werden, und min­destens 36 Weiße wurden verwundet. Die Polizei ftihr mit einem großen Automobil durch den Mob unb trieb ihn mit Knüppeln zu Paaren. Sie fand den betrunkenen An- tifter der Unruhen im japanischen Restaurant schlafend und ließ die verwundeten Japaner ins Krankenhaus chaffen.

Marokko.

Paris, 15. Okt. Der M ara b n t D u Di eh a d I u i, )er sich General Drude zur Verfügung stellte, soll mit diesem zusammen Vorgehen, um die noch unbotmäßigen S ch a u j a st ä m m e zu unterwerfen und die bereits llnterluorfeneti gegen die Angriffe jener zu schützen. Du Djehad Jui behauptet, daß die etwa tausend i-Nann starke und von Muley Reßhid befehligte Mahalla, die etwa 35 Mlometer von Easablanea entfernt lagert, anscheinend im Begriffe sei, sich zu zerstreuen.

Ans Rabat wird von allen Berichterstattertt über» einstimmenb gemeldet, daß Abdul A s i s Geldnot aufs äußerste gestiegen sei. Er fann die täglichen Haus­halts-Bedürfnisse nich. mehr bezahlen und die Händler wollen nichts mehr leihen.

Köln, 15. Ott. Wie dieKöln. Zrg." aus Tanger vom 15. Oktober meldet, ist die Nachricht, daß Muley Hafid den deutschen Konsul in Easablanea um seine Vermittelung zwischen ihm und Frankreich gebeten habe, zutreffend. Der Konsul erhielt das Ersuchen durch den Führer der Mahalla Muley Hasids im Gebiete der Sch auf a- tämme, war jedoch nicht in der Lage, b:m Wunsche zu ent* precheu.

Wie dieKöln. Ztg." aus Tanger meldet, sind die Güter der n a ch L 0 n d 0 u entsandten Vertreter AL u l e y Hasids im Auftrage des Sultans Abdul A s i s eingezogeu werden.

Berlin, 15. Okt. Die Abgesandten des ma­rokkanischen G e g e n s u l t a n s M u l a y Hafid sind heute abend von London kommend in B e r I i n eir.gctroffen. Voraussichtlich wird man auch hier, wie in London, amt- licherseits keine Notiz hvon ihnen nehmen.

Mazagan, 15. Okt. Muley Hafid hat hier eine neue Finanz-Verwaltung ernannt unb nahm eine Summe von 4u00 Dollar, welche aus Zolleinküusteu stammt, an sich.

Jnpauer und Anrerikaner in San Francisko.

Warschau, 15. Okt. Gestern sand int Palais des Generalgouverneurs Skalon eine Konferenz sämt­licher Polizeibehörden Rusfisch-Polens statt, um dem wachsenden Banditenunwesen im Lande zu steuern. Es wurde beschlofsen, Prämien für d i e Entdeckung der Räuberbanden auszusetzen, deren Mitglieder der Landbevölkerung meist bekannt sind, aber aus Furcht vor ihrer Rache den Behörden nicht verraten werden. Dagegen wurde dem Verlangen vieler Ritterguts- und Fabrikbesitzer, einen bewaffneten Eigenschutz im größten Maß­stabe zu organisieren, nicht stattgegeben. Infolge zahl­reicher Uebersülle auf Landhäuser, Reisende und Fabrik- kassert wird die Aufregung der Bevölkerung immer größer. Einen Waffenschein zu erlangen, ist mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Selbst dann, wenn ein solcher ausgehändigt wird, ist in diesem ein Ver­merk enthalten, daß die modernen automatischen Pistolen, System Browning, verboten sind.

Die hiesigen Militärbehörden haben aus Petersburg eine offizielle Anfrage erhalten, ob sie mit der Auf­hebung der Warschauer Festung eiiiberfianbcn sind. Im hiesigen Generalstabe soll die Ansicht überwiegen, daß die Festung zwar nicht aufgehoben, wohl aber nach den Grundsätzen moderner Taktik umzubilden wäre und daß die sogenannte Zitadelle als zwecklos zu räumen unb zu schleifen sei. Angeblich sind auch andere Reformen im Befestigungswesen Polens geplant, was auf französischen Einfluß zurückzuführen sei.

Settffd?« Reiü».

Berlin, 15. Okt. Die Konferenz der Ober- Postdirektoren und Direktoren der großen Aemter, die vorige Woche im Reichspostamt stattfand, hatte die Besprechung oderRegelung", wie es in einem Fall der Presse hieß, der Beamtenverhältnisse keineswegs als Beratungsgegenstand auf ihrer Tagesordnung. Es waren, wie dieNat.-Ztg." hört, lediglich technische und allgemeine Verw. altungsf ragen, die durch- beraten wurden.

Nach demBerl. Tagebl." ist zum preußischen Gesandten in München an Stelle des Grasen Pour- talös der bisherige deutsche Gesandte im Haag, Herr von Schlözer, ausersehen. Bekanntlich kam seinerzeit auch Graf Pourtales vom Haag nach München.

DasBerl. Tagebl." meldet aus Wilhelmshaven: An hiesiger amtlicher Stelle ist von der aus Borkum ge­meldeten Ergreifung englischer Spione nichts bekannt.

Rom, 15. Okt. Kardinal Steinl)über ist heute nachmittag gestorben.

Bern, 15. Okt. Der russische Polizeispitzel Saposchnikow, alias Baron Güntzburg, der über die russi­schen Revolutionäre in der Schweiz Berichte an die russische Polizei sandte, wurde vom Berner Schwurgericht wegen. Diebstahls zu V/2 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Paris, 15. Ott. Wie dieLiberto meldet, ist der rus­sische Minister des Aeußeren, Iswolsky, hier eingc* troffen.

Gießen, 16. Ott. 1907.

* * B e i d e m H i l s s a u S s ch u ß für die Abgebrannten in Herbstein ging ferner ein: Restbetrag der Samm­lung in der Gen lein de Garbenteich, von der bereits 42.50 Mark (in den Gießener Anzeiger üoerwiesen wurden, durch Bürgermeister Kießel 2 Mark.

* * In den Ruhestand versetzt wurde der Bahn­wärter in der Hessisch-Preußischen Eifenbahngemeinschaft Johs. Wagenbach zu Rödgen.

* * Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flom­born. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden.

* * Nach Afrika. Gerichtsschreiberaspirant Friedrich Bopp aus Klein-Dürkheim, der zurzeit bei der hiesigen Staatsanwaltschaft verwendet ist, wurde zum kommissa­rischen Sekretär für D e u t s ch - O st a f r i k a mit bent Amtssitze in Dar-es-Salaam ernannt. Es ist bies der elfte; hessische mittlere Justizbeantte, der zum Kolonialbienste eUn­berufen wurde. Bopp hat die Ausreise am 28. d. M. an­zutreten.

* * Dheaterverein. Die erste der vom Verein zu Deranftaltenben Opern Vorstellungen findet am Freitag, 8. November, statt. An diesem Abend ge­langt durch das Großh. Hosrheater in Darmstadt unb bis HofmusikD e r Barbier von Sevilla" von Joachim Rossini zur Aufführung. Die Vorstellung wirb spätestenä um 7 Uhr beginnen, sowohl im Interesse ber auswärtigen Besucher wie der Mitwirkenben, die an demselben Abend mit Sonberzug nach Darmstadt zurückkehren.

* Au s b em Bureau b e5 Stadttheater s. CarbousEyPrienn e" gibt speziell Frl. Sylvia Ge­legenheit, sich in einer größeren Rolle zu zeigen; neben ihr treten bie Herren Goll, Van ber Becke und Reimer-Schlegeb in den Vordergrund. ThomasM e b a i 11 e", bie letztes Jahr wegen eines Krankheitsfalles in letzter Stunde ab* gesetzt werden mußte, dürfte ein zahlreiches Auditorium, anziehen.

* * Gin Originalgemälbe von Lenbach, bie Saharet barstellenb, ist gegenwärtig im Schaufenster der Hirz schon Kunsthandlung ausgestellt.

Adreßhlrch |908.

Die Kevierschntziente haben gestern mit der Ein­holung der ljarlrlisten begonnen. Die Herren Hausbesitzer oder deren Stellvertreter werden gebeten, die ausQtfüEten Listen bereit zu halten und den Schutzleuten zu übergebene

Adrehbuch-Verlag.

** Der Evang. Arbeiterverein begeht am nächsten Sonntag sein Stiftungsfest. Eingelettet wiri> die Feier durch einen Festgottesdienst, in dem außer dem: Gemischten Ehor des Vereins der Posaunenchor Klein-Linden mitwirken wird. Die Festpredigt hält Pfarrer A u s f e l d. Abends findet in Steins Garten ein Familienabend statt.

* Warnung vor Lotterieschw inbel. Das Bank­geschäft H. W. Hörle in Braunschweig verbreitete in letzter Zeit Prospekte unb forderte zur Beteiligung an der Ausspielung von Staatslosen auf. Die Teilnehmer sollten monatlich 6 Ritt Beitrag leisten unb seien bann Teilhaber an den zu er­wartenden Geivmnstetu Älls das Bankhaus and) in hiesiger Stadt diese Prospekte zu verbreiten suchte, sah sich die Polizei die Sache etwas näher an unb konstatierte zunächst, baß em Bankgeschäft dieses Namens in Braunschweig gar nicht existierte. Ein gewisser Hörle zog vor zwei Jahren in Braunschweig zu, mietete eine kleine Wohnung, lebte in ganz dürftigen Verhält­nissen, unb um diese zu ordnen, gründete er einen Lotterie­verein, rechnete auf bie, bie nicht alle werden, unb es klappte vorzüglich. Auf bie verbreiteten Prospekte hin floß das Geld sehr reichlich zu, Hörle konnte sich m diesem Sommer schon einen mehrwöchentlichen Aufenthalt in einem Luftkurorte ge­statten. Der Mann tat also weiter nichts, als er schickte Prospekte in die Welt unb erhielt Geld in Menge. Aller­dings ist gegen ihn jetzt ein Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet, allein was schadet dies dem Herrn Bankier, er hak sein Geld in ber Tasche.