Ausgabe 
15.11.1907 Zweites Blatt
 
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Dr. 2569

Zweites Blatt

157. Jahrgang

Freitag 15, November 1907

trlc&Hni tkgNch mit Ausnahme deS Somn^g».

Die ..»letzener LamittendlLtter" werden dem ,Anze'qer' viermal wöchentlich beigelegt, da- Krdsblett für den Kreis Siehrn" zweimal wöchewltch. Der..hefstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger für Ghsrhefjen

JlotahonSbrud und Vertag der 8rÜhrchen UnwerfitätS - Sud)- und ©tembruderet R. Lange. Dietzen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: bchul- (trabe 7. Expedition und Verlag bl. Redaktion: 112. TeU-Adr^ An-ergerDietzen.

K^e der Kr^nKeiiKajjen uns

die Parität.

Bekanntlich gehen zurzeit allerlei Bestrebungen dahin, die Verwaltung der Krankenkassen zu ändern. So zwar, daß statt der bisherigen Zweidrittelmehrheit der Ver­sicherten Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit gleichen Rechten an der Verwaltung der Kassen beteiligt werden sollen, wosür dann allerdings fortan die Unternehmer auch die Hälfte der Beiträge aus­zubringen hätten. In diesem Sinne hat sich erst neuerdings der Zentral-Verband der Industriellen ausgesprochen und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Reform, der in der letzten Zeit die wiederholten Konferenzen des Staatssekretärs des Innern und des preußischen Handelsministers mit Männern der Praxis galten, sich in derselben Richtung bewegen wird. Man sollte meinen: gegen diese Bestrebungen, die doch nichts anderes im Auge haben, als den selbstverständlichen Grundsatz der Parität zu stabilieren, könnten auch die Arbeiter nichts einwenden. Statt dessen leitartikeln die sozialdemokratischen Blätter tagaus, tag ein in einer wutschnaubenden Phraseologie gegen dies angeblicheAttentat aus die Arbeiterrechte". Das Muster hat ihnen bewußt oder unbewußt dafür der zweite allgemeine Kongreß der Krankenkassen Deutsch­lands gegeben, der schon im März vorigen Jahres erklärte: dieSelbstverwaltung der Krankenkassen dürfe nicht an- getastet" werden. Wobei Selbstverwaltung stillschweigend und ohne daß jemand remonstriert hätte, mit der Vor­herrschaft der Arbeiter identifiziert wurde. Es ist deshalb ungemein dankenswert, daß der verdienstvolle Vorsitzende der Landesverjicherungsanstalt Berlin, Dr. Rich. Freund, ein Mann, dessen sozialresormerischer Eifer und ehrliche Arbeitersreundlichkeit gar nicht in Zweifel gezogen werden könne die Arbeiter über das Trügerische und Unlogische solcher Aspirationen zu belehren versucht. Dr. Freund schreibt in einem Aufsatz über dieResorm der Arbeiter­versicherung" in der(Sozialen Praxis":

Der unseren neuen sozialpolitischen Organisationen zu­grunde liegende Gedanke, die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch ihre gemeinschaftliche Tätigkeit bei der Durchführung der sozialpolitischen Aufgaben inniger zu ae- ftalten, die beiden sich vielfach feindlich gegenüberstehenoen Gruppen einander näher zu bringen, ist durchaus gesund und richtig. Das ungleiche Stimmenverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bringt die völlige Ohnmacht der Arbeit­geber mit sich, hat infolgedessen vielfach zu schweren Kon­flikten innerhalb der Verwaltung geführt, öfter mit dem gänz­lichen Rücktritt der Arbeitgeber von der Verwaltung geendet und so die bestehenden Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch mehr verschärft. Eine Organisation, in welcher Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam erfolgreich wir­ken sollen, in welcher dieses gemeinfame Wirken zugleich einen versöhnenden Einfluß ausüben soll, kann nur auf der Basis der Gleichheit des Stimmenverhältnisses und des vermittelnden Vor­sitzes eines Unparteiischen begründet werden.

Auch bei der paritätischen Zusammensetzung werden die Ar­beiter einen sehr erheblichen Einfluß auf die Geschäftsführung ausüben können, das wird niemand bestreiten,. der die Wirk­samkeit der vorhandenen paritätischen Organisationen: Arbeits­amt, Gewerbegericht, Ausschuß der Landesversicherungsanstalt ge­nauer kennt. Die verbündeten Regierungen sollten sich durch die Angriffe gegen diesen Punkt der Reform, welche mit den SchlagwortenVernichtung der Selbstverwaltung" undBureau- kratifierung" geführt werden, nicht schrecken laßen. Ich habe die Ueberzeugung, daß sich die Arbeiter mir der neuen Organisation bald aussühnen werden, wenn sie erst sehen,, welche Vorteile für die gesamte Durchführung der Arbeiterversicherung daraus erwachsen.

Parität muß sein. Wir treten gern, wo immer es sei, für eine streng paritätische Behandlung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein. Die unerläßliche Kehrseite aber ist, daß man auch da nicht die Imparität zu begönnern sucht, wo die Arbeiter von ihr .Vorteil ziehen. Das wäre Klassenstaatspolitik".

Deutsches ReLctz.

Berlin, 14. Rov. Der Bundesrat genehmigte in seiner heutigen Sitzung die Novelle zum Flotten­gesetz. Dieselbe enthält die Herabsetzung der Ersatzfristen der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre. Die Begründung deckt sich mit den in der Presse bereits gemachten Angaben. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde ferner dem Vertrag mit den Niederlanden über die Unfall­versicherung zugestimmt. Ebenso wurde dem Entwurf des Gesetzes betreffend die Aenderung des § 833 des bürgerlichen Gesetzbuches zugestimmt. Im Bu­reau des Reichstages ist die Novelle zur Verein­fachung des Wechselprotestes eingegangen.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Dem bisherigen preußischen Gesandten beim Päpstlichen Stuhl Frhr. von Rotenhan ist unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens der erbetene Abschied bewilligt wor­den. Zu seinem Nachfolger ist der bisherige Unterstaats- sekretär im Auswärtigen Amt Wirklicher Geheimer Rat Dr. v. Muehlberg ernannt worden. Herrn v. Muehlberg wurden die Brillanten zum Sloten Adlerorden erster Klasse verliehen. Dem Kaiserlichen Botschafter am österreichisch- ungarischen Hose v. Tschirschky wurde der Rote Adler- vrden erster Klasse verliehen.

DerNeichsanzeiger" meldet amtlich, daß der bis­herige Gesandte inStuttgart, Graf von Ples- sen abberusen und unter Verleihung des Kronenordens erster Klasse seinem Anträge gemäß in den Ruhestand ver­setzt ist.

2 r es d en, 14. Nov. Tie verwitwete Königin Ca­rola von Sachsen ist seit vorgestern an einer Gewebe­entzündung am Kopfe erkrankt und muß wegen hohen Nebers das Bett hüten. Man hofft, daß das Uebel in wenigen Tagen behoben sein werde.

MBBllllll HIHI !' I^> IW

Der Journalistenstreik in der 2. s äch fi­sch e n K a m m e r ist durch eine volle Genugtuung gebende Erklärung des nationallib. Abgeordneten Landgerichtsdirek­tors Hettner in der gestrigen Sitzung der Kammer beigelegt worden. Er hob hervor, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den parlamentarischen Berichterstattern zu nahe zu treten, da er wohl wisse, unter wie schwierigen Verhält­nissen sie arbeiten müßten.

München, 14. Nov. Die Beisetzung des Prinzen Arnulf von Bayern findet bereits am Samstag nach­mittag 2 Uhr statt.

Würzburg, 14. Nov. Mehrere Mitglieder der hiesigen katholischen theologischen Fakultät weigerten sich, der Vertrauensadresse an den Professor v. Schloer ihre Unterschrift zu geben.

Posen, 15. Nov. In polnischen Kreisen der Stadt und Provinz hat es allgemeines Aussehen erregt, daß der bekannte Güteragent Martin Biedermann, der in den letzten Jahren durch Ankauf von Gütern aus deutschen Händen weit bekannt geworden ist, in Konkurs geraten ist, infolge der übermäßig teuren Preise, die Biedermann für deutsche Güter zahlte.___________________

mid Fiotte.

DasMarinevcroronungsvlalt" veröffentlicht eine kaiserliche Ordre, wonach eine Einzahl Gefechte und Kriegs- ziige der Schutztruppen für Deutsch o st afrika -Kame­run aus den Jahren 1905 nnb 1906 für öie Pesionierung oer Offiziere und Sanitätsoffiziere und für die Versorgung der Personen der Unterklassen des Reichsheeres, Der Marine und der Schutztruppen als Kriege gelten sollen, wofür den Beteiligten em, eventuel zivei Kriegsjahre in An­rechnung zu bringen sind.

ANS UIIO L^NS.

Gießen, 1b. Nov. 1907.

Die Vorteile einer Buchführung für Handwerker.

Sehr häufig hört man in Handwerkerkreisen darüber klagen, daß das eine oder andere Gewerbe heutzutage infolge der hohen Materialpreise und Arbeitslöhne nicht mehr rentabel sei. Sieht man sich den Geschäftsbetrieb eines derartigen Handwerkers einmal näher an, so findet man meistens ein gutgehendes Geschäft vor, in dem mehrere Gesellen oder Gehilfen beschäftigt werden und in dem es auch an Aufträgen nicht mangelt. Trotz dieses günstigen Standes des Geschäfts hot der betr. Handwerker Mühe und Not, seinen geschästlichen Verpflichtungen nach­zukommen; keinesfalls aber kann er daran denken, für seine alten Tage etwas zurückzulegen. Bei derartigen Hand­werkern fehlt es in der Regel entweder an einer geordne­ten Buchführung, oder aber sie kalkulieren bei Abgabe einer Offerte nicht so, wie es für die Existenzsähigkeit des Ge­schäfts notwendig ist. Obwohl man von einem Hand­werker nicht annehmen kann, daß er sich eine vollständige kaufmännische Buchführung anlegt, so muß er doch zu jeder Zeit eine Ueberficht über seine Ein- und Ausgaben, sowie über sein wirkliches Einkommen besitzen. Wenn es auch an sich anerkennenswert ist, daß ein Handwerker sich alle Ge- schästsangelegenheiten (Zahlungen, Bestellungen usw.) mit Bleistift in ein Notizbuch notiert, so wird er doch einsehen müssen, daß diese Notizen keinesfalls eine einfache aber geordnete Buchführung ersetzen können. Wohl jeder Hand­werker verfügt über sog. faule Kunden, die meistens in Güte nicht zur Zahlung zu bewegen sind. Geht er klagend gegen sie vor, und fehlt es ihm an sonstigen Beweisen, seine Forderung zu begründen, so wird ihm eine geordnete Buch­führung zu deren Vorlage er sich bei Gericht bereit erklärte gute Dienste leisten. Aber auch bei der S t e u e r- ve ranlagung kommt dem Handwerker die Buchsührung sehr zu statten. Wird er zu hoch eingeschätzt, so kann er gegen die Veranlagung nur dann mit Erfolg reklamieren, wenn er nachweisen kann, daß er wirklich ein niedrigeres Einkommen hat. Ist dieses Einkommen auf Grund der Buchführung des betr. Handwerkers sestzustellen, so zögert die Veranlagungskommission keinen Augenblick der Rekla­mation des Handwerkers stattzugeben; andernfalls aber wird er vielleicht jahrelang zu hoch eingeschätzt sein, möglicherweise ohne daß er etwas davon weiß und ohne etwas daran ändern zu können, zumal er leine Bücher führt und deshalb sein wirkliches Einkommen nicht seststellen kann.

Läßt man die vorstehenden Ausführungen vollständig außer Betracht, so darf nicht unerwähnt bleiben, daß es für jeden Handwerker unumgänglich notwendig ist, daß er sich im Laufe des Jahres von Zeit zu Zeit an Hand einer geordneten Buchführung davon überzeugt, ob ihm wirklich ein entsprechendes Einkommen aus seinem Ge­schäftsbetrieb in Aussicht steht. Findet er, daß er trotz genügender Aufträge nicht soviel verdient, wie zu seinem Auskommen nötig ist, so wird es ihm nicht schwer fallen, an Hand der Buchführung die Ursache sestzustellen und Abhülse zu schassen. Obwohl die kaufmännische einfache Buchführung an sich schon sehr leicht erlernbar und ihre Durchführung wenig zeitraubend ist, hat der Vorsitzende der Gesellen- und Meisterprüsungskommission für Ober- Hessen, Baumeister Trader, in Gemeinschaft mit mehreren Handwerkern vor einiger Zeit eine Buchführung aus­gearbeitet, die alle anderen Systeme an Einfachheit und Übersichtlichkeit übertrifft. Sie besteht nur aus 2 Büchern und ist äußerst leicht erlernbar. Um den Handwerkern nebenbei auch verständlich zu machen, wie ein Gewerbe­treibender kalkulieren muß, um existieren zu können, haben die Herren auch das hierzu erforderliche Material für jedes Handwerk besonders zusammengestellt, um es den

Handwerkern zugänglich zu machen. Es wäre sehr zu wün­schen, wenn sich recht viele Handwerker diese einsache wenig zeitraubende Buchführung anlegen würden, sie würden da­durch mancher Unannehmlichkeit aus dem Wege gehen.

* * Zahn hygienischer Vortrag. Am Samstag, 23. d. Di., abends 6 Uhr, wird auf Veranlassung des Vereins hessischer Zahnärzte im Sitzungssaale der Stadtverordneten ein Vortrag flattfinben, zu dem die Mitglieder der Stadt- verordneten-Versammlung, die Lehrer und die Schulärzte Einladungen erhalten sollen. Zahnarzt Kühler von Darm­stadt wird über die Notwendigkeit der Zahnhyglene in Schule und Heer sprechen.

* * Anon y m e Briefe. Das Garnison-Kom­mando ersucht um Veröffentlichung nachstehender Notiz:

In der furzen Zeit, seil ich das (Garnison- und Regiments- Kommando übernommen habe, sind mir fomele anonyme Zuschriüen zugegangen, daß td) mich veranlaßt sehe, bekannt 511 machen, daß ich gern bereit bin, Uebelslände abzuslellen und Wünsche AU berücksichtigen, aber nur solchen Anträgen Folge geben kann, welche Namen unb genaue Adresse des Absenders enthalten, so daß ich m der Lage bin, mit Letzterem in Verbindung zu treten.

von Müller, Oberst und Regiments-Kommandeur.

* Oesieutliche Lesehalle. Im Oktober wurden 2 00 0 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1069, Zeuschrnten 345, Jugendschristen 127, Vers- bid)tungen 62, Literaturgeschichte 11, Länder- und Völkerkunde 82, Kulturgeschichte 9, Geschichte und Biographien 95, Kunst­geschichte 12, Natilrwlssenschait und Technologie 100, Heer- und Seewesen 11, Haus- und LandwiNscha't 7, Gesundheitslehre 12, Religion und Philosophie 20, Staatsivissenschasi 21, Sprachwissen­schaft 6, Fremdsprachliches ll Bände. Nach auswärts kamen 70 Bäiide. Die Lesehalle ist nun wieder dem Publikum ge­öffnet, nachdem sie acht Tage lang der Kanalisierung wegen geschlossen bleiben mußte.

* * Der Turnverein hält am Samstag abend sein diesjähriges Winterfest in seiner Turnhalle ab, zu dem ein recht reichhaltiges und abwechselndes Programm aufgestellt ist. Am Sonntag soll ein gemeinsamer Ausflug nach dem Philosophenioald als Nachfeier stattsinden.

* Zum Kleebachtal-Bahnprojekt erhalten wir eine weitere Zuschrift aus einem der interessierten Landorte, die sich im gleichen S'nn wie die gestern veröffentlichte aus- fpricht. Es wird darin u. a. ausgeführt, daß sämtliche Orte lediglich eine direkte Verbindung mit Gießen wünschen, da fast der ganze geschäftliche Verkehr dorthin gravitiere. Wenn uu Wetzl. Anz. andere Stimmen laut würden, so seien es lediglich Wünsche der Stadt Wetzlar, nicht aber solche ans den südlichen Orten des Kreises Wetzlar. Ferner weist die Zuschrift auf die strategische Wichtigkeit einer Bahn von Gießen in das Kleebachtal hin, da mit ihr die Main- Weser-Bahn und namentlich dec Frankfurlec Hauptbahnhos mt Falle einer sich nach Süden oder Westen sich richtenden Mobilmachung außerordentlich entlastet werden könnte. Vielleicht veranlaßt diese Erwägung den preußischen Minister dec öffent­lichen Arbeiten, seinen preußisch-partiknlaristischen Standpunkt aiifzugeben und zunächst einmal wenigstens die Vornahme der Vorarbeiten zu gestatten.

Freiensteinau, 13. Nov. Die hiesige Bürger­schaft unterbreitete dieser Tage dem Kreisamt Lauterbach eine Eingabe wegen der mißständigen Wasservechältnisse unseres Ortes und bat in dem 85 Unterschriften tragenden Gesuch dec Errichtung einer Wasserleitung näher zu treten.

Frankfurt a. M., 13. Nov. Ein umfangreiches Pro­jekt, das für die spätere Entwicklung Frankfurts von aller­größter Bedeutung ist, befindet sich soeben im Stadium der Vorbereitung. Es handelt sich um einen Gedanken des Oberbürgermeisters Dr. Ad ick es, den er in früherer Zeit zum Teil verwirklicht hat, und dessen weitere Durch­führung er mit großer Energie betreibt, der vielleicht auch die Ursache war, daß der Frankfurter Oberbürgermeister eine Berufung ins Ministerium ablehnte.Groß- Frankfurt" ist seine Losung. Es ist weithin bekannt, welche hervorragende Entwickelung Frankfurt unter der Leitung seines jetzigen Oberbürgermeisters genommen hat. Er betreibt eine weitsichtige Kvmrnunalpolitik und ist be­strebt, die Stadtverwaltung von allen den Fehlern freizu­halten, die in anderen deutschen Großstädten, zum Bei­spiel Berlin und Hamburg gemacht worden sind. Dort konnten sich die Vororte zu ungeahnter Größe und Bedeutung entwickeln und einen solchen Umfang erreichen, daß sie der benachbarten Großstadt hindernd im Wege liegen und ihre Entwickelung nach der betreffenden Richtung hin vollständig hemmen. Aber die Pläne des Frankfurter Oberbürgermeisters gehen noch weiter. Er plant nichts mehr und nichts weniger, als die sämtlichen 11 Orte des Land­kreises nach und nach zum Stadtkreis heranzuziehen. ES handelt sich vor allen Dingen um die Stadt Rödelheim, die 499 Hektar umfaßt unb 8234 Einwohner hat. Diese Gemeinde ist für die Entwicklung Frankfurts nach Westen hin zurzeit ein Hindernis von ganz erheblichem Umfang. Es kommen weiter in Betracht, ihrer Größe nach geordnet, die Gemeinden Heddernheim mit 5117, Eckenheim mit 3041, Eschersheim mit 2843, Preungesheim mit 2546, Ginnheim mit 2293, Hausen mit 1902, Praun­heim mit 1423, B 0 narnes mit 1114, Nied erursel mit 940 unb Berkersheim mit 399 Einwohnern. Did Stadt Frankfurt würde durch diese Eingemeindungen ihren Flächeninhalt von 9378 Hektar um 4085 Hektar vergrößern, also nahezu um die Hälfte. Außer diesen Orten des Land­kreises Frankfurt kommt für die geplante Eingemeindung großen Stils noch Griesheim aus dem Landkreis .Höchst in Betracht, der 10 500 Einwohner zählt und der größte Frankfurter Vorort ist. Nach diesen Eingemeindungen würde sich die Einwohnerzahl Frankfurts um rund 40 000 Köpfe vermehren. Natürlich befindet sich dieses Riesen-Ein- gemeindungSprojekt noch im Stadium der allerersten Ver>