Erstes Blatt
Gießener Anjeige
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157. Jahrgang
Mittwoch IS. September 1907
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»weirnal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis Kietzen. Fernjprech-An- jchluß!. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51
yrr. 319
auber Sonntag».
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General-Anzeiger für «vderhchen -MZ
«'°°rmm°A"iou'h7 Hotatlonsöruff undvrrlag dervriihl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei. B. Lange. NedaMon, Expedition und Druckerei: Schulstratzi 7.
Der nächste Punkt der Tagesordnung
betraf die
In der Ausstellung demonstrierte der Dresdener Augenarzt Dr. F-ritz Schanz eine neue Vorrichtung am Gewehr, das S p i e g e l v i s i e r. Aeltere Herren kommen ost mit der Klage, daß sie oeini Schießen llicht mehr die Kimme des Visiers erkennen können. Ihre Augen sind vollständig gesund. Dieser Uebelstand ist einzig durch die mit dem Aller sich einstellende Abnahme der Akkomodation
net, sich gegen die Zwangsorganisation deS Handwerks wendet und ihm die Selbsthilfe empfiehlt.
Fuchs-Quersurt befürwortete einen Antrag, der sich gegen die staatliche Unterstützung der Genossenschaften richtet. Nach einer kurzen Debatte wurde der Antrag Doormann angenommen, ebenso der Antrag So- chaczewski und ein Antrag Königsberg zugunsten der Neuregelung der Beamtenbesoldung. Dagegen wurde der Antrag Fuchs ab gelehnt.
Es folgen die Anträge zur Arbeiterf^rage, in denen ein umfassendes Programm sozialen Fortschritts niedergelegt ist und angenommen wird. (Sih Antrag Pitsch- Berlin zugunsten des zehnstündigen Maximalarbeitstages wird dem geschästs führend en Ausschuß überwiesen.
Am heutigen letzten Verhandlungstage wurde ein Antrag Dr. Müller-Sagan, der baldigste Verwirklichung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung fordert (Beseitigung der Bevorzugung des Adels und der Zurücksetzung der Juden), einstimmig angenommen. Zur Schulpolitik lagen Anträge vor auf Förderung des gesamten Schulwesens, wobei im einzelnen gefordert wird: vollständige Durchführung der Unentgeltlichkeit das Volks- schuiunterrichts, Durchführung der Fachaufsicht, Bekämpfung der konfessionellen Gliederung, Beseitigung von Stanves- schulen, Ausrechrerhaltung und Ausgestaltung der Rechte der Selbstverwaltung an den Schulen, bessere Lehrerbildung, zeitgemäße Lehrerbesoldung, Beseitigung jeder Sonoerstellung der Volksschullehrer im össentlichen Leben, zum höheren Schulwesen insbesondere eine stärkere Berücksichtigung nwderner Bildungsmittel, zum Hochschulwesen eine gründliche Reform, u. a. bezüglich der Honorare für die Dozenten wie der Besetzung der Professuren und der Erteilung der Lehrausträge, bessere Ausstattung der für die Wirksamkeit der Hochschulen noiwendigen Institute. U. a. hob in der Diskussion Abg. Dr. Müller-Sagan hervor, manche Hochschullehrer bezögen noch nicht so viel Gehalt, wie ein Außenputzer im Berlin er Baugewerbe! In den alsdann angenommenen Anträgen erklärt sich der Parteitag auch gegen alle Versuche der Bureaukratisieruilg der Universitäten und für Aufrechterhaltung der vollen Freiheit der Hochschullehrer. Tann schloß Abg. Schmidt-Elberreld den Parteitag mit einem Hoch aus die Partei.
waren. Der erste dieser Anträge, Antrag Dr. Müller- Sagan und Müller-Iserlohn lautet: „Der Parteitag hält es für unvereinbar mit der notwendigen Einheitüchkeit der Reichspolitik, daß in Preußen, dem Bundesstaat, der den wesentlichen Einfluß ausübt aus die Reichsverwaltung, ein anderes Wahlsystem herrscht, als im Reiche, und erachtet schon aus diesem Grunde, auch abgesehen von allgemeinen Gründen der politischen Gerechtigkeit, die Einführung des im Programm der Freisinnigen Volkspartei geforderten gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen für geboten. Der Parteitag erwartet, daß die Fraktion der Freisinnigen Volkspartei im preußischen Abgeordnetenhause, wie bisher, mit allem Nachdruck für die Beseitigung des^ bestehenden, durchaus ungerechten und widersinnigen Dreiklassenwahlsystems eintreten wird." Ein Antrag der Delegierten für Königsberg ferner lautet: „Der Parteitag erklärt es für dringend geboten, 1) unter Hinweis auf die bereits auf dem Hamburger Parteitage gefaßte Resolution wegen der eingetretenen erheblichen Bevölkerungsverschiebungen eine neue, den Grundsätzen des Wahlgesetzes für den Reichstag von: 31. Mai 1869 und des preußischen Wahlgesetzes vom 27. Juni 1860 entsprechende Abgrenzung der Reichstagswahlkreise und der Wahlkreise für die Wahlen zum preußischen Abgeordnitenhause durch Gesetz zu bestimmen; 2) zur Sicherung der Wahlfreiheit und der geheimen Wahl wirksamere Vorschriften zu erlassen, insbesondere inbetress der Wahlurnen, Jsolier- räume und Abgrenzung der Wahlbezirke. "
Von den Diskussionsrednern bemerkte u. a. Reichstagsabgeordneter Fi sch deck zum Naumannschen Wahl- re s o r m a r t i k e l im „B. T." (Zuruf: Quatsch!): Wie kann man uns zumuten, daß wir uns damit einverstanden erklären sollen, daß auf Grund des bekannten Beamten- erlajses alle Beamten zum Teufel gejagt werden sollen, die nicht mittun wollen. Unser Programm fordert das Reichstagswahlrecht für die Einzelstaaten, und unsere Taktik muß darauf lossteuern, dieses Wahlrecht einzuführen. Wenn die Regierung sich etwa zu Reformen, wie die Sicherung der geheimen Wahl und die Neueinteilung der Wahlkreise, jetzt entschließen sollte, sollen wir da so töricht sein, der Regierung zu sagen, wir lehnten sie ab? Das würde geradezu Unsinn sein. (Beifall.) Wenn wir ein Stück bekommen, so ist es unsere Ausgabe, dahin zu arbeiten, mit Hilfe dieses Zugeständnisses mehr zu bekommen, um endlich das elendeste aller Wahlrechte zu beseitigen. Das ist unser Standpunkt, und wir lassen uns nicht von einem Manne von unserer Taktik abbringen, der heute so und morgen so Propaganda treibt, der Pikanterien für seinen Kamps braucht. Von dem lassen ioir uns die Zukunft nicht verrammeln. Wir befinden uns mit unserer Taktik in Uebereinstimmung mit Eugen Richter, der manchmal uns Jungen, die mehr fordern wollten, sagte: Ich vertrete in Agitation und in der Minorität nichts, was ich nicht jeden Tag vertreten könnte, wenn ich in der Majorität wäre. Tas ist unser Standpunkt. Die Sozialdemokraten wollen nur Verwirrung stiften. Nehmen Sie die Versicherung mit: Keiner von uns in der Landtagsfraktion denkt daran, auch nur ein Stück des Programms aufzugeben. Aber wenn wir nicht das Ganze kriegten können, wenn wir etwas erhalten, dann wollen wir es annehmen. (Lebhafter Beifall.) — Nach einem kürzen Schlußwort des Abg. Fischbeck wurde der Antrag Müller-Sagan und Müller-Iserlohn mit der Erweiterung angenommen, daß die Forderung des gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts nicht nur für Preußen, sondern für alle Bundesstaaten ausgestellt wird. Der Antrag Königsberg wurde ebenfalls angenommen.
Aus dem 79. Deutschen Naturforscher- und Aerztetag
zu Dresden sprach über die Bestimmung des Ge- fchlechtes nach Versuchen mit höheren Pflanzen in der Abteilung für Botanik oer Leipziger Pros. Eorrens unter Demonstration einiger bemerkenswerter Bastarde. Er führte aus: Nach allen kritischen Versuchen früherer Forscher muß das Gesck)iecht der Nachkommenschaft getrenntgeschlechtiger Organismen im allgemeinen nach der Befruchtung schon entschieden sein. Es kann sich nur darum handeln, ob es schon vor der '8efruchtung in den Keimzellen unveränderlich bestimmt ist, ob es bei derselben entschieden wird oder ob die Keimzellen zwar bestimultc geschlechtliche Tendenzen besitzen, die definitive Entscheidung aber erst bei ihrer Vereinigung zum Embryo füllt. Die Geschlechterbildung bei Embryonen, die sich ohne Befruchtung entwickeln (habituelle Parthenogenesis), beweisen für das Verhalten befruchtungsbedürftiger Keimzellen nichts Sicheres. Eine Entscheidung läßt sich durch Bastardierung getrenntgeschlechtiger Arten mit zwittrigen und einhäusigen bringen. Hauptversuchs- objelie waren Zaunrübenarten, Bryonia alba ipiD Bcyonia dioica. Auf die sehr ausgedehnten Experimente felbjt kann in der Kürze nicht eügegangen werden. Die kritische Dis- tuffioir der Ergebnisse zwingt zu dem Schluß, daß die weiblichen Keimzellen (Eizellen) sämtlich die gleiche Tendenz haben, die, weibliche Individuen hervorzndringen, die männlichen Keimzellen (Pollenkörner) dagegen zur Hälfte die Tendenz, männliche und zur Hälfte jene, weibliche Individuen heroorzubriugen. Die eigentliche Entscheidung füllt erst bei der Vereinigung der Keiuizelten; besitzen sw gleiche Tendenz — es kann das nur die weibliche fein —, so entsteht ein weibliches Individuum, besitzt die niännliche Keim
Mittelstandspolitik. Sochaczewski-Liegnitz befürwortete einen Antrag, in dem der Parteitag die Notwendigkeit ausreichender sozialpolitischer Fürsorge für d ie Privatbeamten betont. Reichstagsbag. Dr. Doormann begründete einen längeren Antrag, der eine gesunde Mittelstandspolitik als für den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt des deutschen Volks unentbehrlich bezeicb- zelle dagegen eine andere Tendenz als die weibliche — es kann das nur die männliche sein —, so entsteht ein männliches Individuum, indem diese männliche Tendenz über die weibliche der Eizelle dominiert. Das männliche Individuum kanii denn bei der Keimzellbildung (Reduktionsteilung) wieder Keimzellen mit der einen oder der anderen Tendenz liefern, das weibliche Individuum, das aus der Vereinigung von Keimzellen gleicher Tendenz hervorgegangen ist, nur Keimzellen mit einerlei Tendenz, wieder der weiblichen. Auch Vererbungsversuche mit den Uebergangsstufen zwischen Zwittrigkeit und Getrenntge- schlechtigkeit, die bei manchen Pflanzen Vorkommen, zeigen einstweilen wenigstens so viel, daß rein weibliche Individuen lauter gleichartige Keimzellen mit der Tendenz zu weiblichen Individuen hervorbringen. Wieweit sich diese für höhere Pflanzen gewonnenen Resultate verallgemeinern und auch auf das Tierreich ausdetmen lassen, bedarf lwch weiterer Studien. Der Vortragende besprach die llebereinstim- rnung mit den merkwürdigen Beobachtungen E. Wilsons über die ungleiche Ehromosomenzahl in den Spermatozven und den Kernen der weiblichen und männlichen Individuen gewisser Schnabelkerfe und die Deutung- die Wilson feinen Resultaten gibt.
Zie ür'uliqe Kummer umfaßt 10 Seiten.
Atottcnlordcrungen und neue Steuern.
Fürst Bülow scheint mit seinen parlamentarischen Gästen nicht nur über die Wahlresorm in Preußen, die Börsenreform und Über die Mittel, den Block zusammenzuhalten, Aussprache gepflogen zu haben, sondern ganz besonders darüber, wie die neue Marinevorlage dnrchzusetzen ist, und für welche neuen Reichssteuern am ehesten der Reichstag zugänglich wäre. Die Flottenvorlage kommt mit aller Sicherheit, daran ist nicht länger zu zweifeln. Abg. Spahn hat wenigstens die eine Genugtuung, als erster die Vorlage angekündigt zu haben, wenn auch das Reichsmarineamt die argwöhnische Vermutung heimlichen Zusammenwirkens mit dem Zentrumsführer abwies. Dhir bur|te Herr Spahn mit der Schätzung von jährlich 40 Millionen Mehrausgaben für die Marine sich verrechnen. Ter in Aussicht genommene schnellere Bau der Kriegsschiffe, die Herabsetzung der Altersgrenze, die Vergrößerung des Deplacements, das und noch manches andere wird mit dieser Summe nicht zu begleichen fein. Man kann annehmen, da ßdarüber hinaus noch eine Anzahl von Millionen gebraucht werden. Wenn schon, denn schon. Da jedenfalls ein Teil des Zentrums — wenn nicht die ganze Fraktion — für die Verstärkung der Flotte zu haben ist, da die Konservativen, die Reichsparteiler, die Nationalliberalen unbedingt dafür sind, und Die Freisinnigen nicht als grundsätzliche Gegner auftreten, so wird die Marineverwaltung fernen Anlaß haben, mit ihren Forderungen zurückhaltend zu sein. Eine [o günstige Gelegenheit kehrt nicht so bald wieder. Man muß sich also auf eine Flottenvorlage großen Stiles gefaßt machen, die das zwischen Reichstag und Negierung vereinbarte Programm für die Marine in wesentlichen Punkten umflögt.
Soweit wird Fürst Bülow bei seinen parlamentarischen Besuchern sreundwilliges Verständnis gefunden haben. Auch darin werden sie ihm beigepflichtet haben, daß die Flotten- Mehrkosten und die Ausgaben für die vom Reichstag in edlem Wetteifer der Parteien gebilligten Beamten-Ge- haltsaufbesserungen sich nicht aus dem Boden stampfen lassen. Die Bitternis neuer Reichs steuern kann nicht erspart bleiben, wenn schon vor den Wahlen amtlich und halbamtlich mit größter Bestimmtheit das Bestehen solcher Msichten bestritten wurde. Aber es muß gerechterweife berücksichtigt werden, daß ein so schlechter Ertrag, wie ihn die letzten Reichssteuem gebracht haben, damals nicht vorauszusehen war. Ebensowenig ließ sich Voraussehen, daß der neugewählte Reichstag soviel Freigebigkeit bei den Beamtenauibesserungen zeigen würde.
Das Reichsschatzamt hat in aller Stille gleich eine Reihe von Steuerentwürfen, zur gefälligen Auswahl zunächst für den Bundesrat, dann "für den Reichstag, ausarbeiten lassen. Fürst Bülow wird die Liste des am Lager Vorrätigen den parlamentarischen Führern zur geneigten Durchsicht gegeben haben. Da ist die Zigarren-Band er o lenst euer, da sind Projekte, die aus dem Bier und dem Branntwein höhere Einnahmen erzielen wollen — wofür hat der verehrte §crr Abgeordnete Meinung- oder welche besseren Vorschläge ließen sich in Erwägung ziehen? Bei diesem kritischen Punkt des Gesprächs werden die verehrten Gäste eine beoenkliche Miene gemacht haben. Für Mehrbelastung von Tabak und Bier, namentlich für eine Bande- rolcnfieuer, die in der Tabakindustrie zur Einschränkung des Verbrauchs und zu Arbeiterentlafsungen führen würde, ist der Liberalismus schwerlich zu haben, und geg^n Abänderungen der Brainitweinsteuergesetzgebung auf Kosten ber Brenner sträubt sich mit Händen uru> Füßen die agrarische Mehrheit des Reichstags. So kann es dahin kommen, daß keine Steuervorlagen des Reichsschatzamts dein Reichstag gefällt. Was aber dann? —
7. Parteitag der Freisinnigen Bolkspartei.
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Berlin, 15. September.
Der Parteitag beschäftigte sich am Samstag weiter mit den Anträgen, die zur Frage des Wahlrechts gestellt
Nach zweitägigen geschlossenen Verhandlungen trat heute der Parteitag der freisinnigen Volkspartei mit einer Volksversammlung im Zirkus Busch an die Oesfemlichkeit. Stürmisch begrüßt eröffnete Vizepräsident des Reichstags Kaempf die stattliche Versammlung. — Lebhaft begrüßt nahm dann Reichs- und Landtagsabg. T r a e q e r das Wort. Er schilderte die Entwicklung der freisinnigen Volkspartei. Leider fei im Laufe der Zeit in dem geeinten Vaterlande der liberale Gedanke immer mehr zurnckgedrüngi worden. Um verfassungsmäßige Rechte, um die politische Freiheit, müsse noch gekämpft werden. Diese Freiheit sei aber kein Ornament des Staates, sie sei die Seele des Siaaies (lebh. Beifall). Mit dem Gedanken der Freiheit ist unzertrennlich der des Rechts verbunden. Gleiches Recht muß für alle bestehen. (Beifalls Wir verlangen leine besonderen Vorteile, wir wollen keine Liebesgaben. Wir schlagen nicht in der Maske zudringlicher oder geradezu drohender Bettler an die Staatstüre. (Lebh. Beifall.) Es scheint jetzt ant Horizont das Atorgenrot eines für die Freiheit und den Liberalismus günstigen Tages aufzudümmern. Einzelne Lerchentriller verkünden ja schon jubelnd den neuen Frühling. Wir dürfen uns aber dadurch nicht täuschen lassen. Wir müssen auf unsere Rechte und unseren nicht abänderbaren Forderungen bestehen. Etlvaige freundliche Zugeständnisse sind nicht dauernde Verpflichtungen, halbe Erfolgs sind nicht ganze Erfolge. (Zustimmung.) Wir halten au dem fest, was stets Misere Forderung war. — Das freisinnige Bürgertum ist viel zu bescheiden. ES ist daher oft zurückgedrängt worden. Wir sehen aber nun freudig in die Zukunft. Wir sind keine Führer ohne Heer. Wir sind Mitkämpfer einer starken und entschlossenen Schar, des Auges bedingt. Derartige klugen haben für die gerne vollständig norniales Sehvermögen, aber in der Nähe erscheinen ihnen kleine Gegenstände verschwommen. Diese Augen sind infolge deS Alters weitfichtig geworden. Durch Brillen kann man ihnen Die Möglichkeit verschaffen, nahe Gegenstände wieder deutlich zu sehen, aber durch solche Brille erfd)einen Die fernen GegenstanDe wieder undeutlich. Um weitsichtigen Schützen eine zuverlässige Difiervorrichtung zu liefern, kommt es daraus an, den hinteren Visierpuntt weiter vom Auge abzurücken und ihn in eine Entfernung zu legen, in der er auch von solchen weitsichtigen Augen gesehen wird. Wir besitzen dazu den Spiegel, stellen wir hinter das Korn einen Spiegel so, daß sich das Visier Darin spiegelt, so kann der Schütze auch das Spiegelbckd des Visiers zur Einstellung verwenden. Nach einem physikalischen Gesetz liegt das Spiegelbild so weit hinter dem Spiegel, als sich das Objekt vor ihm befindet. Ist an Der Stelle des Korns ein Spiegel, so liegt das Spiegelbild des Visiers so weit vor dem Korn, als sich das Visier dahinter befindet. Verwenden wir zur Einstellung des Gewehrs statt der Kimme des Visiers ein derartig erzeugtes Spiegelvild, so liegen beide Visierpunkte in Entfernungen, in denen sie auch ohne Akkonrodation deutlich erscheinen. Lluch der weitsichtigste Schütze wird mit einer solchen Vijiervorrichlung schießen können. Die Hauptfchwierigkeit bei Der technischen Durcharbeitung war, den beiden Visierpunkten eine deutliche Markierung zu geoem Durch Einführung des Spiegel- Visiers i t nunmehr auch den alterslveitsichtigen Schützen geholfen, sie schießen mit dieser Vorrichtung sicherer als in ihren be ten Jahren mit Kimme und Korn.


