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18.1.1907 Erstes Blatt
 
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Freitag 18. Januar 1807

Erstes Blatt

157. Jahrgang

Nr. 15

ZZZMaMnar 2ltK£trt£f r-x.:K,*vllv,|,k* v*llJvl3vta

S General-Anzeiger für Gberheffen WM

a«ÜjHn« eie6«.n: Botattonsörnd und Derlag der vlührschen Unw.Gnch- und SteindruSerei. H. Eangc. Beöaltion, Expedition und Druderet: Schulftratze 7. B^ck'

Ale heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.

Mittelstand und Sozialdemokratie.

Die Sozialdemokratie liebt eS, bei den Wahlen den Wolf im Schafspelz zu spielen, wenn es gilt, bürgerliche Summen zu ergattern, und deshalb hat sie eine Flugschrift massenhaft verbreitet, m welcher sie sich gegen die Ver­dächtigung wehrt, daß ihr Bestreben darauf hinaus gehe, den Mittelstand und den bäuerlichen Kleinbesitz zu ruinieren und danut zu proletarisieren. Aber die Bürger werden dem Sicenenrus der roten Partei nicht folgen, sondern sich stets vor Augen halten, was der bisherige freisinnige ReichSlagSabg. Vierten vor einigen Tagen in einer liberalen Wählerversammlung zu Berlin sagte: Die Sozialdemo­kratie ist unser schärfster Gegner! DerVorwärts' Hal offenbar ganz und gar vergessen, oder will sich auch vielleicht uicht mehr daran erinnern, daß vor ganz kurzer Zeit .Genosse* Ledebour in einer Versammlung folgendes erklärte:

,*£u Sozialdemokratie hat mit den Mittelstandsparteien ab* solui nichts gemein uud wird sich auch niemals dazu Vergeben, die Interessen des Mittelstandes, d. h. der Hand - werter, Ladenbefitzer, kleinen I n d u st r i e 1l e n :c. tu vertreten, da auch diese nur zu der Klasse der Ausbeuter ge­hören. Tie Sozialdemokratie i ft n i ci) t dazu d a, die in ihrer Existenz bebroluen kleinen Gewerbetreibenden z u schützen oder zu stützen, sondern es liegt nur in bet 21 b * sicht der Sozialdemokratie, daß diese Element c ihre Leldständigkeit aufgeben; ans irgend eine Hütte iciien» der Sozialdemokratie Hai der Mittelstand nicht zu hoffen, sondern es wird gerade das Bestreben b e r 0051a!* bem 0 kralie sein, solche Basare, Großindustriel» im Kampfe gegen den Mittel stand zu unter st ütze 11/

Ferner heißt im Juli 1890 in dec ,Sachs. Arbeiter- zeitung': »Wir werden immer und überall bestrebt sein, den Untergang des Kleingewerbes zu be< schleunigen.* Der Sozialdemokrat En gelL schrieb gleich­falls nn 2)lai 1890: .Wenn aber das Kapital die kleinen Handwerker und Kaufleute vernichtet, so tut er- ein gutes Werk*.

Angesichts solcher Offenherzigkeit wäre eS wohl von den Bürgern geradezu Sel d st m 0r dp0l it ik, sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme zuzuwenden. Hat doch der Mittel- stand in Stadt und Land von der Sozialdemokratie nichts, absolut nichts zu hoffen und muß unter dem Terrorismus der roten Partei noch weit mehr leiden als das greü- kapitalistische Unternehmertum. Denn die Großindustrie wehrt sich nut (Stfolg gegen die allzuweit gehenden Ansprüche dec Arbeiter und schreitet nötigenfalls zu 2lu§iperrungen, wobei sie keine Kosten scheut, um Streikbrecher anzuwerden. Tci selbständige Handwerker und Kleingewerbetreibende dagegen, dec nur mit geringem Kapital arbeitet, steht seinen Arbeitern nahezu wehrlos gegenüber. Ein einziger Streit kann ihn bankerott machen.

Aber auch der übrige Mittelstand, Beamie, Kaufleute :c., hat Jnteceffe daran, gegen die Sozialdemokratie 511 votieren. Ihrem Hasse gegen alle akademisch Gebildeten, gegen .die Professoren, Landgerichtsräte, Oberlehrer und Rechtsanwälte', zollt ja die Sozialdemokratie tiefsten Ausdruck. Wie wenig geistige Arbeit von der Sozialdemokratie ge­schätzt wird, das zeigt sich bei jeder Gelegenheit und die sozialistisch geaichleten Akademiker genießen bekanntlich nur geringes Ansehen bei ihren Genoffen mit manueller Tätigkeit.

Die maßlose Ueberschätzung jeder körperlichen Arbeit zeigt sich auch in der roten Parteiliteratur, welche z. B. als Grundgesetz deS sozialdemokratischen Zukunfisslaates fordert, daß jeder Angehörige deffelben ohne Rücksicht auf hervo.- ragende geistige Begabung oder dergleichen unter allen Um- ständen täglich eine bestimmte Zeit manuell tätig sein müßte. Man stelle sich einmal vor: Goethe als Lokomotiv­führer, Beethoven alS Kesselflicker, oder vielleicht Birch ow als Zuschneider! Schließlich bedenkt der Mittelstand auch, daß er bisher im Reichstage durch die Sozialdemokraten noch niemals die geringste Förderung erfahren hat, sondern nn Gegenteil stets von dieser Seite bekämpft worden ist.

Es bleibt eben dabei: Nur dann ist es möglich, die mißliche Lage deS heutigen Mittelstandes zu bessern, wenn sich d ses nie zum Mitläufer der Sozialdemokratie »rächt. Darum ist seine Wahlparole, daß er nur Kandidaten der bürgerlichen Parteien kräftig unterstützt, die, wie Heyligcn- staedt, mitten im gewerblichen Leben stehen, die au§ lang­jähriger führender Tätigkeit im Gewerbeverein mit allen Stolen des Gewerbes vertraut sind und stets bemüht sind, für gewerbliche Interessen gewiffenhaft einzulreten.

0er ZSahlöewlgung.

Gießen, den 18. Januar 1907.

DieWirtschaftlicheVereinigung.die Fraktion, der sich Kohler-Langsdorf als Deutschsozialer anzuschließen hätte im Falle seiner Wahl, sollte eigentlich den Namen Wirtschaftliche Veruneinigung führen. Daß sie so besser charakterisiert wäre, er­kennt man, wenn man sich ihre Abstimmungen bei der Reichs- stnanzresorm ansieht. Die Fraktioil zählte 15 Mitglieder, davon haben am 19. Mai, am Tage der Gesamtabftimmung über die Finanzreform, 7 gefehlt. Drei namentliche Abstimmungen sanden statt: über die Fahrkartensteuer, die Erbschaftssteuer und die ge­samte Finanzresorm. Es stimmten mit nein, ja, ja: Dr. hardt, Latrmann, Liebermann v. Sonnenberg und Stauffer; nu.

nein, ja, Stimmenthaltung: Dr. Wolff, Logt (Hall); mit ja, ja, ja: Kröscll; mit nein, nein, nein: Bachmeier. Mehr Abwechselung innerhalb einer Fraktion kann man nicht verlangen!

Man schreibt uns ans Klein-Linden, 17. Ian.:

Am der .Burg" tagte am Mittwoch abend eine von nur zirka 40 Leuten, darunter vielen noch nicht wahiberechtigien, besnchie s 0 z 1 al- demokratische Wahlversammlung. Nach einem Bor- irage des Redakteurs Leiters melbeie sich niemand zmn Wort. Tie Versammlung hatte man erst am Abend durch Auslragen von Zetteln betannt gegeben. Man wollte wohl verhüten, daß Redner der Gegenpartei auhraten.

Roh einmal jur Kampfesveise der Genosse».

Man schrelbt uns:

Wer das Gießener sozialdemokratische Organ lieft, könnte meinen, die Agitatoren der genannten Partei hätten immer große Erfolge. Die Herren rühmen sich, daß sie als einfache Arbeiter ,bcn Herren Professoren und LandgerichtSräten scharf in die Parade fahren.* Wer den Versammlungen beigewohnl hat, kann manchmal sich kaum des Lachens über diese Prah­lereien enthalten. Gewiffe Herren Agitatoren nicht alle weisen in den Versammlungen einfach jede absolut sichere Tatsache als unwahr zurück, weil sie nichts von der ihnen unbequemen Sache wissen. Hat sich ein bewußter Herr jetzl gewisse Paragraphen des preußischen Landrechts angesehen? Er braucht ja nur seinen Kollegen Vetters zu fragen.

Ein au^ res Beispiel von .in die Parade fahrend Nach Beendigung nneS längeren Referates, in dem die Zahlen des sozialdemokratischen Flugblattes kritisiert und die jähr­lichen KolonialairSgaben auf 30 Millionen richtig angegeben worden waren, erlaubte sich der sozialdemokratische Vertreter zu sagen: Ter Referent hat ein schönes Bild von den Ko­lonien entworfen,aber waS sie kosten, hat er nicht gejagt* Da prahlt man dann, man »jage den gelehrten Herren, roaS wahr und richtig ist.*

In K 0 l 0 n i a I f v a g e n sind solche Herren natürlich gar nicht zu belehren. Sie wissen alles besser als Leute, die die Kolonien besucht haben. Trotz aller andere Leute überzeugenden Ausführungen, die sich auf Farmer, Gelehrte, Sol­daten, Engländer wie DaviS stützen, bleiben die Herren bei ihrer Behauptung von den Sand- und Fieberwüstcn. Der Tatsache, daß sich von unseren in Südwestafcika kämpfenden Soldaten mehr als 1000 gemeldet haben, dort als Kolonisten (Farmer, Stein» siedler, Handwerker, Kaufleute, Angestellte- zu bleiben, wird kühn die Auösage eines Mannes gestellt, der dort vom Durst sehr gelitten hat. T^ ist Die wissenschaftliche Denkungsweise dieserParade fahret. Mit solchen Herren sich über Ge­schichte und Geschichtsunterricht zu streiten, wäre ein eitles Be­ginnen. Verherrlicht snan doch das Scheusal Marat als VolkS- sreund. Es jammert einem, Männer, denen wir nicht abstreiten wollen, daß sie geistig arbeiten, solche Vorstellungen von geschicht­lichen Persönlichkeiten in sich hernmtragen -u sehen. Eine schwere Verantwortung tragen die Führer, die ihren wissensdurstigen jungen Anhängern solche Nahrung bieten. In oein ersten Flug­blatt der diesigen Sozialdemokratie heißt es:Die Sozialdemokratie ist stets für die Forderungen der Kultur und Gesittung eingetreten und har jegliche Unkultur bekämpft." . Dieselben Herren aber verhöhnen in Bersammlungen und Zeiiungen Männer, deren Lebensaufgabe die Beschäftigung mit der Wissenschaft ist. Sie stellen sich hin und reden von der Einfachheit ihres Bildungs­ganges, um sich gelegentlich zu entschuldigen, dann aber wissen sie alles wieder am besten und sind jeder Belehrung unzugänglich. Sie reimt sich das zusammen? Die Pharisäer sind allem An­schein nach noch nicht ausgestorben.

Ein größerer Wahl-Wirrwarr, em schlimmeres Durch­einander, als es vor dem erstaunten Wuge der Zeitgenoffen sich abspielt, läßt sich kaum denken. Am buntesten geht cs wohl im Wahlkreis Alzey-Bingen zu. Tort hatte bekanntlich der von dem Zentrum von Atisang an zur Unierstützung empsohlene, dann aber zniückgctrctcnc Adg. Wolf ans Sta- decken kandidieit. Nach der Absage Wolfs hob der Bund der Landwirte den Bürgermeister Keller ans Stein- Bockenhcim auf den Schild. Dieser nahm die Kandidatur au und machte seine Freunde mobil, um das Mandat dem Freisinn zu entreißen. Tas Zentrum bleibt aber hart­näckig, will von Keller nichts wissen und hat zwei Justizräte, den Römer Brentano di Tremczzo und Dr. Schmitt aufgestellt, als Wolf .definitiv" zniücklrat. Infolgedessen ist der Bund nun ängstlich geworden und will Keller, den er s. Z. durch Köhler-LangSdorf zur Uebernahme der Kandidatur hat auffordcrn lassen, wieder zum Rücktritt und Wolf zur abermaligen Annahme der Kandidatur bewegen, da daun die Wahl Wolfs mit Hülfe des Zentrums wohl möglich wäre. In einem Im. eren offnen Schreiben an Heller versucht nun Kohle.-Langsdorf, der gern überall seine Hände im Spiel hat, dieser Nichtiing hinzuwirken und man darf, so wird uns geschrieben, gespannt sein, ob Keller auf diesen Lern» gehen wird.

Aus den» Wahlkreise Alsfeld-Lauerbach- Schotte»» wirb uns von gut unterrichteter Seite geschrieben: Die Kaudiollcn Dr. ^allau, Reh und Bindewald sind fleißig cn der Arbeit In der Regel hüll Dr. Wallau täglich zwei Wuy-.ervcrsam»nlungen ab, eoenso sein bisheriger Hauplgeg..cr Tu^w,..d. Auch der freisinnige Kandidat Reh »st nicht r.;oij i...d ag.llert rühr.g in ländlichen Orten. Tie Kan- oid^tur l , , . clj- .c inr Bindemald sehr von Nachteil,

ic^r r .... .. 1.-. b'.e lu^u.wahl ko mutt, Reh oder Bindewald,

d_r. .. - - .t uuäciiUiLbcr. In der Haupt-

jau;e . . . .kaiallau und Binde.vald stimmen,

S. - Wal., u, Reh und Lröig emtr-cien.

. 2 Art Dr. Wallaus. In sehr gut besuchten Rc r.imlu; c : . uelt er um er le. beiten Beifalls­

kundgebungen der Wähler sein Pwgramm. WallauS Reden imb klar und verständig jur jebermann, er ist ein BolkSredner in des Worrcs vollster Bedeuttrng. Dabei vermeidet. Wallau Angriffe gegen die anderen Kandidaten. Anderen Geschmack zeigt nach dieser Sette Bindewall», er ^cht über seinen gefürchteten Gegner Wallin nxibild) her und läßt kein gutes Haar an ihn. Doch wird gerade durch diese Kampsesatt der Beniner Maler Bindewald wohl seine erneute Nict«rlage selbst besiegeln.

Als sechster (!) Kandidat für den WahllreiS Mar­burg-Kirchhain- Frankenberg erscheint jetzt der von der Hessischen Rechtspartei ausgestellte Rechtsanwalt Martin aus Kassel auf dem Plan. Herr Marlm, der natürlich nur als Zählkandidat gelten kann, ist auch im Wahlkreise Fritzlar- Homberg-Ziegenhain aufgestellt.

Das Zentrum hat beschloffen, im Wahlkreis Wetzlar- Altenlircheii keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern gleich un ersten Wahlgang den christlich-sozialen Kandidaten zu unterstützen.

AuS Baden wird der ^Franks. Ztg.^ berichtet: Wie auS Zentrumskreisen verlautet, haben sämtliche katholischen Geistlichen deS Landes Weisiing erhalten, am Abend vor dem Wahltage in ihren Pfarreien Versamm­lungen abzuhalten, um noch einmal allen Katholiken streng ins Gewissen zu reden!!

Tas Regierungspräsidium in Tanzig hat zur Erleichterung der Aiisubuug deS Wahlrechtes verläßt, daß tue Lchiit-Just'cktoren und -Rektoren den begründeten Anträgen von Lehrern aut Er­teilung eines Urlaubes Folge zu geben haben.

ÜJton schreibt uns aus Berlin:

Auf die schwierige Wahlsiratcgie versteht sich die Reichs- regierung nicht; diese Kunst will gelernt sein, und es bebarl auch, von anderem abgesehen, zu ihrer Uebung einer innigeren Fühlung mit den Bolksmasseiu Geistreich abgcsaßte Wahlnoiizen, allerlei Polemik gegen abiällige Kritiken an den Kolonien, Beiträge, rote sie die ,Rordd. Allg. Ztg.° aus der Reichskanzlei, nuö dein Kolo­nialamt usro. in Fälle bciftcucrt und durch den oifiziösen Draht in alle Richtungen verbreiten läßt; össeutliche Reden des Kolonial- direktors; der Eikvesterbrie^ des Kanzlers; alles das ist ganz schätzenswert. Aber weiß nach diesen Kundgebungen irgendwer mit einiger Sicherheit zt, sagen, rote die Negiermig mit dem neuen Reichstag regieren will? Cb mehr konservativ, oder mehr liberal, als bisher, oder ob sie,roenn es garuicht anders geht/ mit den» Zentrum wieder ihren Frieden macht und sich auf eine vom Zen­trum und der Rechten gebildet« Mehrheit stützt? Niemand weiß eiwas Sicheres, ausgenommen, daß eine lebhaste Kolonialpoltttk getrieben werden soll, wen Ternburg, der sich jo rasch über den ungeheuren Wert unserer Kolonien unterrichtet hat, sich und seinen Zuhörern goldene Berge davon verspricht. Alles andere ist riuklar und ungewiß, obwohl der neue Reichstag vor eine lange Reihe der wichtigsten mnerpoliilschen Fragen gestellt wird. So kann es nicht ocriDimbern, daß dieLrdnuiigsparteieu", die Parteien der Mindci- hett vom 13. Dezernber, mit bet Regierungsiinlerstütziing nichts anzittangen wissen. An dein einen Tage sind den Liberalen Hosf-^ nungen gemacht worden auf Zugeständnisse an den Liberalismus, cn dem andere» Tage sind die Sicnjeroatiocn damit .beruhigt" worden, daß für eine liberale Aera vorläusig alle Bedingungen -ehlen, roieber an einem anberwi Tage wurde das Zentrum in seiner ©eiamtljeit als ein Alp abgeid)ütteü, bald darauf der national gesinnte Teil des Zentrums" zur Mitwirkung an den Aufgaben des Reiches freundlichst emgelaben. Nun soll demnächst eine große Ansprache des F ü r ft e n B ü 10 w ins Land gehen. Es roäre zu wiinschen, daß in den Aus'ührlmgen des leitenden Staatsmannes dasjenige erscheint, was bisher nicht einmal in den schwächsten Umriffen sich zeigte: das Programm der Reichs- regierung.

Ei» Sabemecnm zum Wahlkampf.

Noch rechtzettig vor den Wahlen ist uns eine in vielen Farben gedruckte, übersichtllche Karte über die Zusammensetzung des Reichstags bei feiner Auflösung zugegangen, der eine Netz­karte von Deutschland in gleichem Maßstab mit Angabe der Wahlkreise zur handschristlichen Eintragung der neuen Wahlresuttate gegenubergesiellt ist. Die Kurte, die unter dem TitelDer Deutsche Reichstag 1906 bei seiner Auflösung und 1907?" im Verlage von Dietrich Reimer (Ernst Lohsen) in Berlin S. W. 4o, zum Preise von 1 Mk. erschienen ist, und ferner statistische Tabellen über die Zusammensetzung des Vleichs- tages vom Jahre 1903 und über die Nachwahlen bis 1906 bei­gegeben. Die Karte in Gemeinschast mit den Tabellen stellt ein wichtiges HiilsSmittel dar, auf dessen Grundlage eine Leur> teilung der Gesamtlage für die einzelne»» Parteien gegenüber) den allgemein Wahlberechtigten unb den konkurrierenden Par­teien gewonnen und Dispo ttonen für den Wahlkampf getroffen werden können. Auch ermöglichen die den statistischen Tabellen gegenüber gestellten und in gleicher Weise ungeordneten For- mutare eine sofortige Eintragung der Wahkresultate vom 25. Januar.__

politische Lage-scharf

,JBtiltn Bagdad V)

Tas Nachbarreich im Osten hat es dem deutschen Regie­rungsrat Martin angetan. Im vorigen Jahre erregte er bekanntlich allgemeines Aufsehen durch sein trübe Perspektiven entrollendes Buch über die finanzielle Zukunft Rußlands. Jetzt tritt er mit einem Werk an die Oefsentlichkeit, das einen Zu­kunftskrieg zwischen Rußland und Deutschland darstellt, nachdem die Nouianows infolge neuer Niederlagen gegen Japan flüchtig geworden und ein verwegener Mann sich zum Dii- iaror in Rußland ausgeworsen Hut. Der Kampf führt zum lieber- fall und zur teilweisen Zerstörung Berlins durch eine russische Luftflotte. Martin, der auf dem Wege ist, ein deutscher JuleS Seme zu werden, widerspricht sich. Denn wenn seiner Meinung nach Rußland unrettbar dem Bankerott verfallen ist, dann kann es sich nicht ein Gesch.uaber so kostspieliger Kriegs­werkzeuge zulegen, wie sie in den Schla^schiffen der Luft vor- gesührt werden. Ter Erfolg des neuen Martinschen Buches wird aber wohl den derZukunft Rußlands" übertreffen, er wird international sein, d enn der Verfasser rührt an die Frage der Ausdehnung Terttschlands nach Cftcn hin, bis zum Persischen

*) Berlin-Bagdad. Tas deutsche Weltreich im Zeit­alter der Lustschiffahrt 19101931. Bon Ru 00 ll ... artin. Geheftet 2ch0 Mk. (Stuttgart, Deuttsche Ver^gLaustalt^