Nr. 139
Montag 17. Juni 1907
Zweites Blatt
Trachieninädchen
silbernen Griff), Gläsern), ö. K. 6. Schick aug
157. Jahrgang
auS Großen-Linden und ebensooiele junge Butzbacherinnen, Turnerinnen des Turnvereins unter Leitung des Professors Wämser, denen die Hüttenberger Tracht ebenfalls recht gut stand. Im übrigen bildeten Deklamationen von Gedichten in Wetterauer Mundart und Konzertmusik den Inhalt des Festprogramms, dem etwa 1500 Menschen beiwohnten. Tas Volksfest litt etwas unter dem schlechten Wetter, aber trotzdem vergnügten sich zahlreiche Leute in Lierwirlschaften und Schaubuden, bei Tanz und Musik bestens.
auS Allendorf bei Battenberg (Stock mit 4. G. Jöst aus Rödgen (Bierkanne mit Becker auS Leusel (Zigarrenspitze) und Trais a. d. Lumda (Pfeife mit Tabak).
Hübsche Blumenreigen boten 16
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag«.
Die ..Siebener HamiUcnblätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „KreUblatt fflr den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Der „hessische £an6rolrr* erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der vrühlflchen UnwersilälS - Buch- und vtHtndruckerei. 9L Lange. Sieben.
Redaktion. Expedition und Druckerei! Echul- stratzr 7. ExpediNon und Verlag i eeB 6L Redaktion. «-S H3- DeU-Adr^ AneeigerStetzen,
bach für einen 3. für ein ausgabe gelaufenen
von Hulda Waldnerin in Darmstadt — Pseudonym — („Germania* von Scherr und Nibelungenlied), 2, „Darin'* von W. Lenz in Pfungstadt (2 Bilder von Defregger „Ankunft auf deut Tanzboden' und „Salontiroler') und 3. „Der geschmähte Stumprock' (Verfasserin, Lehrerin L. Meyer m Sprendlingen bei Darmstadt, 2 Bilder von Fahrbach „Waldlandschaft im Sommer' und „Waldmühle im Winter". Herr Storch trug mehrere der preisgekrönten Gedichte vor, die lebhaften Beifall fanden. (Leider versäumte es derVerein bei diesem Preisausschreiben, seinem Programm entsprechend, „Heimatpflege' zu üben, denn von den gegebenen Preisen ist keiner hessischen Ursprungs. D. Nef.)
Dann ertönten acht volkstümliche Weisen. Hessenmädchen auS Pohlgöns, etwa em Dutzend an der Zahl, betraten in ihrer kleidsamen Tracht die Bühne und sangen eine Anzahl ihrer hübschen Spinnstubenlieder, darunter das bekannte „Hüttenbergerlied". Ihnen schlossen sich später ihre Kameradinner aus Kirchgöns an, die in stattlicher Anzahl recht hübsch sangen, nachdem erst einmal die Scheu vor dem öffentlichen Auftreten überwunden war.
Dann kam das eigentliche Dorf- und Spinnstubeninstrument zu seinem Recht: Die Ziehharmonika. Der Heimatpflege-Verein hatte für die besten Spieler Preise ausgesetzt und so kam es, daß eine Anzahl der besten Künstler auf diesem Instrument aus ganz Hessen sich hören lieft. Und fürwahr, eS waren wahrhafte Künstler darunter und es mag mancher Zuhörer darüber erstaunt gewesen sein, waS alles aus diesem einfachen Instrument zu machen ist. Etwa 15 Preisbewerber traten in 3 Gruppen auf, darunter ein mit viel Humor begabter origineller alter Dorfbarde, der zu seinen musikalischen Vorträgen volkstümliche Text- sang und sogar eine Art hessischen Schuhplattlers riskierte. Die Namen dec Preisträger, denen der Fürst zu Solms die Preise überreichte, sind: 1. Banger aus Rüsselsheim (Silberne Taschenuhr), 2. Seel aus Worms (Ziehharmonika), 3. Ehr. Born
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefjen
056 es, nstärkendes littet Drogerien.
ein „Hessenlied * (BodenhausenS „Märchen'); Preis erhielt Aktuar Stein in Friedberg Scherzgedicht „Schwein haben" (eine Pracht- von Roseggers Werken). Von den ein»
Erzählungen wurden prämiiert: 1. „Hellborn'
Die „Nordd. Allg. Ztg." drückt den aufrichtigen Wunsch aus, daft die Friedens-Konferenz in der Richtung der Erzielung praktischer Ergebnisse von ersprießlichem Erfolge gekrönt sein möge.
Der Papst soll an die Königin Wilhelmine einen Brief gerichtet haben, in dem er seine volle Zustimmung zur Konferenz ausspricht und ihr seinen Segen erteilt.
z.zt) und 4.00.
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zu ihrem Heimatlande das erste hessische Heimatpflege- und Trachtenfest zu begehen. Die schöne Frucht jener einzigartigen Festtage war der hessische Verein für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt- und Kunstpflege, der somit heule zum erstenmal sein erstes Geburtsiagsfest feiern konnte. Entgegen dem großzügigen Charakter, den das vorjährige Fest trug, wurde das diesjährige Fest gewissermaßen als kleiners Familienfest aeplant und durchgcsührt. Trotzdem — oder vielleicht gerade deshalb — nahm eS bei lebhafter Beteiligung von Landbewohnern und Freunden hessischer Art und Sitte aus nah und fern einen hochbefriedigenden Verlauf, indem es zugleich zeigte, wie reich und poesievoll das dörfliche Leben bei uns ist oder vielmehr sein kann, wenn es die rechten Männer in die richtige Bahn lenken.
lischst. ich mich
faHnJliiii) b« s'-ls vorrätig. Preise billigst.
lUoe Höpfoer
^rStr «tragt 17.
§te tzlöffnung der Aricdenskonferenz.
Haag, 15. Juni.
Die Delegierten 8ur zweiten Haager Friedenskonferenz versammelten suh heute nachmittag im Parlamentsgebäude. 47 Staaten inrb vertreten. Der holländische Minister des Aeußeren, van JtdS vmr Goudriaan, hielt die Eröffnungsansprache. Im Namen der Königm der Niederlande hieß er die Delegierten will« konnnen und dankte dem Kaffer von Rußland als dem Urheber der Konferenz, sowie dem Präsidenten Roosevelt, der in hohem Maße dazu beigetragen habe, das ©amcirforn ausgehen zu lassen, daS gesät worden ist von dem Initiator der feierlichen internationalen Versammlung, die -usammenberufen wurde zur Erörterung und weiteren Präzisierung der Regeln des internalio- nalen Rechtes, die wie die Staaten zuerst anerkennen, ihre Be- ziehungen leiten sollen. Die Konferenz werde eine Etappe bezeichnen auf dem Wege, der zu dem zu erstrebenden Ziele führen müsse und nicht die letzte sein, die sich zu gleichem Vorhaben im Haag versammelt. Sie vertreten in vollständigster Weise die Staaten der Welt, wie es bis auf den heutigen Tag noch niemals der Fall gewesen ist. Sodann machte er den Vorschlag, dem Kaiser aller Reußen Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen auf telegraphischem Wege und mit folgenden Worten:
„Bei Beginn ihrer Arbeiten legt die zweite Friedenskonferenz ihre ehrfurchtsvolle Huldigung zu Eurer Majestät Füßen nieder und spricht Eurer Majestät ihre tiefe Dankbarkeit aus, daß Sie die Initiative ergriffen haben, zur Fortsetzung des im Jahre 1899 begonnenen Werkes. Die Konferenz bittet Eure Majestät überzeugt zu sein, von ihrem aufrichtigen Wunsche, mit Aufbietung aller Kräfte zu arbeiten an der Vollendung der ebenso delikaten wie schwierigen Aufgabe, die ihr anvertraut wurde."
Ferner schlug er vor, das Präsidium dem russ. Botschafter Nelidow zu übertragen.
Nelidow nahm hierauf den Präsidentensitz ein. Er ersuchte den Minister von Goudriaan, das Ehrenpräsidium einzunchmcn und schlug vor, ein Telegramm an die Königin der Niederlande zu färben des Inhalts:
„Die Vertreter der 47 Staaten, die im Haag zum zweiten Male zusammen sind, haben die Ehre, Eurer Majestät den Ausdruck ihrer Dankbarkeit zu Füßen zu legen für den ihnen beretteten huldvollen Empfang, sowie ihre Huldigung und ehrfurchtsvolle Ergebenhett."
Nelidow fährt fort: Es ist die Idee des Friedens, die die Regierungen veranlaßte, hervorragende Männer des Geistes zu entsenden, die über die Ideen beraten sollen, die der Menschheit die teuersten sind, nämlich die der Versöhnlichkeit und Gerechtigkeit. Ich hoffe, daß diese Gefühle bei den Delegierten obwalten und zum Erfolge der Aufgabe der Konferenz beitragen werden. Einmal handelt es sich darum, Mittel zu suchen, um auf gütlichem Wege Differenzen, die zwischen Staaten entstehen können, zu schlichten und den Abbruch der Beziehungen, sowie Waffenkonflikte zu verhindern. Ferner muß man darnach trachten, falls ein Krieg ausgebrochen ist, die Lasten, die er mit sich bringt, sowohl für die Kämpfer als für diejenigen zu mildern, die indirekt davon betroffen werden können. Man sagt zwar, damtt die Kriege kurz und selten werden, müssen die davon betroffenen Bevölkerungen ihre ganze Schwere fühlen, damit sie darnach trachten, sie möglichst schnell zu beendigen und nicht mehr eine Wiederholung wünschen. Diese Ansicht hat jedoch nur einen Schein von Richtigkeit. Die Humanitären Maßnahmen haben in keiner Weise dazu beigetragen, den Geschmack am Kriegführen zu vermehren. Sie haben im Gegenteil das Gefühl internationaler Nachsicht verschärft. Sie müssen also auf dem 1899 beschrittenen Wege bleiben. Was die Bestrebungen zur Vermeidung von Konflikten zwischen den verschiedenen Staaten anbelangt, so ist es überflüssig, darauf hinzuweisen, welche Dienste die erste Konferenz schon der Sache des Friedens und des Rechts geleistet hat. Botschafter Nelidow zieht dann einen Vergleich zwischen dem Schiedsyerichtshofe und der Tätigkeit der Friedensrichter, die sich gleichfalls, mit der Schlichtung kleiner Zwistigkettcn befassen und sagt: Die Anerkennung des Grundsatzes der Schiedsgerichte habe zu der Geneigtheit geführt, solche einzuberufen. Seit 1893 sind 33 Schiedsgerichtsverträge abgeschlossen; vier ernste und verwickelte Fragen, die geeignet waren, Störungen in den Beziehungen von Mächten zu schaffen, sind dem Haager Schiedsgerichtshof unterbreitet worden. Sogar ein ungeheuer ernster Fall ist von ihm verhandelt worden. Die Arbeiten unserer Vorgänger müssen uns ermutigen, ihr Werk fortzusetzen. Die Freunde der Zivilisation verfolgen den Fortschritt der Einrichtungen der Ersten Konferenz mit Aufmerksamkeit. — Carnegie hat sogar ein Vermögen dargebracht, um den Friedenspalast zu schaffen, aber immerhin sind unsere Betriebsmittel beschränkt. — Die Völker sind, wie die Individuen, lebende Wesen und wenn im täglichen Leben die Organe der Rechtspflege Zwistigkeiten, Stteitigkeiten und Gewalttätigkeiten nicht verhindern können, so ist es ebenso unter den Völkern. Vergessen wir nicht, daß es eine Reihe von Fällen ßt, wo ihre Würde und wesentliche Interessen auf dem Spiel »en, im Leben der Individuen sowohl wie im Leben der Ifer, und wo diese keine andere Autorität werden anerkennen wollen, als die deS eigenen Empsindens und ihres persönlichen Gefühls. Das darf uns aber nicht den Mut nehmen, auf den Weltfrieden zu sinnen. Die Hauptsache für den Fortschrttt ist die Verfolgung des Ideals, dessen Devise ist: „excelsior". Wir werden also an dem Werke arbeiten, erleuchtet von dem glänzenden Stern des Weltfriedens, der uns zum Wohl der Menschhett leiten möge. Was wir für die Individuen tun können, indem wir die Wechselfälle des Krieges lindern und für die Staaten, indem wir Konflitte beseitigen, das siird für unsere Regierungen ebenso voll erworbene Ansprüche auf die Dankbarkeit der Menschheit.
$n der Sitzung waren fast alle Delegierten im schwarzen Rock erschienen. Zwei technische Delegierte trugen Militäruniform, mehrere Mitglieder der chinesischen Delegation ihre National- ttacht. In unmfttelbarer Nähe des Präsidentensitzes nahmen die deuffchen Delegierten Platz entsprechend der alphabetischen Sitzordnung.
Tie Königin verlieh dem russischen Minister des Aeußeren Iswolski das Großkreuz des niederländischen Löwenordens und dem russischen Gesandten im Haag Tseharykow das Großkreuz des Ordens von Oranien-Nassau.
Beide Reden wurden beifällig ausgenommen. Zum Schluß bezeichnet Nelidow die Sekretäre und erklärte, daß die nächste .Sitzung am Dienstag oder Mittwoch stattfinden werde.
Die Einweihung einer ureigenen Frucht der vorjährigen Veranstaltung, des Heimat- und Volkstr a ch t e n m u s e u m s in Butzbach, bildete die würdige Einleitung des diesjährigen Feste?. Tie alte Michaeliskapelle, die an der Griedeler Straße vor der herrlichen Stadtkirche liegt, nahm nach ihrer Wiederherstellung die Sammlungen des Butzbacher Museums auf, die in Verbindung mit den aus Ueberschüssen des 1. Festes neuan- gekausten Stücken ein so reichhaltiges Museum bilden, wie es wohl kaum noch eine Stadt von der Größe Butzbachs aufzuweisen hat. Zu dem Akt der Einweihung hatten sich zahlreiche Teilnehmer eingefunden, darunter der verdienstvolle Vorsitzende des deutschen Vereins für ländliche Heimats- und Wohlfahrtspflege, Schriftsteller Sohnrey aus Berlin, der Vorsitzende des gleichnamigen thüringischen Vereins Pastor Franke, Kreisrat Fey-Friedberg, Landtagsabg. Leun-Großen-Linden, Dekan Strack-Leihgestern, der Butzbacher Stadtvorstand, Offiziere der Butzbacher Garnison und vor allem zahlreiche Bewohner des &ütten6erg§, deren Trachten der Versammlung ein farbenfrohes festliches Gepräge gaben. Punkt y23 Ubr traf Fürst Karl zu Solms- Hohenfolms-Lich ein und alsbald nahm die einfache stimmungsvolle Feier mit einem Musikvortrag ihren Anfang. Eine von A. Storch gedichtete Hymne „Gott, du Allgütrger" schloß sich an; sie wurde vom Männergesangverein Orpheus- Turnverein stimmungsvoll vorgetragen. Hierauf hielt Medizinalrat Dr. Vogt die Weiherede, in der er einen Rückblick auf die Entstehung der Butzbacher Sammlungen warf. In den Jahren 1888—93 veranstaltete Hof rat Kofler im Auftrage der Reichslimeskommisfion Ausgrabungen an dem Römerkastell Hunneburg und etwa gleichzeitig veröffentlichte Reallehrer Otto feine Mitteilungen aus Butzbachs Vergangenheit. Durch das dadurch hervorgerufene Interesse veranlaßt, hielten beide Herren im Auftrag des Volks- bttdungsvereins Vorlesungen ab, die zu der Altertums» ausstellung führten, die am 1. Januar 1905 eröffnet werden konnte. Aus ihr entwickelte sich das Museum, es bildete sich späterhin der historische Verein, der 1898 seine Schätze, die in einem Privathaus untergebracht waren, dauernd dem Publikum zugänglich machen konnte. Weiterhin wurde die Stadt Mitbesitzerin des Museums, um es von den wechselnden Schicksalen eines Vereins unabhängig zu. machen. Durch den beim vorjährigen Trachtenfest erzielten Heber* schuß wurde es möglich, ein eigenes Haus einzurichten und mit der finanziellen Unterstützung des Streifet, der Mathildenstiftung und des Staates wurde die Michaeliskirche für den genannten Zweck hergestellt und eingerichtet. Mit Worten des Dankes an alle Helfer und dem Wunsche, daß das Museum allezeit blühen und gedeihen möge, schloß der Redner seine interessanten Ausführungen. Nachdem die Sänger noch das Lied „Teure Heimat" üorgetrageu hatten, eröffnete der Fürst auf Ersuchen des KrersratS Fey das Haus und es fand eine Besichtigung des Museums statt. Es enthält römische und germanische Altertümer, sowie eine reichhaltige Sammlung von Gegenständen aus Butzbachs Vergangenheit, mittelalterliche Zimmereinrichtungen und hessische Trachten. Tie jüngste Erwerbung ist eine noch gut erhaltene Feuerspritze aus dem Jahre 1501, die die Gemeinde Wölfers Heun dem Museum zur Verfügung ge- ftelll hat.
Um 3ya Uhr begann dann die Feier in der Fest- Halle am Wetzlarer Tor. Das Programm sollte eine Musteraufführung fein, wie etwa eine ländliche Gemeinde ein Dorffest mit eigenen Kräften ausgestalten kann und kam in bester Weise zur Durchführung. Nach einem einleitenden Musikstück begrüßte Bürgermeister Küchel im Namen der Stadt die Gäste, insbes. den Fürsten, worauf der Vorsitzende des Hess. Vereins für Heimatspflege, Kreisrat Fey, nachdem er ebenfalls die Anwesenden begrüßt hatte, folgendes über Zweck und Bedeutung des Festes ausführte;
Unser Fest verfolgt zwei Zwecke: Es will erfreuen uub eS will belehren. Es will erfreuen alle, die bei den Darbietungen Mitwirken, erfreuen alle, die diese Darstellungen sehen. Es will aber auch belehren, daß im Volke selbst und aut dem Lande ein starker Quell oou Kunstsinn vorhanden fft, der sich bescheiden unter Gras und Slottern verbirgt, dar aber frisch, frei und fröhlich sich ergießt, sobald mjan ibn aufsucht. Es will belehren, daß auf dem Lande auch mit Meinen Mitteln und durch die Bevölkerung selbst Schönes und Beachtenswertes geleistet werden icmn. Dank allen denjenigen, die sich in den Dienst der Kunst heute gestellt haben, insbesonoere aber unseren Hüttenbergerinnen, die in ihrer schmucken, überaus kleidsamen Tracht so zahlreich heute Mitwirken. Unser Fest bient der Heimatpflege und hier steht wieder im Vordergrund die Pflege der Geschichte der engeren Heimat, die Pflege alt übernommener guter Sitten und Gebräuche. In diese Heimatgeschichte eng verweht ist die Geschichte des Hauses <Älms. Eng verbunden waren in früheren Zeiten die Schicksale der^ Stadt Mttzbach und deren Umgebung mit denjenigen des Hauses SvlmS, das längere Zeit die Regentschaft über die Stadt geführt hat, eng waren die Beziehungen zwischen Fürst und Bevölkerung. Und eng sind sie auch heute wieder. In der Gegenwart hat zu unser aller Freude das Haus SolmZ unserem Lande und damit auch der Stadt Butzbach und dem Hüttenberger Lande die Landesherrin gegeben und dadurch alte Beziehungen in neuer SGvaft ausleben lassen. Aber diese Beziehungen zum Hause Solms sind nicht nur äußerliche, sie beruhen auf den Gefühlen der Hochschätzung, der Verehrung und des Tankes gegen dieses Haus!, vor allem gegen dessen Repräsenf- tonten Se. Durchlaucht den Flesten Karl. Durch!, hat durch die gnädige Uebernahme des EhrenvorsiZes bei dem vorjährigen uub diesjährigen Feste unsere Veranstaltung in ganz besonderem Maße ausgezeichnet und durch sein hohes Interesse unserer
man genötigt fein, die Gegend zu wechseln, aber daS Heimats- gefühl muß bleiben, eS mutz dazu führen, daß die alte Heimat im Gedächtnis behalten wird. Spielt bei der Heimat die Gegend eine Hauptrolle? Das wäre schlimm! Nein eS ist der ganze Kreis, der eine Person umgibt, es sind alle Beziehungen derselben, die sie mit tausend Wurzeln an die Heimat fesseln. Nur zu ost vergessen wir über die Gegend die Menschen. Ein Dorf, eine Stadt muß vor allem danach beurteilt werden, ob cs eine treue, biedere, treffliche, arbeitsame Bevölkerung in sich birgt. Und das gilt auch von einem ganzen Lande, ja bei diesem tritt es hauptsächlich in die Erscheinuiig. Für die Beziehungen von Land zu Land aber bat die größte Bedeutung, für die Beurteilung eines Volkes und eines VollsstammeS durch das andere ist von hervorragendster Wichtigkeit, welcher Fürst an der Spitze des Lgtzdes steht. Seine Persönlichkeit, sein Walten, gibt dem Lande in ganz besonderer Weise das Gepräge nicht nur nach innen sondern auch nach außen hin. Wir Deutsche, mir Hessen, dürfen uns glücklich schätzen, daß wir von ausgezeichneten Fürsten regiert werden, deren Namen von Land zu Land, von Volk zu Volk mit wahrer Verehrung und Hochschätzung genannt werden, um die wir vom Auslande beneidet werden. Wir wissen, daß unser Kaiser und Großherzog die ersten sind, welche die Heimat schützen und pflegen, die Wohlfahrt des Volkes wahren und fördern und die Kunst schirmen und mehren. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog hat i.n vorigen Jahre nach Gründung des Hess. Vereins für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt und Kunstpslege dem Verein mitgeteilt, daß Alleryöchstderselbe dem Vereine stets mit größtem Interesse folgen werde und ihm Gottes reichsten Segen gewünscht. Deshalb rufen wir heute begeistert: Se. Maj. der Kaffer und Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, sie leben hoch!
Nachdem die Hochrufe und die Nationalhymne verklungen waren, sprach Hauptlehrer Storch in Butzbach mit zündenden Worten auf die hessische Heimat und das deutsche Vaterland.
Nach einem weiteren Musikstück verkündigte derselbe Redner daS Resultat deS Preisausschreibens für hessische Gedichte und Erzählungen. Da man mit dem Preisausschreiben in weiteren Kreisen deS Volkes die Lust am Singen und Sagen wecken wollte, wurde an die zahlreichen eingelatifenen Preisarbeiten kein literarischer Maftstab angelegt, aber trotzdem besinden sich mehrere recht ansprechende Arbeiten darunter. Folgende Gedichte wurden ausgezeichnet: 1. „Klipsteins Grab", Verfasser Maler H. Pfeifer in Darmstadt (Preis: DaS Trachtenbuch und Chamisso „Frauenliebe und Leben'), 2. Preise erhielten Amtsrichter Dr. Pusch in Ortenberg für drei Gedichte „Der Vogelsberg', „Bingen' und „Der Zauberpfeifer von Lorsch" (das Bild von Bodenhausen „Lied") und Frau Luise Spiegelberger in Butz-
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Aas 2. tjeff. K.imalpflege» unö IolLstrachteufest.
Butzbach, 16. Juni.
Etwa 1 Hahr ist vergangen, daß in den Mauern Butzvachs wohl 50 000 Leute auS allen Heffischen Gauen zu-
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sammengekommen waren, um in Eintracht und in Liebe Sache überaus genützt. Hiersür m Sr. Turchlancht kleiner ' ' ' ------ - Tank heute dargebracht. Unser Fest dient der Sximat. Die
Heimat ist Gott fei Tank jedem echten Deutschen und echten Hessen an das Herz gewachsen. Tie Heimat mit dem Eltern hause, mit ihrer Schule, ihrer Kirche imb ihrem stillen Friedhof, kann ein guter Mensch sie je vergessen? Ist nicht der Klang der Torfglocke eine Stimme, die der, der auf dem Lande seine Jugend verlebt hat, nie vergißt? Wohl kann
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