trru^artiger Regetr niederging. Der Sturm richtete an zahlreichen Anlagen und Häusern bedeutenden Schaden an, viele Bäume .wurden entwurzelt, Parkanlagen vernichlet usw. Bei Stadlau ist die Donau ausgetreten, auch bei Nutzdors uub Klosterneuburg sind viele Auen überschwemmt. Der Zahnradbahnverkehr au' den Schneeberg mußte wegen Sturm eingestellt werden. Am Montag ließ in Wien der Sturm nach, der Regen dauert fort; auch in fast ganz Böhmen herrschte Unwetter mit heftigem Sturm und Regen. Fast alle Flüsse sind stark gestiegen, zahlreiche Holzbrücken und Stege fortgerissen. Soweit bisher bekannt, sind keine Opfer an Menschenleben zu beklagen.
* Das Paradies der Frauen. In Frankreich, so lesen wir in der „Köln. Ztg.", sind die Sachen am dauerhaftesteii, die dem Vergnügen gewidmet sind. Das wußte vielleicht der Graf von Artois, als er lächelnd mit Marie Antoinette die Wette einging, ihr in siebzig Tagen ein elegantes Luftschloß int Bou- logner Wäldchen zu bauen. „Um hunderttausend Franken, Ma- daure!" „Es gilt! Und in siebzig Tagen erhalte ich.mein Schloß?" „In weniger! Ich stehe dafür ein!" Da schließlich Frankreich sowohl die Wette wie das Schloß bezahlte, so entstand tatsächlich in dem kurzen Zeitraum von nur sechzig Tagen das Schlößchen Bagatelle, dessen Eleganz noch heute bewundert wird, und das alle. Stürme der großen Revolution überdauert hÄ. Marie Antoinette war entzückt, und man sagt, daß il>re Dankbarkeit für Artois sehr weit, allzuweit sogar gegangen sei. Es ist ja auch bedeutend unterhaltender, oId Gaben der Galanterie solche Schlösser in Empfang zu nehmen, als sich dafür zu interessieren, was ihr eigener Mann rutzgeschwärzt am Amboß und an der Drehbank anfertigte. Vier- zchli Jahre später wurden keine Schlösser mehr für sie gebaut, sondern ein Gerüst auf dem Revolutionsplatz, und Bagatelle stand öde und verlassen. Es überlebte aber die Tuilerien und überlebte so manche Regierung, und heute ist es noch mit seinem wohlgepflegten Park das Ziel der Spaziergänger im Bois und eine hübsche Erinnerung an die Zeit, wo Frauenlaune alles war in Frankreich. Daß Paris im besonderen nun freilich das Paradies der Frauen geblieben ist, besagt nicht nur das Sprichwort, sondern bezeugt auch die eigenartige Ausstellung von Frauenporträts, die einige Tage vor Pfingsten, auf Veranlassung der Soeidts Nationale des Beaux Arts in Bagatelle eröffnet wurde. Weniger vielleicht vom Standpunkt der Porträtkunst als von dem der Gesellschaftsstudie aus betrachtet man mit Interesse diese Säle, wo nicht ganz zweihundert Frauenporträts, deren Originale den letzten vierzig Jahren angehören, aufgestellt find. Und mancher schöne, interessante geistvolle Kopf lächett uns da von der Wand herab zu, Aristokratinnen, Künstlerinnen, Typen des Bürgertums, die Finanz- und Gelehrtenwelt, Trägerinnen berühmter Namen, von denen viele noch leben. In bezug auf die letzteren ist es eigentlich etwas boshaft, Porträts von ihnen auszustellen, die zwanzig Jahre und mehr zurückreichen. Dieser ganze Frauenfrühling hier hat etwas Diktatorisches, Gebietendes, und etwas von einem sieghaften Lächeln scheint auf fast allen Gesichtern zu lieg ein so verschieden ihre Tracht und Herkunft sind. Und wenn die tote Königin und ihr galanter Schwager yier spukten, könnten alle diese Frauen ihnen erzählen, wie man ihnen gehuldigt hat, wie die Frau, die wirkliche Frau, nur leben kann in Paris. Das erzäilen die schönen, jetzt verwelkten Züge der Kaiserin Eugenie, von ter ein großes Bild von Winterhalter und ein kleines von Holftlo da ist, das predigt das Bild der kleinen blonden Herzogin von Morny von Winterhalter, das Bild der Gräfin Kersaim von Eh..ptin, das der Marquise Vallombrosa von Cabane (ein Meisterwerk!), das in schillerndem Blau schwelgende Bild Boldinis, der eine ,panische Infantin gemalt hat. Bastien-Lepage zeigt uns eine ^aray Bernhardt in — sagen wir einmal in jüngeren Jahren, Aublet ein großes Porträt der Gräfin Märtel (Gyp). Und Hor- tense Schneiders Büste begrüßt uns am Eingang, von Triumphen erzählend, deren sich heute kaum noch jemand erinnert. So geht es fort bis zu den neuesten Schöpfungen von Nasfaelli, von Dagnan- Bouveret und anderen bekannten Meistern der Gegenwart. Die Gesichter werden da anders, die Augen etwas nachdenklicher, der Typus der Frau bekommt etwas Herbes, Bewußtes. Der Reiz der Pariserin verblaßt nicht, aber ein ganz Hein wenig hat der Typus seine Sicherheit verloren. Er hat verglichen, geprüft, gesucht. Was? Sollte er eine Schlange entdeckt haben, die sich in sein Paradies ein geschlichen hat?
* Die Pantoffelhelden spielen von altersher in der Literatur und in Witzblättern eine komische Rolle; das Volk straft die oft doch bemitleidenswerten Angehörigen des „starken" Geschlechts mit seiner Verachtung. Im ehemaligen Fürstentume Fulda war ein solcher Schwächling sogar der obrigkeitlichen Pön verfallen. Man lieft darüber in dem „Journal von und für Deutschland" (Jahrgang 1784) einige ergötzliche machen: Wurde bekannt, daß ein Mann von seiner Frau Schläge erhalten habe, so war das fürstfischösliche Hofmarschallamt verpflichtet, die Sache zu untersuchen. Faird es das Gerüjcht begründet, so verhängte es eine ganz außergewöhnliche Strafe. Dem unsried- lichen Ehepaar wurde nämlich durch „sämtliche in fürstlicher Livrey stehende Bediente" das Wohnhaus abgedeckt. Sie begaben sich in geordnetem Zuge an Ort und Stelle. Voran schritt ein Hofsourier. Ihm folgte der jüngste fürstliche Lakai mit einer Fahne, auf welcher dargestellt war, wie sich der junge Mann vor seiner wütenden Frau, die ihn mit dem Bierkruge bearbeitet, unter ben Tisch zu retten sucht. Vor dem Hause kam ge- wöhnlich das jetzt demütig gewordene Weib dem Bedienten mit Wein oder Branntwein entgegen, um dadurch die Strafe zu mildem. Es wurden im Falle einer solchen Spende auch nur einige Ziegel entzweigeschlagen, die anderen aber sorgsam auf den Boden gelegt. In kurzer Zeit jedoch starrten die leeren Sparren zum Himmel. Daß die Exekution nicht still vor sich ging, kann man sich denken. Es sammelte sich eine gewaltige Zuschauermenge an, und der Janhagel ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, den geprügelten Mann und sein schlagfertiges Weib auszupfeifen und durch Gejohl und beißende Spottreden zu verhöhnen. War das Dach abgedeckt und aller Wein oder Branntwein vertilgt, so begab sich der Zug der Hosbeamlen wieder in derselben Ordnung,Ivie er_ gekommen, zurück in^das Schloß.
* D i e Verlängerung des Sebent. Aus London wird berichtet: Das soeben herausgegevene Blaubuch über die britischen Sterblichkeitsziffern enthält eine Reihe interessanter Daten. Es zeigt, daß die Sterbtichkeitsziffem in England und Wales von 21,74 auf 1000 vom Jahre 1840 auf 18,19 vom Jahre 1900 zurückgegangen sind, und die Zahl der Lebendgeborenen zeigt ein stetes Wachsen. Interessant ist die auf Grund des statistischen Materials gewonnene Feststellung, daß die Frauen im Durchschnitt drei Jahre länger leben als die Männer. Unter den Todesursa chen ist die Schwnrd- sucht im AbnelMen; die Zahl von 3457 auf die Million in dem Jahrzehnt 1850—60 ist auf 2010 in der Dekade 1890 bis 1900 geiunten; dagegen weist der Krebs ein Fortschreiten auf; die Ziffer 758 für die letzte Dekade zeigt eine Zunahme von mehr als einem Viertel gegen die vorhergehenden zehn Jahre.
* Kleine T a g e s ch r o n : t. An Bord des Da mp fers „Neu st e i n", der mit Salpeter beladen, von Hamburg kommend, nach Atlantik unterwegs ist, brach Feiler au§. Der englische Dampser „Warwick", der ihn im Goli von Gascogne antraf, schleppte das Schlff nach Brisl. Die ljiutere Kommandobrücke und die Boote sind vollständig verbrannt. — Auf dem Hauptbahnhose Halle a. d. S. würbe der Eisenbahnajsistent Wiegmann üon einem einsahrenden Schnellzuge zermalnit. — In Augustendors (Bukowina) stürzte der Turm der fall). Kirche infolge Senkung des Fimdameiites ein. Aus dem Schutte wiirde bereits eine Leiche hervorgezogen. Außerdem wurden acht Personen schwer unb sechs leicht verletzt. Man befürchtet, daß das Unglück noch mehr Cpier gefordert hat. — Am 24. Juni rvar bei eilie>n Volksfest in Lünkirchen der Pariser Luftschiffer Bulken mit dem B al l o n „Florecll" aufgestiegen. In einer Begleitung befand sich sein Freund Taunay. Von den beiden Aeronauten fehlt seildeni jede Spur. Jetzt ist Bulkeiis Leiche an der Küste von Ostende ans Land geschivemmt morbem Ter Leichnam seines Begleiters ist bisher trotz eifriger Nachforschungen nicht mfgefimbeii worden. — In der Rahe des Ortes Enkirch a. b. Mosel brach gestern nachmittag 4l/2 Uhr Großfeu er aus, welches sich rasch verbreitete und 17 Häuser, darunter einige Oekononuegebäude, jo- vie Erntevorräte einäjcberte. Eine große Anzahl der Einwohner
waren des Sonntags wegen auswärts, weshalb die Löscyarvenen nur langsame Fortschritte machten. Die Baulichkeiten sind zum Teil, die Erntevorräte gar nicht versichert. — Der 48 jährige frühere Bankbeamte Albert Pohlman n, der als Lungenkrank aus dem Untersuchungsgefängnis der Berliner Charite überwiesen worden war. ist gestern entflohen. Pohllnann hatte Urkundeu- fälschungen. Wechselschwindeleien unb Betrügereien verübt unb war in das Ausland entkommen, von dort aber an Deutichlaud aus- geüefcrt worden. — Wie amtlich mitgeteilt wird, ist in einem Kranlenhause Odessas ein Fall von echter Bubonen pest festgestellt worden. Der Kranke, der inzwischen gestorben ist, war Heizer auf einem Tainpfer der Linie nach Alexandria.
Arbeiterbewegung.
Duisburg, 15. Juli. Eine gestern abgeh. Vertrauensmännerkonferenz der Ruhr-Bergleute beschloß die Einberufung von M a s s en-^V e r s a m m l u n g e n der Bergarbeiter- schast für die nächsten Sonntage behufs Ausstellung von Forderungen an die Grubcnvcrwaltungen.
Prag, 15. Juli. _ Eine in Dux abgehaltene Versammlung der Bergarbeiter formulierte chre Forderungen, deren wesentlichste eine 25prozentige Lohnerhöhjung ist. Als Termin zur Beantwortung wurde der 25. Juli leftgesetzt. Schließlich veranlaßten sogenannte Anarchisten derartige Lärmszenen, daß die Versammlung aufgdöft und der Saal von der Gendarmerie geräumt werden mußte.
New York, 15. Juli. Man erwartet hier jeden Augenblick den Ausbruch eines Streikesl der Telegraphisten, der sich über das ganze Land zu erstrecken droht. Vertreter der Regierung sind bemüht, zwischen den Telegraphengesellschaften unb ihren Beamten zu vermitteln, doch ist die Hoffnung auf friedliche Beilegung gering. ,Sobald bas Fehlschlägen der Verhandlungen feststeht, dürfte die Arbeitsniederlegung erfolgen.
Landwirtschaft.
* * Manöver ft roh unb Holz. Um bie umständliche Heranschaffung der Bedürfnisse an Biwakstroh unb Holz aus den oft sehr entferntliegenden Proviamtämtern zu vermeiden, ferner zur Verminderung der Vorspannleistungcn machte die Heeresverwaltung seit einigen Jahren den Versuch, den Bedarf an Stroh unb Holz ganz ober teilweise burchbie Truppen ankaufen zu lassen. Die Landwirtschaftskammer für Hessen weist in einer Bekanntmachung auf die Vorteile dieser Einrichtung hin, bie darin beruhen, daß auch Landwirte, welche Strohvorräte nur für ihren eigenen Bedarf besitzen, sich trotzdem an dem Verkauf beteiligen können, da das Lagerftroh nach dem Gebrauch wieder verkauft unb nochmals zum Streuen verwendet werden kann. Die Landwirte tun gut, sich vor dem Verkauf bezüglich des Rückkaufes zu verständigen.
UttSVerssLÜts-Aciehs'iehLett.
Berlin, 15. Juli. Zum Nachfolger von Leydens ist dem Vernehmen nach nunmehr der Göttinger Kliniker Prof. H i s in Aussicht genommen. Dieser hat bereits heute die mediz. Klinik an der Charittz besichtigt.
Kandel.
— Zehnmark-Kassenscheine. Die in Aussicht genommenen Zehnmark-Kassenscheine werben vor Ende Oktober resp. Anfang November kaum zur Ausgabe gelangen. Es wird dann Reichs-Kassenscheine ä 5 unb 10 Mark im Gesamtbeträge von 12 Millionen Mark geben.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch ben 17. Juli: Fortdauer der heiteren trockenen Witterung. Etwas wärmer. Nördliche bis östliche Winde.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Juli
1S67
| Barometer am 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute ; Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wett-r
15. 2 *
752,4
21,4
10,9
58
NW
2
Bew. Himmel
15. 8"
752,6
17.9
12,7
83
ENE
2
16. 7"
754,2
15,1
11,9
93
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11,3 • C.
Tas lenkbare Luftschiff bei der Truppenschau.
Ein recht anschauliches Bild von dem hohen Stande der französischen Luftschifftechnik entwirft der Pariser Korrespondent des „Berl. Tagebl.". An der Truppenschau anläßlich des National- festes hat, wie bereits gemeldet, auch ein lenkbares Luftschiff teilgenommen. In dem eiugangserwähnten Berichte heißt es u. a.:
Es war kurz vor 9 Uhr, als sich in der Ferne hoch über dem Kirchturm von Meudon ein leichtes, kleines Wölkchen zeigte, wie eilt gelblicher Fisch, der in blauen Lüften schwamm. „Voilü leb irigeable!", sagt ein Herr hinter mir, der wie ein Offizier in Zivil aussieht, unb wenige Minuten später kann man die Form des Luftschiffes schon unterscheiden. Es beschreibt einen Bogen um ben Kirchturm, nimmt bann bie Richtung nach dem Felbe von Longajamps, wo eben die Truppen am Präsidenten vorüber zu defilieren beginnen unb fährt mit ruhiger Geschwindigkeit heran, ohne auch nur einmal vom Kurse abzuweichen. Jetzt hat es die Reihe der „Asrostiers" erreicht, der Luftschifferabteilung, die einen Fesselballon in der Revue mitführt. Der Flug der „Patrie" wird langsamer. Gleichmäßig mit ben Truppen auf dem Felbe zieht ber Riesen fisch hoch über der Ebene, hin, macht über ber kleinen Mühle links eine Schleife, fährt bis zur Hälfte den Weg zurück, wendet gegenüber der Präsidentenloge unb fliegt schnurgerade zwischen Loge unb Tribüne in einer Höhe von ungefähr 300 Metern über bie Häupter der Zuschauer hinweg, um mit einer eleganten Wendung nach links abzuschwenken und bann rasch in der Richtung von Meudon zu verschwinden. Begeistertes Rufen, Hüteschwenken, Tücherwinken. Aber wohl nur wenige der Huirderttausende, die sich des Schauspiels im Sonnenschein erfreuen, denken daran, daß diese Maschine da oben für bie Menschheit von ebensogroßer Wichtigkeit werden kann als bie erste Lokomotive ober bas erste Dampfboot.
Als die „Patrie" langsam zur Präsidentenbühne sich wendet und über unseren Mpfen hinwegzieht, habe ich die Möglichkeit durch ein gutes Glas genau zu beobachten. Ter Ballon ist länglich geformt, vorn breiter als am Hinterraude, aber mit einer scharfen Spitze versehen. Unter dem etwas abgeplatteten hinteren Ende, über dem kappen förmig drei Segelabschnitte in bie Höhe stehen, ist die Steuerung befestigt in ber Form eines länglichen Ruders, dessen hinterer Teil beweglich ist. Mehr nach 'vorn hängt unter bem Bauch des Ballons bas Boot für die Mannschaft. Es ist 'scheinbar aus Stahl gefertigt und besteht aus zwei^Teilen, die durch eine Art Brücke verbunden sind. An den Seiten drehen sich mit rasender Geschwindigkeit zwei Schaufelräder. Nach vorn hängt unter dem Ballon, etwas über dem Boot erhöht, eine längliche Vorrichtung, die wahrscheinlich zum Visieren bestimmt ist. Tie Bemannung besteht aus vier Personen. Alle Manöver werden mit erstaunlicher Präzision ausgeführt.
Dieser „EDirigeable" gehorcht dem Steuer wie ein gutes Boot. Er ^scheint keinen anderen Zufällen unterworfen als denen der Natur, denen alle Werke des Menschengeschlechts preisgegeben sind, und Als er mit surrendem, Rauschen über un
sere öaupirr ijinrceg gleitet, megen mir tym üte wevanren tn eine neue Zeit ber Wunder hinein.
Müller'sche Badeanstalt.
Wasjerwärrne am 16. Juli: 16 0 R.
Griginal-Drahtmeldringe«. i
Dresden, 16. Juli. Die Regierung wird auf ihrem Wahlrechtsentwurf nicht unbedingt bestehen, sondern Abänderungsvorschlägen zugänglich sein.
München, 16. Juli. „Der „Münch. Allg. Zeitung" wird aus Rom gemeldet, der Papst habe den Eindruck gewonnen, als ob ihm die Angelegenheit Schell wie die des Kulturbundes in einer Form vorgetragen worden sei, die den Verdacht einer wohl Überlegten Jntriguc erweckt. Der Papst soll sich sehr verstimmt über die Art der Information geäußert haben.
Prag, 16. Juli. Die R echtspraktikanten beim hiesigen Strafgericht haben die p a s s i v e Resistenz eingestellt.
Budapest, 16. Juli. Die Christlich.Sozialen wollten gestern eine Versammlung abhalten. Die Sozialdemokraten, etwa 200 an der Zahl, waren mit der Absicht erschienen, die Versammlung zu stören. Bei der Präsidentenwahl erklärten die Sozialdemokraten, sie seien in der Majorität unb hätten allein das Recht, den Präsidenten zu wählen. Als die Christlich-Sozialen trotzdem den Vorsitzenden wählten unb dieser die Tribüne bestieg, warfen die Sozialisten faustgroße Steine gegen ihn, die ihn jedoch nicht verletzten. Es entstand ein unbeschreiblicher Tumult und eiiu große Schlägerei. Ein Arbeiter gab drei Schüsse in die Lust ab. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein und säubert? ben Versammlungsort, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Polizisten verfolgten die Ruhestörer auf die Straße, indem sie flache Hiebe austeilte. Ein Konstabler stürzte vom Pferde und erlitt eine Verletzung. Der Arbeiter, der die Schüsse abgegeben hatte, wurde verhaftet.
Rom, 16. Juli. Gestern abend wurde der frühere Kabinett sch es des Ministers Nasi auf Anordnung des Staatsgerichtshofs verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
Pans, 16. Juli. Die Zimmerleute haben für heute den Generalausstand verfügt, weil die Arbeitgeber sich weigerten, den neuen Tarif anzunehmen.
Paris, 16. Juli. Gestern nachmittag brach in dec Rue Montreux in der Werkstatt eines Lllöbelsabrikanten Feuer aus, das sich bald über einen ganzen Häuserblock erfireefte. Fünfzig Familien sind obdachlos und der Schaden beträgt mehr als eine Million.
Paris, 16. Juli. Ein Marseiller Blatt glauat mit-< teilen zu können, daß die Ursache des Demissions-' gesuchs Dreyfus in seiner Unzufriedenheit liegt, nicht zum Oberstleutnant befördert ivorden zu fein. Die Demission ist' vom Kriegsminister noch nicht angenommen worden.
Roubaix, 16. Juli. In Aseq explodierte infolge• Unvorsichtigkeit eines Rauchers ein Luftballon, der un Begriff stand, zu landen, 20 Personen wurden verletzt, darunter 10 schwer.
Brest, 16. Juli. Am 22. d. M. wird hier eint japanische Schiffsdivision erwartet, die hier mit dec bereits auf der hiesigen Reede befindlichen amerikanischen, Schiffsdivision zusammentreffen wird. Letztere! wird erst am 25. d. M. den Hafen verlassen. ,
San Sebastian, 16. Juli. In Bilbao fanden, gestern Meetings statt, an denen sich mehrere tausend Straßenarbeiter beteiligten. Der allgemeine Ausstand wurde fast einstimmig beschlossen. Die Bewegung! droht eine große Ausdehnung zu nehmen und den ganzen! anstoßenden Gruben-Bezirk zu empfangen.
Lissab on, 16. Juli. Gestern ist bei Coimbra ein Arbeiterzug ent gleist. Neun Arbeiter wurden schwer verletzt.
Tanger, 16. Juli. Blutige Kämpfe haben zwischen den Berberstämmen und dem Stamm der Babel stattgefunden. Letztere sind bis kurz vor die Mauern' Tangers verfolgt worden und haben schwere Verluste erlitten.
Newyork, 16. Juli. Die beiden in Kalifornien unter dem Verdacht der Spionage verhafteten Japaner, sind wieder freigelassen worden, da die Untersuchung nichts strafbares gegen sie ergeben hat.
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