Ausgabe 
16.8.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 191 Zweites Blatt

Erscheint tSglich mit Ausnahme des SonniIgS.

DieEtehener §amllienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krekblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DerHessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

General-Anjeiger für Sberhessen

Freitag 16. August 190>

kl u

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^^H2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

i«

c

ö.

große Beunruhigung.

die Stadt anzugreifen.

e

l,

)

bt

ft

unter der Androhung, rin Weigerungsfälle Sie sollen 7000 Dollars erhalten haben-

U

4 L

Köln, 15. Aug. 15 5 Handelsange st ellte aus Lyon, Herren und Damen, unternehmen am 19. August eine Studienreise durch Deutschland.

Kisumu, 15. Aug. Staatssekretär Dernburg reist heute mittag 1 Uhr über den Victoria-Njansa nach Muanza ab, wo er am 20. August eintrifft.

Nürnberg, 16. Aug. Der sozialdemokratische Verein desReichstagswahlkreisesKronach beschloß einftimmig: der frühere Kassierer der Sektion Nordhalben namens Wunder habe durch Parteiverrat, bin er bet den Landtagswahlen zuGunsten des liberalen Pfarrers Grandinger verübte, verwirkt, jemals wieder Mitglied bcr sozialdemokratischen Partei werden zu können.

semesiers sollen in der Universitäts-Bibliothek die zahlreichen und zum Teil sehr kunstvollen Adressen aus­gestellt werden, die der Universität zu ihrem Jubelfeste zu- gegangen sind- Es wird 'geplant, auch das Ehrendiplom S. Kgl. Hoheit Lei dieser Gelegenheit zur Ausstellung zu bringen-

Aus Frankfurt a. M. wird uns unterm 15. August geschrieben:Herthas Hochzeit" wird bald vergessen sein. Um so mehr darf man gespannt sein, welchen Eindruck Frank Wede­kindsErdgeist", diese bitterböse Kriegserklärung an des Weib richtiger an das Weibchen, haben wird. In der nächsten Woche wird unser Oberregisseur Dr. Heine das kühne Wagnis unternehmen, dieses Stück, das bei der Uraufführung vor 10 Jahren in Hamburg den größten Theaterskandal der letzten Jahre erregte, und dann fünf Jahre später in Berlin, dank der Kunst Gertrud Eysolds, zum gefeierten Kassenstück zu werden^ stmfzuführen. Mau darf neugierig sein, wie es auf die Frankfurter Gesellschaft wirken wird. Auch der ersten Opern- premiere darf man mit Spanne entgegensehen. Sie wird ein ebenfalls nicht mehr ganz neues Werk bringen: Anton Ru­binsteinsD ä m o n", der hier twch nicht gegeben ist. Vor­läufig hat lwnsere Oper nur durch das Gastspiel eines neuen Bassisten einiges Interesse erregt. Unser gegenwärtiger erster Baß, Herr Gree ff der Schwager unserer Primadonna, die am 1. September ausschechet und sich neulich durch eine Absage im letzten Augenblick bei einer wichtigen Vorstellung zum Schluß ihrer Laufbahn noch alle Shnrpathien verscherzt hat, wird nach Ablauf seines Vertrages ausscheiden. Der neue Baß, Herr Lankow, hat recht gut gefallen.

Aus dem Zoologischen Garten zu Frank­furt a. M. Herr Eonrad Binding beschenkte den Garten mit einem Steinadler, den er persönlich von einer Jagdreise in den Alpen mitbrachte. Von neuangeschafften Vögeln seien drei süd­amerikanische hervorrageirde Seltenheiten genannt, nämlich die Rolrückeneassike, der Kragens chwarz Vogel uub die überhaupt zum

tionsvflicht: 5. den Markenschutz bezw. das Erfordern der Herkunftsbezeichnuug des Weines; 6. für jede absichtliche Uebertretung des Wein­gesetzes Freiheits- und Geldstrafe. Die Versammlung pro­testiert gegen jede Weinsteuer und fordert scharfe sani­tär eUeberwachungund Ko ntrollederausdem

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Aug. DieBerliner Korresp." meldet: Im Reichsamt des Innern fand am 14. August eine Konferenz aller beteiligten Ressorts des Reichs und Preußens statt, um die Gefahr einer Einschleppung der Cholera auS Rußland und Maßregeln zu ihrer Abivehr zu er­örtern. Allseitig wurde anerkannt, daß kein Grund zur Beunruhigung vorliege. Um jedoch für alle Falle ge­rüstet zu fein, wird schon jetzt Vorsorge getroffen, daß die bei Einbruch der Cholera im Jahre 1905 bewährten Abwehr- maßregeln, insbesondere die Uebermachung der Flußläufe in den Grenzbezirken, jeden Augenblick in Wirksamkeit treten können.

Heute trafen 42 französische Lehrer und Lehrerinnen zu Sind ienz wecken hier ein.

Versammlung der Nhemgauer Winzer.

Oestrich, 15. August. Die heute hier unter freiem Himmel stattgehabte Versammlung Rheingauer Winzer, zu der latitRheinischen Kurier" etwa 1700 Mann aus dem ganzen Rheingau erschienen waren, faßte nach Anhörung von Referaten der ReichStagZabgeordneten Baumann, S ch u e l e r und Dahlem den folgenden Beschluß: Die heute gn Oestrich am Rhein sta'ttgehabte Versammlung Rheingauer Winzer richtet unter Wahrung des Puri st er st an d punkt es das dringende Ersuchen an die zuständigen Stellen, endlich lind schleunigst in eine Revision des jetzt geltenden Weingesetzes einztitreten und dabei einzusühren, 1. eine eiri­tz eitl i che Kellerkontrolle für das ganze Reich durch hierzu im Haupt amte angestellte Beamte, 2. eine obli gatorische L a gerbuchführung für Wirte, Wein Händler und Winzer; 3. das Verbot, über die Zeit von der Lese über den 31. Dezember deseZlben Jahres hinalis utehr als 20% zu zuckern; 4. die Deklara-

i)ier einge troffen- Als der Tainpfer Mazagan verließ, herrschte dort nach Angabe der Flüchtlinge noch

Gibraltar, 15- Ang. (Reuter.) ' Eine heute nachmittag erlassene Regierungsverfügung verbietet das Zuströmen von Flüchtlingen^ aus Marokko-

. Paris, 15. Aug. Der Petit Parisien erfährt aus Norderney, Fürst Bülow habe sich in Swineinünde im Ge- spr äch mit bem psisischenMllllster Iswolsky üb er die Trag-

weite Ixr Algeeirasakte dahin geäußcrc, daß diese für bestimmte Tauer abgeschlossene Vereinbarung augenblicklich unabänderlich lei, doch stünde der Orientierung der deutschen Politik in der französischen Marokko-Aktion in günstigem Sinne nichts im Wege- Tas Blatt bemerkt hierzu, Frankreich habe la tsächlich alle Ursache, mit Deutsch­lands Haltung in der M aro kko-Affäre zufrie­den zu sein- .

Matin" berichtet arls Tanger: Der spanische Gesandte ist gestern hier eingetroffen. Er erklärte gleich nach seiner An­kunft, es sei nvttvendig, einen energische nF eldzug gegen die marokkanischen Stännne zu führen-

Admiral Philibert telegraphierte am 13- August abends, daß die Ruhe in Saffi gesichert erscheine- Tie Anwesenheit der KreuzerAdmiral Aube" undConde" vor Mazagan habe die Rul-e wiederhergestellt. Tie Europäer öffneten die Läden wieder- Die Lage in Rabat sei sehr befried digend- Tie KreuzerForbin",Galiloe" undMassini", so­wie zwei Torpedobcotszerstörer würden sich ablösen, um die Verbindung zwischen den verschiedenen Häfen und die Heber» wachung der Küste zu sichern-

Aus Stadt und Lanv.

Gießen, 16. August.

* Der frühere Landtags-Abgeordnete W o l f s k e h l Wie uns unser Darmstädter Redaktions­bureau drahtlich meldete, ist heute nacht der langjährige frühere nationalliberale Abgeordnete von Darmstadt Otto Wolfskehl im Alter von 66 Jahren gestorben. Der Ver­storbene, der in jüngeren Jahren ein gutgehendes Bankgeschäft in Darmstadt besaß und sich fest dessen Aufgabe fast aus­schließlich den öffentlichen Angelegenheiten widmete, nahm mehrere Jahrzehnte hindurch im politischen Leben unseres engeren Vaterlandes eine führende Stellung ein. Er gehörte dem Landtage seit 1875 als Vertreter der Stadt Darmstadt an und wirkte namentlich in sinanzpolitischen Fragen bestimmend mit. Lange Jahre übte er als Vorsitzender des FmanzauS- schüsses hervorragenden und günstigen Einfluß auf die Ge­staltung des Staatshaushalts aus, der damals auch ohne die jetzt vorhandenen großen Eisenbahn-Ueberschüffe stets mst einem Ueberschuß abschloß. Am 25. November 1884 wurde er zum Vizepräsidenten der Kammer gewählt und bis zum Schluß des 29. Landtags 18931896 amtierte er als solcher neben den Präsidenten Kugler und Weber. Als Justizrat Weber, der Offenbach im Landtag vertrat, nicht wiedergewählt wurde, wurde Wolfskehl als Präsidentschafts^ kandidat nominiert. Er drang aber bei der Wahl nicht durch, da ein Teil seiner Parteifreunde ihn fallen ließ. Dies gab ihm Veranlassung, sein Landtagsmandat niederzulegen, doch blieb er auch fernerhin ein treues und opferwilliges Mitglied der nationalliberalen Partei, der er namentlich zu Wahlzeiten als Verwalter der Kasse unschätzbare Dienste leistete. Der Darmstädter Stadtverordneten-Versammlung gehörte Wolfs­kehl seit Einführung der Städteordnung, also seit 1874, an. Auch hier wirkte er namentlich auf finanziellem Gebiet mit großem Geschick und der verhältnismäßig günstige Stand bei städtischen Finanzen Darmstadts ist nicht zum wenigsten ihm zu verdanken. Wolfskehl war ferner Vorsitzender des Aufsichtsrats der Landeshypothekenbank und eine Zeitlang Vorsitzender der israelitischen Religionsgemeinde in Darm« stadt. Von den zahlreichen Vereinen, denen Wolfskehl an« gehörte, wird namentlich der Darmstädter Musikverein, dem er als Vorsitzender zu seiner jetzigen Blüte verhalf, fein Ab­leben beklagen. Persönlich liebenswürdig und bescheiden, hinterläßt Wolfskehl wohl Gegner, aber keine Feinde. Sein Sohn Karl hat sich als Lyriker und Aesthetiker in literarischen Kreisen einen Namen gemacht; er lebt seit Jahren in München«

** Schwere Gewitter zogen gestern über unser! Gegend hin, deren eines mit starkem Hagelschlag verbunden war. Da die Hagelkörner nahezu so groß wie Nüsse waren, ist in Gärten und Feldern mancherlei Schaden entstanden. Auch von anderen Orten liege über das gestrige Wetter Berichte vor, nach denen Gewitter und Hagel arg gehaust haben. In Marburg z. B. gab es mehrere schwere Gewitter. Bei dem ersten Unwetter, das sich gegen 2 Uhr entlud, fielen etwa 5 Allnuten lang Hagelstücke von der Stärke einer Walnuß, sodaß an Obstbäumen und Fensterscheiben hier und da Schaden angerichtet wurde. Bei dem zweiten Gewitter um 6 Uhr schlug der Blitz in dem

erstenmal importierte Rothalstangarie. Drei nordamerikanische Bisamratten, ein indisches, lebhaft schwarz-weiß-rot gefärbtes Flaggenhörnchen und eine seltene rote Manguste aus China trafen im Hause für kleine Säugetiere ein. Zwei Antilopen von Kanin- cheugröße, nämlich vorderindische Zwergmoschustiere sind einst­weilen in einem Gehege des neuen Kängernh-Hauses miterge- bracht. Im Jnsektenhause erregen neben exotischen Schmetter­lingen verschiedene merkwürdige Heuschreckenarten Interesse,, so die schwarze, gelbgerändcrre argentinische Laubheuschrecke, die süd- europäische Gottesanbeterin und spanische Sattelschrecken. Die wild­gefangenen jungen Leoparden, die Herr G- A. von Skeufville vor einigen Wochen stiftete, haben sich jetzt aut eingewöhnt und erfreuen durch reizendes Spiel. Mit den Ausschachtungsarbeiten zum Neubau des Hirsch Hauses wurde vor kurzem begonnen.

Aachen, 15- Aug. Heute mittag wurde hier in feierlicher Weise eine Handwerks-Ausstellung, verbunden mit einet Ausstellung für christliche Kunst, eröffnet- Der Kardinal-Erz­bischof von Köln, Dr- Fischer, hielt eine Ansprache über die Kunst im allgemeinen und die christliche Kunst im besonderem Professor Hermann Karl Vogel, der Direktor des Astnx physikalischen Observatoriums in Potsdam, Mitglied der Akcv demie der Wissenschaften, ist gestorben-

Ferdinand Hodler, bet bekannte Genfer Freskomaler von imposanter Wuchligkeit und naiver Größe, dem man etwas Mlchetangeteskes nachsagen möchte man sah seine originellsten Werke wiederholt im Frankiurter Kunstverem wurde von der Jeu en s er Universität beauftragt, sür deren Neubau ein großes Gemälde nach seiner Wahl anzusertigen.

Ein W o r t ii n g e h e u e r. Ein Freund der ,Bohemia" in Aussig teilt dem Blatt folgendes köstliche juristische Wortungetüm mit: Piandrechtsvormerkungsrechtsertigungsfristgesuchsbeilagenstem- pelgebührenerjatzanipruchsrecht 1

Aleiues Feuilleton.

- -- Tas Doktor-Diplom Seiner Kgl- Hoheit des Großherzogs. Wir erfahren über das Ehren-Doktor-Diplvm, das die Philosophische Fakultät unserer Universität bei der Jubel­feier «Seiner Ktzl- Hoheit dem Grvßherzoge ausgestellt hat, es M, lute schon früher erwähnt, das erste deutsche Ehren- vi^lom, das die philosophische Fakultät ausgestellt hat fol- genoe Einzelheiten. Das Diplom ist eine auf eine große Peraa- menthäut von 78 Zentimeter Breite und 57 Zentimeter Höhe mit der isaud gezeichnete Urkunde. Die Schrift ist in großen kräf- ugen Buchstabeii unter Verwendung verschiedenflnbiger Tinien mit großem reichverzierten Anfangsbuchstaben auf das Sorg­fältigste von Herrn Rud- Koch bei der Firma Gebr. Klingspor in Offenbach ausgeführt worden- Auf der linken Seite des Tiploms hängt an einem Pergamentstreif en in silberner Kapsel, die Juwelier Brück geliefert M das in Wachs gedrückte Siegel der Universität- Ter Teckel dieser Kapsel trägt das alte ori­ginelle siegel der philosophischen Fakultät in mbbemer Stili­sierung nach einem Entwurse von Prof- Kleulens; es ist in der Anstatt der Gebr- Klingspor graviert und von der Firma Gotth- Hain in Hanau in schöner Emaillierung ausgeführt wor­den- Zur Aufbetvahrung des Diploms dient, wie eS bei Doklor- Tiplomeii üblich ist, eine in der Fakultätsfarbe gehaltene rollen­artige Hülle- Sie ist Dom Buchbinder Ludwig in Frankfurt a. M. in dunkelblauem Lerer gearbeitet, mit feinen Goldlinien und auf dem Kopf des Teckels mit dem Universitätswappen, dem blauen Antvniterkreuz auf weißem Grunde, verziert- Außer diesem Ori­ginaldiplom hat die Firma Gebr- Klingspor den gleichen Text in ganz entsprechender Anordnung in den schönen Formen der von Prof- Hupp entworfenen Schrift Liturgisch setzen und eine größere Anzahl von Abzügen diests gedruckteil Diploms Herstellen lassen- Beide Ausführungsforuien des Tiploms fmb vollendete Kunstwerke, mit denen die Firma Kliilgfpor der Uiliversillit eine kostbare Jubiläumsgabe, dargebracht hab. Ktzi Beginn des Winter-

Gcrüchtweise verlautete, daß auch iwch andere Stämme dicht an Mazagan heraugekommen seien und Geld verlangt haben

Lcsgeskchan.

Herzog von Pleß j-.

Einer der großen schlesischen Magnaten, der Herzog von Pleß, ist nach längerem Leiden auf Schloß Albrechtsberg im 74- Le­bensjahre gestorben. Ter Herzog ist an den Folgen eines Gicht­leidens gestorben, das ihn seit Tezeinbev des Vorjahres an das Bett gefesselt hielt-

Mit Herzog Hans Heinrich XL., zweiter Fürst don Pleß, Graf don .Höchberg, Freiherr zu Fürstenstein re-, scheidet, so schreibt vas Berl- Tgbl., einer der markantesten Vertreter des preußischen Adels- Er wurde in Berlin am 10. September 1833 als Sohn des ersten Fürsten Hans Heinrich X- geboren. Tie Pleß sind schlesisck)er Uradel, er erscheint urkundlich bereits im Jähre 1185- Ter verstorbene Herzog war Herr des Fürstentums Pleß und der freien Stcmdesherrschaft Fürstenstein mit Waldenburg und Fried­land in Schlesien, erbliches Mitglied des Herrenhauses,- preu­ßischer Oberstjägermeister, General der Kävallerie und Kanzler des Schwarzen Adlerordens. Mich dem ß^eichÄage hat Herzog Hans als AUtglied der deutschen Reichspartei angehört- Dem Fürsten wurde der preußische HerzvgStitel erst vor kurzem, am 20. Dezember 1905, vom Käiser verliehen, schon 1881 ivurde Dem jedesmaligen erstgeborenen Sohn des Fürsten der Prinzen- titel verliehen- Herzog HauS von Pleß ist zweimal verniählt ge­wesen, zuerst heiratete er 1857 in Zützen Marie v- Kleist, die 1883 im Mter von 55 Jahren starö- Dieser Ehe entstammen vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter- Der älteste Sohn und jepige Ches des Hauses Pleß ist der 1861 geborene Prinz HanÄ- Heinrich XV-,, der lebenslängliches Mitglied des preußischen Herrenhauses ist und früher Legationssekretär bei der Botschaft in London war, wo er sich 1891 mit der Tochter Mary des Earls Telaware verheiratete, die zu den gefeiertsten Schönheiten der Berliner Hosge^ellich^ft gehört- Der zweiten Ehe des jetzt ver- ftorbenen Herzogs mit der Burggräfin Mathilde zu Tvhna-Schlo- bitten entsprossen zwei Kinder- Eine Schwester des Herzogs, die im Jahre 1897 verstorbene Gräfin Anna war mit zwei Fürsten Reuß j- L. verheiratet, der Bruder des Verstorbenen ist der in Berlin bekannte ehemalige Generalintendant der königliche^ Schauspiele, Graf Hans-Heinrich XIV-, Bolko zu Hochberg.

In der Geschichte Preußens wird der verstorbene Herzog freien der großen Verdienste svrtleben, die er sich im Kriege 18<0/71 in feiner Eigenschaft als kaiserlicher Kommissar und Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege erwarb-

Morenga wieder auf deutschem Gebiet.

London, 15. Aug. Tas Reurersche Bureau verbreitet folgende Meldung aus Kapstadt: Morenga ist mit vier­hundert seiner Anhänger auf deutsches Gebiet übergetreten. Nach einem Telegramm aus Upington drang Simon Köp­per in die Kapkolonie ein, und hat sich dort mit den Streitkräften Morengas vereinigt, woratts beide auf deutsches Gebiet zurücktehrten. Es heißt, daß sie sich mit dem Häuptling Christian beraten wollen. Tie Kappoli^ei eilte schleunigst herbei, um Mo­renga abzufangen, dre Schwierigkett des Geländes verhin­derte aber die Gefangennahme. Die Kapbehörden arbeiten mit dem deutschen Generalkonsul Hand in Hand und haben alle Maßregeln getroffen, um Morenga an dem Wieder­eintritt in die Kapkolonie zu verhindern. Wenn er es tut, wird er wieder fe st genommen. Wie es heißt, ist die Be stätigung der Meldung, daß Mo­renga in deutsches Gebiet ein gedrungen ist, beim hiesigen Korönialamt elngegangen. (Notiz des Wolff- dureaus: An den amtlichen Stellen ist von den hier be­haupteten Tatsachen nichts bekannt.)

Berlin, 15. Aug. Nach dem am 15. Aug. früh hier eingegangenen telegraphischen Bericht des Unterstaats- s e k r e t ä r s v. L i n d e q u i st i st M o r e n g a a u s F u r ch t vor der Auslieferung in die Berggegend entwichen. Tie englische Polizei hofft aber, daß er sich nach Aufkläruna des Sachverhalts stellen werde.

Auslande eingehenden Trauben und Weine, amtliche Erhebungen über die Lage des Wtttzerstanoes und Anzeigepflicht der vorzunehmenden Zuckerung des inlän­dischen Produktes. 'Die Versammlung erachtet ferner zur Aufrechterhaltung und Hebung des kleinen Winzer­st an des im Rheingaue dringend erforderlich: 1. die Ge­währung unverzinslicher Darlehen an bedürftige Winzer seitens des Staates; 2. die Geroährung billigen Betriebs­kapitals an die kleinen Winzer; 3. Einschränlung der Re­benpflanzung auf qualitativ geeignetem Boden und Erwei- terutlg bezw. Vermehrung der ^Nebenerwerbsquellen und 4. obligatorische und behördliche Ueberwachung der Be­kämpfung der Rebenkrankheiten und Rebenschädlinge mit staatlicher Subventionierung des kleinen Winzerstandes. Die Versammlung erachtet es auch für dringend geboten, daß eine Zentralstelle zur Wahruirg der Interessen des kleinen Winzerstandes im Reiche gebildet werde. Die Versamm­lung ernannte eine Kommission, die die gefaßte Resolution zur Kenntnis der Behörden des Reichstages und des preu- tzischen Abgeordnetenhauses bringen soll. __________

Die o£agc in Marokko.

Köln, 15- Aug. DieKölnische Zeitung" erhielt ein Tele­gramm aus Tanger, murin es u- a. heißt, daß im Ganzen nur etwa 20 Europäer in Mazagan zurückgeblieben seien, darunter sechs deutsche Kaufleute und der deutsche Postbeamte- Tie im Innern gelegene Hauptstadt des südlichen Ätarokko, Marrakesch, haben die Tcutschen in der Nacht zum Sonntag sämtlich oei> lassen- Ter Vertreter des Sultai^s hatte ihnen eine starke Be­gleitmannschaft gestellt- Sie beabsichtigen, in Saffi die Küste zu erreichen-

Tanger, 15- Aug. (Reuter.) Von Mazagan ist ein französischer Dampfer mit 300 Flüchtlingen, meist Europäern,