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03/09/1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 206 Hpschetut täglich außer Sonntags.

Dem Gteßener Anzeiger !öerben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- Hatter viermal in der 2Bod)e beigelegt und ,meima!roöchentlichdas Xrcisblatt für den Kreis Ziehen. Fernsprech-An- ^chluß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschenr «nzetger Gtetzr«.

Annahme nn rlnzeigen sür die Lagesnummer diS vormittags 10 Uhr.

Erstes Blatt

157. Jahrgang

Dienstag 3. September 1007

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BezugSPretSr monatlich 75 Ps^ viertel» jährlich M. W; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk. 2.-viertel« jährl. ausschl. Bestellg« ZeilerrpreiS: lokal 15 Pst auswärts 20 Psennig.

Verantwortlich sür den politischen Lei!) E. Anderson; s. Feuille­ton und .Vermischtes" P. Wittko; sür .Stadt u. Land" und.Gerichts-

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindnrckerei. V. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuistratze T. ^lnzeigenieü^ Beck.

:eußen zugehören

überkommen und es ist m e in Wunschund Wille, daß wir aus dem Gebiete der sozialen Fürsorge sesthalten an den Grundsätzen, die in der unvergeßlichen Lotschaft Kaiser Wilhelms des Großen niedergelegt sind.

Tas schöne Bild versöhnlicher Einheit, welches die Pro­vinz Westfalen dem Beobachter zeigt, würde ich gern auf unser gesamtes Vaterland übertragen sehen. Ich glaube, daß zu einer solchen Einigung aller unserer Mitbürger, aller unserer Stände nur ein Mittel möglich ist, das ist die Re -

Holzamer t.

Nun klage still, mein Hessenland!

Nur nicht ein lautes Weinen. Er zählte zu den Reinen, Deß Seele endlich Ruhe sand.

Sein Lied war duftig, sein und zart, Entquoll dem reichsten Herzen.

Voll heimlich tiefer Schmerzen War seines Lebens rauhe Fahrt.

Wie tief und rein war oft sein Sang, Wenn er sich sehnt in Klagen Nach friedjam stillen Tagen.

Wie fein und weich war dann sein Klang.

Dir, Heimat, schlug sein Herz so ganz, Er zählte zu den deinen.

Du darfst ihn still beweinen Und reichen ihm den grünen Kranz.

die Berliner Trauerseier für '

Dentfctzss Neictz.

Berlin, 2. Sept. Nach einer amtlichen Meldung deÄ Gouverneurs v. Schuckmann aus Windhuk vom 31. August haben b e i Morenga befindliche Bo ni dels um Aufnahme in das mit den Bondels im Tezember 1906 geschlossenen Untcrwerfungsabkommen gebeten. Um Morenga Kräfte zu entziehen, sind Verhandlungen ein geleitet worden. Morenga selbst befindet sich bisher abwartend auf englischem Gebiete.

Ter freisinnige Landtagsabgeordnete Schmidtz Elberfeld ist in 9torderney eingetrofsen und wird von! Fürsten Bülow empfangen werden.

München, 2. Sept. Ter Landtag ist auf den 27, September einberufen.

0. 8.

Wilhelm der Marx-

Holzamer. In der kleinen Kirchhofskapelle in - -

straße zu Schöneberg bei Berlin fand am Sonntag nachmittag unter zahlreicher Beteiligung die Trauerseier für den früh ver­storbenen Wilhelm Holzamer statt. Zahllose Kränze waren am Fuste des Zinksarges niedergelegt, Von den vielen Vertretern

Kirchlich-Orthodoxen wird die Arr wohl wenig behagen, wie der Kaiser hier gleich seinem Ahnherrn Friedrich dem Großen zur Duldsamkeit mahnt. An Duldsamkeit in kirchlichen Dingen hat es in letzter Zeit gerade in Westfalen vielfach ge« fehlt. Man denke nur an die von kirchlich-orthodoxer Seite gegen die Liberalen in Dortmund veranstaltete Hetze und an das Verhalten des Konsistoriums in Münster gegen den Pfarrer Cäsar. Diesen Kreisen werden die milden, gütigen Worte des Kaisers wohl kaum sehr angenehm in den Ohren klingen. In allen anderen Kreisen des deutschen Volkes aber wird man freudig aufhorchen, dennes ist," wie dieKöln, Ztg." sagt,Gewissensfreiheit, die laut verkündet wird, ver-i Kunden mit der Pflicht der Duldsamkeit. Nicht mehr werben Glaube und Unglaube einander gegenübergestellt, denn wer vermag ihre Grenzen zu ziehen? In der Religion, wie sie die kaiserliche Rede predigt, lösen sich die Gegensätze. Sie gehen ineinander über durch.die Macht der Liebe, der Anen rennung des Rechts des einzelnen, in sich selbst den Glaub eil zu gestalten, zu dein er nach seinen Lebenserfahrungen, Er­lebnissen und inneren geistigen Kümpfen sich durchringt."

Uebcr die Bildung einer historischen Kommission sür das Großherzogtum Hessen

teilt dieDarmst- Ztg." folgendes mit:

Schon seit Jahren ist 'die Bildung einer solchen Kömmission in den gelehrten Kreisen des Landes Gegenstand sorglicher Er­wägungen gewesen- TerVerband der Geschichts- und Alter­tumsvereine im Großherzogtum Hessen" ist 1906 und 1907 mit darauf zielenden Anträgen an das Ministerium des Innern heran- getrcten- Diese Anträge waren von dem richtigen Gedanken getragen, daß die Erforschung der vaterländischen Geschichte heute großenteils vor Aufgaben steht, die zu lösen nur durch zloeck- mäßige Organisation und aus öffentlichen Mitteln versucht werden kann- Nur in seltenen Fällen ist es den Kräften einzelner Ge­lehrten oder lokaler Vereinigungen möglich, die teils noch gar nicht, teüs ungenügend herausgegebenen Materialien in der Vollständigkeit zu sammeln und mit der Gründlichkeit zu bear­beiten, die nach dem heutigen Stande der Wissenschajt gefordert werden müssen, wenn anders die Arbeit wirklichen und bleiben­den Nutzen schaffen soll. Beweis hierfür ist allein die Tatsache, daß in allen deutschen Staaten und Landschaften historische Üvm Mission en bestehen, deren Veröffentlichungen durchweg als nützlich, mitunter als im höchsten Maße fördernd und an­regend anerkannt sind-

Das Grvßherzogtum Hessen entbehrt heute noch einer derar­tigen Organisation. Und doch sind gerade dem Großherzogtum ans diesem Gebiete einige der lockendsten und lohnendsten Auf­gaben zugesallen, deren Lösung sür die Landesgeschichte und für die allgemeine deutsche Geschichte den größten Gewinn bringen würde-

Ohne den Kreis dieser Aufgaben auch nur irgendwie erschöpfen Lu wollen, darf beispielsweise daran erinnert werden,, daß die Ouellen zur Geschichte der Begründung der hessen-darmstädtischen Linie des hessischen Fürstenhauses, über Georg L und seine Nachfolger, etwa Ludwig V-, Georg II., Ernst Ludwig und Lud­wig X. meist noch unbenutzt und unerforscht in den Archiven ruhen. Die Briefe der großen Landgrafin harren noch immer einer vollständigen und würdigen Ausgabe. Besonderes In­teresse allgemeinster Art würde auch eine Veröffentlichung Von Akte n über die Zeit der Entstehung des heutigen Aroß Herzogtums beanspruchen, der sich eine Geschichte der Verwaltung in der Landgrafschaft und im Großherzvgtum anrcihen ließe. I

Neben die Quellen zur Hessischen müssen die Quellen zur M ainzer Geschichte gestellt werden- Wernge Orte Deutschlands haben eine gleiche Bedeutung in der deutschen Vergangenheit gehabt, wie Mainz, die kirchliche Hauptstadt und das größte Vistum des alten Reiches! und eine seiner blühendsten Städte-

der für das Unternehmen erforderlichen Kosten aus alleinigen Mitteln des Staates zunächst nicht- Nunmehr aber haben Ven. Handlungen mit maßgebenden Persönlichkeiten die Aussicht er­öffnet, daß sich Städte und weitere Kommunalverbünde der finanziellen Unterstützung des vaterländischen Werkes nicht ver­sagen werden und daß dieses hierdurch ohne unverhältnismäßigg Inanspruchnahme des Staates wird durchführen lassen-

Bei dieser Sachlage empfiehlt es sich, die mit staatlichem Charakter auszustattende Kommission alsbald inF Leben zu rufen und zunächst ihre staatlichen Mitglieder zu bestellen. Dieses engere Kommission soll unter einstweiligem Vorsitz des Minister- des Innern die Aufgabe haben, die engeren und weiteren Kvm^ munalverbände, mit denen bisher nur nichtamtlich verhandelt worden ist, zu den erhofften Zuschüssen zu veranlassen- Jeder' Verband, der euren Zuschuß von bestimmter Höhe leistet, soll berechtigt sein, sachverständige Männer als Vertreter in die Kommission zu entsenden. Mit diesen Vertretern wird die Kvmmission nach dem Vorbild anderer deutscher Scaaten eine; l urdesherrliche zu genehmigende Satzung zu entwerfen und euren Arbeitsplan aufzustellen haben und sodann in ihre Arbeiten, eintreten können.

Kine Mahnung des Kaisers zur Duldsamkeit.

Tie Rede, die der Kaiser auf dem Essen im Landes- yiuseum zu Münster hielt, hatte folgenden Wortlaut:

Es ist mir ein Herzensbedürfnis, den Vertretern der Provinz, die ich heute um mich versammelt habe, aus tiefster Seele meinen h-erzlichsten Tank auszusprechen für die Art unb Weise, wie ich in dem schönen Westfalenlande allerorten empfangen worden bin. Ich möchte auch zugleich noch­mals Ihnen allen im Namen der. Kaiserin und Königin wiederholen, wie unendlich betrübt sie ist, daß es ihr durch dm Unfall nicht vergönnt gewesen, die westfälischen Tage mitzumachen und persönlich mit Ihnen und dem west­fälischen Volke in Berührung zu treten.

Tie Provinz Westfalen bietet ein schönes' Bild dafür, daßeswohlmöglichi st,historische,konfessio­nelle und wirtschaftliche Gegensätze in ver- öhnlicher Weise zu einen in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterlande. Die Pro­vinz setzt sich zusammen aus verschiedenen Landesteilen, von denen viele schon lange der Krone Preußen zugehören und manche erst später dazu gekommen sind, sie wetteifern aber alle miteinander in der treuen Zugehörigkeit zu unserm hause. Wie ich keinen Unterschied mache zwischen alten und neuen Landesteilen, somacheiHauch keinen Unter­schied zwischen Untertanen katholischer und protestantischer Konfession, stehen sie doch beide auf dem Boden des Christentums und beide sind bestrebt, treue Bürger und gehorsame Untertanen zu sein. Meinem landesväterlichen Herzen stehen alle meme Landeskinder gleich nahe. In wirtschaftlicher Beziehung bietet uns die Provinz gleichfalls ein höchst erfreuliches Bild. Es zeigt, daß die großen Erwerbszweige sich einander nicht zu schädigen brauchen und daß die Wohlfahrt des einen auch dem andern zu gute kommt. Der Bauer bebaut seine rote westfälische Hrde mit Fleiß, fest am Ueberlieftrten, Althergebrachten haltend, eine kernige Statur mit eifernem Fleiß und ehren­hafter Gesinnung, von treuen: Wesen, eine feste Grundlage für uns^r Staatswesen. Darum wird m:r der Schutz derLandwirtschaft stets besonders am Herzen liegen. Ter Bürger baut seine Städte in immer vollkom­menerer Weise aus, es entstehen großartige Werke gemein­nütziger Art, Museen und Sammlungen, Krankenhäuser und Kirchen. Im Schoße ihrer Berge ruhen die Schätze, die von fleißigen Händen der braven Bergleute gefördert, der In­dustrie Gelegenheit geben, sich zu betätigen, dieser Jn- dustrie, der Stolz unesrer Nation, wunderbar in ihrem Aufschwung, beneidet von aller Welt. Möge es ihr vergönnt sein, rastlos auch fernerhin Schätze zu sammeln für unser Nationalvermögen und nach außen den guten Ruf von der Tüchtigkeit und Güte deutscher Arbeit zu mehren. Ich denke hierbei auch der Arbeiter, die in den gewaltigen industriellen Unternehmungen, vor den Hochöfen und unter Tag im Stollen mit nerviger Faust ihr Werk verrichten. Die Sorge für sie, ihren Wohlstand und ihre Wohlfahrt habe ich als treues Erbe von meinem in Gott ruhenden Großvater

liaion. Freilich nicht in streng kirch lich dogma­tischem Sinne verstanden, sondern im weitern, sür das Leben praktischeren Sinne. Ich muß hierbei auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Ich habe in meiner langen Regierungszeit es ist jetzt das 20. Jahr, das ich angetreten habe mit vielen Menschen zu tun ge­habt und hab!e vieles von ihnen erdulden müssen, oft unbewußt und oft leider auch be­wußt haben sie mir bitter weh getan. Und wenn mich in solchen Momenten der Zorn übermannen wollte und der Gedanke an Vergeltung ausstieg, dann habe ich mich gefragt, welches Mittel wohl das geeignetste sei, den Zorn zu mildern und die Milde zu starken. Tas einzige, was ich gefunden habe, bestand darin, daß ich mir sagte:Alle sindMenschen.wiedu,undobgleichsiedirwehe tun,siesindTräg er eine rSeeleausden lichten Höhen, von oben stammend, zu denen wir alle einst wieder zurückkehren wollen, und durch ihre Seele Haven sieein Stück ihres Schöpfers in sich." Wer so denkt, der wird auch immer milde Beur­teilung für seine Mitmenschen haben. Wäre es möglich, daß im deutschen Volke dieser Gedanke Raum gewänne für die gegenseitige Beurteilung, so wäre damit die erste Vorbedin­gung geschaffen für eine 'vollständige Einigkeit, aber erreicht kann dieselbe nur in einem Mittelpunkte werden, in der Person unseres Erlösers, in d em Manne, der uns Brüder ge­nannt, der uns allen zum Vorbilde gelebt hat, der persön­lichsten der Persönlichkeiten. Er wandelt auch noch jetzt durch die Völker dahin und ist uns allen fühlbar in unserm Herzen. Im Ausblick zu ihm muß unser Volk sich einigen, es muß sest bauen aus seinen Worten, von denen er selbst gesagt hat:Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht." Wenn es das tut, wird es ihm auch gelingen. Zu solcher Mitarbeit möchte ich am heutigen Tage aufjordern, insbesondere die westfälischen Männer, denn, wie ich vorher auseinandersetzte, haben sie es ver­standen, das schöne Bild versöhnter Gegensätze in ihrer Provinz zu geben. Sie werden mich auch zuerst und am besten verstehen. In diesem Geist sollen alte und neue Landesteile, Bürger, Bauer und Arbeiter sich zusammen tun und einheitlich in gleicher Treue und Liebe zum Vaterlande zusammenwirten, dann wird unser deutsches Volk der Granit­block sein, auf dem unser Herrgott seine Kulturwerke an der Welt weiter aus bauen und vollenden kann. Dann wird auch das Dichterwort sich erfüllen, das da sagt:An deut­schem Wesen wird einmal noch die Welt genesen." Wer bereit ist, hierzu mir die Hand zu bieten, dem werde ich dankbar sein und ich werde ihn freudig als Mitarbeiter annehmen, er sei wer und weß Standes er wolle. Ich glaube, daß ich von den Westfalen am «ersten verstanden werde, und deshalb habe ich mich an Sie gewendet. Nun erhebe ich mein Glas mi tdem Wunsche, daß Gottes Segen auf der alten westfäli­schen roten Erde ruhen möge und auf allen ihren Bewohnern, daß es mir vergönnt sei, fernerhin den Frieden zu erhalten, damit Sie ungestört Ihrem Berufe nach gehen können. Gott segne Westfalen! Die Provinz Westfalen hurra, hurra, hurra I

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In der letzten Zeit sind nur selten größere Reden des Kaisers bekannt geworden und bei offiziellen Empfängen begnügt der Kaiser sich jetzt meist damit, in kurzen Worten seinen Tank auszusprechen. Die früheren temperament­vollen Reden des Kaisers haben, wie man weiß, ost den

Und gerade die Geschichte von Mainz hat bis hente die ihrer würdige Erforschung nicht erfahren. Eine systematische Samm­lung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Mainzer Geschiasts- quellen würde nun aber nicht etwa der Stadt und ihrer näheren Umgebung allein, sie würde den: ganzen mittleren Teutscoland, ja der gesamten deutschen Geschichtsforschung in ungewöhnlichem Maße zugirte kommen- Ein Mainzer urkundenbuch (Codex Dip- lomaticuS Mvguntinus), das überdies einem.lebhaften Bedürfnis der Sprachforschung ab helfen würde, hätte also einen ersten Platz unter den Aufgaben der künftigen historischen Kvmmission ein­zunehmen. Auch die innere Geschichte des Erzbistums und seiner Entwicklung nach Orten mrd Personen zusammenzustellen (Moguntia Sacra), wäre eine der fruchtbarsten Unternehmungen.

Neuere Forschungen haben die Bedeutung des MütelrHeins für die Entwicklung der mittelalterlichen Kunst Deutschlands kl ar­ge stellt. Die führende Stellung, die wiederum Mainz vom 13. biS 16. Jal-rhündert eingenommen hat, bedarf der quellen­mäßigen Erforschung. Einer Darstellung der nuttelr he mischen Künstgeschichte würde eine weit über die Grenzen unseres Landes hinausgehende Bedeutung zukommen.

Eil: reiches Arbeitsfeld bietet ferner die Genealogie der hessischen und mittelrheinischen Geschlechter, ein anderes die historische Topographie, für die das Material durch daS Vorhandensein des bisher iwch nicht genügend er­forschte:: Schenkungsbuches von Kloster Lorsch (Codex Laures'hw- mensis) einen bis in die ältesten Zeiten hmausreichendeni Grund­stock besitzt, wie er anderswo kaum gefunden werden dürfte- An die Ausgabe des Codex Lauveshamensts müßte sich die-Her­stellung eines historischen Kartenwerkes anschüeßen-

EinBilderatlas zur hessischen Geschichte", wie er bereits geplant und vorbereitet ist, müßte emmal d:e bedeutendster: historischen Bildwerke des Landes in besten W:eder- gaben bieten, andererseits aber so billig gestaltet »oerden, daß er in der kleinsten Dorfschule als Anschauungsmittel benutzt und selbst üon minderbemittelten Schülern erworben werden tonnte- Neben der politischen wäre darin die Kunst- ünd Kulturgeschichte Hessens ausgiebig zu berücksichtigen-

Mit dieser kurzen Auszählung :st nur auf d:e größten und dringendsten Aufgaben hingewiesen, durch die allein schon per Wunsch nach einer historischen Kommission vollauf gerechtfertigt würde- Alweres, wie z. B. eine Bibliographie der h e s s. Geschichte und Landes künde, eine Fortsetzung der hessisch. Gelehrtengefchichte, liegt nicht weniger nahe- Auch hat die Erfahrung bisher überall gelehrt, daß mit der Arbett auch die Aufgaben wachsen und manches werwrllc, ürcher verborgene Material erst infolge systematischer und organisierter Forschung ans Tageslicht gezogen wird- _ , .

Die Rücksicht auf die Fmanzlage gestattete tue Berettstellung

Ein Besuch des deutschen Kaisers in Wien.

Berlin, 2. Sept. Wie in diplomatischen Kreisen ver­lautet, sei es sicher, daß Kaiser Wilhelm das 60jähr. Regierungs-Jubiläum Kaiser Franz Josefs zum An­laß uehmen werde, dem befreundeten Monarchen einen; Besuch in Wien abzustatten und ihm persönlich seine Glücke wünsche darzubringen. Selbstverständlich rönnen für diese Reise des deutschen Kaisers nicht schon jetzt die näheres Dispositionen getroffen sein. Doch glaubt man, daß der Besuch in Wien einige Tage vor der österreichi - s ch en Jubiläumsfeier ersiolgen würde. Im Gefolgt oes Kaisers soll sich auch Fürst Bülow befinden.

Eine Immediateingabe für denHauptmann von Köpenick".

Berlin, 2. Sept. Ter Generalsekretär der Church Arm h in London, einer Organisation, die analog der Heilsarmee sich mick praktischer Sozialresorm und Wohl-? tätigkeitspflege befasst, hatte sich vor einiger Zeit an Kaiser Wilhelm mit einer Immediateingabe des Inhalts gewandt, den wegen des Köpenicker Kassenraubes zu 4 Jahren Gefängnis verurteilten Schu h m a ch e r, Voigt zu begnadigen. Ter Justizmiuister hat nun< mehr den Petenten mitteilen lassen, daß er keinen Anlaß sehe, die Haftentlassung Voigts ziü verfügen, bezw. seine Begnadigung beim Kaiser zu befürworten.