Ausgabe 
2.4.1907 Drittes Blatt
 
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tmti ihn nach Eger über die österreichische Grenze brachte. Me diese Beschuldigungen ctttärt Neichstagsabg. Pfeiffer in seiner Anzeige an die Staatsanwaltschaft für unwahr. Er hat außerdem zur Aufklärung seiner Wähler in den Blättern seines Wahlkreises eine Erklärung veröffentln.. .h der er v ' der erfolgten Straf­anzeige gegen das sozialdemokratische r tt Mitteilung macht und mitteill. daß Montag aüerdings zu i Bekanntschaft gehört habe und daß er sich auch sonst um fein Li >eisen gekümmert habe, weil die Mutter Äiontags von schweren SchicksalIschlägen betroffen morbeit sei. In der Folge habe er Montag zu sich genommen und ihn als «Ltenographen bei seiner literarischen und wrssenschaftlickien Arbeit beschäftig!. In ähnlicher Weise habe er auch schon früher junge Leute beschäftigt. Es könne also darin nichts Auffälliges gefunden werden. Ten Borwurf eines Verbrechens gegen § 176 Ätr.-G.-B. erklärt Dr. Pfeiffer durch ärztliche Atteste entkräften zu können. Die Mutter des Montag habe ihn ausdrücklich gebeten, sich des lungert Mannes etwas anzunehmen, weil dieser damit umging, eine ihr nicht zusagende Liebschaft durch eine .heirat zu legitimieren. Tr. Pfeiffer schließt seine Erklärung mit einem scharfen Angriff auf einige seiner Parteifreunde, die dem von der sozialdemokratischen Presse verbreiteten Gerücht ohne weiteres Glauben geschenkt hatten. Tic Treiberei gegen ihn sei von einem hohen geistlichen Herrn seines Wahlkreises in Szene gefetzt worden; er werde auch gegen dicfen noch Strafantrag stellen. Seine Wähler könnten sich wohl denken, daß ihn dieser Zwischenfall derart ver­bittert habe, daß er mit der Absicht würg ehe, nach Klarstellung der Vorgänge im Gerichtssaale sich überhaupt vom ö f f e n t - lichenLeben zur ü ck z ü ziehen. Ter Wahlkreis Dr. Pfeiffers Kronach-Lichtenfels ist ein sicherer Besitzstand des Zenttums.

Gerichtssaal.

. Kriegsgericht in Offenbach. Der Gefreite R. M. aus Gießen von der 8. Kompagnie des Jnit.-Regts. Nr. 168 ist des K a m e r a d e ° D i eb st a h l s verdächtigt. Einem in der gleichen Stube schlafenden Musketier wurde aus dem ver­schloßenen Spind einen Barbetrag von 50 Mk. entwendet und der Verdacht fiel alsbald aus den Angeklagten, da er in der gleichen Nacht, als das Geld vermißt wurde, ausblieb und sich in zweifel­hafter Gesellschaft herumlneb. Obwohl er sonst keinerlei Mittel hatte, ließ er ein Zwanzigmarkstück wechseln und seine Angabe, daß er das Geld von einem Onkel erhalten habe, stellte sich als unwahr heraus. Er hat weiter einen Geldbetrag, den er bei seinen Kameraden zu einem bestimmten Zwecke gesammelt hat für sich verausgabt, dann hat er, als er den Posten an der Kaserne passierte, verschiedentlich falsche Angaben gemacht. Trotz seines Leugnens gilt er des Diebstahls für über-ührt und wird wegen schweren Diebstahls gegen einen Kameraden, Ungehorsam, Unier- schlaguitg, vorsätzlicher Erstattung falscher dienstlicher Meldungen und unerlaubter Entfernung zu 7 Monaten Gesätignis ver­urteilt und in dte zweite Klasse des Soldatenslandes versetzt.

Russisch-Deutsche Medizinische Gesellschaft zu Berlin. Unter dem Vorsitz der Herren Geheunrat Prof. Dr. E. v. Leyden, Geheimrat Prof. Dr. Bechtereff-St. Petersburg, Prof. Dr. Hildebrand-Berlin hat sich die Russisch-Deutsche Medizinische Gesell­schaft zu Berlin konstituiert, zu deren Vorstand außer den genonnlen Herren Tr. Lipliamsky-Berlin als Schriit'ühier, Tr. Weißbem-Berlin als Schatzmeister, Prof. Tr. Koßmann-Berlin als Bibliothekar, Tr. Hirsch-Kudowa, Dr. Stemsberg-Franzeiishad, Hofral Dr. v. Boustedt als stellvertretender Schriftführer, Schatzmeister resp. Bibliothekar, GeheimratProi.Dr.v.Niehring-Hälle undProi.Tr.Möller-Berlin als Beisitzer gewählt wurden. Tie neue medizinische Gesellschaft, die einen internationalenEharakter tragt, bezweckt dieFörderung der wissenschaft­lichen und kollegialen Beziehungen und einet- innigeren Verbrüderung zwischen den russischen und deutschen Aerzten. Diesem Zweck sollen persönliche Zujammetck ünile, sowie Wanderversammlungen dienen. Die Alitgliedsbeilräge und freiwilligen Spenden sollen zu einem Fonds angesammelt werden, aus welchem eine Bibliothek, em Ambulatorium für unbemittelte russische Kraule, und sobald seine

Höhe es zuläßk, ein russisches Krankenhaus in Berlin sowie ein eigenes Heim für die Gesellschaft errichtet werden sollen. Die Mit­gliederzahl der Gesellschaft beträgt bereits mehrere Hiindert, und es gehören ihr die hervorragendsten Aerzte der drei großen Nachbar­reiche Deutschland, Rnniänd und Oesterreich an. Solche Ver­einigungen tragen am ! i ften zur friedlichen Annäherung der Völker bei und erfüllen eine f uraufgabe von weittragender geschichtlicher Bedeutung.

Kandel.

Die Leitung der Dresdener Bank hat in der am Samstag stattgehabten ordentlichen Generalversammlung sich mit anerkennenswerter Offenheit über die Wirtschaftslage in Deutschland ausgesprochen, ohne jedoch einen allzu pessimistischen Standpunkt zu dem ihrigen zu machen. Die Direktion erklärte, daß die pessimistische Auffassung der wirtschaftlichen Zukunft stark über­trieben war. Es liegen insbesondere für Deutschland keine An­zeichen vor, daß bi; Hochkonjunktur, in der die industriellen Werke über das M Ser normalen Leistungsfähigkeit ihrer nor­malen Anlagen niu- . ,r verfügbaren Arbeitskräfte und teilweise unter unerwünscht starker Anspannung des Geldbedarfs beschäf­tigt waren und noch sind, nunmehr eine Epoche mangelnder Beschäftigung und unzureichender Rentabilität folgen werden. Für zahlreiche Industriezweige, die gerade tvährend der Hochkon­junktur die hohen Preise der Nohmaterialien, die hohen Löhne und die Schwierigkeit der Arbeitsverhältnisfe als nachteilig em­pfunden haben, wird ein mäßiges . ichlassen der Konjunktur sogar,eine gewisse Erleichterung bietM. Tast die Geldversorgung für die besonders großen Ansprüche dieses Quartalstermins sich bisher ohne die befürchteten Zwischenfälle vollzogen hat, eine wirkliche Geldkrisis also nicht eingetreten ist, kann jedenfalls als ein Beweis für die im Kern gesunde Verfassung unserer Wirtschaftslage Angesehen werden.

Von der Börse. Den stürmischen Kursrückgängen mährend der letzten Wochen ist auf manchen Gebieten eine ebenso stürmische Hausse gefolgt. Man kann sich jedoch der Ueberzeugung nicht ver­schließen, daß Maß und Ziel sich damals wie jetzt nicht auf die Wirtschaftslage stützen, resp. in ihr den richtigen Untergrund gesunden haben. Wir vertreten die Meinung, daß in den letzten Wochen die berechtigten Grenzen der Abwärtsbewegung weit über­schritten wurden, sind aber auch der Ansicht, daß für die Wieder- gefunbung des Marktes jede Forcierung nach oben vermieden werden sollte. Es muß dafür gesorgt werden, daß eine allen- fallsige Erleichterung der Geldverhältnisse, für welche gegenwärtig einige Anzeichen vorliegen, durch Uebernahme in der Spekulation nicht gestört wird.

Hausse in Mvntan-Aktien. Mit einer Hausse für Mvntan-Kassapapiere schloß die letzte !Woche des Monat März. Nicht allein die SpMilation, sondern auch das Privatkapital war zu großen Meinungskäufen geneigt Die Aktien des Aren- bergschen Bergwerks gewannen 10, des Stahlwerks Lösch 9, des Meggener Walzwerkes und der Westfälischen Drahtwerke Langen­dreer je 7 Proz., der Rheinisch-Nassauischen Bergwerks- uudHütten- A.-G. 6, des Fassenwalzwerks Mannstädt 5,25, des Eschweiler Walzwerks und des Essener Bergwerksvereins König Wilhelm je 4 Proz. Bemerkenswert ist auch noch die Steigerung der Aktien der Bielefelder Maschinenfabrik Dürkopp um 10 Proz., während man sich auf anderen Gebieten innerhalb engerer Grenzen bewegte.

* Kleine Tageschronik. Ter in London zum Tode ver­urteilte Mörder des Warenhausbesitzers Whiteley, Rayner, wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. In der Nähe von L e l l e (Ungarn) brannte infolge Unvorsichtigkeit des Kutschers ein Stall mit 200 Pferden nieder. Fünf Personen kamen in den Flamm en ums Leben, zahlreiche andere mürben verletzt. Ans dem Wolziger See (Oberspree kenterten am Montag in- fo ge hohen Wellenganges zwei Boote des Berliner Ruderklubs mit acht Ruderern, von denen drei ertranken. In E a n n a t e l l e bet Gtrgenli wurden prähistorische W o h n st ä t l e n aus- gegraben. Alan sand Gesäße, Bruchstücke von Erzjchwertern

und menschliche Skelette. In Genua wurde in der Stro, Kirche eine Petarde entzündet. Es entstand eine Panik. Viele Frauen wurden ohnmächtig. Zwei Anarchisten sind als rnut^ maßliche Täter verbietet wordeit. Ein Wiener Touri st, ist wie ans Gloggnitz .meldet wird, von der Teifels Badestnben- Spitze a b g e ft ü r z; und hat schwere Verletzungen davon getragen. Der Name des Verunglückten ist noch nicht bekannt. Bei Reims (Frankreich) ereignete sich ent E i s e n b a h n u n f a l l, bei dem 15 Personen verletzt wurden, darunter fünf schwer.

gpielplas drr Bereinigten Frankfurter Stcrdttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 3.Avril'):Josef und seine Brüder." Donners, tag den 4. April: Neu einstudiert:Tie Abreise." Hieraus: Z nm er sten Male:Z i e r p tt v p e n." Zum Schluß : Zunt c r ft e n Male:Susanna i m Bade/ Freitag den 5. April geschlossen. Samstag beit 6. April:Tiefland." Sonntag den 7. April, nachmittags halb 4 Uhr:Die Entführung ans dem Serail." Abends 7 Uhr:Carmen." Montag den 8. April, abends halb 8 Uhr:Die luftige Witwe."

Schauspielhaus.

Mittwoch den 3. April*):Robert und Bertram." Donnerstag den 4. April: Gastspiel des Herrn 2L 33a Hermann: Stein unter Steinen." Freitag den 5. April: Gastspiel de? Herrn A. Bassermann:Traumulus." Samstag den 6. Aprtl;Robert und Bertram " Sonntag den 7. Aprtl> nach­mittags halb 4 Uhr:Husareitfieber." Abends 7 Uhr:Die Stützen der Gesellschaft." Montag den 8. April:Dte Journalisten." Dienstag den 9. April: Äa st spiel des Herrn A. Basser, mann: Neu einfiubterf:College Crampton."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Bei fieberhaften Krankheiten: ^nfluetua, Pneumonie etc. bietet ,^useke"-MÄl als gesundheitsgemäße Nahrung eine wirksame UntentÜtzung der Fieberdtät, da es leicht verdaulich ist, kräftig ernährend wirkt und durch seinen Gehalt an Mineralstoffen auch den Appetft anregt.

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