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2.2.1907 Erstes Blatt
 
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LH t)Ier hatte sich In der Wahlzelle, die sich in der Nähe der eatcrbühne befand, ungewöhnlich lange anfgehallen. 9116 er endlich heraustrat, wandle er sich schnurstracks der Türe zu und wollte wieder seiner Wege gehen. 9lls er nun von dem Manne, welcher die Wahlkuvcrls verteilte, aufmerksam gemacht wurde, doch jetzt erst den Stimmzettel mit Umschlag dem Wahlvorsteher zu übergeben, da dämmerte dem schlauen Wähler auf, daß er wohl eine gewaltige Dmumhcit begangen habe. Unter dem Vorwande, den verloren gegangenen Zettel und Umschlag zu suchen, wanderte rt zum zweiten Male in die Wahlzelle, und als man, ob seines laugen Verweilens darin endlich zum rechten sah, konnte man beobachten, wc der gute Mann sich bemühte, das ftnocrt aus dem Souffleur­kasten ^zerauszuziehenl Er hatte, eingedenk dessen, datz die Wahl eine geheime sei, den Souffleurkasten als Wahlurne betrachtet.

Apolitische Tagesschau.

Die Sttchwaiffea.

Die bereit- mitgetcilten Ziffern der Hauvtwahten vom 25. Januar geben, so trocken sonst Zahlen an sich sind, recht interessante Abschlüsse. Vor allem bemerkenswert ist, daß die Sozialdemokraten trotz ihrer effektiven Niederlage noch immer einen Stimmenzuwachs von fast einer viertel Million zu verzeichnen haben. Eine respektable Zahl, deren Bedeutung aber doch insofern nicht überschätzt werden darf, c-ls mehrere bütgcrlid* Parteien einen ähnlichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben; so können die N a t i o n a 11 i b e r a l e n mit einer noch etwas h'ö heren Ziffer aufivartcn, und Konservative und F r e i s i n n i ge haben gleichfalls j e über 200000 Stimmen mehr zu verzeichnen, auch das Zentrum hat um beinahe 4 0 0 0 ck 0 S t i m m c n zugenom - men und betrachtet man die Ziffern vom Standpunkte der Re- gierungsfreunde und -Gegner, so ergibt sich, daß die der letzteren, nämlich der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Polen, sich um ca. 750000 Stimmen vermehrt haben, während für die Negierung ca. LOOOOOStimmen mehr abgegeben nwr> den sind. Nach dieser Einsicht ist das Resultat also so ziemlich das gleiche anders stellt es sich dagegen, wenn man der Sozialdemo­kratie die bürgerlichen Parteien gegenüberstellt, da alLdann der sozialdemokratische Zuwachs von 240 000 Stimmen gegenüber dem- jcnigeii aller bürgerlichen Parteien in Höhe von P/4 Millionen fast gänzlich verschwindet. Gerade in diesem Resultat zeigt sich zur Evidenz, baß die V e r l u st e der Sozialdemokraten durch die stärkere Beteiligung der bürgerlichen Wähler hervo rgerufen worden sind. Erklärlich ist ander- seirs aber auch die nicht unbeträchtliche Zunahme der Zentrums- stimmen. ES ist eine alte Erfahrung, daß nicht der stampf sich gegen eine einzelne Partei richtet, sondern sich gegen eine ein­zelne Partei konzentriert, alle derselben nahestehenoen Elemente wachgerüttelt werden und unter Aufgabe der bisherigen Lässigkeit den Weg zur Wahlurne antreten, dazu kommt auch, baß nächst der Sozialdemolratie das Zentrum am besten organisiert und diszipliniert ist und die Konfession eines der stärksten Bindemittel abgibt, über welches kleinere trennende Momente vollständig ver­gessen werden. Diese Situation ist überaus beachtens luert im Hinblick auf die Stichwahlen und die Regierung scheint dem auch bereits Rechnung zu tragen. Nachdem bisher die Parole lautete:gegen Schwarz und Rot", ertönt nun mit einem Male, nachdem das Zentrum seine Posilion durchaus behauptet hat, in derNordd. 9111g. Ztg." das Losungswort, daß alle bürgerlichen Parteien sich gegenüber der Sozialdemokratie sammeln müßicn. Nachdem die Negierung bisher so stark in die Trompete gestoßen, kann dies leicht den Eindruck erwecken, als wenn bereits wieder zum Rückzug geblasen und schließlich boaj alles beim alten bleiben würde. Allerdings betont die offiziöse Auslassung, daß die Regierung für reaktionäre Maßnahmen nicht zu haben fein werde, aber die mehrfach bezeugte Ungeschicklichkeit kann noch im letzten Momente böse Nackenschläge zur Folge Habern Im übrigen wird die von der Regierung ausgegebene Stichwahlparole kaum allenthalben befolgt werden, wie ja die Wähler zuweilen nicht die von der eigenen Parteileitun g au^egebene Losung beherzigen.

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Die landwirtschaftliche Woche.

9L Berlin, 1. Februar.

Die Anzeichen für das Herannahur derlandwirlschastlichen Wocbe" machen sich bemerkbar. Nach den bereits jetzt vorliegen­den Anmeldungen zu schließen, wird der Besuch der Generalver­sammlung des Bundes der Landwirte und der sonstigen agrarischen Veranstaltungen mindestens so stark werden, wie im letzten Jahre. Die Interessenten sind der Zuversicht, eine Art Wahl- Siegessest begeben zu können, da die koloniale Wahlparole eine in diesem Umfang wohl kaum erwartete Stärkung der für Schutzzollpolitik eintretenden Parteien gezeitigt hat. Werden doch zwei bem Vorstand des Bundes der Landwirte angehörendc Persönlichkeiten höchstwahrscheinlich in den Reichstag zurück- kehrcu. Dr. Oertel, derüberzeugte Interpret bünblerischei Ausck-auungen", gehört allerdings nicht zu diesen. Er ließ sich in seinem früheren und zugleich heimatlichen Wahlkreis nicht wieder aufstellen, obwohl das dortige Mandat fdjon im ersten Wahlgang den Sozialdenrokraten durch die Konservativen ent­rissen wurde. Dafür wird Dr. Eertel, und mit ihm der westpreuß. Agrarierchef v. O l d e n b u r g, in einer Rede vor der bündlerischen Generalversammlung die Fortsetzung des agrarischen Wunschzettels aufrollen. Denn der Sieg des schutzzöllncrischcn Prinzips bei den Wahlen wirkt nicht als eiuschränrend auf die Forderungen der Bündln: man wird int Gegenteil nun erst recht vom Fürsten Bülow verlangen, daß der wirtschaftspolitische Kurs ber alte bleibt

Zu bieser Beziehung finbet berSilvesterorief" nicht ganz den Beifall dn Herren von der Rechten. DieKreuzztg." z. B. nennt es unzutreffend, daßder unbedingt iwiroenoige Schutz ber Landwirtschaft auf ein Jahrzehnt hinaus gesichert" sei. Nur nach oben feien die Einfuhrzölle festgelegt, nach unten können sic jederzeit durch die deutsche Gesetzgebung abgeändert werden, unb eine Gelegenheit bazu böte sich schon beim Abschluß eines Hanbeis- dertrages mit ben Bereinigten Staaten. Die Wahlhülfe seitens ber Liberalen war ben Agrariern reckst, von Berücksichtigung ber liberalen Wünsche, von einer bie bürgerliche Linke einschlicßenben Mehrheitöbilbung aber soll wohl nur in ber Theorie bie Siebe sein. Für bie politisch Praxis wünscht man bas Zentrum toicbcr in ©naben angenommen, über besien Haltung in ber den WahUonslilt begründenden nationalen Frage für die Agrarier bereits GraS gewachsen zu sein scheint

Diegrüne Wock>e" dürfte auch diesmal nickst vorübergehen, ohne eine Kundgebung des Reichskanzlers beim Fest­mahl deS deutschen LanbwirtschastsratS, dieser unter bem Vorsitz des Grasen Sckpverin-Lvwctz stehenden voinchuisten Vertretung des Agrarierturns, der auch Herren vorn Zentrum angehören, allerdings nicht ioUijc der denioli.a.ischen bimjtung Roeren-Erz- berger. Mas Fürst Bülow vor dem LaudwirtschaftSrat barlcgcii wird, dürste von Kolonial- und Weltpolilit ziemlich entfernt, dafür aber vom Erdgeruch ber Heimatpolitik durchzogen fein und somit eine ben Agrariern wohlgeiaitige Ergänzung ocs Silvesterbriefes" bilden. Die im Zirkus Busch sich ucriammeln*

ben Männer ber schwieligen Daucmfaust werben also wohl in bie Lage kommen, sich beruhigten Herzens zu beglückwünschen unb bes Wortes bes Grafen Simburg eingcbenk zu sein:Einen besseren Reichskanzler kann sich bie beutsche La ilbwirt schäft nicht wünschen!"

Deutsche» Reich.

Berlin, 1. ftebr. Ter Kaiser stattete heute dem Reichskanzler einen Besuch ab.

Hamburg, 2. Febr. Die nach dem neuen, den Sozial- bemokralen ungünstigen Wahlgesetz vorgenommonen Wähl'eu zur Bürgerschaft ergaben im Stadlgedict, soweit bisher die Ergebnisse aus 40 Wahlbezirken vorliegen, ein starkes Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen, so daß die Sozialbeuiokraten wohl mindestens in ber gleichen Anzahl in bas Parlament einziehen werben, wenn sie nickst noch ihre Mandate verstärken. In ben Laudbcziiken, wo noch nach bem alten Wahlgesetz gewählt wirb, haben bisher die vereinigten Liberalen gegenüber der Rechten Erfolge erzielt, indem sie mit mehreren Kandidaten in aus- sichtsreicher Stichwahl stehen.

Konstanz, 1. Febr. Ter wegen Versuchs der Ver- leitung zum Meineid zu einjähriger Zuchthausstrafe verurteilte Pfarrer Geufert m Guenbelwangen, dessen eingelegte Revision oom Reichsgericht zurückgewie en worben ist, hat nun nicht ein Gnadengesuch an den Großherzog cingcreicht; dasselbe ist auch von der Pfarigememde Guendel- wannen geschehen.

23u = S.aoe uno e.ano.

Gießen, ben 2. Februar 1907.

Landcsuniversität. Wie wir aus sicherer Quelle hören, findet die 3. Jghrhuudcrtseicr ber LaudeSuniversitäl vom 31. Juli dis 3. August statt. Wir hoffen, in ben nächsten Tagen näheicS über die in Llussicht genommenen Festlichkeiten mitteileu zu können.

V o m Groß Hz gl. Hof. S. K. H. ber Groß- Herzog ist heute 6 Uhr 45 Min. vormittags in Begleitung Oes Flügelabjiitaiiten Liiltmeisler Freiherr v. Mcissenbach ans München wieder in Darmstadt cingetroffeu. Tie Groß- herzoglichen Hcrischciste» haben Ihr Erscheinen bei bem Ball bcs SlaatSmiuislerS Ewald am Samslng zugesagt.

"* Z u m H o f m a r s ch a l l lind Vorstand des Hofinarschall- amis wurde von S. K. H. dem G r h erzog der Rlajor a.D. Reinhold Frhr. von U n g e r u - S t e r n b e r g ernannt,/ der seithet schon die Fuilklionen velsah.

Z u n, A e s u ch e d e r G i o ß h. Herrschaften lucrbcn m ben nächsten Tagen im 9icucn Palais eintvcffen bie Prinzessin Dorothea zu Solms-Lick) und bie Prm- zcffin Elisabeth zu Sto l b erg-Roßl a.

Oberfürsterw ü n s eh e. Der 2. h e s s. K a m in e r gingen 2 Vorstellungen des Verbandes Großh. Hessischer Obersöisler zu, in denen unter eingehender Begründung eine Erhöhung der Vergütung für Pf erd eh a l t un g von 80d Mark auf 1365 Maik und e.ne andere Regelung, bczw. Er­höhung der Bureau kosten-Entschädigung.

^Kolonialdlrektor Dem bürg in Dain stad t. Auf Einladung ber Darmstädter Kolonialgesellschaft und ber Großh. Handllstammer wirb am Montag, vormittags 11 Uhr, un Städtischen Saalbaii Qberstleutnaiit Quade über Snd- ivestasiisa spreche». Es steht zu eiwatifn, baß hierauf der stellv. Kolonialdireklor Wiill. Geheimcrat Temdurg, bei vorher von S. K. H. dem Großherzog empfangen wirb, eine Ansprache hält. Wegen Karlen wolle man sich an Rechts, anwalt Dr. Bopp, Rheinssraße 19, hier, wenden. Tarnen können wegen Platzniangels keinen Zutritt erhalte».

Der frühere ReichstagSabg. Dr. Becker, bet seither in Sprendlingen seinen Wohnsitz hatte, hat nunmehr, wie mir aus Dar m stadt vernehme», seine ärztliche Praxis anfgeßcbe» unb seinen Wohnsitz »ach Berlin verlegt. Ei hat, wie es heißt, die G e s ch ä sts f» h r e r H e 11 e des 'Reichs, verbandes gegen bic So^ialbci» ofratic, dessen Rii- gr»»der cc seiner Zeit war, übernommen, um sich mmuicl)t vollständig bet neuen politische» Tätigkeit zu luibmen.

* Tie Aulageiiiiisik fällt morgen Souiliag aus. 72 * Lanb »vlrtsch. Institut. In seiner Freitags-

sitzung ve» handelte ber Finanzausschuß bet 2. Kainuier nut bet Regierung säst ausschließlich über ben Antrag K ö hler - Hirs chel zu Kap. 36, Lanbesuniverfität 5. Snnb- wirtschaft, woselbst noch für 1 Assistenten, für Feldversuche rc. 1550 srir 1 Gärtner und Kulturaufsehcr 750 L"aU unb für Unlerhaltung eines Versuchsgutes für verglcicheu. den Caatcn-Sorlen-Anban auf wissenschaitlicher Grundlage 8000 Riark verlangt werden. Ter Tlusschuß entschied sich dahi», daß diese Mittel für 1907 emS dem D isp os l t l os- sonds cnlnommc», vom nächsten Jahr ab aber im Etat eingestellt werben solle».

Mainz, 1. Febr. Auf Antrag be» Oberbürgermeisters Dr. Götlelmann wurden in der heutigen Sitzung derSladtverord- n c t e n 0 e r i a m m 1 u n g für bie Opfer bes Grube n-U n - g 1 ü ck s auf der Grube 91 c b c n im Saarrevier 2000 Mk. bewilligt. Lhiie Debatte würbe bie Stünbigung beS Oberarztes bes stäbtifchen Hospitals Dr. Schi ff mach er angenommen unb beschlossen, bic Stelle mir einem Gehalt von 5000 Mk. öffentlich auszuschreiben. Auf Antiag bes Stabtv. I. Falk würbe ferner beschlofsen, bem Änlrage von 141 Metzgermeistern, ben Labens chluß an den Wochentagen um 81/« Uhr abends an-uordnen, zu ent­sprechen, und dein Verein zur Wahrung der Rheinfchiffahrts- iiitercffen beizutreten. Für die Erbauung eines neuen Schul- hauscs an der Eolmarstraße, das am 1. Oft. 1008 vollendet sein soll, ivurdeir 672 000 Mk. und für die Wiederherstellung bcs Kurh. Schlosses zur Berwenbung in ber ziveiten Bauperiobe 147 000 Mk. bewilligt Ein außetorbentl. Kreistag bes Kreises Mainz beschloß einstimmig, ber Eingemeinbung Marn­bachs i n M a i n z zuzustimmen. (Frkf. Ztg.)

k Friebberg, 2. Febr. Unter Mitw.rtnng des Großh. KreiSarnts unb Großh. Kultilrinspcktion Hal sich dieser Tage nuiunchr bet Verband bet Ortsgruppe B bei Gtnppenwassei Versorgung Bad-9t anheim, beim die Gciucindc» Rieder - Florstadt, Affenheim, Osscnheiui, 'Reichelsheim, Staden, Bingenheim und Leidhecken augehöre», entgiltig konstituiert. Tie Arbeite» und Lieferungen wcibcn in Kurze von der Kulturinjpclllon Friedberg zllt Vergebung ausgeschrieben werben.

h. Frankflirt a. M., 1. Febr. Tie gesirige Kon- sroulalion des Rechtsamvalts Haii, der beschuldigt wirb, icine Schwiegermutter, btc Fran Rlalitar, in Baden-Badcil erschossen zu haben, mit einer Reihe von Zeugen, ergab kein

absolut sicheres Nefultar. Ein Teil der Zeugen er- kannte Hau wieder, andere dagegen nicht. Hau gab u. a. zu, de» falschen Bart in Bestelllmg gegeben zu haben, bestritt aber aufs entschiedenste, Frau Molitor erschosien zir haben. Ter Hund eines in der Bockcnheimer Anlage patrouillierenden Schutzmannes stöberte im Gebüsch vergangene Nacht eine halberfrorene Frauensperson auf. Die Frau, eine Schneiderin aus der Darmstädter Landstraße war vor kurzem aus der Ittenanstalt entlassen worden. Sie wurde von neuem dorthin gebracht.

Gießener Strafkammer.

y Gießen, 1. Februar 1907.

Ein hoffnungsvoller Junge.

Die Straftchttmer verhinderte gegen den 13jährigeN Schulet M. H. von Alsfeld wegen einet Reihe von ihm erübter Betrügereien mit Urkundenfälschung und Diebstahls. Im vorigen Winter kam et zu der Frau eines Sattlers zu Alsmd, die et bat, ihm für seinen Vater, der in Altenburg Bahnwärter ist, fünf Mark zu leihe,r. Er zeigte einen mit bem Namen seines Vaters unterschriebenen Zettel vor, nach bessen Inhalt bieser in Geldverlegenheit sei, da er sein Gehalt noch nicht erhalten habe. Im Vertrauen auf bie Mäßigkeit bieser Angaben, würbe ihm bas Gelb verabsolgt. Auf gleiche Weise erschwinbclte er im Frahjah-r bei einem Kaufmann ben Betrag von 6 Mark, indem er einen angeblich von seiner 'Kutter gefdjricbcnen Zettel vorzeigte, nach treffen Inhalt seine Mutter verreisen wolle, eS ihr aber an Geld seh.e, da deS 95ater3 Ge­halt noch nicht ausbezatzlt wäre. Tie Bedenken gegen die Richtigkeit der Angaben wußte er in dem Kausmaun zu zernreuen, sodaß dieser, da er angab, er dürfe ohne Ge.d nickst nach Hause tommen, ihm daS Geld verabfolgte. Bei einem andern ftaujmann erschien er ebenfalls mit einem Zettel, inhaltlich dessen sein Vater um 10 Mark bat, falls es ihni aber nickst passe, möge er iljm doch 7 Mart geben, da er in 'Jbjt sei^u.r) ec.te Sa)uld abzutragen habe, tüe spätestens am andern Tag beguchen sein muß; für lebe Mark zahle er zehn Pfennige Zinsen. Kurz zuvor war ber Junge »regen feiner Strastatcn vor Dem Amtsanioalt ver­antwortlich vernommen worden und auch ber Kaufmann hatte gehört,baß er sich Unreblichtecken habe zu ichuiden kommen lauen. Auf Vorbehalt bestritt er bie Schwinbeleien verübt zu haben, bock; ber Kaufmann traute ihm nicht uiid wies ihn ab. Am andern Tag erschien er wieder bei ihm mit einem Bries angeblich von l'eiiicm Vater, in bem er bie Bckte um das Darlehn wiederholte, da bie Zahlungsfrist um 4 Uhr nad,nmiitag3 ablaufe. Die am Tag zuvor geäußerten Bedenken seien hinsäUig, da bas Gerücht, batz sein Svl).i Unredlichkeiten begangen habe, lunwuhr sei. Er tarne am nämiidren Abend noch zu ih.lt und werbe ihn ausklären: Kinber .Ixie solches tun, habe er nicht. Falls bem Jungen bas Gelb nicht behänbigt würbe, sei er sein SUinbe am Langiien ge­wesen. Der Kaujmann gab thin bas Gelb unb ging mit ben Briejen in eine Wirtschast, wo er so,ort er,uhr, bag er angeführt ist, ba bem Wirt baSselbe passiert war. Bei bicsern hatte er, unter ber unwahren Angabe, sein Vater müsse eine Rechnung bezahlen, 6 'Hiart erhalten, bas zweite Mal hatte er ihm vor- gespiegelt, 11er Vater müsse auswärts zu einer Beerbigung und ocnüuge 7 iülart, aus der Rückreise bekomme er sein Geld auS- bezahlr hinb werde dann alles begleickien. Als er eines Tages jür ferne Ettern Wur>t holen sollte, Täifa)te er einen Beitellzettcl und nahm auf Rechnung eines anderen 5tunden, außer der Wurp ,ür seine Ettern noch lueitere 6 Pfund mit, ohne ctwaS zu be­zahlen. Voai dem erhaltenen Geide versck/asste er sich Brötck>en unb verzehrte diese mit b.r Wurst in Gemeinschaft mit seinen Kameraden. Bei einem Bäcker entließ er int Verlaufe eines Vierteljuh.es unter falschen Angaben nach und nach üoer 20 Mark und in Hop,garten bestahl er einen Bahnwärter, bei dem er zu Besuch war, um 30 Mark. Bei seiner Ruckkunst schwindelte er einem Kleiberhändler einen Anzug ab unb gab zu Hause an, sein Pctte habe ihn b.esen nach Hopigarten geschickt. Weiter bt- kündete ein Stau,mann, daß er von ih.n um zwei Jagbivesten unb drei SportmiGen geprellt worben ist. Zn Hause gab et an, die Sachen seien ihm gescpentt loordcn. Auch bei seinen Eltern hat er sich Unterschlagungen zu Schulben kommen lassen, bie allerdings mangel Strafantrags nicht unter Anllage gestellt wurden. Es enuecite den Anschein, als seien noch mehr Stras- Ucken vorhanden, bie unberücksichtigt bleiben mußten. . Nach Aus­sage seines Lehrers ist er einer br beitöegabtesten Schüler, bet i'.lierbings, ba er trotz Ver.varnung sich uieitere (Straftaten zu schulben iommen lieg, aus der Schule verwiesen werben mußte. In bin Augen seiner Lehrer unb Geistlichen suchte er recht harm­los zu erscheinen, dagegen hat er bici'e hinter ihrem Rücken in nicht wicderzugebenbec Weste beschimpit. Soweit ih.n b.e <c.txa'v tuten liachgewissen wurden, war er gestänbig, er will nicht ge­wußt h^den, bag sein Verhalten strafbar fei. Er will von älteren Jungen zu seinen Taten durch Drohungen veranlaßt worden leüt, was sich aber als uirwohr erwies. Fest steht, daß er das Geld auf Kiroaveihen unb aitbercn Gelegenheiten mit Käme» toben verjubelt hat. Nach seiner Geistesreise hat er bic zur Erkenntnis Der Strasbarreit seiner HanDlungen cr,orberlichc Ein­sicht befe|ien, was au» Der Art und Weise |einet BerteiDiguiig geichloisen werben mußte; auch Die Form, in weicher leuie Vnefr geholten waren, ließen auf hohe Intelligenz schließen. Nur info« rucit Urkunbenscüfchungen in betracht tarnen, hatte das Gerickst Zweifel, da er angab, er habe geglaubt, er dürfe un Namen seines Baiers bie Briese anicrtl.geu. Eine ausorückttche Frei­er echung bezügttch die,er Punkte hatte nicht zu erfolgen, Da ne mit ben Bttrugerettn einheitlich zusammentreffen. Es rour« b.n f r Ire cin.el en Fälle ctr sen von 5 Tage bis za 4 Wochen angesetzt iimb biefe auf eine öJciaintittafe von 2 Monaten che! ängnis rebuzikrt.

(DrißinabDrat^ttncldiingcn-

9L. Tur m i-.avt, ueo.. oum qChi rmborftanb der freisinnigen Volkspartei in Berlin sind Bei­träge zu ben D-ahlkösten ber naiionallibcralcn Kandibaturen Osann in 2arm|iabc und Haas in Bensheim-Erbach geleistet iDoriren. Daraus geht hervor, daß es der freisinnigen Partei­leitung Ernit ist mit der Aufforoerimg an bie hiesigen Ver­einigten Liberalen, in ber Stichivahl jür Osann euijutrelcn.

Berlin, 2. Feor. Ueber eine allgemeine Erhöhung der Beauitennehä 1 ter wurde in bei Budgctlommissivn des preußischen AbgeorbnetenHauses bei der ibcratur.gi Des Berget-tS vethaiwelt. In drr vollbesetzten Kammer herrschte Einstimmigkeit Darüber, daß eine generelle Regulierung Der B> amtengehätt^r unb auch eine Revision bet Beschlüste des JahreS 18Ü< über die Beaintengehälter in Anbetracht bei allgemeinen Preissteigerung statt,iniren müsse. Der Bergetat würbe üi Ein- nahmen unb Ausgaben bewilligt, woraus sich bie ztommisiion viS zum 7. b. 9JL vertagte.

Berlin, 2. Feire. itblotiialbireftor Dornburg hat einer Einlabung ber uutgtLänbücIjeii Jnbusttietteu solgenb zugcsagt, nächste Woche in Reichenbach einen Vortrag übet bie Ziele der beuiirfjen KvlonialpOlitik zu hatten. Die Zahl ber durch die Glätte Ver u n g l ua te n ist ungeheuer groß. Allein bie Unfallstation vom Roten Kreuz mußte 131 Personen Hütte ge­währen, welche Bein-, Arm- und Kop,ocrietzungen erlitten hatten. Der neue Krankentransport bes Verbanbs |ür erste Hülse konnte mit seinen 40 Pferden ben Ansprüchen kaum genügen. In mehr als GU Fällen mutzten sckpvcr Verletzte unb Ertrantte nach ben Hospitälern besöid.rt werben.

St. Johann, 2. jeur. 93on ben unter bem Bruch ver­schütteten Toten tonnten alle bis auf brei geborgen werben. Sie luieScn Sämtlich fnichtoare Vcrstummeiungen und Verkohlnngen auf, konnten aber von ben Angehörigen an ben Kleidungsiiückcn erkannt werben.

Paris, 2. Febr. Der Chauffeur König Eduarbs verhaltet, wen bas von ihm geneuerte königliche A u i o - mobil keine Nummer trug unb ber Ehau,,eur leine ^--ociij besaß. Nachdem leboch bic Zbelttität des Verha|lcten^ie|t- genellt wordcn lüar,*a>urüe er wieber auf freien Futz gefetzt.