Ausgabe 
17.1.1907 Erstes Blatt
 
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keil und der Trc^ Machtpolitik zu allgemeiner Gelang gelangt und hat Herz und Sinn unseres Volkes vergiftet. Müssen wir es doch augenblicklich wieder in Braunschweig sehen, daß der angestammte rechtmäßige Herr und Fürst dieses Landes von dem ihm nach deutschem Fürsten- und Volksrechte zu­stehenden Throne serngehalten wird. . . Müssen wir es doch im Osten des Deutschen Reiches erleben, daß unseren Pol- Nischen M i t b ü r g er n, feierlichsten Versprechungen zu­wider, der Gebrauch ihrer Muttersprache beschränkt uni> im Widerspruch zu den Grunbsätzen aller Kirchengemeinschaften selbst im Religionsunlerrici''t vcrivehrt werden soll.

De«t?che» Reich.

Berlin, 16. Jan. Der Kaiser hatte heute eine Be­sprechung mit dem Reichskanzler und dein Staatssekretär des Auswärtigen, empfing iin Königlichen Schloß den Bildhauer Professor Uphues, welcher eine Büste Friedrichs des Großen zeigte, und hörte den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Um 12 x/3 Uhr empfing der Kaiser den Admiral v. Ccnden- Bibran und eine Deputation von Marine-Offizieren. Die Deputation überreichte in Gegenwart des Kaisers dem Admiral v. Senden em Geschenk.

Eine Rede, die Fürst Bülow bei dem von den, kolonialpolitischen Aktions-Komitee für den nächsten Samstag geplanten Mahl halten wird, soll zusammen mit dem Bericht über die Bechandliingen des kolonial- politischen Aktions-Koinitees in vielen Tausenden von Exem­plaren über ganz Deutschland verbreitet werden. Außerdem wird das Komitee einen Führer für die Kolonial-Politik herauSgeben, der von verschiedenen Gelehrten bearbeitet wird.

Kolonialdirektor Dernburg wird auch in Stuttgart einen Vortrag über Kolonialpolitit halten. Gouverneur von Lindequist wird in Hamburg, Dresden und Berlin über Kolonialfcagen sprechen.

Erzberger tjat angeblich auf Wunsch vieler Wähler im Kreise Hamm-Soest gegen Professor Berndt wegen Aeußerungen, die derselbe in der nationalliberalen Wähler- Versammlung in Hamm über ihn machte (er halte ihn den .Kolonialstänker* genannt), die Beleidigungsklage angestrengt.

Die Frage der Schiffahrtsabgaben hofft die preußische Regierung ohne Mitwirkung des Bundesrates auf dem Wege der Verhandlungen mit den Bundesstaaten lösen zu können. Ueber die Rheinschiffahrts-Abgaben ist mit allen beteiligten Staaten, mit Ausnahme von Baden, eine Ver­ständigung erzielt. Mit den Elbestaaten wird demnächst in Verhandlungen eingetreten werden.

Gnesen, 16. Jan. Heute fand im hiesigen erzbischöflichen Palais die Vorschlagswahl für die Besetzung des erz- bischöflich en Stuhles Posen-Gnesen statt. An derselben beteiligten sich 20 Domherren. Wie verlautet, werden der Negierung sechs Kandidaten vorgeschlagen werden, an erster Stelle Weihbischof Dr. LitowSki-Posen, ferner Domherr Kloske-Gnesen und Domherr Jendzik-Posen.

Wilhelmshaven, 16. Jan. Der Kaiser hat ver­fügt, daß die nach Ländern und Provinzen be­nannten Schiffe von den Mannschaften besetzt werden sollen, die aus diesen Ländern und Provinzen ge­bürtig sind.

SüdweftafritanischeS.

Die .Nordd. Allgem. Ztg.' veröffentlicht einen Artikel gegen Erzberger, in dem es u. a. heißt:

Die beiden Brüder Francois, sagt E., halten gesagt, daß der Reichstag es gar nicht verantworten tonne, wenn er mehr als 2500 Soldaten dortlassen würde. Sodann sind allerdings alle er­örterten Gründe, alle Gutachten der kolonialen und militärischen Sachverständigen, alle Aufstellungen der verantwortlichen Männer, des Gouverneurs und des Kommandeurs, widerlegt, wenn die beiden Brüder Francois, die vor Jahren in der Kolonie waren, dies gesagt haben! General Leutwern, der doch vor nicht langer Zeit Südwestairika erst verlassen hat, getraut sich jedenfalls nicht, zu beurteilen, wie viel Truppen vorn 1. April ab erforderlich sind. Dazu, so erklärt er, müßte ich zuerst selbst nach Südwestafrika reisen. Wir wollen gar nicht weiter prüfen, ob die Brüder Francois die angeführte Aeußernnq wirklich getan haben, und in welchem Zusammenhang und ob sie anfangs Dezember wirklich dem ganzen Lande gegenüber hätten die Verpslichlung übernehmen wollen, den Ausstaiid mit diesen Mitteln sicher und unbedingt zu beendigen und danerhait friedliche Zustände in der gesamten Kolonie zu schassen; freilich ist hierbei nie vonSoldaten" die Rede. Was weiter noch erforderlich sei, könne durch die wesentlich billigeren Polizeisoldaten geleistet werden. Der Polizeisoldat koste im Jähre 4000, ein Mairn der Schutztruppe aber 10 0U0 Alk. Selbst wenn man für 1907 8000 Alaun m Südwestasrika belasse darunter aber nur 2500 Mann der Schutztrnppe und 5300 Polizeisoldaten, so erspare das Reich in einem Jahre 33 Millionen Mark! Diese 2500 Soldaien habe aber das Zentrum ja bewilligen wollen. Anch das ist zivar em offenes, aber keinwahres" Wort, Herr Erzberger. So lange der Krieg dauert, macht es feinen wesentlichen Unterschied, ob man die uii Felde stehenoen Mannschaften Soldaten oder Polizeisoldaten nennt. Ihre Verpflegung, ihre Unterknnst, ihre Bekleidung, ihre Aus­rüstung und ihre Beivasfmmg kosten so ziemlich dasselbe, ihr Munitionsverbrauch, ihre Pferde und der ganze Apparat ihres Transportwesens siiid ebenso teuer. Tas braucht gar nicht erst bc« wiesen zu werden. Wann hat daS Zentrum einen sachverständig begründeten, genauen Vorschlag gemacht, daß für das Transport- wesen, dre technische Arbeiten, für Wegebauten u. s. w. Polizei- truppen verwendet werden? Wann hat es den Beweis erbracht, daß eine erst jetzt auszustellenbe Polizeitruppe von 5500 Manu in der Lage sein werde, noch in diesem Feldzüge rechtzeitig das ge­samte Transportwesen u>id die technischen Arbeiten zu übernehmen? Jetzt handelt es sich darum, den Aufstand niederzmverien. Tie Errichtung einer Polizeitruppe ist eine Frage, die dann erst beant­wortet werden kann. Im Tezemder, noch mitten in der Zeit des Ausstandes, konnte sie nicht erledigt werden.

Em Telegramm aus Wtndhuk meldet: Feldgeistlicher Divisionspsarrer Dr. Hermann Jse ke am 14. Januar im Feldlazarett Kalkfontcin-Süd an Herzschiväche gestorden.

parlaincnturifctyc*»

Berlin, 16. Jan. Die Budgetlommissiondes Ab­geordnetenhauses beriet den Iustizetat. Hinsichtlich der Vermehrung der N i ch t e r ft e 11 e n erklärt der Justiz- Minister, man habe sich in mäßigen Grenzen gehalten, well die Frage der erhöhten Zuständigkeit für die Amts­gerichte zurzeit erörtert werde, durch die eine weitere Enllastung der Oberlandesgerichte und der Landgerichte herbeigesuhrt werde Die Abänderung der TtSziplinarg.schc jur richterliche und n.cht- richterliche Aeamte würden erwogen. Die Klage darüber daß Beamte zu spät an leitende Sterten kämen, sei gegenstandslos Der Minister spricht sich gegen d.r Einführung deS englischen GerichtSverjahrenS auS. Be-uguc., der T ienstalterSstnfen hält der Minister bie GchaltSordu.il .> den DienstalterSstuien für die Richter für die bessere Form

Neues (ine NuKland.

Sn Petersburg ist eS oec r,.o.> . i gelungen, gegen siebzig Terroristen in den verschiedenen lab UCt.ai zu verhaften, die, wie

ans den bei ihnen beschlagnahmten Papieren zu schließen ist, unter den Arbeitern einen bewaffneten Aufstand und einen Ueberfall aufdieStaatsbank vorbereiteten. Wäh­rend der Abwesenheit des größten Teils der Truppen von Peters­burg bei Gelegenheit der Wasserweche in Zarskoje Sselo sollte eine allgemeine Verwirrung und der Ausstand inszeniert werden. Trotz der zahlreichen Verhaftungen sind sehr wichtige Revolutio­näre entkommen.

In Minsk wurde der Kommandeur des Artillerie-Parks, Oberstleutnant B j e l a w i n z o w auf der Straße von zwei Männern durch Revolverschüsse ermordet. Beide Täler ent­kamen.

In Odessa explodierte auf dem DampfschiffGrego- rius Merck" eine Höllenmaschine und riß ein Loch in die Schiffswand. Das ist binnen kurzem der zweite Versuch, Dieses Schiff zu zerstören.

In L u g a n s k (Dep. Jekaterineslaw) verwundete und ent­waffnete eine Gruppe von Sträflingen einen Aufseher und ver­suchte, aus dem Gefängnis auSznbrechen. Die herbeigeeilte Wache t öt e t e zwei Sträflinge und brachte dreien derselben schwere Ver­letzungen bei; die übrigen wurden zurückgetrieben.

Ans SraSt unO» Land.

Gießen, den 17. Januar 1907.

** Vom Großh. Hofe. Ter zweite H o f b a l l am Mittwoch, der in den herrsch mit Rosen, Vellchen, Alpenveilchen, Flieder usw. geschmückten Räumen des alten Palais stattfand, begann, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, nach 8 Uhr mit dem Eintreffen des Grobherzogspaares. Besonders waren diesmal die Mitglieder der standesherrlichen Familien ge­laden. Man bemerkte u. a. Prinz und Prinzessin Wilhelm von Sachsen-Weimar, den Prinzen Franz Josef von Battenberg und Gemahlin, welche von ihrem Weihnachtsbefuch bei dem Prinzen­paar Heinrich aus Kiel wieder zurückgekehrt sind, Prinz Victor zu Jscnburg-Virstein, Fürst und Fürstin zu Jsenburg-Birstein, Fürst und Fürstin zu Leiningen, Fürst und Fürstin zu Solms-Lich, Prinzessin Dorothea zu Solms-Lich rc. Es wurden getanzt: 3 Walzer, 2 Francaise, 1 Lancier, 1 Tischwalzer und 1 Blumen-- walzcr Die Musik stellte die Kapelle des Garde-Drag.-Regts. Nr. 23. Um 10Vi Uhr wurde ein Menü zu 6 Gängen einge­nommen, wobei das GroßherzogSpaar mit nächster Umgebung in den Markgrafenzimmern Platz genommen hatten. Tas Großh. Paar beteiligte sich wiederholt an den Tänzen. Das Fest nahm um l1/» Uhr sein Ende. Morgen Donnerstag um 1 Uhr wird im Neuen Palais im Anschluß an den Hofball eine Tafel zu 50 Gedecken stattfinden, zu der n. d.Darmst. Ztg." die zum Hofball erschienenen standesherrlichen Herrschaslen geladen sind. I. K. H. der G r o ß h c r z o g und die Groß Herzogin werden sich am Freitag mit Heinern Gefolge zu einem kurzen Besuch der Großh. Badischen Herrschaften nach Karls- ruhe begeben. Die Abfahrt erfolgt vormittags, die Rückkehr gegen 6 Uhr nachmittags.

" 3 u m Sladtt Heater-Neu bau. Die Theater- Ban-Kommission beschloß gestern Nachmittag die Bühnen- dckoralion zum größten Teil vom Professor Lüdkemeyer in Kobnrg hcrslcllen zu lassen. Ein kleinerer Teil wurde an die Firma Franz Gruber u. Co. in Hamburg und an das SUetier Falt in Berlin vergeben. Die Lieferung muß bis spätesleitZ am 1. Juli d. I. erfolgen. Die für die Dekorattonen aufzuwendende Summe beträgt 42 000 Mk. Tie Cchreiuerarbeiten wurden den Gießener Meistern Wilh. Müller, E. H. Müller, Beil und Schäfer sowie an Kaspar Müller in Großen-Auseck übertragen. Die Marmorarbeiten wurden der Firma Lickerhoff und Neu­mann in Wetzlar zugeschlagen. In der nächsten Woche wird die in Frankfurt a. 2JL hergestellte in Kupfer getriebene Mittelgruppc hier eintreffen, die ihren Standort auf der Hanptfacade des Theaterbaues erhalten soll.

** Aus Anlaß seines 25jährigen Dienst- j u b i l ä u m s wurden dem Vorsteher des hiesigen Polizei­meldeamtes Ludwig Sier am Dienstag verschiedene Ehrungen zu teil. Früh, noch vor Tagesanbruch verkündigte ein Mnsikstänbchcn, daß der Ehrentag angebrochen. Sein Amts­zimmer empfing ihn blumengeschmückt. Deputationen brachten ihre Glück- und Segenswünsche, so der Verein städtischer Beamten und die Beamten des Großh. PotizeiamtS. Abends fand in dem Saale des .Löwen" eine Feier statt. Ehrende Ansprachen des Vorgesetzten und der als Gäste erschienenen Freunde leiteten die Feier ein, die durch Musik, Vorträge und Gesänge gewürzt war und glänzend verlief. Dec Tag zeigte so recht, daß Herr Sier sich großer Beliebt­heit zli erfreuen hat.

** Freifahrt karten für die Abgeordneten. Im Finanzausschuß der zweiten Kammer wurde bei der Beratung des Kapitels L a n d st ä n d e wiederholt und dringend angeregt, daß die hessische Regierung bei dem Eiscnbahnministerium Schritte tue, damit den Landtagsabgeordneten während der Session von ihrem Heimatsort aus nach Darmstadt Freifahrlkarten gewährt werden.

** Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat in seiner MiltwochS-Sitzung den Rest des Justizetars und die noch unerledigt gewesenen Teile des Vermögensetats durchberaten. Damit ist die erste (vorläufige) Lesung des Staatshaushaltsetat zum Absckchuß gebracht; nur die Beratung über den Antrag Köhler- Hirschel, betr. das lairdw. Institut der Landesuniversität steht rwch aus. Ter Finanzausschuß wird heute sofort in die gemeinsame Beratung des Etats mit der Regierung einrrcten. In dec nächsten Woche sollen der Reichstagswahlen wegen nicht, wie üblich, 4, sondern nur 2 Ausschußsitzimgcn abgehalten werden.

** Der internationale Bund der landwirtsch. Genossenschaften ist am 1. Januar d. I. ins Leben getreten. Ihm gehören die landwirtschaftlichen Genossenschaften von Deutsch­land, Oesterreich, Italien und der Schweiz, im ganzen etwa 24 000 Genossenschaften, an. Der erste Bm-drstag toiro im Mai in Wien gelegentlich des internationalen landiowtschastrichen Kongresses stattfinden. Den Bundesvorstand bilde-'. Generalamralt Haas- Darmstadt, Generalanwalt Freiherr v. Stvrck-Wien. Abgeordneter Professor Faineri-Piaeenza und Nationalrat Jenny-Bern. Da Geh. Rcgierungsrat Haas zum Bmrdesvorsitzenden gewählt wurde, ist der Sitz des Bundes in Darmstadt.

** D ie StaatSoei träge an bedürftigen Ge­meinden z u den Kosten der Wasserleitungen, die früher jährlich 50 000 Mk. betrugen und im letzten Jahre im Voranschlag ursprünglich gar nicht vorgesehen waren und erst in der Kammer mit 20 000 Mk. eingestellt wurden, sollen nach dem Voranschlag der Negierung künftig ganz in Forlsall kommen. Dem­gegenüber beantragen die Abgg. Dr. W.e b e r und Brauer im Interesse der ärmeren im Vogelsberg und Odenwald liegenden Ge­meinden, die bis jetzt noch keine Wasserleitung besitzen, den srühcr stets vorgesehenen Lc..ag von 50000 Mk. auch diesmal wieder cinzustcllen.

D ie Vi seuchen nehmen üi unserer Provinz fort­gesetzt ab. Tie Schw eines euche (Schweinepest) herrscht nur uoü) in Osiheim, Nieder-llsclchach, Wahlen und Oberbreitenbach, der Schi ; n e r o 11 a u t in Gießen, Watzenborn, Birklar, Ranstadt,

Stcinftirt, Ober-Morls, Zahmen und Holzmühl, der Rausch, brand in Büches und Oberseemen, der Milzbrand in Daucruheim und die Schafräude in Angenrod.

# Klein-Linden, 16. Jan. Die vor kurzem hier gc- grünbete Vereinigung für Volksbildung wird nächsten Samstagabend ihren ersten Unlerhaltungsabend abhalten. Re;st- amtmann Schäfer-Gießen hält einen Vortrag überTie Hexenprozesse in der Wetterau". Gleichzeitig mit der Vereinigung ist auch eine Volksbibliothek begründet worden, die bereits über ca. 90 Bände verfügt. Die Gemeinde hat hierzu in an- crtennenSluerfer Weise einen Jahresbeitrag bewilligt. Der Rhcin- Main-Verband überwies der Bibliothek eine größere Anzahl von Büchern.

HHolzheim, 16. Jan. Ein neues Eisensteinberg - . werk wurde hier eröffnet, nachdem fdjon längere Zeit mit bestem Erfolg geschürft worden war. DaS Ereignis wird von der Be- , völkerung mit Freuden begrüßt. Unser Schul hausneubau ist im Ikvhbau vollendet; demnächst werden die Arbeiten zum inneren Ausbau vergeben. Die Einweihung des Gebäudes soll im Herbst erfolgen.

cp Dorf-Gill bei Lich, 16. Jan. Ein höchst tragische j Geschick traf die Famille des Landwirts und Schmieds Sam cs. I Ter einzige Sohn, der seit Herbst in Cuxhaven bei der I Marine-Artillerie diente, starb dort an einer Lungen- 1 entzündung. Am Sonntag fand die Beerdigung des Verstorbenen unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Gemeinde und deZ Kriegervereins statt. Der erst 21 Jahre alte Sames war die | einzige Stütze und Hoffnung seiner Ellern, deren herbes Geschick allseitige Teilnahme findet.

-u- Ufingen, 16. Jan. Unsere Stadt entwickelt sich zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Haben doch in diesen I Tagen die Erdarbeiten der schon lange geplanten Bahn U s i n - 1 gen-Weilrnünster begonnen. Tic neue Strecke ist nur als Mittelglied an der Durchgangsstrecke Frankfurt-Weilburg anzu- \ sehen, zumal die Linie Weilmünster-Weilburg schon vor nahem 20 Jahren erbaut wurde. Der Kreistag hat für die Bahn nicht das obere Weiltal, sondern das Wiesbachtal ausgewählt. Tie interessierten Ortschaften tragen zu den Baukosten 100 000 Mk. B bei und stellen den Grund unb Boden kostenlos zur Verfügung, l Die neue Linie berührt die Orte Wilhelmsdorf, Hundstadt, Gräven­wiesbach,'.lstabt und Audenschmiede. Mit ihrer Volltndung^ wird auch die fahrende Landpost durch das Weiltal zur Ein­st c l l u n g Io m m e n.

vermischte».

Berlin, 16. Jan. Rach den bisherigen ErmittelungenAf ist ber Umfang ber bucch ben Bankier Ph >.lippSb orn ausgeüöten Veruntreuungen größer als nach den ersten jjlelbungeii verlautete. PhilippSdorn hat nicht nur bie Depots seiner Kunden angegriffen, sondern and) erhebliche Geld- ' betrage mehreren ihm anvertrauten Kaffen entnommen. Ec verwaltete als Schatzmeister bie Kasse einer Aktiengesellschaft für Bauwesen, bet deren Revision schon einige Tage vor ber Verhaftung bes Philippsbvrn ein Fehlbetrag in Höhe von 19000 Mk. ermittelt würbe. Ebenso würbe eine bebeutenbe Differenz bei bem Barbestaube ber ebenfalls von bem Bankier verwalteten 5lasse eines Wohltätigkeits-Unternehmens fesl- geslellt. Die Verluste, welche bie Kunben Philippsdorns erlitten haben, bürften sich auf weit über 100000 Mk. bc* siffern. Heute brachte ber wohnungslose Arbeiter Friede. Schatz seiner von ihm getrennt lebenden Frau Wilhelmine mit einem Messer tödliche Stiche in den Unterleib und Rücken bei. Schon vor ihrer (Sinliefcrimg in das Krankenhaus erlog die Frau ihren Verletzungen. Dec Mörder rourbe verhaftet.

* Kleine Tagcs ron > . In der vergangenen Nacht b r a cf) ans der Irren an staltDallbork der L n ft mürber Gravowskt aus, ber tm September 1903 feine Ehefrau et» morbet hat, unb als gemeiugAährlicher Geisteskranker m der Irrenanstalt untergebracht ivotbcn war. In Berlin wurden zwei Arbeiter bet der Reparatur eines Hosbrimnens verfchültet unb von der Feuerwehr tot heiausgezogcn, wobei ein Feuerwehrmann nachstnrzte aber gereuet wurde. In Partenstein (linier« tranken) stürzte von einem Personenzuge der Bremser Knebert an4 Würzburg über bie 12 Mtr. hohe Brücke in bie Lohrbach und wurde als verstümmelte Leiche aus dem Wasser gezogen. In R i o d e Janeiro hat ein furchtbarer Brand Vas deutsche Gesaiib- I ch a f t s h o t e l zerstört. Eämilickie Archive verbrannten. Tas Personal rettete nur mühsam fein Leben. Auf offener Strafe wuröe der Rechtsanwalt Nols in Lüttich erschojsen. Sie Tat wurde begangen von dem Wemhändler Nenberbnrger, dem er bie Verlängerung des Zahlungstermines abjdjliig. Der Mörder wurde verhaltet. In Vullendorf (Elsaß) wurde auf zwei , Männer, einen Stellmacher und einen Fuhrmann, aus dem Ticucht geichossen, wobei der Fuhrmann tot liegen blieb und der Stellmacher lebensgefährlich verletzt wurde. Tie Mörder sind zwei Wilddiebe die vorher mit den Erichossenen in einem Wirtshaus einen Streit hatten. Ein heftiger Znklon hat ans den Inseln Lette unb Sama r im chinesischen Meere große Verhee- vungen angerichtet. Unter anberem wurde auf ber letzteren Insel V das Oifizterskasino zerstört. Man spricht von mehreren bun- H dert To l en und Verletzten. Weitere Einzelheiten fehlen nod).j

Handel und verkehr, volkswirtichaft.

Stäbteanleiheu. Auf bie neue 4 proz. Mainzer Stadi-M aiileche wurden fünf- Gebote abgegeben, davon das höchste nut 100,8/ Proz. trau einer Gruppe, die sich aus ben Bankhäusern Mendelssohn u. Co., Berlin, Säamberger u. Co. in Mainz, L. u. D C. Wertheimer in Frankfurt a. 9Jä unb bcc Deutschen C)iclieii- und Wechseibank zusammensetzt. Wie aus Gnescn geschrieben I, wird, bat die St- dt eine Submission aus eine 4 proz. Gnesencr Stadta.ileche im Betrage von 512 Mill. Mk. ausgeschrieben. Die Banken unb Bankhäuser sind ausgesordert, bis zum 2L d. Offerten abzugebew

Märkte.

Ie. F r a n k f u r t a. M., 17. Jan. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der bentigen Viebmarkl- p reife. Zum Verkaufe stauben: 30 Ochfeu, 2 aus Ociterreich 12 Bullen, 0 aus Oesterreich, 52 Kühe, Fersen, Stiere und ckiinder 0 aus Rumänien, 712 Kälber, 177 Schafe unb Hammel, 8 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schallämmer. Bezahlt yuxbe niv das Pfund Schlachtgeivicht: Ochjen 1. Qualität 8u83 9)1 L, 2. Qualität 7274 All., 3. Qiialitä'r 6265 Mk.; Bullen 1. Qual. 7275, 2. Qual. 7072; Kühe 1. Qualität 7476 M., 2. Qual. 7072 9)1 k^ 3. Qual. 6062 Mk., 4. Qual. Ou00 iiff i 5. CuaL .OO00 9)lf. Kälber 1. Qual. 102104 Pfg., Lebendgewicht i 6162 Pfg., 2. Qualität 85-91 Psg., Lebend:,ewicht 50-55 P'g-, I Schlachtgew. 0000 Pfg.; Schale; 1. Qual. 788u Pfg., 2. Quäl. | 0000 Pfg. Geschält bei Horuviet) ichleppend, Ueberftcmö bedeuten), bei Kleinvieh flott, fern Ucbei|imiö.

timburg a. d. L., 16. Jan. Fruchtmarkt. Turch* schnittspreiie pro Alalter. dloter Weizen (Nassauischer) 15.00 'M, weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 12.30 M., Gerste 10.85 'l'lf, | Ha'cr 8.35 Mk. Erbsen 0.00 SDlt^ Kartoffeln u.00 Alk.

Kirchhain, 15. Jan. Auf bem heutigen diesjährigen ersten B i e h m a r k t waren über 700 Stück Riiiboieh ausgetrieben. Der Handel ging flott. Der © d> to c i n e m a r U war mit 75J 2tuck befahren. Kleine Ferkel kostetet'. 2530 Mr unb Läufer 60110 Mk. pro Paar, je nach Größe unb Qualität

Gerichte?aal»

bo sen , 16. Jan. Die Wir...eau Therese S ulski aus Wola-Wamposla hat Wegen aiigcblidjer Atißhanbluug ih.es .Lohnes ben dorllgen Lehrer in Gegenwart sämt.t.cher Scyulkitider

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