Ausgabe 
16.4.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 88

T>ie Heutige Kummer umfaßt 10 Heiien-

ert^dnt tv-Nch mit Ausnahme deS SorattogS.

Di««iehener ZamlllenblStter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kretiblotl für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erschemt monatlich einmal.

Die Mädchenschulreform vor dem Preußischen Abgeordnetenhaus Berlin, 15. April.

lange hmausgejchoben wird.

Die Zusammenkunft des Königs Eduard mit dem König Viktor Emanuel

ist nach der römischen Presse die natürlichste Sache von der Welt, eine Höflichkeit, die nicht umgangen werden konnte. Bereits vor Wochen soll das Programm dieser Begegnung festgelegt sein, so wird heute gemeldet. Trifft das zu, dann ist das GeheimmS vorzüglich gewahrt worden. Ob Tlltom in Rapallo dem Fürsten Bülow das bevorstehende Ereignis niitgeteilt hat, mag dahingestellt sein. König Eduard Hai die Begegnung in 21 n reg ring gebracht. Das steht fest und daS beweist auch zur Genüge, daß die Begegnung eine polt- tische Bedeutung besitzt. König Eduard ist zu prakti,ch ver­anlagt, um ,zum Vergnügen" oder in strenger Beachtung deS Zeremoniells solche Zusammenkünfte herbeizuführen. England und Italien sind im Laufe der letzten Fahre durch die Kunst der Diplomaten in London und Paris so eng zusammen­gebracht morden, daß dem König von England nur übrig bleibt, seinen Segen diesem Teile seines LebenSwerkes zu spenden. Daß cS am 18. 2lpril in Gaeta nicht zu Abmach, ungen kommen wird, läßt sich schon glauben. Es ist bereits alles von England für wünschenswert Gehaltene abgemacht und in gehöriger Form besiegelt. Unsere Staatsmänner ivissen vielleicht einiges davon, schwerlich aber alles und das Wichtigste.

politiicbc Lagesdcharr.

Tie neuen Anleihen.

-tt- Berlin, 15. April.

Wie aus Finanzkreisen verlautet, sind die Verhandlungen der Großbanken mit dem Schatzamt und dem preußischen Finanzministerium wegen des neuen AnleihcgejchästS dem Abschluß nahe. Beide Emissionen sollen zusammen min­desten« denselben Umfang erreichen, wie die um die gleiche Zeit des Vorjahres erfolgten, die sich für das Reich auf 2 60 Millionen und für Preußen aus 3OO Millionen beliefen. Es darf wohl angenommen werden, daß auch^ dies, mal die Form dec fundierten Anleihe und nicht der Schatz, scheine gewählt wird, denn da man sich über den 4pcozeniigen Zinsfuß bereits verständigt hat eine notwendige Kon. sequenz der Geldoerhältmsse, so ist die glatte Unterbringung beider Anleihen zu erwarten. Durch die letzte Katastrophe auf dem Markt der Tividendenpapiere sind viele Sparer dem Erwerb festverzinslicher Fonds geneigt gemacht worden und es werden wahrscheinlich bedeutende Beträge der neuen vier- prozentigen Renten zur Eintragung ins Staatsschuldbuch zwecks dauernder Kapitalfestlegung angemeldet werden. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint eS aber wünschenswert, daß die Umwandlung der neuen Anleihe in 3V,prozentige möglichst

Ventdchrs ReLch.

Bückeburg, 15. April. Heute nachmittag traf der Kaiser mit Gefolge vom Schießplatz bei Meppen hier ein zur Feier der silbernen Hochzeit des lippischen Fürst en paares. Um 8 Uhr abends folgten die Herr- chasten einer Einladung des Magistrats der Residenzstadt zu emem Festabend im Stadttheater, welches dem neuen Rat- hause angegliedert ist. Im schönen, in Weiß und Gold ge­haltenen Theatersaal füllten die Bürger mit ihren Manien das Parkett, die Ehrengäste den Balkon. Tas fürstliche Orchester spielte Webers Jubel-Ouverture. Hierauf hielt der Bürgermeister von Bückeburg Dr. Külz eine Ansprache und chloß nut einem Hoch auf das Silberpaar. Es folgte die Fürstenhymne, vorgetragen von einem gemischten Ehor, dann Richard Wagners Kaisermarjch. Ten Schluß machte der Einakter ,Zum Einsiedler", gespielt von Mitgliedern des Theaters in Hannover. Danach nahmen die Fürstlichkeiten vom Balkon des Schlaffes einen Fackelzug der Bürger Bücke» burgS und Stadthagens Schulen entgegen. Ter Bürger­meister Ocker von Stadthagen brachte ein Hoch auf das Fürsten­paar aus. Fürst Georg dankte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.

Berlin, 15. April. Der Vorbereitungsausschuß für den Gegenbesuch englischer Journalisten teilt u. a. mit: Tie Gastfreundschaft, welche eine Anzahl deutscher Redakteure im vorigen Sommer in England gefunden haben, soll nun- mehr erwidert werden. Es bildete sich zu diesem Zweck em großer Ausschuß, welchem der Herzog von Trachenberg, Fürst von Hatzfeldt, Franz von Mendelssohn und Redakteur Friedrich Dernbilrg präsidieren. Einladungen sind ergangen an etwa 70 englische Blätter, deren Interesse für den Besuch als gesichert betrachtet werden darf. Der Norddeutsche Lloyd wird einen Sonderdampfer nach Dover senden, wo am 26. Mai tue Abfahrt der englischen Herren erfolgt. Die Reise, welche auf 12 Tage berechnet ist, geht von Bremen über Hamburg nach Berlin, wo em Aufenthalt von 21/, Tagen vorgesehen ift, von da nach Tresden, München, Frankfurt und Köln, wo der offizielle Teil der Fahrt (einen Abschluß findet.

Die MemmingerscheNeue Bayerische Landeszkg." schreibt mit echt bajuvarischer Ungeschminktheit:

Tie 21 n t i | e m 11 e h sind in ihrer Zersptuterung die echten deutschen Simpel und Gimpel. Statt Daß die Führer über Heine Meinungsverschiedenheiten hinweg und nur aui ihre deutsch- nationale Ausgabe sehen, jpeyen sie sich wie bel'ernde Fuden gegen­seitig ms Gesicht und zerkratzen sich zum Gaudrum aller Deutjch-

roerben. Der dunkelste Punkt in einem Gymnasium ei der Unterricht im Deutsche n. .

Kultusminister Tr. v. Studt erklärt, die allgemeine xebatte habe mannigfache Anregungen gegeben, er danke dafür namens der UnterrichtSverwaltung. . .

Abg. Tr. Eckel (nl.) fordert einheitliche Festlegung deS

Ein ^öiegierungSkominissar erwidert, daß sorgfältige Erwä- gungen darüber stattfändeu, ob es möglich sei, den OstertermiN einheitlich festzulegen. _

Rotationsdruck und Serlag der vr üblich« UnwersUätS - Buch- und 6tetnbrutfetei.

Si. Sange, Dietzen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Vcknü- stratze 7. Expeditton und Oertag bl. Redaktion:«^ 112. teL-Slbu.AnHeigerGietzen.

Arg. Raab (Wirtsch. Vgg.) erwidert auf die früheren Aus- führungen Semlers über die Hamburger Arbeiterverhaltniste. Die Reeder seien so ziemlich die rückstanoigste Gefelffchaff im Vmer- lande, was die Sozialpclirik betreffe. Sre verweigerten den Offizieren, was sie keinem 2lrbciter verweigern. Redner halt seine früheren Ausführungen in dieser Sache aufrecht; er in­formiere sich nicht einseitig. Ter hervorragende Sozialpolitik^ Baltin habe die Kapitäne und Offiziere hvaist unsozialpolitrsch behandelt vom sozialpolitischen Ärbcitgeoerstandeaus.

Hierauf folgen persönliche Bemerkungen. Der Abg. Stadt­hagen, der sich gegen die von Dirckfen ihm zugefprocheiiLN G<> treidespest'.lationen und Aufstellung von Liquidationen wendet und dieselben feige Verdächtigungen nennt, erhalt vom Praiidenten einen Ordnungsruf. Es folgen weitere perionliche Bemerkungen.

Nächste Sitzung Dienstag: Fortsetzung.

Tie Beratung deS SultuSetatS wird fortgesetzt bei der all­gemeinen Besprechung über die höheren.Lehr an ft alten.

Kultusminister Dr. v. Studt erklärt über die geplante Reform der höheren Mädchenschulen: Schon am 23. und 24. Januar b Js. ist hierüber eine -sachverftändigen-Konferenz gehört nzorben, die den Plänen der Verwaltung zu stimmte. Im Leyrplan soll auf die Verstandesbildung mehr Gewicht gelegt werden durch größere Betonung der Grammatik und der Mathematik. Tie Fwrtbildungsanstalten sollen sich direkt an bie Lehrpläne der höheren Lehranstalten anschlietzen. Im Ly­zeum soll Hauswirtschaftslehre und Ainderfur. sorge gelehrt werden. Das sind neue llntercichtsgsgenstunde für die Mädchen. Am Schlüsse des vierten Jahres solle die Ab­schlußprüfung stattfinden. Eine neue Prüfungsordnung solle den Lehrgang der Lehrerinnen abschließen. Eine Erleichterung für die Universitätsbildung habe nicht gegeben werden Sännen. Tie Regierung hoffe damit m der Frage der Madchen- erziehuug einen guten Schritt vorwärts gekommen zu sein.

Abg. v. HeYdebrand (k.) bemerkt, seine politischen freunde wollten gern den Frauen eine höhere Bildung ermöglichen, es dürfe aber nicht vergessen werden, daß die Ausbildung der Frauen auch nach anderer Richtung als der wissenschaftlich en notig fei. 2er Minister habe im allgemeinen Umrissen gesagt, was Die Staatsregierung wolle, ohne daß man dadurch ein klares, um­fassendes Bild hat erhalten können. Der Minister habe sich wohl einige Reserve auflegen müssen, die Abgeordneten haben die Pflicht, klar zu sauen, sie vollen. Das sei keine Parteisache, da kömiten Konservative und Freisinnige zusammen arbeiten, .cacy Den Worten des Ministers handelt es sich um euren Au,oau, dem man Symputhie entgegenbringeu kann. Er habe aoer nicht ge­hört, welckw Stellung die Lehrerinnen an diesen Anstalten ein- nehmen sollten, allewings dürfen auch männliche Lehrkräfte Nicht fehlen. Vielleicht würde eS sich empfehlen, die Leitung solcher Anstalten in Frau en Hände zu legen. Grundsätzlich wurden aber, wenn sie mit Freudigkeit wirken sollen, die Lehrerinnen an solchen Anstalten den männlichen Lehrkräften gleichgestellt wer­den müssen. Getrennt von den Lyzeen müßten die Studien­anstalten bleiben, damit die Mädchen nicht vom Lyzeum dem Studium zugeführt werden. Daran müsse festgehallsn weroen, daß die frauenniäßige Lkusblldung nicht vernachlässigt werden dürfe. Denn die Absichten des Ministers erreicht würden, so würde das von großem Segen für unser Voll werden können.

Abg. Tr. Dittrich (Ztr.) hat den Eindruck, daß die vom Minister entwickelle Reform den Anforderungen entspreche, die auch seine Fraktion an die Ausbildung der Mädchen stellen müsse. Die Fran solle einmal erzogen werden zur Hausfrau und als Gehilfin des Mannes und dünn zur Erzieherin der Kinder.

Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff erwidert, über die Einzelheiten der Reform könne er keine spezielle Auskunft geben, da das Staatsministerium noch keinen Beschluß gefaßt habe. Zu­nächst sollte das Lyzeum nach der Ansicht des Ministers an ine schon vorhandenen Seminare angeschlossen werden, da inan hier schon über geeignete Lehrkräfte verfüge. Dann handle es sich um Diejenigen Mädchen, die zur Universität übergehen wollten. Diese solllen besondere Dienstanstalten besuchen, die sich ebenfalls an die höheren Äiädchenschulen anschließen. Die Regierung hoffe, . daß diese Reform dem Baterlaiide zum Segen gereichen werde. > Abg Ramdohr (nl.) schließt sich namens seiner Fraktwn : im ganzen den Ausführungen des Ministers und seines Kvmmmars , an, wenn auch in Einzelheiten sich seine Freunde Freiheit vorbe- ' hallen müßten. Redner geht hierauf auf die höheren Lehranstalten un allgemeinen ein. An unseren humanistischen Gymnasien müsse auf die Naturwissenschaft mehr Wert gelegt werden. Die Reformgymnasien hallen sich bisher gut be-

Stumm als größten Sozialpolllller hinzustellen: er habe, nichts weiter gewollt als den Ausbau des PairiarchalismuS m der Sozialpolitik, bei dem es eine persönliche Freiheit Mr den Arbeiter nicht gebe. Für eine solche Sozialpolitik dankten die 2lrbeller. Sie wollen den Ausbau des Koalitionsrechts. Die ^ttaibeftim- mungen müssen auch auf die Unternehmer ausg^ehnt werden, die den Arbeitern die Koalitionsfreiheit rauben. Den TerroriSmus bekämpfc seine Partei, von welcher Seite er auch komme. Wenn es nicht zu einer großen nationalen Arbeiterorganyation komme, bann werden die Erfolge des Reühsverb^ndes gegen bie Sozial­demokratie einen Scheinerfolg zeitigen. Also etwas mehr Luft und Bewegungsfreiheit für die Arb:uerorgani,atwnen. Der Bun- desrat muß eine großzügige Sozmlpolit'k treiben. (Beifall tm

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 15. Aprll 19uc

Tm Bundesratstische Graf P o s a d o w S k Y. B 3n der sortgesetzten Beratung des Etats des Re ich Samts Des ^^Abg.^Fo^n (Soz.) aus: Mit dem Verlauf der bisherigen Debatten könne niemand zufriedener sein als die SojialbetrwEratt:, denn diese Debatten hätten ihr unschätzbare Waffen gegeben. - Die Unzufriedenheit der Arbellerschaft sei nicht auf bie Agitation der Sozialdemokratie zurückzuführen, sondern aus die unzulängliche soziatpolitischc Fürsorge, die die bürgerlichen Parteien den Ar- bcllern zuteil weckten lassen. In der Glasinduftrie z. B. wurden die Arbeiter vielfach enllassen und auf fchwnrzL Liften g^dt, well sie sozialdemokratisch organisiert seien 2wch fehle eine An­ordnung, welche die Arbeitszell in den Glashütten eiNichrankL. Redner befürwortet sodcnrn eine Resolution, in welck-er-für die Arbeiter in den Glashütten die Beschräiikung der Arbeits,chicht auf 8 Stwiden und die Sonntagsruhe verlangt wird. , Auch müsse eine Verordnung erlassen werden, durch welche m dm Glashütten geeignete Schutzvorrichtungen an den Gmsosen zu tcesjcn sind, die ber Starblldung bei den Blasern und ^Schmelzern entgegenwirken. Die Mchtarbell müsse vollständig verboten

^^Abg. v. Dircks en (Rchspt.): Die Flut von sozialpolitischen Resolutionen, welche auf den neuen Reichstag Herniedargegangen ist, beweise, daß der neue Reichstag mit sozialpolitischem Del gesalbt sei wie keiner seiner Vorgänger. R^mer möchte aoer davor warnen, beim Verfolgen der sozmlpolitffchen Aroeit zuviel Rücksicht auf die Sozialdemokratie zu nehmen. Man muffe viel­mehr ohne Rücksicht aus die extreme Partei Vorgehen, der man es doch nie recht mache. 2luf einem sozialdemokratischen Kongretz fei z. B. sckwu die Forderung des 6stündigen Arbeitstages er­hoben worden. Seine Partei sei bereit, getreu dem Programm

Abg. v. Stumm im weitesten Umfange an der Ausdehnung oc5 Arbellerschutzes mitzuarbeiten. Aber auch den MMelstand dürfe mau dabei nicht vergessen, der mindestens ebenfo des Schutzes bedürfe als die 2lrb eit erschaff. Das ReicySamt des Innern sei sicher nicht schuld au dein langsamen Tempo, da muffe fragen, ob auch nicht der Reichstag etwas schuld yabe.

febai Ideale des Abg. Naumann würden niemals erreicht werden. Die Sozialpolitik dürfe man nicht von der Bogelperspellive aus betrachten. Die prattffche Ausführung liege auf einem anderen Gebiet. Die Sonntagsruhe in Stadt und Land wolle ferne Partei weiter außbelineu, jedoch nicht mit zu großer Strenge. Die Ermitt­lungen betreffend die Einführung der Sonntagsruhe im )oinnen» schiffahrtsgewerbe bitte er möglichst zu beschleunigen. Der Schaffung eines Reichs^rbeitscmtteS stehe er sehr sympathifch gegen» über, ebenso dem Befähigungsnachweis unü der Sicherung der Bau- forderungen. Der Mittclsrandsbewegmig und der Handwerter­frage stehe seine Partei ebenfalls sehr ffeundlich gegenüber. Auch die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs halte sie für etne spruchreife Materie. Redner tritt dann der Behauptung der ^ozial- Demoereile, betreffend die angebliche hohe Befoldung der Ange- stelllen des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemo­kratie entgegen und verliest eine Lkufftellung über bu von derr Sozialdemokaten in den Konsumvereinen bezahlten Gehaller. Schon Bismarck habe die Stellung eiiies sozialdemokratischen Agi­tators für einträglich erklärt. Redner polemifiert bann auf Grund einiger gegen ihn gerichteter Artikel desVorwärts" gegen den Abgeordneten Bebel, dem er rate, sich nicht Stadthagen zum Nöustcr zu nehmen, der wohl in Getreidespekulationen und der Duffteilung von Liquidationen als Muster gelten könne, nicht aber in gutem Tone. Redner führt bann weiter aus, wenn bad Koalltwnsrecht verlangt werde, bann müsse auch mit der Staatsgewalt gegen den von der Sozialdemokratie geübten Kvalllionszwang und gegen den sonstigen Terrorismus oorgegangen werden; selbst den wrper- lichen Zwang und Mißhandlungen gegenüber anders Denkenden verabscheuten die Sozialdemokraten nicht. (Großer Lchrm links.) Zuni Schütze der Arbellswilligen strebe seine Partei gefetzliche Maßnahmen an. Redner schließt mit dem Wunsche, bau Po,a- dowsky die Erfüllmig seines Programms und die erfolgreiche Bekämpfung der Auswüchse der Sozialdemokratie erleben möge. (Lebhafter Beifall rechts.) ..... f,.. <.

Staats,eirelar Gra, PosadowSkh entart, jtber verständige Mensch werde den Terrorismus gegen Arbeitswillige verurteilen. Es sei auch schwer da vorzugehen, well weder ein Kläger noej weniger ein Zeuge vorhanden sei. So zerrinnen die Sachen oft unter den Fingern. (Bei den Sozialdemokraten: Weil an der Sache nichts dran ist!) Nein, meine Herren, well die Betroffenen nicht den Mut haben, die Klage einzureichen) und well der Zeuge nicht wage, Zeugnis abzulegen. (Sehr richtig! rechts.) So liege es tatsächlich. Neue gesetzliche Maßnahmen würden wahncyeinlich an der Sachlage nicht viel ändern. Der Schutz der Arbeits­wütigen könne nur gewährleistet werden auf Grund des allgemein geltenden und gegen jeden anwendbaren Strafgesetzbuches. Es sei zu erwägen, ob man die darin enthaltene Bestimmung, falls sie wirklich, was er beziveisle, nicht ausreiche, bei der bevor- flehendcn tiiCDiiion des Strafgesetzbuches korrigieren und scharfer fafien wolle. Es habe vielleicht einige auf der Grenzlinie liegende Fälle, die durch die jetzigen Strafbestimmungen nicht betronen würden. Allgemein aber fehle es nur an dem ZufammNilchlutz der Geschädigten zum Zwecke der Inanspruchnahme des Schutzes durch Staatsamvaltschaff und Polizeibehörde. Jiöetfall. >

Abg. Potthofs (Frs. 23g.) meint, ine ^ozialpoutik muffe möglichst wenig vom PaneiiNteresfe getrieben werden. Pie Stanfill über die Sage der Privatbeamten gebe kein klares Bild, da nur bie organisierten Angestellten befragt wurden, nicht aber die Ge­samtheit. Den angelünbigten Schutz gegen den unlauteren Wett­bewerb begrüße seine Partei mit Genugtuung. Die Konkurrenz- tlaufel müsse beseitigt werden. Bezüglich des Hamburger Hafen- arbeiterstreits sei die Haltung der Reeder insofern zu bedauern, als die Angefiellren mit Gewalt in die Arme der extremen

Partei getrieben worden seien.

Abg. Dr. Funk Mall.) erörtert bie Resolution des Abg. Raabe bett, die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, .^m Interesse des Mittelstandes würde es liegen, Ausverkäufe über­haupt zu verbieten und bei schwindelhaften Ausverkäufen auf tirrei- Hells strafen zu erkennen. Das Verfammlungs-^ und. Vereinsrecht begrüße seine Partei freudig, es müsse aber dafür gesorgt werden, daß der kleinliche Parteigeist nicht ^wieder hineinkomme und dieses Gesetz eine Fassung bekomme, wie das der RechtSfähigreit der Berufsvereine. Die Gesetzgeburrg zur Wahrung ber Stoa» litionsfreiheit müsse erroeitert werden, insbesondere durch Aende- rung des § 153 der Gewerbeordnung. Zu befürworten fei die Refolution betreffend die Errichtung eines Reichsarbeitsamts. Reoner erörtert alsdann die Schiffahrtsabgaben. Die Verhand­lungen in den einzelnen Bundesstaaten über diese Fragen wirkten sonderbar. Die deutschen Ströme müssen frei bleiben; die Schisf- sahrtsabgaben widersprechen der Verfassung. . ,

2lbg. Götz v. Olenhusen (Ztr.) beschwert sich über bie Maßreglung eines Beamten über seine Tätigkeit bei den letzten Wahlen.

21bg. Schiffer (Ztr.) führt aus: Ter Reichskanzler und eine noch höhere Stelle scheine durch die letzten Wahlen xu der Er­kenntnis gekommen zu sein, daß eine starte Förderung ber Sozial­politik notwendig sei. Falsch sei es. Den verstorbenen Frhr. non

Zwettes Blatt LS7. Jahrgang Dienstag 1«. Aprrl W07

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Dderheffen

^Inzwischen ift ein Antrag des Abg. Dr. Arendt (L) em- gegangen, die Regierung zu ersuchen, die Einrichtung bezw. Um­wandlung höherer Schulen mit gemeinsamem Unterbau (Re­form s ch u 1 e n) auch bei den Staatsschulen möglichst zu fordern.

Gehlmrat Köpke erwidert, bei den sogenannten Reform- schnlen handele es sich nicht bloß um eine Umwandlung, sondern um die Zahl der Schüler. Auf d:n griechischen Unterricht ganz zu verzichten und dafür englischen Unterricht einzufülfren, durfte nicht möglich sein. Der Zweck des humanistischen Gymnafmms würde dann nicht erreicht werden.

Abg. Eickhoff (frs. Vor.) Degrußt bie Reform deS höheren Mädchenschulwesens. Er sei der Ansicht, daß an den Mädchen­schulen Frauen a.uefj als Leiterinnen angestellt werden. Neben den Gehältern der Oberlehrer müssen auch die der Direktoren

Abg. Dr. Arendt (K.) schließt sich der Krllll der, Madchen- schulreform dem Abg. v. Heydebrandt an Die Reform,chuler hätten eine praktische Bedeutung namentlich auch deshalb, well Die Entscheidung über den späteren Beruf in em ,pater es Lebens­jahr neugi werde. Deshalb wünsche er, daß die Staatsregrerung Die Reformschulen mit gemeinsamen Unterbau mehr forDcre.

Abg v Kessel (k.) ertlärt, Der größte Tell ferner Partei werde gegen den Antrag ArenDt stimmen. Es sollte mit den Nclornucyulen nur ein Versuch gemacht werden und die,e Ber,uche icieu noch nicht geschlossen. Den Lehrern;;: Die Aro.. -e^:gtett erhalten werden. Deshalb ho,se er aucy, bay L- -- üen Antrag auf Erhöhung Der Letzrergehä...r

annchuien. Auch muffe der L e h r e r m e tz r e n t r a .. e: ioexDen. Fn den oberen Klassen konnten die latein i, cheu ^runden zugunsten de- deutsche Unuterri«ts gekürzt