Donnerstag 14, Februar 1907
157.^asirgnng
Zweites Blatt
Nr. 88
Kom Sozialismus in Hnglauv.
AoiouiatjKaudal vor Kericht.
ch M Vöries AÄSL tn (M ti“3- erb.
txl^dni täglich mU Ausnahme bei Sonntag».
De „eifücntr Zamlllendlätter" werden dem otermal wöchentlich beigelegt, daS 'Krtliblfltl |ür den Ureli •leben“ groeimal wöcheuilrch. Ter „hefstfche Landwirt" erscheint monatlich euiniaL
kozialdemokrallscht Logik.
In dem tlufiuf der ßentiale der Sozialdemokraten wurde folgende kühne Behauptung oufgcfleUl:
Ter Liberalismus Hal tiofllot adgefchnitten. Tai war narb feiner Wohliatiit voiauszufehen. Ter Viberali^mu« hat duru) eigene» Verjchuiden feine Zutunil verloren.'
So eiwafl wagt man zu jagen, trotz dec Tatsache, bau die liberalen Parteien um 6UÜ UUO Stimmen, davon saft die Hälfte zugunsten der nalionallibetalen Partei — zugenommen haben.
Tann wirb gewettert barüber, baß Liberale, Agrarier unb Junker unterstützt hätten. Tie Verfasser haben dabei geflissentlich übersehen, daß sie kurz vorher bei Fesislelluua der Tatsache, daß DaS Zentrum nicht nur ferne frühere Stellung behauptet, sondern sogar die Zahl seiner MauDate vermehrt hat, zugegeben haben, daß dieser Zentrumtzerfolg zum Teil nm Hülse der Sozialdemokraten errungen worden fei. Es steht ferner fest, daß die Sozialdemokraten Bauernbündler gegen iueit links stehende Liberale unterstützt haben!!
Äoiaiionibrud unb Verlag bet Br üblichen Universität» - Buch- und Steinbrudeteu R. Lange, Gießen.
der Lcbcnstaliqkeit deS Efseklenmarkles drohen, sind so offen- kundig, daß sich die Negierung schließlich der Pflicht, du- bessernde Hand an das Unglüdög^'etz zu legen, nicht inehr entziehen konnte. Liner durchgreifenden, die ärgsten Mängel deS Gesetzes beseitigenden Reform stand freilich biß- der daS Widerstreben der bürsenfeindlichen parlam. Mehrheit entgegen. So wollte man wenigstens das möglichste tun, um dem Börsenhandel die Rechtssicherheit soweit wicderzu. geben, daß die gröbsten Verstöße gegen Treue unb Glauben mntangeballen wurden. AuS diesem Bestreben wurde di» Novelle geboren, die dem alten Reichstage am 19. Februa» 1904 vorgelegt wurde. Allem eS blieb beim guten Willen, da der unerwartete SeffiouSfchlusi im Mai 1905 die in bei Nommisswn arg ocrunlialtcte Regierungsvorlage im OrluS versch'vmden ließ. Tie im Herbst vorigen Jahres dem Reichs, tag erneut zugegangene Vorlage ließ von dem alten Re- gierungSentwurf nicht mehr viel übrig, sondern basierte auf den Lommiffionsbejchlüffen der handelösemdlichen Parlaments, mehrheit, die den Termmhandet in Getreide und Riuhlen- iabnfalen nach wie vor ausschalteten, daS Zeitgeschäft in Juduslrieaklien weiter inhibierten und daS Börfenregister bei- bereiten. Die Reform beschränkte sich m der Hauptsache aus die schärfere Spezialisierung der Personen, die den Lisjecenz- emtvanb erheben können, und die Zeit, innerhalb deren die Anfechtung etfolgcn darf. DaS tvac nicht viel, aber für die bescheiden geworbene Börse immerhin genug, um das baldige Zustandikonnnen des RejormgesetzeS zu ersehnen. Leider Hai die am 18. Dezember v. IS. erfolgte Auslösung deS Reichs- tage- diese Hoffnung wieder zunichte gemacht. Tie Börje uiiiß sich in Sachen der Börsengefetzrefoim weiter in Geduld ,affen, und die Zusammensetzung des neuen RetchSlageS ist überdies nicht dazu angetan, die Aussichten, die sich dem Reformwert öffnen, m sonderlich gün,tiger Beleuchtung zu zeigen.
Redaktion, ttjpebuion und Truderet: ftraue 7. Ezpedllion und Vertag: Redaktion:118. Tel.-Adr^ AiizeigerGießen.
l Lis.
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politische Lagesicha«.
Reform der Borfellgesetzzebllag.
Wie einer unserer Berliner Mitarbeiter von zuverlässiger Seite erfährt, wird auch der neue Reichstag sich in der nächsten Session mit der Reform der Börsengesetzgebung zu beschäftigen haben. Bekanntlich wird eine Reformierung dec gegenwärtig bestehenden Börjengesetzgebiing von Interessenten der deutschen Börje seit langem angestrebt.
Wir haben Grund zu der Annahme, so schreibt man unS aus Berlin, daß bic verbündeten Regierungen diese» Bestrebungen zilrzcit nicht unsympathisch gegenüber stehen.
Tas Geschäft am Berliner Effekten markt i|t feit Jahr und Tag einer VersiiNipfitng anheungesallen, die dos einst blühende Spekulationsfeld zur iinfruchtbaren E-.node gewandelt und bte tonangebende Berliner Börje auS ihrer internationalen Großinachtliellnng herausgedrängt hat. Tas, an dieser verhängnisvollen Entwickelung die ungluckfel ge Börsengejetzgebilng die Hauptschuld trägt, deren Oc1^^6' lähmeiidec Triiek die FunksiouSläiigkett der deutschen Börsen völlig desorganisierte, darüber kann heute kaum mehr em Zweifel bestehen. Hat die Unterbindung des Zeilgeichäil- in Bergwerk» und Jndnstriepapieren diesem börsenseindlichen besetz em kennzeichnendes Gepräge gegeben und die große Spekulation ganz naturgemäß ins Hinterland getrieben^ so hat der Mangel jedes Rechtsschutzes der börsenmäßtgen Ter- raingeschäfte und die durch ihn bedingte Untergrabung von Treu und Glatiben, die durch die reichsgesetzliche Anerkennung ie§ Tisferenzeinwandes herbeigeführt wurde, vollends dazu leigetiagcn, die deutschen Börsen ihrer einstigen Bedeutung imb ihrer Widerstandskiast zu berauben. Tre jchivereti rvittichaftltchcn Gefahren, die nicht nur dem Bankier nande, lonbern der allgemeinen VolkSwirtschast aus dieser Schwächung
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für iviierhefjen
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el in J wirt.
Man schreibt un8:
Die er,reutrchste Erscheinung deS 2o. Januar, den die ^sozial- bevrolralie „Tag der Abrechnung" bezeichnete, ist bic Zatfady, daß die sozialbemolratische Partei vielerorts einen Siüdqcng oder wenigstens einen Stillstand ausweist. Ho,fen wir, baß befc toi; ■idlunfl sich verallgemeinert, daß die Zahl der Gläubigen an bas üuaiigclium der Sozialdemokratie nometUich in filrbeitcrtrenen ftetifl abnimmt. Freilich ist unserem Volke eine Neigung zum Doktrinarismus eigen, unb die os.enkund gsten gegen eme Theorie Krechenden Tatsachen sind aar manchmal nicht imstande, eine emgewurzelte Theorie über den Hausen zu werfen Dem mehr praktisch gerichteten Sinn her toiglänber allein itt es zu ver- danken, daß bie Sozialdemokratie in England nicht |o um. sich »earifsen hat wie bei unS; denn eS ist unbestreitbar, baß in Liuo aus soziale staatlicye Einrichtungen England weit hinter unS zurüllsteht, ja daß un englischen Volk, selbst in weit linksstehenden Ä reifen, eine -roße Abneiguns.....
könnte, baß er die Lesfentlichleit mit seiner Angelegenheit in univrueb nehmen wollte. .
Rach einer längeren Pause weaen UnwohlscmS bi» «nge» klagten meldet fick Justizrat Grün, child als Zeuge. Er kann sich nicht erinnern, in welcher Deije et bad FrantziuSsche Gutachten vom Angeklagten erhalten bat. Auf Grund der .tuen des Hauptmanns Winnenberg, die bet Angeklagte ebenfalls anonhm erhallen haben wlll, habe et dern^Abg. Erzberger ge» chricben: Taö Kolonialamt habe durch sein Schreibet das Fundament des konstitutionellen Rechts, nach welchem dem Reichstag in allen Füllen die volle Wahrheit zu berichten sei, Derlcyt
Nachdem der Angeklagte bemerkt hat, daß er der Verhandlung nicht weitet folgen könne, wird Abg. Erzbetget norgerufen. Ursberger verweigert bad Zeugnis auf Grund von § 30 der ReichSversassuna, wogegen der Staatsanwalt tpricht. Nacv längerer Beratung erfolgt der Gerichtsbeschluß, Rcichslagsabg. Erzber ger ist nicht berechtigt, sein Zeugnis zu verweigern. Der Vorsitzende labet daraus Erzberger für SamStag vormittag als Zeuge vor und vertagte die Sitzung biö Freitag. __
21ns Stadt und Land.
Sprechstunden der . n l - - lu ; .8 Ufor abbß.
(Sieben, 14. Februar.
»♦ Konzert-Verein. Dritter Künsiler-Aabeno am Sonntag, den 17. Februar. Die GesangSkünstlerin Fräulein Charlotte Huhn, die viele Jahre eine Zierde bet DreSdener Hos - oper war umb sich jetzt ganz dein StünjCitiaa^gennbmet bat, ist noch heute eine b.r ersten Vertreterinnen des „T ie f en A l te s' , einer Stimmlage, bic fast sc.tener ist, wie eine echte -tenor- stimme. Im Besitz dieser Gabe, hat sie bic.cioe, durch .oNgejetzteS Studium, in einer Weise verwertet, baj Ftäuieui Huhn s Darbietungen kaum ubcrovten werden können. Herr .Hermann Z i l - cher, d.r alS Partner gewonnen ist, nimmt unter Den jüngeren Pianisten Frantiurts einen hervor ragenden Platz em. Herr Sildjer (Inhaber cined P^ozatt-Stipimbiuntß ist meht allem ein feinsinniger Weg Leiter, sondern auch zugleich mit virtuoser Technik ausgerüstet, die ihm zu den höujsteii '.'Imgaben bejahigt. Programm und lucuercß WiflenSwcrtos bringt uniec ^nicratenieil.
** Hessischer Verein j Ü r ländt. H c i m a t-W o h i- sahrt- und Kun st pflege. Der Verein hat die Hauptrichtungen scin.r -^äiigteU nunmehr roie folgt jeftgeiegt: Erhärtung Der Neigung der üanboeobltcrung zum oauerrichen löeruie, Vor- Lehrungen gegen txn 'Arbeitermangel. Beseitigung der tiuoioudjfe im Gejinderntbingwesen. Fürwrge für bie Üanbarbetleriamilie. Förbctang dscr Dotchandwerler. Pflege guter gcfclliger Unt.-r- ycutang in üultütum.iujcr Weise. Einrichtung van Gemcinbe- unb löurgitabenbai. JugenöfurfTrgc. Hu. ewi.tscha tuche Untenveifung ixt Pcädchen. Derbefscrung b.c Krankenpflege unb ber Ärmeiipilegc. Verbesserung bes Gast- uno Schank.virt.ma tuiuefiiiß flBejchraiikung bet Zahl und Beseitigung der Auswüchse-. Pflege bet beunat- ndjen und Dorfgeschicrste, des heimatflästn Sprach- und Lieber- schaves. Heimat- und Kunslpjlcge zur Wahrung der Eigenart der Landbevölkerung mii> ihrer WohnstaUen. 'u-.unoere Berilct- jichtigung dieser Pflege i.t den fianbidjuicii. Erhaltung^lanblicher Sitten unb Gebräuche. Erhaltung der Volkstrachten, ^örberung h-r Heimatmuseen. Gestaltung der Lauten und Dorianlagen in den iut das Land past'enden Fornieu. Schutz zur Erhaltung der Natur- jüsönheit der (Semartungen; Belebung unb Forderung bed Ver- ständnifseS hierjur, insbesonbere auch m ber Landoevoilcrung selbst. Schutz ber Landorte gegen lleoerslutung nut kunst.erifchem und literarischem Sdiuno. Ferner wurde bie HcrauSaabe emeö „Trachteiibuches" beschtosfen, das in jioci uusgabeii erfcheiiien soll, einer größeren, nut farbigen 'Abbilbungeu, ähnlich ben ,ur Hessen-Nassau und Kurlstfsen bereits erf^ieiunen Werken unb einer kleinen billigen jur bie Veroreitung in der Landbevölkerung bestimmten Ausgabe. Ebenso soll bie Herausgabe von Heimat- büchern angeregt und gejörocrt werden. An baß Prajchium deS Landeßinegerverbandes „Hassia" wird baß Ersuchen gerichtet, im Interesse der Hrtsgeschichte bie Veteraneii aus den Fewzugen auf. zufordern, wichtige Begebenheiten an bencn sie Anteil nahmen oder beten Augenzeuge sie waren, aufzuzeichnen. Diese Aufzeich. Hungen sollen ortsweise gesammelt, gelichtet und für bie Dorjgr. schichte und Heimattunde der einzumen £rte zusammengesteilt werden. Ferner würbe noch znc SvrachL gevrachl, in welcher Weise bie Bauten in T<jr,erii oft durch bic ^ranonuuem, wie solche bie baupolizeilichen Bestimmungen vorschreiben, verunstaltet werden. Man war der Ansia-t, baß u.ibeschabet ber Feuer,icheihest namentlicb bei Wohnhauscrit in vieren Fällen von Errichtung von Brandmauerii -abgesehen werden lönne. Anbererseits biete wohl auch bic mobeme Technik Hui, Sm ittel genug, du nut solche Migstänbe, wie sie jetzt mitunter ivahrgenommen iceroen, verhütet wurden. Hierüber soll bas Gutaasten von Faa-mannern Cingeholt ivorden. Ebenso würbe ao-> nubiidiibig bezeichnet, oag manche ötiL Bauoorschriflen iar FachtverLSbauten bie Erteilung von Dispensationen vorichrciben. Hierdurch würben bic löau- genehmigungeii verzögert unb auch Kosten verursacht. Endlich wurden noch Erörterungen über die Gestaltung der „beruflichen Hcmiatlunde" in ben Landschulen gepflogen.
A 6 111 n g $ b a u {e n , 13. Febr. Wie schon kurz gemeloel wurde, leiert der hiesige Gesangvcreiu Ronfoibia am 30. Fiuu und 1. Juli 1. I. fern 2bjahrig es Be ft eh en, verbunden mu dem 1. Bunde - ' est des vor zwe, Jahren gegiünbeteii Volks- (ängerbunbeß E h a 11 i a. Der Bund besteht aus 10 Gesang, veieinen (Albach, Benern, Bersrod, Ellingshanfen, tiobcüirob, HaibaM, Haueniod, Linbensttuth, Reiskirchen und coolen), die sich öie anerkennenswerte An'gove gestellt haben, den Dieifnmtnmen Alännergejong auf dem Londe zu heben unb zu veredeln. Der Poitsiöngeidund bricht, foiveu es ihn selbst onlangt, mu der Art uno Weife, in der ländliche Säug er feste in unserer Gcge'id bisher ge'eiert ivuiden. Er verlegt ben Vortrag einefl vorgelchriebencn Chores durch die einzelnen Bundesvereme m outen eaol und läbi ihn durch zwei lücmige Sachverfiaudige be- iveiieii. Den Nachnuttog des ersten Festtages sollen Llahenchore des Lnndes (300 Sänger), Boruäge der nicht zum Blind gehörenden viachbo»vereine, fowie bie musikalischen Torbleiimgen emti 'JJiiluäilaveUe lüinbig oudiüUeiu — -u tc wuuscheu dem auifirebcn- den Voitsjängkibund unb dem Jubilar — dem Gejangvereiv Konkoidio zu Eitnigshaulen — em volles Gelingen des Festes.
-- Lau dach, 13. Febr. Die hiesige Ra t n ev al« gesell sch ast erlebte gestern abend einen recht tristen Fasching. AllcS war im .Solmjer Hof vorbereitet, Plakate hallen für die Bekanntmachung gesorgt, der Saal mar mit Masken bifl zum letzten Platz gefüllt allem — uic bestellte Musik blieb au6. In ber Hoffnung, daß sie noch mit dem letzten 11-Uhr- zug cinireffen würde, hopste man einige Stunden nach dem Hlovicr. 'Als man sich auch um 11 Uhc getäuscht sah, ging man, hoffend, daß bis zum nächsten Sonnlag abend die bestellte Musik eintreffcn werde, etwas trüb gestimmt nach Hause.
p Schlitz, 10. Febr. Warnungen in den Zeitungen gegen das unbeaufsichtigte Verweilen von kleinen Lindern bei Feuerungen wird immer noch zu wenig Gewicht tei- gelegt, dies beweist wieder em Ende voriger Woche im benachbarten Lite WillofS voraekommener Lall. Die Ehe-
Berlin, 13. Februar.
Bor der dritten Strafkammer des Lanogetia-tS 1 hatte sich heute der S e l r e t a r i a t s a s s i st e n t P ö p l a u von der Äolonial- abteilung des Auswärtigen Amts zu verantworten. Es sind etwa 20 Zeugen, fast d urcpweg Beamte deS Kolonialamts, außerdem die Abgg. Erzbciger mw Roeren geloben. Generalstaats- amoalt Tr. Wachler wohist eben,all- der Berhanvlung bei ipöbluu Ist 1888 in das Kolonialamt emgetreten, 40 Jahre alt unb Leutnant ber Lanbwehr. Er bestreitet, wie bie Anklage behauptet, feit dem Jahre idOl die Amtsverschwiegenheit verletzt und gegen den fc 353 a des Strafgcsctzbuclsts verstoßen zu haben. Die Scl^iftstüclc, die er verwenoet habe, seien ihm nicht in seiner Eigenschaft als Beamter zugänglich gewesen, sie feien ihm außeramtlich zugegangen. Wer selbst wenn die Schriftstücke ihm im Amte zugegangen wären, würbe em Verstoß gegen ben „Arniniparagraphen" nid)t vorliegen, da der Inhalt nicht derart politischer Natur war, daß dadurch Staats- ober ReichSinteressen geschäbigt würben. Er fühle sich durchaus unschuldig.
Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, baß er mehrfach und zuletzt mu ber höchsten zulässigen Strafe in ber Höhe eines monatlichen Tiensteinkommens disziplinarisch bestraft worben fei, weil et jebe Rücksicht aus die Disziplin außer acht getanen, anderseits einGutachtendesLegationsrateSv. Frantzius veröffentlicht habe. Ende 1902 sei Poplau krank geworben. Der Kteisarzt habe ihn wegen körperlicher unb geistiger Schwäche für dienstunfähig erklärt; darauf sei bic Zwangspensionierung gegen ihn euigeleüet worben, aber nicht burchgesuhri worben. Am 2. Februar 190o ist das Diszi- plinarveriahren auf Dienstentlasiung cmgeleilet unb die Du s - uenbierung vom Amte verfugt worden. Am 28. Lept. 1905 erkannte die Tisziplinarkammer Potsdam auf Dienstentlassung, gegen welches Urteil der Angeklagte Berufung eunegte. Ter DiSzipiinarhos in Leipzig verwarf diese Berusung mit der Piaßgabe, daß dem Angeklagten ein Test Der Pension iCitroene beiaiicu würbe. Ter Borfltzenoe hält bem Angeklagten vor, baß er bciajulbiflt werde, widerrechtlich mitgeteilt zu haben: Aus den Hauptniann Kannenbergsfl-en Pcnoiiatakien das Schreiben des Cberlommanboß bet Schutzlrup^en vom 2. Januar IjUU uno beß aXilitärlabmeuß vom 2^. ^u.mar 1904 betrcfsend bie Gewährung einer Pension an Äannenoeig, den Bericht vom 18. Jun 1'öOs berrefsend bte Bcschtvetoe Ober ben LanbeShauptniann Branoeis neb|‘t den hieraus ergangenen Verfügungen aus Den Personalalten. Der 'Angeklagte bemertt, er have das Gutachten von «vtantzius anonyul zug^'andt bekommen. Die Alien Der nolontal- ablciiung seien nicht immer als geheim bezeichnet gewesen: vom oerstoibenen Hofrat Ballhaus have er Aktenmaterial geerbt.
Ter Angeklagte gibt zu, das Frantziusscye Gutachten in einer Avsa-rift dem celretar DeS Abg. DaSdach gegeben zu haben. Er habe eines Tages eine Abschrift des FrantziuSsll'en Gutachtens auf seinem L^reauiisch Dorgefunben. Gr habe besten Inhalt eilig abitenograyyiert unb bie Acha/rist bann sofort vernichtet. Ueber seine Beziehungen zu bem klerikalen Journalisten Schivinn gibt er folgendes an: Wcstuba habe ihm diesen voigestellt, er habe ihm aber nur, i. ..geteilt, baß er Privat- iefretär be» Abg- Dasbach sei unb bay er in feiner freien ö . gern bereit sein würbe, für ihn Nebenarbeiten zu liefern. Mernes falls habe er Die Aosicht gehabt, mix Scyrornn nur deswegen rn Verbindung zu treten, well er Journanst unb bei u-asdao- belchäftigt war. was Du ßanuiama bearunoet euchetuen Unefl
ig gegen staatliche Einrichtungen 1 ut“öeilunfl’foiifllcr SdjäDen besteht. Vor kurzem , (brieb baß Organ ber Liberalen, bic „Tribüne", baß bie b e- onbere Form be« Sozialismus, bie von bem ,,b e u t. dien Vorbild" komme unb an das Sliaficnbcroufetfem ber Irbcitct appelliere, c n a I i [ eß e r S) e n I ro e t f e absolut temb sei. Die „Morning Poft" erklärte: „Die britischen Ar- »ester sinb prattflche Leute. Sie finben wenig Vergnügen an ber Betrachtung einer theoretisch vollkommenen »taatßorbnung, unb bie Proklamierung weitvrrbessernber Prinzipien regt ne wenig auf. Ihr ernsthaftes Ziel ist eß, ihr eigen es L o s unb nebenbei bas ber Arbeiter im allgemeinen zu öcrbeficrn eie inb zu der Ansicht gekommen, baß iLazu viel auf bem Wege Ur Gesetzgebung geschehen kann unb baß solche Gesetzgebung am besten burch bie „Anwesenheit unabhängiger Ar- bcitervkrtreter — bas ist nebenbei bemerkt auch die Mei- nung unseres Kaisers unb weiter bürgerlicher Kreise bei unS — im Parlament garantieN wirb. Soweit, unb nur soweit, ist unsere Arbeiterpartei sozialistisch." Die Wahrheit bicser Worte ietflie sich auch jüngst m ben Verhaiiblungeit ber Kvnierenz ber Jiidependent Ladvur Pa Nh. Ter geiocrksthafllrchen Bewegung aeaciiuber verniochtc ber reine SozialiSutus "lcht anszukomuien rwtzbem man ber beutschen Sojialbcmotpatic Erfolg für die Wahlen wünschte, wurde von dem Führer Seiiton Beiihwerde darüber aesühn, daß bie 13 000 Sozialisten ber Labour Party gegen* über den 9<4 UOU Trabe-Unionisten (das [mb vGewersichaflier) im TreizchncrauSschuß uiwerbällnißmüßia stark vertreten seren. Ben iillet verlangte sogar, tuß jeber Parlamen Uabge- orbntte der Ar beilerparlei einem (Seroerfoerein angehören müsse. In dem üongresfe nahm man pratuiche trur- berungen au, z. B. staatliche ArterSversichcrung, ben Achtstundentag, JwangSunsallvcrficherung von Staats wegen, Verbot der Sonntagßurueit in P ipurfavriten, einheitlicher früher La den- schluß, Vervesseruiig der Arveiterfchutzgejetzgebung gegenüber der Heimarbeit, wirffame Bekämpfung der Arbeiislofigkcit ufw. Man lieht, viele von diesen Forocrungen fmb in unjereui alS reaktionär verschrieenen Lande schon längst erfüllt Die Verleihung des Daiiioen Wahlrechts zum Reichsparlament an Frauen wurde ad- gelehnt. Interessant ist die von bem Sozialisten Quelöt gegebene Begründung; Er betonte, daß heute tue Verleidung deS gleichen FtimnirechtS an Mäniicr unb Frauen wegen ber bestehen- ben Voraussetzung bestimmter Hausbesitztitel ben teidjen Äcännern und ihren Töchtern bie ausschlaggebeiibe parlam. <N(acht eiutaunien wuroe; b. h. also, bie engü Süjialifien fmb nur deshalb gegen bie Verleihung beß passiven. Stim m rcchtßanFraue n, weil bieß lhrer Partei e be n nachteilig fern würbe. (9!B. Qmglanb hat für baß Parlament nicht bas allgemeine Wahlrecht wie wir unb bie Zahl btt Wähler bei Ge m e i nb e w a h len ift jeijr be- i di r ä n I l) Benur.t sei noch, daß die engll Sozialisten — be- sonders in London — neulich bei den Gememdewahlen emc empfindliche Schlappe erlitten haben: in London gmgen von 13 Sitzen 10 an die Gemäßigten verloren.
Das englische Volk, em,cyiiCßlich b^e Arbetterschatt. hält noch an den alten Parteien fest. So bleibt der Gencralfekretar des acroaltigcn EisenbahnerveremS, Abg. Bell, em treuer Anhänger der liberalen Partei. ES bcsteht allenthalben n o ch d a s Gefühl der Zugehörigkeit »u den Parteien, ixe daß GesamtwohldcSReichesundderbestchendenWirt. schaftsvrdnung anstatt der Spe-talinterefsen einer K lasse tm Auge haben. .
Ware eß doch bei uns auch )o! Möchte man fich bei uns in Arbeiterkreisen und auch so in anderen Klaffen ber Wahrheit bewußt sein, daß Vertreter einseitiger Klasseninteressen nicht in baß Paria- ment gehören, sondern nut in Korverfch asten, Die, wicdieverschiedenenKammern.Materialberbei- schaffen, baß Regierung unb Parlamente bei ber Gesetzgebung prüfen unb entsprechend oerwenben!
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