Ausgabe 
16.4.1907 Erstes Blatt
 
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p. Lich, 14. April. Gestern vormittag erlitten zwei wertvolle junge Pferde der fürstlichen Gutsverwaltung hier schwere Verletzungen. Sie wurden in der Nähe des HvfgutS Albach mit Eggen beschäftigt. Während nun der Knecht eine Strecke dürres Gras anzündete, wurden die sonst sehr treuen Tiere scheu und rannten in einen, vom Master gerissenen, fast senkrecht abfallenden, ca. 1,50 Meter tiefen Graben. Beide Pferde stürzten übereinander in den Graben und die nachschleifende Egge mit den nach unten stehenden Zinken auf sie. Nur dem Umstand, daß Gutspächter Klein mit seinen Leuten in der Nähe war, ist es zu danken, daß die Pferde aus ihrer gefährlichen Lage rasch heraus befördert werden konnten, jedoch ist es zweifelhaft, ob die Tiere am Leben erhalten werden können.

I Ruttershausen, 15. April. Ein großer Le ich en- z u g, wie er hier noch nicht gesehen wurde, bewegte sich heute nach dem hiesigen Friedhöfe, um dem an den Folgen der schweren Mißhandlungen verstorbenen Louis Klinkel die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem reich geschmückten Sarge marschierten Krieger- und Gesangvereine, neben dem Sarge die Jugend des Ortes, dahinter die nächsten Angehörigen und eine große Menge Leidtragender aus Nah und Fern. Am Grabe hielt Pfarrer Guß mann eine tiefergreifende Leichenrede. Als er die Worte des Psalms 41 sprachSie haben ein Bubenstück über mich beschlossen; wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen", da blieb wohl kein Auge tränenleer. Der Verstorbene ruhe in Frieden.

Gambach, 14. April. Die Firma Lenz n. Co. zu Berlin beabsichtigt, in unserer Gemarkung eine mit Pferden betriebene Transportbahn für Sand, unter Ueberbrückung der Wetter von der Sandgrube am Sllzenrainwcg nach der Eisenbahnstation Gambach, anzulegen.

AuS der Wetterau, 15. April. Das Freiherrlich von Franckensteinfche Familienfideikommiß ist durch je ein Grundstück in den Gemarkungen Echzell, Unter» Widdersheim und Altenstadt ergänzt und vergrößert worden. S. 5L H. der Großherzog hat die landesherrliche Bestätigung dieser Vergrößerung erteilt.

Laubach, 15. April. DaS HauS des Bäckers Helm ich ging nebst GeschäftSinventar zum Preise von 15 500 Mark in den Besitz seines früheren Gesellen, Bäcker Döll, über. Bemerkt sei, daß innerhalb von etwa 30 Jahren das Verkaufsobjekt im Preise um daS Dreifache gestiegen ist. DaS von dem Gesangverein Harmonie gestern abend imSolmser Hof" veranstaltete Konzert hatte sich eines Be­suches von über 200 Personen zu erfreuen. Der Verein hat seit seiner letzten Aufführung im vorigen Winter bemerkens­werte Fortschritte zu verzeichnen, die er in erster Linie dem unermüdlichen Fleiße seines Dirigenten, des Gymnasiallehrers Gerhard verdankt. Man kann mit Recht sagen, daß eine derartige gediegene Leistung des 40 Mann starken Chors in unseren Mauern noch nicht gehört worden ist. Sämtliche Chorgesänge, SoliS für Bariton und Baß erfreuten sich so lebhaften Beifalls, daß der Verein sich noch einer Zugabe veranlaßt sah.

k Hungen, 15. April. Heute wurde eine hiesige arme Frau in der Horloff ertränkt gefunden. Die Bitterniffe ihres Lebens mögen die fleißige und bescheidene Frau, der ihr Mann und zwei Kinder im Tode vorauSgingen, zu der verzweifelten Tat getrieben haben.

P. Schlitz, 13. April. Vor acht Tagen entfernte sich üuS Lauterbach der dortige Einwohner Plättner. Er be­nutzte von L. bis Salzschlirf die Bahn, wurde dann noch einmal auf dem Wege nach Schlitz gesehen und war seitdem spurlos verschwunden. Die Vermutung, daß sich der 66 Jahre alte Mann in die Schlitz gestürzt habe, hat sich bestätigt. Die Leiche wurde gestern abend zwischen den Dörfern Nieder­stoll und Uetzhausen aus dem Flusse gelandet. Der Mann soll geistig nichi normal gewesen fein.

Schotten, 15. April. Ungewöhnlich hohe Auf­wendungen haben die Israeliten des Kreises Scholten zu machen. Die sechs im Kreise bestehenden israelitischen Ge­meinden erheben zusammen 7720,30 Mk. Umlagen. Da der Kreis Schotten bei der letzten Volkszählung nur 556 israeli­tische Einwohner hatte, kommen auf einen Einwohner durch­schnittlich 13,88 Mk. Steuern. Den höchsten Betrag erhebt die Gemeinde Laubach mit 89,092 Proz. Zuschlag der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkommensteuer­betrags. Es folgen Bobenhausen II. mit 76,036 Proz., Einartshausen mit 61,813 Proz., Ulrichstein mit 56,385 Proz., Ober-Seemen mit 53,727 Proz. und Gedern mit 46,335 Prozent.

Vom Oberwalde, 15. April. Der Schnee liegt an manchen Stellen noch l1/® Meter hoch. Sehr gelitten haben in diesem Winter die jungen Fichtenbestände. Viele Bäume liegen, durch die Schneemassen geknickt, auf dem Boden. In einzelnen Holzmachereien wird noch tagtäglich gearbeitet.

-s- Vo m Ohmtal, 13. April. Tie Gemeinde N ie d er- Gcmünden Hal den Bau einer Wasserleitung be­schlossen. Zum Zweck der Beileitung der für die Wasser­versorgung benötigten Quelle muß der Rohrslrang durch das in der Gemarkung Burg-Gemünden liegende Familicn- fidcikommiß der Freiherrn Schenk von Schweinsberg führen. Da sich aber das Fideikommiß weigert, so hat die Gemeinde die Enteignung des Rechts zur Röhrenlegung durch die Grundstücke auf Hof Sorge beantragt. Die Nachbarorte Bernsfeld und Appenrod haben gleichfalls die Her­stellung einer Wasserleitung beschlossen.

? Hartmannshain, 15. April. Der im verflossenen Jahre gegründeteVerkehrsverein Vogelsberg" hat folgende neue Wegmarkierungen geschaffen: 1. Bahnhof Hart­mannshain über Herchenhainer HöheHochwaldhausen schwarzerKreiS". 2. Bahnhof HartmannshamHerchen­hainer HöheSchutzhaus an der Oberwaldstraßegelbes Quadrat". 3. Bahnhof HartmannshainHerchenhaiw Mühlberg?Hof Zwiefaltengrünes Quadrat" (Einmün­dung in die Markierungroter Strich" nach Nidda). 4. Bahnhof HartmannshainErnftbergschwarzer Pun kt". 5. Bahnhof HartmannshainVugilsberg" bei Völzberg schwarzer Strich".

te. Offenbach, 14. April. Eine Frau, die sich am Anne verletzt hatte, legte, dem alten Aberglauben folgend, Spinnweben auf die Wunde. Die Folge war, daß Blut­vergiftung eintrat und der Arm zu einer unförmlichen Masse

anschwoll. Die Frau wurde in3 Krankenhaus gebracht und muß sich wahrscheinlich einer Operation unterziehen.

Baumblüte an der Bergstraße. Ein Bild überraschender Anmut bietet gegenwärtig die Bergstraße. Zahlreiche Manbelbäume entfalten allenthalben ihren Blüten- schmuck und bereiten dem Auge durch ihren Kontrast mit dem dunklen Tannengrün ein entzückendes Farbenspiel. Aprikosen-, Kirschen- und Pfirsichblüten werden schon in den nächsten Tagen das schöne Landschaftsbild vervollständigen.

Mainz, 15. April. Die Vorbereitungen zu der an Pfingsten hier stattfindenden 10. Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenoereins sind schon weit gefördert. Auf dem Programm stehen u. a. folgende Verbandstemen:Das Mannheimer Sonderklaffensystem" und Schule und Brot" (Schulspeisung), fernerWas kann die Höhere Mädchenschule tun, um ihre Schülerinnen zu sozialer Gejinnung zu erziehen?" Nach Erledigung des geschäft­lichen Teiles folgt am Mittwoch (22. Mai) das Feslessen und am Donnerstag eine Rheinfahrt (Einladung des Mainzer Lehrerinnenvereins).

p Hochelheim, 15. April. In unferm südlichen Teil des Kreises Wetzlar trifft man noch vielfach echte, kur- trierische Fachwerkgebäude an. An einem Hauptbalken ist meistens ein schöner Spruch eingeschnitzt, z. B. dieser: Wer seine Zung' nicht zügeln kann und übel rebt von jedermann, derselbe wiss' zu jeder Frist, daß ihm mein Haus verboten ist". Wie fast überall, so konnten auch wir dieser Tage in hiesiger Gegend beobachten, daß man die hübschen Holzschnitzarbeiten (Blumen­ornamente, Genien, Fruchtschnüre, Köpfe u. bergt.) leider mit Bewurf und Anstrich bedeckt.

<s Wetzlar, 13. April. Nach dem Jahresbericht des Krcisausschuffes zahlt eine ganze Reihe von Kreisgemeinden weniger als 100 Prozent der Staatseinkommensteuer zur Gemeindekaffe, davon 9:50 Proz., 1 : 662/8 Proz. und 1:75 Proz., 19 Gemeinden erheben 100 Proz., 8 :150 Proz., 7 : 200 Proz. lieber 200 Proz. gehen nur 4, darunter Aßlar- Altenstädten mit 210 Proz., Steindorf mit 225 Proz., Bech­lingen und Hohensolms mit 250 Proz., Bellersdorf mit 275 und Oberlemp mit 300 Proz. Bei den Rcalsteuern kommen mehr als 200 Proz. überhaupt nicht vor. Die kleinste Ge­meindesteuersumme hat Bermoll mit 291,92 Mk., die höchste die Stadt Wetzlar mit 255 948,73 Mk., Braunfels bringt 21189,14 Alk. auf. lieber 10000 Mk. Gemeindesteuern weisen ferner noch auf: Aßlar-Altenstädten mit 13 306 Mk., Ehringshausen mit 12 012 Mk., Krofdorf-Gleiberg mit 10878 Mk. Der Kreistag beschloß auf Grund des neuen Kreis- und Provinzial-Abgabengesetzes vom 23. April 1906: 1. Die Einführung einer Kreissteuer auf den Erwerb von Grundstücken und von Rechten, für welche die auf Grund­stücke bezüglichen Vorschriften gelten. 2. Die Einführung einer Krcissteuer von der Erlangung der Erlaubnis zum ständigen Betriebe der Gastwirtschaft, Schankwirtschaft ober des Kleinhanbels mit Branntwein ober Spiritus.

Frankfurt a. M., 15. April. Dr. Emil Neubürger ist hier am Sonntag an einem Herzschlag gestorben. Neu- bürger war am 17. März 1826 in Düsselborf geboren. Ein Feld fruchtbarer Tätigkeit erschloß sich 9Zeubürger, als er die Leitung der von seinen Eltern hier begründeten Erziehungs­anstalt für Mäbchen übernahm. Seine poetische Produktion, die einen Zeitraum von 60 -Jahren umfaß.e, war auf den Ton freudiger, das Leben bejahender Humanität gestimmt; seine Prosaschriften, die geschichtliche und literarhistorische Themata behandelte, vereinigten Gründlichkeit des Inhalts mit klarer, durchgearbeiteter Diktion. Der Lebensanschauung, die Neubürger in seinen Werken aussprach, und die er im Verkehr mit geistig hochstehenden Menschen, wie Wilhelm Jordan, klärte und vertiefte, entsprangen zahlreiche Taten wahrhafter Nächstenliebe.

P Bad-Homburg v. d. Höhe, 14. April. In diesem Jahre wird die Saison durch das Kaiserpaar selbst eröffnet, das am 17. b. Mts. mit der Prinzessin-Tochter hier eintrifft unb im Kgl. Schlosse Erholungsaufenthalt nimmt. Währenb ber Kaiser burch Ausflüge zu Fuß, zu Roß und per Automobil vorzugsweise bie Taunusluft zu genießen gebenft, werben bie Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise bie Trink- unb Babekur gebrauchen. Gleich nach Ankunft bes Kaiserpaares trifft auch bie Braut des Prinzen August Wilhelm hier em, um mit ihrem aus, Holland erwarteten Verlobten in Homburg zusammenzutreffen, ber bann von hier aus von seinem Kaiserlichen Vater selbst nach Straßburg begleitet wirb, wo er seine in Bonn begonnenen akabemischen Stubien fortfetzen wirb.

Vermischtes»

* Hm der Frau willen. Heber bie entsetzliche Familien- tragöbie in Evmg haben wir bereits berichtet. Ein weiteres Tele­gramm aus Dortmunb meldet noch: Der Ehemann hat den sechs­fachen Mord aus Eifersucht verübt. Während der Mann der Arbeit nachging, hatte die Frau am verflossenen Montag nacht einen Ball besucht, und später kam es zu erregten Aus- einanlLrsetzungen zwischen den Eheleuten. Angenommen wird, daß der Ehemann tm Zustand grenzenloser Verzweiflung über das Leben seiner Frau diese zuerst erwürgt und dann den Mord an den unschuldigen sechs Kindern oollführt hat. Nachdem er die Leichen sorgsam nebeneinander in den Betten aufgebahrt hatte, vollführte er den Selbstmord. _

* Aus demKladderadatsch". Schultze: Was halste von die Jleichstellung von die Oberlehrer mit b:e Richter? Müller: Na, biet is doch jar nich megllch. Schultze: Woso denn nich? Müller: Die Oberlehrer sind doch man bloß Unterrichter. Schultze: Ach so! Det ftinrmt.

* EinWahlagitationsgaul" touroe jüngst in der Sitzung des Kobnrgffchen Sveziallandrages abgelehnt. DerFränk. Kur." teilt darüber mit: Die Regierung hatte für den aus dem Schlosse Kallenberg stationierten Gendarmen wo im Sommer das Herzogspaar wohnt, zur besseren Wahrnehmung des Sicher­heitsdienstes ein Dienstpferd beantragt. Dazu führte der frei­sinnige Abg. Schumann aus, daß der betreffende. Gendarm ein politischer Heißsporn sei und bei der letzten Reichstagswahl von Dorf zu Dors für den nationalliberalen Kandidaten agitiert1 habe. Es sei anzunehmen, daß er diese Agitationstättgkeit neben seinem Dienst noch wirksamer durchführen werde, wenn er erstberitten" sei, deshalb solle der Landtag nicht einen Agitationsgaul auf Staatskosten bewilligen. Der Gaul wurde trotz warmer Fürsprache des Negierungsvertreters abgelehnl.

* Wie man Mieter bekommt. In Elberfeld herrscht eine ziemlich starke Ueberprobufiion an Wohnungen, so baß zahlreiche Räume unvermietet sind. Ein Hauswirt kündigt nun an, daß er jedem Mieter bei sofortigem ober balbigem Antritt einer Wohnung jeglicher Größe bei ihm bie 11 m-

zugSk osten vergütet und außerdem bei mindestens drei­jähriger Dauer des Mietvertrages eine Prämie von 10 Prozent ber Jahresmiete gewährt. Die Vergütung wird bei Abschluß des Mietsvertrages vereinbart und am Jahresschluß ausgezahlt bezw. von ber Miete in Abzug gebracht.

AN ort.

w. Rudersport. Aui dem Boolsplatz der Gießener Ruder- Gesellschast herrschi täglich seit der Eröffnung der Saison reges, tüt die diesjährigen wassersportlichen Kampfe vielversprechendes Leben. Drei Junior-Mannschaften liegen mit Fleiß und Energie dem Training ob. Auch kann man nach dem, was man sieht, hoffen, daß Gießen Heuer eine leistnngsiähige akademische Mann- jchait an den Start bringen kann. Wer Gelegenheit bat, bie Ruderer zu beobachten, muß anerkennen, daß der diesjährigen jungen Mannschaft ein eiserner Wille innewohnt, um den es bedauerlich sein würde, wenn er erlahmte. Die älteren Mitglieder ber Gesell­schaft verkehren trotz ber bisher noch nicht günstigen Witterung überaus zahlreich am Bootsplatz und oeriolgeii nut Interesse und dem Auge des Kenners das Training. Tie Gießener Rudergesell- schast selbst regte sich auch und hat nicht unerhebliche Mutet bereit- gestellt, um ihren Bootsplatz und die Gesellschaitsranme in ihrem schmucken Bootshaus modern und zeitgemäß umzugestalten.

** Lahn-Regatta-Verband. In der m der vergangenen Woche abgehatlenen Sitzung der Delegierten des Lahn-Regatta- Verbandes' rourben die Herren A. Scheel -Gießen zum ersten Vorsitzenden, Jakob Krafft-Wetzlar zum zweiten Vorsitzenden, Eduard Pochlen-Liniburg zum Schrutsührer, Bergverwatter Böhm-Weil- burg zum Kassierer gewählt. Das Gesuch des Ruder-Vereurs Ems, dem Regatta-Verband als inaktives Mitglied beizutteten, konnte vorerst nicht stattgegeben werden, da die festgesetzten Satzungen eine solche Mitgliedschaft nicht vorgesehen hatten. Ter von dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen dem Lahn^Regatta-Verbande geftütete Ehrenbecher soll bei ber Limburger Regatta am 28. Juli lf. Js. ausgeiahren werben und zwar im Vierer, offen für alle Vereins des deutschen Iiuber-Verbanbes. Ter vom Lahn-Regatta-Verband gestiftete Preis wird im Vierer ausgeiahren, nur offen für SDlit« glieber des Lahn-Verbandes. Auch wurde der Beschluß gefaßt, beim deutschen Ruber-Verbande um Stiftung eines Wanderpreises nach­zusuchen. Nach Mitteilnngen der Delegierten von Limburg sind die Vorbereitungen zu der bevorstehenden Regatta im vollen Gange und die Arbeiten zeugen von einem regen Elfer. Es ist zu hoffen, daß durch Gründung des Lahn-Regatta-Verbandes neues Leben tn die Lahn-Vereme kommt und auch noch anderen Platzen an der Lahn, wie Marburg, Tiez usw. einen Ansporn gibt, dem Rudersport mehr Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Besonders wäre es zu begrüßen, wenn sich die früheren Ruderer des deutschen Vaterlandes, die zur Zeit an der Universität ÜRarburg ihrem Studium obliegen, zu- jammenschließen würden und einen Akademischen Ruder-Verein gründeten, die Unterstützung der preußischen Regierung wie auch des Prosefforen-Kollegiums wäre ihnen wohl sicher.

Arve s ter beLvegunH.

Offenbach a. M., 14. April. Laut Beschluß einer am 8. b. Mts. abgehaltenen Versammlung kündigten gestern 1608 in den hiesigen Maschinenfabriken tätige Metallarbeiter durch Unter­zeichnung ber Kollettivlisten ihr Arbeitsverhältnis. Wenn nicht vorher eine Verständigung erfolgt, tritt am 27. April ber Aus­stand ein.

Wetzlar, 15. April. Hier sind zur Zeit in mehreren Ge­werben Lohnbewegungen der Gehülien im Gauge, so bei den Bäckern und den Dachdeckern. Erstere verlangen u. o. Lohnaufbesserung, Beschränkung der Arbeitszeit sowie Abschaffung von Kost unb Logis im Hause. Tie Wünsche der Dachdecker sind namentlich gerichtet aui Lohnregulierung, Festsetzung der Extra­stunden bczahlung, Regelung der Arbeitszeit und besondere Ver­gütung in dem Falle, daß es dem Gesellen wegen zu werter Ent­fernung ber Arbeitsstätte nicht möglich ist, bas Mittagessen zu Hause einzunehmen. (Wetzl. Anz)

H a m b u r g, 15. April. Im Briefe, den Generaldirettor Ballin namens des Hafenbetriebsvereins an den Reichstagsabg. Dr. Heckscher als den Vermittler zivischen beiden Parteien gerichtet hat, erklärt sich der Hafenbetriebsvereip zu weiteren Verhandlungen unter der Voraussetzung bereit, daß die gesamten Hafenarbeiter, nicht nur bie Schauerleute von der Teilnahme an ber diesjährigen Maifeier absehen.

Paris, 15. April. Ter Remittierte Marck, Leiter des Aus stand es der Dockarbeiter, ist gestern hier verhaftet worben. In Nantes ist der D e p u tie r t e Poe tot verhaftet worden, weil er sich in einer Versaminlung der ausständigen Tock- arbeiter ber Aufreizung zum Aufruhr und Straßcnkainpf schuldig gemacht hatte. Der Polizeipräielt veröffentlicht eine Statistik über den Stand des B ä ck er a usst a n d e s. Danach sind von 3897 gewöhnlich beschäftigten Bäckergesellen zur Zeit nur 506 aus­ständig, was eine kleine Zunahme ber Zahl ber Streikenden be­deutet. In der Umgebung von Paris streiken von 1400 Bäcker­gesellen nur 120. Auch in Pans macht sich eine Bewegung gegen den Streik bemerkbar.

Gerichtsj^sll.

L. Darmstadt, 13. April. Vor der hiesigen Straf­kammer wurde heute abermals gegen den Metzger Frank aus Jugenheim verhandelt, der kürzlich vom Schwurgericht wegen Verleitung zum Met :ie id zu 1 Jahr 4 Monaten Zuchthaus ver­urteilt worden war. Frank war vom Schöffengericht Bensheim in einer Verhandlung wegen Nahrungsmittelfälschung, in der auch bie Verleitung zum Meineid erfolgte (ber Angeklagte hatte eine beanstandete Kuh heimlich geschlachtet und die Hälfte davon an den Metzger Karl Heil m Auerbach abgegeben), ireigesprochen und nur wegen Uebertretung ber Bensheimer Schlachthausordnung zu 30 Alk. Geldstrafe verurteilt worden. Inzwischen hatte aber die Staatsanwaltschaft ermittelt, daß auch Heil von dem ver­dorbenen Zustand des Fleisches Kenntnis haue unb ihn auch des­wegen unter Anklage gestellt. Ter Gerichtshof erachtete beide An­geklagte des Vergehens gegen § 10 des Nahrungsnuttelgejetzes für schuldig und verurteilte Frank zu einer Zuchthauszujatzstraie von einer Woche und Heil zu 14 Tagen Gefängnis.

Landw rrtschKst.

-p E i s c n a ch, 14. April. Ser von oerDeutschen L a n b- wirtschaits-Gejellschaft mit einer Beihilfe von üb ec 32 000 Mk. für bie landwirtjcha'tl. W an d e rl eh r er Deutsch« lanbs veranstaltete achttägige Lehrgang wurde letzte Woche durch Ministerialdirektor Geh. Rat Tr. Thiel-Berlin geschlossen. Der nächste Lehrgang findet tn 3 Jahren statt. Departementschef von Wur mb- Weimar versicherte schriftlich der Tagung jein leb­haftes Jntereffe unb sprach fein Bedauern anS, daß ihn notwendige Aintsgeschäite abgehalten haben, den Verhandlungen persönlich bei­zuwohnen. Die von Lehrern unb Schülern landwirtschaftlicher Schulen veranstaltete sehr interessante Lehrmittelausstellung wurde zahlreich besucht. Prämiiert wurden u. a. mit ersten unb Sieger-Ehrenpreisen: die lailbwirtschaftl. Winter- und Obstbauschnle Friedberg, die landwirtschastl. Winterschule Alzey, die Wiesen- und Wegebauschule Siegen. Einen ersten Preis erhielt die Winter- schule Pegau. Mil zweiten Preisen wurden bedacht die landw. Winterschule in Lich, bie Landwirtschaftsjchule Dahme (Branden­burg) und die landw. Winterschule Landau; dritte Preise erhie teil die Landwirschaitsschiilen Hagen in Weslialen nnb Worms und vierte Preise die Landwirtschaftsschulen Heppenheim, Büdingen und Oppenheim. Lobende Anerkennungen wurden zuerkannt den Lehranstalten zu Marksuhl, Mainz, Darmstadt, Michelstadt unb Alsfeld.

Gsienbahtt-Seitursg.

Tas S e t u n b ä r b a l) n g e | e g, das dem preußischen Abgeordnelenhans zugegangen ist, fordert insgesamt 222 289 000 Mark, darunter 101 204 000 Alk. zum Bau neuer Eisenbahnen, 71 630 000 Alk. für Ausbau bestehender Bahnen, 10 000 000 Alk. für Beschaffung von Betriebsmitteln für im Bau befindliche neue Linien, 500 000 Alk. zur Förderung des Baues von Klembahnen