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Aus Stabt und Land.
Sprechstunden der Redaktion: i/i 12—1 Uhr vorm., Va 7—y3 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, 16. April.
•* Direkte Staatsstenern sind in Hessen für das Rechnungsjahr 1907 13 329 757,75 Mk. veranlagt worden und zwar 3 271 389,75 Mk. Vermögens- und 10 058 338 Mk. Einkommensteuer. Hiervon kommen auf die Provinz Starkenburg 5 693 039,25 Mk. (1 269 758,25 Mk. Vermögens- und 4 423 281 Mk. Einkommensteuer), auf Rheinhessen 5 037 022,25 Mark (1 199 096,25 Mk. Vermögens- und 3 837 926 Mk. Einkommensteuer und auf Oberhessen 2 599 696,25 Mk. (802 535 Mk. Vermögens- und 1 797 161 Mk. Einkommensteuer). Im einzelnen erbringen die oberhcssischen Stcuer- komnufsariate an Steuern: Gießen 656 611,50 Mk. (152 397 Mk. Vermögens- und 504 214,50 Mk. Einkommensteuer) ; Friedberg 171 414 und 462 217,50 Mk.); Hungen 203 430 (82 730,50 und 120 646,50) Mk.; Nidda 180 458,25 (61 646,25 und 118 812) Mk.; Büdingen 174 574,125 (60 969,75 und 113 604,50) Mk.; Lauterbach 169 411 (62 469 und 106 942) Mk.; Butzbach 157 782,75 (56 724,75 und 101058) Mk.; Alsfeld 153 981,25 (52 454,25 und 101 527) Mk.; Ärünberg 139 459,75 (47 051,25 und 84 408,50) Mk.; Homberg 69 473 (28 731 und 40 742) Mk.; Schotten 68 883 (25 894,50 und 42 988,50) Mk.
4- Allendorf a. d. Lahn, 13. Aprll. Die Arbeiten zu dem beschlossenen SchulhauSneubau werden in Kürze begonnen. Der Neubau soll einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung erhalten und kommt m die Nähe des vor etwa 15 Jahren erbauten SchulhauseS zu stehen. Die alte Schule neben der Kirche wird als Gemeindehaus dienen.
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Rolle des Pedv) geradezu „auf den Seih geschrieben" ist. Der Künstler hat sich seüovhl durch sein echt dramatisches und ergreiferr- des Spiel, wie durch seine glanzende gesangliche Leistung als ein vorbildlicher Interpret der ungemein schwierigen Nolle erwiesen. Sehr gut zur Seite stand ihm Frl. Sanden als „Martha", Herr Weber als „Sebastiano" und Herr Stephani als 90sähriger Dorfältester. — Auch das Großherzogspaar sowie Prinz uub Prinzessin Heinrich verfolgten die Darstellung mit großem Interesse und spendeten reichen Beifall.
— Kaiser Wilhelm als Fabrikant. Von den Erzeugnissen der dem Kaiser gehörenden Majolika- und Terrakotta- Werkstätten Sabinen i. Westpr. hat dasDerlinerHohen- zollern-Kunstgewerbehaus eine umfangreiche Ausstellung arrangieri. Der Ladiner Gutsherr, der Kaiser, lobte, als er vor einigen Tagen dies Musterlager seiner eigenen 'Dlanu- iakiur besuchte, zufrieden und guter Laune die Ware. Besonderen Eriolg verspricht sich der Kaiser von einer Meinen Terrakottabüste seiner Person. Um das deutsche Element zu starken und m einem geregelten Berufsleben zur Blüte zu bringen, gründete der Kaiser einen neuen Erwerbszweig für die gefährdete Provmz Westpreußen: die Edeltöpferei. Bon der Ausstellung der auf der von ihm 1898 erworbenen Domäne Ladinen hergesteUten keramischen Gebrauchsund Lchmuckgegenstände handelt em Artikel in der neuesten Nummer von .Welt und Haus". (Leipzig, Weststr. 9.)
— Ter vorzügliche Literarhistoriker Adolf Stern ist am 15. dS. Mts. in Dresden gestorben. Er war lv35 m Leipzig geboren und Professor an der Techn. Hochschule in Dresden. Seme siebenbändige Geschichte der neueren Literatur (im Bibliogr. In- l'titut in Leipzig erschienen) ist eins der gründlichsten und besten, von hohem, künstlerischem Feingefühl aus geschassenen Werke, die wir auf diesem Gebiete besitzen, und leider viel zu wenig gewürdigt und verbleitet. Auch seine anderen llteraturhistorischen Schriften oerdienteri größere Beachtung, als ihnen beichieden war. Auch als Epiker und Novellist ist er heroorgetreteii.
München, 13. April. Ter bekannte Dichter Martin Greif ist schwer erkrankt. Er steht im 69. Lebensjahre.
— Wilhelm Busch erzählt in der neuesten.Jugend" feinen Lebenslauf wie folgt:
Mein Lebenslauf ist bald erzählt. —
In stiller Ewigkeit oer.oreu
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt.
Bis daß ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? — Auf schwachen Krücken, Ein leichtes Bündel auf dem Rücken, Bin ich getrost dahingeholpert, MUrmtet grab, mitunter frumm.
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Und schließlich mußt ich mich verschnaufen. Bedenklich rieb ich meine Glatze Und fah mich in der Gegend um.
O weh! Ich war im Kreis gelaufen, Stand wiederlim am alten Platze, Und vor nur dehnt sich lang und breit, Wie ehedem, die Ewigkeit.
— Glückliche „Dichter". Gelegentlich der 159.Aufführung deZ Kadelburg-Skowronnek'ichen Lustspiels ,H u s a r e n f i e b e r" im Lustspielhaus zu Berlin dürite die Aittteilung interessieren, daß dre bisher erzielten Einnahmen das hübsche Sümmchen von 442000 Mark ergeben und somit Direktion und Autoren, die eine namhafte Tantieme beziehen, ein Gefchäft machten, rote es noch fetten mit einem Stück erzielt wurde.
— Maude Roosevelt, die junge Cousine des Präsidenten, hat vor kurzem im Elberfelder Stadttheater als Elsa im „Lohengrm" mit Eriolg debütiert und wurde daraufhin für die kommende Saison als Mitglied dieser Bühne verpflichtet.
— Das Wiener Landgericht Hal die von der Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme der Tragödie „Ludwig IL“ von Ferdinand Bonn wegen Beleidigung der Mitglieder des kaiserlichen Hauses (Kaiserin Elijabeth) bestätigt und auf Vernichtung der bejchlagiiahmten Exemplare erkannt.
— Wiesbaden, 15. April. Die 25. Jahresversammlung desKongtessesfürinneteMedizin trat heute hier unter dem Vorsitz des Profeu'or Schuly-Bonn zusammen. Anwesend sind etwa 400 Aerzte aus Deutschland und dem Auslande. Mit dem Kongreß ist die Feier des 25;ährigen Bestehens des Kongresses verbunden. Exzellenz Professor von Leyden-Berlm begrüßte die Kongreßteilnehmer; namens her Stadt Wiesbaden bewillkommnete Bürgermeister Heß die Erschienenen, namens des Kriegsmini- fteriums Oberstabsarzt Dr. Golana und im Auftrage des Unter» richtsministetimns Geheimrat Prof. Dr. Schrötter, namens der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde Dr. Selten. Geheimrat v. Leyden erstattete sodann den Geschäftsbericht über die 25jahr. Tätigkeit des Kongresses, worauf in die Verhandlungen eingetreten wurde. Dann verkündete der Vorsitzende die Ernennung einer Reihe von Ehrenmitgliedern: u. a. von Behring-Marburg, Ehrlich-Frank satt, Erb-Heidelberg, Emll Fischer, Robert Kocy-Derun, v. Lcube-Würzvurg, Naum-n, von Recklinghausen- Straßburg, Schmidt-Frankfurt.
— Die geinige Vorstellung des „Jungen F r i tz", die Ferdinand Bonn vor einem geladenen Publikum im Berliner Theater geben wollte, verfiel, der polizeilichen Auslösung.
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trags, durch den BundeSratZbevollmachtigten bei dem Reichsamt des Innern an fragen lassen, ob nicht cttoa von Reichswegen durch eine gleichartige Erhebung in allen Bundesstaaten, sei eS durch die Landesbehörde, oder durch das Kaiserl. statist. Amt, die Prill snng der Heimarbeiterfrage beabsichtigt sei. Die damalige Antwort ging dahin, daß es nicht in der Absicht liege, eine derartige allgemeine Erhebung durch die Landesbehörden vvrzunehmen. Eine erneute Anfrage bei Uem Rcichsamt des Innern im Oktober verflosfeuen Jahres, ob und bis wann eine Regelung der Ber- hältuisse der Heimarbeit durch das Reich zu erwarten sei, wurde dahin beantwortet, daß bereits kommissarische Beratungen über diese Angelegenheit eingeleitet seien, und daß nach Abschluß derselben dem Bunvesrate eine Vorlage zugehen würde.
Der Ausschußbericht sühtt hierzu aus: Wenn nicht zu verkennen ist, daß eine allgemeine Erhebung im ganzen Reich im Sinne des Antragstellers von großem praktischem Wert und die Ergebnisse einer solchen mittestimmcnd auf den Ausfall des in Aussicht stehenden Reichsgesetzes fcin könnte, so kann im Gegensatz hierzu einer besonderen EthÄung nur in Hessen cm allgemeiner Wert nicht beigemessen werden. n t
Wie aus dem Jahresbericht von 190a des Grotzh. Hess. Landes- wohnungsiirspektvrs zu ersehen ist, haben bei der Feststellung der Wohnungsverhältnisse von Heimarbeitern zu gleicher Zeit Er- hrbungen über die Arbeits- und Lohnverhältnisse stattgefunden, deren Ergebnisse ein Bild über die Lage der Heimarbeiter, speziell der Tabak-, Portesenille- und Kvnfektionsbranche geben.
Erneute, eingehendere und allgemeinere Erhebungen können zurzeit durch die Gewerbeaufsichtsbeamten nicht gemacht werden, da sie durch ihre Dienstgeschäfte so in Anspruch genommen sind, daß eine derartige Nebenarbeit, ohne störend auf den Dirnstbe- tricb einzuwirken, von ihnen nicht geleistet werden könnte. Es muß ferner bemerkt werden, daß die Bearbeitung des Materials, das sich aus einer solchen Erhebung ergibt, jedenfalls einer langen Zeit bedarf, so daß die ganze Arbeit durch das in Aussicht gestellte und in Bälde zu erwartende Reichs- gesetz überholt würde.
Demgemäß beantragt der Ausschuß, die zweite Kammer wolle an die Großherzogliche Regierung das Ersuchen richten, dahin zu wirken, daß dem Bundesrate baldigst ein Gesetz betr. der Heimarbeit von der Reichsregicrung vorgelegt wird, und den Antrag des Abg. Reinhart für cr- ledigt erklären.
politische Cagesscha«.
Ter Siegeszug der hessischen Srmultanschnle.
Das im Jahre 18/4 erlasfene hessische Schulgesetz erklärt die ösfenllichen Volksschulen als gemeinsame Schulen, ,d. h. sie sind für die Kinder sämtlicher Artgchörigen einer politischen Gemeinde bestimmt; zugleich enhält es genaue Bestimmungen über die Umwartdlung von Konsesfimisschulen in gemeinsame, beziehungsweise Neuerrichtu"^ konfessioneller Schulen. — Als einen sehr glücll'.chen GÜanL’’-. nnvr, man es anscyen, daß oie, Gesetzgebung nicht zwangsweise zur Einführung der Simultanschule schritt, sondern daß man die Entwicklung ruhig der Zukuust überließ, die dann auch brachte, was man sich von der Neuordnung der Dinge versprach. Das Volk gab selbst die Arrtwort, die man so formulieren laiut: in einem Lande mit konfefsionell gemischter Bevölkerung ist die Simultanschule die bejte Schulform; denn wo man sich sonf> ohne Rücksicht auf das Bekenntnis zur Arbeit zusammenfindet, da kann auch die Jugend ohne Gefahr für ihr Seelenheil zu gemeinsamer Lernarbeit vereinigt werden! —» Sert Bestehen des erwähnten Gesetzes ging und geht darum die Zahl der Konsefsionsschulen stetig zurücl, so daß zurzeit von den nahezu 1000 Schulen des Großherzogtums etwa 80 auf die Konfessionsschulen entfallen, je zur Hälfte protestantisch oder katholisch. Unterhalten werden dieselben entweder von den politischen, beziehungS- weife Konseisionsgemeinden, oder von religiösen Vereinen, wie Gujtav-Adolf- und BonifatiuS-Verein. Verschiedene dieser Vereinsschulen sollen nun wiederum mangels der erforderlichen Geldmittel zu Ostern d. I. eingehen, tu den betreffenden Gemeinden soll die gemeinsame Schule ein^eiül/rt werden. Es steht zu hoffen, daß in nicht allzuferner Zeit die Simultanschule in allen hessischen Gemerndcu allein zu finden sein wird. Der ganze Entwicklungsgang der hessischen Volksschule während der letzten drei Jahr-
iej)ntc hat die Berechtigung und Durchiüyrbarkeit Du: genuin)amen Schule in überzeugender Weise bargclegt Ein Antrag der lozial- demokratischen Landtagsfraktion, der die noch bestehenden Kvn- fessionsschulen gewissermaßen zwangsweise in gemeinsame Schulen umwandeln möchte, erscheint daher überflüssig und schädlich; die natürliche Entwicklmtg ist besser als scharfe GcsetzeSparagraphen.
Die Men Herren des ^Vereins dentscher Ctndeuten", die in den neuen Reichstag eingezogen sind, sind über alle Parteien hinweg verstreut. So ist Dr. Diedcrich Hahn, der einst an dem ersten Kysfhäusertage den Vorsitz führte, einer ter Führer des Bundes der Landwirte geworden, Landrichter Dr. Magner, der in Leipzig aktiv war, gehört der konservativen Partei an, Dr. Böhme, der seinen einstigen Vereinsbruder Hella v. Gerlach aus dem Marburger Kreise verdrängte, ist deutschsozial und hat sich bekanntlich der Wirtschaftlichen Der-- Einigung angeschlossen. Landgerichtsdirektor Heinze aus Dresten ist nationalliberal, Friedrich Naumann hat bekatrnllich dein M-eg Dem christlichen Sozialismus bis zur Freisinnigen Vereinigung zurückgelegt und Wolsgang Heine endlicl) ist im Lager der roten Genossen gelandet, wenn er auch hier den maßvolleren Revisionismus üertriit. Von sieben Mllgliedern des Vereins deutscher Studenten gehören also drei der Linken an. Schließt man von hier aus zurück, so wird man gerechterweise zu dem Urteil gelangen, daß der viel angefeindete Verein seinen Mitgliedern keineswegs polit. Scheullappen anlegt, daß er vielmehr der freien Entfaltung der Persönlichkeit jeden Spielraum gewährt und sich nur bemüht, einen starken nationalen Idealismus zu pflegen. Daß er jedoch für seine Mitgliedschaft eine Grenze s«()t und den Zusammenhang löst mit Heine, der sich der Sozial- oemokratie anschloß, kann man ihm nicht verübeln. Daß er aber Herrn v. Gerlach an die Luft setzte, einen Mann, dem auch bet gerechte Gegner die Verfolgung nationaler Ideen nachsagen muß, wird man in weiteren Kreisen schwer verständlich finden.
Kleines Feuilleton»
4- Darmstadt, 15. April. Im Hoftheater hat am Sonntag abend Euge n d'A l b e r t s neues Musik-Drama „T i e s- l a n b" bei seiner Erstaufführung einen starken Erfolg erzielt. Wir haben es hier unstreitig mit einem Werk zu tun, dessen dramatische Kraft und hoher musikalischer Wert ihm einen dauernden Platz in der modernen deutschen Lpernliteratur sichern werden. Der nach dem Spanischen von R. Lothar bearbeitete Stoff bringt uns den Gegensatz zwi'chen dec reinen Höhenluft und den MiaSmen des „Tieflandes" zur Anschauung. Der Hirt Pedw, der auf einer hoyen Atpe in den Pyrenäen eine schlia-tz Hütte bewohnt und seine Schafe hütet, ist auf seinem einsamen vtntz zivar cm kräftiger, urwüchsiger Mann geworben, aber auch von jeder menschlichen Kultur unbeleckt geblieben, ja er ist ein „Tummkopst", wie die Leute sagen. Er ahnt deshalb auch nicht, ivelch schlechten Streich ihm ter reiche Grundbesitzer Sebastiano fpiell, intern er ihm ein angenommenes Findelkind, Martha, zur Fran geben wlll und die ganze Heirat nur ein Mittel sein soll, ten Umgang mit Martha ungenierter fortzusetzen, denn Sebasticuw ist nicht mehr ter reiche Mann und daher gezwungen, eine reiche Frau zu nehmen. Martha flieht zuerst vor diesem Naturmenschen Pedro, als er ihr aber seine Hirtenabeilleucr erzählt und berichtet hat, wie er einen in seine Herde eingebrungenea Wolf erwürgte, gewinnt sie Interesse an ihm und heiratet ihn. Da kommt ater Sebastiano und pocht auf feine Rechte, ja er läßt durch seine dienstwilligen Knechte Pedro mit Gewalt entfernen. Ater er entkommt ten Knechten und dringt wieder in die ihm zur Wohnung gegebene Mühle ein. Nun gesteht ihm Martha ten ganzen Sachverhalt und als bann Sebastiarw nächtlich wieder erscheint, wird er im offenen, ehrlichen Kampf von Pedro ebenso erwürgt, wie einst ter Wolf. Dann ziehen die beiden Liebenden wieder hinauf zu ten Höhen, auf denen Glück und Freiheit NTvhnen. — Der als Klaoiervirtnofe weit bekannte Komponist hat zu dem sehr geschickt behcrntelten Text eine höchst wirksame, gehaltvolle Musik geschrieben, die sich besonders auch durch die effektbolle Crcteftrierung und die scharf charalteristische Behandlung der Leitmotive auszeichnet und trotz des spanischen Textes eine prägnante deutsche Färbung zeigt. Hofrat de Haan und Oberregisseur Bald eck hatten das Wer«! mit größter Sorgfalt einstudiert und die geradezu mustergültige Darstellung dec Hauptpartien trug ohne "Frage in erster Linie zu tem glänzenden Erfolg bei, der sich tu tem phrenitischen Beifall ausdrückte, mit dem die Hauptdarsteller am Schluß beider Telle des Musikdramas mintestens ein halbes Dutzend Mal hervvrgerufen wurden. Der Lorbeer des Abends gebührt intferm Heltentenor Spernanu, dem die
Aus dem ZleichsLa.q.
R. Berlin, 15. Aprll.
Die Zahl der zur sozialpolitischen Generaldebatte noch gemeldeten Redner deckt den Bedarf für mindestens drei Sitzungen. Zumeist sind es Abgeordnete der Sozialdemokraten imb des Zentrums, denen die Diskussion nicht genug „vertieft" werden kann. Dieses Bestreben ist zwar nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit Der Absicht, die Verhandlungen in die Lange zu ziehen, aber es gibt Den Parteien zu denken, die mit der Regierung den Wunsch haben, nicht unter bei munteren Rebe Fluß Die parlcun. Arbeit leiben zu lassen. Allerbings muß von bet Erörterung nachgerade gesagt werden: was sie Neues bringt, ist nicht interessant, und das Interessante nicht neu. Man spricht, mit wenigen Ausnahmen', fast nur „für die Stenographen". Kein Wunder daher, wenn das Gerücht von einem Schlußantrage ging, durch den die Schleusen der Redelust jäh geschlossen werden sollten. Vergeblich bat heute Abg. Horn (Soz.) wiederholt in beweglichen Worten: ,L)ören Sie zu, meine Herren!" — es zeigte sich keine Neigung, die schon oft gehörte Schilderung über ine Arbeitsverhältnifse in Glashütten nochmals zur Kenntnis zu nehmen. Vergeblich ließ Abg. v. D i r k s e n (Rp.) einen wahren Sturzbach von Worten in den Saal brausen, um „Millelstandssreundlichleit unö Terrorismus" der Sozialdemokratie zu charakcecisieren. Es kam keine rechte Arlleilnahme 4um Durchbruch. Eine gewifsc Nervosität machte sich erst bemerkbar, als die Auseinandersetzung zwischen der Reichs- Partei und d.er äußersten Linken eine mehr persönliche Form annahm. .Herr v. Dirksen zeigte auch heute wieder, das; er kein Mann bet blassen Furcht ist. Et fiel so heftig ans, besonders gegen den Abg. Stadthagen, daß die Männer nm Bebel protestierten, und Stadthagen erregt auf Den Redner ein)prad). Die bürgerlichen Parteien inbeffen blieben kühl, und wenn Herr von Siil]en sich der Erwartung hingeoen sollte, unter der neuen Reichstagsmehrheit Stimmung gemacht zu haben für ein Ausnahmegesetz gegen die SozialDemokratie, so wird ihm die Etit- täuschung nicht erspart bleiben.
(braf Posadowsky bereitete diese Wirkung schon heute bot. Er erklärte den Erlaß neuer Gesetze zum Schutz der Arbeitswilligen für überflüssig. Die bestehenden reichten aus, roerm sich in Fällen des Terrorismus nur immer Kläger unö vor allem Zeugen melden wollten. Im übrigen hat Herr b. Dirksen vergessen, das; der Reichstag in seinem bürgerlichen Bestandteil Sozialpolitik gctieben hat niemals in Rücksicht auf die Sozialdemokratie, sondern allein in Rücksicht auf das Volk. Und das ist der leitende Grundsatz auch für die konseroativ-lib. Mehrheit, in bei beiläufig bie Reichspartei zu einer Vermittlerrolle sich berufen glaubt. Eines ihrer hervorragenden Mitglieder, Fürst Hatzseldt, gilt als Vertrauensmann des Fürsten Bülow und auch als Freund der Mittelstandspolitik. Vielleicht ist es bei dieser Sachlage £>:cm neuen Reichstag beschieden, sich nm die Fürsorge für den Mittelstand besonders verdient zu machen, die ja in der diesmaligen sozialpolitischen Debatte als dringlich von allen bürgerlichen Parteicui anerkannt wurde.
Tie wirksamste Rede des Tages Hielt Abg. Dr. I nn ck (NI.), der Leipziger Stadtverordnetenvotstehet. Ei teiührte auch Die noch immer ungeklärte Frage der Schissahttsabgab en, über deren Staiid gewissermaßen „Kriegsberichte", imb zwar i\ d)t wechselvolle, aus gegeben wurden.
Erhebungen über die Zustände in der Heimarbeit im Großherzogtum Hessen.
Ein durch den Abg. Reinhart eingeorachter Antrag geht dahin, die 2. Kammer wolle beschließen, die Grvßh. Regierung zu ersuchen:
Durch die Gcwevöeinspektionen alsbald Erhebungen im Lande in die Wege 3u leiten und deren Ergebnijsc den Ständen zugehen zu lassen über: 1. bie Zahl und das Alter der in der Heimarbeit beschäftigten erwachsenen und fügend- litte» Arbeiter und Arbeiterinnen; 2. Über deren Arbeitszeit; 3. über deren Lohn und deren Arbcitsbedin-- gungen; 4. über deren Wohnungsverhältnisse und tercn ArLeitsräuure.
Wie aus einem Schreiben des Großh. Ministeriums des Innern bum 30. Oktober 1906 an ten 4. Ausschuß bet 2. Kammer zu ersehen ist, hat bie Regierung schon vor Eingang bieses An
Nr. 88 /tf'Gvftc§ Blatt 157. Jahrgang Dienstag 16. April 1907
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