Ausgabe 
15.5.1907 Erstes Blatt
 
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behauptet, daß der Fuhrmann schimpfend weiterfuhr, ohne sich um das verunglückte Kind zu kümmern.

- Im Kolosseum finden wegen deS Programm­wechsels am Donnerstag und Freitag keine Vorstellungen statt. Am SamStag beginnt dann ein vollständig neues Programm.

'Klavierabend des Pianisten Albert Menn. Neber den blinden Pianisten Menn, der morgen im neuen Saal- bau konzertiert, schreiben die Düsseldorfer N. N. anläßlich eines Klavierabends: Trotz de? abscheulichen Wetters war der Konzert- saal im Hotel Heck voll beseht, und die Konzertbesucher, die sich durch Sturm und Regen hindurch gearbeitet batten, wurden durch rounberoone Darbietungen reichlich entschädigt. Wir würden den sehenden Künstler Menn ob seiner gestrigen Leistungen außerordent­lich hoch einschätzen, der des Augenlichtes beraubte Künstler Menn ist eine geradezu phonomenale Erscheinung. Da? Programm brachte Werke von Bach, Beethoven, Schumann, Chopin, Brahms, Rubin­stein und Liszt; es waren also die bedeutensten Klavierkomponisten und damit zugleich auch die Vertreter der mannigfachsten Stile ver­treten. Es liegt uns fern behaupten zu wollen, daß der Herr Menn der Eigenart einer jeden Komposition gerecht wurde, aber der Künstler zeigte soviel musikalische Intelligenz und Gestaltungs- krast, daß er den kundigen Hörem einen tiefgehenden wahrhaften Kunstgenuß verschaffte.

Die evang. Kirchengesangvereine für Hessen feierte am Samstag und Sonntag ihr 2 8. Kirchen- gesangsfest in Michelstadt i. O. Es waren ca. 20 Vereine (auch Gießen) vertreten. An Stelle des verhinderten Vorsitzenden Oberrechnungskammerpräsidenten Ewald begrüßte Oberkonsistorialrat D. Flör ing die Hauptversammlung, die im Rathaussaale stattfand. Den Jahresbericht erstattete Prof. Heil. Der hessische Verband besteht auS 133 Vereinen, davon 65 in Starkenburg, 37 in Rheinhessen und 31 in Oberhessen. Die Jahresrechnung, die mit einem Ucberschuß von M. 371,75 Pf. schließt und aus der sich ein Vereins­vermögen von M. 4720 ergibt, wurde genehmigt. An die Erledigung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten schloß sich ein gemeinsames Mittagessen, dem um */,8 Uhr der Festgottesdienst folgte, in dem Chöre von Paul Gerhardt von den Vereinen Beerfelden, Erbach, Hirschhorn, Michel­stadt, Neckarsteinach und Rothenberg musterhaft vorgetragen wurden. Die Festrede hielt Pf. Kempf-Steinbach a. T. ES folgte ein hübsch verlaufenes Gartenfest.

X Lardenbach, 14. Mai. Seit einem Fahre führt die Gewerkschaft Luse und Ilsdorf in unserer Gemarkung Aufschlußarbeiten auf Eisenerze und eS sind ausgedehnte Eisensteinlager aufgeschlossen worden. Es soll nunmehr ein großer Grubenbetrieb mit Waschanlagen aufge- uommen werden. Für einen solchen Betrieb ist die Sag1» sehr günstig, da sich zum Eisensteinversande die Bahnstation Weickardtshain in unmittelbarer Nähe befindet. Das Unter­nehmen wird vielen Arbeitern Verdienst bringen.

w Bad-Nauheim, 14. Mai. Cornelius Vander- b ilt und Familie ist im Hotel Kaiserhof zur Kur eingetroffen.

Darmstadt, 15. Mai. Die 17. ordentliche Generalversammlung der Zentral - Genossen­schaft der Hess, landw. Konsumvereine, e. G. m. b.H. zu Darmstadt, findet am Samstag 25. l. M. in Darmstadt statt. Wir entnehmen dem zum Versand gekommenen Ge­schäftsbericht für 1906, daß der Genossenschaft am Ende des Jahres 122 Mitglieder, und zwar 87 Bezugs- und Absatz­genossenschaften, 24 Spar- und Darlehnskassen, 2 Winzer­genossenschaften, 1 Molkereigenossenschaft, 1 Spargel-, Obst­und Gemüsebauverein und 7 Einzelpersonen angehörten. Der Gesamtwarenbezug im Jahre 1906, bestehend aus HülfS- hunger, Kraftfuttermitteln, Kohlen, Sämereien, Torfstreu, Schwefel, Kupfervitriol ic. betrug 445 291 Ztr. im Werte von Mk. 1 391 609,84. Der Warenbezug ist auch gegen das Vorjahr nicht unerheblich gestiegen, insbesondere bei Dünger und auch bei Kohlen. Die Geschäftsergebnisse werden trotz des erschwerten Geschäftsbetriebes als außergewöhnlich günstig bezeichnet. Der Reingewinn einschl. Vortrag auS 1905 beträgt Mk. 62 541,52. Hiervon sollen nach den Anträgen deS Aufsichtsrats und Vorstandes verwendet werden für die verschiedenen Reserven Mk. 8000.; die Geschäftsguthaben sollen mit 5 Proz. verzinst und als Rückvergütung auf die verschiedenen Warenbezüge sollen Mk. 45 420,53 auSgeschüttet werden. Mit Rücksicht auf den schwierigeren Gang des Ge­schäftes im laufenden Jahre soll ein Betrag von Mk. 8280,99 auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Geschäfts- guthabeu der Zentral-Genoffenschaft betrugen am Ende des Jahres Mk. 19 526., die vorhandenen Reserven Mk. 87 500.

h. Offenbach, 14. Mai. Zudem Bombenattentat auf die hiesige Polizei wird weiter berichtet: Man nimmt einen Racheakt der Anarchisten an, weil der Anarchisten­kongreß in Offenbach polizeilich verboten wurde. In Offen­bach herrscht große Aufregung. Der Täter mußte mit den Oertlichkeiten in dem Polizeigebäude Bescheid wiffen, denn er warf die Bombe genau gegen den Tisch, an dem gewöhnlich der Polizeioorsteher zu arbeiten pflegt. Die Bombe ist aus einem dicken Gasrohr angefertigt und war nut einem sehr wirkungsvollen Sprengstoff, anscheinend Dynamit, gefüllt. Die Polizei in Offenbach hat sich bereits mit der Berliner poli- tlschen Polizei in Verbindung gesetzt. Der Oberstaatsanwalt auS Darmstadt traf heute vormittag in Offenbach ein und besichtigte den Tatort.

e Frankfurt a. M., 14. Mai. Die Kais erin mit den Prinzessinnen Viktoria Luise und Alexandra Viktoria traf heute mittag kurz nach 4 Uhr in Automobilen hier von Homburg v. d. H. ein. Die Herrschaften besichtigten den Römer, von Oberbürgermeister Adickes empfangen und ge­leitet. Hierauf besuchten die Prinzessinnen das Goethehaus, während die Kaiserin sich mit dem Oberbürgermeister nach dem neuen Heim der Senckenbergischen Naturforschenden Ge­sellschaft begab, deren Protektorin die Kaiserin ist. Beim Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen trafen die Kaiserin und die Prinzessinnen dann wieder zusammen.

h. Homburg v. d. H., 14. Mai. Auf der Renn­strecke zwischen WeilburgGräfenwiesbach verunglückte heute früh ein Rennwagen der Adlerfahrradwerke Frankfurt. Der Chauffeur und der Mechaniker fielen heraus. Letzterer erlitt einen Schlüsselbeinbruch.

0 Marburg, 14. Mai. Der 26 Jahre alte Arbeiter Battenfeld wurde in der Block'schen Holzschneiderei durch ein abspringendes Stück Holz so schwer verletzt, daß er in her hiesigen Klinik ftarb.

D Frankenberg, 14. Mai. Im Edertal tobten gestern heftige Gewitter. Die Baumblüte hat durch Hagel­schlag sehr gelitten. In Schreufa siel das Söhnchen des Müllers Bohle in den Mühlgraben und ertrank.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 14. Mai.

Ans Furcht vor dem Arbeitshaus

hat der Kaufmann G. F. aus Schönberg in Mähren ein Urteil des Schöffengerichts Büdingen angefochten. Er wurde in Büdingen bettelnd betroffen und hat in seiner Trunkenheit durch lautes Schimpfen und Schreien groben Unfug verübt. Das Schöffengericht erkannte wegen Bettelns auf 14 und wegen groben Unfugs auf 5 Tage Haft, auch hielt es mit ffiücksicht auf seine Vorstrafen wegen Bettelns die Ueberweisung an die Landespolizei für an­gezeigt. Seine Berufung richtete sich nur gegen die letztere Maßnahme; er hielt diese für ungerechtfertigt, da er an­geblich 10 Jahre ununterbrochen zu Wien in einer Fabrik tätig gewesen sei. Er verwahrte sich dagegen, ein Land­streicher zu sein, da er jede sich bietende Arbeitsgelegen­heit wahrgenommen habe, seitdem er infolge Einstellung des Fabrikbetriebs brotlos geworden sei, übrigens sei ihm eine Stellung auf der Bürgermeisterei in Büdingen zuge- sagt worden, die er, falls er nicht in das Arbeitshaus müsse, antreten könne. Das Gericht hatte keinen Anlaß, diese Angaben iciuf ihre Richtigkeit zu prüfen; es stellte fest, daß der Angeklagte in diesem Jahre bereits dreimal im Jn- lande wegen Bettelns bestraft worden ist, somit die Voraus^- setzungen zu der vom Schöffengericht ausgesprochenen Ueber­weisung vorliegen, weshalb das Urteil seine Bestäti­gung fand.

Das gleiche Schicksal ereilte den 26jährigen Tag­löhner Ph. Sl aus Oberbessenbach, bezüglich dessen das Schöffengericht auf Grund der reichhaltigen Strafliste wegen Bettelns zu der Ansicht kam, daß die Unterbringung in einem Arbeitshaus erzieherisch auf ihn wirten würde und ihm Gelegenheit zu einer regelmäßigen Beschäf­tigung gäbe. Auch dieser wollte seine Haftstrafe gern ver­büßen, wenn man ihn nur mit dem Arbeitshaus verschonen wollte. Er hatte aber wenig Glück, denn seine Berufung wurde mit der Maßgabe verworfen, daß ihm eine Woche der erlittenen Untersuchungshaft auf die vom Schöffen­gericht erkannte vierwöchige Haftstrafe angerechnet wird.

Wegen widernatürlicher Unzucht begangen an einer Kuh seines Dienstherrn in Rodheim v. d. H. wurde der Dienstknecht G. F. aus Steffisburg (Schweiz) zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, worauf 3 Wochen der erstandenen Untersuchungshaft an­zurechnen sind.

Ju der Spinustnbe.

Die ledige E. Sch. zu Bettenhausen hat in einer Spinnstube wiederholt und auch auf der Ortsstraße den Landwirt H. K. als den Vater ihres Kindes bezeichnet, Tatsächlich ist er auch gerichtlich zur Alimentieruug ver­urteilt worden, er bestreitet aber nach wie vor die Vater­schaft. K. erhob Klage wegen Beleidigung und das Schöffen­gericht verurteilte die Sch. wegen Beleidigung in einem Fall zu 3 Mk. Geldstrafe, während es wegen eingetretener Verjährung, bezw. wegen verspäteter Strafantragstellung bezüglich der übrigen Fälle, das Verfahren einstellte. Der Kläger erhob Berufung und wies nach, daß er erst später von der Beleidigung Kenntnis erhalten hat und daß die dreimonatige Antragsfrist gewahrt sei. Im Hinblick auf das Ergebnis der Verhandlung hielt das Beruftingsgericht den Antrag als rechtzeitig gestellt. Es nahm zugunsten der Angeklagten an, daß die Aeußernngen in der Spinnstube, die auf einen einheitlichen Entschluß zurückzuführen sind, nur als eine Beleidigung anzusehen sind und setzte hier­für eine weitere Strafe von 3 Mk. an.

Bom Btshseucheugesetz.

Dem Schäfer A. St. zu Ober-Breidenbach war zur Last gelegt, daß er von dem Ausbruch der Räude bei den zu seiner Weide gehörigen Schafen, oder doch einer verdächtigen Er­scheinung, die den Ausbruch der Krankheit befürchten ließ, der zuständigen Polizeibehörde keine Anzeige gemacht habe. Er wurde deshalb wegen wissentlichen Vergehens gegen das Viehseuchen- gesetz in Verbindung mit Uebertretung der Polizeiverordnung, die zur Verhütung der Einführung und Verbreitung von Vieh­seuchen angeordnet ist, unter Anklage gestellt. Er gab zu, daß er an den Tieren, bei denen der Kreistierarzt später die Räude feststellte, Pocken wahrgenommen habe und daß er diese Stellen alsbald eingeschmiert hat, von dem Vorhandensein der Räude will er aber keine Ahnung gehabt haben, zumal er von den Besitzern angewiesen worden ist, die Stellen, wo sich Pocken zeigen, einzuschmieren. Das Schöffengericht hielt den Angeklagten nicht für intelligent genug, um die Krankheit erkennen zu können, weshalb es zum Freispruch gelangte. Demgegenüber hielt die Strafkammer infolge Berufung der Staatsanwaltschaft für fest- gestellt, daß der Angeklagte wohl in der Lage war, die Krank­heit zu erkennen, zum mindesten mußten ihm die Tiere verdächtig vorkommen, in welchem Falle er schon zur Anzeige verpflichtet gewesen wäre. Trotzdem konnte eine Verurteilung nicht eintreten, im Gegenteil wurde seine Unschuld festgestellt, da sich die Tiere beim Ausbruch der Seuche in den Ställen der Be­sitzer befanden und dem Schäfer während dieser Zeit weder die Ueberwachung der Tiere, noch deren Fürsorge oblag; anders wäre es gewesen, wenn er als Vertreter der Besitzer gehandelt hätte, oder die Tiere auf der Reise oder auf der Weide be­gleitet hätte.

Diebstähle und Hehlerei.

Auf der GewerkschaftFriedrich" zu Treis-Horloff machte der Maschinenmeister die Wahrnehmung, daß ihm sehr wertvolle Maschinenteile abhanden kamen; auch vermißte man sonstige Metallgegenstände, als Messingschienen, Kupferrohr u. dal. Der des Diebstahls verdächtige, wiederholt bestrafte Arbeiter F. B. aus Inheiden, der auf der Grube als Aschenfahrer tätig war, gestand bald zu, die Diebstähle verübt zu haben. Er hatte die meisten Gegenstände in Stücke geschlagen, nach seiner Wohnung gebracht, wo seine Frau einen Althandel betreibt. Diese ver­äußerte das Gestohlene weiter an den Kaufmann A. G. in Wohnbach, weshalb sie beide wegen Hehlerei unter Anklage ge­stellt wurden. Während B. die Diebstähle unumwunden zu- gestand, leugnete seine Frau, von dem unredlichen Erwerb Kenntnis gehabt zu haben, trotzdem sie dies in der Voruntersuchung zugab. G. will überhaupt die Gegenstände nicht näher betrachtet haben, weshalb er der Ansicht ist, daß bei ihm von einer strafbaren Handlung keine Rede sein kann. Diese Angaben verdienten jedoch wenig Glauben; das Gericht hielt alle für überführt und es diktierte, mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit eines solchen Treibens und den erheblichen Wert des Gestohlenen, der von dem Ma­schinenmeister auf 5600 Mark veranschlagt wurde, dem B. wegen Rückfallsdiebstahls I Jahr 3 Monate Zuchthaus zu; seine Frau erhielt drei und G. sechs Wochen Gefängnis. Ersterem wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab­gesprochen und ihm ein Monat der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet.

R. B. Darmstadt, 14. Mai. In dem Beleidigungs­prozeß btt>' Pfarrers Korell gegen Redakteur Gras- wurm wurde die Beweisaufnahme zu Ende geführt. .Das Urteil wird am nächsten Freitag verkündigt werden. (Näherer Bericht folgt.»

Arbeiterbewegung.

Berlin, 14. Mai. Die Wiederaufnahme der Ar­beit in der d e u t s ch e n H o l z i n d u st r i e wird in allen am Kampf beteiligten Provinzorten am Mittwoch dieser Woche erfolgen. Eine dahingehende Anweisung ist heute allen Ortsgruppen des

Arbeitgeberschuhverbandes für das Hvlzgewerbe vorn Berliner Zentralvorstand telegraphisch zugegangen.

Königsberg, 14. Mai. Gestern nachmittag lauerten ausländische Hafenarbeiter vor einem Wirtshaus Arbeitswilligen auf und verursachten eine Schlägerei, acht Verhaftungen wurden vorgenommen. Auch abend? unb nachts wiederholten sich solche Ueberfälle, die mit Verwundungen und Verhaftungen ver­bunden waren.

L ud wi g S h a f en, 14. Mai. Heute morgen wurde von den eingestellten Streikenden in der Leimfabrik d i e Arbeit wieder ausgenommen. Die Gendarmerie rückte um 8 Uhr in ihre Heimat ab. Es herrscht nunmehr völlige Rr>he. Die Zahl der Verhafteten ist auf 30 gestiegen, darunter befindet sich eine Frau. 24 der Verhafteten befinden sich in Frankenthal, 6 im hiesigen Gefängnis.

Straßburg i. E., 14. Mai. Auf den Erzgruben van Oettingen im Kreise Diedenhofen sind 1000 Bergleute in den Ansstand getreten. Die Ursache des Streiks ist Unzufriedenheit mit dem neuen Knappfchaftsstatut.

London, 14. Mai. Der Verband der Eisenbahn- Ang e stellt en wird demnächst eine neue große Versammlung einberufen, in der endgültig die Maßnahmen vereinbart werden sollen, welche bezweckeii, die Forderiingen der Arbeiter bei den Bahngesellschaften durchzusehen. Es febeint sicher, daß gegebenen falls 100 000 organisierte Eisenbahn-Angestellte der Parole der Führer folgen und in den Generalstreik eintreten werden.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag den 16. Mai: Wechselnde Bewölkung. Stellenweise Gewitterregen. Am Tage wärmer. Südliche Winde.

Märkte.^

fe. Frankfurt a. M., 15. Mai. ^Orig.-Telegr. de?Gieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schafe u. Hämmel, 1557 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 5500 Pf/ Lebendgewicht 43.00-00 Pf., 2. Qual. 5400 Pf., Lebendgewicht 42.50-00 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg. Kälber 1. Qual. 0000 Pf. Lebendgewicht 00 - 00 Psg., 2. Qual. 0000 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg., Schlachtgeivicht 00 00 Pfg. Schafe 1. Qualität 0000 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg, Geschäft bei Schweinen: Markt gut, kein Ueberstand.

(DriginaUDratytmelfcungen*

Genua, 15. Mai. Ter hiesigeSeeolo" veröffentlicht ein Interview mit dem französischen Minister des Aeußeren, Pichon, über ein eventuelles Abkommen zwischen Frankreich und Deutschland in der K o l o n i a l s r a g e. Ich glaube nicht, erklärte Pichon, daß ein Abkommen dieser Art möglich ist, da augenblicklich keine Meinungsunterschiede zwischen beiden Ländern über die Kolonien bestehen. Ich sehe keine strittigen Fragen, welche die Grundlage zu Unterhandlungen zwischen beiden Regierungen liefern könnten. Was die Frage der Bagdad- Bahn betrifft, so handelt es sich in dieser Angelegenheit mehr um eine finanzielle, als um eine politische Frage. Obgleich andere Mächte gleichartige Interessen wie Deutschland in dieser Gegend besitzen, kann ick) doch versichern, daß Frank­reich diesem deutschen Unternehmen keinerlei Hindernis irgend­welcher Art in den Weg legen wird, wodurch dem internationalen Handel ein weites Gebiet geöffnet wird. Bezüglich des französisch- japanifchen Abkommens äußerte der Minister, dieses Abkommen habe die Aufrechterhaltung des status quo im äußersten Orient zum Zweck. Die Besorgnis gewisser deutscher Blätter sei völlig unbegründet. Niemals sei ein Vierbund beabsichtigt gewesen, da zum Abschluß eines solchen .kein Grund vorhanden war. Was endlich die niarokkanische Frage betreffe, so meint Pichon, daß es am Sultan sei, die Ordnung in Marakesch mieber herzustellen. Sollte sich der Sultan dazu als unfähig erweisen, so könne man andere Maßregeln ins Auge faffen, doch sei das nur eine Eventualität.

Tanger, 15. Mai. Die französische Gesandtschaft ist bisher nicht benachrichtigt worden, daß Europäer aus Marakesch ein­treffen würden. Briefe aus Marakesch weifen neuerdings auf die Gefahr der Lage hin und berichten, daß die Unterhand­lungen bezüglich der Abreise der Ausländer sich schwierig gestalten Ein französischer Postbeamter ist von einem Eingeborenen ange- halten worden, der ihn mit einem Dolch bedrohte.

Telefonische

des Giessener Anzeigers, mitge und Indnsti

Frankfurter JBör» 3^°/0 Reichsanleihe . 94.50

396 do. . . 83.80

3>6o/o Konsols .... 94.60 396 do.....83.85

3>6% Hessen . . . 93.75

3/6°/o Oberhessen . . . 94.00

4 96 Oesterr. Goldrente. . 99.10 4'/g 96 Oesterr. Silberrente 99 75 496 Ungar. Goldrente . . 93.75 496 Italien. Rente . . . 102.60 396 Portugiesen Serie I . 67.70 396 Portugiesen III 68.40 4X°/0 russ.Staatsanl. 1905 91.30 4^6% japan. Staatsanleihe 93.10 4 96 Conv. Türken von 1903 93.00 Türkenlose.....140.60

496 Griech. Monopol-Anl. 50.30 496 äussere Argentinier 85.50 3% Mexikaner . . 65. 4>5°/o Chinesen .... 97.30

Aktien:

Bochum Guss..... 227.00

Buderus E. W . . 119.30

Tendenz: schwach.

Berliner Börse, 1

Canada E. B......170.70

Darmstädter Bank . . . 132.70 Deutsche Bank .... 226.75 Dortmunder-Union C. . . 77.80 Dresdner Bank ... 143.50

Tendenz: schwach.

2Cursberic5ite

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

e. 15. Mai. 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . < . 128.00 Elektriz. Schuckert . . .111.60 Eschweiler Bergwerk . . 230.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 198.90 Hamburg-Amerik. Paket!. 132.00 Harpener Bergwerk. . . 208.25 Laurahütte...... 227.00

Nordd. Lloyd .... 119.20 Obeischles. Eisen-Industrie 111.00 Berliner Handelsges . . 154.00 Darmstädter Bank 132.95 Deutsche Bank . . . 227.00

Deutsch-Asiat. Bank . . 171.00 Diskonto-Kommandit. . . 171.40 Dresdner Bank . . . 143.80 Kreditaktien..... 206.70

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 97.30

Gotthardbahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 22.90 Oesterr. Staats bahn . . . 145.25 Prince-Henri-Eiseubahn . 137.00

5. Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 207.70

Laurahütte .... 227.10

Lombarden E. B. ... 22.80

Nordd. Lloyd.....119.10

Türkenlose . ....

Kekannlmachung.

Wegen Vornahme von AbbruckMrdc^u wird hie Ritter- gasse von heute iam bis auf weiteres für jeden Verkehr gesperrt.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Schisfenbergerweg zwischen Kepler- und Bergstraße von heute an bis auf weiteres für den FuhrverLehr gesperrt.

Gießen, den 14. Mai 1907.

Großherzogtick>es Polizeiamt Gießen.

Herberg.

Bullenverkauf.

Die Gemeinde Lollar verkauft einen fetten Bullen aus dem Submissionswege. Kaufliebhaber werden ersucht, ihre Angebote auf das Kilogramm Lebendgewicht, bis zum Samstag den 18. Mai b. I., nachmittags 7 y2 Uhr bei der unterzeich­neten Bürgermeisterei abzugebeu, woselbst dann die Eröffnung in Gegenwart der erschienenen Bieter stattsindet.

Gleichzeitig wird für die Gemeinde Lollar ein junger sprungfähiger Zuchtbulle, Vogelsberger Raffe, zu kaufen gesucht.

Lollar, am 14. Mai 1907.

Großherzogliche Bürgermeisterei Lollar.

Schmidt. 3339)