Mittwoch 15. Mai 1907
157. Jahrgang
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Dre Wahlen zum österreichischen Reichorat.
Wien, 14. Mai. Bisher sind 87 Wahlresultate bekannt, davon 6-1 gewählte, 23 Stichwahlen. Unter den Gewählten jrnd 30 Christlich-Soziale, 16 Sozialdemokraten, ein Deutsch-Fortschrittlicher, 2 Deutsche Bolköpacteiler, 10 katholische Zentrum, 2 Alttschechen, ein böhmischer Agrarier, 1 Frei-All- deutscher, 1 Italiener. In die Stichwahl koiwnen Sozraldemo- kraten visl)er 15 mal, Christlich-Lwziale 7 mal, Junßtschechen 5 mal, Deutsche BolkSpartei 3 mal, Deutsch-Fortschrittlrche zwer mal.
Die bisherigen Wahlmeldungen ergeben ein starkes An- wachselr der Sozialdemokratie, insbesondere in Böhmen, wo 20 bis 23 Sozialdemokraten gewählt werden dürften. Die Führer der Alldeutschen, Schönerer und Stein, sind tn Eger und Asch den Sozialdemokraten unterlegen. Dagegen wurde Gras Adalbert Sternberg in Guttenberg nnedergewäylt. In Wien Innere i-rtadt wurde Ministerialrat ttarnill-Kuranda ideutsch-fortschrittlnh) gewählt, in der Leopvldsstadt kommt der Sozialpolitiker Tr. Julius
Regierungsräten. Zch ging auf Prof. v. Thiersch tu und fragte ohne jeden Umschweif: „Verzeihung , Herr Professor für diesen Ueberfall. Wollen Sie nur eine Frage mir beantworten?"
Thiersch lächelte, nahm mich beiseite und sagte: „Bitte, fragen Sie nur."
„Stimmt es, daß der Kaiser den Muschch'aal nicht eröffnet und sich in schroffer Weise über diese Art der modernen Kunst geäußert hat?" „ .
„Weder mit Ja noch mit Nein." so antwortete der Gefragte, „kann ich hieraus antworten. Ich will Ihnen eine eingehende Schilderung dieser Angelegenheit geben und stelle es Ihnen vollkommen frei, der Oefsentlichkeit von dieser unserer Unterredung Mitteilung zu machen. Vor allem," so betonte Prof. v. Thiersch, „darf man nicht vergessen, daß der Kann mit der geistige Vater des neuen Kurhauses ist. Er hat von Anfang an das Wachsen und Werden dieses Prunkbaues mit regstem Interesse verfolgt, hat da und dort Abänderungen getroffen, die von künstlerischen Geschmack des Kaisers beredtes Zeugnis ablegen. Meinen Grund- ideen, daß die Atnsller, die ich zum Bau heranzog. vollkommen frei und ungehindert ihre Talente entfalten sollen, bin ich treu geblieben. So habe ich auch Fritz Erler im Muschelsaale schaffen und walten lassen, wie er es für gut befand. Wahr ist, daß der Kaiser, als er zum erstenmal den Muschelsaal in vollständig rohem Zustande betrat, von der eigenartigen Farbengebung des Müncheners so überrascht war, daß er verdutzt stehen blieb. Ich-habe zu vermitteln gesucht und darauf aufmerksam gemacht, daß sobald junges lebendiges Grün den Raum schmückt, sobald das leichte Gartennwbiliar den Saal füllt, die Wirkung der Freskogemälde gedämpfter und Milder sein wird. Das war etwa 14 Tage vor der Eröffnung des neuen Kurhaus^-" . _
„Und den Zwischenfall bn der ErSsfnung?" w erforschte
^Äider hat der Kaiser den Muschelsaal in fanet Lollcu- duug nicht betreten^ Wie ab« Lest der Presst auS dieser
Ausland.
Stockholm, 14. Mai. Der Kompromißantrag, Betr. Herabsetzung des Zensus für die Wählbarkeit zur Ersten Kammer auf ein Einkommen von 3000 Kronen ist von der Ersten Kammer mit 110 gegen 29 Stimmen und von der Zweiten Kammer mit 128 gegen 98 Stimmen angenommen worden. Tie Reformen des politischen und kommunalen Wahlrechts sino tiesemgreifender Natur; sie beruhen auf der Grundlage der Proportionalwahlmethode und des allgemeinen Wahlrechts zur Zweiten Kammer, einer starken Demokratisierung der Ersten Kammer sowie einer bedeutenden Herabsetzung der kommunalen Wahlila.a. Die Annahme der Reformen ist indessen nicht definitiv. Die Reformvorschläge bielben vorläufig bis 1909 unerledigt und sollen erst vom Reichstage beraten werden, wenn die neuen Wahlen zur Zweiten Kammer ftattgefunden haben.
London, 14. Mai. Die Kolonialkonserenz ist heute geschlossen worden, nachdem die Mitglieder einer Resolution zugestimmt hatten, in der eine Schnelldampfer- und Eisenbahnverbindung! zwischen England und Australasien über (Sanaba befürwortet wird.
— Unterhaus. Die zweite Lesung des Finanzgesetzes wird mit 304 gegen 54 Stimmen angenommen und das von der Opposition eingebrachte Amendement mit 376 gegen 108 Stimmen abgelehnt.
— Nach einer Meldung des „Evening Standard" hat in D e l h i, wo die Hindus an Zahl gegen die Atuhamedaner überwiegen, ein ernster Tumult aufrührerischen Charakters 1'taitgejunden. Einer der dort befindlichen Statuen der Königin Viktoria soll die Krone abgeschlagen worden sein. Die Unruhe in der Bevölkerung ist jetzt bereits bis zum Süden der Halbinsel vorgedrungen. In Madras patrouillieren Truppen in den Straßen.
Paris, 15. Mai. Bei der Abstimmung sprach die überwiegende Mehrheit der Kammer der Regierung ihr Vertrauen aus, indem 343 Deputierte für eine von der Regierung gebilligte Tagesordnung stimmten, während sich 210 dagegen erklärten.
Newyork, 14. Mai. Die verein, deutschen Gesellschaften Newyorks veranstalteten zu Ehren der von dem Kaiser zur Carnegieseier nach Pittsburg entsandten Vertreter General v. Low en seid und Oberstleutnant Dickhuth ein Bankett, unter den Rednern war auch v. Löwenfeld, der bemerkte, der Kaife r habe ihm vor der Abreise ans Herz gelegt, den Deutschen Amerikas zu sagen, daß er sich über die Entwickelung des Deutschtums in Amerika aufrichtig freue und es als tatkräftigen Förderer der guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern hoch zu schätzen wisse.
Teheran, 14. Mai. Große Unruhen sind in verschiedenen Teilen Persiens ausgüwochen. In Shiraz fand ein Kampf zwischen Aufständischen und Regierungstruppen statt, wobei vierzig gelötet wurden. Ein Bruder des Schahs», Salar eb Dowleh, Gouverneur von Lauristan, hat sich gegen
Tatsache herzuleüen glaubte, daß der Kaiser ein Gegner der modernen Kunst überhaupt ist, ist m i r u n v e r st ü n d i l i ch. Nicht mir Sensation HUst man der modernen Kunst Doran* sondern dadurch, daß man die Gegensätze, die heute mehr denn! je vorhcmden sind, auszugleichen sucht. Wenn Erler, iibew Haupt ein Vorwurf zu machen ist, dann darf man höchilens sagen, er war bei den Freskogemalden zu wenig Architekt, war nur der farbenspähende, farbengebende Maler. Daß diese Ueberfülle von Farbenhelligkeit den Kaiser überraschte, ist daS etwas so Absurdes? Jeder, der den Muschelsaal betritt imp das lsuchtende, neidische Gelb auf chn eindringt, wird die aleiche Ueberraschung erleben. Dazu kommt, daß aus den FreSten förmlich ein heimliches Kichern und Lachen klingt, das mit Groteskheit sich verbindet. Es ist nicht wahr, oaß anläßlich dieser Freskogemälde sich von neuem eine Spannung zwischen dem deutschen Kaiser und der modernen Kunst herausgebildet hat. Zch kann Ihnen versichern, daß der Kaiser nicht jener schwfft Gegner der modernen Kunst ist, als der n: oft zu Unrecht hin gestellt wird."
„Sagt aber nicht der Fall Erler," so unterbrach ich bat; Professor, „so unendlich viel"?.
„Mü Verlaub" antwortete Thiersch, „man darf dieses Vorkommnis nicht verallgemeinern. Es banbelt sich hier darum, daß ein Genie eigene unbegangene Wege geht. Ueberivärtigen wollte jedenfalls Erler mit seinen Fveskogemälden. Und ist ihm dies nicht im vollsten Maße gelungen? Der Kaiser?^ so sagte zum Schluß der Unterredung Prof. v. Thiersch wörtlich zu mir, „wird trotz der momentanen Abneigung gegen oen. Muschelsaal auch der Kunst eines Erler eine Gas,e bahnen, denn noch hat, wenn die Entscbeidmrg drängte, der K bewiesen, daß er auch für die moderne Kunl Davos kündet geyade Berlin»^
Irr Kaiser und die moderne Kunst.
Ein Interview. Bon I. M. Jurinek.
(Nachdruck verboten.)
Das neue Kurhaus in Wiesbaden hat bereits seine Sensacion, in deren Mittelpunkt der Kaiser und der geniale junge Münchener Künstler Fritz Erler (leben. Was eingewechte Kreise, die mit dem künstlerischen Füksten und Denken des deutlchen Herifchers auf das Genaueste bekannt sind, befürchtet haben, ist leider zur Tatsache geworden: der Kaiser hat den modernste^ Raum des 5 Millionen-KuvhauseS, das er lelblt bei der Eröss- nung das schönste der Welt genannt hat, den Muschelsaal, wo Fritz Erler seinem künstlerischen Genie ungehemmt die Zügel schießen ütit, ostentativ übergangen. Während in der Wandelhalle sich eine illustre Gesellschaft am letzten Samstag versanunelte und des Kaisers harrte, befand sich Fritz Erler bereits auf der Heimreise nach München. Zwei Stunden vor der Eröffnungsfeier war der Künstler abgereist. Man hatte ihm von befreundeter Seite — vielleicht war es Professor von Thiersch lelbst, der Erler unter seine schützenden Fittiche genommen hatte — zu verstehen gegeben, daß er zu den intimen Festlichkeiten im Schlotz keine Einladung erhalten werde, da der Kaiser mit seiner Kunst,- der Etler int Muschelsaal bei den Freskogemälden beredten Ausdruck verliehen hat, absolut nicht einverstanden ist. Das absichtliche Schneiden des Kaisers hat bereits tn einem Teil der deutschen Presse Entrüstung hervorgerufen. Um Klarheit zu bekommen, wie denn dieser sensationelle Zwischenfall in Wahrheit liegt, paßte ich einen günstigen Moment ab, um Professor von Thiersch über diese Affäre eingehend zu befragen.
Nach dem Festmahle war es, das am Dienstag die Stadt ihren Eyrengästen gegeben hatte. Professor v. Thiersch stand pm Eingang zur Wandelhalle und verabschiedste sich von einigen
Ofner in Stichwahl mit dem Christlich-Sozialen, Kammerrat Lesewüsch. Fm Parkviertel siegt der Chrisllich-Soziale Bitto- blaweck mit 40 Stimmen gegen den Deutsch-Fortschrittlichen Dr. v. Tahenthal.
Bon den 33 Wiener Wahlbezirken sind biLihcr 32 Resultate begannt. Hiervon sind 20 Christlich-Soziale, 8 ^Sozialdemokraten und ein Deutsc^Forlschritllicher gewählt. In drei Wahlbezirken finden Stichvahlen statt zwischen dein Deutsch-Fortschrittlichen Freiherrtt von Heck und dem Christlich-Sozialen Statt), zwilchen dem Christlich-Sozialen Änderte und dem selbständig Cjriillich- Sozialen Wegcl-Leckl und zwischen dem Christlich-Lozialen Schneider und dem Sozialdemokraten Fvrstner. Bier Resultate stehen noch aus. Unter den gewählten Christlich-Lozmlen i|t Bürgermeister Lueger zweimal gewählt. Unter den Gewählten sind ferner der Landnmrschall Prinz Alois von Liechteiisteui und der Sazialdemokrat Adler.
Die Deutsch-Fortschrittlichen können in Wien bei den Stichwahlen höchstens zwei Mandate erlangen. Handels- mitlister Forscht tommt in zioei Bezirken, worin er kandidierte, zur Stichwahl. Ter Minister Paeak unterlag in einem Bezirke.
Czernowitz, 14. Mai. Bei den Wahlen tarn es hier zu blutigen Zusammenstößen zwischen Antisemiten und Sozialdemolraten, sodaß Militär einsch^eiten mußte.
SGietzeim Anzeiger
ES General-Anzeiger für Oberheffen
Adresfe tüt Depeschen, vnd Verlag ber VrMschen Univ.-Vuch. und Stei*bru(!tteL K Lange. Bebafttoi, Expedition und Druckerei: rchulstraße r.
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Gießen, 15. Mai 1907.
- Für die Sitzung der Stadtoerordneten- Versammlung am Donnerstag, 16. Mai 1907, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Vergebung der Anleihe. 2. Verbrauchsabgabe von alkoholfreien Getränken. 3. Ausschmückung der Balkone und Vorgärten. 4. Zuschuß zu den Kosten des Tuberkulose-Wander- Museums. o. Deckung des Fehlbetrags der OmntbuS-Gesell- schaft. 6. Voranschlag für 19 07. 7. Genehmigung von Rechnungen. 8. Gesuch deS August Helfenbein um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetriebe im Hause Wtesecker Weg 40. 9. Desgleichen des Anton Koch für Plockstraße 3.
** Eine wahrhaft sommerliche Hitze herrscht seit den letzten Tagen hi ganz Oberhessen. Die Hitze stieg auf 26 Grad über Null im Schatten, und in einzelnen Schulen wurde bereits „hitzfrei" gegeben. Wahre Wunder hat die große Hitze in Feld, Wiese, Wald und Garten hervorgebracht und ein witziger Landwirt hatte nicht so unrecht, als er sagte: „Jetzt hört auch einmal ein Dummer das Gras wachsen!" Salat und Gemüsepflanzen stehen gut, Bohnen und Gurken gehen auf. Die Obst- baume haben so ziemlich verblüht, und soweit es sich bis jetzt beurteilen läßt, haben die Blüten nur wenig gelitten. DaS feuchtwarme Wetter ist allerdings auch der Entwicklung allerhand Schädlinge günstig, so treten dies Jahr die Maikäfer äußerst zahlreich aus, und in vielen Orten werden die oberste« SchulNaisen auf Veranlassung der Behörden zum Einsammel« der Maikäfer in den Bormittagsstunden verwendet. Tags über sieht man Scharen von Knaben, die mit Büchsen und Schachtel« bewaffnet in den Wald eilen, um hier die Schädlinge von den Bäumchen abzuschütteln. Zu Haus werfen sie die Tiere den Hühnern vor, für die die Maikäfer einen Leckerbissen bilden. In den Wäldern um unsere Stadt treten die Maikäfer besonder- an dem jungen Grün der Buchen und Eichen massenhaft auf.
' Tödlicher Unfall. Gestern abend gegen 71/, Uhr wurde in der Roonstraße ein etwa bjähriger Knabe von einem Sandfuhrwerk überfahren und so schwer verletzt, daß bereits nach einer Stunde der Tod eintrat. Inwieweit den Fuhrmann ein Verschulden trifft, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der verunglückte Junge hatte mit anderen Kindern auf der Straße gespielt. — Von Augenzeugen wird
seinen kaiserlichen Bruder erhoben. Truppen wurden ent- lanbt um den Aufstand zu unterdrücken. ____
NcucS aus Rußland.
Petersburg, 14. Mai. (Reich8duma). Bei den Debatten über den Etat der Kanzlei der Duma rief die Frage dec Erfordernis höherer Bildung für die höchsten Stellen der Kanzlei große Bewegung hervor. Tie Abgeordneten der äußersten Linken greifen da« bureaukratische System an, daS bis in die Duma Wurzeln schlage. Die Deputierten der Wlitte und der Rechten bestehen auf der Erfordernis höherer Vorbildung. Purischkawitsch greift die Sozialisten unter großem Lärm des Hauses m heftigen Ausdrucken an. Der Präsident entzieht ihm das Wort. Darauf gestaltet sich die Debatte wieder ruhiger. Die Duma nimmt die einzelnen Positionen deS Etats an. Nächste Sitzung Donnerstag: Agrarfrage.
In den südlichen Kreisen deS Gouvernements KurSk werden ganze Dörfer durch Terroristen nieder- gebrannt, weil die Bauern sich nicht bereden ließen, an den Unruhen teilzunehmen. Einem solchen Racheakt isi gestern das Torf Foretsche im Kreise Sudscha mit 180 Höfen und sämtlichen WirtichaftSgebäuden zum Opfer gefallen. Der hiesige Verband der Fabrikarbeiter beschloß, den heutigen TienStag, den russischen 1. RIai, durch einen allgemeinen Streik zu feiern. Diesem Beschluß schloß sich gestern abend der hiesige Setzeroerband an, so daß Petersburg am Mittwoch früh ohne Zeitungen sein wird.
Odessa, 14. Mai. Revolutionäre versuchten nachts in das Palais des Generalgouverneurs ^einzu- dringen, wurden jedoch durch bie Wachsamkeit der Schildwachen vertrieben. Liehrere Verdächtige wurden verhaftet.
Aie heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
Deutsche» Reich.
Wiesbaden, 14. Mai. Der Kaiser unternahm heute nachmittag einen Ausflug im Automobil und einen Spaziergang im TaunuS. Zur Abendtafel im Schloß waren geladen der Botschafter in London, Graf Wolff-Metternich ririegsminisler v. Einem. Der Kaiser verlieh dem Theater- intendanten in Schwerin, Frhr. v. Ledebour, den Kronen- orden 1. Klasse, dem Intendanten Krnr in Frankfurt a. M. den Kronenorden 3. Klasse. Der dritte Abend der Festspiele brachte zum erstenmal Hebbels „Herodes und Ma- rianne". Die Stileinheit und das Zusammenspiel waren sehr gut. — Der Kaiser, von Fanfaren empfangen, nahm in der großen Loge Platz mit dem Großhcrzog von Mecklen- burg-Strelitz, dem Prinzen August Wilhelm und dem Kriegs- Minister v. Einem. In den Pausen promenierte der Kaiser in der Galerie des FoyerS und zog u. a. ins Gespräch den KriegSminifter v. Einem, den Botschafter Wolff-Metternich, den bayrischen Gesandten Grafen Lerchenfeld, den Hausminister v. Wedel und den Marineattochä bei der Botschaft in Petersburg, Kapitän z. S. Hintze.
Berlin, 15. Mai. Der Reichskanzler hatte gestern abend etwa 300 Gäste zu einem parlamentarischen Abend geladen, darunter den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, die Präsidenten des gieichstages, Generalfeldmarschall v. Hahnke, den braunschweigischen M^-- uister v. Otto, den Staatssekretär Grafen Posadowsky, die Niinister Studr, Beseler, Delbrück und Schönstedt, Kolonial direktor Dernburg- sowie zahlreiche Parlamentarier. Der Empfang der im Garten stattiand, verlief äußerst gemütlich.
— Die Reise deSKolonialdirektorsDernburg nach den Kolonien hat eine wesentliche Aenderung erfahren. Die Organisation des neuen Kolonialamtes macht eine Hinausschiebung der Reise unumgänglich. Nur Ost- asrika wird in diesem Jahre besucht, und die Besichtigung dieses Gebietes nimmt die ganze verfügbare Zett des Chefs des Kolonialamtes in Anspruch. Die sämtlichen Ernennungen sind noch im Laufe oieser Woche zu erwarten.
— Der braunschweigische Staatsminifter Otto ist in Angelegenheiten der Regentschaft in Berlin eingetroffen. Auch HerzogJohann Albrecht von Mecklenburg ist hier anwesend.
— In gewifsen Kreisen zirkuliert das Gerücht, daß der gegenwärtige Direktor des preußischen historischen Instituts in Rom, Geheimrat Dr. Kehr, als Nach folg er St udts in Aussicht genommen sei.
— Das Abgeordnetenhaus beendete heute die 2. Beratung des Jagdgesetzes und nahm die Kommissionsbe- schlüsse an. Weiter wurden Petitionen erledigt. Morgen Jagdgesetz in dritter Lesung, kleinere Vorlagen und Rechnungssachen.
F l e n s b u rg, 14. Mai. Hier konstituierte sich in den letzten Tagen ein dänisch- nationaler Kampfverein, der nach dem Vorbild der großpolnischen Vereine die Eryaltmtg des dänischen Volkstums in der deutschen Nordmark anstrebt. Cs sollen in ganz Schleswig Zweig- vereiue errichtet werden, unter Leitung eines Zentral- bureauS in Kopenhagen.


