Ausgabe 
15.6.1907 Erstes Blatt
 
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fgegen ist der Meinung, daß die Sitzungen geheim bleiben sollen. Möglicherweise werde die englische Negierung nachgeben. Die sFrage werde erst in der nächsten Woche erledigt.

i Äluch über die Frage der D a u e r der Friedenskonferenz Laben die Delegierten, wenn auch inoffiziell, ihre Gedanken chereits ausgetauscht. Tie Schätzungen sollen bis an den September heranreichen. Eine phantastische An­nahme. Das Programm ist gewiß umfangreich, und da weit mehr Staaten vertreten sind, als im Jahre 1899, so werden auch die Debatten langwieriger sein. Doch bei aller Neigung zur Gründlichkeit dürfte der Wunsch bestimmend sein, vor Ablauf der warmen Jahreszeit die Beratungen zum Ab- schluß zu bringen. Es darf wohl auch gesagt werden, daß die zweite Konferenz besser vorbereitet ist, als die erste, und wenn cs auch den Delegierten gestattet sein soll, außerprogrammäßige Fragen im Plenum oder in der Kom­mission aufzuwerfen, so wird von diesem Recht wohl nur selten Gebrauch gemacht werden, lieber den Juli hinaus dürfte also das internationaleParlament" schwerlich tagen. Eine Art Nebenkonferenz wird übrigens in Gestalt des Zirkels der Friedensherotoe S t e a d, Baronin Suttner, des französischen Exdeputierten Patty im Haag versammelt sein, und was diese in Kritik und Erläuterung der offiziellen Konferenz-Mitteitungen der Welt zu sagen haben, wird in einem täglich erscheinenden, in französischer Sprache ge­schriebenen Journal veröffentlicht werden.

Der Weltfriedenskongreß findet am 14. Sep­tember ,in München statt.

Hardens Erklärungen.

Der Herausgeber derZ u ku n f t", Maximilian Harden, hat sich reichlich lange Zett gelassen, bevor er das Wort ergreift zu den von ihm he rau, beschworenen Veränderungen in hohen Stellen. Fürst Philipp Eulenburg ist in Un­gnade gefallen, der Flügetadjutant des Kaisers Gras Ho­henau und der Kommandant von Berlin Graf Kuno Moltke sind verabschiedet, und der Botschaftsrat der französischen Botschaft L e c a m t e hat die Reichshauptsiadt verlassen'müssen. Den Ausschlag bei diesen immerhin un­gewöhnlichen Ereignissen gaoen, wie wir bereits iviederholr bemerkten, nicht politische, militärische oder diplomatische Gründe. Vielmehx Andeutungen in derZukunft", die ziemlich weit zurückliegen, aver in unerwarteter Weise Aktualität erlangten, und die trotz einer sehr vorsichtigen Fassung mindestens den Verdacht erwecken mußten, die ge­nannten Personen seien kraurhaften, vom § 175 des Straf­gesetzbuchs bedrohten Neigungen unterworfen. Ueberall hat man in diesem Sinne die Äußerungen derZukunst" . aufgefaßt. Die Personen, die es anging, zu allererst. Sonst wäre es ja nicht verständlich, daß Gras Moltte Harden zum Zweikampf fordern ließ, nach Ablehnung der Forderung den Schutz der Staatsanwaltschaft anrief und schließlich die Privatklage anstrengte, als die Staatsanwaltschaft dem An­trag aus Erhebung der öffentlichen »Aage nicht stattgab. Und ebensowenig wäre es verständlich, daß Fürst Philipp Eulen­burg eine Selbstdenunziation bei der Staatsanwaltschaft einreichte und Harden als Zeugen benannte für behauptete Persehlungen gegen den § 175.

Nun tomntt der Herausgeber derZukunft" und gibt nicht etwa eine nähere Erläuterung jeiner unbestimmten Beschuldigungen, sondern erklärt, daß er an dem ganzen Lärm gewissermaßen unschuldig sei. Er habeauf norm­widrige Gefühlsregungen einzelner zum Liebenberger Kreis gehöriger Personen huigedeuret; so behutsam, wie der An­stand befahl. Aus strafbare Handlungen? Niemals. Auf ein süßliches, unmännliches, kränkliches Wesen, das am Hof seit langen Jahren bespöttelt würde." An anderer Stelle schreibt Harden:Wenn (aber) an der sichtbarsten Stelle des Staates Männer von abnormem Empfinden einen Ring bilden und eine jourch Erfahrung nicht gewarnte Seele ein­zuklammern suchen, dann rst's ein ungesunder Zustand". Auf den Fürsten Philipp Eulenburg bezieht sich folgende Stelle:Wer hat denn behauptet, aus dem Spanbein und 'Wandeln des Fürsten ergebe sich der Tatbestand dxss § 175? Was ich bekämpft habe, ist: die Einwirkung normwidriger (wenn auch ideeiler) Männerfreundschast."

So präzis, wie es hier geschieht, harte sich der Heraus­geber derZukunft" gleich ausdrücken sollen, mindestens aber mit aller Unverzüglich reit, als die ersten Schlußfolge­rungen in der Oefsentrichreit und in der Presse aus den Andeutungen gezogen wurden. Harden sagt:Hier hat sich's um Polirit gehandelt. Um Kaiser und Reich." Um die Beseitigung einer dem Thron nächsten, schädlichen Gruppe.Spiritisten, Geisterseher, die auch mit der Majestät einen mystischen Kult trieöen."

Es mag verdienstlich sein, eineschädliche Grupep" auseinanderzusprengen. Aber es kommt dabei doch sehr aus die Miltei. an, wie dies ins Werk gesetzt wird. Ern Kreis von Personen, der seiner Ziele wegen vertraulich ist, darf, ohne oaß man die triftigsten und unwiderleglicysten Beweise in der Hand hat, nicht in die kompromittierende Beleuchtung sittlicher Verirrungen gerückt werden, nicht mit ganzen Worten und noch weniger mit halben Worten. Mit dieser Waffe hätten Gras Moltie und Fürst Eulenburg nicht angegriffen werden dürfen. Nur mit der Waffe sachlicher Grunde, die jeglicher Prüfung stand hielten.

( *

Profefforenzewerkschaft.

lieber dies Ziel des Iib. Münchener Nationalökonomen Prof. Brentano liest man in derKönigsb. Hart. Ztg.":

Die neue Protessorengewerkschcnt kehrt sich zunächst alis- gesprochen oder nicht gegen einen Mann: Friedrich Althosf. Es ist auch nicht zufällig, daß unter den Unterzeichnern des Aus- rusS gerade die preußischen Universitäten spärlich vertreten sind; Berlin, wo durch Allhoff Gustav Schmoller regiert, sogar überhatipl nicht. An Ijeimltdjen Sympathien wird es dort darum noch keineswegs fehlen. Aber wer wagt es, wider den mächtigen Mann auszustehen, in dessen Vorzimmer die stolzesten Ordinarien antichambrieren? Höchstens, wenn sie emeritiert sind, wie Withelm Hasbach tat, der neulich nicht Unzutreffendes über die Aus­schließlichkeit der a g r a r i j ch e n oder zum minbeften schutzzöllnerischen Richtung unten den Berliner Nationalökonomen schrieb. Ergo: die Freiheit ans , Den Ischl ands Kathedern, der tapfere Gelehrtensinn, der -vor keiner Konsequenz zurückjcheute, sind in der Tat in Gesah r. Darum soll man die neue Prosessorengewerkjchasc dankbaren Herzens begrüßen. In Zeitläusen, m denen sich sür Werner Eembart fein Umversitätsordinartal fand, würde sie (Vielzitierender l verzeih uns das ZitatI) zurForderung des Tages."

Aas Arttomobilrennen im Taunus,

in.

Kloster Thron, 14. Juni.

Sieger ist Felice Nazzaro auf Fiat (Wagen 8 8' mit 334 Min. 26 Sck.; den zweiten Gewinn errang Haut- vast auf P i p e (Wagen 16 Ä) mit 339,10. Der beste deutsche Fahrer ist I ö r n s auf O P c l (Wagen 3 B) mit 339,49 Min., dieser errang den dritten Preis.

Nach drei Runden waren die besten 8B (Fiat) 252,23, 16 A (Pipe) 252,46, 16 C (Pipe) 254,26. Bester deutscher ivar 3 B

(Opel) 256,19. Vier Runden absolvierte als erster 16 A (Pipe) 339,10, als zweiter 3 A (Fiat) 351,01.

Folgende Wagen passierten in der vierten Runde das Ziel: 1 A (Dürkopp) 406,45, 8 A (Fiat) 351,01, 15 A (Prothos) 443,08, 16 A (Pipe) 339,10, 26 A (Eisenach- 363,31, 32 A (Martini) 367,11, 33 A (Bianchi) 392,49, 34 A (Mercedes-Daimler) 368,54, 35 A (Jtala) 359,12, 3 B (Opel) 339,49, 8 V (Fiat) 334,26, 13 B (de Dietrich) 366,26, 27 B (Jsotto-Fraschini) 351,15, 32 B (Mar­tini) 380,14, 35 B (Jtala) 389,01, 42 B (N. A. G.) 395,33, 3 C (Opel) 349,35, 8C (Fiat) 350,53, 34 E (Mercedes-Daimler) 363,35, 35 C (Jtala) 353,18.

Der Kaiser empfing den Präsidenten des französischen Automobilklubs van Zuylen, den Vizepräsidenten Marquis be Dion und das Komiteemitglied Curt de Chasselaup-Loubat, ferner den Präsidenten des österreichischen Automobilklubs Prinzen Alexander zu Solms-Braunfels.

Nach dem Frühstück fand gegen 2 Uhr die Preisver­teilung durch den Kaiser statt. Vor der Kaiserloge hatten sich eingefunden der Vorstand des kaiserlichen Automobilklubs sowie die Vertreter der siegenden Fabriken und die Fahrer der siegenden Wagen. Der Herzog von Natibor erstattete Meldung über den Ausfall des Rennens und stellte- sodann die Sieger dem Kaiser vor. Dieser überreichte nach huldvollen Worten und nach einem Händedruck den Siegern persönlich die Preise. Sodann begrüßte der Kaiser den Vorstand des kaiserlichen Automobilklubs und verabschiedete sich von den anwesenden Fürstlichkeiten. Um 2% Uhr fuhr der Kaiser im Automobil nach Homburg zurück.

Nach dem Rennen spielten sich insofern erheiternde Szenen ab, als die Automobile der Zuschauer, die hinter den Tribünen standen, sich aus dem Schmutz nicht herauszuarbeiten vermochten. Findige Leute stellten sich mit Ochsen- und Pferdegespannen ein und zogen die Wagen auf fahrbares Land. Noch weniger er­baulich als für die Zuschauer war das Nennen für die Fahrer selbst, die Wunderdinge von den Gefahren in den ausgewaschenen Kurven der Taunusstrecke zu berichten wissen. Es ist wirklich ein Wunder, daß nicht mehr Unfälle passiert sind. Die Fahrer kamen schwarz wie die Nacht am Ziel an.

Daß die Fiatwagen die schnellsten sein würden, war vorauszusehen. Die verfügen über die glänzendste Mannschaft und die stärksten Motoren.

Das Resultat ist für die deutsche Automobilindustrie durch­aus nicht deprimierend, weil ein großer Teil der Ausländer Rennmaschinen ins Treffen gesandt hatte, während die Deutschen Tourenmaschinen schickten. Auch verstanden sie cs nicht, das Gewicht der Wagen auf das Minimum herabzudrücken. Was die Hauptsache ist: Die meisten deutschen Wagen habendurch- gestandcn". Auch das gute Abschneiden der Pipe-Wagen kommt nicht überraschend. Sie verdanken ihren Erfolg zum größten Teil dem deutschen Ingenieur Pfänder, der früher bei Daimler tätig war. Pfänder hat den Triumph seiner Tätigkeit bei Pipe nicht mehr erlebt, da er, wie erinnerlich, vor wenigen Wochen ums Leben kam. Nazzaro, der Gewinner des Kaiserpreis­rennens, ist 26 Jahre alt und hat eine ruhmvolle Rennkarriere hinter sich. Er war Sieger in der Targa Florio.1904 wurde er zweiter im SousaMont Cenis-Rennen, 1905 erster. Im selben Jahre wurde er im Gordon Bennett-Rennen in der Auvergne zweiter hinter Thery, und auch im vorjährigen Grand Prix be­legte er den Platz hinter dem Sieger.

Am zweiten Tag des Kaiserpreis-Rennens war der Personen­verkehr bei dem schön gewordenen Wetter gewaltig. Alle Züge waren wieder überfüllt. Der Gesamtverkehr wickelte sich glatt und sicher ab.

Chauffeur Göbel.

Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, sind die Verletzungen des Rennfahrers Göbel nicht lebensgefähr- l i ch. Außer einer leichten Gehirnerschütterung und Quetschungen hat er Schaden nicht genommen. Daß er beide Beine gebrochen habe, wie wir auf Grund der offiziellen Meldungen der Renn- leitung mitteilten, ist nicht richtig. Das Unglück entstand dadurch, daß sich sein Fahrzeug während der schnellen Fahrt infolge Rad­bruchs überschlug.

Weitere Unfälle.

Auf der Strecke liegt hier und da ein zertrümmerter Wagen. Leider ereignete sich an der sehr schwierigen Saalburg-Kurve nach Homburg zu ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein Privat­automobil, das dem Kaufmann Wiedemann aus München gehörte, rannte in der Kurve gegen eine Telegraphenstange, die umfiel und die Drähte zerriß. Der Wagen schlug um, ging in Trümmer, unter denen der Kaufmann Wiedemann zu liegen kam. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er unter dem Wagen hervorgezogen. Seine Frau trug eine blutende Kopfwunde davon. Beide wurden in einem Sanitätswagen der Oberleitung nach dem Krankenhaus transportiert.

Der Wagen 37 A (Metallurgique) sprang, wie es heißt, zwi­schen Weilburg und der Tenne aus der Bahn. Der Führer Hugo Wilhelm wurde aus dem Wagen herausgeschleudert brach das Genick und war sofort t o t. Bei Nerzhausen wurde ein Mann aus dem Publikum von einem Tourenwagen, der Depeschen beförderte, überfahren und getötet

Von anderer Seite wird dagegen behauptet, daß der Unfall des Fahrers Hugo Wilhelm auf der Kaisertribüne in Abrede gestellt wurde. Auch das Gerücht, wonach bei Neu-Weilnau ein Rennwagen in das Publikum gefahren sei und mehrere Menschen getötet habe, bewahrheitet sich nicht. Dagegen wird der Unfall bei Nerzhausen bestätigt.

Andere Automobilunfälle.

In Frankfurt wurde am ersten Viadukt in der Mainzer Landstraße ein Kind von einem Automobil überfahren und getötet. Der Chauffeur ist verhaftet.

In Stuttgart stieß an einer Straßenkreuzung ein Wirt, der auf dem Zweirad die Straße herauffuhr, mit einem Auto­mobil zusammen. Er kam unter die Räder und erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport zum Krankenhaus starb.

In der Nacht zum 11. dieses Monats stieß das Automobil des Händlers Rudolf aus Gotha bei Schwab­hausen mit dem Geschirr des Holzfahrers Weber aus Graesenhain zusammen. Der Chauffeur wurde getötet, der Geschirrführer ichwer verletzt. Ter Händler Rudolf kam mit leichteren Ver­letzungen davon. Tfts Pferd ist lot. Bei Ohrdruf scheute vor einem vorüberfahrenden Automobil das Pferd eines Wagens des Herrn von Trützschler aus Heerda bei Ohrdruf. Der Wagen stürzte um. Von den herausgeschleuderten Insassen wurde Frau von Trützschler, die selbst kutschiert hatte, schwer verletzt: der Kutscher erlitt leichtere Verletzungen. Ein Rentier aus Berlin, der sich gegenwärtig mit seiner Familie auf einer Harz­reise befindet, verunglückte mit seinem Automobil in der Nähe des Waldschloßchens bei Bernburg. Glücklicherweise wurden die vier Insassen nur leicht verletzt, der Chauffeur dagegen erlitt eine schwere Beinverletzung.

Ein Automobil, in welchem sich Fürst Strozzi, Graf Lerderel mit Töchtern sowie der Dichter Gabriele d'Annuncio befanden, ist infolge Steuerdefektes am Ufer des Arno bei Florenz um- gestürzt. Alle Insassen wurden herausgeschleudert, jedoch nur leicht verletzt.

In Lipine (Oberschlesien) wurde ein sechsjähriger Schulknabe von einem Automobilbierwagen überfahren und sofort getötet.

* Für Automobile soll jetzt eine Extra st raße von Berlin n a ch P o t s d a m gebaut werden. Tas war entschieden iwtmenbig, denn auf den bisherigen Landstraßen wurden die Auto- nwbile durch andere vorsintliche Fuhrwerke und zeitweise auch durch Menschen so an der Entfaltung ihrer vollen Geschwindig­keit gehindert, daß mkni, sich eigentlich wundern muß, wenn sie überhaupt noch die Ljandstraßen und Fahrdämme benutzen. Es soll überdies auch hier und da vorgelommen sein, daß ein Fuß­gänger sich einem heranbrausende.i Toss-Tvff in den Weg geileUt und den Wagen dadurch erheblich beschädigt hat, sowie daß die Insassen der Auwmobile in Gefahr geibmmcn find, von einem langjani fahrenden Milchwagcn oder einem Omnibus überfahren und wlgequetscht zu werden. Es ist daher wünschenswert, daß möglichst allentblglben besondere St.raßeu für Auto­

mobile gebaut werden, und man sollte gleichzeitig anbereit Fuhrwerken, Radlern, besonders aber Fußgängern das Betreten derartiger Straßen verbieten. Nur eins ist dabei zu befürchten: die Fußgänger werden nunmehr vielleicht auch Ansprüche auf besondere Wege erheben, wozu sie eigentlich in unserer Zeit kein Recht mehr haben. Wir setzen aber voraus, daß der­artigen Bemühungen, namentlich im Hiitblick auf dir letzten gräßlichen großartigen Um- und Unfall-Erfolge, energisch ent- gegcnqetreten wird, und daß man den vorwitzigen Antragstellern den Rat gibt, sich die unnötigen und seit Langem überflüssig gewordenen Gehwerkzeuge abichneiden zu lassen und sich schleu­nigst ein Automobil anzuschaffen. Tenn unsere Zukunft liegt nicht mehr auf dem Wasser, sondern im Benzin.

Vermischtem

* Erdbeben. Am 14. Juni wurde aus das südital. Insel Stromboli ein Erdbeben verspürt, welches mit einer heftigen Eruption des Vulkans verbunden war. Am 3. Juni wurde in Valdivia (Chile) ein heftiger Erdstoß wahrgenommen. Das Zollgebäude, eine Kirche und mehrere Häuser sind zerstört, zwer Eifenbahnbrücken sind eingestürzt. Bisher wurden fünf Personen tot auf­gefunden. In Valdivia ist das deutsche Viertel zum Teil vernichtet woroen. Nach einer Meldung aus Kingston vom 14. d. M. erfolgte in Jamaica ein heftiges Erdbeben. Der Stoß war so stark, daß eine wilde Panik unter der Be- völlerung ausbrach. Alle stürzten aus den Häusern, um Sicherheit im Freien zu suchen. Der durch das Erdbeben angerickstele. Schaden war nicht grotz, desto großer war das Unheil, das durch die Pani lvernrsacht wurde. Dieses war hauptsächlich in Port Royal der Fall, wo die Soldaten aus ihren Baracken üo er eilig ins Fre>.e stürzten. Dabei erlitten 40 Soldaten Verletzungen; 11 wurden sehr schwer verwundet. Auch in einem militärischen Lager außerhalb der Stadt erlitten sechs ^oicaien schwere Verletzungen durch die Panik, die in oer tiefen Dunkelheit der Nacht ftattfanb. Das Erdbeben wurde von einer sonderbaren Bewegung des Meeres begleitet.

Kandel.

** Konkurse in Hessen, lieber das Vermögen des Metzgermeisters Johann Worth in Wöllstein lourbe am 27. Mai, nachm. 3 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da der Gemeinschutüner feine Zahlungsuniäyigtett und Ueber>chnldnng glaubhaft nachgewie>en und Konkurseröffnung beantragt hat. Rechtsanwalt Altendorf in Wöllstein wurde zum Konkursver­walter ernannt. Kvntursforderungen sind bis zum 15. Juni bei )em Amtsgericht Wöllstein anzumetden. Heber das Vermögen des Kaufmanns Bruno Mader in Darmstadt, Karlsi- ftraße 7, wurde am 22. Mai, nachm. 5 Vi Uhr, das Konkursver- ahren e rönnet, da der Gemeinscynldner dahingehenden Antrag gestellt hat. Gerichtsvollzieher t. P. Reibstein in Darmstadt wurde zum Kvnkursverwatter ernannt, Kontacsfcrdernngen sind bis zum 17. Juni bei dem Amtsgericht Darmstadt 1 anzw- melden. lieber das Vermögen des Christian Karg, LandeA- produktenhändler zu Lämmerspiel, wurde am 17. Ähai, nach­mittags 121/4 Uhr, das Kvnlürsoerfahren eröffnet. Rechtsam walt Dr. Weitz, Offenbach a. M., wurde zum Konkursverwalter ernannt. Mnturssordernngen sind bis zum 19. Juni bei dem. Amtsgericht Offenbach anzumelden. lieber das Vermögen des Handelsmannes Heinrich Straus in Büdesheim wurde am 29. Mai, Dorrn. 11.% Uhr, das Konkursverfahren er­öffnet. Rechtsanwalt Hehl in Vilbel wurde zum Kvntursver-i Walter ernannt. Kvnkursforderungen sind bis zum 25. Juni bei dem Amtsgericht Vilbel anzumelden.

Märkte.

Gießen, 15. Juni.Marktbericht. Ans heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Psd. 0.901. Mk., Hühnereier 1 St. 60 Psg., 2 Stet. 1100 Pfg., Gänseeier 1000 Psg., Enteneier 7 Psg., Käse pr. Skck. 68 Ps., Kasematte 2 Stck. 5-6 Psg., Erbsen p.Psd. 18-24Psg, Liusenp.Pfd.25-40 Psg., Tauben pr.Pr.0,d0l,00Mk., Hühnerpr.Si. 1,001,60 Äik., Hahne pr. Stück 0,801,80 Nck., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse pr. Psd. 0000 Psg., Ochsensleisch^ pr. Psd. 8288 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Psg., Schweiue- fleisch pr. Pfund 6476 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 8090 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 6484 Psg. Welsche per Psund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,009, Pik., Zwiebeln pr. Ztr. 10,0012,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Kirchen das Psund 4050 Pfg., Slepfel per Zentner 20 vis 25 Mk., in Körben 00 Psd., Rüste 100 Stück 50-00 Pfg., per Ztr. 915 Alk., Weißkraut per Stiick 1530 Psg., per Zentner Pik. O.000.00. Marktzeil von 71 Uhr.

Müller'schc Badeanstalt.

Mass erwärme am 15. Juni: 15'/, ° R.

Telefosiische des Giessener Anzeigers, nütge und Indusir Frankfurter Börs 3)6% Reichsanleihe . . 93.35 3% do. . . 83.45 3)4 % Konsols .... 93.60 3% do.....83.50

3)6% Hessen f . > . . 3>a% Oberhessen . . . 94.00 4% Uesterr. Goldrente. . 98.35 4% 56 Oesterr. bilberrente 99 20 4>o Ungar. Goldrente . . 92.90 456 Italien. Reute . . . 103.40 356 Portugiesen Serie I . 66.40 356 Portugiesen 111 66.30 4)6% russ.Staatsaul. 1905 90.00 4)6% japau. Staatsanleihe 91.80 4>6 Uouv.Türkeu vou 1903 93.70 Türkenlose.......

456 Griecb. Mouopol-AuL .. 456 äussere Argentinier . 83.50 3U/O Mexikaner . < . 64.00

4A% Chinesen, .... 96.30

Aktien:

Bochum Guss..... 220.00

Buderus E. W .....

Tendenz: fest.

[Berliner Börse, 1

Canada K B......165.30

Darmstädter Bank . . . 127.00 Deutsche Bank .... 218.20 Dortmunder-Union C. . . 69.60 Dresdner Bank .... 135.50 Tendenz: schwächer.

Kursberichte

teilt vou der Bank für Hande) le, Giessen.

e 15. Juni, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 115.20

Elektriz. Schachert . . . 103.00 Eschweiler Bergwerk . . 218.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.20 Hamburg-Amerik. Paket!. 128.70 Harpener Bergwerk. . . 198.80 Laurahiitte......219.50

isordd. Lloyd.....115.20

0beischles. Eisen-Industrie 101.00 Berliner Haudelsges . . 148.20 Darmstädter Bank 127.60

Deutsche Bank . . . 219.50

Deutsch-Asiat. Bauk . . 149.00 Diskonto-Kommaudit. . . 166.00 Dresdner Bank . . . 136.00 Kreditaktieu.....201.80

Baltimore- uud Ohio-

Eisenlahn . . . 91.75

Gottbardbahu . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 27.20 Uesterr. Staats bahn . . .141.80 Pnuce-Heuri-Eiseubahu . 129,30

>. Juni. Anfangskurse.

Harpeuer Bergwerk. . . 198.20 Laurahiitte .... 219.25 Lombarden E. B. ... 27.00 Nurdd. Lloyd......

ftirkeulose . ... 135.00

§ Kinder wslils

für Säuglinge, Reconvaiescenlen, Magenkranke^

Die nach- A n r 7 t P ölnd Sonntag, den 16. Jnni von stehenden avl ulv 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts nur für dringende Fälle sicher anzutreffen. D%

I)r. Stahl, Seltersweg 79 a. F. Wagner, West-Anlage 49

Sonntag, den 16. Juni von 49 Uhr nachm. [631«

Nur Hirsch-Apotheke offen.