Nr. 162
Zweites Matt
157. Jahrgang
Samstag 13. Juli 1907
Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Lietzener Fsmllienbkatter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirtt" erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger für Oberhessen
RotattonSdruck und Verlag der Brühpschen UnioersitätS • und Srsmdcuckeret. öt. Laag«. Gießen.
Redaktton, Exvedtttrm and Drudcttt: Schul« ftratze 7. Expedition und Vertag t 6L Redaktion: 112. Tell-Adr^ An^tgsriAteden»
politische Lngesschatt.
Deutschland im fernen Osten.
lieber die Erfolge des Deutschtums in Oftasien haben sich äußerst gehässige, ja verleumderische englische Stimmen vernehmen lassen. Es ist daher, so schreiben die „Mitteilungen des Allg. Deutschen Schulvereins", umso erfreulicher, daß ein Engländer, der die einschlägigen Verhältnisse aus genauester Erfahrung kennt, auch einmal ohne Mißgunst und Gehässigkeit darüber spricht. Der frühere Chefredakteur der „North Cyi.ra Daily News" Ernest Br in dl hat in der „Pall Mall Gazette" einen Artikel über „Deutschland im fernen Osten" veröffentlicht, bei dem mir freilich wieder nicht vergessen dürfen, daß Driuole offenbar geflissentlich zu unseren Gunsten malt, um seine eigenen Landsleute anzuspornen. Er schreibt u. a.:
Während viel über den kommerziellen Fortschritt Japans im fernen Osten gesprochen und geschrieben wird, zieht die rapide Ausdehnung der deutschen Interessen in demselben Weltteil nicht in dem Maße wie vor dem russiscli^apanischen Kriege die Aufmerksamkeit auf sich. . . Als das Unglück Nußlands gewiß war, wandelte ein geschickt geplanter und schnell ausgesührter Wechsel in der Politik Deutschland von einem osfen feindlichen (??) in einen scheinbar freundlichen Rivalen Japans um. Sowohl in Tokio als auch in Peking sind wichtige Personalveränderungen vorgenommen worden. Während nun unaufhörlich Anstrengungen gemacht wurden,, um^die deutschen Interessen in Japan zu fördern, ist die deutsche Stellung in China durch jedes Mittel befestigt worden. Ter Hafen von Tsingtau ist so schnell ein Handelszentrum geworden, wie dort eine moderne Fremdenniederlassung emfwrgewachsen ist. Ein zahlreiches und begütertes kaufmännisches Gemeiuweseti ist in dem Hafen herangewachsen, ermutigt und unterstützt durch Maßnahmen, die in direktem Widerspruch zu denen stehen, die in vielen anderen deuttchen Kolonien den Handel hemmten. Ter chinesische Gouverneur und die Beamten Schantungs sind der deutschen Arbeit und Politik güusttg gesinnt, da diese den Wohlstand der Chinesen fördern. In Han-kou, dem großen Hafen am Aangtse, stehen die deutschen Interessen an zweiter Stelle nach Großbritannien. Jede Stadt im ^angtfetal ist'tatsächlich ein Zentrum von deutschen kaufmännischen Unternehmungen geworden. Wo vor nicht zu langer Zeit nur britische Äianufatturwaren gekauft wurden, sleyen jetzt die Produkte deutscher Industrie in höchster Gunst bei dem eingeborenen Käufer. Von Schanghai aus, wo große deutsche Handels- und Schifsahrtsfirmeu ein großes Geschäft eingeleitet haben, fahren Dampfer, die die deutsche Flagge führen, nach alten Teilen der chinesischen Küste mit Kaufmannsgütern und M Passagieren. Tie Schiffe haben hinsichtlich der Sicherheit und " Nciscbequemlichkeit einen Ruf erlangt, der den der allen englischen \ Linien verdunkelt. Achtzig v. H. der fremden Residenten im 4 fernen Osten reisen mit den Schiffen des Norob-eutschen Lloyds nach und von Europa; die meisten von ihnen sind britische Untertanen, die man nicht wegen mangelnden Patriotismus an* t klagen kann. In den Straits Settlements haben deutsche Unter* 7 Nennungen sich das Schiffahrtsmonopol mit den holländischen .! Besitzungen gesichert. Die deutsche Niederlassung von Hongkong ll ist ein wichtiger Faktor in allen Zweigen des öffentlichen Lebens; m sie erfreut sich fortschreitender Wohlhabenheit. Tas Direktorium L bete Hongkong and Shanghai Bank besteht zum größten Teil aus i deutschen Großkaufleuten, und in anderen großen, finanziellen 4 Unternehmungen nehmen sie hervorragende Stellungen ein.
Manche Gründe mögen für den Erfolg Deutschlands im fernen ~ Osten angeführt werden, aber der hauptsächlichste wird in den .1, persönlichen beharrlichen Anstrengungen des *9 Kaufmanns gefunden. Eä kam erst an, als der ganze HandelÄ- i verkehr schon in britischen Händen war, und er hatte Jahre zu ;. warten, ehe er dort ein begründetes Interesse erlangte. Aber H er merkte sich die schwachen Seiten in dem Handel seines Konkurrenten und zog schnell seinen Nutzen aus der Entdeckung. Die " Deutschen in China möchten beispielsweise vierundzwanzig Stuu- 6 den, die Engländer ober nur drei Stunden arbeiten. Ter Deutsche * ist mit einem kleinen Nutzen zufrieden und scheut feine Mühe, seine Käufer zufrieden zu stellen. Hinter sich hat er energische -o Hand: lSsachverständige und Konsuln, die alle Anstrengungen machen, 1 um ihn in seiner Arbeit zu unterstützen. Durchschnittlich ist der 5 nach China herausgesandte deutsche Konsul ein praktischer Ge- Ul fchüftsmann, genau informiert über den Bedarf der Zeit und vor ■ * allen Dingen bestrebt, die kaufmännischen deuttchen Bestrebungen " zu fördern. Ter englische Konsul ist nur zu häufig ein Mann, । der keinerlei geschäftliche Erfahrungen hat, ein ausgezeichneter Herr in gesellschaftlicher Beziehung, aber mit nur wenig Kennt- 1 nissen und Sympathie für die trockenen Zahlen des kaufmännischen L Lebens. Bekanntlich wird in Deutschland durchschnittlich das umgekehrte Verhältnis beklagt. D. R.) Ich ' habe häufig in China ; englische Hand längs reisende getroffen, die von deutschen, aber dl nicht von ihren eigenen Konsuln beraten waren. Solange *• Deutschland seine gegenwärtige Politik im fernen Osten verfolgt, wird es nichts von Japan zu fürchten haben. Jm Gegen- 8 teil, wir tonnen eine erhöhte Freundschaft zwischen beiden cj Völkern erwarten. Tas japanische Militär hat trotz allem, ld was Gegenteiliges angeführt worden ist, eine tiefe Bewilnderung JJ für die Nation, in deren schule es die Kenntnisse und Wissenschaft 1 der modernen Kriegsführung erlernt I>at. Die Kaufleute i in Japan studieren genau die wissenschaftlich geregelten Haudels- r Methoden Deutschlands. In japanischen Schulen ist das deutsche 1 Unterrichtssystem angenommen und damit em glänzender Erfolg S erzielt worden.
Eine deutsch-französische Allianz.
igt Zu den bemerkenswertesten Zeichen unserer Zeit gehör iS es, baß die Möglichkeit einer deutsch-französischen Allianz >: im Auslande jetzt ernsthafter denn je erörtert wird. Be- J zeichnend in dieser Hinsicht sind folgende Meldungen: Bl Haag, 12. Juli. Willjam T- Stead schreibt heute t im „Eourrier de la Conference", daß man bemerken müsse, j wie der Einfluß Lson Bourgeois und des Frei- Herrn von Marschall ans dre einzelnen Delegierten 1 bei der Konferenz täglich an Ausdehnung zunimmt; man n müsse dies dem Umstande zuschreiben, daß diese beiden iiL Staatsmänner die Persönlichkeiten sind, welche im Vorder- gründe der Konferenz stehen. Fast scheint es, als ob die ehemaligen Feinde von 18 7 0 eine französisch- deutsche Allianz zum Zwecke, die ganze Welt zu letten,
Jl geschlosssn hätten.
Der „Bert. Lokalanz." meldet ans Paris: Mit der K ihr eigenen Entschiedenheit erklärt sich in einer Zuschrift ' an den „Jntransigeant" die Schriftstellerin Ghp (Gräfin Märtel) für eine deutsch-französische i Allianz, weil eine solche Verbindung ihr die einzig ö vernünftige erscheine und überdies Frankreich vor der Ge- $ sahr schützen würde, eine Allianz mit England einzugehen, f oie Franireich einige Provinzen kosten könnte.
Paris, 12. Juli. D6roulöde schärft ^seinerseits 1 der Patriotenliga ein, zahlreicher .als je zum Straßburg- j Standbild am .Mnkordiaplatz zu pilgern, um gegen die neuerlich versuchte. Annäherung an Deutsch-
W
l a u d und besonders gegen die deutsche Reise des auftrag- 'osen, niemand als srch selbst vertretenden Wichtigtuers Etienne Einspruch zu erheben.
Die neuesten Vorgänge im Zarenreiche.
Petersburg, 12. Juli. Zu den Bauernunruhen am Ladogakanal wird gemeldet, daß nach >em Erntreffen von Gardeschützen mit Maschinengewehren die Ruhe wieder eingetreten sei. Das Zentralkontor der Ausständigen wurde geschlossen, das Monopol der Schlepper tour De aufgehoben. Freiwillige Schlepperdicpste werden durch Infanterie auf den Dampfern und durch Torpedoboote geschützt.
— Von den Räub ern, die am 12. Juni einen Ueber- äll in einem Leihhause im Petersburger Stadtteil verübt haben, wurden drei gehenkt, die Hinricl)tung des Vierten wurde aufgeschoben, da seine Mutter sein Alrbi nachweisen will.
— Die „Voss. Ztg." meldet aus Petersburg: Die kaiserlich e Jacht „Stand art" steht seit mehreren Tagen unter Dampf. Doch wird dieAbreisedesZa ren nach den Finnischen Schären von Tag zu Tag verschoben, vermutlich weil man terroristische Anschläge be- urchtet.
— Der MinisterdeS Aeußern, Iswolski, wird dieses Jahr Berlin und Londott nicht besuchen, sondern nur zu seiner Erholung nach Italien reisen und den Weg über Wien nehmen.
— Der „Verl. Lokalanz." meldet aus Warschau: In den letzten zwei Nächten wurden in der Warschauer Zitadelle drei Sozialisten und ein Bandit durch den Strang hingerichtet.
Japan und Amerika.
Während von amtlicher Seite in geradezu übertriebener Weise das gute Einvernehmen zwischen Japan und Amerika betont wird, stellen nichtamtliche Meldungen bie Lage nach wie vor als recht öfröhlich hin.
Oysterbay, 12. Juli. Ter japanische Botschafter Vicomte Aoki und Admiral Pamamoto besuchten heute den Präsidenten Roosevelt auf dessen hiesigem Landsitz. Nach diesem Besuche erließ der Präsident durch seinm Sekretär folgende amtliche Erklärung: „Ter Präsident der vereinigten Staaten hatte eine längere Bestechung mit dem Admiral Pamamoto, welche in jeder Weise höchst befriedigend gewesen ist. Sie bestätigte einfach das, was bereits der japanische Botschafter Vicomte Aoki ‘klargelegt hat, nämlich das durchaus gute Einvernehmen zwischen den beiden Negierungen und die im Grunde freundschaftliche Gesinnung der beiden Nationen zu einander."
Tas Berl. Tgbl. meldet aus Newyork: Admiral Y a m a m o t o überbrachte am 12. Juli dem Präsidenten Roosevelt einen überaus wertvollen Nephritsteiu als G e s ch e n k b e s Mikado. Bei dem Lunch wechselten beide Trinksprüche, in denen sie die friedlichen Absichten ihrer Nationen betonten.
Newyork, 12. Juli. Aus San Diego in Sud-Kalifornien wird telegraphiert, daß dort ein Japaner als Spion verhaftet wurde, weil er dabei betroffen wurde, als er Zeichnungen vom Fort Rosecrans anbertigte. Die erregte Bevölkerung drohte, das ÄsiatenviertelderStadt anzugreifen. Tie Japaner, die auf den Pflanzungen^in der Umgebung be- fchästigt sind, begaben sich eiligst nach bet Stadt, um ihren Landsleuten, falls es zu Gewalttätigkeiten kommen sollte, Hilfe zu leisten. .
London, 12. Juli. Aus Manila wird einer hiesigen xe* pesch en-Agentur berichtet, da st die Möglichkeiteinesbevor- stehenden Krieges das Hauptgespräch in allen politischen Kreisen und in (Ollen Klubs bildet. Ter Führer der philippinischen Junta, der sich augenblicklich in Tokio befindet, unterhält eine lebhafte Korrespondenz mit der Partei der Unabhängigen und gibt ihr den Rat, sich vorzubereiten, die Japaner zu empfangen, welche die Unabhängigkeit der Philippinen proklamieren würden. Tie amerikanischen Offiziere behalten die Eingeborenen streng im Auge. General Malvar, ein früherer Rebellenchef, der sich seiner Zeit ergab, hat sich erboten, ein Freischärler^ Regiment zu bilden, wenn die Vereinigten Staaten ihm die nötigen Waffen liefern würden.
Paris, 12. Juli. Nach einer Meldung aus Manila wurden, um die amerikanische Flotten st ativn Olon- g,a po in besferen Verteidigungszustand zu setzen, alle Torpedobootszerstörer von Cavite dorthin gebracht. Tas nach dem Admiral Tewey benannte Trockendock in Olongapo, dessen Situations- Plan jüngst gestohlen worden ist, wird jetzt von 700 Mann beii/ad)t.
Newyork, 12. Juli. Die japanische Gesellschaft gab zu E h r e n desAdmiralsHamamoto ein Frühstück, an dem Vicomte Aoki und die Admirale Evans und Ooghlan, zahlreiche Offiziere und hervorragende Finanziers teilnahnren. Ya- mamoto bezeichnete Amerika und Japan als Nachbarn, beide Nattonen wandelten die Pfade der Gerechtigkeit. Vor dem Frühstück erklärte Aoki, was die Schwierigkeiten zwischen Japan und Amerika betreffe, so seien sie bald beigelegt.
Deutschs» Reich.
Der Voss. Ztg. zufolge drückte die Kaiserin von Bord ihrer Dacht „Iduna" aus ihre Teilnahme an dem Unfälle der Dacht „Hamburg" wahrend der Regatta Dover-Ostende aus, und ersuchte um einen Bericht über das Unglück.
Die Berliner Morgcnblätter melden aus Cöln: Infolge einer erneuten Anregung bei dem Besuche der westdeutschen Städte, und Handelskammcrvertreter in Antwerpen beschloß der Antwerpener Stadtrat, in der Kamlner eine Vorlage zum Bau eines Großschiffahrts- kanals Rhein-Antwerpen ernzubringen.
Berlin, 12. Juli. Der Staatsanzeiger veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Direktors im Justizministerium, des Wirklichen Geheimen Oberjustizrats Lisco 5um Präsidenten des KammergerichtS.
— Der Handels Minister Delbrück ist heute früh von seiner Informationsreise, die ihn durch das Rheinland führte, nach Berlin zilrückgekehrt. Die Reife diente deni Stubium der rheinischen Jndustrieverhältnisse und der dort herrrschenden Arbeitsmethoden. Der Minister wird in der nächsten Woche eine neue Reise nach Trier und dem Sieger Land antreten.
— Der deutsche Generalkonsul in Triest, Stannills, hat kürzlich einen Ausflug nach Albanien unternommen und bei ber Gelegenheit sich and) nach bem Ergehen der dort befindlichen Deutschen umgesehen. Sein Besuch hat namentliä) in griechischen Blättern Aufmerk.
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) amt eit erregt, auch zu mancherlei p ha u ta II l s ch e n Kombinationen Anlaß gegeben. So wurde erzählt, der Generalkonsul habe einen Besuch de§ Kaisers in Al. banien angefünbigt. Bei biejen und ähnlichen Geschichten, die sich an den Ausflug des Herrn Stanniiis knüpfen, Han- beit es sich nur um haltlose Gerüchte.
— Gestern hat sich der aus Russen bestehende literarische Verein aufgelöst, der durch ein Protokoll, das seinerzeit bei dec polizeilichen Durchsuchung in der Tschechow-Lesehalle gefunden wurde, stark kompromittiert worden war.
—» In das Herrenhaus wurde berufen durch Allerhöchsten Erlaß infolge Präsentation des Verbandes der alten und befestigten Grundbesitzer im Landschastsbezirk Krotofchin Rittergutsbesitzer Adalbert von Lipski auf Letow an Stelle des am 26. Dezember vorigen Jahres verstorbenen Rittergutsbesitzers v. Czapski auf Kuchary.
Köln, 13. Juli. Zentrum und Liberale haben sich geeinigt, Samstag den Oberpräfidialrat Wallraf aus Koblenz, einen geborenen Kölner, zum Oberbürgermeister zu wähleii.
Fulda, 12. Juli. Unter Vorsitz von Kardinal Kopp findet hier vom 19. bis 24. August eine Konferenz Ireußischer Bischöfe statt.
Ntünster i. W., 12. Juli. Ztt dec Mitteilung, daß den Bischöfen Preußens vor Jahresfrist die gleichen Voll- machten wie dem englischen Episkopat in der Jndexsrage erteilt worden sei, schreibt der „Münstecische Anzeiger", daß die bezüglichen Vollmachten nur vorbehaltlich erteilt worden seien und daß in Deutschland eine völlige Veränderung der gegenwärtigen Verhältnisse auf religiös-philo- ophifchem Gebiet eintrete.
Atünchen, 12. Juli. Im Eisenbahnrat erklärte heute der Veckehcsnnnlstec u. a., daß man mit der Neuregelung im allgemeinen gute Erfahrungen gemacht habe. Die Nichteinsührung der 4. Wagen, 'lasse habe zu keinen Anständen gesührt, wohl aber erh eb- iche Ersparungen veranlaßt. Man werde an der Nichtemführung der 4. Wagenklaffe festhalten.
— Der im Petecs-Prozeß als Sachverständiger ver- nommene Asrikaforschec Eugen Wolss setzt sich in einer Erklärung gegen die Angriffe zur Wehr, die in einem Teile der Preffe wegen feiner Aussagen gegen ihn gerickM wurden. Insbesondere hält er gegenüber einer abweisenden Meinungsäußerung von Rochus Schmidt die voc Gericht gegebene Darstellung seiner sreundschastlichen Beziehungen zu Wißmann in allen Punkten aufrecht und unterstützt sie durch Mitteilung zahlreicher, in herzlichem Ton abgesaßter Briese und Einladungen, die er von Wißmann bis kurz vor dessen Tod er* halten hat.
Würzburg, 12.Juli. Professor Merkle hat das Dekanat dec hiesigen katholisch-theologischen Fakultät niedergelegt. Man bringt diesen Schritt mit Profeffor Commers Schrift nub dem Briefe des Papstes an Commer in Ver-! binbung; denn beibe Publikationen richteten rhre Haupt- spitze gegen Merkle, der mit Schell befreundet war und auch den Aufruf zu Gunsten eines Grabdenkmals für diesen-, unterzeichnet hat.
Bremen, 12. Juki. Die hiesige Martini.Gemeinde wählte anstelle des verstorbenen Pastors Kalthoff für den zurückgetretenen Dr. LipsiuS den Pre- digec Fel den aus Mainz, der der dortigen freireligiösen Gemeinde vorstand.
AuslQttS.
Sandtora, 12. Juli. Die Yacht Hohenzollern verließ Bodoe morgens 6 Uhr und passierte gegen Mittag bei wolkenlosem Himmel und glatter See den großartigen Tjeldesund. Voraussichtlich erfolgt die Ankunft in Tromsö abends 8 Uhr. An Bocd ist alles wohl.
Brüssel, 12. Juli. Die Kammer hat alle Anträge betr. Einführung der vlämischen Sprache einem Ausschüsse überwiesen. Dies ist gleichbedeutend mit einem Begräbnis dec Vorlage.
London, 12. Juli. Der König und die Königin von Italien werden noch vor Ende dieses Sommers dem englischen Känigspaar in London einen Besuch abstatten.
— Dec Arbeitecsührec Hardie hielt eine Rede in Manchester, worin er anfünbigt, er werde die Parteileitung niedeclegen und sofort eine Erholungsreise um die Erde antreten und Sübasrika wie Indien besuchen, um namens ber britischen Gewerkveceine und Sozialisten ben Hindus mitzu- teilen, daß die britischen Arbeiter für ba§ indische Volk volle Selbstverwaltung fordern.
Paris, 12. Juli. Der Senat beschäftigte sich heute mit dec Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Wein- sälfchungen. Senator Cremieux wirft die Schuld an der Weinkrisis den Weinfälschecn vor, und verlangt gegen diefe ernste Maßregeln.
— Dec Antimilitacist Pcofessor Hervö ersucht die Antimilitaristen, gelegentlich de§ Nationalfestes am 14. Juli sick) nach dem Paradeseld LongchampS zu begeben, nm dort die Minister Elemencean, Bciand und Picquart anszupfeisen und die Meuterer des 17. Regiments zu akklamieren. Als Erkennungszeichen sollen die Antimilitaristen ein rotes Abzeichen mit der Nr. 17 im Knopfloch tragen.
— Jni Bureau deSKabinettschessElömenceau kani es gestern zwischen dem Präfekten Liegey deL Departements Indre und zwei Abgeordneten dieses Departements zu einem hestigen Wortwechsel. Schließlich verursachte man einen derartigen Lärm, daß Elemcnceau den Präfekten ersuchte, jein Bureau zu verlassen.


