3)ic veullge Kummer umlaht 8 beiten.
Kirche und Schule.
Liberal-kirchliche Protestkliudgekmug.
In Berlin fand sich am Freitag abend eine große Schar evangelischer Männer und Frauen aus allen Beoölkerungs- klassen zu einem eindrucksvollen Protest zusammen gegen die Maßregelungen, die sich in den letzten Jahren die Konsistorien der verschiedenen preuß. Provinzen hn Bunde mit dem preußischen Oberkirchenrat in den Fällen Römer, Cäsar und Jatho haben zuschulden fommen lassen. Das erste Referat hielt dec Führer der Kirchlich-Liberalen in Rheinland Westfalen, Professor Dr. Heinrich Geffcken. Eisenbahndirektor Schrader würdigte die Order des Oberkirchenrats an die 147 Geistlichen, die sich der Behörde als Gesinnungsgenossen des Pfarrers Cäsar zu erkennen gaben. Auch das Schicksal der preuß. Volksschule im Lichte der Aera Studt charakterisierte Schrader, um zum energischen Stampf aufzun"' n gegen die preußische Reaktion. Aus Köln sprach fobann —-orte der Begrüßung Oberlandcsgerichtsrat Müller, M. d. R., aus
politische Tagesschau.
Agrarische Erfolge.
Der preußische Landwirtschaftsminister hat auf die Protesteingabe des Landes-Oekonomiekolleglums gegen den Antrag der Berliner Handelskammer auf Oefsnung der holländischen Grenze für die Einfuhr von Milch den Bescheid erteilt, daß eine Aufhebung deS Verbotes der Milcheinfuhr aus den Niederlanden und aus Belgien schon mit Rücksicht auf die in diesen Ländern gegenwärtig herrschende Maul- und Klauenseuche nicht ins Auge gefaßt ist. Da§ LandeS-Oeko- nomiekoüegium hatte gleichzeitig den Minister ersucht, auch die französische Grenze mit Rücksicht auf die Gefahr der Seuchenoecbreüung gegen die Einfuhr von Milch generell zu sperren. Der Landwirtschaftsminister hat auch diesen Antrag berücksichtigt und beim Reichskanzler den Erlaß eines generellen Verbotes der Milchemfuhr aus Frankreich nach Elsaß-Loth- ringen befürwortet. Endlich hat auch die Eingabe des Landes- Oekonomiekollegiums an den Landwirtschaftsminister, bei der Eisenbahndlrektion Berlin gegen die von der Berliner Handelskammer beantragte Zulassung der Beförderung von Milch, in Kesselwagen Verwahrung einzulegen, den Erfolg gehabt, daß die Eisenbahndlrektion Berlin den Antrag der Handelskammer abgelehnt hat.
--- unb Vcrsamm- sfe darüber, was verschieden. Sehr ii bet sozialdciw- letztcn. Jetzt teil) > gelassen, sich {i man anfs schacht freiheitliches Btt» r doch jutrft mal
Mn mad)t j$t ien, gugleidj rviU ehmen, das sind Redner m BortW X)U« IVMM boti, too rache angeschlagen : Partei, in taten iter in den Mz« ösen, Verringert! n zum Schuhe ta Redner beklagt nt würden und meint, s wohl nicht erfW m wären.
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iziHung der St-ücn Revisionen ergeben. Mischungen fehlten, crdings in verichso und läge auch 'M erschlichen werden, in§ko"fi)cit !°crden. Fr re «’iMtUll«
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neun Fahren ebenso lang wie die der Richier und weviuaiiungd* bcnmicn. Wir müssen die 6Meid)bcvecbhqimfl fordern; sie ist als eine Ehrenschuld der preußischen Regierung zu belrachten.
Abg. Tr. v. H e y d e b r a n d (kous.i erklärt, seine Partei habe ich auch entschlossen, dem Anträge zuzuslimmen, müsse aber dabei erklären, daß sie es nicht gut für inö ilich halte, eine absolute Gleichmäßigkeit ju schaffen. Sie sehe den Antrag aber nur als Material an, das die Regierung bei der organ. Regelung der Beanuengehälter benutzen solle. Deshalb möchte seine Partei ihm den Zusatz geben: ,ün Rahmen der demnach!! bevorstehenden allgemeinen Sleuordnung der Beanueugehälter". Es würde dann eine einstimmige Annahme möglich sein.
Kultusminister Tr. v. Studt erklärt, die UnterrichtSverwaltung ei sich klar, daß eine neue Regelung der Gehälter der Oberlehrer slalisindcn müsse. TefinitiveS darüber zu sagen sei er heute noch nicht imstande. , .
Aba. Tr. Dittrich (Z.): Von den verschiedensten Seiten sei anerkannt worden, daß die Oberlehrer in Pflichterfüllung keinen anderen Beamten nachstehen. Eine Gleichstellung aller Beamten mit gleicher Vorbildung sei deshalb angebracht. Im Prinzip «eien seine Freunde mit dem Anträge Cassel einverstanden, sie forderten aber noch mehr, sie fordern eine Gleichstellung aller Beamten nut gleicher Vorbildung. n
Abg. Tr. Röchling (nl.) stimmt den Ausführungen über die Neuregelung der Gehalter der Oberlehrer zu. Im allgemeinen m u ß t e n s l ch die O b e r l e h r e r trüber pensionieren lassen, als die Richter. Tas beweise, daß ihre Tätigkeit aufregender und anstrengender sei. Auch hätten die Oberlehrer weniger Aussichten auf Erreichung höherer Stellen als die Richter. „ _
Geheimrat Iörster erklärt sich für die Abänderung des Antrages Cassel durch den Antrag o. Heydebrand. Tte Oberlehrer seien schon jetzt außer den Richtern die bestbesoldeten Beamten des oreußlichen etaatee. Würden die Gehälter der Oberlehrer um öOU Mart erhöht, so würde unter den anderen Beamten der Wunsch nach Gehaltserhöhung rege werden. Es sei noch nicht festgestellt, ob der Staat in der Lage sei, die erhöhten Kosten zu tragen. Tiefe Forderungen würden eine Schraube ohne Ende. Er' bitte das Hans um Ablehnung des Antrages Cassel.
Abg. V o r st e r (ff.) erklärt, trotz der Warnungen der Regierung werde seine Partei auf dem beschrittenen Wege weitergehen. Seine Fraktion trete für Gleichberechtigung der Oberlehrer mit den Richtern em und zwar auch ohne eine allgemeine Neuregelung der Bearnlen- gehälter.
Stach einer Geschäftsordnungsdebatte wird der Antrag in der Fassung des Antrages o. Heydebrand einstimmig angenommen. *
Der Kultusminister». Studt beabsichtigt, wie wenigstens die »Kieler 9L N." behaupten, fofort nach Beendigung der brüten Lesung seines Etats im Landtage eine Erklärung über die Einreichung seines Abschiedsgesuches abzugeben. Es ist daher der Rücktritt unter allen Umständen in den nächsten Wochen zu erwarten. Was die Frage seines Nachfolgers betrifft, so stehl fe|t, daß Oberbürgermeister Adickes auf Veranlassung des Cheis des ZivilkabmeUs, v. Lueanus, nach Berlin kam, um über die Ueber- nahme eines Ministerpostens zu verhandeln. Wenn Adickes selbst t gegenüber höheren Beamten erklärt hat, daß die Verhandlungen zu einem Ergebnis nicht geführt hätten, so ist dies uur eine Rücksichtnahme auf den noch im Amte befindlichen Minister u. Studt. In erster Lime ist Adickes für das Kultusministerium in Aussicht genommen, weil seine Verdienste um die moderne Ausgestaltung der Reformschule ihn als Leiter der Untemchtsoerwaltuug beton- ders geeignet erscheinen lassen. (Alan wird natürlich der Meldung dieses vielwlsserisch sich aufspielenden Blattes mit Vorsicht zu be- gegnen haben. D. Red.)
polttifctyc Wochenschau*
Ter Re ichskag bat seine Beratungen wieder ausgenommen und sich an den Etat «s Reichsamts des Innern herangemacht. Man gewann gleich am ersten Tage den Eindruck, daß seine Erledigung wieder recht lange Zett beanspruchen wird, obwohl sich die Parteien etwas zusammengenommen und einen großen Teil ihrer Initiativanträge in Etatsresolutionen umgewandelt haben, die mit zur Beratung gelangen. Wenn nicht beizeiten Vorsorge gegen ein Ueberuraß von Reden getroffen wird, dürfte auch die neue Woche noch
kaum die Erledigung dieses Etats bringen. Das Zentrum scheint überhaupt diesmal der Spielverderber sein zu wollen, denn gleich der erste Redner, Abg. Trimlwrn, kündigte an, daß seine Fraktion zu fixen einzelnen Resolutionen besondere Redner vorschicken werde. DaS kann also nett werden. Bevor der Reichstag in die Etatdebatte eintrat, erledigte er eine Vorlage, welche die Gebührenordnung für den Kaiser Wilhe Im - Kanal betraf. Hierbei richtete man alle möglichen Fragen über die Verbreiterung des Kanals und deren Kosten an die Regierung; überhaupt erwies sich in der kurzen Debatte der Kanal wieder als ein rechtes Schmerzenskind. Bekanntlich blieben gleich nach seiner Eröffnung zwei dleutsche Schiffe darin stecken und bis auf den heutigen Tag haben die Klagen nicht ausgehört. Zu alledem lommt mich in diesem Jahre wieder die böse Kunde, daß dic in dem Kanal gefangenen — Heringe völlig ungenießbar sind. Sie schmecken und riechen durchdringend nach Karbol, und Karbolheringe zu essen, ist bisher noch kaum jemand, und sei es auch bei innigste Freund dieses Proletarierkarpfens, möglich ge- Ivesen. Die anliegenden Fischeveipächter und die Räuchereien rechnen mit großen Verlusten, und erstere drohen beveits, ihre Pachtverträge nicht einzuhalten, da die Voraussetzungen, unter denen sie geschlossen wurden, nicht zuträfen!
Vom Hering zur hohen Politik! Der Schritt erscheint gewagt, solange dieser nahrhafte Fisch nicht auch ein Helfer im politischen Katzenjammer ist. . . . Fürst Bülow wird, so glaubt man, beim Etat des Auswärtigen Amtes eine Gewitterrede über unsere äußere Politik loslassen und die Wolken vom politischen Wetter- Himmel verscheuchen wollen. Die Monarchen zusammen- rünfte in Athen und Kar tagena waren allerdings nicht gerade dazu angetan, uns mit rosigen Zulnnftshosfnungen zu erfüllen und die Fäden, die die große englische Kreuzspinne nach und nach spinnt, werden immer deutlicher und haltbarer. In diese schwangere Luft hat die französisch-deutsche Verständigung inbezug auf die internationalen Funkensta- tioncn in Marokko etwas Bewegung gebracht, und auch der Empfang des neuen französischen Botschafters beim Kaiser hat das Scinige dazu getan. Französ. Blätter erblicken in den ausgetauschten Ansprachen ein Anzeichen für den beiderseits bestehenden Wunsch nach guten Beziehungen. Es könne nicht zweifelhaft sein, daß Kaiser Wilhelm absichtlich die liebenswürdige Note an-geschlagen habe. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen müsse diese Absick)t gewürdigt werden, da sie sich zu Beginn der Mission eines Botschafters kundgebe, der fähig sei, dir Elemente guten Willens, die sich in den französisch- deutschen Beziehungen vvrsindcn, zur möglichsten Geltung zu bringen. Auch der Empfang einiger französischer Serien aus Anlaß des Berliner Besuches des Fürsten o. Monaco mitsamt seiner Oper hat in Paris Eindruck gemacht und der Pariser „Figaro" wußte allerhand zu erzählen von Aeußerungen des Kaisers während der in seinem Arbeitszimmer mit diesen Herren geführten Unterhaltung. Blumen, die der Kaiser ftanzös. Gästen seiner Reichshauptstadt auf den fffiea streut, haben zum minbetten das Verdienst, daß sie eine freundliche Atmosphäre schaffen. Man wird sich über die augenblicklich recht verständige Haltung der französ. Blätter umsomehr freuen, .als sie noch kurz zuvor nach Kräften über das „intruguante und kriegslüsterne" Deutschland schmälten. , ,
Die Ausstreuungen eines Teiles der Prene, baß man in der Zusammenkunft des Königs von England mit König^Alsons von Spanien in Äartagena eine antideutsche Tendenz zu erblicken hat, daß Spanien angeblich einer Koalition der Welt- mädjte gegen Deutschland beigetreten sei, und daß es seine Häfen rm Kriegsfall der englischen Flotte zu öffnen sich verpflichtet habe, sind »orerft nur Vermutungen. Beachtung aber verdient die ernsthafte Meldung, daß der Bruder des engl. Königs, der Herzog von Connaught, zum Oberbefehlshaber sämtlicher englischer Truppen in den Garnisonen des Mittelmeeres ernannt wurde. Der Herzog wird in Malta residieren, wo übrigens soeben das engl. Königspaar mit dem österr. Erzherzog Karl Albert zusammengetroffen ist. Des Herzogs von Connaught Befugnisse schließen auch den Oberbesehl für die englischen Truppen in Aegypten ein. Man glaubt, daß diese Ernennung den Einfluß Englands im Mittelmeer vermehren werde. Domerkenswert ist, daß die englische Regierung zuerst bet den Regierungen von Frankreich, Spanien und Portugal anfragte, ob die Ernennung des Herzogs ihnen genehm wäre. Alle drei Regierungen erklärten ihr Einverständnis. Der Herzog wird bald die neue Stellung antreten. Der Rücktritt Lord Eromers von seiner Stellung als diplomatischer Agent und Gencralümsul in Aegypten, wo er indes als tatsächlicher Vizekönig nahezu unumschränkt herrschte, hat in England Aufsehen erregt. Roch jüngst machte Lord Cromer den Vorschlag die „Kapitulationen" aufzuheben, durch welche die Exterritorialität der frentben Untertanen garantiert und jebe Den- berung der bestehenden Berfassimgsfvrm in Llegypten von der Einwilligung der Machte abhängig gemacht wird. Sein Nachfolger wird Sir Eldon Gorst werden, und es bleibt abzuwarten, welchen Kurs England in der ägyptischen Frage nun einschlagen Wird. — In einigen Wochen wird die neue engl Heimats- flotte ihre erste größere Kreuzfahrt antreten. Obgleich noch keine bestimmten Befehle ergangen sind, nimmt man an, daß die Flotte, einschließlich des „Dreadnought", sich zunächst nach der Nordsee begeben und sich einige Zeit in den norwegischen und schwedischen Gewässern aushatten wird. Möglicherweise sollen auch einige baltische Häfen angelaufen w^den.
Die w i r t f a)_a ftliche Lage Deutschlands hat sich in Bezug auf die Streik Unruhen wenig geändert. In Hamburg nahmen die Schauerleute eine Resolution an, in der aus- geführt wird, daß sie auf Grund der von den Arbeitgebern vor- «tfdjlagenen Bedingungen die Arbeit nicht wieder aufnehmen ötuten, da ihnen feine genügenden Garantien geboten seien, daß die Arbeitgeber die beiden wesentlichen Punkte auch wirklich einhalten werden, nämlich die möglichst rasche Abschiebung der ausländischen Arbeiter und die Einführung einer regulären Nachtschicht. Die Arbeiter stellen feine positiven Sforberungen und erklären sich bereit, weitere Verhandlungen zu führen, die eine
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preußisches Abgeordnetenhaus.
Berlin, 13. April.
Zunächst stehen auf der Tagesordnung die Z iv i 1 b e a rn t e n- Pensionsgesetze, durch die die Penfionen und die Witwen- und Waisengelder erhöht werden sollen.
Abg. Tr. W o y n a (»rf.) bedauert, daß den Staatsbeamten die früher im Kommunaldienst verbrachte Dienstzeit nicht angerechnet werde. Deshalb werde in der Kommission eine nähere Prüfung notwendig sein.
Abg. P e l t a f o h n (frs. Dgg.) stimmt dem Gesetz in seinen Grundzügen zu. Das Aufrücken der Pensionäre sei nicht genau wie bet den Offizieren geordnet, sodaß zum Teil die Zivllbeamten doch noch ungünstiger gestellt seien. Redner beantragt Ueberweifimg der Gesetze an eine Kommission.
Tie Besprechung wird geschlossen, die Gesetzesvorlage wird öer Budgelkomnnssion überwiesen. TcrS Haus geht zur ersten Beraiuiig deSRichterbefoldungsgesetzes über, durch das die Richter mit den Berwaltungsbeamten gleichgestellt werden sollen.
Abg. K e r u t h (frs. Bp.) spricht sich nn allgemeinen für die Vorlage aus, glaubt aber, daß namenllich die Zeil, die fünf unbesoldete Jahre übersteige, den Assessoren mit mindestens drei Jahren angerechnet werden sollte. Vielleicht (ei es auch möglich, das Anfangsgehalt der Richier von 8000 Mk. auf 3600 Mk. zu erhöhen. Redner beantragt Ueberweijung der Vorlage an eine Kommission.
Abg. L ü d i ck e (frt.) erklärt, feiner Meinung nach werde man bei einer anderweitigen Regelung der Gehälter der L a u d r ä t e über die höchsten Richter herausgehen müssen, da ihre Arbeiten durch die neuen sozialpolitischen Gesetze außerordentlich gestiegen seien. Ties vorausgesetzt, stimme er der in dem vorliegenden Gesetzentwurf vorgefehenen Regelung der Richiergehälter zu.
Aba. Peltasohn (frs. Vgg.) geht auf die Wartezeit der Assessoren ein, die er möglichst verkürzt sehen wolle.
Justizmimster B e s e l e r erklärt, ecr Gesetzentwurf entspreche den Erklärungen, die die Regierung bei der zweiten Beratung des Etats abgegeben hat. Ter Entwurf solle den Richtern erster Instanz die Dienstalterszulage gewähren, die sie bisher noch nicht hatten. Es sei von einer Erhöhung des Aufangsgehalts der Richter gesprochen worden. TaS Gesetz solle aber keine Ausbesserung, sondern eine Gleichstellung nut den Lerwattungsbeamien ijerbei- iührcn.
Ter Gesetzentwurf wird hierauf an eine besonder« Konirnission von 21 Mitgliedern überwiesen. Hierauf fährt das Haus in der Beratung der Kultusetats, Kapitel Höhere Lehranstalten fort. Zunächst wird der Antrag Castel wegen Gleichstellung der Oberlehrer mit den richterlichen Beamten besprochen.
Abg. Cassel (frs. Dp.) gibt eine geschichtliche Uebersieht über die Entwickelung dcr Forderung der Gleichstellung der Oberlehrer inst den Rühtern. 2ie Ausbitdnngszeil für die Oberlehrer ist mit
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Garantie dafür schaffen sollen, daß die Arbeitgeber die von ihnen elbft vorgefchlagenen Bedingunaen auch wirklich einhalten wollen. Es besteht wenig Aussicht, daß die Arbeitgeber gegenwärtig sich zu weiteren Verhandlungen^eneigt zeigen werden. Durch die Herein- ziehung der Frage der Maiserer ist die ganze Situation wesentlich komplizierter geworden. Die Arbeitgeber wollen die jetzt reichlich vorhandenen sremden Arbeitskräfte noch nicht abschieben, um ie in jedem Fall zur Verfügung zu haben, wenn die Schouerleute etwa nach aufgenommener Arbeit am 1. Mai feiern. Bevor aber die fremden Arbeiter abgeschoden sind, ist eine Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich. Der Zuzug fremder Arbeitskräfte nimmt dort wieder zu. — Die Maurer Berlins und in ein paar rhein. Städten wollen den Achtstundentag. Wird mit den Arbeitgebern keine Einigung erzielt und verharren die Arbeiter bei ihrer Forderung, so tritt am nächsten Donner-tag eine außerordentliche Generalversammlung der Baugeschäft: von Berlin zusammen, die dann jedenfalls die sofortige Aussperrung aller un Baugewerbe tätigen Arbeitergruppen beschließen wird. Ein Racygeben der Arbeitgeber gegenüber der Arbeitsverkürzung ist, nach der Stimmung urteilen, die in Unternehmcrkreisen herricht, völlig ausgeschlossen. Selbstverständlich wäre ein ®auarbeitcrr.uSftanb jetzt zu Beginn dcr Hochsaison von unabsehbaren Folgen.
Auch in Frankreich weht rechte Streittust. Die Arbeiter der Nahrungsmitlelgcschäfte — Backer, Köche, Metzgcr re. — sind in den Streik eingetreten, ebenso Slahlioerksarbetter, die See- und Zimmerleute bereiten ihn vor. Post-, Telegraphie- und Telephonic-Arbeiter stehen nn Begriff zu streiken uno die Unter» beamten dieser Behörde wollen die Streitenden moralisch und pekuniär unterstützen. Die franz. Regierung bat sich zwar in bezug auf die RahrungSversorgung vorgesehen. Die Proviantmagazine der Armee sollen für Brot sorgen, die Soldaten, btt Metzger sind, sollen die Biehschlachtungen übernehmen, die stteckenden Postler I ollen entlassen u>nd durch Soldaten ersetzt werden. Ob es trotzdem der Regierung gelingt, des Ausstandes, der als Probemanover für den Generalstreik angesehen wird, Herr zu werden, bleibe dahingestellt — jedenfalls ist Eiemenceau fest dazu entschlosten und er gedenkt namentlich den Beamten wegen ihrer Forderung des Stteikrechts energisch cntgegenzutreten. Im übrigen hat orant» reich wieder ein S k a n d ä l ch e n, wenn es auch diesmal sich nur um ein „kleines Panama" handelt. In der Stadt Bourges sind g r o ß e B e st e ch u n g e n bei der Lieferung von Materialien für die Kriegsverwaltung festgestellt. Am meisten belastet erscheint der sozialistische Deputierte Dufeut, und mit ihm sind mehrere General- und Gemeinderäte sowie etwa 50 angeschene Grobkaufleute aufs ärgste kompromeniert. Dies Konsortium soll seit 35 Jahren den Staat um nicht zu berechnende Summen betrogen haben.
Die russische Duma hat in der letzten Woche erfreuliche Zeichen einer gewissen Besserung fleben. Sie führte die erste Beratung des Budgetsentwu'.fs zu Ende und beschloß dessen Hebet» Weisung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre an die Budgetkommission. Vorher hatte der Vertreter der Stadt Petersburg, der Kadatt Fedeorows, eine beachtenswerte Rcdc gehalten, die gewissermaßlni der Politik des jetzigen Finanzministers zustimmte und vom Hause ein ruhiges Arbeiten ohne alle Voreingenommenheit und ohne politische Sonderbe- strebungen verlangte. Die Abstimmung, in der die Kadetten sich mit den Gemäßigten Mid der Rechten für die Heberweisung an die Kommission aussprachen, kann als ein Sieg über die äußerste Linke bezeichnet rcerhett und gibt allen Grund zu der Annahme, daß die konstitutioncilen Demokraten sich endgültig und völlig von der Linken losgesagt haben und bereit sind, tatiächllche parlamentarische Arbeit zu leisten und ohne Mcksicht auf die Angriffe von Links und die Schmähungen von Rechts. Ein gesunder Liberalismus, der in ihrem politischen Verhalten jntmer mehr zu Tage tritt, wird vielleicht im Stande sein, die russischen Zu- ftänbe wieder so zu konsolidieren, daß auch im heiligen Rußland der Parlamentarismus allmählich zur Geltung gelangt und nicht zur Farce herabsinktt
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Nr. 87 Erstes Blatt 187. Jahrgang Montag 18. April 1907
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General-Anzeiger für Gberheffen MZ
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