Ausgabe 
13.11.1907 Erstes Blatt
 
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157. Jahrgang

Erstes Blatt

Aie Heutige Yummer umfaßt 12 Seiten

RusLcrnS.

f r n d u n g bezeichnet.

Zum neuen Marine-Attach 6 bei der deut­schen Botschaft in Paris ist der Fregatten-Ä'apitän bisher zur Verfügung des Staatsseirerärs des

Arel^udent n.

In Charlottenburg am Sitz der Technischen Hoch­schule haben die BerlinerFreistudenten" dieser Tage eine Konserenz abgehalten. Freistudenten sind, was man srüher Wilde" nannte: die Nichtangehörigen einer Couleur oder einer sogenannten schwarzen Verbindung. Aber sie sind

gemeiner Begeisterung freundschastiiche Reden gehalten.

Windsor, 12. Nov. Tas Programm sür das weitere Verweilen des Kaisers in England nach der Be­endigung des ossiziellen Besuchs am Montag steht noch nicht fest. Die Kaiserin dagegen wird sich am Sams­tag oder Sonntag auf derHohenzollern" nach Holland begeben. Der Staatssekretär v. Schoen kehrt am Montag nach Berlin zurück.

Ter Nebel verschwand heute früh vollständig und die vom herrlichen blauen Himmel scheinende Sonne liest den in den Herbstfarben prangenden Wald von Windsor wie ein Märchenland erscheinen. Nach erfolgreicher Jagd fuhren der Kaiser und der König nach Cranborne Tower zum Frühstück, an welchem auch die K a i j e r i n und die Damen der königlichen Familie teilnahmen.

____, _______ _______J: eine Organisation beu Fuwenchiaft auf der Grundlage bestimmter moderner Tendenzen. Wie die Russen der 70er Jahre wollen diese Freistudentenunters Volk gehen", wollen Bildungslurse sür Arbeiter abhalten und dem bewegten und vielgestaltigen Leben dieser hasten- )en, unruhevollen Zeit an den Puls suhlen. Aber auch nach neuen Formen der studentischen Geselligkeit schauen sie aus; nach einer Geselligkeit ohne Trinczwang und Pennalismus, und die ernstesten unter diesen jungen Leuten erklären gar dem den Krieg, was^ die Jungw.ener uns ein wenig euphemistisch als dasjüste Madt" zu bezeichnen gewöhnt haben. In solchen Bestrebungen ist mancherlei, was Sympathie veroient. Es ist eine Tatsache, die jeder Akademiker vielfältig bestätigt gesunden hat, daß der Prozentsatz der Gescheiterten und Verbummelten gerade unter den sogenannten Wilden (zumal in Berlin) besonders

Portsmouth, 12. Nov. Beiden von den Marine­behörden zu Ehren der deutschen Seeleute veranstalteten Mahle wurden Trink spräche auf Kaiser Wilhelm und König Eduard, sowie auf die deutsche Marine ousgebracht. Während des Mahles konzertierte die Ar-

Reich.

Berlin, 12. Liov. 5ute in verschiedenen ausländi­schen Blättern und auch in einem Teile Der deutschen Presse erschienene Nachricht, daß zwischen der deutschen und eng­lischen Negierung Verhandlungen im Gange sind, um den im Mrdosten von Deutsch-Sudwestasrila belesenen Ea- Privi-Zipsel gegen d ie Walsischbai auszu- l a u j che n , wird im Kolonialamt als tendenziöse E r -

em -Sitticnei Anzeiger -rden im Wechsel mit m Kesstlchen eandwirl e gNehencr Familien- älter viermal in bei iod)e beigelegt und zetmal wöchentlich das itisblatt für den Kreis ieften. steri'Wrech-An- Uubl.d. Redaktion 113 erlag u. ^-pebuion 51

AUS V..Q08 MIC

Gießen, 13. Nov. 1907.

** Vom Grosth. Hose. II. KK. HH. der Groß­herzog und PrinzHeinrichvonPreußen nahmen am Montag auf Einladung des Freiherrn Heyl zu Herrns­heim in Worms an einer Treibjagd aus Ha,en teil. Nach Schluß der Jagd fand im Schloß zu Herrnsheim ein Essen statt. Die Rückreise nach Darmstadt erfolgte um 10 Uhr abends. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen reisten am Tienstag vormittag um 10 Uhr zum Besuch der Großherzoglich Badischen Herrschasten nach Karlsruhe, von wo sie am Abend nach Darmstadt zurück- kehrten.

**Landesuniversität. Tr. W. F. B r u ck, früher Assistent am Botanischen Institut, hielt gestern zum Zweck seiner Habilitation für das Fach der Botanik eine öffent­liche Probevorlesung überWachstum und Fortpflanzung".

Persona lien. Der Schrcibgehilfe Franz Philipp Merle zu Alzey wurde zum Schretbgehtlfen bei dem Steuer- kommisjariat Lauterbach ernannt.

Erledigt ist ab 1. Ian. k. J§. eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gememde- schule zu Klein-Winternheim. Mit der Stelle ist Orga- nistendienst verbunden.

* Schüler-Faustballverein. An dem Neal- gymnasium und der Oberreal schule wurde ein Faust­ballverein ins Leben gerufen. Die Nereimgung hat das Bestreben, die guten Einflüsse des gesunden, kräftigenden Sports, der in freier Stift ausgeübt wird, recht vielen Schülern teil­haftig werden zu lassen.

* * Bezirksverein Ost. Am Montag, 11. d. M., wurde imKronprinz", Licher Straße, von einer gut be­suchten Versammlung eine Vereinigung für den östlichen Stadtteil gegründet. Ter Zweck des Vereins ist, Gemeinde- angelegenhetten der Stadt Gießen zu besprechen und zu den Stadtverordnetenwahlen Stellung zu nehmen.

* * Chauffeurin und Hebamme. Tie Auto­mobilsachschule in Mainz erläßt im Interesse einer ihrer Klientinnen das solgende Inserat:Tüchtige Chauffeurin, mit dem Automobil vollständig bcrtraut, gute und sicher^

verwirklichen werde.

Tie PariserAurore" schreibt zur Monarchen­begegnung in Windsor:Wir wünschen herzlich, daß in Windsor von Marokko gesprochen werde, und zwar gründlich. Wenn wir auch anerkennen wollen, daß Mi­nister Pichon bisher die Angelegenheit mit großer Besonnen­heit und löblicher Energie geführt, hat, so müssen wir doch eingestehen, daß mxin in gewissen Kreisen nicht recht weiß, wie die Geschichte nun weiter gehen soll. Sicherlich wünscht die Regierung von ihrem Programm nicht ab­zuweichen, aber die Ereignisse können sie leicht zwingen, gegen ihren Willen über die gezogenen Grenzen hinauV- zugehen, und dann sind die Verlegenheiten da. Deshalb wäre es gut, wenn die Souveräne in Windsor Gelegenheit nähmen, sich über solche Eventualitäten schon im Voraus auszusprechen, wenn sie sich über europäische, besonders aber über ihre marokkanische Politik unterhielten., xann vird ihre Zusammenkunft aller Welt von Nutzen fern.

Wien, 12. Nov. Tiü neuen Minister wurden beim Erscheinen im Saale des Abgeorvnetenhauses von den Sozialisten und Tschechisch-Raditalen mit stürmischen Protest­rusen, Pfui und Abzug empfangen.

Rotterdam, 12. Nov. Die deutsche Kaiserin kommt am Sonntag gegen Mittag an Bord derHohen- zollem" in Ymuiden an, wo der kaiserliche Sonderzuz sür die Reise nach Het Loo bereit ist. Die Kaiserin reift mit dem nämlichen Zuge nach Deutschland. Es wird hier sehr angenehm empfunden, daß die Kaiserm es sich nicht nehmen lassen wollte, die holländische Königin uni> den Prinzen Heinrich aus der Durchreise zu begrüßen.

Paris, 12. Nov. In der Deputiertenkammer begann heute die Beratung der Interpellation über Ma­rokko.

Ans Batna in Algier werden ernste Un­ruhen berichtet, die durch die Spähis veranlaßt worden sind. Das Betreten des Eingeborenen-Viertels wurde diesen i verboten, trotzdem begaben sich über hundert Soldaten bewasfnet in dieses Stadtviertel und versuchten in die Wohnungen einzudringen. Die M e u t e r e r bedrohten ein aeqen sie entsandtes Bataillon und beleidigten den Führer, der sich mit feinen Soldaten eiligst zurückziehen mußte. Die Meuterer kehrten abends in ihre Garnison zurück, nachdem sie verschiedene Krawalle mit den Eingeborenen gehabt hatten, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Ver- i [phfp aab.

Petersburg, 12. Nov. Der Minister des Aeußem, Iswolski, ist von seiner Auslandreise heute wieder in Pe­tersburg eingetroffen.__

"U deutsche Katselpaar in Hilglano.

Publikum und Presse Englands überbieten ein* tber in Sympathie - Bezeugungen sür die kaiserlichen äste. Einige englische Blätter verössentlichen die Be- me über die Ankunft in Portsmouth und Windsor U deutscher Ueberschrift. Daily Expreß bringt )flar xinen ganzen Begrüßungsartikel in eutscher Sprache. In säst allen politischen und ivaten Kreisen kommt die Erwartung zum Ausdruck, für die Reihe der englisch-deutschen und deutsch- iglischen Höflichkeitsaustausch- und Freundschaftsbewesien letzter Zeit dieser Kaiserbesuch die dauernd ersolg- lche Krönung bedeuten werde.

. Ein Spezialkorrespondent des Reuterschen Bureaus

Mittwoch 13. November E 907

Bezu gSpretsr monatlich 7b Pt., otertel- A jährlich Mk. 2.20, durch «d ^^bole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pj.; durch

|r. 207 r|^cini td «It* außer Sonntagl.

groß ist.

Der Verbindungsstudent mit oder ohne Couleur hat seinen Halt an der Korporation, die meistens doch Darauf sieht, daß einige Ordnung in den Stuoienbetrieb lammt um) die Examina wenn auchcum acho era- choque^ absolviert werden. Der Wilde jrand Yäusig ohne Führung und Leitung innerhalb der Strudel her Großstadt uno oft genug tum es dann vor, daß sie den nach so und so viel zwecklos vertanen Semeicern wurzellos Gewordenen vollends hinabrissen. Es ist also gut uiü> nützlich, wenn sich nun auaj dem Wiloen Institute öffnen, Ue ohne groß: Ansprüche a.i Zeck uno Gela deö Einzelnen ihm uuuj uie Vorteile des Zus ammensch ins, es und der Or­ganisation gewähren, ihm seine Bedürinisje nach Ge,eilig- ceit, die jeder junge Mensch hat, befriedigen Helsen und ihn auch sonst noch vor die eine oder andere praktische Aufgabe stellen. Auch was von jener Seite gegen Bacchus uno Venus unternommen wird, verdient ausmunternde For- Dcrung; gerade die Finken sind, wie gesagt, nach dieser Richtung immer am meisten gefährdet gewesen. Es sind nicht immer die schlechtesten Elemente, viel jach nur die weich- mütigften, sentimentalsten gewesen, die am süßen Mädel jtranoeten, für das man in der nicht übermäßig gemüt- oolten Berliner Atmosphäre ja auch Oie greuliche Bezeich­nungVerhältnis" prägte.

Kurz unü gut: es ist in der Idee dieser sreistudentischen Organisation allerlei Ansprechendes. Ob ihr die Praxis immer entspricht, möchten wir so ohne weiteres nicht ent­scheiden. 9cach manchem, was wir beobachten dursten, icheinen sie die Geiahr eines gewissen frühreifen Altttug- iuns nicht immer vermieden zu haben. Das ist ja die Klippe, an der Leute, die sich für modern ausgeben, so leicht scheitern. Sie halten sich für der Zeiten Vollender und bilden von so erhabenem Postament mit unendlicher Hoheit (die sich nicht immer mit Milde paart) aus alles herab, das sick) noch nicht zu der gleichen Erkenntnis durch- rang. Und so stehen die Dinge hier doch wohl nach nicht. Die Freistudentenschast mag eine sehr nützliche Jnstilutton sein. Aber doch nur eine neben manchen anderen. Für io gar überlebt machten wir die alten Studentenbünde Denn doch nicht halten. Gerade sie haben dem Leben der 'Nation außer vielen Durchschnittsnaluren und -Typen (Oie allerorten in der Mehrheit sein werden; doch auch unter- jchiedliche Persönlichkeiten von Eigenart und Bedeutung geschenkt.

dieVost Ack.3. otettel» jährl ausjchl. Bestetig.

ZeileuprerS: lokal 15'ßtj auSwärlS 20 IMemiig.

Beranr wörtlich

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----- General-Anzeiger far GderM» -WU

ragesuummer ttoiationrdrnck Verlag der Vrühl'schen Univ.'Vuch- und Zteindruckeret. B. tauge. Heöaftton, Expedition und vruckeres. SchnsftrOße 7. jUuzeiqenteü^

6 oormütaga 10 Uhr. ________ ______________ii imi im

^erLänder aus höre, Dinge zu sagen, die nur darauf be-1 Tagen betont, daß er die Llugen o,sen gehalten, aber nie- echnet feien, eine Verbitterung hervorzurusen. Herr von m^ls^unb e^e ch^trg t^ Ein s rne e g^e- Echoen erkannte an, daß^ s^ch tmmer mehr das Bestrebei. ^*af Hohenthai, könne nur erklären, daß er, solange er jJ idtenb mache, wirklich freundschaftliche Beziehungen gu l , seinem Platze siehe, keine Nebenregierung dulden werde. :e pflegen. Man möge gewisse Mißverständnisse, die auf bei- _______ -

>en Seiten vorgekommen seien, vergessen und deß ein* tebent sein, daß beide Völker, Schulter an Schulter auf >em Wege der Kultur und der Förderung von Allem was ,em Menschengeschlecht am dienlichsten fei, marschierten. 3um Schluffe könne er versichern, daß der Besuch der Ma- estäten unter den glücklichsten Anzeichen begonnen habe. Sie Wärme des Empfanges habe die Herzen des Kaisers und der Kaiserin tief gerührt und es liege kein ^rund vor, daran zu zweifeln, daß diese glückliche Ange- ; egenheit die schönen Hossnungen, von denen er gesprochen,

itte gestern im Sck)lvsse zu Windsor eine Unter* ebung mit dem deutschen Staatssekretär Auswärtigen, Herrn v. Schoen, bei der zunächst

>x Kaiserbesuch besprochen wurde. Herr v. Schoen sagte, ih der Kaiser sehr erfreut fei, England einmal wieder i besuchen und feine Verwandten zu begrüßen und daß . jCinem Besuch der Stadt London mit Freude entgegen*

öi Tie Frage nach seiner Beurteilung des Besuches 'bin politischen Standpunkte aus beantwortete il Schoen dahin, daß keine Notwendigkeit vor- egez eine besondere politische Bedeutung in wen Besuch hineinzulegen. Er betone aus- nkcklich, daß keine Absicht bestehe, in Windsor irgend ne politische Frage zu erörtern. England und eutschland seien in der glücklichen Sage, keine aktuellen IStarcke, bisher zur Verfügung des Staatsfeireiars des alitischen Fragen vor sich zu haben, die der Erledigung Reichsmarineamtes, ernannt worden. . . x.,

irrten. Natürlich gebe es zwischen zwei großen Nationen! Bonn, 12. Nov. Heute nitttag ^nd die ftier^i )e

«niner eine Anzahl Ses-hÜstlicher S-agen zu behandeln aber Smmat^U

. ies sei Sache der beiberfeitigen Botschasl.cP. An diesen am Portal von Rektor und Kurator empfangen und itück verheißenden Besuch würden große Hoffnungen ge» Senatssaal geleitet, wo die Mitglieder Oes Senats

lüpft. Man hoffe und glaube, daß er eine Erneuerung sowie die Lehrer des Prinzen anwesend warem Nach einer er herzlichen Beziehungen, wie sie zwischen den Ansprache des Rektors gelobte der Prinz durch den Hand- eiöeii Ländern von Alters her bestanden hätten, herbei- schlag, daß er die akademischen Gesetze beobachten werde ihren werde. Diese Beziehungen seien zwar immer korrekt und trug sich alsdann in bas Album Oer Universität sowie =«*« »b--"ich- fft&S'Ä

",,ch"m-ch,-». SSitaM Ä5'- *°»i1 ** **» -

icht sagen, daß man in Deutschland ein besonderes, genau DL ü n ch e n, 12. Nov. PrinzArnuls von Bayern

estimmtes politisches Abkommen ober irgend eine Ver- heute abend 7 Uhr 40 Minuten in Venedig nach zwöls-

inbarung erstrebe, die irgend einer anderen Macht Anlaß stündigem Todeskampse verschieden. Zugegen waren a BeiürÄtunaen geben könnte. Nichts liege ihm ferner als seine Gemahlin, Prinz Heinrich und Prinzessin Therese von as und seine Hoffnung sei nur, daß die Beziehungen Bayern. Arnulf ist der 18o2 geborene dritte Sohn

rischen den Regierungen beider Länder den nicht nur kor- des Prinzregenten Luttpold. Er war vermahlt mu bei et'en, sondern herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Isächsischen Kam- )errschersamilien immer ähnlicher werden mochten, ^ele mer ßClö öec Minister des Innern, Gras Hohenthal

tu '.emerfung des Staatssekretärs gab Veranlassung zu einer . 2Ute ^ur Angelegenheit der 9^ebenregierung die Er- -esprechung der Presse-Methode in England und Deutsch- ^rung ab, daß er weder Neigung noch Berus ver.pure, sich and, an deren Schluß Herr v. Schoen seiner aufrichtigen über das auszulafsen, was unter seinem Vorgänger ge- Cenugtuung darüber Ausdruck gab, daß die P r es s e b e i-schehen fei. Finanzminister v. Rüger yabe^schon vor einigen

tillerie-Musikkapelle, mit der die deutschen Mannschaften noch etwas anderes abgeholt und nach dem Festlokal geleitet wurden.

250 englische und deutsch eMatrosen wurden heute mittag von den Marinebehörden in den Schisfs- baratfen bewirtet; bei dem Festmahle wurden unter all-